lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

ungeschaffen

mhd. bis GWB · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
7 in 7 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
21
Verweise raus
14

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungeschaffen

Bd. 24, Sp. 828
ungeschaffen (i. ä. spr. oft unschaffen), part.-adj. adv. zu schaffen, geschaffen, gegenstück zu geschaffen th. 4, 1, 2, 3814; th. 8, 2017. ags. ungesceapen; ahd. ungiscaffan; mhd. ungeschaffen; mnd. ungeschapen; mnl. ongescapen; nl. ongeschapen. zur st. u. schw. form vgl. th. 8, 2017, Staub-Tobler 8, 323 ff. u. unten ungeschafft. in der bed. deformis (Zarncke narrensch. 207a) noch im 18. jh. in den wbb. (z. b. bei Kramer, Rädlein, Dentzler, Castelli, Frisch, Steinbach, Kramer-Moerbeek) verzeichnet, letzter schriftsprachlicher beleg unten 1748 (von lit. halbmundart abgesehen); Adelung erklärt 3, 1326 diese bed. für oberdeutsch, Campe die bed. 'unverständig' für veraltet, während er 'miszgeschaffen, häszlich' für brauchbar hält und als z. th. von neueren gebraucht bezeichnet. dann bleiben diese bedd. i. a. nur mundartlich lebendig; z. b. Staub-Tobler a. a. o.; Schmidt els. 379a; schwäb. wb. 451; Birlinger 421b; Schmeller 2, 378; Schöpf 586; Hügel Wien 176; Unger - Khull 610a; vgl. Rosegger. aus berufsspr. Kindleben stud. 197 ndr.; Höfler 551b. s. a. unbeschaffen, unerschaffen, miszgeschaffen, miszschaffen, wahn(ge)schaffen und bes. ungeschafft. ohne zu schaffen Staub-Tobler 325, 2 b; ohne etwas ausgerichtet zu haben ebd. 2 a; Aventin 4, 458, 21; ungeschaffener sachen Fischart ehzb. 134, 8 H. ungeschaffne wat (gth. geschaffnes kleid) Grimm rechtsalt. 2, 154. increatus Alberus m 4a, unerschaffen als eigenschaft der gottheit, unbeschaffen 1, überirdisch (mnl. wb. 5, 671), ewig, uranfänglich, chaotisch: ahd., mhd., mnl., nl.; Folz meisterl. 35, 28 ff. M. vgl. ungesachet 33, 8; ungeschöpft betb. 1518, 206b; dann dieweil das ungeschaffen, das ist das unbeschaffen in dem beschaffenen ist, so ist billich von beyden zu reden Parac. 2, 213 B; disem wesentlichen, increato und ungeschaffenen oder ungemachten liecht Mathesius Sar. 79a; des ewigen und ongeschaffenen bildes 179a; Wackernagel kirchl. 4, 441; ins ungeschaffne meer der bloszen gottheit A. Silesius wand. 14 ndr.; gütte seel. 19 ndr.; wüsten 221 ndr.; dem ungeschaffenen menschen, der nicht wie das thier 'geschöpf' ist allg. d. bibl. 10, 103; ungeschaffene oder halbgeschaffene menschen Herder 17, 107; die ungeschaffne schöpfung chaos 6, 5; diese ungeschaffne nacht 6, 137; Droysen Alex. 2; urbild alles seins Hebbel I 6, 246. gestaltlos (vgl. ahd. scafalôs): hat zum ersten das geringste gemacht, hymel und erden, also das es noch ungeschaffen, wüst und lere gewesen ist Luther 24, 25, 28 W.; der ungeschaffne wust Gottsched d. neueste 7, 713; allg. d. bibl. 6, 2, 288. in der hauptbed. deformis gth. v. geschaffen (th. 4, 1, 2, 3814) 1, von wohl-, schöngeschaffen, also miszförmig, unförmlich, miszgestaltet, häszlich, garstig, scheuszlich u. dgl., syn. übelgeschaffen, ungeschlacht, ungestalt, ungethan, unflätig, ungehäbe, wüst u. dgl., wie im mhd., mnd., mnl., nl.: die weitten schuoch, die langen, die sind ungeschaffen Hätzlerin 151b, 110; der ungeschaffenst man, der ye warde Arigo 547, 6 K.; so ist das krut ellend, gel und dür worden, falw und unschaffen (so oft) Keisersberg bilgersch. 182b; ain ... erschröcklich ungeschaffens ungeheur Schaidenreiszer Od. 37a; jung, alt, schön und ungschaffen Sachs 5, 290, 1 K.; u. von leyb 9, 284, 5; Kreckwitz lustw. 586; am leib Spreng gürtel 37b; ungeschaffenes angesicht, ungeschaffene (s. u.) sitten Gartner dicteria (1598) 71a; farb, rouch, anblick u. dgl. Frisius 1226b; Staub-Tobler 324; gräszlicher und ungeschaffener als der wüste unflätige Thersites Moscherosch 1, 148; gestalt Abr. a St. Clara etwas f. alle 1, 374; dergleichen ungeschaffen leib ist dieser zeiten ziemlich teuer Lichtwer fabeln (1748) 167; adv.: ir ungestalt ... die fürware kein maler ungeschaffner het malen mügen Arigo 397, 2 K.; Opel-Cohn 94; auff das aller ungeschaffest selen wurtzg. (1515) L 5b. der ungeschaffene tag (wenn er nach Schwaben führ' auf Cannstatt, zum ungeschaffenen tag Mörike volksausg. 2, 140, 157), auch rasttag verstanden (Memminger Canstatt 149), geht auf Suntheims landesbeschreibung zurück; der hs. urtext (da ist alle jar ain tag, haist der ungeschaffenn tag vonn mannen, jungen gesellen weiber und jungfraw, und welcher der ungestältest ist, der gewindt ain rogkh und ander ding darzu, und welche die ungeschäfnest ist, die gewindt ain gürttl, pewttel, handschuh und ander ding Württ. jahrb. f. st. u. landesk. 1884, 2, 127) läszt die auffassung des gen. plur. zu (in abschriften erscheint das flectierte adj.). unansehnlich, unscheinbar, grob: es würd in kurzer frist ein schön lustlich hus ufgericht an ort und end, da vormaln ein u. hus ist gestanden Schade sat. 3, 68; von leder, garn, gut, pfennigen u. dgl. Staub - Tobler 324, 325. als krankheitsbezeichnung (ebd. 324, Höfler 551b): und werdent die finger krumm und knodecht und würt die gestalt u. Gersdorff wundarzney 73, 2b; so magstu nichts an jhm sehen, das dir (für deine diagnose) nützlich sey, als allein, dasz er u. ist, kranck ist Paracelsus 1, 586 b; bes. v. flecken und narben: ungeschaffne mertzen fläcken Gesner - Herold-Forer 59a; Gäbelkover 2, 91; die abscheulichen ungeschaffnen muttermähler Hohberg 1, 548a. von übler bewandtnisz, regelwidrig, unziemlich (Staub - Tobler 324 b, vgl.übelgeschaffen u. geschaffen 2): daz ist ein ungeschaffen ding (laide chose), daz ein kunig so grosz leid füert ... der sol vernunftig sin Morgant 101, 25 B; es ist auch nit unschaffen gesprochen Adelphus ench. h 4a; wann ein kertz den gantzen tag hell brennt, nicht schmiltzt, krümpt oder zerbricht, haben sies für ein sehr gut augurium ... wo aber die kertz sich ungeschaffen helt, haben sies für ein bösz zeichen Franck weltb. (1567) 152a; ist die meinung, dasz Venus ungeschaffen jhres manns Vulcani unwüstig mit Marte die ehe getrennt und gebrochen Kornmann mons Ven. (1614) 147, zur sittlichen bed. überleitend, die heute in ma. (s. Schmeller, Unger - Khull a. a. o.) zu überwiegen scheint: schnöde, üppige, unschaffne und sündliche ding Keisersberg irrig schaf h 2a; orten, die ungschaffen zuo reden seind (1514) 19b; was du unschaffens und wiestes findest an deinen sitten 50a; was unschaffens am menschen ist (turpia naturalia) post. 4, 21b: von unkeuschheitssünden s. th. 5, 641; wüste, grob, ungeschaffen narren narrensch. 142b; Luther 31, 1, 396 W. u. unadel II A sp. 109; u. an sitten und tugend Sachs 4, 311, 13 K.: linkisch, grob, ungeschlacht Staub-Tobler a. a. o.; unverträglich, unfreundlich Schöpf 586; unverlässig Westenrieder 602; v. geberde, gefert, schimpf u. dgl. Staub-Tobler 324, 1 b; ein schändlich und u. leben Fronsperger kr. 3, 183a; gern von rede, wort, betragen, in ä. spr. stärker tadelnd (Staub-Tobler 325; turpiloquia Keisersberg narrensch. 43c; kumpt es dick, das in einer sproch ein unschaffen wort nit unschaffenlich lutet post. 3, 106), in der n. spr. bedeutend schwächer (vgl.uneben, unrecht, aber auch u. in der schelte): jetzt wird dir im hof kein ungeschaffen wörtel mehr gesagt Rosegger 12, 86; Hügel Wien 176; Unger-Khull 610a. als schelte: du wuester, ungschaffner stumen Sterzinger sp. 10, 256; du ungeschaffne person Ayrer 1937, 20 K.; wie haist der ungeschaffene limmel Abr. a St. Clara Judas 4, 502; du bist mir zu u. (gering, unansehnlich, scheuszlich, nd. minne, lege) sagt man mit der absicht der beleidigung Staub-Tobler 324; mach jn u., sags der sammlung Keisersberg post. 2, 61a; vgl. Hügel Wien 176. als eigenname (1381) Staub-Tobler 325; vgl.ungeschueff, unschueff, unschaffel 393, 307. das adv. nähert sich der blosz steigernden bed. von ungeschaffenlich (Staub-Tobler 326 a; vgl. ahd. unscaf enormis, ingens zu scaf modus): haben sie gar ongeschaffen gewütet Münster cosm. 879; immodice Sachs 4, 242, 5 K.; Thurneisser archid. 55. schweiz. ungeschueffen miszgestaltet, plump, ungeschlacht, ungelenk, durch kreuzung von ungeschaffen und ungeschueff entstanden Staub - Tobler 8, 393. —
7985 Zeichen · 221 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ungeschaffenpart. adj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    ungeschaffen part. adj. 1. nicht erschaffen. got der ist ungeschaffen Frl. 277,5. 18. vgl. myst. 13,35. 2, 193,17. 311,8…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungeschaffenadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Ungeschaffen , adj . u. adv . 1) Nicht geschaffen, nicht hervorgebracht, es sei nun aus schon vorhandenem Stoffe, oder a…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungeschaffen

    Goethe-Wörterbuch

    ungeschaffen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

Verweisungsnetz

21 Knoten, 21 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Kompositum 14 Sackgasse 2

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungeschaffen

3 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungeschaffen

un- + geschaffen

ungeschaffen leitet sich vom Lemma geschaffen ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungeschaffen 3 Komponenten

ung+e+(sch+affen)

ungeschaffen setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungeschaffen‑ als Erstglied (2 von 2)

ungeschaffenheit

DWB

ungeschaffen·heit

ungeschaffenheit , f. , auch unschaffenheit, vgl. unbeschaffenheit. mhd. ungeschaffenheit; mnl. ongescapenheit; nl. ongeschapenheid; gth. v.…

ungeschaffenlich

DWB

ungeschaffen·lich

ungeschaffenlich , unschaffenlich, auch ungeschaffenglich ( Keisersberg sünden d. munds 14 a ), ungeschäffenlich, ungeschafftlig, unschaffli…

Ableitungen von ungeschaffen (1 von 1)

ungeschaffene

DWB

ungeschaffene , f. = ungeschaffenheit, auch ungeschaffeni, ungeschäffne, unschäffne. Staub-Tobler 325 : Absolons hübsche würd geschetzt unge…