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krank

ahd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

krank

Bd. 11, Sp. 2023
krank , infirmus, aegrotus, comp. kränker. II. Vorgeschichte des wortes. I@aa) goth. fehlt es oder ist nicht bezeugt, eigner weise auch ahd. (woher hatte J. Grimm gramm. 2, 281 chranh fragilis?), gewiss nur durch zufall, wie alts.; denn da es im 11. jahrh. als rheinfränkisch bezeugt ist, 'debilis cranker' Nyerup 322, so kann es auch in jenen beiden benachbarten gebieten nicht gefehlt haben, wenn es auch seltener sein mochte. auch ags. selten, cranc flexus, debilis, moribundus Ettm. 399 aus Lye. in einer altfries. rechtsquelle cronc todtkrank, cronkebedde sterbelager Richth. 879b. altn. krankr leidend, auch schlecht, schlimm, widerwärtig. I@bb) mhd. kranc, doch noch nicht in der heutigen bed., diese war vertreten durch siech, ahd. siuh, goth. siuks, ags. seóc, altn. sjûkr, n. syg. mnl. mnd. cranc wie mhd., nnl. nnd. krank wie nhd.; ebenso schwed. norw. (nichtn.) krank, isl. kránkur, auch franz. normann. cranche. endlich engl. crank, aber in der bed. frisch, munter, keck, ebenso cranky, aber diesz auch krank, wie schott. crank. I@cc) es gehört zu dem unter krampf besprochnen stamme und wird urspr. das eingeschrumpfte, schwächliche, kraftlose bezeichnen (vergl. unter kracke sp. 1930), doch wol zuerst von menschen, greisen oder gelähmten. das dazu gehörige starke verbum ist ags. noch zu sehen in cringan, crincgan, crincan, gecringan fallen, im kampfe, durch wunden (s. z. b. Andr. 1031), eig. wol das einziehen, zusammenfallen des plötzlich gelähmten körpers. daher noch engl. cringe zusammenziehen, krümmen, auch sich tief verbeugen (katzenbuckeln), nordengl. crinch to crouch together, ferner crinkle dial. gleich to rumple, shrink; schott. crank adj. ist noch zugleich infirm, weak (leidend) und crooked, distorted (verkrümmt, verdreht) Jamieson 1, 267a, der begriff des runden tritt deutlich auf in altengl. cranke garnwinde u. ä. (prompt. parv. 100b). die gleiche begriffsentwickelung zeigt lat. viere winden, vietus verschrumpft, welk, viescere welken. I@dd) das engl. shrink vorhin, einschrumpfen, zeigt den stamm mit s-, ags. scrincan (norw. skrekka, praet. skrakk), das unserm schrimpfen gleich steht, und diesz wieder dem krimpfen, wovon krampf, der vor alters auch kranch hiesz (s.krampf III, 7), vgl. engl. crank fallende sucht; der kreis der begriffe und der formen schlieszt sich mit schwed. krämpa kränklichkeit (neben krampa krampf), das dem nhd. kränke gleich steht, wie ahd. chramph krumm dem krank. weiteres unter krampf, kring. IIII. Das nhd. krank. II@11) die urspr. bed. leibesschwach, kraftlos, gelähmt ist noch tief ins nhd. gekommen. II@1@aa) von menschen, 'infirmus, languidus, debilis' voc. inc. teut., 'swach, plode (blöde), verlemt' voc. th. 1482 r 2b, ganz wie mhd., wo es im gegensatz mit stark, kreftic, veste erscheint. natürlich besonders von schwächung durch krankheit oder alter: ob der siech (der kranke) krank oder stark sei. Braunschweig chir. 39, danach soll sich die behandlung richten, man sieht wie scharf da noch krank und siech geschieden sind; antiquare, krang werdin. Dief. 38b, alterschwach; krank und onmachtig der kreft halben (in bezug auf die kräfte), invalidus, krank sein oder werden, languere, languescere. voc. inc. teut.; krank von einer wunden, aeger ex vulnere, 'krank und schwach' werden, viribus deficere, kranke und blöde glider. Maaler 251a; das er in seinem alter an seinen füszen krank war. 1n. 15, 23. daher mit schwach zusammen, das ihm da seine alte bed. sicherte: weren beidsammen krank und schwach (alte eheleute, in bezug auf das ehewerk). Wickram rollw. 75, 23. bei Stieler schon nicht mehr, obwol es noch im 17. jh. gebraucht scheint: wie elend ist er doch (Christus am kreuz), wie krank! wie matt! wie blasz! wie wund! wie zugericht! Fleming 8 (Lapp. 21, 219). II@1@bb) aber auch ohne jeden bezug auf krankheit oder schwächung, z. b.: daʒ kränker gesläht, das weibliche Megenb. 183, 10; daʒ sterker schol dem kränkern vertragen (nachsehen). 126, 12, vom zusammenleben von mann und frau; [] der schwache wird vom starken gschlagen, der kränkest musz das liecht auch tragen. Waldis Es. 1, 65, 18, d. h. sich zu niedern diensten hergeben, s. unter dilmann 2, 1150. II@1@cc) die alte bed. gilt bis heute weidmännisch: krank nennt man das wild, wenn es verwundet ist, oder auch wenn es von einer krankheit befallen ist. v. Thüngen waidmanns pract. 302; schiesze ich denn ein thier wiedewund, so lasse ich es etwas gehen, dasz es krank werde, nehme den hund u. s. w. Döbel 1, 107b, bis die wunde lähmend wirkt, noch die älteste bed., die auch der voc. th. 1482 ausdrücklich ansetzt in 'kranke, saucia' r 3b; vgl. bei Megenberg: wenn ain mensch nâhent zuo des rephuons nest, sô lauft diu si willicleich gegen demselben und tuot als ob si krank sei an einem fuosz oder an einem flügel. 215, 22. noch jetzt übrigens bedeutet nd. krank schwach. Dähnert 253b, krenke körperschwäche Schambach 112a (krankheit kranke f. 111b). II@22) die heutige bed., aegrotus, gegensatz von gesund; ebenso giengen lat. infirmus, languere, languescere, griech. ἀσθενής, ἄρρωστος allmälich in die bed. krank im ärztlichen sinne über, mlat. infirmarium, it. infermeria, frz. infirmerie, engl. infirmary ist geradezu krankenhaus, auch valetudo gesundheit ist eig. stärke. es werden anfangs gern krank und schwach verbunden, da auch schwach allein so gebraucht war, wie stark für gesund, s. nachher unter a aus dem Eulensp. 97 und aus Strobel. II@2@aa) mhd. ist kranc so nicht belegt, musz aber schon im 14. jh. bestanden haben (s. krankheit 2, kranken), ja früher (s.kränken 2). im 15. jh. hd. und nd. (s. Dief. s. v. eger, egrotus). beachtenswert ist, dasz Kil. nl. neben krank aegrotus besonders angibt 'krank, melaetsch, leprosus', krank am aussatz. den übergang aus der alten in die neue bed. zeigen stellen wie folg.: alsô schalt der herre den turnhüeter und sprach: du macht wol krang in dem houbete sîn (nicht recht bei sinnen). Nicolaus v. Basel 149; die wart siech, so tötlich krang, das der tot ir herz bezwang. H. v. Bühel Diocl. 29, v. j. 1412; er wart krank, siech und ser betoubt. Behaim Wiener 15, 24; du (wein) trostest die kranken in den spitaln. altd. bl. 1, 406 ein mann klagt über seine frau: kum ich zu ir und wil ains schimpfen (scherzen, beiliegen), so krümpt sie sich und wirt sich rimpfen und sagt sich krank und macht sich schwach. fastn. sp. 771, 15; Brant im narr. cap. 38 handelt von kranken die nit volgen (dem arzte), er schlieszt aber noch verwundete ein, siech v. 23 bezeichnet den kranken im heutigen sinne; elend und fast (sehr) krank ward Ulenspiegel. Eul. cap. 90; mein lieber sun, wa bistu krank? das.; als nun U. ie krenker ward. 93; und die saw und die jungen ferlin liefen zustrawet in dem spital (wo Ul. gestorben), so daʒ sie sprungen und liefen uber die pfaffen, uber die beginen, uber die kranken, uber die starken. 94; sie (die kranke messe) soll (wird) woll meer krank, taub und blöd werden von euwerm (der klagenden) geschrei, dan stark und lebend. die kranke messe, Strobel neue beitr. 1, 2, 52, immer noch mit dem gefühl des eig. begriffs. II@2@bb) im 16. jh. erscheint die neue bed. ganz gelöst von der alten (aber gewiss schon früher, schon unter a läszt sich doch manches so auffassen): der selbigen bruder Lazarus war krank. Luther Joh. 11, 2 und oft, selten aber siech; verletzte, erlegte (vor erschöpfung liegen bleibende), kranke knecht (kriegsknechte). Fronsp. kriegsb. 1, 65a, von verwundeten unterschieden, während urspr. diese recht eigentlich kranke waren. es bezeichnet jetzt meist das vorhandensein einer bestimmten und zwar inneren krankheit, unterschieden von siech, leidend, ungesund, kränklich, unwol, unpasz u. a.: selbst bin ich doch eben auch nicht krank, sondern blosz nicht gesund. ich habe ein schlimmes fluszfieber gehabt, und habe es noch. Lessing 12, 540. es heiszt schwer krank, zum tode oder todtkrank, sterbenskrank, ferner fieberkrank, gichtkrank, pestkrank u. a., brustkrank, unterleibskrank, augenkrank, milzkrank u. a., auch seekrank (schiffkrank Wilw. v. Sch. 177), schulkrank, scheinkrank. II@2@cc) natürlich auch von einzelnen körpertheilen: chiragra, ein krangk hand. Dief. n. gl. 91b; kranke milz, kranke leber, kranker zahn u. s. w. II@2@dd) substantivisch (schon unter a mehrfach), der kranke, die kranke, öfter doch, den ärzten abgelernt, patient, patientin: welcher krank kein wib nit het, der musz lang siechen in dem bett. Murner geuchm.953 Scheible; [] er machte das gemeine sprichwort war 'da der krank genas, je ärger er was'. Simpl. 1, 578, war er ärger als zuvor Frisch 1, 543c; jetzt drang weiter kein laut laut aus der kerkerwohnung der edeln kranken. Thümmel 6, 54. Früher selbst von thieren ein kranker, wo man jetzt wenigstens das neutr. brauchen würde: die kámelthier haben einander dermaszen lieb, dasz sie immerdar begeren, samentlich und miteinander zu essen. wofern auch ein kranker under ihnen verhanden, der nit essen mag, alsdann ist ein notturft, dasz man ihne ausz ihrer gesellschaft hinweg thue, seitemal von wegen seines fastens die andern gleichfals fasten und nichts essen würden. Albertinus der welt schauplatz 227. II@2@ee) es wird mit an verbunden, um den kranken körpertheil zu bezeichnen: krank an der milz, krank an leib und seele (wie gesund); aber auch vom grunde der krankheit: krank an der auszehrung, am fieber u. a.: wer nur am regen krank gewesen, der mag durch sonnenschein genesen. Uhland ged. 64. mit von: krank vom ärger; ward er krank von der hitze und starb. Judith 8, 3. mit vor: legt sich nieder und ward fur leid krank. 1 Macc. 6, 8; ich bin krank fur liebe. hohel. 2, 5; vor ärger, zorn, sehnsucht, dazu liebeskrank, liebekrank, heimwehkrank. für niederkommen sagte man auch: grüsz euch, gevatter, meine Liese wird heute zu dem kinde krank. volkslied. II@2@ff) seelenkrank, geisteskrank, herzenskrank: krank fleisch, kranker geist. Simrock spr. 2511. Schottel 1134a; krank am herzen, traurig, bekümmert, aeger animi. Maaler 251a; mnd. dâr van em wart sîn herte krank. Haupt 5, 393, 330. arm am beutel, krank am herzen. Göthe 1, 198; noch macht der saft der purpurtraube des menschen krankes herz gesund. Hölty 252. II@2@gg) gleich krankhaft (zugleich bildlich): er hat kranke farbe, ein krankes ansehen; sein schönes angesicht, das schon kranke blasse farben trug. J. Paul Tit. 3, 185; weine dich aus, nur lasz diesz kranke zucken. Körner Zriny 2, 3; nun reiszt sie ziegellos (so), die kranke phantasie, ihn fort. Lessing 2, 511; die kranke ruhmbegier. Gökingk 1, 63; seine kranke empfindlichkeit, die über ihn herscht und seine gefühle bis zum peinlichen treibt. Schiller 1201b; ein krankes toben. J. Paul Tit. 3, 167; mir will das kranke zeug nicht munden, autoren sollten erst gesunden. Göthe 3, 250. bildlich schön bei Fleming: bald kömmt der fröde herbst mit seinen kranken lüften, mit dem (so) er alle zier weisz tödtlich zu vergiften. 124 (38 Lapp.), wo nicht krank machend gemeint ist (vgl. u. kränken 2), nachher nennt er das. die herbstlichen bäume krank. II@2@hh) krank sein, wofür kranken wenig gebraucht ist, heiszt gern krank liegen, wie darnieder liegen, sich legen: juwe vader krank lach to bedde. Rein. vos 5289; unsre fürstin lieget krank. Logau 2, 120, 4; entsprechend krank fallen (vgl. unter krankheit 2), wie engl. fall sick, frz. tomber malade, gewöhnlich krank werden, gewählt erkranken: und war darob so höchst betrübet, dasz aus überhäuften schmerzen er endlich krank zu bette fiel. Hoffmannswaldau getr. sch. 43. selbst, wo von liegen keine rede mehr ist: Alexander Magnus, der schon lange an solcher regiersucht krank gelegen. Pasquini staatsphantasien (1697) 216; bin ich denn etwa ein mann, der an der einbildung krank liegt? Gellert 1784 3, 392. und bildlich: dem groszen geltmangel, an welchem die vorige und alte zeiten sehr krank gelegen. Schuppius 783. II@2@ii) sich krank lachen, von überwältigendem lachen, vielleicht noch nach 1: solt euch des narrn halb krank lachen. J. Ayrer 401b; dasz wir die bäuch mit beiden henden heben (halten) und endlich aufhören musten etwas weiters zuerzehlen, wolten wir anders nicht krank übrigen lachens werden. Simpl. 1, 714; ich habe mich bald (fast) krank gelacht über ihn; ha! ha! ha! zum kranklachen! Fr. Müller 2, 112. [] auch so: wofern einer auf einem hohen thurn stünde und alle bemühungen der weltmenschen sehe, so würde er sich gewisslich zu krank lachen oder wainen. Albertinus narrenh. 147; auch Bukos geist, der stadtprophet ... hat schon nach euch sich krank gefragt. Kl. Schmidt poet. br. 50, volksmäszige übertreibung, wie sich krank wundern u. a.: hab ich mich doch bald krank gewundert. Bechstein deutsch. mus. 1, 250 (17. jh.). II@2@kk) krank sein nach etwas, von heftigem, schmerzlichem verlangen, wie mhd. mir ist wê nâch .., vgl. unter kränken 5, e: nach dir so wird ich krank. Uhland volksl. 130; ich bin, schatz, krank nach dir. komm, lasz mich nicht so quälen. Fleming 607 (513 Lapp.); arzt (Christus), ich bin krank nach dir. 546 (444 L.); ich bin, schatz, krank nach dir. zeit. f. d. elegante welt 1838 s. 936. tirol. ganz krank sein auf etwas, sehnsüchtig danach verlangen. Schöpf 339. II@2@ll) auch von pflanzen, die lebend gedacht werden (wie gesund, todt, absterben u. a.): die bäume sind krank seit dem hagelschlag; der rosenstock ist krank. auch kranke trauben, kartoffeln u. ä.; bildlich von einem stammbaum: dankt mirs, Franzosen, dasz ich den kranken stamm mit reinem zweig veredle. Schiller 455b. in handelsberichten ist von krankem weizen u. dgl. die rede, schadhaftem, notreifem, aber auch von kranker waare, beschädigter (Weserzeitung 1859). II@2@mm) von unsinnlichen dingen, insofern sie belebt gedacht werden: damit errettet würd mit glückseliger hand vom vorstehenden tod das kranke vaterland. ged. v. 1632, Opel u. Cohn 30j. kr. 283; so hat die christliche religion kranke stellen, die schlechterdings keine betastung dulden? Lessing 10, 192; was sollen deine götter, des kranken weltplans schlau erdachte retter? Schiller 21a (resign.), fast mehr nach 3, wie mhd.; der staat ist krank (erkrankt), wie man da auch von heilung, heilmittel, arzt u. dgl. spricht; krank ist die zeit; doch glaubs, sie musz gesunden, nicht alter lallt aus ihren schweren wehen, nein jugend, so an altes noch gebunden. Dingelstedt ged. 163; man spricht von der culturkranken zeit. II@2@nn) auch von leblosen dingen, die damit als belebt gedacht werden: der sturm flog klippenhoch, der mast gieng über bort, so must' auch der meisen (besanmast) von grund aus mitte fort. so trieb das kranke schiff, mit tiefen ganz beschlossen, mit wasser unterschwemmt, mit wellen übergossen, des wetters leichter ball. Fleming 80 (168 L.), wie er ein gescheitertes schiff das todte schiff nennt s. 82. 104, da starb das edle schiff 204, vgl. übrigens kränken 4, a vom schiffe, wonach diesz krank schifferausdruck zu sein scheint, trefflich stimmend zu der alten vermenschlichung des schiffes; indem kein stern die bange nacht erheitert, verirret sich das kranke schiff und scheitert. Uz 1, 57 (86 1768). oberbair., tirol. heiszt es vom abnehmenden monde, er ist krank, vom schnee, wenn er zuerst ins schmelzen kömmt. II@33) Schwach in allgemeinstem sinne; so mhd. in vielfältigem gebrauche (s. auszer dem mhd. wb. Schmeller 2, 389 und Mones beispielsamml. anz. 8, 542), und noch im 16. 17. jh., nl. aber bis heute (z. b. een kranke troost, ein schwacher trost, een krank gebouw baufälliges haus); es ist unmittelbare übertragung von 1, z. b. kranke, schwache verdauung: gsundheit sprach: auch erhüngerst du die leut, machst in die dewung krank. H. Sachs 1, 462d. bei dichtern einzeln noch in neuerer zeit, wol aus lectüre: gar innig ward Sarpedon dessen froh und rief mit matter, kranker stimm' ihn an. Bürger 166; krankes roth noch tief im westen dämmernd. Kosegarten; ein matter, kranker strahl. Tiedge. hervorzuheben scheint besonders folgendes: II@3@aa) von streitkräften: als lang derselb krieg wert, wan herzog Ludwigs folch ausz zoch uf ir feind, so gelang in allweg wol zuo veld, ob (obgleich) si vil krenker waren dann ener (jener) tail. Augsb. chron. Mones anz. 6, 378, städtechron. 4, 121; [] lieben fründ, lând uns nit gâchen (eilen), disem folk (kriegshaufen) sind wir zu krank. Lenz Schwabenkr. 65b. II@3@bb) vom menschen und seinem thun: und ein solcher gebraucht sich itzund hoher wort, der dann mit kleiner und kranker stimme reden wirt. Aimon bog. 1, kleinlaut; da hört und hört er nicht ein weinen und ein ach, so sehr war diese stimm' ermüdet, krank und schwach. Werder Ariost 11, 33, 4, it. debole; Luther von Moses stil: zu weilen über die masz reich ist und daher schwemmet mit worten, widerumb auch zu weilen so krank, das er kaumet tröpfelt und viel ding mit einem wort ausrichtet. 4, 53a, er hat einen bach im sinn, der krank ist; undank, undank macht gutthat krank. meisterl. b. Morhof unterr. (1718) 315a, schwächt, lähmt sie, macht sie zu nichte; zu hof ist oft die tugend krank. Schottel 991; brüderlich lieb, die ist (jetzt) ganz krank. Kohlros betrachtn. D ijb; ja, menschen dank ist schwach und krank, verschwindet mit den jahren. Rist himl. lieder 2, 121. II@3@cc) von sinn und geist: da wär mein kranker sinn (verstand) schuldig an, dasz ich mich nicht pasz kund verstan. fastn. sp. 409, 2; fürwar ich bin nit so hart von leib, als ir von sinnen krang gewesen. Schöfferlins Livius 168b; der man findet schwacheit und kranken mut (sinn) am weibe, sie zörnet leichtlich, wänet immer sie werde verachtet und nicht genug geliebet. Fischart ehz. 538 Sch. II@3@dd) von vermögensverhältnissen, vermögen ist ja eig. valere: krank und arm, egenus. voc. inc. teut. n 6a. Dief. 196c; es ist nicht zu viel (das geld zum schmaus) .. und dürft euch deswegen nicht so gar krank anstellen, wir wissen wol in welchem vermögen die euren seind. Schoch studentenleben H 5a. so krank im beutel Fischart groszm. 56 (589), beutelkrank, krank am gelte, geltkrank, armkrank Stieler 1025. mhd. guotes krankheit, an guote kranc g. Gerh. 935. 891. II@3@ee) auch von dingen, die damit eigentlich als lebendig gedacht sind: eins wil ich ûch rôten, daʒ ir die cappelle mit nûte (mit nichten) zuo einre sacristîgen machent, wanne die mûren sint zuo krang darzuo. Schmidt gottesfreunde 139; doch sich das schiff zu der wer stalt, aber es den zweien galeen zu krank war. Bocc. 1535 93a; wa sie zugen (die Hussiten), da floch iederman vor in ausz klainen kranken stetten. Augsb. chron. 2, 92, 17; dieser predigstul, lieben brüder, ist jetzund krank, es wirt von nöten sein, das man aus einer eiche einen andern mache, der stark und fest sei. Bebels facet. deutsch Frkf. 1589 5a; die schwachen und kranken gründ die bedörfen vil mistens und oft. Herr feldbau 23a; es ist nit leichtiglich zu wissen, wann man herbst machen soll, darum auch etlich kranken wein machen, die vor der zeit die trauben auspressen. 62b, ist doch auch nach 4 zu verstehn; ob schon der sallitter (salpeter) etwas feuchtigkait gewinne, so mag doch die koln darvon nit krank werden noch abnemmen. feuerbuch von 1591 bei Schmeller. II@3@ff) krank an wert: wær aber das gelt an dem korn und an der mark umb ain unz oder umb mer ze krank. alter münzbrief bei Schmeller; und wer es, das ein gelte an der marke umb ein vierteil eins quintins zu krang were, das sal man ligen lassen und nit uszgeben .... wer es aber das es mee dan umb ein virteil eins quintins zu krang were, so sal man es widder versmelzen. oberrhein. münzvertrag v. 1409, Mones zeitschr. 2, 424; so die obgenanten zehen jare usz sind (für die der fährpacht abgeschlossen war), so sol man die schiffung (schiffsverkehr) schetzen, wie guot (einträglich) sie dann zuor zit si. wes sie dann krenker were dann 65 gulden ... das sol Berchtolt uns .. heruszgeben. 9, 402 (1480), s. 413 ebenso swecher (1433). II@44) Daher überhaupt wertlos, gering, schlecht, nichtig, 'snode, swach, vilis' voc. th. 1482 r 3b, schon mhd. allgemein, wie swach. II@4@aa) z. b. ein nutzer pawman (bauer) und ein kranker, unorauchbarer. mon. boica 2, 514; so het Demosthenes muter messer und kranke hab fail. Muglein Valer. Max. 45a (Augsb. 1489); krankes zerrissens klaid. voc. 1482 r 3a; sein wasser liesz er mischen mit hunig, daʒ was sein getrank. sein essen was auch vil zu krank. Behaim Wiener 132, 20, [] auch nach 3, e zu verstehn. noch Günther von einem gedichte. und liest mir (himmel hilf! ietzt hat mein ohr gefahr!) ein krankes carmen vor. 389. II@4@bb) krankes leben, dem tode nahe. doch furchte ich, hetten si in bi dem halse, sin leben were werlich krangk. Haupts zeitschr. 8, 320, wäre nichts wert oder nichtig gewesen (vgl. u. kränken 4, b die stelle Uhlands volksl. 192), nach mhd. weise ironisch als starke verneinung, wie kleine (sp. 1095 e). II@4@cc) geistlich gemeint ist krankes leben im folg.: in diesem kranken leben. Ringwald ev. P 1a u. o.; die tage geben schein (glänzen in ruhm), weil (so lange) auf der kranken welt nur tage werden sein. A. Scultetus bei Lessing 8, 275. von 'diser kranken welt' ist lange vorher oft die rede in geistlichem sinne, z. b. bei Megenberg 162, 2, und ebenso heiszen weltliche dinge vielfach krank. II@55) mhd. selbst auf form und körper übertragen, wie schwach, dünn; jungfrauen heiszen dâ mitten kranc Parz. 423, 18, mit dünner taille, die selbst die krenke hiesz. auch für schlank, von einem rôseboum hôch unde kranc MSH. 2, 337a (MS. 2, 209a). in der schilderung eines edlen rosses heiszt es sîn houbet was rehte kranc Flore 2758, zierlich, schlank gebaut. diese bed. liesze sich selbst als die erste ansetzen, eig. eingeschrumpft, und an verwandtschaft von gracilis denken; die bed. der wörter mit denen diesz Curtius gr. et. 1, 122 zusammenstellt, würde völlig dazu stimmen, nur die lautstufe nicht.
21972 Zeichen · 531 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    krank

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    krank*AWB adj., nur in Gl. 3,384,64 (12./ 13. Jh., mfrk.) nom.sg.m. cranker . debilis: ‚hinfällig, schwach; debilis‘. – …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    krankAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    krank , Adj. nhd. schwach, kraftlos, schlapp, schwächlich, gebrechlich, altersschwach, hilfsbedürftig, niedergedrückt, w…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Krank

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Krank ,

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    krank

    Goethe-Wörterbuch

    krank häufig -ck, gelegentl Großschr; von rund 430 Belegen etwa zwei Drittel in Pkt 1a 1 von Krankheit, einem Übel befal…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Krank

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Krank heißt angeschossenes Wild; ist das Wild ohne äußere Verletzung ungesund, so sagt man, »es kümmert«.

  6. modern
    Dialekt
    krank

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    krank [kràk allg. ] Adj. krank. E Kranks ein Kranker Z. Spw. E Kranks spart nix a l s d Schue h Hf. Rda. gegen angeblic…

  7. Sprichwörter
    Krank

    Wander (Sprichwörter)

    Krank 1. Besser kranck vnd fromb, dann gesund vnd gottloss. – Petri, II, 38; Henisch, 1235, 63. 2. Besser krank als unte…

  8. Spezial
    krank

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    krank adj. 1 püre (püri, püra), amaré (-rá, -rada) 2 ‹fig› debl (-i, -a), en crisa. ▬ krank sein ester püre ; bist du kr…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit krank

440 Bildungen · 254 Erstglied · 180 Zweitglied · 6 Ableitungen

krank‑ als Erstglied (30 von 254)

krank 1

KöblerAfries

krank 1 , Adj. nhd. krank, schwach ne. sick (Adj.), weak (Adj.) Vw.: s. -bedd, -hêd, -lik Hw.: s. krenza; vgl. an. krangr, krankr, ahd. kran…

krankachtig

RhWB

krank·achtig

krank-achtig -a-, –ā- Sieg-Seelschd , Monsch-Rötgen , Kemp-SPeter , Mörs-Eyll ; -ęit- MGladb-Mülfort Adj.: et äs mer (mech) doch su kr. ich …

krankalôn

AWB

krankalôn sw. v. — Graff IV,614. krankoloti: 3. sg. conj. prt. O P 4,4,19. straucheln: imo ( Jesus ) then weg thagtun. Thaz datun sie ... th…

krankalōn

KöblerAhd

krankalōn , sw. V. (2) Vw.: s. krankolōn

krankarren

DWB

krank·arren

krankarren , krahnkarren , m. karren zum fortschaffen von waaren zum kran.

Krankarsch

RhWB

krank·arsch

Krank-arsch -āš Ahrw-Rolandseck Sinzig m.: stets kränkelnde Person.

krankasten

DWB

krank·asten

krankasten , krahnkasten , m. auf schiffen, kasten mit einem kranen an der steuerbordseite, zum wasserziehen.

krankbedd* 2

KöblerAfries

krankbedd* 2 , st. N. (a) nhd. Krankenbett, Sterbebett ne. sick-bed, death-bed Q.: E E.: s. krank, bedd L.: Hh 60a, Rh 879b

krankbett

DWB

krank·bett

krankbett , n. krankenbett. Fischart flöhh. 827 ( s. spalte 727 unten ).

krankbleich

DWB

krank·bleich

krankbleich , von krankhafter blässe: krankbleiche wangen. J. Paul ästh. 2, 69 .

krankebedde

KöblerMnd

kranke·bedde

krankebedde , N. nhd. Krankenbett, Krankenlager, Totenbett Hw.: s. krankenbedde E.: s. krankenbedde W.: s. nhd. (ält.) Krankbett, N., Krankb…

krankedach

KöblerMnd

kranke·dach

krankedach , M. nhd. „kranker Tag“ E.: s. krank, dach (1) R.: krankedāge (Pl.): nhd. Krankheit, Zeiten der Krankheit L.: MndHwb 2, 661 (kran…

krankede

KöblerMnd

krankede , F. nhd. Krankheit, Seuche, fallendes Übel, schwere Not, Benachteiligung, Schade, Schaden (M.) Hw.: s. krenkede E.: s. kranken L.:…

krankelīk

KöblerMnd

krankelīk , Adj. Vw.: s. kranklīk

krankelīken

KöblerMnd

krankelīken , Adv. Vw.: s. kranklīken

kranken

DWB

kran·ken

kranken , krank sein, früher auch krank werden ( jetzt erkranken), mhd. kranken: daʒ mir mîn lîp nû kranket. livl. chron. 3661 , dasz ich le…

Krankenauto

SHW

Kranken-auto Band 3, Spalte 1757-1758

Krankenbett

SHW

Kranken-bett Band 3, Spalte 1757-1758

Krankenhaus

SHW

Kranken-haus Band 3, Spalte 1757-1758

Krankenkost

SHW

Kranken-kost Band 3, Spalte 1759-1760

krank als Zweitglied (30 von 180)

*skrank

KöblerAs

*skrank , st. M. (a?) Vw.: -tūn* Hw.: vgl. ahd. skrank* (st. M. a?) E.: s. germ. *skranka-, *skrankaz, st. M. (a), Schranke, Gitter; vgl. id…

Ɉammerkrank

Campe

Jammer·krank

◬ Ɉammerkrank , adj . u. adv . vor Jammer krank, vom Jammer danieder geworfen. »Sein jammerkranker muthloser Geist.« Kretschmar. (R.)

AIDS-KRANK

DWB2

aids·krank

DWB2 AIDS-KRANK adj. DWB2 ( auch substantiviert ) DWB2 1985 man hat auch schon AIDS-kranke kinder festgestellt wochenpost 40,19 a . AIDS-kra…

ALKOHOLKRANK

DWB2

alkohol·krank

DWB2 ALKOHOLKRANK adj. DWB2 zu alkohol 2 : DWB2 1979 die individuellen ursachen, die einen menschen .. nicht alkoholkrank werden lassen alko…

altkrank

DWB

alt·krank

altkrank , diu aegrotus: altkranke augen. J. Paul Fibel 216 .

atomkrank

LDWB2

atom·krank

atom|krank adj. amaré a gauja de raiaziuns atomiches, amaré a gauja de radioativité atomara.

Bauchnervenkrank

Campe

bauchnerve·n·krank

○ Bauchnervenkrank , adj. u. adv. krank an den Bauchnerven (hypochondrisch); daher der Bauchnervenkranke ( Hypochondriacus).

bettkrank

RhWB

bett·krank

bett-krank RhWBN Adj.: RA.: Den os bettcheskrank on schottelchesgesond Prüm-Ihren .

Blatternkrank

Campe

blattern·krank

Blatternkrank , adj. u. adv. an den Blattern krank, von den Blattern behaftet, befallen. Daher der Blatterkranke oder Blatternkranke.

blutkrank

PfWB

blut·krank

blut-krank Adj. : nach dem Schd., blutkrank [verbr.]. SHW Südhess. I 968 .

bostkrank

MeckWB

bost·krank

Wossidia bostkrank brustkrank: dee is bostkrank an 'n Kopp er ist verrückt Wo. Sa.

burstkrank

WWB

burst·krank

burst-krank Adj. ⟨ buorst- ( Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm Unn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@Siddinghausen Si ), buost- ( Kr. Beckum B…

darmkrank

WWB

darm·krank

darm-krank Adj. idW.: He is diärmkrank er hat Blinddarmentzündung ( Kr. Beckum Bek Lb).

dodenkrank

MeckWB

doden·krank

Wossidia dodenkrank Adj. todkrank: Reut. 1, 52; 54; min Feinsliebchen wir dodenkrank im Leberreim Lu Ludwigslust@Stresendorf Stres .

dodenskrank

MeckWB

doden·s·krank

Wossidia dodenskrank sterbenskrank Ma Malchin@Brudersdorf Brud ; Sta Stargard@Blumenholz Blumenh ; Wa.

dodkrank

MeckWBN

dod·krank

Wossidia dodkrank todkrank: dei Möller würd' dodkrank S. Neum. Volksm. 218.

dod'skrank

MeckWB

dod·s·krank

Wossidia dod'skrank todkrank: dee is dod'skrank worden Sta.

drehkrank

DWB

dreh·krank

drehkrank , adj. und adv. mit der drehkrankheit behaftet. ein drehkrankes schaf.

drög'krank

MeckWB

droeg·krank

Wossidia drög'krank wie drög'ful, beide Wörter in Sta @ gegenüber sonstigem bomig.

Ableitungen von krank (6 von 6)

bekranken

KöblerMhd

bekranken , sw. V. nhd. „bekränken“, schwach werden Hw.: vgl. mnl. becranken Q.: LivlChr (Ende 13. Jh.) E.: ahd. bikrankēn* 1, sw. V. (3), „…

erkranken

DWB

erkranken , debilitari, infirmari, incidere in morbum: das kind ist plötzlich erkrankt; im sommer erkranken viele an der ruhr; sie erkrankte…

erkrankung

DWB

erkrankung , f. valetudo infirma.

kranke

DWB

kranke , m. , s. DWB krank II, 2, d, und das subst. krank a. e.

unkrank

DWB

unkrank , adj. : mit unkrancker mine ( von einer kranken ) Galenus des verliebten frauenzimmers schulkrankheit (1683) 14 ; nl. onkrank. unüb…

verkranken

DWB

verkranken , verb. durch krankheit zu grunde gehen. einfaches kranken durch ver verstärkt. mhd. ist das intr. zeitwort nicht nachgewiesen, j…