wehren,
verb. zur idg. wurzel *ver(u) '
schlieszen, durch verschlieszen schützen, bedecken'
gehören die verba aind. vāráyāti '
bedeckt, hemmt, hält ab' Uhlenbeck 283.
causativ zu vṛṇōti '
verhüllt, bedeckt, umschlieszt, hemmt', apa-vṛṇōti '
deckt auf', api-vṛṇōti '
verhüllt' Uhlenbeck 293;
avest. var- '
hemmen, verhüllen'
; gr. ἔρυσθαι (
*Ϝερυ-) '
zurückhalten, bewahren, schützen'
; lat. aperio, operio
aus *ap-,
*opverio '
öffne —
schliesze'
; asl. vъrą,
inf. vrěti '
schlieszen', ot-voriti '
öffnen'
; lit. ùž-veriu '
schliesze, mache zu', àt-veriu '
öffne, mache auf', veriù,
inf. vérti '
auf- oder zuthun, öffnen oder schlieszen'.
überall sind die verba der bedeutung '
hemmen, schlieszen'
ursprünglich, die der bedeutung '
öffnen'
jüngere gegenbildungen. —
die germanischen verba der sippe bleiben ganz im alten bedeutungskreis: got. warjan '
wahren, hindern' Feist 309;
anord. verja '
vertheidigen, schützen, abhalten, hindern',
schwed. värja,
norw. verja,
dän. verge Falk - Torp - Davidsen 1369;
ags. werian '
vertheidigen, abwehren, aufdämmen' Bosworth - Toller 1207
b,
mengl. wérien Stratmann 679
b;
afries. wera '
vertheidigen' Richthofen 1136, Siebs
grundrisz 1
2 1186. 1325;
asächs. werian '
hindern, schützen, bewaffnen', biwerian '
verbieten' Wadstein 173;
mnl. weren Oudemans 7, 923,
nnl. weeren, weyren Kilian (1632) XX 3
b;
ahd. warjan, werjan,
alem. fränk. werren (
mit rr
aus rj Braune
ahd. gramm. § 118
anm. 3) '
hindern, schützen, vertheidigen',
dazu ga-, ar-, bi-, farwerjan Graff 1, 924
ff., mhd. werjen, wer(i)gen, wern '
schützen, vertheidigen, hindern, verbieten'
mhd. wb. 3, 513
f., Lexer 3, 789
f. —
die geltung des worts ist so allgemein wie alt, soweit erkennbar fehlt es zu keiner zeit und in keiner deutschen mundart. form. 11)
die ältesten glossen bieten noch formen ohne umlaut: uetat uuarit,
prohibet faruuarit Steinmeyer-Sievers 1, 88, 28
f.; prohibit ac -buit uuarit 186, 30.
ahd. wird dann werian
die normalform, im älteren mhd. (
spec. bair.) wergen, werigen:
wie in nergen, nerigen
bleibt nach r
das j
der ersten schwachen classe zunächst erhalten: (
gott lehrte uns) di warheit bischirmin, ungerne suerigin, uir miden duo lastir ioch werigin
deutsche gedichte des 11. u. 12. jahrh. 101, 14
Diemer; man sol iʒ in allen weregen, ube si di sêle sul generegen 30, 5; nuo gip mir geleite heim zuo minem erbe,
daʒ wil mir tieuel wergen 312, 25;
alem. noch bis ende des 13.
jahrh.: so wirstu beroubet diner sterchi, mit der du dich soltest wergen diner vigende
predigten 1, 125
Grieshaber, bair. bis ins 15.
jahrh.: item wo einer wismath hat hinter dem andern, der mag sein hö wol füren den pesten weg, dasz soll im nymant wergen Lori
urkunden zur gesch. des Lechrains (1435)
nr. 144 § 55
u. ö. 22)
die schreibung mit ö
ist älter als beim subst., sie setzt in Augsburg schon 1387
ein: als sie nun über den waszergraben warn komen, da wört in niemant nichtz weder mit schieszen noch mit werfen
städtechron. 5, 35, 27.
sie greift auch landschaftlich etwas weiter als beim subst., namentlich in die Schweiz: do hinderhielten und wörten d eidgnossen, ouch fürtreffenlich ein wise stat Bern mit allem ernst Anshelm
Berner chron. 1, 105 (
z. j. 1477).
im ganzen sind aber dieselben druckstätten betheiligt wie dort, es sind vor allem Basel: die Machabeer wolten nitt am fyrtag wören sich zuo strit: ir wurden vil erschlagen dott Brant
narrenschiff 95, 54 (1494);
entspr. 105, 3.
Straszburg: ist es nit ein cläglich ding, das man so grossen kosten hat, wie man den lüsen wört ir statt? Murner
narrenbeschw. (1512) 34, 37; wesch die statt mit gesaltzenem wasser, so got das grob bluot herusz. und leg uff die statt ein küchlin also gemacht, das do wört die fülung, und weychet Gersdorff
wundarzney (1517) 67, 1
a; hat er eylents ettlich auff die velder auszgesandt, die den feynden, das ihnen nichts zugieng, wöhren solten Hedion
Josephus (1556) 16
a.
Tübingen: man mag gewalt mit gewalt wören oder vertreiben Hutten 5, 388
Böcking; ir solt nemen das schwert des heyligen geysts, das ist, das wort gottes, damit solt jr euch wören 5, 394; welcher muotwillen die Rhömer mit gmeynem edict haben müssen wöhren und fürkummen Franck
weltbuch (1542) 72
b.
nachmals ist wöhren
die schreibung Weckherlins,
und noch 1654: damit dem mangel bey zeitten desto basz gewöhrt mög werden
würtemb. revid. bauordnung 123.
hauptort ist von anfang an (
s. o.)
Augsburg: (
der von Maidpurg hat sich auf dem Allerheiligenberg festgesetzt) und will uns von dannen beschedigen und bekriegen; ob man im aber das bestatten und verhengen wöll, das main
ich nit, dann solt man ims nit wören am ersten und solt sie da laszen ungeirret, sie machten bald ain deber (
verhau, wagenburg, th. 11, 7) und verpauten sich
städtechron. (1462) 5, 284, 23; wenn man mitt jm (
dem häslein) streitten will, es wöret sich nitt Keisersberg
has im pfeffer (1510) Aa 6
d; darmit muosz man den bösen wören, auff das, so man gleich dem hertzen nitt wören kan, das man doch allain die hend innhalt Luther 10 iii 240, 16 (
Otmar 1522)
Weim.; das ewer pfaffen eelich weyber haben, welcher bischoff euch sollichs wören will, des gebot solt yr nicht achten Eberlin
sämtl. schriften 2, 35; ich find inn aller weysen rat, das ich mich wör mit gleycher that Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 146;
entspr. 138; ich ... wörete den seelen, von dem schaffbluot zuotrincken Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 46
a; mit denen zog er dem römischen kaiser under augen, wöret im den eingang des waldts
Zimm. chron. 1, 63, 28;
als einzige schreibung in Sprengs
Ilias (1610).
Ingolstadt: Petrus nam jhn zuo jhm, fieng an, jhm zuo wören Eck
bibelübersetzung (1537)
Mark. 8, 32.
Nürnberg: dergleichen der jungfrouwen lieb zu nam wie ein fewer, so man dem nit wöhret, das bald gross wirt Schumann
nachtbüchlein (1559) 96
Bolte; secht! hört! mich deucht, ich seh sie schon auff uns herein dringen ernstlich. nun wöhr sich, wer kan wöhren sich Ayrer
dramen 1, 692, 36
Keller. München: sich des tags vorm feind zuwöhren, und sich des nachts gott zubevelchen Albertinus
der kriegsleut weckuhr (1601) 50
f.; wann es zum treffen und schlagen kompt, sollen sie sich waidlich wöhren mit den füssen (
d. i. ausreiszen)
zeitkürzer (1603) 56
b; den feisten, dies maul beeren, sagt er, mein brüderle, musz ich mit fleglen wöhren, für dich allein thut kehren (
gehören) ein kleines truckerle Balde
Agathyrsus (1647) 81, 3.
für Östreich, wo allein gerundete aussprache bis in lebende mundart gilt (wörún Lexer
kärnt. 255),
ist die bezeugung aus alter zeit dürftig: erstlichen ist von alters her der prauch gwest, das man auf disen tag rattig worden, wie und wann man auf der Etsch wörn solle
östr. weisth. 4, 215 (
Tirol 1583). 33) e
der endung nach r
mit voraufgehendem kurzem vocal ist obd. etwa seit 1070
geschwunden, die frühesten belege bietet wie bei wehr
f. die ad. genesis: er phlanzot sinen gartenmit maneger chroute arte, da mit er sich nerte,des hungirs er sich werte 23, 15
Diemer (
entspr. fundgr. II 24, 34),
doch werest
das. 112, 3, weren 124, 2.
die formen ohne e
sind fortan die regel bei den obd. dichtern, doch bleiben unter dem einflusz von verben mit anderm stammauslaut durchbrechungen der regel viel häufiger als beim subst. (
s. o. 150): dô wolden si den gestenweren bürge unde lant
Nib. 197, 4; nû werent iuch, ritter, eʒ ist zît Hartm. v. Aue
Erec 4346;
entspr. Iwein 5296; ouch verstuont her Iwein wol daʒ er sich weren solde 1005; prîs gedient hie Parzivâl, daʒ er sich alsus weren kan wol hundert trachn und eines man
Parzival 263, 15; nu were sich der sich weren mag Heinrich v. Neustadt
Apollonius 9427
Singer. obd. prosaschriften rücken beiderlei formen gelegentlich dicht neben einander: werent si daʒ phant, si tuont wider reht. unde kument si fr gerihte, unde hant si das phant gewert, si wettent dem rihter drie schillinge
Schwabenspiegel § 195
Laszberg; wer die bericht füeret ab dem urbar oder den wern bei dem wasser nicht weret
öst. weisth. 1, 2 (
Salzburg 1387). —
gleiche inconsequenz herrscht im md. hier sind die vollen formen zu erwarten: ich ne trûwe mich nicht ir weren
könig Rother 2865; sie haben ouch mit werender hant betwungen sider gûte lant
livl. reimchr. 2277
Meyer; also das wir mit werender
hand und wie wir durch gemeinen rate konten von ine trachten
städtechron. 2, 495, 17 (
Ansbach 1458),
doch in denselben quellen: die werten die krône deme rîchen ervelôsan man
könig Rother 2956; er sprach: wir suln uns aber wern
livl. reimchr. 4940; also luffen die baurn herauʒ mit wernder hant
städtechron. 2, 176
var. zu 23 (
Nürnberg 1449),
gelegentlich wider beiderlei formen im gleichen satze: wo man melczen, bruwen, fremde bir schencken vormals yn der mylen gewert habe, do sal unde magk mans furder weren
codex dipl. Saxoniae reg. II 12, 156 (
Freiberg 1437).
gekürzte formen zeigen graf Rudolf, Athis u. Prophilias, Herbort v. Fritzlar, Stricker,
passional, Heinrich v. Freiberg, Heinrich v. Hesler, Konrad v. Megenberg, Stolle,
Limburger chronik, die vollen formen überwiegen in Lamprechts
Alexander, der vulgata des Sachsenspiegels, bei Hermann v. Fritzlar, Joh. Rothe. —
mnd. sind die gekürzten formen selten auszer im westen (
s. o. sp. 151): si heilden up der baich mit stride unde werden sich mit nide
städtechron. 12, 51
v. 1025 (
Köln um 1280); de (
gasse) wart van zein hunderden gewert 12, 123
v. 3550; wer dat de scutten sik werden, wy se neddersluge, de scal dar nenen broke an hebben
meckl. urk. (1351) 13, 110; disse plasmeker werden dat und wolden nene berichtinge hebben
städtechron. 7, 309 (
Magdeburg 1402); alse he horde dyt gheferde, gans harde he sick do werde ore vorsprake to wesen 16, 111
v. 301 (
Braunschweig 1488); so stunt Hollant up unde werde sik nicht gans sere 16, 355, 11. —
im 16.
jahrh. hat Luther
stets die vollen formen und darin scheinen seine md. zeitgenossen, Mathesius, Lindener, Schumann, Schweinichen,
Faustbuch und buch der liebe im ganzen zu ihm zu stimmen, während die obd. zeitgenossen, H. Braunschweig, Münster, Boltz, Knebel
und Zimm. chron. die kurzen formen begünstigen. verwischt ist die alte scheidung in gebundener rede: hier erlauben sich Murner, Gengenbach, Manuel, Fischart
volle formen, Alberus, Waldis, Ringwaldt, Rollenhagen
kurze, und dabei gilt keine andere regel als der versbedarf: so wil ich schicken umb und umb mein trabanten und meine knecht mit gwehrter handt nach krieges recht Sachs
werke 11, 192
Keller; manchem mann wehret sein armut, dasz er etwann kein ubel thut 19, 83; aber wie sehr ich jmmer wehr, so wachsen sie nur jmmer mehr Fischart
Eulenspiegel 7
v. 147
Hauffen; und seyt bereyt mit göttlich lehren, darmit jhr möcht dem bösen wehren Amadis
buch 6 (1572) A 7
a.
noch im 16.
jahrh. setzen aber neue tendenzen ein, die den jetzt geltenden zustand herbeigeführt haben: der zusammenstosz von rn
wird im schriftbild gemieden, der von rt
gesucht, e
im freien auslaut gern gesetzt, so dasz die formen wehr, wehrn, wehrnder
schon bei Rebhuhn, Xylander, Münster, Sebiz
kaum mehr vorkommen, so wenig wie wehret, wehrete(n), gewehret
bei Schwarzenberg, Scheidt, Kirchhof
oder im Faustbuch. —
im 17.
jahrh. haben dann diese bestrebungen gesiegt, regelwidrige kurzformen sind jetzt auch in der dichtung ganz selten geworden: man sol keinem die natur wehrn, wann er jhr braucht ohn sünd in ehrn, er sey gleich jung oder was alt Eyering (1601) 1, 41; ich (
Bethlen Gabor) dank euch alln zugleich, ihr herrn, wir wolln uns widern feind wol wehrn Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 37; dann raube, plünder er (
der krieg), dann wehr er seinen mann, zu weisen, was sein löw, was zieg und drache kan Logau
sinnged. 75, 280
v. 75
Eitner; trägt man mir arbeit an: ich wehr, ich sperre mich Neukirch
ged. 146.
nicht so selten sind wehret(en), gewehret:
auszer bei md. nd. dichtern wie Fleming, Gerhardt, Logau, Lohenstein, Neumark
und Rist
finden sie sich auch bei theoretikern: ein degen, spies oder dergleichen, damit man sich wehret oder verwahret Gueintz
deutsche rechtschreibung (1666) 159
und selbst in obd. drucken, die sich damit offenbar der Luthersprache nähern wollen: dann des menschen geist der wehret sich mehr, als der geist desz vichs Paracelsus
opera 1, 19
c Huser (
Straszburg 1616).
von den prosaikern bevorzugt als letzter wohl Grimmelshausen
die vollen formen. —
der überblick über das verhalten der lebenden mundarten wird dadurch erschwert, dasz man aus ihren wörterbüchern regelmäszig nur den inf. erfährt, in dem von Friesland bis Siebenbürgen die e-
formen überwiegen (
s. u. 6).
kurze formen in Waldeck Bauer - Collitz 112;
rheinfr. wēarn Heilig
Taubergrund § 194, 1;
vogtl. wærn Gerbet § 51;
bair. wérn Schmeller
2 2, 972;
wien. wehrn Hügel 187;
kärnt. wörún Lexer 255;
lusern. veltl. wērn Bacher 226. 44)
durch den ausfall von e
nach r
ist das mhd. kurzsilbige verb. den langsilbigen der ersten classe (brennen, brante)
einen schritt näher gekommen. der zweite schritt, rückumlaut im praet. (
nach brante
u. s. w.),
ist im schwäb. alem. südwesten im 14.
jahrh. gethan (
s. th. 5, 410): aber die von Büren warten ir stat gar manlich und tauten groʒʒen schaden heruʒ
städtechron. 4, 49, 22 (
Augsburg 1377); die büttel desselben baupstes ... jeglicher in siner hand ain silbrin, vergülten, micheln stecken, die wartend dem volk vor getrang Richental
chron. des Konstanzer concils 30
Buck; das wart inn nieman 84; sy wartend sich ein lange zyt, dennocht mocht keiner entrünnen Körner
hist. volkslieder 27 (
Zürich 1475); sy warten sich ein kleine fast (
lies: rast '
weile'
th. 8, 151): darnach sach man sie fliechen fast
V. Weber
siegeslied von Murten (1476) Wackernagels
lesebuch2 1, 1053, 5; als sich der ritter wart und dar by trovwt Niklas v. Wyle
transl. 276, 25
Keller; durch ainander si da trungen mit stich und schlegen hart, Heine was misselungen, wie vast sich Ride wart Uhlands
volksl. nr. 178
str. 13 (
schweiz. 1515),
aber dicht vorher: ir freud het sich verkeret in traurigkait vermist, wie vast sich Ride weret, in half kain fund noch list
str. 11; wie si nun in der vorstat zuom hirzen lagend, wurdends an der nacht gählingen uss der stat und von puren ubervallen, doch so versperten si die tiren, wartend sich bi dri stunden manlich Anshelm
Berner chr. (1515) 4, 108
Blösch; er wuszt der jungen lüdten art und was so wysz, das ersʒ nit wart
schweiz. schausp. 1, 147
v. 1034
Bächtold (Bullinger
Lucr. 1533); auch die weyber und töchter, in harnisch angethan, warten sich dapffer Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 18
b;
schon in diesem quellenkreis dringen die umgelauteten formen ausgleichend vor: die büttel ... wertend dem volk, das nit getreng ward Richental 124; die belägerten wehrten sich ritterlich Stumpf 22
b. 55)
wie in der schriftsprache zwischen alter länge und r
gleitvocal entwickelt ist (geier, bauer, feuer),
so mundartlich auch nach der jungen länge von wehren:
samländ. wăre E. L. Fischer 159;
westf. varə Holthausen § 87, 4;
pfälz. wēarn Heilig
Taubergrund § 198
anm. 2;
cimbr. bearn Schmeller 172.
diphthongierung zu ie
reicht vom nd. bis ins obd.: deu sick wiert vör de dot (
that), för't leugen es jümmer roth Firmenich
Germaniens völkerst. 1, 269
aus Lippe; dai sik wiärt, behält sin piärt Woeste
volksüberl. der grafsch. Mark 80, 374; (sech) w
ieren
wb. der luxemb. ma. 485
a; wier sich net wiert, äs aviert Wander 4, 1865
aus Siebenbürgen; wérn, wiərn, wiən Schmeller
2 2, 972.
hierzu: i liasz ma's — meina treu! — nöd wihrn
volksschausp. in Bayern 209, 367
Hartmann. 66)
erhaltung der alten kürze ist in den denkmälern seit dem 15.
jahrh. kaum je erkennbar: defendere werren Diefenbach
nov. gloss. 128
b aus Liebinger
voc. rerum (
Landau 1466)
und in den mundarten selten: whre
und werre Hönig
Kölner ma. 200; beren, bern (
neben bearn) Schmeller
cimbr. 172.
die regel ist hier einfache länge: nl. weeren Kilian (1777) 793;
ostfries. wêren Doornkaat Koolman 3, 540;
helgol. wērə Siebs 302 (
bei beiden als nd. lehnwort)
; niedersächs. weren (
η)
brem. wb. 5, 237;
meckl. wehren Sibeth 105;
preuss. wêren Frischbier
sprichw. 2, 193;
westf. wrən Woeste 320, Leihener
Cronenb. 133;
köln. whre (
neben werre) Hönig 200;
wald. wǣrn Bauer-Collitz 112;
westerw. wehren Schmidt 324;
nass. wehren Kehrein 441;
vgtl. wǣrn Gerbet § 51;
oberlaus. wehren Anton 6, 4
f.; bair. wérn (
neben wiərn, wiən) Schmeller
2 2, 972;
Taubergr. wērə Heilig § 194, 1;
lothr. wérə Follmann 534;
els. wérə Martin-Lienhart 2, 845; Henry
Colmar 237;
basl. wére Seiler 314;
aarg. wére ( ) Hunziker 293;
wien. wehrn Hügel 187;
lusern. veltl. wērn Bacher 226. 77)
eine alte art die länge zu bezeichnen ist doppelsetzung des e,
sie gilt vorwiegend in der Schweiz: dem rägen vom himmel ward geweeret
Zürcher bibel (1531)
1. Mos. 8, 2;
4. Mos. 11, 28; 16, 48; vatter und muotter handt mir nichts gweert, drumb hab ich fluochen und spilen gleert
schweiz. schausp. 1, 90
v. 989
Bächtold (Kolrosz 1532); wie lang er selb sy blyben frumm, old wie er dlaster hab geweert 3, 61
v. 5 (Ruf 1545); das jm nun starck gadt an sin eer und ist jm not, das er sich weer H. R. Manuel
weinspiel (1548) 2315
neudr.; die amsel geässen, ist guot dem so mit dem krimmen beladen ist; dise gebraten mit myrtenbeer weert die rot ruor Heuszlin
vogelbuch (1557) XVIII
a; weeren
ist Maalers
form (1561).
auszer der Schweiz selten im westen und süden: dasz si ... sich durch si schluogen und mit weerender handt understuonden bei nacht hynweg und zuo jren gesellen zuokommen Carbach
Livius 71
a (
Mainz 1530); so sich dj, di man beraiben will, weeren, inn dj flucht geben Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 93
b; du schentlicher, gee herauszer. wie? woltstu dich weeren? Boltz
Terenz 47
b (
Tüb. 1539); ein standt musz leern, der ander neern, der dritt musz bösen buben weern Alber
fabeln 204
neudr. (
Frankfurt 1550); dann wer sich weert am allermeisten, der ist ein narr am allergrösten Fischart
Eulensp. 90
v. 1867
Hauffen (
Frankfurt 1572).
vereinzelt nd.: Christus ... ys tho der doepe gegaen, do he sick gantz in den gehorsam sines vaders wolde övergeven. unde als em de doeper wolde weeren, sprack he tho em: lath ydt nu alzo gescheen Rotmann
restitution 45
neudr. (
Münster 1534). 88)
durchgedrungen ist h
als bezeichnung der länge. seltsam nachgestellt bei Wolgemut: mit grosser arbeit ihr euch nehrt und dennoch kaum des hungers werth
newer Esopus 2, 277 (
Frankfurt 1623),
öfter vorausgestellt: wiewol inen etliche saracenische fürsten ... den pass oder eingang Syriae zue wheren sich understanden
Zimm. chron. 1, 91, 6,
so namentlich auch in Rörers
nachschriften Lutherscher predigten: hoc verbum ghet on frucht nicht abe, es sper und wher sich (1529) 29, 294, 1
Weim.; entspr. 32, 7
f.; 34 i 331, 9. — Luthers
form ist von haus aus weren,
so stets handschriftlich in den guten werken (1520) 29. 35. 81. 98
neudr., auch in den älteren Wittenberger drucken: 7, 214, 17. 8, 679, 13. 23
Weim. und so noch 1531: 34 ii 374, 13. 375, 1. 390, 5. 399, 1.
störungen kommen auf rechnung der nachschreiber oder drucker, so die 9 weeren
in der schrift an den adel 37. 40. 53
f. 64. 78
neudr., gegen die die 3 weren
das. 34. 50. 64
gewisz Luthers
hs. treu widergeben, oder weeren
beim drucker Weisz (1525) 17 i 110
Weim., der sich mit weret (1526) 19, 307, 28
rasch zur Wittenberger schreibung bekehrt hat. von Luther
gewisz nicht gewollt ist das nebeneinander: der bapst hat solchs keinis zuweren, weeret er es aber, szo thut er als ein wolff und tyran
an den adel 64
neudr. dagegen mit Luthers
willen setzt 1522
die schreibung wehren
ein: das wachszen unnd mehren kanstu widder wehren noch hallten, es ist gottis werck 10 ii 301, 3
Weim.; es wird die schreibung des älteren Luther: (1526) 19, 654, 23. 28, 24, 1. (1531) 34 ii 384, 28
Weim. die bibelübersetzung bietet unter 19
vergleichbaren stellen in der ersten niederschrift 17 weren,
dazu Jes. 14, 27 weren
mit übergeschriebenem h
und nur 1. Kön. 20, 7 wehren,
in der ausgabe letzter hand von 1545
ist dann wehren
mit 11
im übergewicht gegen weren
mit 8
fällen. zu diesem standpunkt entwickelt sich auch Rörer 32, 37, 8. 34 ii 335, 32
Weim., er handelt im sinne des späteren Luther
wenn er 1557
aus weret
der fabelhandschrift (
neudr. 2 3, 8) wehret (
das. 22, 30)
herstellt. —
die schreibung mit h
setzt sich noch im 16.
jahrh. vollkommen durch, sie herrscht vor bei Alber, Ayrer, Bock, Boltz, Dasypodius, Fischart, Franck, Frischlin, Gilhusius, Kirchhof, Lindener, Mathesius, Montanus, Musculus, Nas, Nigrinus, Ringwaldt, Rollenhagen, Sachs, Sandrub, Scheidt, Schweinichen, Sebiz, Sleidan, Thurneyszer, Waldis, im
Faustbuch und im buch der liebe. im 17.
jahrh. ist weren
nicht mehr zu belegen. bedeutung. als grundbedeutung ist mit Paul
wb. 2 642
anzusetzen '
den zugang zu einem gegenstand sperren'.
in zwei hauptrichtungen entfaltet sich die bedeutung von hier aus. II.
der zugang wird in feindlicher absicht gesucht, dann wird wehren
zu '
vertheidigen'.
gegen dieses grenzt es sich so ab, dasz wehren
den ton auf die thatsache des widerstands legt, vertheidigen
auf das verfahren dabei: wehren und vertheidigen sind so unterschieden, dasz das erste mehr den begriff gibt, dasz man einem angriff widerstehe: das zweite hingegen alles in sich begreift, was man thut, sich so wol gegen einen angriff in sicherheit zu setzen, als auch denselben zurück zu treiben Stosch
versuch in richt. best. 3 (1773) 98. I@AA.
als object im acc. steht das vertheidigte. I@A@11)
das vertheidigte ist ein mensch. I@A@1@aa)
vollzieht sich die vertheidigung im krieg und kampf, so ist wehren '
beschützen'.
so ganz regelmäszig ahd., mhd., mnd.: ni sint thie imo ouh derien,in thiu nan Frankon uuerien Otfrid 1, 1, 103; nist, ther uuidar herieso hereron sinan uuerie 4, 17, 7;
entspr. 11; daʒ sî der aller beste von dem hove wolte wern Hartm. v. Aue
Iwein 5739; (
die helden) zuo der erdin von ir veiʒtin orsin vil drâte irbeiʒtin mit allin ir gevertin, daʒ sie den kuninc wertin
Athis u. Prophilias C 14 W. Grimm
kl. schr. 3, 322; die sîne werten in mit kraft
Parzival 79, 6;
entspr. 364, 9; in sol ouch diu minne wern 737, 28; er wolt in füeren dannen:dô wart er an gerant von drîʒec sînen mannen:dô werte des heldes hant sînen rîchen gîselmit ungefüegen slegen
Nib. 189; die Ludewîges man tâten swaʒ si solten.si enwesten war entrinnen. si sluogen tiefe wunden:alsô werten sie die küniginne
Kudrun 878; were over dat en man gheschuldeghed worde umme dat he hovet edder huset hadde enen vorvesteden man edder enen misdeder, is dat he den misdeder nicht heft weren hulpen, oft me ene schutten wolde, so mach sick de sulve man des untledighen sulf drydde myd rechte ... helpt he over ene weren, he scal de nod lyden, de vorscreven is
meckl. urk. (1366) 16, 118
f. I@A@1@bb)
in alter übertragung gilt dieses wehren
von der vertheidigung vor gericht: fürsprechen nam der schuldec man, dem ich nu kranker êren gan. der wert in als er mohte. diu wer im doch niht tohte
Parzival 527, 17; wo men en vorvesten scal unde wo men vorveste lude uphalden scal unde vorwinnen unde weren scal, dat is hir al vorgesecht
richtsteig landrechts 37 § 3
Homeyer. I@A@1@cc)
gleich alt, aber auch gleich selten, ist die übertragung auf geistlichen schutz: in quam mit grimmiger zucht dine iserine gerte, wand sie nicht gegen dir werte der schilt guter arbeit
passional 2, 22
Köpke; dese veichtent, Colne, vur dine ere ... sente Anno und sente Kunbert haint mit eren dich her gewert
städtechron. 12, 189
v. 5886 (
Köln um 1280); du hast uns doch so trüwlich gelert, herzlich gewarnet, emsig gewert vor valschen propheten und menschen gift Manuel
vom papst u. s. priestersch. 1859
Bächtold. I@A@22)
häufiger ist das vertheidigte eine sache. I@A@2@aa)
in der welt des kriegs und kampfes ist wehren
dann '
vertheidigen'
im prägnanten sinn: weret alse helide uber lant und uber selide Lamprecht
Alexander 4528
Kinzel; Bonifait daʒ (
den raub) grimme werte
graf Rudolf K
b 7
Grimm; ich mac verliesen wol mîn lant hiute oder morgen. daʒ muoʒ ich besorgen mit eim manne der eʒ wer Hartm. v. Aue
Iwein 2315;
entspr. 1830. 1842. 2681; sô heiʒet mir gewinnentûsent iur man, sît daʒ ich der mînenbî mir niht enhân niwan zwelf recken:sô wer ich iwer lant
Nib. 160; dus bestoint si Judas mit konre hant und werde sines vader lant, darzo sin volc, lif, goit unde ere
städtechron. 12, 190
v. 5930 (
Köln um 1280); sie trâten ûf die wer enpor, sie werten graben und tor
livl. reimchr. 8689
Meyer; neghen borghere van Lubeke schal van rechte herevart varen, danne to siner were schal he stan unde weren sine stat
altes lübisches recht (1294) 338
Hach; her sal sîn eigen gut nicht weren weder in velde noch in dorfe noch in steten
d. mystiker 192, 14 (Hermann v. Fritzlar); die frowen lieffent uf die turne und muren unde wertent die stat
städtechron. 8, 326 (
Straszburg um 1400); he werede da sin lant, dat sine viande dar vorder over dat water nicht mochten to eme komen Detmar
lüb. chron. 1, 248
Grautoff. I@A@2@bb)
neben dem begriff des lebens
als object bedeutet wehren '
retten': werten sî nû wol daʒ lebn, daʒ was in guot vür den tôt Hartm. v. Aue
Iwein 5394; den lîp ich gerne wernde bin
Parzival 577, 12; man sach die strîtmüeden komn, von den sô dicke ist vernomn daʒ se ir kotzen gerne werten 664, 27; mallich were hude sins selves leven
städtechron. 12, 156
v. 4724 (
Gottfr. Hagen); wir enkunnen wissen wie wir unser leben sullen weren Heinrich v. Neustadt
Apollonius 999
Singer; sie wolde daʒ blüende blüemelîn ir blüenden magetuomes wern Heinrich v. Freiberg
Tristan 703. I@A@2@cc)
die übertragung auf den rechtsstreit ist auch hier wider vorhanden; wehren
bedeutet '
bestreiten': die Rôther gehieʒen trouwen biʒ hê quême, die werten die krône deme rîchen ervelôsan man
Rother 2956
v. Bahder; dat se meynliken mit kost unde mit rade scullen der vorbenomden goddeshuse unde papheyt recht weren unde der stad unde der borghere recht ghemeynliken weren liker wis mit eynander
städtechron. 16, LX (
Braunschweig 1376). I@A@2@dd)
überraschend alt ist hier die übertragung auf geistlichen schutz: ef thu thar fîðis fîftigferahtaro manno, liuBigaro liodo,muot thanna that land gisund, uualdand, an thînum uuilleangiuuerid standan?
asächs. genesis 205.
später mehrfach vom schutze geistlicher güter: wie sîn hant ist tôt belegen, diu den gelouben werte
Willehalm 48, 13; dô der (
Judas Makkabäus) urliugen began, dô hât er niht wan tûsent man, mit den er sîn ê werte Rudolf v. Ems
Barlaam 61, 31
Pfeiffer. I@BB.
das vertheidigte acc.-object kann mit dem subject des satzes identisch sein, das ist die quelle des reichen reflexiven gebrauchs. ansätze dazu sind alt: (
geschrieben ist: man soll) is fiund hatan, uuiðerstanden them mit strîduendi mid starcu hugi, uuerean uuiðar uurêðun
Heliand 1453.
auch später musz nicht immer das reflexivpronomen ausdrücklich gesetzt sein: diejenigen, welche ... dem feinde getrost unter augen ziehen, und ihren mann nach vermögen wehren Opitz
lob des feldlebens (1623) 1, 153.
vielleicht nur zufällig begegnet sich
selten beim subst. inf.: aber der edelman, dem fliehen basz thet dann sich wehren, redlich fersengelt gab Montanus
schwankbücher (1557) 271
Bolte, reflexiv gemeint ist subst. inf. fast immer: da die selbigen königreiche anfiengen und zwungen gotts volck, sich zu wehren, msten sie alle zu drummern gehen. o, wehren ist eine redliche ursache zu streyten Luther 19, 647
Weim.; Christus ist eyn solcher man, der nicht alleyn sich where, szonder er kan andere schlahen. schlahen bedarff grosser krafft den wheren 32, 148; das beste wehren ist mit dem schwert des geistes, mit gottes wort wehren 6, 317
b Jen.; Carbotan der heyd, der thet wunder mit schlagen unnd wehren
buch der liebe (1587) 334
a; da wird sich ein wehren anheben und ein schlahen Paracelsus
opera 2, 620
Huser; es waren zuviel — mein wehren half mir nichts Ludwig
ges. schriften 3, 57 (
erbförster 2, 10). I@B@11)
nach drei seiten haben die synonymiker den begriff des reflexiven wehrens
bestimmen wollen, stets zu eng: I@B@1@aa) sich wehren
soll nur von lebenden, nie von leblosen wesen gebraucht werden können: 'sich wehren' unterscheidet sich von 'widerstehen' dadurch, dasz sich zuvörderst nur lebendige wesen wehren, aber auch leblose widerstehen Rumpf
wb. zur reinigung (1811) 404;
übernommen von Eberhard
und Maasz
versuch e. synonymik (1828) 5, 284;
entspr. Weigand
syn. (1852) 3, 745
f. dabei ist übersehen I@B@1@a@aα)
dasz dem lebendigen einzelwesen theil- oder collectivbegriffe gleichgesetzt sein können, die dann wie jenes subject des wehrens
werden können: ia, bistu, quad er, heiler,nu ni sunto thu mer; mit thiu thin muat sih uuerie,thir uuirs ni giburie Otfrid 3, 4, 46; (
meine hand) hât sich selbe sô gewert daʒ iu der sige ist beschert Hartm. v. Aue
Iwein 7561; habt ihr mir aber was verächtlichs zuerkandt, so kan ich nicht vorbey, es wehrt sich meine hand Rachel
sat. ged. (1664) 142
neudr.; nichts ... als dasz sich Schweden wehrt, und lieber krieg und tod, als fried und ruh begehrt Neukirch
ged. (1744) 136; schon ohnedies wehrte sich die dänische seemacht Ranke
werke 2 15, 224. I@B@1@a@bβ)
dasz lebloses als subject des wehrens
gesetzt werden kann, sobald es belebt gedacht ist: man solt ja schier spüren, wes meine lere sey, weil sie sich bis her so geweret hat, das noch keiner hat yhr mügen abbrechen Luther 23, 37
Weim.; Aristoteles nennet jn (
den kies) pyromachum, das er sich im fewer weret und lesset sich nicht madten und uberweltigen Mathesius
Sarepta 110
b (1587);
danach bei Berwald
phras. metall. (1702) 8; (
wenn die kirche etwas wider die bibel anordnet, soll man ihr folgen) dann die schrifft kan sich nicht wehren, aber die h. kirch kan einen mann ... an galgen bringen Fischart
binenkorb (1588) 32
a; als der rath aus der rathsstuben nach der kirchen gehen wollen und der diener mit einem stabe, wie breuchlich, füraus gehen wollen, habe sich derselbe stab so gedrehet und gewehret, das der diener mit aller krafft daran halten und gleichsam penetrieren müssen
mitt. d. vereins f. gesch. Erfurts 4, 161 (
chronik v. Dachwig 1664); damit er sich auch allenfalls nach dem tode wehren ... könnte, bekam er sie (
die waffen) mit sich in das grab
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen (1778) 1, 16; röslein wehrte sich und stach Göthe I 1, 16
Weim.; unwillig, wie sich feuer gegen wasser im kampfe wehrt und zischend seinen feind zu tilgen sucht, so wehret sich der zorn in meinem busen gegen deine worte 10, 86 (
Iphig. 5, 3); die nebel des flusses und der wiesen wehrten sich eine weile, endlich wurden auch diese aufgezehrt 30, 12; 's wëter wért si
das wetter hat mühe umzuschlagen Hunziker
aarg. 293. I@B@1@bb) sich wehren
soll sich stets nur gegen körperliche, nie gegen sittliche einwirkung wenden, im gegensatz zu sich widersetzen Rumpf 404.
den ethikern ist aber seit dem 14.
jahrh. ein wehren
gegen versuchungen geläufig, bei dem angriff wie abwehr sittlicher natur sind: alsô lange alsô her sich dar inne uben wolle, daʒ her sich nicht weren durfe von dikeinen anderen bilden, wan di bilde alleine di got wirkit in deme wesene und ûʒ deme wesene
d. mystiker 167, 1
Pfeiffer (Hermann v. Fritzlar); er (
gott) verbirgt sich aber, als ob es sey sein höchster lust den menschen zuosehen, wie er sich wör im glauben
flugschr. a. d. ersten jahren der ref. 3, 331 (Stiefel 1522); lust zw geitz, unkeuscheit, des samen werden wir nicht los,
sed ich mus mich weren, sperren:
caro, tu vis den holzweg Luther 34 ii 29
Weim. I@B@1@cc) sich wehren
soll nur gegen angriff, nie gegen körperlichen oder sittlichen zwang gerichtet sein Eberhard
und Maasz 5, 284.
mindestens in neuer prosa wird aber sich wehren
ohne anstosz auch gegen inneren zwang gebraucht: auf der kurzen fahrt begann Brigitte, die noch kein wort gesagt hatte, plötzlich zu weinen. sie wehrte sich anfangs und wollte widerstehen, hielt aber dann die hände vors gesicht und liesz die tränen laufen Hesse
Gertrud (1910) 257. I@B@22)
haltbar ist allein die am weitesten greifende umschreibung '
durch widerstand seinen standpunkt wahren'.
der gebrauch gliedert sich je nach dem charakter des widerstands. I@B@2@aa)
belege für widerstand als gedanken sind unter B 1
b)
gegeben. I@B@2@bb)
besteht der widerstand in worten, so führt sich wehren
meist in die sphäre des rechtsstreits. gerichtlichen gebrauch setzt schon voraus: minne unt tanz hânt den ruom, ir ieglich wænt daʒ beste tuon. minne nieman darf verswern, si kan sich selbe ân eide wern Freidank 99, 6
Grimm. belege für gerichtlichen gebrauch begegnen nd. und hd. bis ins 16.
jahrh.: (
N.) biddet ens ordels, oft he sik der dufte icht neger tu werende si, wen men en overtugande. so vintme, he si des neger sik to werende, deste het hebbe unhelinges gehalden unde en unbesproken man si
richtsteig landrechts 40 § 2
Homeyer; were ok dat iemant umme rof beklaghet worde, de scal sick weren sulf drydde syne ghenoten
meckl. urk. (1366) 16, 119; hergegen (
gegen einen gerichtlichen antrag der gegenseite) hat Hainrich Kunt sich gewert und gesagt, er verhoff, dasz sein herr in sollich censur nit soll declariert werden Knebel
chronik v. Kaisheim (1531) 210; und ist jm not, das er sich weer H. R. Manuel
weinspiel 2315
neudr. selten bezeichnet sich wehren
widerstand in worten auszerhalb der rechtssprache; es bedeutet dann '
sich verwahren': der herre dâht: er ist verzagt, sît er sîne arbeit klagt. er sprach: ir wert iuch âne nôt dâ mite daʒ ich iu dienst bôt Hartm. v. Aue
Erec 4367; weil jr gleich mit wolthat umb mein gering unachtbar freundschafft geworben habt, darab ich mich gleich etwas entsetzt und anfenglich geweret habe, so habe ich doch befunden, dasz es gots werck war Franck
sprichwörter (
Nürnberg 1545) 1
vorr. 1
a; ich hatte gar nit den willen, angeregten halben thaler zu nemmen, maszen ich mich auch drum wehrete, weil ich mir einbildete, solche abfertigung wäre meiner schreiberischen reputation schimpflich Grimmelshausen
Springinsfeld Keller (1670) 2, 12.
hierher die abwehr im federkrieg: auch die selbstbiografie (
des symbolikers) gedenkt dieses streitpunktes, und wehrt sich also Voss
antisymbolik 1, 329; Heyne hielt, sich zu wehren, seiner person unwürdig 2, 229. I@B@2@cc)
die regel ist aber, dasz der widerstand in der that besteht und sich gegen thätlichen angriff richtet. der angreifer ist dabei nicht nothwendig ein feind, vielmehr kann z. b. auch ein aufdringlicher liebhaber die wehr herausfordern: jch muosz es thuon (
dem pfaffen zu willen sein) und wer mich niht
schweiz. schausp. 3, 193
v. 1379
Bächtold (Ruf 1539); gib jr dann der liebe kusz, wehrt sie sich, und hat drab verdrusz, so zieh sie mit gewalt an dich Scheidt
Grobianus (1551) 1121
neudr.; wolan, sprach die königin, hettest du dich auch also gewehret, wie der gesell zuo dir kommen, so het er dir dein jungkfrawschafft nit genommen Lindener
rastbüchlein (1558) 36
Bolte; ein junges armes mädchen wehrt sich, einen alten reichen mann zu nehmen Göthe I 13 i 253
Weim.; liebchen, wie du dich auch wehrest, weisz ich doch, was du erlaubst Heine
werke 2, 15
Elster; der dreiste faszte sie um die taille, sie wehrte sich nicht, sie lachte nur Viebig
weiberdorf (1905) 90.
entsprechend wehrt sich
der mann gegen die liebende: der züchtig und adelich Pontus wehret sich, und sprach: gnedige frau, es ist nicht billich noch zimlich, dasz ich zu euch auff ewern stul sol sitzen
buch der liebe (1587) 318
d; die braut kst ihren schatz. er wehrt sich Stoppe
Parnass (1735) 30;
auszer im liebesstreit wird sich wehren
höchstens in neuerer prosa einmal von thätlichem widerstand gegen freundliche annäherung gebraucht: Le Sage ist die gutheit selbst gegen mich gewesen, und ich habe mich wehren müssen, was ich gekonnt habe, damit er mich nicht mit der ganzen stadt bekannt gemacht hat Gleim
briefwechsel 2, 23
Körte; nun singen aber die sämmtlichen unbarmherzigen ärzte ihr entscheidendes prophetenlied: dasz in den böhmischen gebirgen für dieszmal allein heil zu finden sey! noch immer wehr' ich mich, fürchte aber jedoch, dasz ich unterliegen werde Göthe IV 28, 181
Weim.; aber sie muszte eine vertraute haben — natürlich — und sie haben sich nicht wehren können Schnitzler
gr. kakadu (1899) 80. I@B@2@c@aα)
norm ist aber doch, dasz man sich gegen feinde wehrt, dann führt der ausdruck ganz regelmäszig in die welt von krieg und kampf, und das ist seit alters der kern seines gebrauchs: in imo sahun se odouuangotes kraft scinan, thaʒ sie thar irforahtun,bi thiu sih ouh ni uueritun Otfrid 2, 11, 30;
entspr. 4, 17, 13; vorne du dich werest,hindir dich du slehest
Milst. genesis 112, 3
Diemer; in der stat sie sich werten Herbort v. Fritzlar
troj. 3673
Frommann; ir soilt si (
die beute) sonder were winnen, sich endar weren neiman beginnen
städtechron. 12, 152
v. 4588 (Gottfr. Hagen); dô der meister hette verstân, daʒ man Kûrlant wolde hern, er sprach: wir suln uns aber wern
livl. reimchron. 4940
Meyer; wultu di ôk weren, dat is nicht vele wêrt
des dodes danz 1189
Bäthcke (
Lübeck 1489); dise fabel würt denen gesaget, die den armen hert sint und die unschuldigen kestigent, die sich nit vermügent ze weren Stainhöwel
Äsop 190
Österley; denn yhre schützen werden nicht schieszen und yhre geharnschten werden sich nicht weren konnen Luther
Jer. 51, 3; warumb kamend ir nit uf d' wite und hettend üch da gewert?
N. Manuel
Bicoccalied 16, 8
Bächtold; wenn man einn wölte überheren ists billich, das er sich solt weren H. R. Manuel
weinspiel 707
neudr.; (
die flöhe) stachen die kind, die sich nit wehrten Fischart
flöhaz (1573) 1154
neudr.; entspr. 1658; zwang mich die not, dasz ich mich wehren muszt
buch der liebe (1587) 83
b; wir läerten die gassen bald, weil nider gemacht ward, was sich im gewehr befand, und sich die bürger nicht hatten wehren wollen
Simpl. 224
neudr.; wenn sie sich nur alle so gewehret, wie ich gethan habe, wir hätten die victorie erhalten Chr. Reuter
ehrliche frau (1695) 37
neudr.; sobald die sturmbglock geschlagen wird, ein ieder, der sich wehren kann ... mit habendem gewehr ... an das assignirte ort oder sammelplatz laufen sollen
zs. f. gesch. des Oberrheins 18, 140 (1702); wenn, der sich wehren soll, gar keinen anhang hat, als freunde, die der nutz nur an sein glück gebunden Heräus
ged. (1721) 200; du (
Belgrad) wehrest dich umsonst, da jene macht verlohr Pietsch
ges. schriften (1740) 34
Bock; Sebaldus gab mit dem ruhigen bewusstseyn, dasz er sich nicht wehren könnte ... das wenige silbergeld her Nicolai
Seb. Nothanker 2, 14; der vornehmste mann ... darf es nicht wagen, einen seiner leute zu schlagen ... weil dieser ... sich wehren würde Archenholz
England und Italien (1785) 1 ii 414; der student zog den degen ... das weib wehrt sich Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 378; merkt disz ihr jünglinge, und lernt, wie der alte soldat Nicetas, wenn ihr euch nicht anders wehren könnt, eure zunge abbeiszen Schubart
leben 1, 160; es wehrt der held sich nur vergebens Göthe I 16, 55
Weim.; und allen wuchs die kühnheit nicht gering; denn leben hiesz: sich wehren — nun, das ging 15, 254 (
Faust 2, 4); wie auch der ungeduld'ge gast sich wehret, er musz erst speisen, was der herr bescheeret Uhland
ged. 2 449; sie schreit nicht, wehrt sich nicht, nur sacht sie wimmert wie ein vogel klein v. Droste-Hülshoff
werke 2, 140; canzler Vogler versicherte, sein herr sei entschlossen, wenn der kaiser ihn überziehe, sich nicht zu wehren, sondern alles zu dulden, was gott ihm auflege Ranke
sämtl. werke 3, 131; im anfange des dramas fordert der charakter ... das schicksal heraus, er thut den ersten stosz, von da an musz er sich wehren O. Ludwig
ges. schriften 5, 417;
entspr. 2, 64; sie muszte nun sich wehren wie es ging Mommsen
röm. geschichte 2, 207; noch will die stadtwehr ehrenhalb sich wehren Scheffel
frau Aventiure 158; als er ... sich zu wehren versuchte, ward er mores gelehrt v. Ebner-Eschenbach
ges. schriften 2, 383; dort würde sie arbeiten und — einen augenblick lang sprang eine leise freude in ihr auf — dort brauchte sie sich nicht mehr zu wehren, war vielleicht kein streit mehr Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 310. I@B@2@c@bβ)
besonders wichtig ist hier der imperativ, in alter zeit gelegentlich mit schallender endung erweitert: die heiden vaste dringen. wacha herre wacha und wera wer. kristen her kumber duldet Sigeher
gr. Heidelb. liederhs. 1371, 18
Pfaff. der imperativ dient als zuruf an den gegner bei beginn der thätlichkeiten, als kriegserklärung vor dem ersten hieb: wert iuch, ob ir welt genesen Hartm. v. Aue
Iwein 730; nu wert iuch, ob ir kunnet wern: iuch enmac anders niht ernern
Parzival 535, 17; nu wert iuch vil ellenden:ir kunnet niht genesen, ir müeʒet mit dem tôdephant daʒ Kremhilde wesen
Nib. 1862; wolumb ir böszwicht werend iuch, ich wil ee sterben, öb ich flúch
schauspiele des mittelalters 2, 347
Mone; du viel kühner ritter, wer du auch seyn magst, nun wehre dich männlich, dann es wird fast noth seyn
volksbuch vom geh. Siegfried (1726) 68
neudr.; verräther, falscher, wehre dich
maler Müller
werke 1, 250; wehr dich, du memme Shakespeare
Romeo 1, 1
Schlegel 1, 11; trumpf mir doch auf! wehr dich doch Hauptmann
einsame menschen (1891) 8.
der kampfzuruf kann vorliegen, auch wenn die form des imperativs verlassen ist: dô bôt ich mîn unschulde und suochte sîne hulde ... done sprach er niht wider mich wan daʒ ich mich werte Hartm. v. Aue
Iwein 735; der gruoʒt in harte verre als vîent sînen vîent sol: ouch verstuont her Iwein wol daʒ er sich weren solde 1005.
neben die kriegserklärung tritt der zuruf an die freunde: nu were sich der sich weren mag Heinrich v. Neustadt
Apollonius 9427
Singer; entspr. Ayrer
dramen 1, 692
Keller; die vergeltung ... ist der beste trumpetenschall, welcher dem kriegsmann die curasche vermehrt, und zu dem tapfferen wehr dich anfrischet Abr. a S. Clara
reimb dich (1702) 99.
so wird wehr dich
zum allgemeinen hetzruf an kämpfende, wie er namentlich in deutschen mundarten weithin lebt: buben, die sich raufen, ruft man im alem. gebiet zu: chline wér di, grosse stell di! nimm's hërz i d'händ und de muet zwüsche d'zänd Hunziker
aarg. 150; vr ti '
défends toi',
terme d' encouragement ou de provocation Henry
dialecte alaman de Colmar 237; wer di!
allg. zuruf an einen kämpfenden Martin-Lienhart 2, 845
a; wier dich, sonst frässt em dich Wander 4, 1865
aus Siebenbürgen; were di, du lütt
du kleiner, lasz dich nicht unten kriegen Dähnert
plattdeutsches wb. 546; Kütmeier wehr di!
als redensart Sibeth
meckl.-vorpomm. 105.
selten von geistigen kämpfen: sed Staupitius, cum legeret doctor psalterium, absolvit eum a matutinis et addidit fratrem famulum. conversus ad me dixit: wehre dich bey leib und leben, das man clöster nicht anrichte! denn es ist die helle Luther
tischreden, arch. f. ref.-gesch. 5, 370 (
Rörer 1540); wehre dich freundschaft! und lasz dir von der liebe nicht alles abjagen Bürger
briefwechsel 1, 204
Strodtmann. I@B@33)
zu sich wehren
treten bestimmungen der richtung, die meist den gegner und gegenstand, gegen die man sich wehrt, bezeichnen, sich aber auch auf den schauplatz und den gegenstand der vertheidigung erstrecken können. I@B@3@aa)
das, wogegen man sich wehrt, wird näher bestimmt durch einen casus. das kann zunächst ein dativ sein. I@B@3@a@aα)
der dativ bezeichnet einen persönlichen gegner im ahd., mhd. und md.: ginuag ist thar, quad er zin,thiu mugun urkundon sin, thaʒ uuir in mugun uuerren,in thiu uuir thaʒ uuollen; noh ni tharf man zellen,in thiu uuir thaʒ iruuellen, ni bunsih uuafan nerien,gisten uuir unsih uuerien Otfrid 4, 14, 18; (
Walwein band den helm ab) daʒ der wîcspæhe deste baʒ gesæhe, daʒ er ze den zîten mit im niht wolte strîten, daʒ er sich im niht werte Ulrich v. Zazikhofen
Lanzelet 2393
Hahn; wir mugen sô strîten, ê daʒ wir uns von zinnen wern Meljanzes bêden hern
Parzival 356, 1; hân ich den vîenden mich gewert, daʒ hât in stürmen mich ernert und tæte noch, kæme eʒ darzuo Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 86, 9
Singer; die ir recht mit roube oder mit dûbe vorlorn habn, ab man sie roubes oder dûbe anderweide schuldiget, si en mügen mit irme eide nicht unschuldig werden: sie habn drîer kôre: daʒ îsen zu tragene, oder in einen wallenden keʒʒel zu grîfen biʒ an den elnebogen, oder deme kemphen sich zu werende
vulgata des Sachsenspiegels 1, 39;
entspr. richtsteig landrechts 40 § 3
Homeyer; wer sinen glichin fluhit und getar sich eme nicht werin, sin herze sich blodiclichin schuhit und wel sich nicht irnerin Rothe
ritterspiegel 1878
Bartsch; item was kauffenschacz und speisekouff zu wasser und zu lande ins lanth kompt, das sich die hern nicht weren den kowffman in szeyner kouffenschacz, in keynerley zu beschaczen
acten der ständetage Preuszens (1444) 2, 635.
ganz vereinzelt in neuerer dichtung: du wehrst dich mir, du afterbräutigam? H. v. Kleist
krit. gesamtausg. 2, 226. I@B@3@a@bβ)
ganz auf die alte zeit beschränkt und auch da selten ist ein dativ der sache: ich were mich nimmer mêreder edelen minne dîn
Nib. 626 A (ich gewer mich B C); (
gott mahnt die christen) wollent sie die sele nern, daʒ sie sich dem vleische wern und dem vorworchten slangen Heinrich v. Hesler
apokalypse 8120
Helm; darümb entziehen und werent üch fleischlicher glust und begirden Keisersberg
bilgersch. (1512) B 2
a. I@B@3@bb)
das, wogegen man sich wehrt, wird durch genetiv bestimmt. I@B@3@b@aα)
genetiv der person ist vom 13.
bis 17.
jahrh. geläufig. der angreifer ist mensch, teufel oder thier: prîs gedient hie Parzivâl, daʒ er sich alsus weren kan wol hundert trachn und eines man
Parzival 263, 15; die erkanten auf iren aid, man solt dem hertzog kain gelt geben und solt sich der von Freiperg weren
städtechron. 5, 3, 24 (
Augsburg 1372); ir ungetrewer verrätter, wert euch mein Füetrer
Lanzelot 151
Peter; wir wurden uns der feind nymer weren Berthold v. Chiemsee
t. theologey 282
Reithmeyer; wych wasser höret zuo beschweren, do mit ich mich der narren weren Murner
narrenbeschw. 94, 2;
knecht: du leugst in halsz hinein.
jung gesell: ey so leugst du selbst, und wehr dich mein Ferdinand v. Tirol
speculum 49
neudr.; doch sag ich dir nicht, was es sey, wolt mich ehe wehren deiner drey Ayrer
dramen 3, 1516
Keller; (
als waidspruch aus alter zeit:) jo! hoch o ho! hier hast du nun deine wehr, die brauch zu gottes ehr, zu lieb und nutz dem nächsten dein. halt dich ehrlich, treu und fein. wehr dich damit deiner feinde Krünitz
ökon. encykl. 28, 560
f.; so wehr dich unsr, du loser teuffel Sachs
werke (1549) 14, 58
Keller; entspr. fabeln (1563) 359, 14
neudr.; man musz sich des teufels mit dem teufel wehren, und böses mit bösen vertreiben Schottel 1122; (
das pferd) sich mit peissen schlahen und flihen der wolfe lange weret Arigo
decamerone 332, 23
Keller. ganz vereinzelt in neuer prosa: dabei hielt sie sich so fest an Siegberts halse, dasz dieser, von innerster empfindung durchbebt, kaum noch wuszte, wie er sich ihrer und seiner wehren sollte Gutzkow
ritter v. geist2 6, 164 (1852). I@B@3@b@bβ)
viel häufiger ist genetiv der sache. I@B@3@b@b@aaaa)
dabei kann es sich zunächst um körperliche oder ideelle eingriffe handeln, die von auszen kommen: gedanc sich sunnen blickes wert
Parzival 466, 16; Gâwân sich zuckes werte 571, 28; sein hut ist mir zu hart und schwer, der ich mich ie nit wehren thar Sachs
werke 17, 29
Keller-Götze (1553).
jetzt nur in bewuszt archaischer sprache möglich: der kellermeister schlang seinen arm um der schwarzbraunen obermagd hüfte, die wehrte sich dessen nicht grosz Scheffel
Ekkehard 72.
hierher wohl auch: eine türk'sche lanze hatt' ihm die rechte achsel schwer verletzt, so lag er da und wehrte des verbandes, und schaute seines blutes rieseln zu Körner 2, 196 (
Zriny 4, 9).
unkörperliche eingriffe sind, soweit sie hierher gehören, stets rechtlicher natur: beschuldiget me uṇse man, borgere edder huslude umme disser stucke ienich, des schole wi den, de me beschuldiget, vorbringen ... de stadtman edder kopman de schal sick wehren des mit sinen frun den sulf vöffte
meckl. urk. (1329) 8, 54; wert over en bedderve man beclaget ... umme rof, brand edder iengerleye misdat, de mach sik des weren med twelf unberuchten, bederven luden (1351) 13, 110;
entspr. 270. 453. 15, 100. 16, 119; (
zwei brüder verpfänden ihren antheil an ihrem stammschlosz, aber) weret ok sake, dat yemand uns vorweldigen efte vorunrechten wolde ... so moge wij uns unses unrechtes van dem slote to Ritzerowe weren
urk. d. stadt Lübeck (1407) 5, 155. I@B@3@b@b@bbbb)
entsprechend treten in den genetiv neben sich wehren
affectionen, die von innen kommen. körperlicher natur sind dabei hunger, tod u. schlaf: gib mir ein suppen und ein brodt, auff das desz hungers ich mich wehr Sachs
werke (1555) 12, 362
Keller; das da nicht sind vil hund zu nehren, da sich die leut kaum hungers wehren Fischart
podagr. trostbüchlein (1577) 30
Hauffen; denn es hat doch noch müh genug, wenn mans angreifft mit gutem fug, dasz man sich in den zeiten schwer desz kümmerlichen hungers wehr Ringwald
laut. wahrh. (1598) 171; alsus en kone wi uns des dodes nicht weren
des dodes danz 1676
Bäthcke (
Lübeck 1489); und also gehts mit euch (
jungfern): des schlafes sich zu wehren, den unmut abzuthun, die weile zu verzehren, hört mancher, was ihr sagt Logau
sinnged. (1654) 2.
taus. 3.
hund. 59
v. 165.
geistige und sittliche affecte sind hier viel mannigfaltiger: noh in des tiefeles handen nebespartest du mih, da die inne betan uuerdent die sih ne uuerent dero giri (
cupiditatis) Notker
ps. 30, 9
Wiener hs.; wert man sol sich niht minne wern: wan den muoʒ minne helfen nern
Parzival 534, 7; swer sich der êren niht wert ir ist im deste mê beschert Stricker
bloch 547
Lambel; sie dunkent mir wol heilic sîn, die sich der schanden wern
sprüche des Unverzagten
in Wackernagels leseb.2 1, 691; si wert sich unprîse ze reht als si sol Ulrich v. Lichtenstein 408, 22
Lachmann; Clara di mynnikleiche lebte so liepleiche mit irem slaf gevertenn: der sorg sy sich werten Heinrich v. Neustadt
Apollonius 4063
Singer; ob du darnach (
nach unkeuschheit) gedachtost mit willen oder mit gedenken? und ob dir der gedank liep was? und dih sin niht enwertost? und im nich widerstuende, alse du wol möhtist han getan?
beichtbuch des 14.
jahrh. 41
Oberlin; ists doch nicht müglich, das wyr uns der geringsten sünde weren möchten Luther 18, 395
Weim. I@B@3@b@b@cccc)
bei ablehnung von worten, speciell von ansprüchen, wird dieses sich wehren
zu '
sich weigern'.
die anträge, deren man sich wehrt, können widerum sehr vielgestaltig sein: irn wert iuch mîner tohter niht, niuwan durch iwern verzagten muot Hartm. v. Aue
Iwein 6642; Nicolaus was bobst 5 jor. der was ein barfusze und ein meister der heilgen geschrift. der wert sich zuo zwein molen des bistuomes, zuom dritten male wart er sin erbeten
städtechron. 8, 26 (
Straszburg vor 1362);
entspr. 33; (
der abt) Allessandro zuo im rüffet bey im ze schlaffen, des er sich weret und züchtiglich wider redet Arigo
decamerone 69, 25
Keller; ir sigind unsers gloubens herren, üwers bots sol sich niemants weren
N. Manuel
Barbali (1526) 811
Bächtold; gantz habind (
sie) nitt uns dfrucht verspert, den win nit gen, sich deszi gwert
schweiz. schausp. 3, 233
v. 2421
Bächtold (Ruf 1539); desz (
lernens) soltu dich von anfang weren Scheidt
Grobianus (1551) 1471
neudr.; als der esel die werbung hört, der sachen er sich nicht lang wehrt, dann er sich hett albreit beredet, das man die gschicksten nur erbetet Fischart
ausspr. d. esels 434
Hauffen; die sich der ehr wehren, wollen sich der ehr nehren Schottel 1142;
ganz entspr. Wille
sittenlehre (1781) 61; sprengt er auf sie zu, und fordert sie heraus, gleich auf der stelle einen sper mit ihm zu brechen.dessen wehrten sie gar höflich sich, als solche, die auf morgen sich sparen wollten; aber all umsonst Wieland 18, 42.
besonders steht dieses sich wehren
von der weigerung gegen rechtsansprüche: und ist, daʒ er sich ze dem dritten male pfantes wert, so sol eʒ der pfenter dem frager und den burgern vom rat kunt tun
Nürnberger polizeiordn. 11
Baader; entspr. 210; vorsprechen sal her darben, der selbe geantwurtit hât. die wîle sich der man weret antwurte mit urteilen und mit rechte, de wîle en hât er nicht geantwurtet
vulgata des Sachsenspiegels 3, 30 § 1: wen der förster vindet hovwende, dem sol er pfant nemen: wert er sich (
lies: sich des), er frevelt und sol es besseren
weisth. 4, 106; wilch mann sich pfande werete kegen des gerichts knechte und den doruber ubelhandelte mit worten freventlichen, der wettet dem gericht die hochste buesse
stadtrecht von Arnstadt (1543)
bei Michelsen
rechtsdenkm. a. Thüringen 93. I@B@3@b@b@dddd)
im übergang von '
weigern'
zu '
sträuben'
steht ein fall, wo an stelle des genetivs ein abhängiger satz getreten ist: gewöhnlich wehrt sich der mensch so lange als er kann, den thoren, den er im busen hegt, zu verabschieden Göthe i 21, 124
Weim. sonst stellt sich bei sich wehren
mit abhängigem satz auch die bedeutung '
sich enthalten'
ein: in diesen wechselnden gedanken ritt er schweigend hinter ihr; doch konnt' er sich nicht wehren dann und wann sie anzusehen Wieland 18, 52; sieh, wir konnten uns nicht wehren, deinen festtag auch zu ehren Claudius 6, 55.
die bedeutung '
sich sträuben'
ist erreicht, wo die fügung in den subst. infinitiv tritt und darum sich
und der gen. wegfallen: hic hilfft khein weren wider das wesentlich ding Luther 17 i 2, 29
Weim.; wollen sich buhler umb küszlein bemühen, fähet das wehren sich an
Venusgärtlein (1656) 35, 5
neudr.; wann zärtlich wehren, holdes zwingen was sie verweigert heimlich heischt Haller
versuch schweiz. ged. 8 99 (
zuerst 1730); jedoch vor ihrem wehren, vor ihrem stolzen wehren schweigt meine leyer nicht J. E. Schlegel
werke (1761) 4, 251; mit jungfräulichem wehren zog sie die hand zurück Gotter
ged. (1787) 1, 28;
entspr. Uz
werke 117 (53, 7)
neudr.; Pfeffel
poet. vers. 7, 165. I@B@3@cc)
das, wogegen man sich wehrt, wird durch praepositionalfügung angeschlossen: I@B@3@c@aα)
die anknüpfung mit wider,
an sich gut am platz, da es sich um die absicht eines entgegenwirkens handelt, ist stets selten gewesen und nun ausgestorben: wie gehen die fische ym meer? sie haben kein regiment noch ordenung, sich zu weren widder yemand, sondern schweben daher: wer da fehet, der fehet; wer hascht, der hat; da ist niemand, der da weret odder verteydingt Luther 19, 381
Weim.; gleich als zu einem heuptman in einer stadt gehöret ... das er sich könne wehren wider die feinde, und eraus fallen 5, 512
b Jen.; do meine liebe brüderlein ... hinden auff mich platzten, die weil ich mich vorn wider die papisten wehret Vogelgesang (Cochläus)
tragedia Joh. Hussen (1538) 14
neudr.; er thet anders dan jener bapst der da sprach, da jm eyn hauffen thaler ward fürgeschütt, dasz er eynen orden nit solt reformieren ... wer kan sich wehren wider so vil geharnschter? (werden eitel Mansfelder gewesen sein) Nigrinus
päpstl. inquisition (1582) 702;
danach Wander 5, 1803; benimmt uns das christenthum das recht nicht, uns wider unrecht zu wehren Liscow
sat. u. ernsth. schriften (1739)
vorr. 51; wie ich mich wider die teufels teufel gewehrt hab, so habens mich geschlagen, a so Hafner
ges. lustspiele (1812) 2, 110.
lexikalisch allein bei Hederich (1729) 2616. I@B@3@c@bβ)
die weitaus gröszere rolle spielt von jeher gegen. I@B@3@c@b@aaaa) gegen
mit dativ (
s. th. 4 i 2205)
gilt in alter zeit durchaus, neben accusativrection noch im 18.
jahrh. und mundartlich bis heute: zesamene si dô sprungen und begunden sich weren ingegen dem kriechischen here Lamprecht
Alexander 4500
Kinzel; alszdenn soldestu ... dein knecht nit slahen, noch dich gegen deinen feinden weren Berthold v. Chiemsee
t. theologey (1528) 289
Reithmeyer; dann ich hab mich schrifftlich schon gegen ir geweret Schumann
nachtbüchlein (1559) 172
Bolte; gegen dem feind zu wöhren sich Spreng
Ilias (1610) 21
b; er suchte an allen orten und enden gelegenheit und ursache, mir, noch eh ich fähnrich würde, das wams auszuklopfen, weil ich mich gegen ihm nicht wehren dörffte
Simpl. 236
neudr.; sich wehren gegen einem
defendere se ab aliquo Frisch (1741) 2, 430
a; hê kun' sük nêt tegen hum wëren, hê was hum to stark Doornkaat Koolman 3, 540
b.
dativ liegt sicher auch vor, ohne eindeutig erkennbar zu sein, in stellen wie: du würst nicht bässern die natur, welche uns hat von kind auff glehrt, das man sich gegen unbill wehrt Fischart
flöhaz 992. I@B@3@c@b@bbbb)
so ist sich wehren gegen
mit acc. jung, aber dann häufig. zuerst steht es von körperlichem eingriff, dabei ist deutlich, wie es wider
ablöst: gegen den angrieff sich wehren
illatum bellum defendere Steinbach (1734) 2, 974,
wo sein vorbild Hederich (3
c α) wider den angriff
bot. weiterhin besonders von krieg und kampf: denn wenn ihr mit ihnen zu felde ziehet, so können wir uns gegen sie unmöglich wehren Heilmann
gesch. d. pelop. kriegs (1760) 49; doch will ich mich gegen euch alle, gegen eine welt will ich mich wehren Lessing 2, 375 (
Philotas 8); ich sah ... einen groszen ungarischen vollstier ... sich ... mit grösztem muthe und stoszkraft gegen sechs oder acht bissige hunde wehren Nicolai
reise d. Deutschl. (1784) 4, 635; sehen sie, dasz ich mir jetzt nicht widerspreche, indem ich diejenigen anzunehmen erbötig bin, gegen die ich mich so ernstlich gewehrt habe Göthe
Meisters theatr. sendung 6, 13 (413
Maync); sah wohl ein, dasz er sich gegen diese vierschrötige figur nicht wehren konnte Steffens
was ich erlebte 2, 119; sie musz mein schild sein, wenn ... ich gegen zwei wüthende Amazonen mich wehren soll Holtei
erz. schriften 1, 78; ein offizier der freiwilligen ulanen, der ganz vorzüglich ritt, aber auch derb zustiesz, wehrte sich gegen zwei husaren Moltke
ges. schriften 6, 441;
entspr. 1, 91. 3, 315; wehrt nicht, so soll er gesagt haben, auch wer unterliegen musz, dennoch sich gegen den räuber? Mommsen
röm. gesch. 2, 281; man kan sük hîr mennigmâl tegen 't water nêt wëren, dat ên 't nêt in hûs kumd Doornkaat Koolman 3, 540
b.
seltener von sonstigen körperlichen eingriffen: wer sich gegen die üblen gerüche wehren will, zieht den kürzeren Holtei
erz. schriften 3, 185; es giebt niederschlagende mittel. 'die sind mir nicht erspart worden; sie haben doch nicht gründlich geholfen.' weil sie sich dagegen zu wehren versuchten 9, 172; indem es (
das substrat) ... gegen eindringen eines anderen körperlichen in denselben raum sich wehrt du Bois-Reymond
grenzen der naturerk. (1882) 13. I@B@3@c@b@cccc)
widerum jünger ist die anwendung auf rechtlichpolitische kämpfe: Soloturn war ursprünglich freier, und hatte sich hauptsächlich nur gegen st. Ursus münster zu wehren J. v. Müller
sämtl. werke (1810) 2, 527; so sehr sich auch ihre (
der Juden) hartnäckige natur dagegen wehrt, so sehen sie doch ihr gänzliches verderben wohl voraus Göthe I 7, 156
Weim.; das kreisamt zu Oerle wehrte sich dagegen so lange als möglich, fand aber zuletzt keine ausflucht mehr und muszte sich fügen Holtei
erz. schriften 5, 149; sie (
die bauern) wehren sich jahre lang mit händen und füszen gegen den kunstmäszigen neubau eines gemeindeweges Riehl
land und leute8 75; seit acht jahren wehre ich mich aus allen kräften gegen amtliche und vertrauliche zumuthungen aller art Pückler
briefw. 3, 137. I@B@3@c@b@dddd)
geistige eingriffe, gegen die man sich wehrt, können zunächst von auszen drohen: die nehmliche excommunication, gegen die sich Friderich selbst so sehr zu wehren gehabt
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 189; nur gegen den betrognen freund ziemt es der unschuld sich zu wehren Pfeffel
poet. vers. 5, 198; philosoph'scher roman, du gliedermann, der so geduldig still hält, wenn die natur gegen den schneider sich wehrt Göthe I 5, 251
Weim.; solche (
angehende kunstfreunde) sind es, die sich gegen eine würdigung des einzelnen (
am kunstwerk) zu sträuben und zu wehren pflegen 47, 25;
entspr. 42 ii 128; dasz ich bei lebzeiten mich wehrte gegen den allgemeinen glauben B. v. Arnim
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 53; gegen das ehejoch musz sich einer stemmen und wehren, so lange menschenmöglich Holtei
erz. schriften 15, 129; die blosze ... abhängigkeit würde ihn erdrücken ... er musz sich dagegen wehren Strausz
schriften 6, 90; die knaben, die sich so hartnäckig gegen das abc wehren Hebbel
Maria Magd. 2, 5; unter ehelichem einflusz wehrte sich Mühler gegen die abschaffung (
der katholischen abtheilung), über die alle übrigen minister einverstanden waren Bismarck
gedanken u. erinn. 2, 156
volksausg. I@B@3@c@b@eeee)
jüngste entwicklung ist die wehr gegen vorstellungen und gefühle, die von innen aufsteigen: er wehrt sich gegen die von der einbildungskraft ihm vorgespiegelte vision Göthe I 16, 361
Weim.; wir menschen haben es aber an der art dasz wir uns bald zu heftig gegen entsagung wehren, bald aber, ohne widerstand zu versuchen, ganz gelassen uns darein ergeben IV 31, 203; ich fürchte mich zuweilen — es ist nichts, aber ich kann mich nicht dagegen wehren B. v. Arnim
briefe 1, 261 heut am obigen datum (18.
juni) habe ich mich entschlieszen müssen einzuheizen, nachdem ich mich seit mehren tagen gegen den gedanken gewehrt hatte Bismarck
briefe an braut und gattin 477; Bianchi ... sah finster unter den augenbrauen hervor, wie er that, wenn er sich gegen sein eignes herz wehrte Heyse
nov. 1, 93. I@B@3@c@gγ)
der angreifer wird mit vor
angeschlossen. dieser gebrauch der praep. geht aus von ihrer räumlichen bedeutung: der raum vor einem anderen ist seinen angriffen zuerst ausgesetzt, sobald die situation zum kampf wird: und wert sich vor im mit gewalt, als wann dem esel ein sack entpfalt Murner
narrenbeschw. 9, 43
neudr.; ihr (
der kriegsleute) privilegium ist, das sie nit schuldig seind, des nachts gassatim zugehen und jhren bulen zuhofieren, seythemal sie mehr ursach haben, sich des tags vorm feind zuwöhren, und sich des nachts gott zubevelchen Albertinus
der kriegsleut weckuhr (1601) 50
f.; welcher mensch den krantz der ehren zu erlangen ist gesinnt, musz sich nicht vor leiden wehren Neumark
fortg. mus.-poet. lustw. (1657) 2, 10; (
der) vor der barmherzigkeit sich noch im tode wehrt Neukirch
ged. (1744) 128.
bei Luther
und Opitz
drängt sich für
an die stelle des vor: denn Rehabeam war iung und eyns bloden hertzen, das er sich fur yhm nicht weret
2. chron. 13, 7
erste niederschrift; jhr waffen war ein stock, jhr feindt ein kühnes thier. für diesem muszten sich die ersten menschen wehren Opitz
t. poem. (1629) 2, 256. I@B@3@dd)
die richtung, in der man einen angriff abdrängt, wird mit von
angeschlossen: ich schneide mich freylich oft genug in diesem heiligen messer, aber ich wehre mir es endlich doch von der kehle Lessing 10, 224; Blasedow wehrte sich den umheimlichen gast vom leibe Gutzkow 7, 184 (
Blasedow 1); ich sah ihn Percy von der brust sich wehren (
I saw him hold lord Percy at the point) Shakespeare
Heinrich 4., I 5, 4
Schlegel. I@B@3@ee)
die stelle, von der aus man sich wehrt, wird durch praeposition bestimmt: unde moghen ... sik dar af unde up (
auf einem schlosz) weren ieghen ere vigende
urk. der st. Lübeck (1391) 4, 583; der neund augustus was der tag, da man manch büchssen füren sag ja für das selbig feste haus. gar dapffer sie sich wehrten draus Waldis
streitged. (1542) 4
neudr.; auch hath sie ... starcke thürm frey, die alle nahende stehen dabey, daraus mahn sich dahn wehren khahn Chr. Falk
lobpr. der st. Elbing (1565)
v. 626
Töppen; ich ritt in den hof, dessen gemäur zimlich verfallen war, zusehen, ob man sich auch auff den nothfall zupferd dahin salviren, und wie man sich zufusz darausz wehren könte
Simpl. 239
neudr.; auch gleich wie Pegasus das pferdt, darauff sich Perseus viel wehrt, ist ausz dem hurenblut entsprungen, also ist auch meim esel glungen Fischart
Eulenspiegel (1572)
v. 138
Hauffen. I@B@3@ff)
das gefährdete gut, gegenstand des kampfes und lohn des sieges zugleich, wird mit praepositionen angefügt. I@B@3@f@aα)
mit für: wie oft muszte er sich gegen wilde thiere, die sie anfielen, für seine pflanzungen wehren, sie hüten oder verzäunen Schiller (1790) 9, 134; man musz sich wehren für die seinigen B. v. Arnim
Günderode 2, 28; auf, auf! wir wollen uns wehren für leben, weib und kind, oder was es sonst sein mag Grabbe 3, 74.
hierher vielleicht mit ausfall des reflexivpronomens: ihr schärer, ihr seyd ehren-schänder, ihr schäret itzt rein ab die bärte, dafür ein mann doch vormals immer, als wie für ehr und namen werthe Logau
sinnged. 3.
taus. 6.
hund. nr. 5. I@B@3@f@bβ)
bei anknüpfung mit um
wird das gefährdete gut meist viel deutlicher zum preis des kampfes: unter seinen nachfolgern hatten sie wenigstens das vergnügen, sich lange genug noch um ihre freyheit zu wehren
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen (1775) 1, 400; er wehrte sich wie ein löw um seine freiheit Göthe I 8, 169
Weim.; die wehrte sich denn um ihr leben H. L. Wagner
theaterstücke 124 (
Evchen Humbrecht 5, 2); so wehre dich um dein behaartes fell Wieland 17, 71 (
Idris 2 v 3); was Itifalln betrifft, der spricht nur spröden hohn, und diese wehren sich mit recht um ihre ehre 17, 17 (
Idris 1 viii 6); es war poszirlich zu sehen, wie der gute major um meine ehre sich wehrte Schiller 3, 446; ich finde es dumm genug, dasz sich die guten leute so um ihren Tell wehren, um den einzigen, da sie tausende von Tellen gehabt haben Vischer
auch einer25 36; jeder von ihnen hatte einen advokaten, der sich um die zu erhoffende beute tüchtig wehrte G. Keller 2, 122.
sprichwörtlich: wenig ist werth, wie das sprichwort lehrt, wer sich um den guten namen nicht wehrt Hoffmann v. Fallersleben
leben 6, 78; der ist wenig werth, der sich um seinen guten namen nicht wehrt Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 341; wer sich nicht ums ganze wehrt, musz ums halbe fechten Wander 4, 1865. I@B@44)
zu sich wehren
treten bestimmungen der art. I@B@4@aa)
die art des wehrens
wird adverbial bestimmt. I@B@4@a@aα)
unter den bestimmungen des grades ist die älteste fast: swie vaste si sich werte,ir wer wart ze jungest kranc
Nib. 102, 4 C; sy gumpet ser und weret sich vast Hätzlerin
liederbuch (1471) 282
nr. 72; (
Pontus wird gebeten zu harfen) aber er wehret sich fast
buch der liebe (1587) 331
d; einer beichtet einem pfaffen, er habe auff eine zeit mit einer nonnen zu acker gefahren .., sie hat sich ja so fast, als ein lebendige unter mir gewehret Mäynhincklers
sack (1612) F 2
b;
namentlich neben der negation: der guot gsell sich do nit fast wert Gengenbach (1523) 263
Gödeke; dann ja die kinder schwach sich wurden könden (?) nit fast wehren Fischart
flöhaz (1573)
v. 533.
weiterhin ist fast
durch sehr
zurückgedrängt: swie sêre si sich wertensi muosen dâ bestân unz an den vierden morgen
Nib. 1629 A B; der (
pfälzische) lewe hat sich lang zit sere gewert, bisz ime got nu dri falken hat beschert Liliencron
volkslieder (1462) 1, 532; durch dis wort solt du uber in herrschen, er sperre und wehre sich nu so seer, als er wil Luther 16, 108
Weim.; so sehr nun mein vater sich wehrte und davor bangte, seinen einzigen sohn die ungewisse laufbahn eines künstlers einschlagen zu sehen, gerade an seinem widerstand wuchs mein wille Hesse
Gertrud (1910) 6.
seither lösen sich wechselnde gradbestimmungen ab: je mehr sich der mönch wehrete, je mehr die nönnlein solches zu wissen begerten B. Hertzog
schiltwache D 4; der arge kleine gott, je mehr sie sich thet wehren, je mehr entzündet er das hitzige begeren Zinkgref
auserl. ged. (1624) 47
neudr.; weil ich mich nicht sonderlich wehrete
Simpl. 171
neudr.; das hübsche mädchen ward aufgefordert zu singen, wehrte sich heftig und muszte am ende doch Hesse
Gertrud (1910) 7; sich heftig wehrend fallen die getreuen Göthe I 11, 19
Weim.; Odysseus wehrt sich gewaltig 41 i 290. I@B@4@a@bβ)
unter den modalen bestimmungen spielt von alters das lob wackerer wehr
die gröszte rolle: doch het gewert hêr Gunthernâch müede loblîchen sich
Nib. 2297; so muostu dich vil kecke wern Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 181, 18
Pfeiffer; welche behertzt sich wereten Xylander
Polybius (1574) 5; gefährlich war die jagd mit diesen wilden säuen: sie wehreten sich steif, sie liefen weidlich an, dasz übern haufen gieng gar mancher tapfer mann Opel
u. Cohn
dreiszigjähr. krieg 279, 73; nieder fiel der greif zur erde ... wehrte sich auf's allerbeste Tieck
schriften 1, 117; doch wehrte noch der kleine schuft so streng sich und gediegen Rückert
werke 3, 65.
dieses lob findet feste formen in sich ritterlich, männlich, tapfer wehren: swenn er den grâl mit sîner hantund mit ir helfe rîterlîchen werte Wolfram
Titurel 11, 4; wölt daruff ein redner den überwinder hoh loben sich ritterlich gewert ... haben Riederer
spiegel d. rhethorik (1493)
f 1
b; (
Virginius) weret sich so mannlich und ritterlich als eyner, der sich seins lebens verwegen hett Carbach
Livius (1514) 47
b; Wilwolt mit den seinen knechten werten sich mannlich und also hart, das si den Schotten und seiner knecht einen von den pferden stachen Wilwolt v. Schaumburg 72
Keller; wo uns aber gnad und barmhertzigkeit nit zustehet, so sollen wir uns redtlich und mannlich wehren
buch der liebe (1587) 119
d; die junge manschafft aber, die vor der stad stund, wehret sich tapffer 2.
Makk. 12, 27; bey seinem leben solt er (
der tod) im nichts anhaben, wolt sich dapffer wöhren Lindener
Katzipori (1558) 169
Bolte; und gieng zwar das städtlein im ersten versuch über: auszm schlosse aber, wohin die soldaten sich retiriret, wehreten sie sich tapffer Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 156; da die gegenseitigen sich tapfer wehrten, gab es ein greulich gemetzel Göthe I 33, 19
Weim.; es verging keine stunde, als es den seitlänzer reute und er das kind wieder haben wollte. unsere principalin wehrte sich tapfer
Meisters theatr. sendung 3, 4 (155
Maync); kampf zwischen dem kopf- und dem schwanztheil: jener greift diesen an, und dieser wehrt sich tapfer Schopenhauer
werke 1, 208
Grisebach; von allen seiten waren da die städte bedrängt ... aber sie wehrten sich auf das tapferste Ranke
sämtl. werke 1, 138.
umgekehrt wird lässigkeit der wehr getadelt: er kömmt, und klopft sie in den nacken, und kneipt sie in die vollen backen; sie wehrt sich ganz beqvem, beqvem wie eine braut, und findet bald für gut, sich weiter nicht zu wehren Gellert 1, 107; schon weicher wehrt sie sich, sie wanket, sinkt dahin L. H. Nicolai
verm. ged. (1778) 1, 301; doch ihn necken amoretten, rauben lanze ihm und schwert, binden ihn mit blumenketten, wie er auch sich mürrisch wehrt Heine
werke 1, 203
Elster. objective bestimmungen treten erst in neuerer prosa zu sich wehren: wider abgesagte feinde hat man sich ernstlich zu wehren Bucholtz
Herkuliskus (1665)
vorr. b 2; ein belägerter ort der sich sehr hartnäckig wehret Ludwig (1716) 2414; wunderbar und ahnungsvoll geht durch jene schöne welt noch ein anderer schrecklicher zug, dasz alles was geweiht, was verlobt war, sterben muszte ... den bewohnern einer stadt, die sich gewaltsam wehrt, wird mit einem solchen gelübde gedroht Göthe I 26, 215
Weim.; die eingeschlossnen wehrten sich verzweifelt Niebuhr
röm. geschichte 2, 58; es war mir rührend zu sehen, wie ihr mädchenstolz krank zu liegen und sich hart zu wehren schien Hesse
Gertrud (1910) 173.
adverbiale wendungen sind mannigfach möglich, formelhaft werden sie nie: Rômære werten sich mit grimme, unz siu der hunger begunde dwingen
kaiserchron. 4891
Schröder; das mänlein sich in ehren wehrt, setzt sich doch endlich auff die erd Rollenhagen
froschmeuseler D 2
b (1 i 2); sie wehren sich mit macht, das menschliche geschlecht nicht als einen ameishaufen zu betrachten Herder
werke 13, 8
Suphan; sie würde sich gern wehren, mit geballten händen und zusammengebisznen zähnen Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 6. I@B@4@a@gγ)
zeitliche bestimmung der wehr ist zunächst auf das adverb. lange
angewiesen: do wolden sie (
die gesandten) nicht vorczelen ör gewerb, sundirn sie wolden selbist vor den rad. der rad werte sich lange, wann es was nicht öre gewonheit, sulche luthe in ören rad vor sie zu geene, sundern erusz zu senden Stolle
chronik 147; ich hab mich follen lang gewert Keisersberg
bilgersch. (1512) 30
a; er ist ein mathematiker und also hartnäckig, ein heller geist und also ungläubig; er wehrte sich lange, bemerkte jedoch was sie angab genau Göthe I 25, 283
Weim.; daher wehrt man sich im wissenschaftlichen so lange als nur möglich für das hergebrachte II 3, 212; (
die gegner der remonstranz) faszten den gedanken, sich so lange zu wehren wie möglich Ranke
werke 16
2 88.
schlieszlich wird aber hier der sprachgebrauch von kräftigeren formeln beherrscht, die einen widerstand bis aufs äuszerste, wie immer ausgedrückt, zeitlich erfassen: heüt ehr eingelegt oder nimmermehr: es galte da nicht leben forderen, sondern sich gewehrt, so lang ein ader im leib sich regen könte Moscherosch
gesichte (1650) 2, 277; fleisch und blut die tugendfeinde wehren sich bis in das grab Grob
dichter. versuchg. (1678) 36
nr. 92.
weiterhin nur in prosa: contendere ad extremum usque sich wehren bis auff den letzten mann Reyher
lex. lat.-germ. (1686) 551
d; sie wollen sich wehren bis auf den letzten mann
they are resolved to hold out to the last Ludwig (1716) 2414; der sich wehren soll bisz auf den letzten mann, oder bisz auf den letzten blutstropfen Fleming
vollk. t. soldat (1726) 84 § 27; geduld aber von besonderer art beweisen die Indianer in Amerika, welche, wenn sie umzingelt sind, ihre waffen wegwerfen und, ohne um pardon zu bitten, sich ruhig niedermachen lassen. ist nun hiebei mehr muth als die Europäer zeigen, die sich in diesem fall bis auf den letzten mann wehren Kant 10, 284; wenn du den weibern ihre schönheit attaquierst, so wehren sie sich bis auf den letzten mann Raimund
werke 1, 16; wenns erlaubt ist, das gleichnisz noch weiter fortzusetzen, so glaube ich, dasz ich mich auch bis auf die letzte extremität wehren werde G. Forster
sämtl. schriften 9, 67; dann gilt es, sich nach preuszischer manier bis auf das äuszerste zu wehren Fouqué
gefühle, bilder (1819) 2, 14; eener wehrt sich bis uf's blutt. zuletzt musz man sich drein geb'n Hauptmann
weber 36. I@B@4@bb)
nähere bestimmung der art des wehrens
kann durch vergleiche erzielt werden. ein nächster ansatz dazu ist, dasz jemand mit seinem eigenen ideal vergleichen wird: dô werten sich die geste,sô guoten helden zam
Nib. 2022; da lagen die edlen helden, von hageln und schwertern zur erde geschlagen. aber sie wehrten sich, als männer
schlesw. litbr. (1766) 62, 17
neudr.; dasz du auf unsern ebnen siegeszug ein Ollmütz stelletest, und einen held, der wie ein braver mann sich wehrete, in seine hohen wäll und mauern gabst Lessing
werke 8, 35, 28.
der ausgeführte vergleich greift oft zum thierbild, weil sich wehren
von vornherein gern von thieren gesagt wird: daʒ uuir geahtot biren also scafine frisginga: scaf neuuerent sih, uuir neuueren unsih Notker
ps. 43, 22
Wiener hs.; als dann wehren sich diese katzen Thurneyszer
alchymia (1583)
vorr. 3; Mars ... tratt auf den scorpion. dieser wehrete sich, und stach den Mars in sein bein Stranitzky
ollapatrida 337, 24
neudr.; die gräulichen ameisenräuber faszten, zerquetschten mit ihren zackigten zangen die schnacken, die sich wehrten und um sich schlugen E. Th. A. Hoffmann
sämtl. werke 12, 28
Grisebach; wer hat nun die katze gelehrt: du muszt, um dich zu wehren, tun, dasz der feind meint, es werde ihm wasser ins gesicht gespien? Vischer
auch einer 25 452.
darum gern und gut im thiervergleich: heut, da man seine füchs thut kennen, und will den fuchs ausz der hell brennen, da wüt er und wehrt sich zu letz wie ein wild, das schon steckt im netz Fischart
thierbilder 426
v. 99
Hauffen; entspr. lob der lauten 357
v. 73;
Bourgognino: Sebastian Leskaro ist ein wakrer soldat.
Zenturione: wehrte sich wie ein bär, bis er niederfiel Schiller 3, 138 (
Fiesco 5, 3); er wird sich wehren wie ein wildes schwein Göthe I 8, 85
Weim.; er wehrt sich wie ein dachs Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 272; er wehr si, wie's thier im hag Wander 4, 1865
aus der Schweiz; wiera katz
das. aus Oberöstreich; wie der hammel am strang Follmann 534
b aus Forbach; hê wërd sük nët (
just) as'n dôd bigg (
ferkel) in d' sak Doornkaat Koolman 3, 540
b.
viel seltener ist in lebender mundart das bild vom menschen: sik wehr'n as't kind inr wegn Eichwald
nd. sprichwörter (1860) 1017. I@B@4@cc)
die waffe, mit der man sich wehrt, wird durch praeposition bestimmt. selten ist durch
betheiligt, sehr oft mit: ihr aber, laszt vom beispiel euch berathen euch ... zu wehren durch groszart'ge greuelthaten Rückert
werke (1867) 1, 20. mit
führt ganz vereinzelt und nur in älterer sprache den persönlichen helfer ein: wert eyn umberucht riddermeczik man angheverdiget und beclaget umme rouf, di scal sik weren mit twelven unberuchten, bederven luden ... eyn borger scal sik weren mit vif ... luden, und eyn bur sik tu werende mit achten siner ghenoten
meckl. urk. (1359) 14, 415.
sonst immer ist es das sächliche mittel der abwehr, das mit
anknüpft. I@B@4@c@aα)
dabei handelt es sich zunächst um thätlichen widerstand und seine formen: wan ich bin leider ein wîp, daʒ ich mich mit kampfe iht wer Hartm. v. Aue
Iwein 4073;
entspr. 5648; der fürste im zeigete sâ sîn swert: nu sich, swer an mich strîtes gert, des selben wer ich mich mit slegn
Parzival 124, 7; (
ein serpant) der werte sich mit viure Heinrich v. Freiberg
Tristan 1058; weret aber her sich mit kemphen, jener mac in wol bereden (
überführen) mit kemphen ... mit kempfen mac sich ein man wol weren alsus
vulgata des Sachsenspiegels 1, 48 § 3; sie wolten im kein contribution geben, eh sich wehren mit leib und leben
gesch. lieder Württembergs (1632) 122, 16
Steiff; die wöhrten sich mit starcker handt Spreng
Ilias (1610) 28
b; wie haben sie sich nur gewidert und sich gewert mit händ und füsz, auff dasz man euch nit ein da liesz Fischart
nachtrab v. 421 (
Kurz 1, 14); er wehrte sich mit händen und füszen,
he resisted with all his might Ludwig (1716) 2414; was thut's euch, was beiszt's euch, dasz ihr euch so mit händen und füszen dagegen wehrt? Lenz
ges. schriften 1, 72
Tieck (
hofmeister 5, 9); i wir mi mit händ und füasz dagegn wehrn Hügel 187.
ironisch: wann es zum treffen und schlagen kompt, sollen sie sich waidlich wöhren mit den füszen (
d. i. ausreiszen) Albertinus
zeitkürzer (1603) 56
b; wann er (
der soldat) mit leerem bauch fechten soll. wird er sich hurtig mit der flucht wehren Olearius
pers. rosenthal (1647) 1, 17. I@B@4@c@bβ)
am gewöhnlichsten knüpft mit
die körperliche waffe an: wan si (
die hirsche) habent wâpen, dâ mit si sich wernt Konrad v. Megenberg 130, 16; den thyeren hat got geben ir sundere waffen ... damit sie sich mügen weren, beschützen und entpfliehen A. v. Eyb
ehez. (1472) 46, 23
Herrmann; man sahe, wie sie mit einander traffen, und mit den schilden und spieszen sich wehreten 2.
Makk. 5, 3; herr, ob es dein hertz begert, so wer wir uns mit dem swert
altd. passionssp. a. Tirol 55
Wackernell (
Sterzing 1496); der mit dem schwert in der schlacht sich fein manlich wehrt Ringwaldt
lauter warheit (1585)
v. 137; sie brach von rosen ein zweiglin ab und weret sich damit. sie weret sich mit dem rosenzweig bisz dasz der stil zerbrach Uhland
volksl. (1584) 254; den feurhacken aber behielt ich in den händen, mich damit auff den nothfall zuwehren
Simpl. 193
neudr.; halte den rücken frei, drücke den schlapphut in's gesicht, und wehre dich mit dem ärmel Göthe I 17, 93
Weim.; indem er sich mit seinem aufgehobenen krummstabe zu wehren trachtet, wird er durch die aufsprossenden geweihe am zuschlagen gehindert 49, 191; der (
degen) ist mir nothwendiger, als dem rosz sein schweif, sich damit die fliegen vom leib zu wehren
maler Müller
werke 2, 113; die (
ärzte) wehren sich nun mit allen giften, die sie im vorrath haben Görres
ges. briefe 3, 158. I@B@4@c@gγ)
auch waffen in übertragenem sinne knüpft mit
an. in älterer prosa sind es geistliche waffen, bei denen die übertragung aus Paulus
geläufig ist: wir ... suln stebe haben an den handen. daʒ ist die geistliche gewere. daʒ ist der kirchgange. daʒ ist die wache und die vaste und daʒ gebet und ander guote werk. da mit sule wir uns weren den unsichtlichen huonden, daʒ sin die ubelen geiste
predigten 62, 33
Leyser; daʒ sin die wapene da mit wir uns deme tuovele suln wern 92, 2; ir solt nemmen das schwert des heyligen geysts, das wort gottes, damit solt jr euch wören Hutten 5, 394
Böcking. eine übertragung anderer art lebt in md. und nd. mundart: währ dich mant mit de korzen stock, host gar kän lange nethig Wander 4, 1865
aus Clausthal; se wîret sick mett'n korten stock
ders. aus Osnabrück; wr di medm klainen stöcksken,
d. i. weise es nicht von dir Woeste
westf. 320
b. I@B@4@c@dδ)
endlich sind worte mittel der abwehr: mit ir alten rede si sich werten
Milst. genesis 18, 14
Diemer; wenn du also gezwungen werest, das dich die bauren mit henden und fussen gebunden und mit gewallt unter sich gefurt hetten und du mit dem munde dich geweret und sie drumb gestrafft ... hettest ... so bestundestu mit ehren Luther 18, 395
Weim.; wilt also mit geschrey dich wehren, daran sich nicht die storcken kehren Fischart
ehezuchtb. (1578) 157
Hauffen; sie wöhret sich mit ach und wehe Spreng
Aeneis 67
a; sich in ihrer unschuldigen sache mit dem maule gegen die frau zuwehren
polit. maulaffe (1679) 72; er wehrte sich mit hand und mund darwieder
hoc acriter sustinebat Steinbach (1734) 2, 974.
besonders passend wird das zum rechtsmittel erstarkte wort dergestalt der waffe gleichgesetzt: greift man sie in ihren vorrechten an, so wehren sie sich mit bann und interdict Ranke 1, 170. I@B@55)
das stück von sich, das man vertheidigt, wird genauer bestimmt, und zwar stets durch genetiv, einen partitivus, der mit dem objectivus unter I B 3
b)
nichts zu thun hat, ebenso wenig wie mit einem in antikisierender prosa auftretenden absolutus: die Hesperiden ... wehren sich blauen granites gegen das meer Laube
franz. luftschlösser (1840) 2, 30. sich
kann wider unterdrückt werden: Stintia wehrt ihrer ehren; wer ihr was wil muthen an ey der musz es schwer entgelten, sie erzeigt sich als ein mann Logau (1654) 2.
taus. 3.
hund. nr. 9. I@B@5@aa)
in dem stück seiner existenz, in dem man sich wehrt,
wird zugleich die ganze existenz vertheidigt. am nächsten liegt es darum, möglichst umfassende begriffe, leib, leben
und ehre,
die körperliche existenz und ihre sittliche lebensluft, als partitivus zu setzen. beides in alter und in volksmäsziger rede: so vrag, na deme dat denne nen hantafte dat si ... oft he sic sines lives unde siner ere icht neger tu werende si
richtsteig landrechts 40 § 4
Homeyer; seines lebens wehret sich der mensch gegen alles, was ihn anficht Herder 13, 319
Suphan; ei! wo lebt denn das friedsame geschöpf, das seines lebens sich nicht mit allen lebenskräften wehrt? Schiller 12, 232 (
Wallenst. tod 1, 7); ruf' du verdammte deine höllengeister an, dir beyzustehen! wehre deines lebens dich 13, 244 (
jungfrau 2, 7); wo die furcht ... keinem andern gedanken raum liesz als dem, sich seines lebens zu wehren Justi
Winckelmann 2 i 367; er möge seines leibes sich nach besten kräften wehren Bechstein
märchenbuch (1908) 17. I@B@5@bb)
jeder körperliche angriff trifft zuerst die haut,
sie vertritt darum anschaulich das ganze des leibes. in den wörterbüchern nicht eben früh: Reyher
lex. lat.-germ. (1686) 647
c; Ludwig (1716) 2415; Meynier
teutsch.-franz. handwb. (1803) 2924,
älter in kräftigen versen zumal des 17.
jahrh.: wolt gott, es hett manch redlichr mann im anfang wie Stralsund gethan, sich seiner haut gewehret Soltau
volksl. (1628) 1, 476; bleibt hie und greifft den waffen zu und lernet eurer haut euch wehren Dach (1635) 544
Österley; gleich als ein muhtigs thier von jägern gantz ümgeben sich wehret seiner haut Rist (1652)
Parnasz 25; du stehst und wehrst dich deiner haut Stoppe (1735)
Parnasz 29;
fahnenträger: ein krieger ficht wohl, weisz er, gegen wen; doch wo nicht ordnung, kundschaft und befehl, wehrt er sich seiner haut und weiter nichts Grillparzer 7, 34 (
bruderzwist 2); verruchter mörder, wehr dich deiner haut Heine
werke 2, 334
Elster. in neuerer zeit will die wendung nur in derber prosa recht am paltze scheinen: wolte er sich zuvor seiner haut wehren, und zuckte vom leder A. U. v. Braunschweig
Ocravia (1677) 1, 377; ein jedes thier wehrt sich seiner haut Hippel
lebensläufe 1, 104; bogen und pfeil kannten sie (
die Marianen) nicht: denn kein wildes thier foderte sie auf, sich ihrer haut zu wehren Herder 13, 311
Suphan; ich wehr mich meiner haut auch gegen fürsten Tieck
schriften 3, 113; als sie ... in das Böblinger holz kamen, nahm der herzog den ritter bei seite ... rief ihm zu, er möge sich seiner haut wehren ... entleibte ihn Ranke
sämtl. werke 1, 225; ich kanns nicht miszbilligen, jeder wehrt sich seiner haut Pückler
briefw. 3, 417; hat der deutsche Michel überhaupt jemals das schwert gezogen, als um sich seiner haut zu wehren? Moltke
ges. schriften 7, 128; aus der unergründlichen tiefe der zeiten an das tageslicht gestiegen, sonnen sich diese menschen darin, so gut es gehen will, rühren sich und wehren sich ihrer haut, um wohl oder wehe wieder in der dunkelheit zu verschwinden, wenn ihre zeit gekommen ist G. Keller
ges. werke 1, 12;
entspr. 1, 180; auf alle fälle, auch wenn ich in ihr haus ziehe, haben sie vollmacht, sich ihrer haut zu wehren Heyse
nov. 1, 139.
selten ist der gen. durch präposition verdrängt: der Türke wehrt sich um seine haut Hebel
werke 2, 239
Behaghel; ich werd' mich schon wehren für meine haut Bäuerle
kom. theater 3, 18 (
fiacker 1, 10). I@B@5@cc)
freie wechselnde verbindungen zeigen lehrreich, wie die wendung noch lebendig ist: (
der feige) verschleiszt die zeit mit karten, dieweil ein ander sich des vaterlandes wehrt Fleming
d. ged. 1, 50
Lappenberg; ebenso 1, 266; wer wagt dort drüben zu stutzen die schönsten äste des baums? ich glaub, es ist ein nachbar, er wehrt sich seines raums Eichrodt
dichtungen 2, 252; liebe gesellen, wehret euch heute eurer hälse und steht feste Freytag 18, 340 (
bilder 2 i 8); die aristokratie, die diesen ostdeutschen boden seit jahrhunderten beherrscht hatte, wehrte sich ihrer macht Marcks
Bismarck 1, 12. I@B@66)
sprichwörtliche verwendung von sich wehren
bewegt sich stets in der bedeutung des widerstands als that: wer sich wehret dessen seel gedeyhet,
pugnando proficit anima Chr. Lehman
floril. pol. (1630) 240, 47,
von da Wander 4, 1865; das ist redliche ursachen zum krieg, wenn man sich wehren musz Lehman 442, 106 (Wander
vergleicht dän. aarsag nog til krig, at man faaer at værge sig); wer sich nicht kann wehren, wird sich nicht lange ernähren; wer sich wehrt, behält sein pferd; der sich ehrt, wer sich wehrt; man musz sich wehren, so lange man lebt, wenn man todt ist, hörts auf Wander 4, 1865; er wért si
gibt sich nicht besiegt Hunziker
aarg. 293;
ebenso Seiler
basl. 314
a; Martin-Lienhart 2, 845
a; dem wehrt söck nuscht Frischbier
preusz. sprichwörter 1, 278
aus Stallupönen, von da Wander
mit der deutung: 'der kennt keine schranke, dem steht nichts im wege, das er nicht besiegt'.
literarisch geworden: wer sich nicht wehrt, den fressen die wölfe G. Keller 2, 154; was bringt zu ehren? sich wehren Göthe I 6, 69
Weim. I@B@77)
in westobd., md. und nd. mundart wird sich wehren
in wirthschaftlichen kämpfen zu '
wacker arbeiten': sie (
die gläubiger) baten ihn also alle wie aus einem munde, er solle doch nicht so kläglich tun, guten muts sein, sich tapfer wehren, und seine wirtschaft emsig treiben wie bisher Bräker
leben des armen mannes im Tockenburg 46
Wilbrandt; entspr. 189; nichtsdestoweniger war gott ihr auch der grundpfeiler in der ernährungsfrage; aber diese schien ihr so wichtig, dasz sie niemals zauderte, sich zuerst selber zu wehren, so dasz es den anschein gewann, als ob sie nur auf sich allein vertraute G. Keller 3, 32; wehren
v. recipr. '
auf alle mögliche, jedoch ehrliche art sich durchzubringen suchen' Stalder 2, 440
aus den Vierwaldstätten; so jetzt im Breisgau möglich: mər müənd uns ritterlich werə
mündlich aus Freiburg; wehr di, ass es packscht Follmann 534
b aus Rieding bei Saarburg; wehren
von leuten, die knapp ihr auskommen haben und daher, um ehrlich durch die welt zu kommen, sehr bey sich sehen, und oft mittel ergreifen müssen, die ihnen wehe thun: mer wehrt sich att Schmidt
westerw. 324; dau host dich hau (
heute) rechtschaffe gewehrt. sich dapper weren 325; sich wehren (
rhein.) '
tüchtig arbeiten' Kehrein
nass. 441; er hat sich sehr zu wehren
s. v. a. '
sehr anzustrengen, um ehrlich durch die welt zu kommen' Anton
oberlaus. 6, 5; sik wren '
sich anstrengen'.
dem wren
wird ein weiterer begriff als '
defendere',
etwa '
sich rühren',
zu grunde liegen Woeste
westf. 320
b; du must dî d'r tegen wëren (
od. setten), dat du mit kumst Doornkaat Koolman 3, 540
b; wen du dî nêt beter wërst, den kumst du nêt mit,
od. den worst du nêt klâr; ik heb mî nët (
just) so fel wërd (
angestrengt, beeifert, befleiszigt), as ik man kun
das. I@CC. wehren '
vertheidigen'
ohne object ist verhältnismäszig selten. der absolute gebrauch ist nicht ursprünglich, sondern aus dem transitiven abzuleiten in fällen, wo die beziehung auf ein accusativobject möglich, aber nicht nöthig ist: mer welkerleye krygh us anvald, den schole wy tusamende keren unde weren myd gantzer macht
meckl. urk. 14, 526 (1365). I@C@11)
nach solchen mustern wird das acc.-object erspart zunächst in dem zuruf wehr, werâ, wehret,
der doch in dieser absoluten stellung stets selten bleibt: der wolf begunde denken sâ: werâ wîchâ herre dâ! wie varent dise liute sô? Heinrich der Glichezere
Reinhart Fuchs 353
Grimm; werâ, herre, werâ wer! wie sich die helde werten, des lîbs ein ander herten Reinbot v. Durne
hl. Georg 5043
Kraus; hie lig ich zu feldt, lieben gesellen, das schlosz sturm ich. hie weret und seytt frisch Luther 7, 681
Weim.; darumb wil Paulus sagen: da weere du mit henden und füszen, das yhe nicht solche unnütze fabeln und geschwetz auffkome 17 i 110; wer, herr, wer, es tet nie so not, dann sunst wär uns weger der tod Manuel
papst u. s. priesterschaft 261
Bächtold. I@C@22)
freier absoluter gebrauch ist zeitlich ausgedehnter, doch fast nur in versen: do hieʒ er den engil cherubinda fur sten unde werigin mit einem viurinen swerte
Milst. genesis 20, 11
Diemer; er hât eʒ werende getân '
in der abwehr' Hartm. v. Aue
Iwein 2044: vor dem tôde er in nerte: er stuont über in selbe unde werte
Rabenschlacht str. 795
Martin; ob einer wer, der mir wolt schnurren und wider myn beschwören murren, untugentlich vor mir wolt weren Murner
narrenbeschw. (1512) 92, 33
neudr.; die feigen wöllen wir verzeren, und gegem herrn mit worten wehren, sprechen, Esopus habs genomen Waldis
Esopus (1548) 1, 7
v. 66
Kurz; sie sprangen von eim beltz in andern und theten all zuo Eva wandern: da hett die guot fraw wol zuowehren Fischart
flöhaz (1573)
v. 1191
neudr.; lasz meine seel ihn (
den feind) nicht umbringen und also grausam mich verschlingen, als wie des löwen zorn verfehrt, wann niemand ist der vor mich wehrt Opitz
psalmen Davids (1634) 20 (7, 1); wenn sein feind auf jhn ausz wil ziehn, so wil ich stehn und wehren Gerhardt
lieder (1653) 3, 403
b Fischer-Tümpel; er soll auch mit einem weydner an der seiten begürtet sein, welchen er unter vilen mancherley zufälligen präuchen, auch zum holtz und gereiser und äst abhauen, zu wehren und stellen zur not geschwind prauchen könne Sebiz
feldbau (1579) 564; ich will nicht mit leeren händen gehen, wo ihr alle etwas zum wehren bei euch habt Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 312.
in prosa ausgedehnter ist absolutes wehren
in der seit Luther
gegebenen beziehung aufs wehramt (
s. da): ackerwerck sol neeren, kriegswerck sol wehren, und die ym wehere ampt sind, sollen yhr zinse und narung von den, die ym neere ampt sind, nemen, das sie wehren konnen 19, 654
Weim.; officium suum, quod est? occidere, quia potestas instituta, ut malos plectat, ist ein wherampt,
quod furt die wher und wheret 20, 544; von der obrigkeit sagt er (
Luther): sie sollen die drey ämpter und namen führen: dasz sie sollen helffen, nehren und wehren, und also heissen heylande, väter und retter Zinkgref
t. apophthegmata (1653) 1, 180.
von da her wider in versen: Christus thut uns in seim wort lehren drei ständ: zu lehren, wehren, nähren Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 5. I@C@33)
häufig ist dagegen vom 13.
bis 16.
jahrh. durch alle landschaften und stilarten die formel mit wehrender hand.
ausbiegungen sind nur aus Norddeutschland zu belegen: man spricht zo bispel ein wort: werenden henden helpe got G. Hagen
reimchron. 3500 (
Köln 13. jahrh.); den rotehoff schal dy vorgnante Hans von stund bringen in werende hand
geschichtsqu. der prov. Sachsen 27, 92 (
Magdeburg 1421); werender hand werd ummer raed Schiller - Lübben
aus e. Kieler hs. von 1486; besluth reden dusses tractaetz in welcken van werender unde wrekender handt der christen unde ethlike wunderdaden gades by uns gescheen, begrepen synth Rotmann
restitution (1534) 106
neudr.; wo wy dan hebben dören werender handt gebruiken 109; also hefft uns de heer ... tho werender handt gedrungen 110
u. ö. sonst gilt die formel unverändert: der bâbest sprach: mîn sêl sî pfant, swer daʒ leben verliuset hie mit wernder hant, daʒ ich den als ein westerbarn künde hiut vor gotes angesiht
Lohengrin 5085
Rückert; sie haben ouch mit werender hant betwungen sider gûte lant
livl. reimchron. 2277
Meyer; entspr. 4082; 4868; 4926
u. ö.; wie wir wol westen, alszpald wir gefangen würden und pracht für in, das wir sterben müsten: so sey es vil pesser, wir sterben hye mit werender hant durch cristenlichen glauben Schiltberger
reisebuch 13, 33
Langmantel; also luffen die baurn herauʒ mit wernder hant
städtechron. 2, 176
var. zu 23 (
Nürnberg 1449);
entspr. 2, 495, 17; nachdem bisshere etwo vil personen ... von denselben knechten, so ye beyweilen solicher schafe und vihs mit werender handt hueten, gehohmut und beschedigt werden
Nürnb. polizeiord. 240
Baader; aldus worden (1460) de Holsten Denen ... ane swerdes slach ... dar ere olderen unde vorvaren mennich iar teghen ghewesen hadden unde hinderden dat myt werender hand Detmar
Lübecker chron. 2, 223
Grautoff; derhalb der herzog wider abziehen kam mit werender hant von in Wilwolt v. Schaumburg 77
Keller; darumb zogen sie mit werender hant in die selben art, und understuonden die ROemer darausz zuo treiben Carbach
Livius (1514) 109
b;
entspr. 143
b; vormals ist das romisch pofel ... bewegt worden, das es mit werender hand von den vätern ist abgetreten Pleningen
Sallust (1515) E 1
b; den zohe Fabius mit werender handt entgegen, mocht jn aber nicht widerstehn Franck
chron. Germaniae (1538) 8
a; darumb laszt uns jenen mit wehrender hand begegnen
buch der liebe (1587) 119
c. I@DD.
als object im accusativ steht der vertheidiger oder das schützende organ. dann ist wehren '
zur wehr befähigen, waffnen'. I@D@11)
relativ oft ist das der fall in der formel mit gewehrter hand,
die zumal neben verben der bewegung die eben behandelte formel vom 16.
bis 18.
jahrh. ablöst. belege von 1521
bis 1727
s. th. 4 i 5421
ff., dazu nachträglich: ein unbill oder schmach mit geweerter hand weeren
arcere ferro contumeliam Maaler 487
b; schluogen sie (
die bauern) an die glocken und lieffen mit gwerter hand zuosamen Kirchhof
wendunmuth 1, 300
Österley; die übrigen zugen hinder sich mit gewerter hand Münster
kosm. (1567) 202; wa er das nit underlassen würde, wolten sie jm den durchzug mit gewerter handt niderlegen Xylander
Polybius (1574) 104; Augustinus hielt mit seinem gebet die Gothen und Wenden zurück, welche nach seinem tode die stadt Hippon mit gewehrter hand nicht abhalten konnte Hnr. Müller
geistl. erquickst. 438; den dritten tag april fürwar kamen gen Gräz der baurn ein grosze schar ... wol mit gewehrter hande
Hartmanns hist. volksl. (1573) 1, 10, 2; durch einen weiten schlund war, mit gewehrter hand, der Curtius von Rom nach Pluto reich gesandt Hofmannswaldau
grabschriften (1680) XI.
auch hier ist die formel selten gestört, s. in gewehrter hand
th. 4 i 5422. I@D@22)
freier gebrauch ist wider ziemlich selten, wenn auch zeitlich ausgedehnt: bald fand den radt der Unuorfert, das er mit viel volck würd gewerd Thym
Thedel v. Wallmoden (1558)
v. 1722
neudr.; haben baide grafen ... 5 hackenschützen wol geweret auf solchen platz geschickt ... die hat mein sone angerett, was sie also gewerte daher sich stellen? Schertlin
leben 124;
weiterhin nur in wörterbüchern: das kriegsvolck wehren
armer ses gens Ravellus (1616) 401
a; das wehren, das wafnen ...
armatura Hulsius (1640) 480
b; wehren, wehr geben, waffnen
armer, bailler des armes, instruere armis Pomai (1709) 3, 339
a; das kriegs-volck wehren ...
armer ses gens. wehren, wehrhafft machen, wehr geben, waffnen Rädlein (1711) 1, 1038. IIII.
die andere hauptbedeutung von wehren
entsteht, wenn es sich um den zugang zu einem ziel des strebens oder der thätigkeit handelt, der durch die wehr versperrt wird: dann wird wehren
zu '
hindern'.
vor hindern
hat dabei wehren
seiner herkunft nach den ton des kampfes voraus, gegen das dritte synonym steuern
ist jenen beiden gemein, dasz sie dem gegensätzlichen thun ein absolutes hindernis setzen, ihm schlechthin einhalt thun, während steuern
jenes thun in erträgliche bahn lenkt, ohne es aufzuheben. Weigand
syn. 3, 734 (
vgl. 1, 20)
prägt diesen unterschied scharf aus: wer z. b. der frechheit eines böswilligen menschen wehren kann, der braucht ihr nachher nicht zu steuern.
die verbindung wehren und steuern
ist darum nicht tautologisch. aus der art der objecte erhält der verbalbegriff verschiedene färbung. II@AA.
als accusativobject steht II@A@11)
ein lebendes wesen. II@A@1@aa)
ist es ein mensch, so bedeutet wehren '
zurückhalten': letiþ þo barna gaggan du mis jah ni warjiþ þo (
μὴ κωλύετε αὐτά), Ulfila
Luk. 18, 16;
ebenso Mark. 10, 14; ni curet siê uueren (
nolite eos prohibere) zi mir cuman
Tatian 101, 1; sie sprachen zu yhm: wyr sind erab komen dich zu binden und ynn der Philistiner hende zu geben. Simson sprach zu yhnen: so schweret myr, das yhr mich nicht weren wolt (
urspr. auffhalltet). sie anttwortten yhm: wir wollen(s) nicht weren Luther
richter 15, 12
f. erste niederschrift; aber was diesen gottes dienst belanget ... wöllen wir uns nymand wehren noch hyndern lassen, wenn es auch ein engel vom hymel were Luther 28, 24
Weim.; was feyret ihr erst viel? laszt ihr euch weiche zehren und den vergeb'nen grimm des armen weibes wehren? Opitz 1, 231 (
Trojan.); o creutze sey gegrüszt.dich musz ein jeder ehren in allem was er thut.du kanst den teuffel wehren durch den, der dich geweiht Fleming 14; nichts wehrt ihn nun, durch hof und gallerie ins innre schlosz hinein zu gehen Wieland 17, 87 (
Idris 2, 37, 3). II@A@1@bb)
ist es ein thier, so bedeutet wehren '
scheuchen': wehren, hinweg treiben
arcere et abarcere Dasypodius (1537) 454
b; die katz ... ist ein naschhafftiges und diebisches vieh; man wehre sie, wie man will, so läst sie doch ihr mausen nicht Weidner
apophth. 4, 490; hab' freude, meine blumen zu nähren, die vögel von den früchten zu wehren Göthe I 2, 203
Weim.; mancher wehrt von den müttern sofort die gesonderten böcklein (
prohibent a matribus haedos) Voss
Virgil 1, 248 (
georg. 3, 398); 's vieh wérə uf der weid
das vieh abhalten dasz es in den schaden läuft' Follmann
lothr. 534
b. II@A@22)
ist das accusativobject eine sache, so kommt wehren
in seiner bedeutung der von '
hindern'
am nächsten. Stosch (1772)
setzt den unterschied passend, wenn auch nicht völlig ausreichend (
s. o.)
darein, dasz wehren
stets offenbar geschieht, indesz man auch heimlich etwas hindern
kann: die Engelländer haben sich oft darüber beklaget, dasz die Holländer ihren handel in Ostindien zuhindern suchten, ob sie ihnen gleich denselben nicht verwehren konnten 2, 530. II@A@2@aa)
ist das object ein nomen, so kann II@A@2@a@aα)
die art der wehr, ob wort, that oder gedanke, unbestimmt bleiben. das ist der fall zunächst bei einer mehrzahl von subjecten: daʒ kan niemer werden, wand eʒ wert ûf der erden diu natûre und ir gebot Konrad v. Würzburg
Silvester 4146; gottis ehre und gepott und unszer nehsten schaden odder unrecht müssen wyr weren, die uberern mit dem schwert, die andern mit worten und straffen Luther
von den guten werken 98
neudr.; ist der keyszer mit seinem adel schuldig, solch tyranney zu weeren und straffen
an den adel 37
neudr.; wie ein gemein ... laster füllerey, zuosauffen und trunckenheyt seye, vorab bey den Teutschen, auch bey denen, so die warheit erkant, unnd solchs billich weren solten, ist leyder meniglich basz bewist Ambach
vom zusaufen (1544) A 2
a; wer böses wehren und hindern kann, und thut es nicht, ist schuld daran Wille
sittenlehre (1781) 110.
ebenso bleibt die art der wehr unbestimmt im negativen satze. der negative sinn kann sich dabei irgendwelche freiere formen suchen: der bapst als hoher den Christus keret das umb, und lesset es ein grosz gnade sein, yhm seine fusse zukussen, der doch das billich, szo es yemand von yhm begeret, mit allem vormugen weeren solt Luther
an den adel 40
neudr.; denn der herr Zebaoth hats beschlossen, wer wills weren?
Jes. 14, 27;
Nathan: erlaubt ... dasz ich mich untersteh', euch anzureden.
tempelherr: kann ichs wehren? Lessing 3, 58 (
Nathan 2, 5); eh' ich's konnte wehren Müllner
dram. werke 3, 105 (
Yngurd 3, 1); wie sollt' ich's wehren, wenn's ihm geläng'? Rich. Wagner
ges. schriften 7, 270.
in der regel steht aber dieses wehren
dicht neben einer ausdrücklichen negation: das wachszen und mehren kanstu widder wehren noch halten Luther 10 ii 301
Weim.; die frucht, so solchem segen folget, das es niemand weren noch hyndern kan 24, 398; jha freilich mus er (
gottes wille) geschehen und einen fortgangk haben, das kan keyn mensch weren. ich kan aber yhm auch nicht weren, ich mus sterben leyden
etc. wen ehr will
zwei älteste katechismen 40
neudr. (
Zossen 1527); sein macht kann solchs nicht wehren A. v. Arnim
werke 13, 107
a. e. landsknechtlied v. 1546; warumb meine liebe zu nöhren ihr meiner pein nicht wollet wöhren waisz ich nicht Weckherlin
ged. 1, 166
Fischer; wan ein weib im sinn hat den mann zu betriegen, so ist es, siehe ich wohl, unmüglich solches zu wehren Moscherosch
gesichte (1650) 2, 314; diss ist der stumme bund, den niemand wehrt und hindert Günther
ged. (1735) 824; madam stand unbeweglich da, als, fern am horizonte, sie die geschwollnen segel sah, und es nicht wehren konnte Hölty
ged. 30
Halm; lasz neid und miszgunst sich verzehren, das gute werden sie nicht wehren Göthe I 2, 230
Weim.; entspr. 38, 51; wollt ich ein gelübde thun ins kloster zu gehen, das könnt doch niemand wehren B. v. Arnim
Günderode 1, 223; ik kun't nêt wëren Doornkaat Koolman 3, 540
b. II@A@2@a@bβ)
die wehr besteht in thaten, wehren
bedeutet dann '
unmöglich machen'.
in alter zeit ist das die regel, stets bleibt diese bedeutung die häufigste. II@A@2@a@b@aaaa)
die that hat ihren platz in krieg und kampf: daʒ werte Gahmuretes hant
Parzival 78, 28; daʒ wer ot wir mit swerten
Nib. 149;
entspr. 625; sie wollen morne vrûe hern: mit gots helfe wolle wirʒ wern
livl. reimchron. 4484
Meyer; darnoch reit der keiser Otte mit here zuo Mersburg, do der künig Friderich einen hof hette ufgeleit. den wert er und brante daʒ lant zuo Duringen
städtechron. 8, 144 (
Straszburg vor 1362); wer eʒ daʒ yeman uff unsze stedte ... dienen oder sie schedigen woltent, daʒ daʒ die vorgen. waltstetde weren und wenden sollent Diefenbach
u. Wülcker
wb. 897
a. Frankfurter archivalien v. 1385; es werden yhe zu letz etlich Romer odder frum bischoff und gelereten bepstlich tyranney mercken und weeren Luther
an den adel 64
neudr.; hat ein gemein zuo Rom den hochfertigen künig Tarquinium nit auszgeiagt, was het er böser stück volbracht, das domit geweret ward Vadian
Karsthans 107, 23
Burckhardt; so nette der marggraff wol sorge, es wurden die hertzogen ... in die Marke fallen. darum legte er eine starcke besatzung zu Prentzlow, die dasselbig des orts weren solte Kantzow
chronik v. Pommern 278
Gäbel; und sollten mehr fische mit gewalt weggeholet werden, so wollten sie es auch mit gewalt wehren Schweinichen 1, 355; Philips nächst gott dem herren thät diesen hochmuth wehren Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 122, 4; es zeucht der heilgen engel schaar mit waffen auszgerüst, und wehren fleissig hie und dar des tausentkünstlers list Gerhardt
lieder 3, 401
Fischer-Tümpel; entspr. 367; faust musz man mit der faust wehren Schottel 1119;
vgl.hand musz hand wehren
th. 13, 779; eines boshafte unternehmungen wehren
comprimere nefarios conatus alicuius Hederich (1729) 2616,
danach Steinbach (1734) 2, 974
u. Nieremberger (1753)
s. v.; da fiengen sie den vogt von Tennberg, der ihnen das gerne gewert hätte
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen 3, 192; wenn nicht zur rechten zeit der andre, den vielleicht des jünglings ängstlichs flehn und sein geschrey erweicht, des mörders arm gewehrt J. E. Schlegel
werke 1, 29 (
Orest 2, 5); waldsirene du wagst mich im gesange mit süszem necken zu stören oft, wenn die mandel du mir stielest, und wehr' ich es flatternd auf mit den flügeln schlägst Herder 27, 83
Suphan; und sobald nach vermählung die schon bekanntere wollust brünstig verlangt, dann weigre (
den kühen) das laub, dann wehre den sprudel (
frondesque negant et fontibus arcent) Voss
Virgil 1, 226 (
georg. 3, 131); vom Strymon her wehend, tobte sturmwind, verzögernd, ausmergelnd, wehrend landung W. v. Humboldt
ges. werke 3 (1843) 39; dieser übergang geschah diesmal nur mit mühe, weil am jenseitigen ufer der feind ihn wehrte Ritter
erdkunde 10, 119; als der sieger die spolien nahm, und die nächsten Gallier es wehren wollten Niebuhr
röm. geschichte 3, 92;
entspr. 2, 94; nie kaiser, könig, war so hehr, dasz er's gewehrt mit starker wehr, an seinem fehltritt ihn zu fassen Rückert
ges. ged. 4, 361; und kurz, ich wende, was ihr scheut, und wehre, was euch dräut
makamen (1837) 1, 93 (=
poet. werke 11, 293); um den heilgen brauch zu wehren, ruft er aus am hochaltare Platen
werke 1, 35
Hempel; da der könig vernahm, dasz die von Lübeck ihren hafen und ihr tief wehren wollten, fuhr er mit seinem schiff vor die Warne Freytag 18, 258 (
bilder 2 i 7); dieses staates macht zu wahren und zu wehren halte ich für die erste pflicht des deutschen patrioten Treitschke
d. kämpfe2 29.
s. th. 13, 778. II@A@2@a@b@bbbb)
die vorstellung eines gegensatzes wird von der des schutzes zurückgedrängt, dann bedeutet wehren '
fernhalten': immer steht ein Gott ihm bei und wehrt von ihm den untergang Bürger 165
Bohtz; denn es fehlet ein mann uns, so wie Odysseus war, den fluch von dem hause zu wehren Voss
Odyssee (1821) 2, 59;
entspr. 3, 237; sorgsam wehrten sie staub, schimmel und mottenschwarm von der farbigen schrift
sämtl. ged. 3, 44; sei uns der gastliche gewogen, der von dem fremdling wehrt die schmach Schiller 11, 241 (
kraniche d. Ibykus); lob sey dem himmel, der den mörderstreich gewehrt von diesem königlichen haupt 12, 514 (
Maria Stuart 4, 2); vor einigen tagen kam die nachricht, Stolberg sei tödtlich krank ... gott wehre den schlag dem vater von so vielen söhnen und töchtern Hnr. Voss
briefw. mit Jean Paul (1819) 91. II@A@2@a@b@cccc)
stehen körperliche vorgänge friedlicher natur als object, so bedeutet wehren '
hemmen': also nu in dem glase tud daʒ bli daʒ eʒ daʒ dorchsichtige werit, also mag eʒ umme di redelichkeit si di den wedirglanz gekerit Rothe
ritterspiegel 138
Bartsch; wer denn vor durste nit wol beleiben mag der esse brot ... dorausz der wirt gewert
kuchenmeysterey d 5
a (
Zwickau 1530); das wert und hinderet den zuoflusz der wunden H. Braunschweig
chirurgia (1539) 13
a; die amsel geässen, ist guot dem, so mit dem krimmen beladen ist; dise gebraten mit myrtenbeer weert die rot ruor Heuszlin
vogelbuch (1557) 18
a; wann man sie säyen will, so mag es ... im herbst beschehen: damit das ubersich inn die höhe wachssen von der kälte gewehret und gehindert werde Sebiz
feldbau (1579) 207;
explere famem ... den hunger wehren Apherdianus
methodus discendi (1601) 178; (
diese essentia) wehret das pleuresim, vergicht, den krampff Paracelsus
opera 1, 657
a Huser; den herrn ich mach frisch und gesundt. doch musz ein schmertz den andern wehrn Ayrer 3, 1886
Keller. II@A@2@a@gγ)
die wehr besteht in worten, wehren
ist dann '
verbieten'
in seinen verschiedenen färbungen, behördlich, polizeilich, elterlich, mit oder ohne strafandrohung: daʒ kriuce man für sünde gap zerlœsen daʒ vil hêre grap: daʒ wil man nû mit banne wern. wie sol man nû die sêle ernern? Freidank 157, 19
Grimm; (
Christus) quit: ir sult nicht eide swern. wen swern vil dicke beide treit valsch und meineide, durch daʒ heiʒet her den eit wern Heinrich v. Hesler
apokalypse 15157
Helm; unde boden heren Geren, dat he nemande an or gud wisede: dede he ed dar enboven, se wolden sin gut wedder utwisen; unde toge imand in or gud, se woldent weren
städechron. 7, 225 (
Magdeburg 1358); der herzog von Saxen, der ... ist der oberst marschalk ... und sol unzucht weren, so von buoben und anderm hoffgesind beschicht Richental
chron. d. Constanzer conzils 16
Buck; was darffstu das dyn tochter leren, das du billicher soltest weren? Murner
narrenbeschw. 41, 56
neudr.; die geystliche ubirkeyt vorhengt itzt ... und eben das sie weren sollt das leret sie Luther
von den guten werken 81
neudr.; an den adel 50. 53
f. neudr.; es ist gar viel eyn anders, die ehe hyndern odder weren, und zur ehe zu zwingen odder dringen 15, 164
Weim.; denn das man krieg und hadder mit gebotten weret odder mit gewalt steuret, das ist nicht werhaftig 19, 148;
entspr. 10 iii 227; 11, 265; 17 i 110; 3, 90
a Jen. und so die häufigste verwendung bei Luther; im gantzen Euangelio ... magstu keyn behelf nemen fur das unsinnig furnemen zcu weren pfaffen ee Eberlin
sämtl. schriften 2, 24
neudr.; der (
Paulus) hat die schantlichen wort gewert Manuel
Barbali 1057
Bächtold; dj räublich hendl wehren, dj seind dem adel hold Schwarzenberg
Cicero (1535) 95; ich bin ain guotter armer knecht und reüt zuo zeiten umb ain peüt, das whören etlich haylosz leüt 138, 1; verbott darmit man etwas weeren und fürkommen wil
interdictum prohibitorium Maaler 487
b; wann es uns nit g'liebt zu schlafen, eya, so sing wir gott zu ehren! wer will's wehren?
Hartmanns volksschausp. 103, 7 (
Seeon 1646/7); zuletzt machte ich mich gar gemein, weil mir meine löffeley nicht sonderlich von den eltern gewehret, sondern zugemuthet ward, ich solte ihre tochter auff der laute lernen schlagen
Simpl. 272
neudr.; wenn dein geboth dort schaden wehrt Mastalier
ged. (1774) 51, 1; die bauernmädchen aber sind in ruhe mehr genährt, und darum wünschen sie geschwind was jede mutter wehrt Göthe I 4, 157
Weim.; so kann sie (
die familie) einen fremden ankömmling, der jetzt eben dort jagen will, es ohne moralisches unrecht gar nicht wehren Schopenhauer
werke 1, 434
Grisebach; alle gewalt in markangelegenheiten lag ... in den händen der markgemeinde, man nannte dieses recht 'gebot und verbot', das 'wehrholz',
d. h. das recht, das holz zu wehren und zu bannen Schwappach
handbuch der forst- u. jagdgesch. 1, 93.
hierher einige gereimte sprichwörter: frölich in ehren kan niemand wehren
Venusgärtlein (1656)
titelblatt; freude in ehren soll niemand wehren Jahn
turnkunst XVII; einen trunk in ehren durfte niemand wehren Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 175; einen kusz in ehren kann niemand wehren Grillparzer 8, 81 (
d. arme spielmann). II@A@2@a@dδ)
die wehr besteht in gedanken. den übergang vom vorigen stellen fälle her, in denen ein verbot schon hemmend wirkt, ehe es ausgesprochen ist: und ich bin gar ein guter mann, der sie nur sieht und höret, und aus den augen lesen kann, was sie befiehlt und wehret Bürger 29
b Bohtz. das wehren
durch gedanken findet namentlich statt bei religiösen vorstellungen. wehren
bedeutet dann '
unterdrücken': (
gott) hat an úch gelassen römsches riche. er schafet daʒ man rehte tuo, unreht gewaltekliche wert v. Wengen
gr. Heidelberger liederhs. 975, 19
Pfaff; dann nicht weret der tüfel so vast als rechten verstand der helgen geschrifft Eberlin
sämtl. schriften 1, 29
neudr.; die furcht des herrn wehret die sünde
Sir. 1, 26; soliche ... anfechtunge des teuffels will mit grossem christlichem ernst geweret seyn Luther 15, 30
Weim.; es ist ein schandt zesagen. ich bitt gott das er das weere Boltz
Terenz (1539) 91
b; heint, als die dunckeln schatten mich gantz ümbgeben hatten, hat sathan mein begehret, gott aber hats gewehret Gerhardt
lieder 3, 297
Fischer-Tümpel. es ist einer der fälle, wo religiöse vorstellungen als die ersten, noch im mittelalter, zum ausdruck drängen. die terminologie wird aus dem damals im vordergrund stehenden gebiet des kampfes bestritten und ist früh fest. sichtlich von daher greift der ausdruck in späterer zeit, die an sich nicht mehr auf die sphäre von kampf und krieg angewiesen war, über auf gedankliche hemmungen anderer art: darumb will auch ich meynen mund nicht weren (
hergestellt aus: verhalten)
Hiob 7, 11; sonder pald sie (
die schönheit) die augen fecht, als bald an ir das hertz auch hecht, sey in ehren oder unehren, lest es sein dienst gar schwerlich wehren Sachs
werke 16, 454
Keller-Götze; was uns bei freuden lust, bei lachen lachen wehret ... das klagt und lehrt disz buch Fleming
d. ged. (1631) 1, 3
Lappenberg. bei später rückkehr auf das religiöse gebiet stellt sich eher die bedeutung '
scheuchen'
ein: ihr guten mächte, wehrt die sträflichen gedanken von mir, die dem schlummernden so leicht sich nahn Schiller 13, 40 (
Macbeth 2, 1). II@A@2@bb)
das object ist ein abhängiger satz. im übergang, zugleich zum absoluten gebrauch (II E),
stehen fälle logischer abhängigkeit, in denen doch der objectsatz formell nicht abhängig gemacht ist: ha! wie sie wehrt, er soll zum punsch doch keinen rack mehr gieszen Gökingk 2, 213. II@A@2@b@aα) wehren
gehört mit den verben des hemmens und mit läugnen, vermeiden, verweigern, unterlassen, säumen, zweifeln, vergessen
u. s. w. zu der gruppe von verben negativen sinnes, denen seit ahd. zeit im abhängigen satze dasz
mit negation folgt, wenn sie nicht selbst verneint sind: thaʒ man sih ni firsuerie,thaʒ, uuan ih, uuizod uuerie Otfrid 2, 19, 7; minu uuort thiu uuerrent,thaʒ ir sar ni suerrent 8; bestalten dy hern zu Missen fele rutere uff dy strosze, dy do werten, das man den von Erfforte keyn holcz, koln adder korn nicht solde zufure Stolle
chronik 199; auf die inseln vil schüczen abseczten daʒ die wern sölten daʒ nymant von der kleinen galle ab sässe Arigo
decamerone 75, 12
Keller; das man strenglich vorpiete und were, das kein curtisan auff yrgent ein lehen hadder an fahe Luther
an den adel 34
neudr.; entspr. 8, 683; 26, 603; 34 ii 375. 394
Weim.; so viel kartaunen und buchsen hat er (
der teufel) auff uns gericht. aber gott wehret, das sie nicht treffen 32, 37; vor allen dingen soll man weren, das kein unütz handtwärck in unserem land sy Eberlin
sämtl. schriften 1, 126
neudr.; entspr. 3, 286 das ist die ursach dasz si solichen hasz tragen den gelerten und weren mit henden und füszen, dasz das guot latein nit herfür kum Regius
in Schades
satiren 2, 121; dieser bestallung erschrak ich nicht wenig, sondern sehr, half auch wehren, wo ich mochte, dasz sie nicht solle vor sich gehen Schweinichen
denkw. 87
Österley; da sie jhr leger hatten und hefftig alda wehreten, das die Teutschen nie uber Rhein fielin Quadt v. Kinckelbach
teutscher nation herligkeit (1609) 131; so wasz siedet und auffwallet dasz es nicht uberlauffe weret er mit der küchenkelle Comenius
janua (1643) § 433.
seitdem ist diese art der negation abgekommen, unserem gefühl erscheint sie pleonastisch, doch reicht sie vereinzelt ins 18.,
ja ins 19.
jahrh. und in lebende mundart hinein: die kunst soll in den briefen eigentlich nichts thun, als wehren, dasz die gewöhnlichen vorstellungen keinen ekel erwecken Gellert
werke 4, 51; die verschiedne glaubenslehre wehrte dasz er mich nicht vom könige begehrte Streckfusz
Ariosts ras. Roland (1818) 13, 10; meines herzens frühlingsrose deren duft wehret, dasz nicht in sich selbst der geist verdumpfe Rückert
ges. ged. 4, 180; ich wehrte, dasz sie ärg'res nicht erlitten Bauernfeld
ges. schriften 1, 132; ich halt ihm wacht und wehre, dasz keiner ihn verstöre Scheffel
frau Aventiure (1863) 43; Anton hatte zu wehren, dasz er nicht die unnöthige rolle eines bedienten übernahm Freytag 4, 438;
els. i ha zwérə gha, ass r nit gangən is Martin-Lienhart 2, 845
a. II@A@2@b@bβ)
von dasz-
sätzen greift die negation auch in infinitivconstructionen, indirecte fragesätze und conjunctionalsätze anderer art über: also söl ein fürst weren dem armen nichs genommen werden Luther 10 iii 385
Weim.; weeren in dreyen tagen nitt weyn zetrincken ... weeren nit hineyn zekommen Maaler 487
b; so sie weren der frumm ley söll sich nit üben in der helgen geschryfft, darumb das sy teütsch ist, mit disen worten wysen sy uns ab Gengenbach
gestrift Schwizer bur, modern philology 7, 492
Voss; wie denn mancher hemmet und weret mit henden und füssen ... damit kein frembdes hünlein in hünerkorb komme Mathesius
Sarepta (1571) 152
b. II@A@2@b@gγ)
die negation des nebensatzes fällt weg, wo wehren
selbst negiert ist, weil ja dann der im verb enthaltene negative sinn aufgehoben ist: aber was frage ich darnach? sie toben oder rasen, jch wil nicht wehren, das sie verdeutschen, was sie wöllen Luther 30 ii 638
Weim.; der gärtner wehrete nicht selbige (
die datteln) abzubrechen Olearius
pers. rosenth. (1647) 5, 12; dasz ... die centurien abstimmten, konnten die tribunen nicht wehren Mommsen
röm. gesch. 1, 249;
entspr. 2, 122. II@A@2@b@dδ)
anderseits ist doch auch nach positiven dasz-
und infinitivsätzen schon ahd. und mhd. die negation nicht nothwendig: thesan fundumês eruuerbenti unsera thiota inti uuerentan then tribuʒ geban themo keisure (
prohibentem tributa dari Cesari)
Tatian 194, 2; Rasis spricht, daʒ auf der plâsen mund sein zwai mäuslein (
muskeln), diu sich ze samen ziehen und wern, daʒ der prunn iht unwillicleich auʒ der plâter gê Konrad v. Megenberg 34, 15; wâ man eʒ hin streicht, dâ wert eʒ vesticleich, daʒ icht hârs dâ wachs 303, 8; befehlen es den weltlichen herrn, die müssen dann versehen und wehrn, dasz man der kirchen ordnung halt Fischart
die gelehrten die verkehrten 360
v. 1122
Kurz; und wehren Ilions wohlbevölkerte stadt, wie ich will, zu vertilgen Bürger 196
Bohtz; und will es das schicksal gleich wehren, ihre leiber zu vermählen, so vermählt er ihre seelen maler Müller
werke 1, 241. II@BB.
zu dem acc. tritt ein dativ: einem etwas wehren.
wie sich von verben mit altem dativobject her durch neue satztrennung ein dativ neben wehren
mit acc. eingestellt haben mag, kann ein beispiel zeigen wie: si wolten dem künegehelfen wern daʒ rîche
Kudrun 1376, 3. II@B@11)
stets liegt dativ der person, acc. der sache vor. wenn statt des persönlichen dativobjects gelegentlich ein sächliches steht, so ist II@B@1@aa)
entweder die sache mit eigenem leben bedacht: thô slôgun thar eft crûd an gimang, uueridun imu (
dem korn) thene uuastom
Heliand 2410;
entspr. 2523; bemühe dich nicht länger meinen thränen den lauf zu wehren. lasz mich weinen Wieland 26, 50 (
Alceste 4, 3); wahre christen wehren ungestümen zähren einen freien lauf Schubart 1, 282 (
sämtl. ged. (1825) 1, 275); er hing wie eine schwarze dichte masse finster über uns, die dem kleinsten lichtstrahl den durchblick wehrte
briefe von und an Herwegh 194. II@B@1@bb)
oder eine sache als theil steht statt des ganzen einer person: ich were meynem fusz alle bose wege das ich deyne wort halte
ps. 119, 101; (
ich) weret meynem hertzen keyne freude das es frolich war
pred. 2, 10; wehr meinem fusz die falschen strasz Sachs (1566) 18, 464
Keller-Götze; mit der that musz ich lehren dich, dasz ein freyen willen hab ich: mein händen kan ich etwas wehrn, ich kans auch einen lassen behrn Sandrub
kurzweil (1618) 56
neudr.; so wenig nun der weltling unserem munde das essen wehren sol, so wenig mus er ... Butschky
Pathmos (1677)
einf. 3
b; ein so genannter galant homme sey ein junger wohlhabender mensch, der seinem herzen keine freude wehret Gottsched
vern. tadlerinnen2 (1738) 1, 86; wohl hielt die stadt so streng wie nur der orden selber auf deutsches wesen, wehrte allem undeutschen blute den eintritt in die zünfte Treitschke
hist. u. pol. aufsätze5 2, 39. II@B@1@cc)
oder ein collectivbegriff steht für die einzelwesen, die er umschlieszt: solchen hohen stemmen das wort gottes zu weren und hindern Luther 26, 624
Weim.; der wält das bösz weeren
homines arcere ab improbitate Maaler 487
b; das könntet ihr und eure bundsgenossen und euer glück, Carthago niemals wehren Collin
Regulus (1802) 57 (2, 2); da wehrtest du den kampf dem orden Schiller 11, 274 (
kampf m. d. drachen 66). II@B@22)
sonst immer ist der dativ der person auch äuszerlich ungestört. in älterer sprache bezeichnet das acc.-object nicht wie jetzt immer ein thun, sondern oft auch eine sache. je nach deren art schattet sich die bedeutung von wehren
ab. II@B@2@aa)
besitz irgend welcher art wird dem, der ihn beansprucht, vorenthalten: þamma stautandin þuk bi kinnu, galewei imma jah anþara; jah þamma nimandin af þus wastja, jah paida ni warjais (
χιτῶνα μὴ κωλύσης) Ulfilas
Luk. 6, 29
u. ö.; cibi qui illis in lege prohibiti fuerunt: biuuérida
kl. asächs. sprachdenkm. 50, 10
Wadstein (
Hildesheim 10.
jahrh.); daʒ er ir lîp unde ir lant mir mit kampfe türre wern
Parzival 209, 23; sine wolden im niht weren ir getriwelîch dienest unde ir habe Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 285, 4
Pfeiffer; da (
im garten) stet obs inne vil: was yegliches des essen will, oder was sy sein wil zeren das getar in (
dat. plur.) niemant wern Heinrich v. Neustadt
Apollonius 4520
Singer; wil aber jene (
der hehler) sîn gût weren ime, ê eʒ vor daʒ gerichte kome, sô bite her in wider kêren vor gerichte
vulgata des Sachsenspiegels 2, 36 § 2; auch ains mals hett man im siner find guot, der von Münichen, gewert pî dem Lech
städtechron. 4, 101 (
Augsburg 1395); es sal ouch keyn boym mit seinen zcelgin hangen ober eynes anders mannes dach, uff das ome nicht dorvon gesche mit deme winde undt von den blettern, die das gerynne stopfen undt liecht undt luft ome werin Purgoldt
rechtsbuch 2, 125
Ortloff; deszgleichen wehrten sie jme auch die leyter, die am hangelböne stundt Sastrow (1595) 1, 49; man mag, o wein! dich immerhin dem röm'schen frauenzimmer wehren Hagedorn
vers. einiger ged. 34
v. 302
neudr.; er stritt, uns wehrend die rinder Voss
Ilias 11, 673; anwälte wehrt man mir Shakespeare
Richard II. 2, 4;
entspr. Sturm 1, 2; dem kranken unterlegst du deines willens weise, du wehrest, die er will, ihm die verbotne speise Rückert
poet. werke 8, 118; dem knecht von dreiszig jahren solle man vergoldeten schmuck nicht wehren Freytag 18, 15 (
bilder 2 i 1). II@B@2@bb)
ein ort oder weg wird dem, der ihn begehen will, gesperrt, verlegt: si werten in die strâʒe: si ne wolden in in daʒ lant nieht lâʒen
d. ged. des. 11. jahrh. 151, 23
Diemer (
j. Judith); er werte in ir stiegeswaʒ ir kom dâ füre
Nib. 1915; maneger mir die strâʒe wert, die er doch gerne selbe vert Freidank 135, 16; diu muoter wert den kinden die stat dâ si geporn sint, wenne si nu gevidert sint Konrad v. Megenberg 229, 18; niemant sein wirt der euch den weg were Arigo
decamerone 55, 35
Keller; wie auch seine nachbarn dem Evangelio den pasz wehren und den weg immer verhawen Mathesius
historie Luthers (1583) 133, 2
Lösche; ja auff die mistn, dahin gehörn all han, das kan jn niemand wehrn Gilhusius
gramm. (1597) 2 ii 47; hier sitz ich zur wacht, wahre den hof, wehre die halle dem feind Rich. Wagner 6, 282 (
götterd. 1). II@B@2@cc)
ein übel wird dem, dem es droht, erspart. dies nur in mhd. dichtung: ir vil getriulîcher tôt der frouwen wert die hellenôt
Parzival 128, 24; den künec Anfortas nu nert dîns mundes vrâge, diu im wert siufzebæren jâmer grôʒ 781, 28; dem tôren nieman slege wert wan der in ouch hin wider bert Freidank 84, 18. II@B@2@dd)
ein thier wird von dem, den es belästigt, weggescheucht. an sich von jedem thier möglich: wr mi de hennen, de rüens (
rüde) daut mi nix,
sagt der regenwurm im räthsel Woeste
westf. 320
b,
ist usuell dieses wehren
auf die belästigung eingeschränkt, die sich recht sichtlich ein einzelnes opfer (
das dativobject)
sucht, und mit geringer anstalt fernzuhalten ist, die durch fliegen und mücken: die weiber wehren offt den mannen mucken, wenn sie humbsen haben Chr. Lehman
florilegium polit. auctum (1640) 159; groszen herren wehret man sommerszeit die fliegen, die am meisten an sich ziehn, bleiben aber liegen Logau
sinnged. 2.
taus. 6.
hund. nr. 41; fliegen-wedel ... wormit die ammen und kinder-muhmen denen schlaffenden kindern, oder der krancken sechswöchnerin die fliegen wehren und wegjagen Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 550; Pfeffel
pros. vers. 3, 88. 4, 149; wollt' eure dummen köpf' belehren und euren weibern die mucken wehren Göthe I 16, 104
Weim.; entspr. 23, 113; gleich so wehrte sie's (
Athene das todesgeschosz) vom leibe dir, wie wenn die mutter wehrt vom sohne die flieg', indem süsz schlummernd er daliegt Voss
Ilias 4, 130; aim d'fliege were
sie von ihm fernhalten Seiler
basl. 314
a;
übertragen: eim d muckə wérə
ihn zu verständiger überlegung bringen Martin-Lienhart 2, 845
a.
wohl auch vom scheuchen der fliegen ausgegangen ist gelegentliche freiere verwendung in neuer dichtung: (
Titania) mit bunter schmetterlinge flügelein wehrt fächelnd ihm vom aug den mondenschein Shakespeare
sommernachtstr. 3, 1
Schlegel 1, 227; das wird an mir noch zehren, wenn leib und seele scheidet, wird kämpfen mir zu wehren den letzten todesmuth v. Droste-Hülshoff 3, 55
Cotta. II@B@33)
sonst bezeichnet das acc.-object, und so jetzt fast immer, ein thun. dies wird ausgedrückt II@B@3@aa)
durch ein substantiv. dessen verschiedene arten entsprechen den sachen unter B 2
a)
bis c). II@B@3@a@aα)
das thun ist ein gebrauchen seiner kräfte, besonders der körperlichen fähigkeiten: si machent auch den menschen træg und unlustig und werent dem siechen seinen hailsamen swaiʒ Konrad v. Megenberg 104, 19; die ruhe ist mir unterbrochen, der schlaff gewehret
schausp. der engl. kom. (1677) 98, 31
Creizenach; die sorge wehrt den schlaf uns nicht Hölderlin
ges. dicht. 2, 279
Litzmann; man wehrt, durchlauchtigste, dir deine thränen nicht, dein fürst verdient es wohl, dasz seine fürstin weinet Neukirch
ged. (1744) XII; du weinst, und die gerechten zähren kann dir die weisheit selbst nicht wehren Gottsched
ged. (1751) 114; der klostermaier schlug ein kreuz, als wollt' er ihm die weitere rede wehren Scheffel
Ekkeh. 282;
namentlich vom gang der blicke: hier ist die frage nicht von einer liebe, die sich des gegenstands bemeistern will, ausschlieszend ihn besitzen, eifersüchtig den anblick jedem andern wehren möchte Göthe I 10, 113
Weim. (
Tasso v. 208); sich selbst und die leichen verhüllend mit rauch, dem himmel den anblick zu wehren Rückert
werke 1, 164; dasz kein berg in der nähe umher mir die aussicht wehrte Novalis
schriften 4, 61
Minor; keine der andern hütten vor Treppi wehrte ihm die aussicht über das zerklüftete hochland Heyse
nov. 2, 16.
nahe hierzu der gang der lichtstrahlen: heisz sie schlüpfen in den laubengang, wo rankes geiszblatt, durch die sonn' erhöht, eingang der sonne wehrt Shakespeare
viel lärm um nichts 3, 1
Voss 1, 408.
nächstdem werden auch die seelischen und rechtlichen fähigkeiten gewehrt: der fürste ûʒ Katelangen,ê Schoysîânen tôt im fröude werte Wolfram
Titurel 105; dasz eine (
ein mädchen) allein mich will halten mit ernst, mir wehren mit den andern das scherzen Rückert
ges. ged. (1837) 3, 127; der man mûʒ ouch wol sîme kunge und sîme richtêre unrechtes widerstên und sân helfe weren zu aller wîs
vulgata des Sachsenspiegels 3, 78 § 2; gelt ist nit danckwerdt, so man einem den brauch wert Franck
sprüchw. (1545) 1, 2
a; die müller dürfen das wässern denen dazu berechtigten gutsbesitzern nicht eigenmächtig wehren
neue mühlenordnung f. Baden (1822) 23; auf die ... bitte seines collegen, ihm die rettung Italiens nicht zu wehren Mommsen
röm. gesch. 2, 89. II@B@3@a@bβ)
das thun ist eine bewegung irgend welcher art: si quam thoh, so si scolta,so ther uuiʒʒod iʒ gizalta, so thia fart iru ni uueritunthia daga, thie uuir nu sagetun Otfrid 1, 14, 18; die vreude was in tuer, den, die drinne glueten, wand sie die tuvele mueten und in den uʒganc werten
passional 237, 57
Köpke; aber nötigs auszgon ist auch den nunnen nit zuo weren Eberlin
sämtl. schriften 1, 32
neudr.; uf das dem viche der auszgang gewehret sei
weisthümer 5, 270 (
Wetterau 1537); es solt einer der atzeln das hüpffen leichter wehren ... denn einen, der des vollsaufens gewohnet, darvon abhalten Kirchhof
wendunmuth 2, 121; den Preuszen das einlauffen ... zu wehren, bawete der orden eine festung Hennenberger
erclerung der preusz. landtafel (1595) 24; und wehret den feinden den eingang 46; einem den fortgang wehren
aliquem in progressu coërcere Steinbach (1734) 2, 974; wo bilder in der kirch ein ergernüsz gebären, so musz man kirchen-gehn auch schönen weibern wehren Logau
sinnged. 1.
taus. 6.
hund. nr. 87; hier gedenk ich ... an die zähren, die mir, als ich abschied nahm, fast den aufbruch wollten wehren Gottsched
ged. (1751) 199; dasz man ihnen (
den dichtern), diesen leichtsinnigen schleuderern von einfällen, eben nicht durchaus den rücksprung wehren dörfe, den Teucer hinter den schild Ajax nahm Herder 3, 277
Suphan; die Polen setzten sich in verfassung, den herausziehenden den übergang über die Weichsel zu wehren Ranke 2, 329; die grosze colonistenbewegung der Germanen wird erst gehemmt, seit der deutsche bauer zur hörigkeit herabgedrückt und ihm die auswanderung durch einen gestrengen herrn gewehrt wird Freytag 17, 74; den alten freunden aber kann ihre bescheidenheit den eintritt in das stille dichterhaus nicht wehren Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 1; oft, wenn der see raste und dem fischer die ausfahrt wehrte, saszen sie beisammen am fenster und schauten hinaus Zahn
die da kommen und gehen (1909) 114.
mehrfach tritt die vorstellung der bewegung zurück hinter der absicht dabei: wir sollen jr kainem das peteln weren Berthold v. Chiemsee
t. theologey 670; ob du mir anderst ehren und guts günnest, so wehre mir diesen kampff nicht
buch der liebe (1587) 79
d; du wehrtest mir mit andern himmlischen den kampf Bürger 168
Bohtz; die aboriginer rüsteten sich um den fremden die niederlassung zu wehren Niebuhr
röm. gesch. 1, 137.
an stelle der bewegung kann auch die bewegungsfreiheit im allgemeinen treten: (
wir vögel beschweren uns, dasz Wolfgang Siberger) uns allen die freiheit zufliehen in der lufft, und auff erden körnlin zu lesen, von gott uns gegeben, zu wehren furnimet Luther
fabeln2 (1534) 38, 18
neudr.; damit er unser vergesse, und den freien flug uns nicht wehre 39, 5. mir freyheit niembt soll wehren Hock
blumenfeld 16
neudr. (1601). II@B@3@a@gγ)
das thun ist ein verschulden: nu sculun gi im that mên lahan, uuerean mid uuordun,al sô ic giu nu geuuîsean mag
Heliand 1360;
entspr. 3236; dô kom ich zuo dem swerteund wert im sînen zorn (
sein zorniges thun) mit einer starken wunden
Nib. 1546; swer dem tôren sünde wert, der hât im die sêle ernert Freidank 84, 12; der meister kegen in zû hant quam mit zwein schônen hern, er wolde in iren gewalt wern (
ihre gewaltthat)
livl. reimchron. 5594
Meyer; dar zuo mag man disen kinden basz weren unnütze ding Eberlin
sämtl. schriften 1, 31
neudr.; (
im ersten gebot) begriffen ist, das wyr auch weren sollen andern liegen, schweren, triegen, fluchen, zcaubern und andere weysz mit gottis namen szundigen Luther
von den guten werken 35
neudr.; wenn yhm die bosheyt gleich ynn seynem munde wol schmeckt ... sihe sie ... wird yhm geweret werden ynn seynem halse
Hiob 20, 13; die gethischen völcker, wanns donnert, schossen sie in all macht mit pfeiln dargegen, dem Jupiter solchen trotz zuwehren, seine steinfässer umzukern Fischart
Garg. (1582) 287
neudr.; bey der lehr man gedencken sol, die kinder auff zu ziehen wol, und ihn allen mutwillen wer Sachs
werke 1, 202
Keller; und thet damit (
mit dem stier) den acker eren, das er jm liesz den kutzel weren Waldis
Esopus (1548) 2
nr. 10
v. 10
Kurz; gott Jupiter, wie lang wiltu dem Marti also sehen zu, und jhm nicht wöhren sein hochmuth? Spreng
Ilias (1610) 65
a. II@B@3@bb)
häufiger wird der inhalt des thuns in ein pronomen zusammengefaszt und dieses als acc.-object gesetzt. II@B@3@b@aα)
das thun ist meist in einem vorausgehenden satz enthalten. die zusammenfassung erfolgt dann II@B@3@b@a@aaaa)
am frühesten mit das: si wolden des beginnendes waʒʒeres gewinnen daʒ getrunche ir vihe.daʒ begunden in weren die hirte unsuoʒʒe
exodus 124, 2
Diemer; si mugen wol vertorben sîn, die ime daʒ weren solden Lamprecht
Alexander 4198
Kinzel; daʒ ich sô gar ertôret bin mit mîner zuht, und mir daʒ nieman wert Walther 90, 26; swaʒ er tet oder lie nieman im daʒ werte Ulrich v. Türheim
Tristan 2563
Groote; sleit en einen wech over din gewunnen lant, wiltu en panden unde weret he di dat, so rup din geruchte
richtsteig landrechts 42
var. zu § 1
Homeyer; doch woren die Tütschen des strites alse sere begerende, daʒ sü woltent an sü han gevohten. das werete in der künig
städtechron. 8, 52 (
Straszburg vor 1362); waʒ der also visch vacht, dasz soll im kain herr noch nyemant wergen
urkunden zur gesch. des Lechrains (1435) 144 § 5
Lori; do ich die narren wolt beschweren, sy meinten ouch myr das zuo weren Murner
schelmenzunft s. 72, 86
Matthias; (
wenn sich kinder herauslügen wollen) so solt du dich nitt daran keren, sunder solt birckin questen machen von birckin reisen, und mit den selbigen questen inen das weren, das sie hinden und fornen blitzen und uffspringen Keisersberg
sünden des munds (1518) 16
b; als dieselben diser begern nit gleich stat thun wolten, fiengen sie selber an, gewaltigclichen in die porten zu hawen, des (
schwäb. für das) inen dann die so im schlosz mit stain werfen gern gewert
Zimm. chron. 1, 121, 31; was wir setzen, das gilt gemeyn, und trotz der uns das wehre Fischart
bienenkorb (1588) 157
b; (
du) suchst meiner seelen herrlichkeit durch elend und armseligkeit: das will ich dir nicht wehren Gerhardt
kirchenlied 3, 332
Fischer-Tümpel; ich werd' mich unterstehn, euch das zu wehren Schiller 14, 283 (
Tell 1, 2); wel wil mî dat wëren? Doornkaat-Koolman 3, 540
b.
selten dieses
statt das: wenn sie mir dieses wehren, so erwarten sie ein unglück Hafner
ges. lustspiele (1812) 2, 47. II@B@3@b@a@bbbb)
am häufigsten mit es: ih mûʒe sîn verwâʒen ob ihʒ dir niht ne were mit mînem kreftigen here Lamprecht
Alexander 4266
Kinzel; do kom Jhesus von Galile in den Jordan zu Johannes, daʒ er wurd getauft von im. wan Johanes wert ims
codex Teplensis 1, 3; so er sie (
gott die erde) umbkeret oder verbürge, oder in einen hauffen würffe, wer wils jm wehren?
Hiob 11, 10; wenn er (
der papst) gleich bös sein und die alte art erzeigen wolt, so künd mans im dennoch wehren Sleidan
reden 228
Böhmer; wann zwey sich liebhaben in ehrn, so sols jhnen auch niemand wehrn Gilhusius
grammatica (1597) 4 i 89; wenn ihn (
den leib) die würme gleich verzehren, ich kan es ihnen doch nicht wehren Dach (1654) 323
Österley; er ist auff und gehet nun ein andern weg, und niemand wirds ihm wehren Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699)
vorr. 52; wohlan, so glaubet, was ihr wollet: wir werden es euch nicht wehren Gottsched
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 7; was ich sonst nie begehrte, reitzt mich, nur weil man es mir wehrte Kaestner
verm. schriften (1772) 2, 207; und mutter erde wehrt es ihrem kinde nicht Denis
lieder Sineds (1772) 194, 3; (
die leute getrauten) sich doch nicht ... deiner zu genieszen, wiewohl es ihnen niemand wehrte noch wehren durfte Wieland
Lucian (1788) 1, 68; ich will's (
das heiraten) euch zwar nicht wehren; aber werft den bengel ein biszlein hoch Bräker
leben des armen mannes im Tockenburg (1789) 159
Wilbrandt; herr, seid verliebt; wer wehrt's euch? Göthe I 38, 117
Weim.; er gab ihm, seine treu zu ehren, ein recht auf jeden hübschen mund, und dasz es keine darf ihm wehren, macht gott durch ihn es allen kund Novalis
schriften 4, 158
Minor; mein wunsch und begehren niemand kanns mir wehren A. v. Arnim
werke 17, 41
Grimm. II@B@3@b@a@cccc)
im 16., 17.
jahrh. begegnet aufnahme mit solches: das ewer pfaffen eelich weyber haben, welcher bischoff euch sollichs wören will, des gebot solt yr nicht achten Eberlin
sämtl. schriften (1523) 2, 35
neudr.; wo nicht die andern zwo jhr solches geweret hetten
Amadis 1, 393
Keller; ich biete recht und trutz dem, der mir solches wehrt Rachel
sat. ged. (1664) 124
neudr. was
als zusammenfassendes pronomen bei Lessing: dichtern, die im scherze stark, mit geschichten voller mark muntern mägdchen munter lehren, was die mütter ihnen wehren 1, 78, etwas
gern in obd. mundarten: eim öpis wére Hunziker
aarg. 293
f.; Seiler
basl. 314
a; Martin-Lienhart 2, 845
a;
so auch im Breisgau möglich, md. und nd. dafür verwehren. nichts
als zusammenfassung ist selten: man wölle niemant nichts weren bis auf ein concilium
städtechron. 29, 45 (
Augsburg 1529); er hatt zu myr gesand umb meyne weyber, kinder, silber und gollt, und ich hab yhm des nichts gewehret
1. kön. 20, 7; vatter und muotter handt mir nichts gweert, drumb hab ich fluochen und spilen gleert
schweiz. schausp. 1, 90
v. 989
Bächtold (Kolrosz 1532). II@B@3@b@bβ)
der inhalt des thuns kann auch nachträglich mitgetheilt werden. selten geschieht das in einem unabhängigen satze: nu wer mirʒ swer der welle:ich wil ze hove gân, unt wil selbe disiu mæremînen herren wiʒʒen lân
Nib. 1880 C; wer wird mirs wehren? itzt darf ich doch wohl freundlich seyn J. E. Schlegel
werke 4, 271;
meist in einem abhängigen satze. träger der vorausgehenden zusammenfassung ist es: zewâre, ir welt mirʒ danne wern, sô bin ich ze der arzenîe guot Hartm. v. Aue
armer Heinrich 560; wer wollte mir es wehren, wenn ich ihn (
den langen traum) in Archangel geträumt hätte, wo man zu gewissen zeiten lauter nacht, und fast gar keinen tag hat? Rabener
werke (1777) 2, 93; wer wehrte mir es denn, um eine frau zu spielen? Lessing 7, 20; wer es sich nicht wehren kann, in diesen lateinischen gedichten die glätte der reime, den flusz der sprache ... auf rechnung eines welschen verfassers zu bringen, der hat doch zu erwägen ... J. Grimm
kl. schriften 3, 45; ich will es euch nicht wehren, wenn ihr für Georg ein gutes wort sprechet Hauff
sämtl. werke 1, 210; ich kanns meiner frau nicht wehren, dasz sie geld ... ausgiebt Ludwig
ges. schriften 2, 414.
im sprichwort ist vorgängige zusammenfassung mit was
beliebt: was man eim weret, das liebt jm erst Franck (1541) 1, 89
b; was man einem wehret, das er erst recht begehret Wander 4, 1865 (
invitum cum retineas, exire incitas). II@B@3@cc)
das acc.-object ist ein abhängiger satz. II@B@3@c@aα)
im dasz-
satz ist dann wider eine für unser gefühl pleonastisch gewordene negation gesetzt (
s. o. II A 2
b): thô bigan im that heliðo folc uuerien mid uuordun,that sie an uualdand Krist sô hlûdo ni hriopin
Heliand 3567; und luffend die büttel des baupstes mit iren silbrin trömeln und wertend dem volk, das nit getreng wurd Richental
chron. des Konstanzer concils 124
Buck; der valckner dem valcken damit (
mit der haube) wert, das er nit begert zu fliegen Mynsinger
von falken, pferden und hunden (1473) 5
Hassler; weret den selben mennern, das die stad nicht gebawet werde Luther
Esra 4, 21;
entspr. Sir. 20, 23; 16, 436
Weim.; 8, 81
b Jen.; dem geylen fleysch weeren, das es nit wachse Maaler 487
b; der herr wehret dem meer durch sein wort, dasz es nicht auszreiszet, und hat insulen drein gesetzt Heyden
Plinius (1565) 304; dem feinde wehren dasz er nicht so nahe an die stadt-maur komme
to keep off the enemy from the walls Ludwig (1716) 2415; doch konnte ich ihren beiden lieben händchen nicht schnell genug wehren, dasz sie mir nicht ein paar runzeln von der stirn glättete Thümmel
sämtl. werke 6, 119; und jetzt, da es zu thun ist, wehr' ich mir kaum, dasz nicht das für und wider mir auf's neue durch die seele schwankt Göthe I 8, 261
Weim. (
Egmont 4).
erst im 19.
jahrh. beginnt die negation zu fehlen: wenn es eine schuld ist, dem gleichen mit gewalt zu wehren, dasz er übermächtig und herr werde Niebuhr
röm. gesch. 3, 239.
sie ist dagegen von vornherein entbehrlich, wo wehren
selbst negiert steht: der anfänger aller weisheitlehr Socrates het im prauch, den jungen leuten nicht zuwehren, das sie sich im spigel beschauen möchten Fischart
ehzuchtb. (1578) 197
Hauffen; jedoch ich euch nicht wehren will, dasz jr des königs gschefft kummt nach Ayrer
dramen (1618) 1, 23
Keller; dem gemeinen mann wird er ... nicht wehren, dasz er von ihm murmele Moscherosch
gesichte (1650) 1, 163; der herr wird mir hoffentlich nicht wehren, dasz ich mich meiner hosen nach meinem belieben bedienen darff Stranitzky
ollapatrida 257
neudr. II@B@3@c@bβ)
viel öfter ist das object ein infinitivsatz: hie werte uns des keisers sinen zins zu geben
Alsfelder passionsspiel 117
v. 3685
Grein; sie meynten, man sulde en uff yren gutern yn der myle gelegen nicht weren hantwercke sich zcu setczen nach yn iren kreczschemern weren zcu melczen, bruwen ader fremde bir zcu schencken
codex dipl. Saxoniae reg. II 12, 155 (
Freiberg 1437); von vyl zwyfelhaftigen dingen predigen sy auch ... und weren unsz armen leüten teütsche ewangelia, auch andere bücher zuo läsen Gengenbach
gestrift Schwizerbur, modern philology 7, 491
Voss; Baesa ... bawet Rama, das er dem konig Juda weret aus und eyn zu zihen
2. chron. 16, 1; lasset die kindlin, und weret jnen nicht zu mir zu komen
Matth. 19, 14; ich bitt, mich nit so hart betrüben wöllest und mir meinen allerliebsten Gabriotto nit also weren lieb zuo haben Wickram (1555) 1, 213
Bolte; ich wehre einem mitgliede ... nicht, von seinen mitarbeitern eine höflichere und günstigere nachricht zu geben Haller
tagebuch 1, 33;
entspr. Alfred (1773) 195; sie können nicht begreifen, was mir wehren könnte, an sie oft einen brief zu schicken Abbt
verm. werke 6 iii 116; die ganze welt ist unser. oder wer wehrt dir, sie anzusehn, und lust und freud' an ihnen zu haben? Bräker
leben des armen mannes im Tockenburg (1789) 223
Wilbrandt; darf man schauspiele schreiben, die nicht zum schauen sind, so möchte ich sehen, wer mir wehren wollte, ein buch zu schreiben, das nicht zum lesen ist? Lichtenberg
verm. schriften (1800) 1, 332; wer wollte es ... der jugend wehren, jung zu seyn? Herder 24, 349
Suphan; entspr. 23, 285; was wehrt es denn mir menschensatzung, blosz aus blödem wahn, in Mollys wonneschoosz, von lieb' und lust bezwungen, hinzufallen? Bürger 69
b Bohtz; wer will mir wehren zu singen nach lust zum himmel hinan? Göthe I 6, 61
Weim.; ich wehre dir ja nicht zu sagen: der ist schön der artig, scherzhaft der 9, 4;
entspr. 21, 66; IV 27, 188; doch hätt ich meinen bruder nur zum gegner, nicht wehren sollte mirs ein grillenhaft gesetz, mein gutes anrecht zu behaupten Schiller 15 i 37 (
Phädra 2, 2); der marquis betrog sie gestern um ihr geld ... aber es ihnen wieder zuzustellen, wird mir niemand wehren Klinger
werke 1, 156;
entspr. 4, 159; den sieg zu verfolgen wehrte den Römern ihr groszer verlust Niebuhr
röm. gesch. 2, 462. II@CC.
genetivconstructionen. neben den dativ der person tritt der angreifer statt im acc. gelegentlich im gen. immer liegt hier ein partitivus vor, heimisch ist die construction frühnhd. in der wendung einem der fliegen wehren: und halt sie (
die bücher) dennacht jn den eren das ich jnn wil der fliegen weren Brant
narrenschiff (1494) 1, 8
Zarncke; der kuo, und dem pferde, wie sie sich weren ... mit yrem wadel der bremen und der mucken Keisersberg
bilg. (1512) 149
b; der bischoff von Mentz wolt uff eynmal schlaffen in seinem sal uff eynem sessel ... nun solten die jungen hof edeleut ston und solten der fliegen weren Pauli
schimpf u. ernst (1518) 404
Österley; auf die dritte nacht so kommt dies ungethüm vor mein bette ... und wehret mir über dem kopf der fliegen Schweinichen
denkw. 131
Österley; schlieff es aber, so erwüscht er ... ein reisslin und weret jm der fliegen Heyden
Plinius (1565) 88; thut jhm dann das häuptlin weh, so ist jr gleich allenthalb nicht wol, klagt er sich wenig, so fragt sie viel ... wehrt jm der mucken, wann er hat bremen Fischart
Garg. (1575) 105
neudr.; wehrn jm der fliegen (1582) 73.
im 17.
jahrh. hat dann der acc. den gen. part. verdrängt (
s. o. II B 2
d),
vorher hat aber die feste wendung einige unfeste gebrauchsweisen nach sich gezogen und wirkt so eine weile fort: will ich doch auch noch nit, das sie umb ire missethat gestrafft werden, sonder des jnen geweret Hutten 1, 418
Böcking; das alles weret yhm wol der faulkeit Luther 19, 307
Weim.; ich kunt nicht schweigen, straft sie umb das und weret in (
ihnen) der unvernunft
Schades satiren (1587) 1, 171
v. 594; (
ein spiesz) welcher von jhm behalten war auff das zukünfftig ungelück dem feind zu wöhren seiner tück Spreng
Ilias (1610) 171
a. II@DD.
der zugang zu einem ziel wird einem object versperrt, das in den dativ tritt. es ist ein alter echter dativ. II@D@11)
das dativobject ist ein lebendes wesen, der widerstand kommt dann in seltenen fällen von innen: wenn meine vernunft mir wehrt, vorstellungsarten der sinnlichen welt in die metaphysische zu übertragen, so gestattet sie mir doch immer noch eine ideenfolge G. Forster
sämtl. schriften 8, 166; mancherlei wollt' er noch reden, doch wehrten ihm zagen und staunen Bürger 250
Bohtz; was wehrte dir, o mutter, die lang verborgne an das licht hervor zu ziehn und unsre herzen zu erfreuen? Schiller 14, 66 (
braut 2, 5).
regel ist aber, dasz die hemmung von auszen kommt, wehren
bedeutet dann '
einhalt thun': II@D@1@aa)
das dativobject ist ein mensch, im ganzen auch grammatisch, obwohl gelegentlich der theil für das ganze stehen kann: meyn kind, wandel den weg nicht mit yhnen, were deynem fus fur yhrem pfad
spr. 1, 15; die narren ... yhrem maul nit weren noch steuren kunnen Agricola 750
sprichw. (1534) D 5
a;
oder die äuszerung für das wesen: und deiner that kan keine stärcke wehren Gerhardt
kirchenl. (1653) 3, 392
Fischer-Tümpel; die classische stelle ist Luk. 9, 49
f.: gaseƕum sumana ana þeinamma namin usdreibandan unhulþons jah waridedun imma, unte ni laisteiþ miþ unsis. jah qaþ du im Jesus: ni warjiþ. Ulfilas
setzt hier dativobject gegen ἐκωλύσαμεν αὐτόν der vorlage, ebenso zweimal Mark. 9, 38
f. der ahd. Tatian 95, 1
behält: uuir uueritomês inan
aus: prohibuimus eum, ändert aber 95, 2: ni curet biuueren imo
aus: nolite prohibere eum, und bietet 14, 2: Jôhannes uuârlîcho uuerita imo
für: prohibebat eum, so dasz auch ahd. der dativ gegen die vorlage bevorzugt wird. bei Luther
lautet Luk. 9, 49
f.: meister, wir sahen einen, der treib die teufel aus in deinem namen, und wir werten jm, denn er folget dir nicht mit uns. und Jhesus sprach zu jm: weret jm nicht. II@D@1@a@aα)
die anthropomorph gedachte gottheit erscheint in theologischen texten als urheber einer wehr: pfu, das euch gott were und straffe, yhr schendlichen lestermeuler Luther 15, 188
Weim.; aber gott erhelt öbrickeit und gibt dadurch fride, strafft die frevelen und weret yhnen 26, 208; daraus wol zu ersehen, das unser herr gott allen feinden seines göttlichen worts steuren und wehren wolle B. Krüger
action v. anfang u. ende der welt (1580) A 5
a; (
Jesus) wehrte denen nicht, die ... ihm zweige streueten Herder 19, 190
Suphan. II@D@1@a@bβ)
demnächst wehren
irdische autoritäten, fürst und obrigkeit, gesetz und justiz der masse, den miszleiteten oder bösen: drumb solt man frisch dreyn greyffen, und dem volck weeren Luther
an den adel 54
neudr.; hab ich noch nie mich bewegen lassen, denen tzu weren, die mit der hand und pflegel drauen 8, 679
Weim.; entspr. 11, 251; ein jeglich gesetz ... schützet die frommen, straffet aber und wehret den bösen
tischreden (1593) 121
a; die welt will jhr nicht lassen wern Alber
fabeln (1550) 39, 62
neudr.; eine rotte ... ihr ist nicht zu wehren Göthe I 16, 54
Weim.; 1.
chor: wäre nicht friede, recht verschafft ich mir! 2.
chor: wärs nicht die furcht, kein friede wehrte dir Schiller 14, 81 (
braut v. 1733); er wolle lieber des Antonio fleisch ... wenn ihm nicht recht, gewalt und ansehn wehrt, wird es dem armen manne schlimm ergehn Shakespeare
kaufmann v. Ven. 3, 2
Schlegel; man konnte ihm nicht nach den gesetzen wehren, eine ... handlung nach gefallen auszulegen Archenholz
England und Italien (1785) 1 i 264; regierungen, akademien, redactionen sollten der verführerischen rotte steuern und wehren Görres
ges. briefe 3, 131; Friedrichs begleiter wollten den mönch hiefür züchtigen, jener wehrte ihnen aber Raumer
gesch. der Hohenst. (1824) 4, 190; er trinkt auch gern ... da bitten wir eure liebden ganz freundlich auf 's höchste, eure liebden wollen ihm darin wehren Bauernfeld
ges. schr. 5, 59;
entspr. 6, 124; wehrt denn diesem volk zuweilen nicht ein fürst herab vom throne? Platen 261 (
verh. gabel 3). II@D@1@a@gγ)
verständige wehren
den unmündigen, männer der frau, eltern den kindern: ich hab deren gewehrt und erhalten, die sich selbs hat wöllen ins feur sprengen Boltz
Terenz (1539) 5
b; es ist ein wahr sprichwort: was zum teuffel wil, das läszt sich nicht auffhalten, noch jm wehren
volksb. v. Faust (1587) 12
neudr.; groszmächt'ger herr und fürst: wenn man verrückten wehret ... so hälts vernunft und recht für liebe, nicht für zwang Lohenstein 1, 61 (
Ibrahim v. 315); ein ding mag noch so närrisch seyn, es sei nur neu: so nimmts den pöbel ein: er sieht, und er erstaunt. kein kluger darf ihm wehren Gellert
fabeln 1, 98; wir wissen den getreuen freund zu ehren. dem falschen wehren ist der klugheit pflicht Schiller 13, 230 (
jungfrau 2, 2).
hierzu, vom wehren
der verständigen, ein ironischer gebrauch: der läszt ihm wehren '
von der arbeit abwehren, er arbeitet sich nicht zu tode' Wander 4, 1865
a. Nürtingen am Neckar; ich bin frei! mir soll niemand wehren. an seinen hals will ich fliegen Göthe I 14, 231
Weim.; sie wollte sich erheben und den tisch abräumen. da wehrte er ihr: bleib sitzen! Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 186;
entspr. 324. die strafe der mutter bildet das schwankende kind, wehret der schmeichelnden magd Göthe I 5, 306
Weim.; und drinnen waltet die züchtige hausfrau ... und lehret die mädchen, und wehret den knaben Schiller 11, 309 (
glocke v. 124); drum mutter wehre du mir nicht, dasz ich hinuntersteige und den fluch versöhne 14, 122 (
braut 4, 9); nimm sie, nimm sie! (
wir) haben ihr gewehrt drei lange nächte, ihr ist nicht zu wehren Chamisso (1838) 6, 253
Hitzig. II@D@1@a@dδ)
sonst immer gewinnt leicht die vorstellung eines feindseligen gegensatzes die oberhand: wenn denn nu eyn priester diszem gottlichen spruch wolt folgen, wer seyd yhr blutt dürstige larven, die yhr yhm wollt weren? Luther 10 ii 151
Weim.; sed unser gebet ghet
contra heubtschalck
satan et eius rottenses. sol ich eim fursten weren, mus ich
satan vor schlahen,
qui eum agit 28, 58; Petrus nam jhn zuo jhm, fieng an jhm zuo wören Eck
bibel (1537)
Mark. 8, 32; und eilte zur selbigen stunde der nacht, ihm wehrte vergebens die fürstliche wacht Bürger 33
b Bohtz; verwegner hund, der du mir wehrst 70
b; des weges enge wehret den verfolgern Schiller 14, 389 (
Tell 4, 3).
alt ist diese färbung in der anwendung auf kampf und krieg, die sich aber schon im 17.
jahrh. auf die dichtersprache zurückzuziehen beginnt: di von Limpurg traden zu in unde daden grosze gewere mit werfen unde schiszen, unde werten den vigenden
Limburger chronik 76, 10
Wyss; (
Tiberius) füert sie an das gestat des Reins, dasz sie werten den französischen Walchen
städtechron. 3, 40 (Meisterlin,
Nürnberg 1488); das auge yhres gottis kam auff die eltisten der Juden, das yhn nicht geweret ward (
den tempel zu bauen)
Esra 5, 5;
entspr. 6, 8; massen auch ein schlus gemachet worden, das der zehende man vom landvolcke ... aufgeboten, an die Oderpässe geleget, und den räubern, so viel müglich, gewehret werden solte Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 170; kummen sie und greiffen uns an, so wollen wir jn widerstahn und wehrn, wie ehrlich kriegsleut Ayrer
dramen (1618) 1, 103
Keller; ich besinge den schmaus, oder des mädchens kampf, die dem jünglinge wehrt Herder 26, 229
Suphan; o mutter, den reutern zu rosse zu wehren, wer wird da die mauer uns bauen? Rückert
werke 1, 165 (
ges. ged. 3, 447). II@D@1@a@eε)
das mittel der abwehr wird durch die präposition mit
angefügt: uuelda ina mid iro mundon grîpan, thiu fêhmia an thena folko drohtin,noBan that iro friðubarn godes uuerida mid uuordon sînon
Heliand 5933; da ... zogen sie eylend hynauff gen Jerusalem zu den Juden und wereten yhn mit dem arm und gewalt. da ward erweret das werck am hause gottis zu Jerusalem und bleyb nach bis yns ander jar Darios
Esra 4, 23
f.; man mus dem bösen wehren mit harter straffe, und mit ernsten schlegen die man fület
spr. 20, 30; der babst und keyser kommen den (
Türken) zuo wehren mit gesametem heer Franck
chron. Germ. (1538) 82
a; sie mag lang sagen, es ist gnug ... und dir mit beeden händen wehren Zinkgref
auserl. ged. (1624) 41
neudr.; das übel, das abgewehrt wird, schlieszt man im 15.
bis 17.
jahrh. mit vor
an: vor im und nach im die büttel desselben baupstes ... die wartend dem volk vor getrang Richental
chron. des Konstanzer concils 30
Buck; ein hege umb ein land oder statt, damit man dem feind vorm einfall wehret Ravellus (1616) 480
b. II@D@1@bb)
das dativobject ist der teufel: liber her, were dem teuffel, Turcken, gib broth
etc. ita oracio wheret und begert Luther 34 i 386
Weim.; das wir an allen orten verwaret dem teuffel versetzen und weren könden, wo er uns angreiffet II 399;
entspr. 390; wehr dem satan, der sich zeigt bald mit locken, bald mit brüllen Schmolcke
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 5:
Sylvester: und warum schnittst du ihm den finger ab?
Ursula: ich wollt' ihn unter meine schwelle legen, er wehrt dem teufel H. v. Kleist 1, 162 (
fam. Schroffenstein 5, 1). II@D@1@cc)
das dativobject ist ein thier: der dem hund nit weret, der hetzt jn Franck
sprüchw. (1541) 1, 159
a; wo sie (
die vögel) ... inn nächstbeiliegende gewässer gehen wöllen, soll man jnen keyns wegs wehren Sebiz
feldbau (1579) 112; (
der hund) musz darzu den wölffen wehrn Alber
fabeln (1550) 47, 45
neudr.; allhie und da den wolffen wehr, das sie mir keins (
kein schaf) erwürgen Ringwaldt
evangelia (1581) Q 6
b; wölfen und sich selbst gebieten, beiden wehren ist gefähr Herder 25, 351
Suphan; das sindt myr freylich nasse knaben, die fill verzeren und wenig haben ... mit nuwen besen stuben keren, den fliegen vor den herren weren Murner
schelmenzunft 23, 14
neudr.; du sichst wol wie fast man den mucken wert, so sind sie allweg widerumb do wenn man uffgehört Keisersberg
bilg. (1512) 57
a; wenn unser iunckfrawen nicht recht sitzen, so straffst du sie, und sprichst: man muosz uffrecht setzen (
lies: sitzen) und bedarff nit recht eim floch oder einer lusz weren
brösaml. (1517) 2, 46
a; das kraut weeret den schaben, laszt die schaben nit in die kleider kommen
vestes à tineis defendit hœc herba Maaler 487
b; den schaben wehren
vestes defendere à tineis Dentzler (1697) 2, 345
a; den mücken wehren ...
to keep off the flies Ludwig (1716) 2415; Melina soll garderobemeister werden, um den motten zu wehren Göthe
Meisters theatr. sendung 6, 14 (413
Maync); die mutter ... wehrte den bienen Körner
werke 2, 69
Hempel. II@D@22)
das dativobject ist leblos: auch dann ist wehren
stets ein vorsätzliches thun, und zutreffend hat Stosch (1772) 2, 529
dieses merkmal, das wehren
von hindern
und verhindern
scheidet, gerade an wehren
mit sächlichem dativ beobachtet. von steuern
ist dieses wehren
dadurch geschieden, dasz es einer bewegung schlechthin einhalt gebietet, nicht sie in andere richtung lenkt (Stosch 2, 208), steuern
hemmt ein thun wie die strömung das schiff, wehren
wie das ufer. dagegen irren die alten synonymiker, z. b. Rumpf
wb. zur reinigung (1811) 403,
wenn sie wehren
stets gegen das von auszen eindringende übel gerichtet sein lassen. man wehrt
auch dem innen aufsteigenden gefühl und seiner äuszerung: eyn mensch hat nicht macht uber den geyst, dem geyst zu weren
spr. 8, 8; (
daher sie) den argwohn unterhält, dem klugen vorsatz wehret König
ged. (1745) 216; die sorge frasz sein herz, und wehrte seinem schlafe Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 143; sie (
die kraft) beut sich an, du aber wehrest ihr? Gellert
werke 2, 97; nichts soll der liebe wehren E. v. Kleist
werke 1, 76
Sauer; kein steinern bollwerk kann der liebe wehren Shakespeare
Romeo 2, 2
Schlegel 1, 54; aber Odysseus hemmt', und wehrete ihrer entzückung Voss
Odyssee (1821) 22, 409; Hydaspes ... sahe umb sich mit trutzigen augen, wie ein stier, dem ein streich worden ist, damit er den zehern seiner augen wehren thet
buch der liebe (1587) 225
b; wehre nicht den thränen Cronegk
schriften 1, 185 (
Codrus 2, 1);
entspr. Lenz
ged. 81
Weinhold; Hölderlin
ges. dicht. 1, 129
Litzmann; nicht wehren will ich meinen lippen Herder 12, 98
Suphan; o wehre meinem flüstern nicht B. v. Arnim
Brentanos frühlingskranz (1844) 50; Paskal Vivas wehrt vergebens ihrem jubel und gesang Uhland
ged.2 280.
auch blicken
wird gewehrt: mit einem blick ... dem er nicht wehren konnte, wenigstens bis an die thüre seines herzens vorzudringen Göthe I 21, 158
Weim.; ebenso, völlig der auszenwelt angehörend, lichtstrahlen: ihr (
der sonne) wehrt umsonst der wehende vorhang Kosegarten
dicht. 8, 189; dem strahl des mondes wehrt das felsendach und rings der zweige flatternde gardine v. Droste-Hülshoff 2, 253
Cotta; entspr. 247; hochstämmige bäume folgend in dichtem gedräng, wehren dem himmlischen blau Mörike
werke 1, 89
Göschen. II@D@2@aa)
in der regel aber richtet sich dieses wehren
allerdings gegen andringende übel und ist dann zumeist abwehr elementarer gewalt. II@D@2@a@aα)
am frühesten gegen wasser und wassersnoth gerichtet: wer den weren bei dem wasser auf dem urbar nicht wert, also das davon schad geschiecht ... das soll der brobst alles richten
östr. weisth. (1354) 1, 326;
entspr. (1387) 1, 2; man weret dem strom des wassers
Hiob 28, 11; dem austretenden flusse wehren
fluvium redundantem reprimere Hederich (1729) 2616;
danach Steinbach (1734) 2, 974
und Nieremberger (1753)
s. v.; wehren, dem das schaden thut
reprimere, refringere, als einbrechenden wasser Frisch (1741) 2, 430
a; der starke achtet es gering, die leise quelle zu verstopfen, weil er dem strome mächtig wehren kann Schiller 14, 16 (
braut 1, 1); sie (
die ständischen verfassungen) sind ein damm, der eine gegend noch nicht fruchtbar macht, aber den einbrechenden und versandenden wellen wehrt J. Grimm
kl. schriften 1, 33.
so mundartlich: ìm wasser wére Hunziker
aarg. 294; im wasser were '
einhalt thun' Seiler
basl. 314
a.
bair.-östr. acc. statt des dativs: wàsser wörún Lexer
kärnt. 255
und so früher weithin: it. 6 pf. ... dem Pfettner und dem Tainhuser gen Menchingen zu Kraft dem Wauler ze Swaubegg von der gebur wegen den er ir heu nam und daʒ waʒʒer wert
städtechron. 4, 27
anm. 3 (
Augsburg 1370); wer sein grunt nit wert, ist zu wandel 72
östr. weisth. 9, 332, 35 (16.
jahrh.). II@D@2@a@bβ)
gegen regen: dem regen vom himel ward gewehret
1. Mos. 8, 2;
ebenso die Zürcher bibel von 1531; dem einreiszen der plötzlichen schädlichen regen zu wehren Sebiz
feldbau (1579) 28; lieder, durch welche man dem regen wehrt Mommsen
röm. geschichte 1, 204. II@D@2@a@gγ)
gegen feuer: das sie keins wegs mochten zum feur kommen, dem zu wehren Xylander
Polybius (1574) 39; denn nur die Franciscaner herrn dem fewr (
eines drinenhauses) am ersten theten wehrn Sandrub
kurzweil (1618) 35
neudr.; wenn ich an das feuer denke, das doch iedes ding verzehrt, seh ich greiflich gottes obacht, dasz auch diesem wird gewehrt Neumark
fortgepfl. musikpoet. lustw. (1657) 2, 16; dasz dem feuer sogleich bei'm ersten ausbruch gewehrt sei Göthe I 50, 209
Weim.; entspr. 34, 13; er brannte auf ihrem herzen zu asche, und sie wehrte der ihn aufzehrenden flamme noch mit den knochen, von denen schon das feuer das fleisch abgefressen hatte Klinger
werke 3, 150; wenn sie dem feuer wehren wollen, so müssen sie die stadt durch wasser ruiniren Schiller 2, 95 (
räuber 2, 3); der fäulnisz, dem feuer
etc. wehren
empêcher les progrès de la pourriture, du feu Meynier
teutsch-franz. handwb. (1802) 2924. II@D@2@a@dδ)
gegen das vom wind getriebene: wie wir sehn die wolcken fliehen ... wehren aber jhnen nicht Albert
Königsberger dichterkreis (1640) 83
neudr., und den wind selber: ha! wie vom berg der nordwind herabheult! ihm zu wehren ist ohne frische blätter die eiche noch zu schwach Mastalier
ged. (1774) 9, 3; laszt, kinderchen, sprach sie; dem sturmwind wehret das haus Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 287; das leben ... das wie ein sturm, dem er nicht wehrt, sausend ihn auf und niederfährt Arndt
werke 3, 82
Rösch u. Meisner; eine hohe, verstellbare rollwand wehrte noch der etwaigen zugluft Kahlenberg
fam. Barchwitz (1902) 18.
danach vom andrang einer menschenmenge, der dem sturm verglichen wird: wo zwei kolossale grenadiere ... dem andrange der menge wehrten A. v. Arnim 2, 339
Grimm; d'rum soll ein strom von sangeswogen thauen, der feinde roher sturmeskraft zu wehren Strachwitz
ged. (1850) 115. II@D@2@a@eε)
gegen frost und hitze: ein braves flinkes weib, das (
den rest des essens) ... in den wärmer thut, der in der morschen hütte dem winterfrost nur dürftig wehrt Wieland
werke 12, 59
Hempel; kühl wehet hier die luft und wehrt der sonnenglut Kretschmann
sämtl. werke 2, 141; leit' ihn zum schutzort, vor'm nord gedeckt, und wo dem mittagsstrahl ein pappelwäldchen wehrt Göthe I 2, 177
Weim. II@D@2@bb) gewehrt
wird auch anderen insulten von auszen, die den menschen körperlich bedrohen: die den schon auf mein herz gezückten dolchen wehrte Gotter 2, 38; wo ist der wall, um solchem sturz zu wehren? H. v. Kleist
krit. gesamtausg. 2, 342 (
Hermannschl. 2, 1); soll euch die rüstung schützen? sonst wehrt sie wohl dem streich Körner 1, 121
Hempel; um nun nicht genöthigt zu sein, beständig grenztruppen gegen den norden aufzustellen, die er im innern seiner herrschaft besser verwenden konnte, und doch den incursionen zu wehren, liesz er die verschiedenen passagen des hochlandes vom norden her zuschlieszen Ritter
erdkunde2 (1832) 2, 199. II@D@2@b@aα)
hierher gehört die abwehr von hunger und durst: (
der verlorne sohn verthat sein gut) sô gar, daʒ im diu hungers nôt eine swache vuore bôt, dâ mite er sich dô nerte und dem hunger werte Rudolf v. Ems
Barlaam 107, 24
Pfeiffer; in einem kurtzen augenblick war alles hin und auffgezehrt, und doch dem hunger nit gewehrt Spreng
Äneis 133
b; ich schöpfe mit der hand, dem durste nur zu wehren, das trübe wasser auf Fleming
d. ged. 1, 103
Lappenberg; wie viel deucht dir gerecht, sprichstu, zu diesem leben? so viel dem hunger, durst und blösze wehren mag Rachel
sat. ged. (1664) 54
neudr.; der zehnte theil des bezirks, worin hundert wilde kümmerlich ihrem hunger wehren Wieland 7, 229 (
goldn. spiegel 2, 11); er sah mit vergnügen die anstalten, mit welchen Siewang dem mangel wehrte Haller
Usong (1771) 27. II@D@2@b@bβ)
jünger, aber vielgestaltiger ist die abwehr von krankheit und körperschwäche: ein solcher, so seinen leib also verwarloset und der pestilentz nicht hilft weren, so viel er kan, mochte damit auch viel ander beschmeiszen und vergiften Luther (1527) 23, 364
Weim.; Thymus ... hilfft dem keichen, wehret dem kurtzen athem, treibt ausz die würm Bock
kräuterbuch (1560) 16
b; roszmarein eingedruncken und angestrichen, vertreibt syncopim, wehret dem zittern und schwindel, leüttert das angesicht 21
a; es heilet baldt, aber so bald man im nicht fleiszig wehret, so heilt es nicht wol von grundt ausz Thurneiszer
wirkungen aller erdgewächse (1578) 65; der augenröte mag man wehren Sebiz
feldbau (1579) 74; (
ich denke) dasz, solt die nahrung schon der glider schwachheit wöhren, sie doch vermehren würd der sehlen schwere qual Weckherlin
ged. (1619) 2, 141
Fischer; wer kennet nicht mein öl? es wehrt dem schnellen gifte Pfeffel
poet. vers. 3, 35; öpisem wére: dr chranket were Hunziker
aarg. 294. II@D@2@cc)
objectiven übeln, die den menschen als unglück, unordnung, unrecht treffen, wird gewehrt. II@D@2@c@aα)
die bezeichnungen des unglücks sind wider sehr vielgestaltig: ists nit unnaturlich, schweyg unchristlich, das ein glid dem andern nit helffen, seinem vorterben nit weren sol? Luther 6, 409
Weim.; ja, sagen sie, wyr geben den bauren nicht recht, weren auch der straffe nicht, sondern das dunckt uns unrecht, das du lerest, keyne barmhertzickeyt zu haben mit den armen bauren 18, 388; es sollt wol dein und der cardinaln werck seyn, dasz ihr diesem jammer wehret
briefe 1, 509
de Wette; er wil uns allzeyt erneren, leyb und seel auch wol bewaren. allem unfal wil er weren, keyn leyd soll uns widderfaren
lieder 17
Leitzmann; und der plaag ward geweeret
Zürcher bibel (1531)
4. Mos. 16, 48;
entspr. Mathesius
Sarepta (1571) 45
a; derhalben disem krieg zuowehren und dem weibergeschlecht zu ehren ... so haben wir uns fürgenommen auff das geringste thier zuokommen Fischart
flöhaz (1573)
s. 69
neudr.; gott gibt, unserm leid zu wehren, seinen sohnaus dem thron seiner macht und ehren Gerhardt
kirchenl. (1653) 3, 330
Fischer-Tümpel; entspr. 365; noch gleichwol will der hoff zum grossen hertzleid haben viel lieber einen mann von solchen edlen gaben, als einen wahren freund, der saget was gebricht, dem übel klüglich wehrt, dem unheil widerspricht Rachel
sat. ged. (1664) 99
neudr.; man musz diesem unheil wehren, begegnen oder zuvorkommen
this disorder must be stopt Ludwig (1716) 2415; dahero folget dasz es dem andern, oder unter-völckerrechte ... zuwieder sey, als welches dem übelstand wehren und der schädlichkeit eines staates einhalt thun, und dessen nutz befördern soll v. Fleming
vollk. t. soldat (1726) 109 § 17; vielleicht, dasz gütlich man noch beyden übeln wehrt Ayrenhoff
werke (1814) 1, 203, 5; wehrt' ich schon dem unfall Bürger 156
v. 71
Bohtz; schweb schützend über diesem hause, wehr' dem unglück, das ich ahne Grabbe 1, 53
Blumenthal (
herzog v. Gothland 1, 2); er läszt nicht nach! wie wehrt' ich da 'nem ungemach? Wagner
schriften 7, 220 (
meistersinger); die reichste farbe wehrt nicht als gewaffen der zeit verwüstung, und ihr schmelz wird alt Scheffel
frau Aventiure (1863) 5; den energischen maszregeln Katzelers (
in der schlacht) gelang es, gröszerem schaden zu wehren Droysen
York 2, 104; ein ... mann der berufen schien, dem verfall durch ... reformen zu wehren Mommsen
röm. gesch. 2, 84. II@D@2@c@bβ)
unordnung: die music hat nichts anders fürhabens, dann das sie mit allem fleisz die einigkeit der stimmen hilfft erhalten, und aller miszhellung weret Forster
frische t. liedlein (1539) 4
neudr.; ein befehl, dadurch einer unordnung gewehret wird
a. prohibitory edict Ludwig (1716) 2415; woltet ihr herschen, zu wehren der allgemeinen zerrüttung eurem werke: wie schnell schlachtete dann euch das schwert Klopstock
oden 2, 89, 43
Muncker; sie (
die druckerkunst) wehrt der barbarei, und spottet des naturgesetzes, das jedweden einzelnen so bald begräbt Herder (1797) 18, 215
Suphan; die leichtigkeit ... mit der sie eben itzt einigen dieser mishelligkeiten ... abzuhelfen wuszten, überzeugt mich, dasz sie die vortrefflichsten mittel wissen, dem unfug mit nachdruck zu steuren und zu wehren Gerstenberg
schlesw. litbr. (1767) 192, 20
neudr.; in dieser reinen demokratie (
vermöchte) nur eine lessingische oder wielandische diktatur ... dem unwesen zu wehren Matthisson
schriften (1825) 3, 23; wo ... die macht der öffentlichen meinung dem miszbrauch der freiheit zu wehren vermag, kann letztere ... in unbegränztem masze verstattet werden Jhering
geist des röm. rechts (1852) 80. II@D@2@c@gγ)
die früh vorhandene anwendung auf übergriffe rechtlicher natur: do noch ein keiser was im reich, dorfft yderman klagen zu gleich, dornach er was mit gwalt beschwert, und was (
damit war) der reichen macht gewert Hutten 3, 530
Böcking kann überleiten zu der auf unrecht und sünde. diese art allein ist lexikalisch gut und früh erfaszt: βιοκωλύτης propulsator iniuriœ, der unrechtem gewalt wehret Frischlin
nomenclator (1586) 227
a; den schelmstücken wehren
improbitatem malorum coërcere ... der reuberey wehren
latrocinia extinguere, latrones frangere Stieler 2511; bey zeiten dem übel wehren
flammam in favilla extinguere. dem übel wehren
malo remedium adhibere Dentzler (1697) 2, 345
a; den begierden wehren
continere cupiditates Hederich (1729) 2616;
danach Nieremberger (1753)
s. v.; der verwegenheit wehren
coercere temeritatem Hederich 2616;
danach Steinbach (1734) 2, 974.
literarisch sind auch die bezeichnungen der sünde wider sehr mannigfach: wen aber die ubirkeyten drauff decht, wie man das iunge volck ehlich zusammen brecht, wurde einem yglichen die hoffnung ehlichs stands fast wol helffen tragen und weeren der anfechtungen Luther
an den adel 78
neudr.; summa, es ist sölch schreckliche unehre bey den priestern so gemein gewest und noch, das sie viel bücher haben davon müssen schreiben, wie man dem weren und raten soll 26, 594
Weim.; wo ein igliche stad yhrer armen also warnehme, were solcher buberey balde gesteuret und gewehret 26, 639; (
Paulus meinte er thäte) ein köstlich werck ... als er dem yrthumb werete und hülfe gott sein reich erhalten 28, 13; also kanstu dem fürwitz weren und dem teufel widerstehen 34 i 65; desz herren forcht der sünd thut wehrn Sachs
werke (1563) 19, 6, 25
Keller-Götze; hierausz können ausz den yetzigen anderthalb hundert secten bald noch so vil werden, wo man nit der lugen mit gewalt würd wehren Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 1, 3
a; der allmechtige wölle sie und uns vor falscher lehre gnediglich behüten, und derselbigen steuren und wehren
kirchenordnung f. Braunschweig (1569) 19; dann schimpflich gutes lehren heist dem bösen glimpflich wehren Fischart
Eulenspiegel (1572) 16
Hauffen; lasz sie mir allzeit guten rath und gute wercke lehren, steuren, wehren der sünd Gerhardt
kirchenl. (1653) 3, 375
b Fischer-Tümpel; durch offenbahrung, red' und frage wird offt gewehrt der bösen sage Stieler
geh. Venus (1660) 26, 2
neudr.; der jungfer lust wehrt keine wehre 37, 3; die tugend, die dem wunsch erhitzter buhler wehrte, trieb selbst den buhler an, dasz er sie mehr verehrte Gellert 1, 93; wehre bösen gedanken, weil sie noch blot sind; sind sie flick, so machen sie nester Wille
sittenlehre (1781) 20; segne die brüder der jagd ... späte rächer des unbilds, dem schon jahre vergeblich wehrt mit knütteln der bauer Göthe I 2, 63
Weim.; die alten hatten zwei wege, der übertheurung der handwerker zu wehren Möser
sämtl. werke 1, 118
Abeken; wolte gott! setzt ich hinzu, ihr werk würde diesem ärgernis steuren und wehren Hippel
lebensläufe 3 i 13;
entspr. Ranke
sämtl. werke 3, 340; dasz es nicht seine, sondern die sache des himmels sey, dem bösen zu wehren Klinger
werke 3, 249; damals entstand ein unglaube ... dem vermeinte der könig zu wehren A. v. Arnim
werke 11, 118
Grimm; wie er am hofe jedem luxus, in der verwaltung jedem ungerechten druck wehrt Nitzsch
deutsche studien (1879) 277. II@D@2@dd)
endlich gilt die wehr subjectiven übeln, miszstimmungen, leidenschaften, kummer: die munde wâren ungespart: die begunden si mit küssen zern und dem jâmer von den freuden wern
Parzival 100, 18; doch ich wehre meinem neide und verlasse dich voll freude Neukirch
ged. (1744) 243; wie, murrt er, trügerischer wein! sollst du der sorgen tröster seyn und kannst nicht meiner schwermuth wehren? Hagedorn
poet. werke 3, 185; dasz du, wie sehr du auch dem innern unmuth wehrest, doch heute nicht so froh als sonst zurücke kehrest J. E. Schlegel
werke 4, 54; wehrt so süszer ton nicht allem leide? goldne cyther, schalle stets von freude Uz
werke 53 (19, 25)
neudr.; die nachbarn alle wehren mit trost und rath der traurigkeit Kretschmann
sämtl. werke 6, 328; kaum wehrt' ich seiner wüthenden verzweiflung, dasz er den dolch nicht auf sein leben zuckte Schiller 13, 344 (
Turandot 1, 1); überall wehrte er dem rohen ausbruch der leidenschaft und der rache Steub
drei sommer in Tirol 1, 150.
besonders gut entfaltet ist wehren
bei zorn
und wuth
als dativobject ... so oft in den wörterbüchern: der wuth wehren
reprimere furorem. dem rasen der zunftmeister wehren
comprimere tribunitios furores Hederich (1729) 2616;
danach Nieremberger (1753)
s. v.; wehren, dem rasen eines thiers oder eines menschen
frenare furorem alicujus Frisch (1741) 2, 430
a.
sonst zumal dichterisch: von himmel bin ich (
Minerva) her gesandt, zu wören deinem zoren grim Spreng
Ilias (1610) 5
b; wer wollte dieser wuth durch sittensprüche wehren? Neukirch
ged. (1744) 114; er hat sie lang gereizet durch seinen übermuth, bis dasz sie sich gespreizet, zu wehren seiner wuth Rückert
werke 1, 65. II@EE.
absoluter gebrauch in der bedeutung '
einhalt thun'
entwickelt sich historisch aus dem vorigen, indem die widerholung des dativobjects erspart wird: nisi enim resisteremus ei (
dem papst) und zu feld legen
contra eum, steuerten, wehrten,
si die hende abtheten,
tum in una hebdomade wolt wir euch so yrr machen, das yhr nicht wüstet, wo aus oder ein Luther 34 ii 335 (1531)
Weim. auch herleitung aus transitivem gebrauch ist möglich, indem eine vom autor gegebene beziehung auf ein acc.-object vom leser nicht oder nicht mehr klar vollzogen wird: dan der mensch thut, lesset und suchet yhm selb schon zuvil, das nit zu leren, sondern zu weren nott ist 7, 214. II@E@11)
der absolute gebrauch ist durch die syntaktische form des verbs bedingt. II@E@1@aa)
der imperativ, der bei absolutem wehren '
vertheidigen'
die gröszte rolle spielt, ist auch bei '
einhalt thun'
entwickelt: ach herr beschütz mich, wehr und steur Ringwaldt
handbüchlein (1588) A 12; wehr, wehr, Elss, wehre, dein best thu wehren, dasz wir nicht zu balt reich werden Zinkgref (1631) 4, 333;
entspr. Henisch 495, 19; Petri 3, 12; Wander 4, 1865; wer wehren will, der wehre bald (
principiis obsta), dasz der schad' nicht werde alt J. G. Seybold
viridarium (1677) 456. II@E@1@bb)
die gröszere rolle spielt doch hier der subst. infinitiv: war aber disz nicht wol wehrens werd, dasz die kleinen mucken nit durch die spinnenwepp fliegen? Fischart
bienenkorb (1588) 132
a; aber jhr (
der geister) wehren ist also starck hinwieder, dasz sie ein rausch thund Paracelsus
opera (1616) 2, 118
e Huser; lehren und wehren musz in einem treuen frommen hirten und pfarrherrn beysammen seyn Quensted
ethica past. (1678) 396; wehren (das,
infin.)
coërcio (
lies: coërcitio) Steinbach (1734) 2, 974; bei der sich ausdehnenden familie, dem immer trotz allem wehren um sich greifenden prunk, kommt dieses unverhoffte grosze loos nur eben recht um der armuth zu wehren Chamisso
werke 6, 147
Hitzig; sagt doch, herr, ist das wohl sitte, einzudringen auf mein mahnend wehren? Grillparzer
werke 2, 27 (
ahnfrau 1). II@E@1@cc)
die participia treten, verglichen mit dem reich entfalteten gebrauch o. I C 3),
auffallend zurück: man darff der werenden gesatz nit, wo kein übertretten ist Franck
sprüchw. (1545) 1, 36
b; wie that ihm die gebotene entfernung jetzt nach der freiwilligen weh! er konnte sie nun lieben als einen wehrenden engel vor dem paradiese J. Paul
Titan 3, 32; wir verschlingen die strasze jetzt, uns zwischen dieser gegner heillosem bündnisz wehrend aufzupflanzen H. v. Kleist 1, 168 (
Penthes. 1). II@E@22)
im freien absoluten gebrauch sind verschiedene färbungen des sinnes zu unterscheiden, je nachdem das wehren
von erfolg begleitet ist oder nicht. II@E@2@aa)
im ersten fall reicht die umschreibung '
einhalt thun'
überall hin: 'entraw sein nit' raitt das rosz hin. wer sich warnet, der hat gewert Heinrich v. Neustadt
Apollonius 3785
Singer; es mag das weltlich schwert hie etwas weren, sonst wirts gehen, wie Christus sagt, das der iungst tag wirt kummen, wie ein heymlicher strick Luther
an den adel 78
neudr.; sie solten das yhre datzu thun und mit dem schwerd das sie tragen weren, szo viel sie mochten
Weim. 8, 680; verbrünnt schon dorf, stat und iederman, so ruortind s' nit ein kübel an, dasz sie hulfind löschen oder weren
N. Manuel
Barbali (1526) 299
Bächtold; da sprach der wiert: es ist jetzt gnug, wir haben jetzundt unsern fug. da sprach der gsell: het jr nit gwert, ich wolt uns haben mehr beschert Waldis
Esopus b. 4
nr. 66
v. 167
Kurz; verflucht sey, der uns unrecht lehrt! verflucht sey, wer nit strafft und wehrt Sachs
werke (1558) 11, 446, 35
Keller; wie ein verborgens füncklein fewr thut groszen schaden ungeheur, und offt ein gantzen wald verzehrt auff einem berg: da man nicht wöhrt Spreng
Ilias (1610) 21
b; (
der purpurbogen) welchen Cupido lengst für seinen hat begert, wofern nicht Daphnes rew und Phoebi trew gewehrt Zinkgref
auserl. ged. (1624) 19
neudr.; hochzeitbitter: habe ich bey den weibern einen sichern eintritt?
Esbon.: ja, ja. in züchten und ehren, kan niemand wehren Chr. Weise
Jacobs dopp. heirat (1699) 91; fast will meine geduld wanken, zumal ich sonst kaum weisz, wo ich wehren will Lavater
verm. schriften 2, 72; in der hölle musz man nicht waffenstillstand machen, sondern auf den letzten mann steuren und wehren Hippel
lebensläufe (1778) 1, 436; ohne auch nur im mindesten wehren oder helfen zu können Göthe IV 29, 29
Weim.; so fleht die elende. der schwester heisze zähren bringt Anna vor sein ohr. umsonst, die götter wehren, sein leicht gerührtes herz verschlieszt des schicksals macht Schiller 6, 407 (
Didos tod 81); zwar ich wehrete gern, wenn mir das vermögen nur wäre Voss
Odyssee (1821) 2, 62; wert man nicht, so wachsen die tannen in die tischlade Eiselein
sprichw. (1840) 597;
von da Simrock
d. d. volksbücher (1863) 5
2 561; Wander 4, 1865;
o. th. 11, 517:
in der tischlade hebt man das brot auf, in hungerjahren wird gemahlene tannenrinde in das brot gebacken, also: '
wer sich nicht tummelt, steht bald vor der hungersnoth'; früh gewahrt ist halb gewehrt Wander 4, 1745,
dazu th. 13, 776. II@E@2@bb)
im andern falle ist wehren '
einhalt gebieten': wenn aber das gesetz kompt und weret und drewet, szo wirt die natur aller erst bosze und unwillig auff das gesetz Luther 10 i 1, 464
Weim.; doch wer hie yrret, der yrret on meyne schuld, ich habe trewlich gnug geweret und geleret 18, 182; da mit sie nu lenger denn drey iar umb sind gangen und niemant, so fast geweret und widderstanden als ich alleyne 296; wünschen und weren mag man wol, wer wil aber alles wenden? Franck
sprüchw. (1545) 1, 53
b; da sie mich auch wider meinen willen, wann ich auch schon fast sperr und wehr, zu jnen einladen Fischart
podagr. trostb. (1577) 71, 22
Hauffen; ich fiel im in den strick (
einem selbstmörder). er gab mir dückisch blick und sprach: du wehrst vergebens Sachs
werke (1538) 7, 230, 31
Keller; die gute kunst kans nicht verwindn, wehret sie vorn, so bricht es hinden Gilhusius
gramm. (1597) 1, 21; das soll ich hören, und soll nicht wehren und soll nicht retten? Göthe I 2, 43
Weim.; meinst du, dasz du hier junker bist, dasz niemand wehren kann? 12, 19; der narr bezahlt die zeche stets von beiden; so sehr der ehrenhafte jüngling wehrt, er kann es doch am ende nie vermeiden Uhland
ged.2 439; sie schmissen mit gewalt die stengelkelche an die decke, die principalin wehrte vergebens Göthe
Meisters theatr. sendung 3, 9 (183
Maync); 'einen spiegel' sagte sie, indem sie sich völlig in den kissen aufrichtete. 'bringt mir einen spiegel!' er wollte wehren, aber schon hatte die alte einen handspiegel herbeigeholt Storm
sämtl. werke 3, 73 (
viola tricolor); jetz isch er doch gang, un ich han e so gewehrt Follmann
lothr. 534
b; jetz het das maidle doch ghirot, un sini lüt han eso gwert Martin-Lienhart
els. 2, 845
a. II@E@2@cc)
der erfolg kann aber auch im ungewissen bleiben, dann sind verschiedene färbungen des sinnes möglich. auf abhilfe sinnen: niemand, niemand gleubt, wilch eyn schedlichs teuffelisch furnemen das sey, und gehet doch so still daher, das niemand merckt, und will den schaden gethan haben, ehe man radten, weren und helffen kan Luther 15, 30
Weim.; opponieren: daruomb ich auch, so lange ich lebe, weren will, wie myr gott verleyhet, es helffe, wem es helffen kan 18, 62; (
viele der thiere) sahen kein gute ordnung gern, und wolten gar nicht für ein herrn den jungen löwen krönen lassen, und wehrten uber alle massen Alber
fabeln (1534) 21, 32
neudr.; gegenanstalten treffen: erstlich söll man wehren, ehe dann das wasser uber die dämm abbrech und das fewer mit macht zu allen gittern einschlag Henisch (1616) 1613, 66;
sich sträuben: mit dem öffnete er mir seinen vorsatz, ein einsidel zu werden. ich wehrete mit händen und füszen, was ich konte Grimmelshausen
Simpl. 61
neudr.; der pfarrer aber wehrte mit händen und füszen, dasz nichts tödliches geschehe 275; wenn der commendant nicht wehrt, so reiszen sie die bude ein Göthe
Meisters theatr. sendung 4, 5 (224
Maync)
; abwinken: schien er ... noch einmal umkehren ... zu wollen. aber sie wehrte heftig mit der hand Fontane
ges. werke I 5, 231;
gegenanstrengungen machen: ist das jahr ein bild des lebens ... das, damit im todeskusz frost und frost sich nicht vermischen, so nothdürftig wehren musz? Rückert
ges. ged. 4, 58. IIIIII.
technische verwendung kann an die verschiedenen bedeutungen des verbs anknüpfen. ein schweiz. wäre ( ), wére ( ) '
abortieren',
von der kuh gesagt, welche nach der bespringung oder nach der geburt schleim aus den geburtstheilen ausstöszt Hunziker
aarg. 287. 294,
ist wohl als eine abwehr der conception, ein sich sträuben, zu fassen. ebenfalls nahe zu I B
scheint eine anwendung auf die siedende seife zu gehören: man läszt nun weiter sieden, wobei die seife kaum hörbar aufwallt und oberflächlich sich ein leichter weiszer schaum zu zeigen beginnt. sie siedet (wehrt sich) schwer und läuft vom probelöffel in fäden ab Karmarsch-Heeren
techn. wb.3 8, 179.
dazu wider: wobei das überschieszen der noch aufschäumenden seife durch beständiges wehren,
d. h. schlagen mit einem rührscheit verhindert wird
das.2 3, 265.
zu wehr
n. '
damm im flieszenden wasser',
also am nächsten zu II D 2
a α gehört: ouch so moege eyn ider vor synem lande in eyns anderen wather floegelen (
d. i. flügel,
querkanäle, ziehen) und weren
weisth. 3, 45
Grimm (
westfäl. Ruhrgebiet 1452);
von da Schiller-Lübben
und Lübben-Walther
s. v.; dieweil aber dise zeit zimblich spatt und die Etsch angefallen, auch manichs jar so grosz, das man mit groszer unglegenhait und schaden wörn müessen (
soll künftig eine commission) die Etsch besichtigen und, wie si es im rath befinden, tag und zeit zu wern anstöllen
östr. weisth. 4, 215 (
Tirol 1583).
im gebiet des obd. wuor (
s. o. wehr
n. 1)
statt dessen wirn
aus mhd. wüeren
östr. weisth. 9, 311, 27 (
Niederöstreich).
zu II D 2 weren '
in dem magen, der blase die verdauung stören, den harnflusz hindern' Lübben-Walther 574
a ohne beleg. zweifelhaft ob überhaupt hierher ist schweiz. wehră '
weglegen, wegthun, beseitigen, aus dem weg räumen' Bühler
Davos 1, 205, 304. —
wortspiel mit dem pron. wer
ist die scherzantwort, die man in Einlage bei Elbing auf die frage 'wer?'
erhält: wêr' (
wehre) dâ, hîr rennt kêner;
daraus wider deutet sich die entsprechende antwort aus Natangen: wehr' man da, öck wa (
ich will) hie ophole Frischbier
preusz. sprichw. 2, 193. 1, 278. IVIV.
zusammensetzungen mit wehren
sind nicht eben häufig (
die in früheren bänden übergangenen gesperrt): ab-,
aus-, be-,
ein-, ent-, er-, ge-,
hinaus-, über-, um-, ver-, vor-, wider-, zurückwehren.