klug ,
scitus, prudens, mhd. kluoc,
gen. kluoges,
ahd. eigner weise nicht bezeugt, gewiss nur zufällig. nd. mit abweichung im wurzelauslaut (
wie klinken
für klingen) klôk,
flectiert klôker man,
z. b. Theophilus 528 (
nicht klôch, klôger
wie es dem hd. laut entsprechend wäre),
so auch nrh. kloik, ein kloike vrauwe Fromm. 2, 441
b,
nl. kloek,
und selbst md. in clûchelich
pass. H. 82, 93, cluchlich, kluekeliche
caute Diefenbach 109
a, kluek
cautus, nrh. cloech 109
b.
altn. klôkr,
schwed. klok,
dän. klog.
ags., engl. fehlend, doch eine spur davon auch da in schott. cleuch
clever, dexterous, light-fingered Jamieson 1, 234
b.
entlehnt (
aus dem schwed.)
finn. klookki
schlau. der ursprung liegt in dunkel, doch Wackernagels
zusammenstellung mit dem gleich einsamen gr. γλυκύς (
wb. 1861)
wird vielleicht das licht bringen; nicht die heutige bed. von klug
ist nämlich die ursprüngliche. 11)
das mhd. kluoc
bedeutete wesentlich fein, zierlich, zart, schmuck, hübsch, aber mit so manigfacher wendung, dasz es schwerlich schon genügend beobachtet ist zur sicheren bestimmung der grundbed.; vieles davon setzt sich fort bis in die nhd. zeit, wahrscheinlich auch mehr als die bisherige beobachtung gefunden hat. 1@aa)
niedlich, zierlich, zart, von menschen. ein ehemann sagt z. b. von seinem weibe, die er zu meiden angeklagt ist: wan do si mir erst geben wart, da was si noch jung, klug und zart. da raunt ir muoter in d'oren mein, ich solt gen ir beschaiden sein (
mich bescheiden).
fastn. sp. 321, 19.
so von einem säugling: der selbe hübsche knabe klug.
Diocl. 1337,
wie zart und kluoc
vom Christuskinde Frauenlob
spr. 278, 8.
die katze erscheint den unerfahrenen jungen mäusen als ein senfteʒ tier kluog unde zart Boner 43, 47.
[] 1@bb)
von dingen, z. b. von feiner handarbeit: (
subtilis, cluog. Dief. 562
b): was machen nicht für dünne (
zarte) und kluge drechslerische arbeit die inwohner zu Bertoldsgaden (
Berchtesgaden) noch auf den heutigen tag? diese wunderliche kunststücklein kommen von menschlichen und zuzeiten nicht zarten, sondern groben und ungeschlachten händen.
M. Abele
gerichtshändel (1684) 1, 227,
cas. XLII.
überhaupt von kunstarbeit: Cambray ist berühmt von wegen der klugen leinwat oder cammertuch. Hartmann
siebenj. wanderschaft (18.
jh.)
bei Schöpf
tir. id. 326; darauf mit klugister nadel ... frücht und blumen entworfen.
ebenda aus der beschr. eines heiligenbildes (18.
jh.).
das ist das nachleben eines mhd. gebrauchs, z. b.: eʒ sol ouch dehein man, der niht ist ritter, keinen schuoch dragen zerhouwen mit löubern oder mit wæhen klglichen snitten.
kleiderordn. v. Speier v. j. 1356 (
anz. d. germ. mus. 1856
sp. 202); kleinœde wert unde kluoc
Mai 104, 14,
kostbare und zierliche geschenke in kunstarbeit, kluoger gürtel
Neidh. 216, 9,
dessen ein eitler zum tanze nicht entbehren mag, vingerlîn spæhe und kluoc
von einem ringe, der aber zugleich wunderkraft hat Frauenlob
spr. 30, 7,
ein edelstein edel unde kluoc
troj. kr. 9922,
gleichfalls mit wunderkraft. wenn diesz in kluoc
mit ausgedrückt ist, läszt sichs auch in folg. noch finden: darnach nam er (
Mercurius) zu sich mit fug sein heroldstab und scepter klug. Spreng
Aen. (1610) 68
a.
noch bair., tirol. für zart, fein, z. b. e kluegs tuech
feine leinwand, e klueger flachs,
ganz wie klar, klein,
daher auch klueger druck,
mit feiner, klarer schrift, klueg schreiben,
auch klueg singen,
in hohen tönen, vgl. aus dem 15.
jh.: man lobet uns den chorgesangk, der ist hubsch und clug. Folz
i. d. fastn. sp. 1114.
bair. auch e kluegs korn,
ein ganz kleines, bregenzerw. a kluogs luogo (
lugen),
so fein und klein dasz man kaum etwas sieht, auch kluoge arbat,
feine, knaupelige arbeit (Felder). klug
also ganz auf dem wege den klein
gegangen ist. 1@cc)
wie manigfach der begriff angewandt war, zeigt besonders 'kluge speise',
öfter im buch von guter speise, wo recepte angekündigt werden mit ein kluge spise § 6. 43, eine kluge spise von pflumen 9,
offenbar schmackhaft, lecker, was man einst auch niedlich
nannte; doch wäre gerade hier auch eine anknüpfung an γλυκύς möglich. es findet sich aber auch für weichlich, üppig, wollebend (Wackernagel
nach Boner 48, 22. 155. 82, 1): mit schriben nideret er (
der pabst) sich gnug, nempt sich ein knecht, lebt herrlich und klug. Utz Eckstein
concil (
kloster 8,) 729. 1@dd)
nett, schmuck, hübsch, schön, wie noch schweiz., z. b. ein kluges kalb, eine kluge kuh Stalder 2, 111: augen wie schwarzenstein, zähne wie elfenbein, bist gar ein kluger kerl, wie ich es bin.
volksl. im wunderh. 1, 130, '
mündlich'; ich bin so klug und so wol gefar (
von schöner farbe), ich hab das allerschonste har (
sagt eine frau).
fastn. sp. 105, 24; sol ir so schöner cluoger lib also on schuld verderben? Büheler
königst. v. Fr. 2114.
ein alter erzählt aus seiner jugend: an dem tanz sprang ich vast vor ... auch was ich waidenlich und cluog, nun bin ich worden niemants fuog (
allen im wege).
Hätzl. 41
b,
zugleich stattlich. so von rittern, mhd. (
wb. 1, 848
b,
Helmbr. 1387)
und später: manchen rüter kluog. Gengenbach
alter eidgen. 204. J. Lenz
nennt seine landsleute, die Schweizer, so: also kam man zemen (
sammelte sich) im tal ... die baner und die vendlin clug.
Schwabenkrieg 106
a.
ironisch in einem landsknechtliede aus demselben kriege: merkt, wie die Schweizerknaben, die federhansen (
mit ihren pfauenfedern) kluog ... getriben grosz übermuot. Uhland
volksl. 474.
Aber auch von dingen und allgemein, z. b. ein cluogeʒ brünnelîn (
quell) Kellers
altd. ged. 97, 27, ein kluoger brunne
Diocl. 5994.
der Teichner
erzählt von den ansprüchen der hörer an den dichter: sô spricht der drit 'eʒ wære kluoc, swaʒ er redt von manegen sachen, künde erʒ niuwan (
nur) swæbisch machen nâch der lantsprâch ûf und ab' (
der allgemeinen). Karajan
über den Teichner s. 66, '
es wäre ganz hübsch',
doch wahrscheinlich mit dem nebensinn höfisch, denn schwäbisches wesen galt für höfisch, s. dazu e. noch [] heiszt flämisch kloek
nett, hübsch gekleidet Schuermans 254
b,
vgl. kluoglich kleid
unter klüglich 1. 1@ee)
derselbe begriff auf gesellschaftliche '
tugenden'
gewendet, von anstand, sitte, 'kluoc an hövescheit' Neidhart 59, 19
H.: das mir kain fürzlin da entran vor angsten, der ich hett genuog, des was ich gail (
froh) und daucht mich cluog.
Hätzl. 280
a.
von einem dummen ritterssohn, der in Paris studiert, aber nur lustig leben gelernt hat, heiszt es: sin gebærde wâren kluog. Boner 99, 29.
es scheint überhaupt ein in höfischer rede und höfischer bedeutung beliebtes wort gewesen zu sein, z. b. Antikonie weist Gawans zu dringendes minnewerben ab und heiszt ihn mit dem kusse sich begnügen: hêrre, sît ir anders kluoc, sô mages dunken iuch genuoc.
Parz. 406, 1,
sie ruft wol damit seinen höfischen sinn an, die höfische bildung. so bei Helbling 1, 460 mit den worten kluoc
von höfisch und gewandt redenden, kluoge gebærde Berth. 286, 38
unter den mitteln coquetter mädchen; klüegelîchen (
höflich) trit ich dar, mîn gruoʒ wirt iu kunt getâ
n. Helbl. 13, 108; ir opfergank (
kirchgang) ist sô kluoc, daʒ si kûm von state slîft. Teichner 70 (221).
Daher noch im 15. 16.
jh.: kluger,
hoflicher, hubscher, urbanus. voc. theut. 1482 q 8
a. 8
b; elegans homo, kluog, stolz, fein, hüpsch, zierlich, artig, hurtig (
gewandt) in allen dingen Frisius 467
b,
bei Maaler 246
b kluoger mensch, artlich, zierlich, hurtig in allen dingen,
elegans homo. z. b. von studenten, gegensatz grob: studenten art ist kluoge, vil edler dann das gold, darumb seind si mit fuoge kaim groben paurn nit hold. Uhland
volksl. 686.
der genaue sinn ist bei dieser vielseitigkeit freilich oft schwer oder unmöglich zu bestimmen ohne eine weit eingehendere beobachtung des wortes. was heiszt es z. b. in kluoge Vranken Pf.
Germ. 1, 350
b,
sprichwörtlich im 14.
jh.? 1@ff)
es hiesz nämlich auch herrlich, rühmlich, denn Maaler
erklärt kluog
auch mit inclytus, Frisius 674
b inclytus
mit verrmpt, namhaft,
dann kluog, herrlich, fürträffenlich (
im vocab. des 15.
jh. ist inclitus edel, wol geboren, erlich Dief. 292
a, adelich Melber m 4
a). 1@gg)
aber auch tapfer, 'zuo strîte kluoc'
Germ. 3, 353: der bruoder her die heidenschaft bestuont mit menlîcher craft und brâhten in strîtes genuoc. die heiden wâren ouch sô kluoc daʒ si daʒ widergulten (
heimzahlten) gar.
livl. chron. 6046; bruoder Bernhart der was kluoc und zoget den heiden alleʒ nâch mit sînem here, im was gâch ûf die heiden an der zît. 4797,
der begriff ist da auf die andere hauptseite ritterlichen wesens gewendet. im nl. bedeutet kloek
noch heute auch geradezu tapfer, mutig, stark (
und robust),
auch altn. klôkr
armorum tractandorum peritus Egilsson 467
b.
vgl. franz. galant
mit engl. gallant
tapfer. in der livl. chron. 1828
heiszt es aber auch helde
wîs, die wol zuo strîte tohten.
und wîse
galt auch von höfischer sitte und kunst, s. z. b. Neidhart 61, 5 (
vgl. 59, 19),
wie tump
den gegensatz bezeichnet 56, 3. 62, 24. 70, 24. 74, 1
u. ö.; im Parz. heiszt ein höfisch gebildeter oberster knappe der kluoge meisterknappe 59, 30
und ebenso der wîse 105, 2.
es ist schwer aus der verflechtung der bedeutungen den kern noch zu ermitteln. 22)
für die heutige bed. prudens, die sich also wieder einmal blosz als bruchstück eines groszen ganzen ausweist, ist wahrsch. fein der ausgangspunkt. klug
hätte sich dann entwickelt wie ähnlich fein
selbst, ausgegangen vielleicht von feiner, zierlicher, geschickter handarbeit (
vgl. unter 6,
b aus gesta Rom.),
von wo der übergang auf die zierlichkeit des arbeitsstücks wie auf das geschick und den klugen sinn des arbeiters gleich nahe liegt, s. dazu u. 9.
die gleiche entwickelung zeigt lat. subtilis,
das in franz. subtil,
engl. subtil
auch bis zu listig, schlau vorgeschritten ist, und noch mehr ahd. chleini (klein),
selbst eig. subtilis, aber auch sagax, circumspectus, versutus, chleinî
auch industria, ingenium artificis, solertia, scientia, astutia, acutum consilium Graff 4, 559
ff., es ist ebenso mit griech. λεπτός.
den umgekehrten weg gieng lat. scitus,
von verständig, sinnig zu hübsch, fein, nett. 2@aa)
zuerst mag man von klugem sinn
und dergl. gesprochen haben, beim künstler auch von kluger hand
u. ä. (
s. unter 9,
vgl.kluge nadel
unter 1,
b):
[] zwên wâren an den sinnen kluog und dâ bî schalkhaft ouch genuog, der dritte was ein einvalt man. Boner 74, 11; hundert bîschaft hab ich geleit an diz buoch, die nicht bekleit sint mit kluogen worten ... doch hânt si kluoger sinnen hort.
ders. in der schluszschrift; du wilt ze lang machen die mär, du solt es enden mit kluogen sinnen. Vintler
bei Haupt 9, 113; vil sint in irem sinn so kluog, die dunkent sich sin witzig gnuog, das sie usz eigner vernunft infall die heilig gschrift uszlegen all. Brant
narr. 103, 13; wär zweien herren dienen wil, der darf das er bruch wisheit vil, darzuo vil kluoger sinnen. Körners
hist. volksl. 10; dann er vermeint mit klugen sinnen die statt auf éin tag zugewinnen. Spreng
Il. 22
a.
der mann hiesz zuerst wol klug von sinnen,
feinsinnig (
vergl. klugsinnig): dô sprak to Reinken de apinne 'Reinke vrûnt, weset klôk van sinne'.
Rein. vos 6164,
sie ertheilt ihm einen rat, aus der not zu kommen. 2@bb)
auch klug reden, kluge worte
u. ä. kann den übergang vermittelt haben, denn der gebildete redet gewandt, gescheid, fängt alles feiner an: die welt tuot an mich bringen mit hüpschen worten kluog dasz ich muosz aber singen. Uhland
volksl. 721, kluog
kann da noch völlig oder ziemlich gleich hüpsch,
höfisch, sein. kluger sinn,
d. i. einfall: daʒ was ein kluoger sin!
MSH. 3, 295
b. kluoge liste (
künste, mittelchen, artificia)
das. 1, 95
a. kluge frage,
auch in anderm sinn als wir jetzt etwa von einem klugen kinde sagen: die fragen sind mir zu klug, ich bin ir nit underricht genug. Lenz
Schw. 7
a. 2@cc)
bloszes kluoc
vom manne findet sich aber auch schon mhd., oft z. b. in der livl. reimchronik, wîse unde kluoc 235
von priester Meinhart, der 394 cluoc
genannt wird mit bezug auf bücherschreiben; v. 5079
von einem der einen guten vorschlag macht. v. 6319
von solchen, die sich reich mit beute bedacht haben, vgl. d. auch schon ganz im heutigen sinne: ain prunn macht den menschen chluog und gedæchtig (
gedankenreich), der ander macht den menschen vergessend.
gesta Rom. s. 143
c. 97,
von wunderbarer wirkung von quellen. 2@dd)
früh schon ist auch eine üble wendung des begriffs auf schlauheit und list, besonders eigennutz da (
vgl. 5,
b. c)): daʒ man juden, wuocherær setzt (
gelten läszt) vür kluoge meister hie. Teichner 300
Kar.; des siht man junge fühselîn vil klüeger denne ir veter sîn ûf alle bœse tückelî
n. Renner 21788; an bœser kluokheit cleine kint vil klüeger denne ir vater sint. 6278,
vgl. unser fein
in gleichem sinn und ahd. chleini
vorhin, s. auch das adj. kleisper 3
und engl. clever
fein und schlau (
sp. 1050
unten). 33)
für die hauptbedeutung ist besonders wichtig sein verhältnis zu weise. 3@aa) klug
und weise
erscheinen in älterer zeit als gleich oder doch nächst verwandt im sinn, die vocab. des 15.
jh. bei Diefenbach
setzen beide gleichmäszig zu prudens, sagax, solers, cordatus, callidus,
auch bei Melber t 3
b prudens, wiser, kluger,
nachher prudentia, clugheit, wisheit,
im voc. th. 1482 q 8
b klug, weise, kundig, vernunftig.
So werden denn beide gern verbunden zu wirksamer häufung, wie etwa kehren und wenden (
ein mhd. beispiel s. unter 2,
c): das ichs so weislich het besunnen mit weisen und mit cluegen sachen (
vgl. 2, 1167). Rosenblüt
in den fastnachtsp. 1123; vil sint von worten wise und kluog. Brant
narr. 8, 5; der krametsvogel kluog und weis. Uhlands
volksl. 40; solt er (
gott) an solchen (meister klüglingen) groszen gefallen haben, die im so gar zu klug und weise sind und allzeit in zur schulen füren wollen. Luthers
letzte predigt, leseb. 3, 1
sp. 200, 4; das war ein weiser kluger rat, das besser were einen menschen erwürgen denn das ganze land verderben. 202, 37; meinen, sie sind alleine klug und weise, weil sie
[] im ampt und regiment der kirchen sitzen. 202, 15; Aristoteles .. machet einen unterscheid zwischen rechten weisen und klugen und andern die er nennet
δοξα id est opinione sua sapientes, die sich dünken lassen sie sein klug und weise. 201, 33 (
doch nicht ohne grund zuerst weise,
dann klug
vorangesetzt),
und so sehr oft daselbst und sonst, es ist bei ihm und andern förmlich beliebt (
wie noch jetzt in volksmäsziger rede); nu hab ich fur mich foddern lassen die klugen und weisen, das sie mir diese schrift lesen und anzeigen sollen was sie bedeut.
Daniel 5, 15,
d. h. die 'klug und weise'
sind, v. 11
steht nur die weisen; wer ist weise und klug unter euch?
ep. Jac. 3, 13 (
σοφὸς καὶ ἐπιστήμων); weil wir denn keinen herren han (
vertriebene reformierte), so rufen wir gott im himel an, den wollen wir loben und ehren. er ist allmechtig, weis und kluk, er kan uns all erneren (
retten). Soltau 2, 284 (
um 1590); nur den hält man vor klug und weis, der wenig wort, doch warheit giebt.
Simplic. 1, 612; und im stillen kreise bin ich doch so weise, klug wie Salomon. Göthe 5, 172; nennt man uns weise, klug im rath. 13, 279; denn die eltern zu ehren war früh mein liebstes und niemand schien mir klüger und weiser zu sein. 40, 271. 3@bb)
auch klug
für sich allein gilt von höherem wissen und können, bis in neueste zeit einzeln und schon mhd. (
s. aus der livl. chron. 394
unter 2,
c): her (
der bischof) was sô klûg von der schrift, daʒ in nîmant vorwinden (
überwinden) mochte weder mit vrâge noch mit reden.
myst. 1, 95, 29,
gelehrt in der bibel; doch ist das buoch so kluoge, das ieglicher da von nimpt als vil als seiner kunst (
bildung) gezimpt. Vintler
bei Haupt 9, 70
von seinem werke. Diefenbachs
wb. von 1470
sp. 246
erklärt scriba
schriftgelehrter mit schriftkluger,
während es andere vocab. mit schriftwiser
übersetzen; lieber, so klug und gelert were ich auch wol. Luther 6, 280
b (1561); wo sind die klugen? wo sind die schriftgelerten? wo sind die weltweisen? hat nicht gott die weisheit dieser welt zur torheit gemacht?
1 Cor. 1, 20,
im orig. ποῦ σοφός,
von Luther
anfangs wirklich die weisen
übersetzt; Christus hat mich .. gesand .. das evangelium zu predigen, nicht mit klugen worten.
das. v. 17,
οὐκ ἐν σοφία λόγου,
anfangs nicht mit weisheit in worten,
in philosophisch gelehrter form; wenn aber der weisen viel ist, das ist der welt heil, und ein kluger könig ist des volks glück.
weish. Sal. 6, 26; nach im ward könig sein kluger son Salomo.
Sirach 47, 14; meinstu das ein man gott gleich sei? oder iemand so klug sei das er sich ihm vergleichen muge?
Hiob 22, 2
nach der urspr. fassung; ich habs durch meiner hende kraft ausgericht und durch meine weisheit, denn ich bin klug.
Jesaia 10, 13; du heltest dich fur klüger denn Daniel, das dir nichts verborgen sei.
Ezech. 28, 3; wo warestu (
fragt Jehovah) da ich die erden gründet? sage mirs, bistu so klug?
Hiob 38, 4; lasz sie (
gottes weisheit) nicht von deinen augen weichen, so wirstu glückselig und klug werden.
sprüche Sal. 3, 21; diese weisheit macht recht kluge leute.
Sirach 1, 24,
und so noch oft. freilich ist zu bemerken, dasz es Luther
doch meist nur zur abwechselung mit weise
wählt oder um die weltliche '
klugheit'
in gegensatz zur himmlischen erleuchtung zu setzen (
vgl. die kluge vernunft 5,
a, δ),
wie er denn klug
gern mit ironischem anklang braucht. Aber es kommt auch entschieden gleich weise
vor: zum theil aus vernünftlichen eingenaturten lehren erholt, mit welchen sich die naturgefolgige kluge heiden beholfen. B. Jobin
vorr. zu Fischarts
ehzuchtbüchlein s. 404
Sch. (
doch im gegensatz zur heil. schrift und der christlichen philosophie); was dörfen sie sich dan also grob an irem vatterland vergessen, welchs heutigs tags so hochbegabt und an klugem verstand und künstlicher erfindung allen andern nationen vorzihet? 409; solche fristung aber des gemüts würd anderswoher nicht zugerichtet, dan durch den klugen trost der philosophi. Fischart
podagr. tr. 655
Scheible; den allerkräftigsten klugsten spruch nosce te ipsum. 684; so hat nu dein volk ursach gnug stets fromb und klug von dir niemahl zu wanken. Weckherlin 10 (
ps. 3, 12); wann der zeiten scharfer zahn kluge schriften fasset an, dörfen (
brauchen) sie sich ihm mit lachen, sonst mit nichts, entgegen machen (
sie spotten sein). Logau 3, 8, 90;
[] ein solcher (
echter weiser) kennt die eitelkeit der würden, in die das glück zu selten kluge steckt. Hagedorn 1, 12,
solche die durch bildung und gelehrsamkeit das amt verdienen; mein Behrmann, den geschmack und witz und redlichkeit von niederträchtgem wahn (
niedriger thorheit) entfernet ... sei stets der wahrheit hold, sie nutzt vor tausend sachen, und schäme dich nicht, klug zu sein, 2, 73,
d. i. verleugne nicht aus scheu deine höhere einsicht in den wert der dinge, deinen höheren geistigen standpunkt; Damis (
der junge gelehrte). ich bin es längst überdrüszig gewesen länger in Deutschland zu bleiben, in diesem nordischen sitze der grobheit und dummheit, wo es alle elemente verwehren klug zu sein, wo kaum alle hundert jahr ein geist meines gleichen geboren wird. Lessing 1, 300; dein seliger groszvater sagte, wer ein kluges buch schreibt, hat ein edict ausgeschrieben das nicht ein spannlanges ländchen, sondern die welt beobachtet. Hippel
lebensl. 3, 1, 274; wer mag wol überhaupt jetzt eine schrift von mäszig klugem inhalt lesen! Göthe 12, 213; wer kann was dummes, wer was kluges denken, das nicht die vorwelt schon gedacht? 41, 102; statt jener ausdrücklichen offenbarungen redet jetzt der heilige geist mittelbar durch den verstand kluger und wolgesinnter männer .. zu uns. Novalis 1, 11,
hier also noch ganz wie weise.
in den meisten fällen würde man da freilich jetzt auch weise
nicht mehr brauchen, das ja in seinem vollen sinne überhaupt aus der alltagswelt wenigstens verwiesen ist (
wie tugend
u. ä.)
; aber klug
gewiss auch nicht, sondern gescheid
vermutlich. 3@cc)
in der volksrede lebt klug
noch im alten sinne, das volk nennt einen studierten einen klugen mann,
wie einen gescheiden,
gegensatz beider ist ihm dumm.
es heiszt da ein kluges kind,
ein begabtes, das kind ist über sein alter klug,
sein geist weiter entwickelt als seinem alter gemäsz ist (
vgl. altklug): nur sieben jahre war er alt, da wuszt er fast zu lesen, und hieraus sieht ein jeder bald wie klug das kind gewesen. Hagedorn 3, 112.
dem volksmäszigen gebrauch entspricht auch weise werkleute und kluge redener
Jesaia 3, 3, ein kluger general,
rei militaris peritus Stieler 987, ein kluger feldherr Steinbach 1, 877;
vgl. staatsklug. 3@dd)
in eigner wendung dieses begriffs braucht es Göthe
gern vom künstler, in bezug auf die erfindung: wol erfunden, klug ersonnen, schön gebildet, zart vollbracht, so von je her hat gewonnen künstler kunstreich seine macht. ....; auch liesz der künstler mit klugdichtendem wahrheitssinne eine höhle merklich werden, die
u. s. w. 22, 127. 44) klug
ist aber in seinem genauen sinne von weise
geschieden worden (
wovon spuren schon unter 3),
so dasz dieses einen höheren rang einnimmt, indem jenes sich mehr auf weltliche, dieses mehr auf geistige dinge bezieht, jenes die form und das verhältnis, dieses das wesen der dinge erfaszt, jenes den eignen nutzen des menschen, dieses die uneigennützige theilnahme am höhern zusammenhang der dinge zum kerne hat. der unterschied ist etwa wie bei lat. prudens
und sapiens
und läuft ziemlich gleich mit der neueren unterscheidung von verstand
und vernunft;
auch ist er insofern schon im ursprung der wörter vorgebildet, als klug
von fertigkeit und geschicklichkeit, von gesellschaftlichen vorzügen ausgieng (
s. 1), weise
aber doch mit wissen
zusammenhangen wird. 4@aa)
schon im 15. 14.
jh. unterschied man beide wissenschaftlich. in Melbers
voc. variloquus, in dem viel aus der schulgelehrsamkeit jener zeit, namentlich der mystiker, zusammengetragen ist, besonders auch begriffsbestimmungen und eintheilungen, heiszt es unter sapientia x 4
a u. a.: wisheit, die ewigen guter (
zu erwerben?), item dicitur clukeit acquirendi temporalia,
es scheint acquirendi
auch zu die ewigen guter
zu beziehen; vergl. t 3
b prudentia carnis .. clugheit der welt, setzt alle ding uf fleischlich weltlich ding. Herman von Fritslar
myst. 1, 181
zählt eintheilend die vollkommenheiten (tugende)
der menschlichen seele auf, nach den '
göttlichen' (
glaube, hoffnung, minne)
nennt er die '
menschlichen',
zuerst die zur vernunft,
d. i. zum geiste gehören: wîsheit, kunst und klûgheit;
die klûgheit
wird weltkenntnis meinen, wie die kunst
wissenschaft, die wîsheit
philosophie. 4@bb) Christian Wolf
setzt den unterschied in praktischer beziehung so an, dasz der weisheit
das erwägen eines vorliegenden falls und der erforderlichen mittel gebühre, aber die fertigkeit 'weislich' erwehlte mittel wol auszuführen ist dasjenige welches wir
[] klugheit nennen,
s. dessen vernünft. gedanken von der menschen thun und lassen § 326
ff. etwas anders Kant: man kann die geschicklichkeit in der wahl der mittel zu seinem eigenen gröszten wohlsein klugheit im engsten verstande nennen. 4, 37; der thor ist nicht weise, der narr ist nicht klug.
ders. 10, 11,
doch ist klug
auch gegensatz des thoren,
wie in der parabel von den klugen
und thörichten jungfrauen
Matth. 25. 4@cc)
im Nathan kommt der unterschied zur sprache, zwischen Saladin und Nathan: Sal. ich habe längst gewünscht den mann zu kennen, den es (
das volk) den weisen nennt.
Nath. und wenn es ihn zum spott so nennte? wenn dem volke weise nichts weiter wär als klug? und klug nur der, der sich auf seinen vortheil gut versteht?
Sal. auf seinen wahren vortheil, meinst du doch?
Nath. dann freilich wär der eigennützigste der klügste, dann wär freilich klug und weise nur eins
u. s. w. Lessing 2, 272; dasz ihr (
Nathan) doch immer so gut als klug, so klug als weise seid! 2, 210; der pöbel ist nicht weis', und weise sind nicht klug. Haller (1777) 79,
verstehn sich nicht auf weltliche dinge, auf ihren vortheil. 4@dd) klug
können auch thiere sein (
wie gescheid): der pudel ist ein kluges thier,
vgl. von gemsen u. 5,
d Schiller; was ist der mensch ohne schwärmerei und liebe? ein kluges thier, das nicht einmal muthig sterben kann wie die thiere. Arndt
geist der zeit (1806) 50. 55)
es gewinnt je nach umständen verschiedene nebenbeziehungen, die sich vielfältig kreuzen, mit oder ohne beigemischten tadel; drei 'staffeln der klugheit'
bezeichnet Logau
treffend: wer guten rath selbst finden kan, wer guten rath kan nemen an, wer beiden recht zu brauchen weisz, hat eines klugen mannes preis. 1, 8, 34. 5@aa)
am häufigsten gleich gescheid,
von scharfem verstande, kluog und gescheid,
sagax Maaler 246
b. 5@a@aα)
besonders von erfahrung und bekanntschaft mit dem lauf der welt (
vgl.klugerfahren Göthe 41, 332): die kinder dieser welt sind klüger denn die kinder des liechtes in irem geschlechte (
φρονιμώτεροι).
Luc. 16, 8; alte leute sind klüger als die junge. Stieler 987; mit schaden wird man klug,
docemur calamitate. Frisch 1, 525
b,
ein geläufiges sprichwort; so lange man jung ist, urtheilet man von keiner sache klug. Rädlein; kein mensch wird klug gewiegt noch ohne schellen jung. Günther 464; ein liebes weib ward krank; wovon? von vieler galle? die alte spötterei! kein kluger glaubt sie mehr. nein, nein, die weiber siechten alle, wenn dieses übel schädlich wär. Gellert (1784) 1, 66, klug
heiszt da wer sich nicht mehr durch worte und schein täuschen läszt, wer den leuten in die karte hat sehen lernen; lasz dich nicht mit dem ein, der ist dir zu klug. 5@a@bβ)
doch kommt angeborne klugheit
vor: (
Weinsberg) soll haben fromm und klug gewiegt viel weiberchen und mädchen. Bürger; und der mann, sagen sie, war klug genug, um tükisch zu sein? Hermes
Soph. reise 3, 53,
nicht zu dumm dazu. 5@a@gγ)
zuweilen tritt darin die anwendung des klug
auf einen bestimmten fall hervor (
s. mehr unter 11): die herren sind niemals klüger, als wenn sie vom rathhause gehen. Stieler; kluge leute merkten die absicht, der kluge gesandte (
freiwerber) merkte den willen gar bald und konnte sich weiter erklären. Göthe 40, 302. 5@a@dδ)
aber auch die kehrseite des klug
tritt unter umständen hervor, nichts als klug, so biblisch, bei Luther
und sonst: von fraw Hulda, der klugen vernunft
d. Carlstads in diesem sacrament. Luther 3, 78
a,
geringschätzig, ironisch, im gegensatz zu dem hingebenden glauben an das mysterium des sacraments, 79
b nennt er sie spitzige und sophistische klugheit,
vgl.weltklug
und Matth. 11, 25 ich preise dich, vater .. das du solchs den weisen und klugen verborgen hast und hast es den unmündigen offenbaret (
ἀπὸ σοφῶν καὶ συνετῶν); darumb musz ein göttliche macht dahinder sein, die es (
das evang.) erhelt wider alle teufel, alle könige, alle klugen, alle weltheiligen. Luther 4, 268
a (1556)
und oft. ähnlich bei Lessing
im Nathan, in Dajas munde: und es wäre so unerhört doch nicht, dasz uns der heiland auf wegen zu sich zöge, die der kluge von selbst nicht leicht betreten würde. 2, 291.
[] ähnlich oder im grunde gleich auch in Götzens von Berlichingen munde: wie beschämt stehen wir da, wenn man uns das wort bricht! dasz wir dem heiligsten vertrauten, erscheint nun als täppischer blödsinn. jener hat recht, der uns verrieth (
Weislingen). er ist nun der kluge, der gewandte, ihn lobt, ihn ehrt die welt. Göthe 42, 305, klug,
der liebe und treue, soweit es nicht blosz worte sind, als etwas kindisches überwunden hat. in diesem und ähnlichem sinne setzen dichter und echte menschen oft ihr gemütsleben der klugen welt
entgegen, besonders im 18.
jh.: nur eines musz ich dir gestehn, ich weisz nicht, darf ichs wol entdecken (die kluge welt wird sehr erschrecken): ich finde Davids psalmen schö
n. Drollinger 101; so greift zur frühlingszeit ein junger bücherheld von neüem trieb belebt, zu trost der klugen welt, nach dem geschärften kiel. 104,
hier zugleich was wir jetzt die gebildete
oder die feine welt
nennen, doch mit ironie. 5@bb)
besonders auch vom verständnis des eignen vortheils (
s. unter 4,
c Lessing,
und die construction mit auf
unter 6): erstlich ist der klug, welcher sein glücke wol befordern kan. Chr. Weise
kl. leute 369,
auszerdem das. klug welcher seine affecten wol regieren kan,
und welcher sich vor seinen feinden wol hüten kan;
Faust. schon wieder krieg! der kluge hörts nicht gern.
Meph. krieg oder frieden — klug ist das bemühen, aus jedem umstand seinen vortheil ziehen. Göthe 41, 259,
das klug
in Fausts munde steht dem unter 3
näher; es wünsche wer da will ein herz das nie sich bindet, das von der liebe nichts als den genusz empfindet, das vorige vergiszt, ans künftige nicht denkt, und nur ans jetzige sich, klug wie thiere, henkt. das gibt die weisheit nicht. Haller (1777) 254,
von engherzigem kurzsichtigen eigennutz; nur immer nehmen, niemals geben, wie Aristippus, mag für mich klug heiszen, nur nicht edel. Gökingk (1780) 2, 137; wie grosz, wie edel dieser sein freund (
Nathan) anwende, was so klug und emsig er zu erwerben für zu klein nicht achte. Lessing 2, 241; sieh, jüngling! dieses heiszt genieszen, sei klug und suche diese lust. Göthe 47, 11. 5@cc)
anschlägig, geschickt in der behandlung der dinge und verhältnisse, in der wahl der mittel zu einem zweck, fast gleich schlau. 5@c@aα)
an sich ohne tadel: klug, kundig, listig,
industriosus. voc. 1482 q 8
b; (
der krämer ist) ein mann der jedem handwerke mit klugem fleisze nachstellet, und so bald es einigen fortgang hat, so fort auf mittel und wege denkt etwas ähnliches einzuführen. Möser
phant. 1, 32; ein kluger kaufmann, speculant, geschäftsmann, unterhändler
u. dgl.; er war so klug nicht erst noch läugnen zu wollen,
oder auch er war so klug und läugnete nicht; wir müssen das klug anfangen, anfassen, einleiten; wüszt ich nur erst wie ich das am klügsten anfienge,
um zum ziel zu kommen; 'wie hast dus denn so weit gebracht?' ... mein kind, ich hab es klug gemacht, ich habe nie über das denken gedacht. Göthe 47, 253; und ich erfahre wol am ende wohin ich mich am allerklügsten wende. 41, 149; und haben wir uns des erfolgs versichert mit kluger kunst
u. s. w. Schiller 667
a. 5@c@bβ)
aber wieder ironisch tadelnd: sie ist immer die kluge, er will immer klug sein
sagt man von leuten, die alles besonders schlau machen wollen, alles feiner einzufädeln glauben als andere, oder besser zu wissen als andere, die sich klug dünken,
vergl.klugdünkel, klügel, klugscheiszer, gerneklug,
und superklug, überklug, neunklug: haltet euch nicht selbs fur klug,
μὴ γίνεσθε φρόνιμοι παρ' ἑαυτοῖς.
Röm. 12, 16; mit irer eigenen, klug-geachten vernunft,
mit ihrem klugdünkel B. Jobin
vorr. zu Fischarts
ehzuchtb. 404
Sch. ähnlich zu klug, allzuklug: allzuklug macht närrisch. Simrock
sprichw. 5769; (
es gibt) gar viel der allzuklugen kittl. Ringwald
laut. warh. 354. Luther
schliesz ein schreiben an den churfürst Johann Friedrich, worin er ihm rat in politischen dingen ertheilt: aber ich bin zu klug worden und plauder zu viel, e.
f. g. wolten mirs gnediglich zu gut halten
u. s. w. 5, 484
a,
ich spiele zu sehr den klugen, bin vorwitzig, vorlaut geworden, man sagt noch so unter dem volke. nd. geradezu klôk
naseweis brem. wb. 2, 807.
[] 5@c@gγ)
besonders auch da, wo sichs um betrug handelt, schlau: die erste fraw zwar warf das joch der sünd an unsern hals. doch sind jetzt unsre frauen noch was klüger dieses falls, sie setzen manchem hörner an, dasz er sich nicht entstreifen kan. Logau 1, 37; ist betrug gleich noch so klug, gibt sich letzlich doch ein fug, dasz er nicht ist klug genug. 3, 4, 5. 5@c@dδ)
im 15.
jh. geradezu klug, arglistig, gescheid, geswind (
d. i. schlau, politisch), laichig (
betrügerisch),
versutus. voc. 1482 q 8
b; klug sein in posheit,
callere. 8
a; versutus, 'kluk in bosheit' Dief. 614
b.
noch bei Ludwig
teutsch-engl. wb. klug,
spitzfündig, arglistig. 5@dd)
vorsichtig, bedächtig (
vergl. klüglich). cautus
wird erklärt mit klug
neben umsichtig, fursichtig
in alten vocab. Dief. 109
b,
voc. th. 1482 q 8
a,
auch bei Stieler 987 klug
cautus, Frisch 1, 525
b caute (
vgl.prudens
aus providens): wer im sommer samlet, der ist klug.
sprüche Sal. 10, 5; klug, welcher sich vor seinen feinden wol hüten kan. Chr. Weise,
s. unter 5,
b; kluge vorsicht. Schiller 241
b; lasz dich sein (
des blinden) kluges zaudern lehren, lasz sicherheit dich nicht bethören. Gotter 1, 229; ein kluger aufschub hat oft mehr erworben als solch ein kampf. Körner; kluges abwarten; kluges schweigen, er hätte klüger gethan zu schweigen
oder kurz er hätte klüger geschwiegen; hab ich wol mehr gesagt als wahr ist, mehr als klug ist? Schiller 15
b; er wagt es, nicht zu kommen! so war denn dieszmal wider vermuthen der kluge klug genug, nicht klug zu sein! Göthe 8, 255
im Egmont, Alba sagt es von Oranien; die (
gemsen) stellen klug, wo sie zur weide gehn, ne vorhut aus ... Schiller 517
a; man staunt sich an, man fürchtet klugbedacht in irgend ein gestelltes netz zu fallen. Fouqué
Corona (1814) 368. 5@ee)
verständig, einsichtig, umsichtig, hier oft noch mit weise
zu tauschen. 5@e@aα)
vom manne selber: als mit den klugen rede ich, richtet ir was ich sage.
1 Cor. 10, 15; ir vertraget gerne die narren, dieweil ir klug seid.
2 Cor. 11, 19; ein wüster könig verderbet land und leute, wenn aber die gewaltigen klug sind, so gedeiet die stad.
Sirach 10, 3 (
vorher ein weiser regent); seinem son Sacharja, der ein kluger rat war.
1 chron. 27, 14; einen trewen und klugen haushalter.
Luc. 12, 42; lere uns bedenken das wir sterben müssen, auf das wir klug werden.
ps. 90, 12; ir thoren, wenn wolt ir klug werden? 94, 8; wer sich gern leszt strafen der wird klug werden, wer aber ungestraft sein wil der bleibt ein narr. 12, 1; sie gehen daher in groszen ehren und pracht .. heiszen grosze kluge leute, weise fürsten und der welt regenten. Luther 8, 265
a (1580); klug im rath. Göthe 13, 279; und es versetzte darauf die kluge, verständige hausfrau. 40, 234; der klügere
oder klügste gibt nach,
daher 'sei klug und gib nach',
vgl. bei Weise
unter b klug, welcher seine affecten wol regieren kan.
aus dem ungrischen berglande bringt Schröer
nachtr. 36
b ein klug
verträglich, friedlich bei: seid klug miteinander!
den mancherlei narrheiten und ausschreitungen der jugend gegenüber sagt man von einem: er wird doch auch einmal klug werden; alt wird man wol, wer aber klug? Göthe 41, 143. 5@e@bβ)
von seinem thun und denken: kluge sparsamkeit, eintheilung, kluge beschränkung (
da tritt fast gleichbedeutig auf weise beschränkung, sparsamkeit
u. dgl.): leb wol, und weil ich fern bin, führe du (
Gertrud) mit klugem sinn das regiment des hauses. Schiller 520
a (
Tell 1, 2); da versetzte der wirth mit männlichen klugen gedanken. Göthe 40, 242; lasz uns ein klug wort reden. ich liebe Mariannen, gib mir sie zur frau! 7, 136,
wie ein verständig wort (miteinander) reden,
mit hinaussetzung über vorurtheile, persönlichkeiten, leidenschaften u. dgl.; man kann kein kluges wort mit ihm reden. Adelung,
so sagt man besonders von leidenschaftlichen menschen, freilich auch von närrischen [] 5@e@gγ)
natürlich auch im adv. (
was sich ja stets von selbst versteht): sein leben klug anstellen,
vitam sapienter instituere. Steinbach 1, 877; es ist klug gethan,
sapienter factum est. das.; klug das gespräch zu lenken und wenden verstehend. Göthe 40, 301; und ich weisz, ich stehe vor euch, dem gebildeten manne, der sich klug mit jedem beträgt und gemäsz den personen. 40, 326. 5@ff)
am einfachsten tritt der begriff auf in nicht klug gleich dumm. 5@f@aα)
eigentlich gleich närrisch, von sinnen, toll, verrückt;
ganz gleich heiszt es nicht gescheid,
und beide sind offenbar urspr. als sehr schonende ausdrücke gemeint: nicht klug sein,
insanire. Frisch 1, 525
b; und schrei als ob er wer nit klug. H. Sachs 1, 507
a; sie drescht (
fährt, tollt) manchmal im busche herum, als wenn sie nicht klug wäre. Weise
comödienpr. 120.
im volke ist das noch gebräuchlich, eben in schonendem sinne, gern mit dem zusatze im kopfe: du .. sollst deine mutter ehren, auch wenn sie nicht recht klug im kopfe ist. Arnim
schaub. 2, 260 (
das recht
mildert noch mehr); Ramires de Prado muszte nicht klug im kopfe sein, dasz er dem ehrlichen Rader wegen einer so guten absicht so übel mitspielen konnte. Lessing 8, 475. 5@f@bβ)
gewöhnlich und schon längst in abgeschwächter kraft gleich thöricht (
das eben auch urspr. '
verrückt'
war), unsinnig, verkehrt
u. dgl.: ein mahler wäre nicht klug, wenn er die rosen mit güldenen knöpfgen abmahlete. Weise
überfl. ged. (1701) 284; denn wer sich verliebet, der ist wol nicht klug. Günther 243; allein was stund in diesem schreiben (
antwort auf einen liebesbrief) ...? kein wörtchen mehr als diesz: 'mein herr, sie sind nicht klug!' Gellert 1, 79 (1784); bist du nicht klug, Franciska? Lessing 1, 584; sind sie nicht klug, herr Lelio? 1, 485;
Dromo. ja, ich bin nicht soldat, mich mit dem teufel zu balgen. disz gesagt, ohne dich erzürnen zu wollen, lieber geist.
Mysis. er ist nicht klug mit seinem geiste (
d. h. mit der wiederholten anrede '
geist'). 2, 559; das schwert ist kein spaten, kein pflug, wer damit ackern wollte, wäre nicht klug. Schiller 328
b; zwar unsere jungen leute sind oft mitunter nicht klug (
vor liebesverlangen).
Siegfried v. Lindenberg (1790) 2, 298; er thut wie nicht klug vor liebe. 'wie nicht klug'
braucht man im volke überhaupt als kräftigste steigerung, bänder wie nicht klug,
so viele oder so schöne; ebenso wie nicht gescheid, wie närrisch (närsch). 5@f@gγ)
auch klug
allein, bei gesundem verstande, vernünftig: ich finde in einer familie, worin wahnsinn erblich war, unter verschiedenen klugen nur ein wahnsinniges kind. Kant; lebe, trinke, liebe, lärme, kränze dich mit mir! schwärme mit mir, wenn ich schwärme, ich bin wieder klug mit dir. Hagedorn 3, 165
nach dem griech. 66)
bemerkenswert ist die verbindung mit auf,
zur bezeichnung des gegenstandes, an dem sich die klugheit äuszert. 6@aa)
mit accusativ: auf seine dinge klug sein,
ad rem suam sapere. Steinbach 1, 877; hasz, zanksucht, meineid und betrug (
betrüger) sind stets auf deinen schaden klug. Günther; mit den jahren wird man klüger auf etwas,
aetate sapimus rectius ad aliquid. Frisch 1, 525
b; werdet von tage zu tage verständiger und klüger auf eure wahren vortheile. Fichte
appellation 74,
es kann das auf
der richtung sein, wie in bedacht sein auf etwas, denken auf etwas;
doch steckt wol mehr dahinter, wie in sich verstehn (eingeübt, einstudiert sein) auf etwas,
mhd. gelêrt ûf seitspil
wb. 3, 175
b. 6@bb)
zudem galt früher auch der dativ: ein zimmerman .. der was chünstenreich und chluog auf seinem hantwerch.
gesta Rom. s. 85
c. 57; wie rechte klûc wêre der rîche kunic Salomon ûf allen dingen.
pass. K. 267, 74 (
vgl. 268, 31).
es erklärt sich vielleicht mit können auf
mit dat. (II, 2,
b).
s. auch klug
mit gen. unter 11,
b. 77)
besondere bemerkung verdient auch ein ironischer gebrauch, den es mit ähnlichen wörtern wie hübsch, schön, sauber, gut, recht
gemein hat, ein eigner ton beim sprechen macht ihn jedem hörenden klar: da hast du was kluges gemacht!
d. i. was [] dummes (
ebenso was gescheides); das war ein kluger streich!; wer ist denn da wieder einmal so klug gewesen?
hat was dummes gemacht, z. b. etwas zerbrochen in der wirtschaft (klug
gleich geschickt, s. 10); ei du bist einmal klug!
albern, oder auch superklug. ähnlich wenn Tasso (4, 3)
ironisch im zorn sagt (
obwol es auch an das klug
sp. 1276
oben streift): und wer gibt mir den rath (
ruhig zu sein)? wer dringt so klug mit treuer, lieber meinung auf mich ein? ... die zarte freundin! ha, dich kenn ich nun! Göthe 9, 205. 88) klug
ward auch im besondern von zauberkundigen gebraucht, die kluge frau
maga, saga, praestigiatrix Stieler 987. 2569,
noch unterm volke eine kluge (
auch weise) frau
die sich auf geheimkünste versteht, wahrsagen kann, z. b. Gryphius
Dornrose 91, 35; kein künstler und kein kluger mann, der sonst caninchen machen kan, verderbet unser spiel. Chr. Weise
überflüss. gedanken (1701) 169,
stört uns im liebesgenusz, ein witwer singt es als bräutigam, vorher: die hexen sollen mir nun keinen knoten knüpfen; viele jungfern sperren sich, ehe sie ihr ja! verlieren, lassen erst ein kluges weib ieden umstand auspunctiren. Picander 3, 337; kobolte, gespenster, drachen, kluge männer und schazgräber behaupten ihr verfallenes reich bei jezigen zeiten nur noch in gesindestuben. (K. Fr. Hommel)
kleine plappereien. Lpz. 1773
s. 450; es gibt hier kluge frauen, königin, die aus dem thee- und kaffeesatz wahrsagen. Schiller 594
a,
Turandot 3, 2. 99)
sparsam, karg, knapp. 9@aa) klug,
karg. Schönsleder f 4
a: im haus und da heim war jederman karg und klug, gegen andern .. mild. Aventin 121
b,
sparsam, wirtschaftlich, genau, wie noch bair., östr. Schmeller 2, 355, Höfer 2, 146, Castelli 142.
vgl. schon im voc. v. 1419 cluog essen oder trinken,
abstinentia. Auch förmlich für geizig: klug,
avarus, tenax. Megiser
dict. quatuor lingu. H 3
b; im werk ist sie arm, karg und klug, sie verheiszet und verspricht vil, helt und leistet aber wenig. Albertinus
narrenhatz 157.
eben so ist karg
ursprünglich klug, listig, und kündig
zugleich geizig, mhd. auch wîs an guote Lichtenstein 268, 22. 9@bb)
bair. auch für knapp, genau, z. b. so klug als ich aufgestanden bin,
kaum dasz ich, so wie ich aufgestanden war; vgl. klein
so sp. 1089
unten, wonach auch diesz klug
von der bed. 1,
b ausgehn kann. 1010)
geschickt, wol noch in unmittelbarem anschlusz an den unter 1
gegebenen alten gebrauch, vgl. besonders ahd. chleinî
f. ingenium artificis. 10@aa)
vom künstler: er was sô kluoc (
der snîder) daʒ er ûʒ mînen kleiden sneit im kleider
an. Frauenlob
frauenleich 14, 9; derselbe meister kluog (
Virgilius).
Dioclet. 4059,
vgl. 4065. 68; der welet ein holz .. und suchet einen klugen meister dazu, der ein bild fertige.
Jesaia 40, 20 (
vgl. weise werkmeister 3, 3). 10@bb)
es lebt wol nach in kluge hand
u. ä.: als wie ein frischer blumenstrausz, den eine kluge hand gebunden. Brockes 1, 105 (1728); der erste, der mit kluger hand der männer schmuck, den hut erfand. Gellert 1, 9 (1784); das er gepfropft und oculiert mit sichrer, kluger hand, das bäumchen. Göthe ...; schon führet klug des gartenmeisters hand durch busch und fels bescheidne wege her. 9, 321;
vgl. goth. handugs
weise, von handus
hand, eig. geschickt. 10@cc)
auch von dem gearbeiteten, mit dem alten nebenbegriff fein, zierlich, sinnreich: zeigt! das ist eine pracht von einem becher! von golde schwer, und in erhabner arbeit sind kluge dinge zierlich drauf gebildet. Schiller 352
b (
Picc. 4, 4); (
die biene) wirkt den süszen saft in ihren klugen nestern. Fleming 641 (513
Lapp.); sie (
die schwalben) wohnten in klugen nestern, wo liebchens fenster sind. H. Heine
buch d. l. 173; kostbarkeiten kluggedrechselt.
ders. romanzero 92.
von saitenspiel: wo in der schale springt der wein, wo kluge seiten spielen rein, wo süsze küsse fallen drein, da kan man herzlich lustig sein. Logau 3, 5, 5.
[] 10@dd)
volksmäszig nichts kluges
gleich nichts rechtes, nichts ordentliches, es wird nicht viel kluges daraus werden (
doch ebenso nichts gescheides): dem andern (
der nachtigall) sieht mans gleich an seinen federn an, dasz er nichts kluges singen kann. Gellert 1, 5. 1111)
einen eignen sinn und gebrauch gibt klug
von menschen in bezug auf einzelne dinge, einzelne vorfälle u. dgl., nicht als bleibende eigenschaft. 11@aa)
so in volksmäsziger rede: mach mich doch einmal klug, wie geht es denn mit dem telegraphen zu,
kläre mich auf, unterrichte mich; ähnlich mach mich klar
und ich bin klar; nach geschehener that klug sein. Rädlein 547
b; der geier! nun werde ich bald klug (
wird mirs bald klar). Lessing 1, 336. 11@bb)
früher hübsch mit dem gen. der beziehung: bei diesem allem wol bedracht, wie weit sich streckt des bundes macht .... dein bundgenossen sein des klug, si helfen dir nit wider fug. Soltau 1, 240,
wie sonst sind des weis,
sind dessen wol gewahr, merken, wissen es; denn des hetten sie guten fug (
anlasz, grund) und warens aus der schrift wol klug. Waldis
Esop 4, 90, 110.
so schon bei Rothe
rittersp. 1228 so kan man sîn obil (
übel) werden klûg,
wird durch die erfahrung in schlimmer weise gewitzigt. ebenso einst wîse,
wie noch unterm volke etwas weis werden,
merken, verstehn (
daher weis machen),
der gen. gieng nämlich durch das unsichere es
früh in den acc. über. 11@cc)
jetzt mit aus
statt des gen.: leute die aus allen beschreibungen, die man ihnen .. machen mag, nicht klug werden können. Kant 10, 172; ich für meine person gestehe, dasz ich mich eher zum gimpel sinnen würde, eh ich aus all diesem verfluchten zeuge klug werden könnte. Wieland 11, 238 (
Sylvio v. Ros. 1, 3, 7,
ausg. 1772 1, 262); wo niemand recht aus mir klug werden konnte. Göthe 23, 186; ich kann nicht klug aus ihm werden. Adelung,
weisz nicht was ich von ihm halten soll. 11@dd)
mehr zur hauptbed. zurückkehrend: wenn ich so (
plaudernd) fortfahre, wirst du am ende so klug sein wie am anfange. Göthe 16, 25,
wirst ebenso wenig von dem vorgange wissen; da steh ich nun, ich armer thor! und bin so klug als wie zuvor. 12, 29; jetzt bin ich wieder so klug wie vorher. Adelung,
habe nichts erfahren, verstanden, eine sehr gewöhnliche wendung, auch so klug wie ich erst war. 11@ee)
ähnlich von kindern in bezug auf geschlechtliche dinge: 'man musz die kinder nicht zu früh klug machen'; 'die werden noch zeit genug klug'; der gedanke des ehestandes hat für ein halbkluges mädchen gewiss etwas schreckhaftes. Göthe 19, 284 (
bekenntnisse einer schönen seele).
S. übrigens auch unklug, klug
n., aberklug, scheinklug.
wie klugbedacht
unter 4,
d, kluggedrechselt 10,
c, schreibt man ungut zusammenziehend klugbedächtig, klugersonnen, klugerwogen, klugdenkend
u. s. w., die dadurch nicht zu eignen worten werden.