Gebildete
auch Kleinschreibung, Pl für die Schicht od Klasse der Gebildeten 1
als der sittl Hochstehende, innerl Kultivierte, durch Besonnenheit, Milde, angemessenes Betragen, Abkehr von allem ‘Niedrigen’ u Rohen, dem Streben nach innerer Vervollkommnung sich Auszeichnende; iUz dem ‘Ungebildeten’, ‘Rohen’, ‘auf einer niederen Stufe der Kultur’ Stehenden [
anläßl des Todes Alexanders I] Weil jedoch in jedem Falle Besonnenheit die Haupteigenschaft ist, welche von dem G-n verlangt wird GWBB40,224,4 CarlAug 4.1.26 K [
Mittler:] Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Cultur. Sie macht den Rohen mild, und der Gebildet’ste hat keine bessere Gelegenheit seine Milde zu beweisen GWB20,107,8 Wv I 9 von dem Niedrigen, Sittenlosen wendet sich der G. mit Abscheu weg und wird in Erstaunen gesetzt, wenn es ihm dergestalt gebracht wird, daß er es nicht abweisen kann, vielmehr solches mit Behagen aufzunehmen genöthigt ist GWB42
2,471,9 Zu:Eurip,Kyklops Plp Wenn der höher G. von dem ganzen Kunstwerke die Einwirkung auf sein inneres Ganze erfahren und so in einem höheren Sinne erbaut sein will, so verlangen Menschen auf einer niederen Stufe der Cultur die Nutzanwendung von jedem Einzelnen GWB40,301,28 Rez:Hebel,Ged Schaubühne 36,55 Regeln fSchauspieler [G/Wolff]
uö 2
für den geistig Hochstehenden, Kenntnisreichen, Wissenden, durch geistige Interessen od Zielsetzungen Gekennzeichneten; auch idVbdg ‘der klassisch G.’; koordiniert mit ‘der Belesendste’, ‘Wissenschaft Liebende’, ‘Bildungsfähige’, iUz dem ‘Ungebildeten’, ‘Halbgebildeten’, der ‘rohen Masse’, dem ‘natürlichen Menschen’ Shaftesbury, den ich nur zu nennen brauche, um jedem G-n einen trefflichen Denker in’s Gedächtniß zu rufen GWB36,322,21 Zu brüderlAndenkWielands 1813 So schaffet Mannichfaltigkeit die höchste Lust, | Beschäftigt leicht den Geist und Sinn G-r, | Und bildet jeden, den zum Urtheil sie erregt GWB13
1,173 ProlHalle 1811 Vs 33 in dem geistreichen und kunstliebenden Kreise unserer Herzogin Amalie war es herkömmlich, daß Italien jederzeit als das neue Jerusalem wahrer G-n betrachtet wurde GWB32,132,11 ItR GWBB16,319,12 AWSchlegel 6.10.03 GWBB49,98,6 AHerder 30.9.31 GWB42
2,421,13 Plp GWB36,190,10 TuJ
uö in iron Selbstbezug Lessing .. läßt eine seiner Personen sagen: niemand muß müssen. Ein geistreicher frohgesinnter Mann sagte: wer will, der muß. Ein Dritter, freilich ein G-r, fügte hinzu: wer einsieht, der will auch
19) GWB42
2,182,24 MuR(542) 3
negativ od skept-distanziert: der Gebildete gekennzeichnet durch Symptome der Überbildung, die Unfähigkeit zu starken Empfindungen, (im künstlerischen Bereich) zu naturnahen Ausdrucksformen ua Diese Liebe, diese Treue, diese Leidenschaft .. lebt, sie ist in ihrer größten Reinheit unter der Classe von Menschen, die wir ungebildet, die wir roh nennen. Wir g-n — zu nichts verbildeten AA95,28 Werth
2 II wir fordern das Gewissen aller G-n auf, ob sie sich wohl in gleichem .. Falle [
wie Hiller] so viel Mäßigkeit des Selbstgefühls und Betragens zutrauen dürften GWB42
2,25,16 Rez:Hiller,Ged haben jene [
die Volkslieder] immer das voraus, daß natürliche Menschen sich besser auf den Lakonismus verstehen als eigentlich G. GWB42
2,177,14 MuR(515) GWBN11,126,24 MuR(557)
uö → GWB
abbilden GWB
anbilden GWB
ausbilden GWB
durchbilden GWB
einbilden GWB
festbilden GWB
fortbilden GWB
gleichbilden GWB
heranbilden GWB
heraufbilden GWB
herausbilden GWB
herüberbilden GWB
hervorbilden GWB
hinabbilden GWB
hinaufbilden GWB
hineinbilden GWB
hinüberbilden GWB
Künstlerbilden GWB
miß- GWB
nach- GWB
Rein- GWB
rückwärts- Theorien- GWB
über- GWB
um- GWB
ver- GWB
vor- GWB
weiter- GWB
zu- GWB
zusammen- GWB
allergebildetst GWB
Andersgebildete GWB
bestgebildet gesellig-GWB
gebildet GWB
halbgebildet GWB
hochgebildet GWB
höchstgebildet GWB
Leichtgebildete GWB
Norddeutschgebildete GWB
rauchgebildet GWB
rohgebildet GWB
schlankgebildet Sichbildende GWB
sittlich-bildend GWB
unausgebildet GWB
ungebildet GWB
Vielgebildete GWB
Weniggebildete GWB
wildgebildet GWB
wohlgebildet GWB
zartgebildet GWB
Abbildung GWB
Anbildung GWB
Ausbildung GWB
Einbildung GWB
Fortbildung GWB
Gebilde GWB
Nachbildung GWB
Überbildung GWB
Umbildung GWB
Verbildung GWB
Zusammenbildung vgl zu A1 GWB
abbilden GWB
darstellen nachahmen nachbilden GWB
kopieren zu A2 GWB
ausbilden GWB
einbilden GWB
imaginieren vorstellen zu A3 GWB
ausdrücken, ausdrucken(sich a.) sprechen(aus etw s.) widerspiegeln spiegeln zu A4 GWB
darstellen zu B GWB
formen GWB
gestalten zu B 1 a und b GWB
bildeln GWB
bossieren GWB
herauskneten modeln zu B 1 e GWB
ausbilden(sich a.) GWB
entwickeln(sich e.) GWB
formieren(sich f.) GWB
Gestalt(G. annehmen) GWB
gestalten(sich g.) wandeln(sich w.) zu B 2 GWB
bestimmen modeln zu B 3 GWB
aufbauen(aufgebaut) GWB
bauen(gebaut) GWB
formen(geformt) GWB
gestalten(gestaltet) zu C 1 GWB
erzeugen GWB
hervorbringen GWB
kreieren schaffen zu C 2 a GWB
aufstellen zu C 2 a und b GWB
ausbilden GWB
entwickeln zu C 2 a und c GWB
ableiten zu C 2 b GWB
formieren zu C 3 GWB
aufbauen GWB
bewerkstelligen GWB
bewirken GWB
erzeugen schaffen zustande(z. bringen) zu C 4 GWB
ausbilden(sich a.) GWB
entwickeln (sich e.) zu C 4 a GWB
entstehen GWB
erzeugen(sich e.) wandeln(sich w.) zu C 5 GWB
ausmachen GWB
erzeugen GWB
formieren GWB
konstituieren zu D GWB
entstehen GWB
entwickeln GWB
formen GWB
gestalten GWB
hervorbringen zu D 2 u 3 GWB
ausbilden GWB
formieren GWB
konstituieren werden zu D 2 modifizieren wachsen wandeln zu D 3 GWB
konsolidieren zu E 1 a GWB
bestimmen zu E 1 b und c GWB
aufklären GWB
erziehen GWB
fördern GWB
formen GWB
belehren GWB
berichtigen schulen zu E 1 d GWB
aufklären(sich a.) GWB
ausbilden(sich a.) GWB
bearbeiten(sich b.) GWB
entfalten GWB
entwickeln(sich e.) GWB
fördern GWB
erzeugen(sich e.) werden zu E 2 GWB
ausbilden GWB
bearbeiten GWB
entfalten GWB
entwickeln GWB
erheben nähren ordnen Richtung(R. geben) üben veredeln verfeinen vollenden(sich v.) zu E 3 a und b GWB
ausbilden zu E 3 a GWB
belehren GWB
dressieren GWB
erziehen GWB
formen unterrichten unterweisen zu E 3 b GWB
entfalten(sich e.) GWB
entwickeln(sich e.) zu E 4 GWB
ausbilden zu E 4 a GWB
anleiten GWB
fördern unterrichten unterweisen zu E 4 b GWB
entwickeln(sich e.) GWB
herausbilden steigern(sich s.) üben vollenden(sich v.) zu E 4 c GWB
fördern(sich f.) zu E 5 GWB
ausbilden GWB
heranziehen GWB
anziehen qualifizieren(sich q.) zu E 6 GWB
belehren(sich b.) GWB
erziehen zu gebildet 1 b GWB
edelmütig GWB
empfindsam GWB
geschmackvoll zartfühlend zu 1 c GWB
liberal GWB
mäßig tolerant zu 1 d GWB
gesittet GWB
klug verständig zu 1 e GWB
gelehrt GWB
kenntnisreich unterrichtet wissen(w-d) zu 1 f GWB
gesittet kultiviert zu 2 u 3 u 4 kultiviert zivilisiert zu 2 GWB
fein GWB
gelehrt verfeinert zu 3 u 4 GWB
gesittet zu 3 GWB
gelehrt GWB
hoch zu 4 GWB
hochgebildet GWB
höchstgebildet zu Gebildete 1 GWB
gesittet(G-e) zu 2 GWB
Gelehrte wissen(W-de) 1) zur Begriffsentwicklung vor G vgl ISchaarschmidt, Der Bedeutungswandel der Worte ‘bilden’ u ‘Bildung’, 1931; Neudr in: Kleine päd Texte, 1965; zum zeitgenöss Bildungsbegriff s Brunner/Conze/Koselleck, Geschichtl Grundbegriffe 1,508ff 2) vgl in diesem Zshg CGünzler, Die Bedeutung des Aristotelischen Hylemorphismus für die Naturbetrachtung G-s, Zs für philos Forschung Bd 21, 1967,H 2,208—241 3) am 2.7.76 mit den Worten Als ich für dich zeichnete an der Ilm.
d. 29. Jun. 76. Zwischen Mittag und l ( GWBB3,83,8f)
an ChStein gesandt 4) Beide Bed sind in der G-Zeit üblich u verbreitet. Adelung u Sulzer beschränken die Bed iS der Aufklärungsästhetik ganz auf den Nachahmungsaspekt, Kant bezieht unter den erweiterten Gesichtspunkten von ‘Sinnenwahrheit’ u ‘Sinnenschein’ Bau- u Gartenkunst mit ein. Einen Überblick üb die zeitgenöss Kategorisierungsversuche gibt WTKrug, Versuch einer systemat Enzyklopädie der schönen Künste, 1802 5) seit 1815 Motto der Ged-Abt ‘Kunst’ 6) vgl GStorz, Mignons Bestattung. In: Ders., G-Vigilien, 1953,136—148, insbes 145 f 7) vgl G-s Eigenkommentar zu der Stelle Sp 699,53ff s v Bildung 8) mBez auf Herders ‘Fragment’ III 1,6, in dem ‘Gedanke und Wort’, ‘Empfindung und Ausdruck’ in dem platonischen Verhältnis von Seele u Körper gesehen werden 9) G-s Ansicht von der ‘ursprünglichen Identität’ der Pflanzenteile, die er auch auf den tierischen Organismus überträgt, ist in den epigenetischen Theorien früherer Jahrhunderte, insbes aber bei CFWolff, dessen Schr ‘De formatione intestinorum ..’ G in der JFMeckelschen Übs von 1812 kennenlernt, in Ansätzen vorgebildet. Vgl den anläßl der Neuveröffentlichung der ‘Metamorphose der Pflanzen’ in MorphH entstandenen Aufsatz ‘Entdeckung eines trefflichen Vorarbeiters’ GWBN6,148—157
10) Die G-s dynam Gestaltbegriff prägnant erfassende Formel erscheint in zahlreichen Anwendungsbereichen u in versch Modifikationen (‘ausbilden und umbilden’, ‘formen und umformen’, ‘gestaltend umgestalten’, ‘Wandeln und Umwandeln’ ua). Frühester Nachweis der Vbdg s v bilden PhysiognFragm (Zit Sp 674,76ff). 11) G wendet sich gegen das vordergründige Finalitätsdenken der Aufklärungsphilosophie u führt die Funktionalität der Lebewesen auf ihre Umweltdeterminiertheit zurück. 12) In dem Schema sind die Begriffe ‘Form’, ‘Gestalt’, ‘gestaltet’, ‘gemacht’ und die Begriffe ‘Figur’, ‘Bildung’, ‘gebildet’, ‘gewachsen’ in zwei Kolumnen einander gegenübergestellt, ‘geformt’ verbindet durch seine Mittelstellung die beiden Begriffsreihen. 13) Nose betont an entsprechender Stelle lediglich den sukzessiven Aspekt: “Grösstentheils .. wurde das Bilden
angesehen als ein Schaffen
oder Erzeugen,
und dadurch das Thor zu leidigen Irrthümern .. geöffnet .. Nur umgebildet,
umgeformt wurde das Material vermittelst jener darauf einwirkender Kräfte .. Augenscheinlich wird ja dabei verwechselt die Umformung
der Stoffe mit dem Entstehen
derselben, die spätere Metamorphose
mit der frühern Genesis
” (S. 50f) 14) vgl den ausführl Eigenkommentar GWB41
1,217,24ff Üb:Urworte
15) vgl die Darstellung des Fellenbergschen Erziehungssystems bei KGuggisberg, PhFellenberg u sein Erziehungsstaat, 2 Bde, 1953; zu G-s Beeinflussung durch Fellenberg s Bd 2,420—434 16) die sog Bell-Lancaster-Methode, nach der fortgeschrittene Schüler (Monitoren) unter Aufsicht eines Lehrers Unterricht in den Elementarfächern erteilen; zu Carl Augusts Versuch, das System 1818ff an den Schulen des Landes einzuführen s PKrumbholz, Gesch des Weim Schulwesens. MonGermPaed 61, 1934,147—160 17) zur zeitgenöss Diskussion des Zusammenhangs von Bildung u Revolution s Brunner/Conze/Koselleck, Geschichtl Grundbegriffe 1,522ff 18) ISchaarschmidt, aaO, S76 verweist auf die myst Kontrastierung von ‘bildlich’ u ‘bildlos’ u deutet den Beleg als Vergeistigung (um den Preis der Entsinnlichung) 19) vgl Beschränkung Anm 2.Gertrude Harlass G. Ha.