unklug,
adj. adv. ,
gth. v. klug.
in den steigerungsformen ohne umlaut. seit dem 15.
jh. langsam neben älterem unweise
sich zur geltung bringend. mnd. unclouck
stultus Diefenbach
n. gl. 351
b; Strodtmann
Osnabr. 243; Bauer-Collitz 108
a; Fr. Reuter.
dän. uklog.
schwed. oklok.
vgl.aber-, dünkel-, wahn-, halbklug, unklüglich. 11)
gth. v. klug 5,
u. zwar a)
nicht gescheid, weltunklug, -unläufig (klug 5 a): ich bleibe ein unkluges kind Tieck 2, 276. b)
gth. v. klug 5 b, c,
wer sich auf seinen vortheil nicht versteht, unschlau, zu ehrlich, franz. impolitique, von sachen zweckwidrig, unangebracht u. ä.: von Cytharista, der seine verse nicht drucken läszt: entscheidet mir die frage, ob er mehr klug, mehr unklug ist Lessing 1, 31; Holtei
erz. schr. 17, 169; einer ... in ihrer klugheit selbst unklugen .. despotie Göthe 49, 348, 15
W.; aber so u. war E. nicht, um zu einer bewegung die hand zu bieten, die ... Ranke 14, 216; sein unklug-heftiges verfahren 1, 270; unkluge ehrlichkeit G. Keller 6, 198; desto unkluger wäre es, wenn ... Raupach
dram. werke ernster g. 5, 266; so hat er ... es u. angefangen Holtei
erz. schr. 3, 82; u. (
unrichtig) rechnen H. v. Barth
kalkalpen; höchst unkluger weise Möser 2, 343. c)
unvorsichtig, unüberlegt, unbesonnen, unbedacht, übereilt: man hat von jeher das unternehmen des jungen Konrads .. für u. und unüberlegt gehalten
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 88; unkluger jüngling Schiller 13, 374; du muszt nichts unkluges, nichts unklug von ihm verlangen Göthe 8, 268, 2
W.; u. und unvorsichtig Fontane I 4, 441.
vgl. unklugheiten
indiscretions, étourderies. d)
unverständig, dumm, ohne einsicht, thöricht, stultus Diefenbach
n. gl. 351
b: und was doch sunst nit ein unartig noch unkluog man G. Alt
b. d. cronicken (1493) 132
b; leute, die sonst nicht ganz u. waren G. Keller 4, 197; unkluges zeug Eichendorff 2, 383;
adv. Weckherlin 1, 343, 2;
subst. Gottsched
d. neueste 4, 543; Herder 6, 200.
vgl.klug 5 e. Adelung
verlangte für die edlere schreibart unweise,
das wir heute von unklug
wie weise
von klug (
s.klug 3, 4)
trennen. gelinder als dumm, thöricht, närrisch ( Campe),
vielfach euphemisch empfunden (Adelung, Krünitz). e) nicht klug (
s.klug 5 f
α,
γ)
vielfach entsprechend, verrückt, nicht recht bei sinnen, bei troste u. dgl.: Bauer-Collitz 108,
auch von einer rappeligen uhr 223; ihr wiszt, dasz unsre alte Gertrud seit einiger zeit krank und das ist, das man u. nennen musz Tieck 20, 350; frau! frau! ich werde u. im kopf! 5, 580.
beliebt in mundartlicher rede, im hausdeutsch, in der umgangsspr., in redensarten, aber auch literatursprachlich: Bauer-Collitz 203
a; dasz ich halb u. vom zeichnen ... bin, wird
F. v. St. sagen Göthe IV 8, 261
W.; u. werden
überschnappen Lichtenberg
briefe 3, 172; Heine 3, 173; sind sie u., junger mann? Holtei
erz. schr. 24, 75; sie sind u.! 37, 195; du bist wohl gar u.? 11, 357; 18, 177; unkluger B. Brentano
an S. Mereau 1, 71. einem unklugen blitzkerl (
des königs spaszmacher) A. W. Schlegel
Shak. 3, 330 (
Hamlet 5, 1); die schöne unkluge (
pilgernde thörin) Göthe 24, 90, 19
W.; Tieck 11, 171; J. H. Voss
krit. bl. 1, 390 (
1 Sam. 21, 15); bei toll und u.! Grillparzer 6,
[] 153; G. Keller 5, 115; wie ein unkluger, eine unkluge umherirren, rasen, laufen, lachen
u. dgl.: Bauer-Collitz 223
a; Engel 12, 205; G. Keller 4, 293.
wie närrisch, rasend
u. dgl. im nd. auch blosz steigernd '
sehr, stark' (Frommann
mundarten 5, 184): de junge is gans unklauk klauk.
abgeschwächt wie klug 5 f
β '
unsinnig, verkehrt'
u. dgl.: meines thörigen lebens, welches doch in der darstellung fast noch unkluger aussieht, als es an sich war Göthe IV 24, 73, 14
W.; J. H. Voss
ged. 2, 280; Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 156. 22)
gth. v. klug 9,
nicht sparsam, verschwenderisch: u. mit dem köstlichen wein verfahren Göthe IV 29, 247, 12
W. (
nach 1 c, d
verstanden)
; vielleicht auch Chr. Bruno
de officio mariti 12
b.
sonst unüblich. 33)
vielfach bezieht sich u.
wie klug 11
u. 5 a
γ (
vgl. schon unklug 1 b, c)
auf den einzelnen fall, ohne wesenseigenschaft zu bezeichnen: als er u. von einem abschüssigen ufer herab die klare welle schöpfen will Göthe 49, 124, 12
W.; 2, 145 (
Ilmenau 112);
auf die thörichten jungfrauen des evangeliums anspielend: ein sehr unkluges fräulein Heine 6, 246; er ... war so u., sich gleich ... mathematische werke zu kaufen Herwegh
briefe (1896) 361; wegen des unklugen und unzeitigen eifers Vischer
ästhet. 1, 307; Rückert 2, 254. 44)
sprichwörtlich: der klügste ist oft u.
quisquis plus justo non sapit, ille sapit Stieler 987; unklok regerd de welt un de knüppel de hund (
Rendsburg) Wander 4, 1462; Körte 204; Düringsfeld (1875) 1, 257
b. Pansner
schimpfwb. 73
b. —