Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
weise swm.
1. waise. ahd. weiso Graff 1,1076. orphanus, pupillus voc. o. 2,33. sumerl. 13,28. Diefenb. gl. 198. dô îlten di ammen den wênigen weisen nennen Diemer 31,12. nu muoʒ ich (Jakob) iemer weinen den mînen lieben weisen (Joseph) Genes. fundgr. 55,20. dâ der weise klagen mac unt der arme den gewalt Walth. 16,11. mir ist verspart der sælden tor: dâ stên ich als ein weise vor das. 20,32. ich gân umbe als ein weise und suoche mînes herzen trôst leseb. 895,3. — richte den armen weisen! zu dir rûfent di kint, der vetere verrâten sint pf. K. 307,23. der weisen barmenære (Gott) Walth. 76,28. ach wê der armen weisen Nib. 2251,4. kleiniu kint diu dürftic unde weisen sint frauend. 149,10. weisin unti widewin Anno 603. witwen unde weisen Tundal. 57,47. Teichn. 7. Ottoc. 549. b. — weise heißt auch derjenige der vater oder mutter verloren hat. so heißt Benjamin ein weise Genes. fundgr. 52,2. nu sol ich (sagt Jakob) senten mînen weisen (Benjamin) ze des ellentes freisen das. 64,36. — auch frauen nennen sich weisen. sô enweiʒ ich (sagt Blanscheflur) wer ich bin, wan ein verschaffner weise, diu manege grôʒe freise hât erliten Flore 7127 S. mîn vater lieʒ mich armen weisen in vorhteclîchen vreisen Parz. 194,19. — bildlich heißt weise auch derjenige, der etwas verloren hat oder nicht besitzt. hôher freude ein weise W. Wh. 102, 27. der dâ was witze ein weise (= der tumbe) Parz. 167,9. der werdekeit ein weise wart nu diu tavelrunder das. 335,8. der valscheit ein weise H. Trist. 1350. der gotes weise der von Gott verlassene, abgeirrte Pass. K. 134,74. ich was vor trûren gar ein weise mir war trauern fremd frauend. 402,12.
2. ein edelstein in der deutschen kaiserkrone. vgl. Gr. 3,179. D. mythol. 1167. 1168. RA. 923. Maßm. Eracl. s. 213. orphanus est lapis, qui in corona Romani imperatoris est, neque unquam alibi visus est: propter quod etiam orphanus vocatur. est autem colore quasi vinosus, subtilem habens vinositatem: et hoc est sicut si candidum nivis candens seu micans penetraverit in rubeum clarum vinosum, et sit superatum ab ipso. est autem lapis perlucidus: et traditur, quod aliquando fulsit in nocte, sed nunc tempore nostro non micat in tenebris. fertur autem, quod honorem servat regalem Albertus M. s. mus. 2,139. si sâhen ein lieht: daʒ bôt in ein edel stein, der klâr ûʒ der vinster schein. — den stein stieʒ er (herzog Ernst) her abe. er ahte in sân ûf grôʒe habe, und daʒ der stein zæme, ob er wider quæme, in des rîches krône. dar inne er liuhtet schône, des die für wâr müeʒen jehen, die in dar inne haben gesehen. der weise ist er dâ von genant: ir wart nie keiner mêr bekant Ernst 3621. Ernst dem rîche gab den stein, der dâ liehter varwe schein und in des rîches krône noch hiute erliuhtet schône das. 5543. vgl. einl. IX. XIV, und besonders H. zeitschr. 7,278, wo dieselbe sage nach den übrigen berichten mitgetheilt wird. in Odo's gedichte heißt es: der herzog nimmt den stein et, pare quod careat, Retio (l. Raeto) de nomine weisen nuncupat: haec Latia pupillus voce figurat. in der Münchener prosa: lapidem unionem dictum ab uno, quod unus sit et nunquam sint ejusdem generis duo lapides. der ausdruck ist nach Haupt entlehnt aus Isidor. orig. 16,10,1: ex quibus margaritis quaedam uniones vocantur, aptum nomen habentes, quod tantum unus, nunquam duo vel plures simul inveniantnr. — weise sprichet eine vaterunser 1328. si diutet wol den weisen den in den grôʒen vreisen herzoge Ernest uns gewan, wan in der ellende man in vil grôʒen nôten brach das. 1334. rehte als der weise stât in des rîches krône das. 1351. vgl. 1202. 1316. 1405. wie si durch den berc har wider kâmen, dâ si der krône weisen inne nâmen MS. 1,138. a. ouch bevâhet niht der weise gar des rîches krône: ime ligen ouch vil schône ander sîn ungenôʒen bî krone 1. b Sch. den weisen ie vil hôhe wac der keiser und daʒ rîche, durch daʒ nie sîn gelîche wart under manegem steine troj. 1. b. der künec alsô den weisen hât daʒ ime den niemen schînen lât MS. 1,15. a. — die deutsche kaiserkrone, in welcher dieser edelstein sich befindet: swer nu des rîches irre gê, der schouwe wem der weise ob sîme nacke stê: der stein ist aller fürsten leitesterne Walth. 19,3. Philippe setzen weisen ûf das. 9,13. vgl. daʒ got im nimmer schône den stein lâʒ an sîme nacke stên, dem alle fürsten nâch gên Helbl. 2,881. ich stich im abe den weisen Otte 314.
3. in der kunstsprache der meistersinger ein durch keinen reim gebundener vers in einer strophe.