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verwirren

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verwirren v.

Bd. 25, Sp. 2295
verwirren, v. , taucht spätmhd. neben dem gewöhnlichen verwerren auf; belege aus Reinfried von Braunschweig bei Lexer 3, 304; 311; ein beleg aus Heinrich v. d. Türlin ist nicht ganz eindeutig (s. u.). seit frühnhd. zeit gewöhnlich, auch in den älteren wörterbüchern sehr oft gebucht, z. b. Diefenbach 289b; 306a; 309c; 429a; 430b; 570a; Frisius 11b; 23a; 31b; 67a u. ö.; Calepinus XI ling. (1598) 327a; 330a; 630a u. ö.; Sattler phraseologey 368; 450; 468; Stieler stammb. 2514; Kramer 2 (1702) 1363c; Steinbach; Adelung; Campe; Stosch 1, 284. mundartlich nicht häufig: bair. Schmeller-Frommann 2, 980; schwäb. Fischer 2, 1417; schlesw.-holst. Mensing 5, 446; verwart, verwirrt Frischbier preusz. sprichw. 2, 190; s. a. verwerren. herkunft und form. verwirren und seine verwandten (teil 14, 2, sp. 606-20) sind neubildungen zur alten sippe werren, werre. verwirren scheint den anfang gemacht zu haben: es ist schon gegen ende des 13. jhs. vereinzelt belegt (s. o.), das heute nur noch im plural gebräuchliche fem. wirre seit dem 14. (Tilo v. Kulm a. a. o., sp. 610), das einfache verbum wirren seit dem 16. (beleg von 1566 a. a. o., sp. 612), das adject. wirr seit anfang des 17. jhs. als veranlassung zu der neubildung wird analogie zu irren und der sing. ind. präs. mit seinem lautgesetzlichen i erwogen (a. a. o., sp. 610). verwirren flektiert von anfang an schwach. erst als das präs. verwerren ausgestorben war, wurden seine starken präteritalformen zuweilen zum präsens verwirren gestellt. verwirren, verworr ist im 18. jh. gebucht: verwirren, ich verworr, verworren, viele machen es auch richtig: ich verwirrete, verwirret Gottsched sprachkunst (1748) 284; imperf. ich verwirrete, im hochdeutschen nicht leicht verworr, mittelwort verworren, seltener verwirrt Adelung 4, 1181; verwirren ..., verworr, verworren H. Braun orth.-gr. wb. (1793) 287b. literaturbelege für verworr fehlen aber ganz; die form scheint ausschlieszlich umgangssprachlich gewesen zu sein. nur das part. verworren, das als adjectivum lebendig geblieben ist, kommt zuweilen auch im verbalen gebrauch vor: (noch eine wichtige frage,) welche heutzutage nur gar zu oft mit der ersten verworren wird J. Möser w. 5, 53; der faden seines schicksals hatte sich so sonderbar verworren Göthe 22, 68 W.; und erzähl mir auf dem wege, was dir so den sinn verworren Brentano ges. schr. 3, 347. rundung des stammvokals ist in älterer zeit nicht selten: verwürret Heinrich v. d. Türlin krone 26923 könnte auch conj. prät. von verwerren sein; verwúrrent Tauler pred. 67 V.; frühnhd. belege s. u. 1; 2; 3; 4 b; 4 c α; 5; 11 b; 12 b δ; ferner verwurrens Murner deutsche schr. I 2, 121; verwürten Frey gartenges. 99 B.; verwürrt Zesen verm. Helikon (1656) 2, 11; Bellin hd. rechtschrbg. (1657) 88. im 18. jh. nicht mehr belegt. bedeutung und gebrauch. die verwendung ist trans., reflexiv und als adjectiviertes part. prät. nur ganz vereinzelt begegnet ein intransitivum: wer vor dem herren wandelt recht, der wirt im weg nit irre; er richt sein gang einfaltig schlecht, dasz sein fusz nit verwirre B. Waldis psalter (1553) 62a. 11) verstricken, verschlingen, verwickeln: so lauffet sye (die spinne) zu dem mittel, dadurch sye das web schüttlet und das yhenig, was darein geflogen, dester meer verwürre Eppendorff Plinius (1543) 194; dasz kein gesträuchgen den wandelnden fusztritt verwirre S. Geszner schr. 1, 133. gewöhnlich verwirren in mit dativ oder accusativ: (er) verwirrte seine füsze in die zügel Auerbach schr. 13, 34. bildlich: legt ein rachfeuer an, laszt die funken in dem ganzen reich herumfliegen, verwirret die blutsfreunde in dem lasternetz schausp. engl. comöd. 150 Creiz.; denn ehe wir noch weise werden, sind unsre füsze hier auf erden in tausend netzen schon verwirrt Gökingk ged. (1780) 2, 139. häufig reflexiv: eitel dornen, darynne sich der bock verwirret Luther 24, 401 W.; honigimmen, welche die schaaf meiden, ausz forcht, sie möchten in der wollen sich verwirren Fischart binenkorb (1588) 262b; Reinike verwirrte sich in die ihm gelegten stricke Hagedorn poet. w. (1769) 2, 55; er selbst stürzt und verwirrt sich in den zügeln Schiller 15, 1, 80 G. (Phädra 5, 6); als habe sich eine solche (eine fledermaus) in Heerdegens dichte locken verwirrt Fouqué zauberring 3, 81; endlich erreichte er die ersten hütten des ortes und verwirrte und fing sich mehr als einmal in netzen, die zum trocknen ausgespannt waren Raabe hungerpastor (1864) 3, 84. bildlich: einer verwirret sich in das krausze gold zweyer blunder haarlocken, ... ein andrer vergaffet sich an einem paar rabschwarzer augen S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 32; du der du dich im garn der eitelkeit verwirrest Morhof unterricht 2, 233; der kunstrichter verwirret sich selbst in seinem eigenen gewebe Herder 1, 342 S. seltener ist verbindung mit an: hatte sich ein groszer falk am höchsten zacken oder ast eines ungeheuren baumes mit dem kettlein, das ihm um der fänge einen geschlagen, verwirret Arnold wahrhaftige berichte (1672) 342; der sich mit seinem haar, damit er heftig pranget, an einem ast verwirrt und an eim baume hanget Treuer Dädalus 1, 22. übertragene verwendung ist häufig: Cthesipho ist gar in der liebe verwirrt Boltz Terenz (1539) 99b; ein jedes thier kan sattsamlich sein hertzbegehren stillen, der mensch allein verwirret sich in wanckelbaren grillen Königsberger dichterkreis 122 ndr.; (er) verwirrte sich in seinen worten, wie seine hände in den schlingen des gurtes, den er durchaus nicht los kriegte Alexis hosen d. herrn v. Bredow 1, 82. 22) nicht zusammengehöriges zusammenbringen. 2@aa) vermischen, vermengen: das ander concili zu Epheso ... hat gottslästerlich die naturen Christi vermengt und verwirrt Fischart binenkorb (1588) 40a; das verwirren dessen, was auseinander gehalten werden musz W. v. Humboldt briefe an Welcker viii. in älterer zeit durcheinander verwirren: doch verwurrend sy. (die nachtigallen) die stimmen nit durch einanderen, sunder es redt vil mer ye eine umb die ander Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 2, 180; wenn er sich erinnert, wie in jenem leben alles durcheinander verwirret gewesen Meyfart himml. Jerusalem (1630) 2, 229. ineinander verwirren: so sie nun beide stät, der geistlich und weltlich das schwert von gott haben, zimpt dir nicht, zwei schwert in einander zu verwürren Murner an den adel deutscher nation 22 ndr.; mit etwas verwirren: ich glaube, es ist ein tod der heiligsten sachen, dasz wir sie mit gemeinen verwirren Herder 12, 372 S.; einige seideflöckchen, mit goldfädchen, flittern und anderen agréments mehr oder weniger fantastisch verwirrt Brentano ges. schr. 5, 9. seltener in etwas verwirren: der mich von meiner pein curiret, sein lieb in meine lieb verwirret schauspiele engl. comöd. 276 Creiz. 2@bb) verwechseln: mit dieser wesentlichen seligkeit gottes ist dasjenige wohlgefallen nicht zu verwirren, welches gott an seinen geschöpfen ... hat Crusius entwurf d. notw. vernunftwahrheiten (1745) 503; dasz man dies bisher so wenig als möglich unterschieden, dasz man diese zeitalter beständig verwirret, werden die plane zeigen, die man so oft macht Herder 1, 152 S.; es geschiehet so leicht, dasz man einen Heinrich den IV. in Deutschland, den leichtsinnigen, schlecht erzognen kaiser für einen Heinrich den IV. in Frankreich, oder unter den regenten einen tollen mit einem klugen gleiches namens verwirret 16, 31 S. 2@cc) sich mit jemandem oder mit etwas verwirren, sich damit einlassen, damit abgeben; in neuester zeit nicht mehr üblich: verwirret sich mit frembden weybern Mathesius ausgew. w. 2, 224 L.; wer nicht viel hat zu schaffen, der verwirre sich mit gottlosen pfaffen Petri d. Teutschen weisheit (1604) H h h 7b. sich mit einem in streit einlassen: ja, man verwirre sich nur mit den studenten, ich wolte lieber mit dem hencker zu thun haben als solchen leuten was in den weg legen Chr. Reuter ehrl. frau Schlampampe krankheit und tod 93 ndr. auf sächliches bezogen: meinen mund lasz nimmer irren, noch mit lügen sich verwirren Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 34; aber ich verwirre mich nicht gerne mit dergleichen ungewissen händeln Chr. Weise drey klügsten leute (1675) 18; ich habe mit der sache nichts zu thun, ich mag mich damit nicht einlassen, verwirren Gottsched beobachtungen 3. sich mit etwas beschäftigen: zumal da die titul lateinisch waren und er sich mit dieser sprache nicht viel verwirret hatte Kuhnau musical. quacksalber 85 lit.-dkm. 33) gegenstände wirr machen, ineinander verschlingen, verwickeln, in unordnung bringen. 3@aa) in der regel von einer mehrzahl von dingen oder von gröszen, die aus einer anzahl von einzeldingen zusammengesetzt sind. 3@a@aα) meist von schmalen, dünnen, biegsamen körpern, die sich schlingen und flechten lassen: von haaren Frisius 1168a; 1228a; 1338b; Kramer 2 (1702) 1363c; 1364a; von garn, zwirn 1363c; Schwan nouv. dict. 2, 945a; wann aber die haar wegen ihrer zarten wesenheit verwürret und verwicklet werden Abr. a s. Clara etwas f. alle 1, 648; das mädchen verwirrte ihm mit der kleinen hand die schwarzen locken Laube ges. schr. 8, 328; man musz das garn nicht verwirren Lehman floril. polit. (1662) 2, 737; wer das gewebe verwirrt hat, entwirr es Düringsfeld sprichw. 1, 224a; gar bald verwirrte ich die leichten drähte Göthe 21, 23 W. bildlich: die phantasie, wenn sie in die fäden des wirklichen lebens greift, weisz sie nur zu verwirren Gervinus gesch. d. d. dichtg. (1853) 5, 30. in einander verwirren: hett ich ihme das hübsche haar ... in einander verwirret G. v. Berlichingen lebensbeschreibung 10 B.; und die jungen ... wurtzeln sich in eynander verwürren Sebiz feldbau (1579) 226. reflexiv: das garn etc. verwirret sich leichtlich Kramer 2 (1702) 1363c; ein jeder gang (am webstuhl wird) besonders abgetheilt, damit sich nichts verwirren kann Göthe 25, 1, 119 W.; wie diese geschickesfäden sich spinnen, kreuzen, verwirren und weiterziehen Varnhagen v. Ense tagebücher 2, 6. am häufigsten als part. prät.: ein verwirrten bart Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 2, 104; lange, verwirrte zöpfe Gottsched beobachtungen 117; ein blonder mädchenkopf mit zierlich verwirrten locken Tieck schr. 5, 46; die verwirrten haare fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 91; magst aber wol deinen verwirrten strang abhaspeln Paracelsus opera (1616) 1, 946 Huser; gleich einem verwirrten garn Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3, 1, 438; wie ein verwirrter zwirnsknauel Heinse sämtl. w. 10, 232 Schüdd.; die taue sind verwirrt, die segel wund und nasz Ramler fabellese 1, 208; da lag nun oben im pallen schöne klare seiden und unten am boden verwirrete, grobe, unflätige J. Wild neue reisbeschr. (1613) 143; den mädchen gab sie verwirrten, garstigen flachs zu spinnen kinder- u. hausmärchen 1, 356; in gar dicke und verwirrte hecken Amadis 282 K.; eine sehr verwirrte hecke Oken allgem. naturgesch. 3, 2, 910. adverbial: haar, das sich in braunen zöpfen verwirrt um gelbe nacken schwingt A. G. Kästner verm. schr. 1, 122. 3@a@bβ) seltener von sonstigem: ein rad ohne zähne in einem uhrwerk, welches nirgends eingreifen kann, und wo es anstöszt, den ganzen mechanismus verwirret Zimmermann einsamkeit 2, 10; kleider, unkenntliche fahnen, äser geschlachteter rosse liegen unter den füszen der streiter zerstampft und verwirret Lenz ged. 26 W.; ich sehe einen verwirrten hauffen steine Schiller 1, 93 G.; ein gemenge wilder, riesenhafter blöcke, platten und trümmer, die sich drängen und verwirrt in einander geschoben sind Stifter sämtl. w. 5, 1, 203. 3@bb) das part. prät. auch von einzelnen gewundenen, geschlungenen gegenständen: verwirt darm für intestinum ileum ..., der krümmungen und schlängelungen wegen, welche die Arabisten bewogen haben, das ileum mit dem namen volvulus ... zu belegen (1543) Hyrtl kunstworte d. anatomie 155; disen verwürten laborinth S. Franck chronica zeytbuch (1531) 499a; irrgarten bedeutete in dem alterthum ein weitläufiges, mit vielen verwirrten gängen angelegtes werck haushaltungslexikon (1749) 2, 31b. 44) entsprechend von personen und personalen collectivbegriffen. 4@aa) in unruhe versetzen, ruhe und ordnung stören: erstlich viel frommer hertzen, so durch der schwermer unnütze wort verwirret und unrügig worden waren, sind zu friden gestellet Luther 26, 261 W.; ich sag euch, gebt nur mehr, und immer, immer mehr, so könnt ihr euch vom ziele nie verirren, sucht nur die menschen zu verwirren, sie zu befriedigen ist schwer Göthe 14, 12 W. besonders von collectiven begriffen: und da Ahab Elia sahe, sprach Ahab zu im: bistu der Israel verwirret 1.n. 18, 17; umbsonst ist Salomon nit jehen: der geitz sein eygen hausz verwirrt H. Sachs 3, 31 K.; ähnlich Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, n 8a; da kömmt der störenfried und will mein haus verwirren Musäus volksmärchen 1, 130 Hempel; ein gschwetzig maul verwirrt das ganz land Seb. Franck sprüchwörter (1545) 1, 87b; C. Schulze bibl. sprichw. 119; die herrschsucht Ludewigs verwirrt den occident und hetzt die halbe welt zusammen Gottsched gedichte (1751) 18; ach, wie verwirrt solch ein verlust die welt! Göthe 16, 165 W. (epilog z. glocke); haben wir noch nicht hinreichend uns zu schämen, den staat verwirrt und zerrüttet zu haben Mommsen m. gesch. 2, 98. verwirrt, ungeordnet: das drängen nur verwirrter kriegerhaufen nimmt sich wahr, die im gefild des tods einander suchen H. v. Kleist 2, 65 Schm. (Penthes. 7). 4@bb) nahesteht die besonders in älterer zeit häufige bedeutung verfeinden, entzweien: daz sy L. den metziger und ... sine erbere, biderbe frowe gegen einander verwurret ... het (Straszburg 1409) chron. d. d. städte 9, 1028; mancher der hat grosz freüd dar an, das er verwirret yederman und machen künn disz hor uff das (feindschaft stiften), dar usz unfrüntschaft spring und hasz Brant narrenschiff 10 Z.; der gottlose verwirret gute freunde und hetzet wider einander, die guten frieden haben Syrach 28, 11; der gut freund, weib und man, meyster und junger begert zu verwirren Seb. Franck sprüchwörter (1541) 2, 131b; wo er sie (die brüder) nicht durch komliche mittel von einander trennen und verwirren möchte Stumpf Schweizerchron. (1606) 211b. in neuerer zeit nur mit abstractem subject: ja selbst Tuiskons eigne söhne verwirrt ein steter wörterzwist Drollinger gedichte 96; von jenem unseligen glaubenshader, der in unserer zeit die menschen verwirrt und von einander abwendet J. Grimm kl. schr. 7, 563. verwirrt, uneinig: wie elend die christenheit verwirret, zurstrewet und zurissen ist Luther 26, 197 W.; eyn yetlichs rych, sos uneins wirt, zertrennt, partyisch und verwirt, nit ufrecht blybts und wirt zerstört schweiz. schauspiele d. 16. jh. 3, 59 B. 4@cc) einen in einen zustand versetzen, dasz er nicht mehr imstande ist, klar zu denken, richtig zu urteilen, zweckmäszig zu handeln. 4@c@aα) der sinn liegt mehr in der richtung, dasz der betreffende zu unrichtigem denken, urteilen oder handeln veranlaszt wird; die bedeutung 'vom rechten weg ableiten, verleiten, verführen' liegt nahe: predigten sie Mosen auch darneben und machten grosz uneinigkeit in die ersten christenheit, brachten die beschneidung auff den ban, verwirten damit jederman Fischart die gelehrten v. 691 Kurz; solt denn der pabst wol können irrn und ander leut mit im verwirrn Dedekind papista conversus (1596) e 1b; der teufel hat mich und d cron gehüehrt, mein räth haben mich so verwürt lieder auf den winterkönig 181 Wolkan; strafe, die dein volk verwirrten, bald mit laster, bald mit wahn Schubart sämtl. ged. (1825) 1, 36; o der seltsamen anforderungen der bürgerlichen gesellschaft, die uns erst verwirrt und miszleitet Göthe 23, 137 W.; der teufel ... stimmte ihn zu fernerm herumstreifen, um ihn durch neue scenen noch mehr zu verwirren Klinger w. 3, 213. 4@c@bβ) zuweilen ausgesprochen in dem sinn irre gehen lassen, in die irre führen, machen, dasz einer sich verirrt: ich die sonn zu weit vermeidet, wurd im nechsten wald verwirrt Spee trutznachtigall 235 ndr.; der weg, den dein gebot mich zwang, südwest quer durch den wald hin einzuschlagen, hat in der richtung mich verwirrt H. v. Kleist 2, 417 Schm. (Hermannsschl. 5, 2). bildlich: bis, wann er itzt entfernt von irdischen begriffen im weiten ocean der gottheit wagt zu schiffen, vernunft, der leitstern fehlt und er aus blindheit irrt, ein falsches licht ihn führt und seinen lauf verwirrt, er selbst im trüben tag, den falsches licht erheitert, sich nach den klippen lenkt und endlich plötzlich scheitert Haller gedichte 55 Hirzel; die irrgänge alle zu durchwandern, in welche Newton seine nachfolger zu verwirren beliebt hat Göthe II 4, 303 W. am häufigsten reflexiv: kinder, nút verwúrrent úch noch verferrent úch Tauler predigten 67 V.; dasz sie (die jagdhunde) nicht vom rechten weg abkehren und desselbigen verfälen und sich also verwirren Sebiz feldbau (1579) 585; je länger und weiter er aber ritte, je mehr er sich in dem gehöltz verwirrete Happel akadem. roman 535; neulich verwirrten wir uns in dem walde Göthe IV 1, 7 W.; um nicht in den labyrinthen der eishügel und eisspalten sich zu verwirren Ritter erdkde 1, 1033. bildlich und übertragen: die nachricht, wie ich hier in wahnwitz mich verwirret, wie fern ich von dem pfad der tugend ausgeirret A. Gryphius trauerspiele 272 P.; dasz ich im labyrinth der lügen mich verwirre theater der Deutschen (1768) 2, 160; hier hat sie (die vernunft) sich einen faden angeknüpft, dasz sie ..., ohne sich zu verwirren, nach hause kommen kann Hippel kreuz- u. querzüge 1, 321. gelegentlich auch von wegen, die in die irre führen: wenn meine pfade sich verwirren, nie wird, wohin ein fehl mich reiszt, sich meine seele ganz verirren Tiedge w. (1823) 6, 200. 4@c@gγ) der sinn liegt mehr in der richtung, dasz der betreffende nicht mehr weisz, was er denken oder tun soll. dabei handelt es sich nicht so häufig um eine trübung des reinen erkenntnisvermögens: diese reden verwirren mich vielmehr, antwortete Banise, als dasz sie mir einigen unterricht geben solten Ziegler asiat. Banise 456; dich verwirret, geliebte, die tausendfältige mischung dieses blumengewühls über dem garten umher Göthe 3, 85 W. diese lectüren werden dich nur verwirren J. v. Müller s. w. 4, 222; reflexiv: mich dünkt daher, uns layen ist durch paraphrasen (der bibel) nichts geholfen. je mehr wir ihrer lesen, desto mehr verwirren wir uns Gerstenberg schlesw. lit.-br. 3, 296 lit.-denkm. verwirrt als adverbium: warum ... seh ich diese sache so verwirrt und verschränkt an? Göthe 24, 137 W. 4@c@dδ) gewöhnlich im sinn von hilflos, ratlos, verlegen machen, dasz man nicht weisz, was man machen und wie man sich entscheiden soll. in älterer zeit gern mit angabe des bereichs, in dem jemand verwirrt wird: ut christiani non verwirret werden in conscientia Luther 29, 289 W.; dazu verwirrtes gewissen, s. u. 5; reisz aus, was uns im wege steht und freventlich verwirret die schwachen in dem glauben P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 347. dann auch ohne einschränkende bestimmungen: sie werden in Miltons wercke von zu vielen schönheiten einer hohen art, die ihnen fremd und unbekannt sind, gleichsam überfallen und verwirret Bodmer v. d. wunderbaren, vorrede 4; theilt man sie (die stücke) auf einmal aus, so verwirrt man vielleicht nur die schauspieler Göthe IV 21, 71 W.; als hätten die beiden furchtbaren schläge, welche Waldemar geführt, alle feindlichen mächte, welchen Dänemark sonst gegenübergestanden, vollständig betäubt und verwirrt Nitzsch dtsche studien 273; geliebte seele, dich verwirrt die furcht Schiller 14, 88 G. (braut v. Messina v. 1877); der schmerz hat ihn verwirrt Zach. Werner söhne des thales (1804) 2, 245; von dem ersten augenblick an, wo der anblick ihrer reize mich verwirrte fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 1, 420. von verwirrung, die durch das verhalten eines andern im persönlichen verkehr verursacht wird: ihre höflichkeit würde mich verwirren, wenn ich nicht wüszte, in welcher achtung mein bruder bey ihr zu stehen das glück habe Lessing 2, 41 M. (misogyn 3, 5); verwirre mich hier durch kein zweideutiges lächeln Schiller 4, 43 G.; er wollte sie hier durch einen schmeichelnden blick verwirren Jean Paul 7/10, 51 Hempel; die späsze der prinzessin verwirrten mich vollends Mörike w. 3, 32 Göschen; ihr klarer blick, die unbestechliche sicherheit ihres urteils verwirrten und beschämten ihn v. Polenz Grabenhäger 1, 23. sehr gewöhnlich das part. prät. in adjectivischem und adverbialem gebrauch: ich wart meines herrn mit verlangen, wolt gern von im bericht empfangen, dann ich bin verwirt und verstrickt, warumb ihm hat ein botten gschickt die keiserin, das verrucht weib Ayrer dramen 486 K.; ich seh dein heer verwirrt und matt, geschwächt, verzagt die flucht ergreifen Gottsched gedichte (1751) 20; die römische besatzung floh verwirrt über die brücke Niebuhr m. gesch. 1, 348; brennendroth und verwirrt, eilt sie weg S. v. Laroche fräul. v. Sternheim (1771) 1, 211; verwirrt, beschämt werde ich vor ihr stehen Lessing 2, 272 M. (Sara 1, 5); sind sie denn nicht die tochter des pachters? fragte ich halb verwirrt Göthe 23, 76 W.; sie ward roth und wünschte ihm ganz verwirrt einen guten morgen Miller Siegwart 2, 317; ihre ankunft hat mich so überrascht, dasz ich ganz verwirrt spreche Brentano Godwi 1, 37; trunken an allen sinnen, ratlos, verwirrt steht er allein Mörike w. 3, 81 Göschen; während Cécile verwirrt vom fenster zurücktrat Fontane ges. w. I 4, 281. substantiviert: Kordelchen, die, ... schlau ihre augen niederschlagend, die verwirrte spielte Eichendorff s. w. 2, 426. 4@c@eε) häufig ist in diesem sinn das reflexivum: er überlase hierauf die zeilen nochmals und verwirrte sich je länger je mehr darüber A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 8; hier verwirrt sich Livius (er gerät in widersprüche, unklarheiten) Niebuhr m. gesch. 2, 477. in verlegenheit geraten: die jäger schauen sich um und verwirren sich (bei einem falschen jagdruf) Petrasch lustspiele (1765) 2, 564. im verkehr mit einem andern unsicher werden: ich verwirre mich und verrathe, dasz ich den schlüssel besitze Göthe 25, 292 W.; sichtbar wars, wie er bei deinem anblick sich verwirrte, wie er umsonst die augen niederschlug, die zärtlich schmachtend an den deinen hingen Schiller 15, 1, 34 G. (Phädra 2, 1). 4@c@zζ) einen verwirren, ihm dauernd die geistige klarheit nehmen: verwirren, verstören, irr machen Hulsius (1618) 2, 423; dasz dich der grosze Zeus verwirre Lichtwer äsop. fabeln 123; und er, verstoszen (um es kurz zu machen), fiel in ne traurigkeit, dann in ein fasten, drauf in ein wachen, dann in eine schwäche, dann in zerstreuung und durch solche stufen in die verrücktheit, die ihn jetzt verwirrt und sämtlich uns betrübt Shakespeare 3, 202 (Hamlet 2, 2). vgl. einem den kopf verwirren u. 5. gewöhnlich ist das part. verwirrt, verdreht, verrückt, geistesgestört, geistig beschränkt: ganz verwirrt, zerwirrt, zwirrt im kopf seyn Kramer 2 (1702) 1364a; verwirrt im haupt Dentzler (1716) 316b; mundartl. verwirrt, verdreht, irre, verrückt Müller-Fraureuth 2, 619; verwert in kopp Mensing 5, 446; wer spricht aber, es sey kein got, dann der also verwirt und verwendt ist in seiner eigne fantasey des fleyschlichen verwenten glaubens Eberlin v. Günzburg 3, 115 ndr.; wie verwirret und zweifelhaftig sie in ihrem gemüth war Grimmelshausen 4, 643 Keller; braucht man denn da leute dazu, die im kopf verwirret sind? A. Volck entdecktes geheimnis (1750) 1, 141; die frau ... fürchtet, ihr mann sey im kopf verwirrt kinder- u. hausmärchen 1, anhang 26; nu sag amal, bin ich nu verwirrt oder bist du verwirrt? G. Hauptmann weber (1892) 98; E. und Annemarie redeten der verwirrten freundin bestens zu Holtei erz. schr. 16, 248. substantiviert: dies letztere wort sprach der verwirrte plötzlich fast weinerlich Gutzkow zauberer von Rom 6, 27. 55) in gleichem sinn wie von personen auch von menschlichen organen, eigenschaften, geistigen und seelischen kräften: nekisch gezirt mein gsicht verwirt ob iren wunderschönen blick Forster frische teutsche liedlein 123 ndr.; mordstricke, die gewissen zu verwyrren mit lautter ... gauckelwerck Luther 18, 102 W.; die bibel nennt, was L. hier gethan hat: die gewissen verwirren Gutzkow ges. w. 10, 145; verwirrtes gewissen, auch perplexes genannt, ist derjenige gewissenszustand, in welchem der mensch sich gleichsam zwischen zwei ... pflichten dergestalt in die mitte gestellt sieht, dasz er die eine pflicht zu verletzen glaubt, wenn er die andere erfüllt Wetzer-Welte kirchenlexikon 12, 1231; kumpt eim quecksilber in ein or, so verwürrt es die vernunft Herr schachtafelen der gesundheit (1533) o 2a; andere mania ist ein toben und unsinnigkeit, derhalb ein sucht und kranckheit des gemüts, welche den verstand nicht anderst entrüstet und verwirret, als wo krankheiten im leib steckend, da kein gesundheit seyn kan Wirsung artzneybuch (1588) 138c; die ungeheure vorstellung, dasz der papst zu Rom sündige menschen heilig sprechen ... kann, verwirret den gesunden menschenverstand Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz 5, 37; ach, wa vermag doch dis das gold, dem man doch ist so gfär und hold, on das es gar verwirt die hertzen, das drüber sie ir ehr verschertzen? Fischart 1, 372 H.; damals ... hatten die kleinen tanzenden füsze mein ganzes knabenherz verwirrt Storm w. (1899) 1, 66; der schrecken thut mein sinn verwirrn Gilhusius grammatica (1597) 25; so blendet mich ein neues glück, das mir den sinn verwirrt Göthe 11, 316 W. (Erw. u. Elm. v. 629); (sie) nahmen sich in ihrem verwirrten sinne für, in der gantzen welt den geistlichen stand auszurotten Letzner dasselische chronica (1596) 1, 71a; hasz, zweifel, furcht in ihm so hin und wieder irren, dasz sie ihm seinen kopf durch fantasey verwirren D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 1, 68, 2; Jesus, sie haben es fertig gebracht! sie haben dem kinde den kopf verwirrt Raabe hungerpastor (1864) 1, 99; (dem Gotenkönig Theodahad) hatten römische rhetoren das schwache haupt verwirrt G. Freytag ges. w. 17, 123; denn er ist nicht so unbered odder so verwyrrets kopfs als d. Carlstads Luther 18, 146 W.; aber bey manchen verwirrten kopf haftet solche ermahnung wenig Abr. a s. Clara Judas 1, 42; mein herz ist unruhig, mein kopf verwirrt, wie kann man da was gescheidtes denken und arbeiten? Mozart bei O. Jahn Mozart 3, 156; wir hassen alle schauderhaften bilder, die das gemüth trostlos verwirren A. v. Arnim 8, 57; hertzog Herrmann liesz ... nicht das geringste merckmahl eines entweder verwirrten oder freudigen gemüths blicken Lohenstein Arminius 1, 27b; ein gutes herz, verwirrte phantasie; das heiszt auf deutsch: ein narr war la Mettrie Kästner verm. schr. 1, 179; wie wunderbar ist meine brust verwirrt, in diesem augenblick, da ich auf knieen, um dich zu segnen, vor dir niedersinke Kleist 4, 40 Schm. reflexiv: lieber, lass dich das nitt irren, das sich din sinn thund verwirren! schweizer. schausp. d. 16. jh. 2, 136 B. hätte meiner seelen sitz, mein hertz sich verwirret P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 409; in den letzten tagen, als er bemerkte, dasz der geist sich verwirre, trübe, schwach werde Göthe 41, 1, 16 W.; es giebt gelegenheiten gnug, wo sich der menschenwitz verwirrte Lenz gedichte 250 W.; die entfernungen, welche die astronomen im weltall berechnet haben, sind so maszlos, dasz unser verstand bei deren betrachtung ... sich zu verwirren beginnt Büchner kraft u. stoff 22. 66) eine handlung, einen vorgang verwirren, stören, in unordnung bringen, den regelrechten, planmäszigen verlauf hindern: das hochzeit zu verwirren Boltz Terenz (1539) 6b; wir verwirren das gantze spiel Gryphius Peter Squenz 12 ndr.; das beginnende werk zu verwirren Lotze mikrokosmus 1, vi. umfassender das leben verwirren: (wir) hüten unsere schüler vor allen misztritten, wodurch ... manchmal das ganze leben verwirrt und zerpflückt wird Göthe 25, 10 W.; miszgriffe und gewaltthaten ..., welche in den nächsten jahrzehnten nach 1815 unser so junges politisches leben noch mehr verwirrten und vergifteten Nitzsch dtsche studien 307. pläne, absichten verwirren: also hastu mir alle meine anschleg verwirrt Boltz Terenz (1539) 53a; seine weisheit verwirrte öfter ihre boshaften anschläge Steinbryckel Philoctet (1760) 30; dasz er dem weisen das concept verwirre Justi Winckelmann 1, 161; wenn wir seine feldzugspläne dadurch verwirrten Hindenburg aus m. leben 182. verwirrt, ungeordnet, unübersichtlich, unklar, unzusammenhängend: aber die nachtigal darnebn führ so ein seltzam verwirts lebn Fischart 1, 435 H.; was aber stünde uns hier für ein trauriges, verwirrtes, widerwärtiges leben bevor fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 3, 56; zu weiteren arbeiten hier zu kommen gelingt mir nicht. die existenz ist allzu verwirrt Mommsen briefw. mit Wilamowitz 482; eine comedy oder freudenspiel stellet einen verwirrten aufzug vor, aber mit einem lustigen beschlusz Comenius janua (1644) 308; den langwierigen verwirreten krieg Schottel friedens sieg 4 ndr.; die schlacht drohte sich in eine anzahl verwirrter detailgefechte aufzulösen Mommsen m. gesch. 2, 148; einen dergleichen verwirreten traum Prätorius anthropodemus plutonicus 3, 25; einen verwirrten process Thomasius kl. dtsche schr. 86; die verwirrten begebenheiten der welt Charl. v. Schiller in: Göthejahrb. 4, 253; und jener lärm und das verwirrte treiben Gries Bojardos verliebter Roland 4, 216. adverbial: daher komme es, dasz es so gar verkehrt, verwirret und unrechtfertig dahergehe Reinicke fuchs (1650) 111; weil Ludovicus ein kind war und unter anderer vormundschaft stunde, so gienge alles verwirrt durch einander Hahn staats-, reichs- u. kayserhist. 1, 303; wenns hennchen vor dem hähnchen kräht, gehts oftmals ganz verwirrt zu Düringsfeld sprichwörter 1, 371a; ein subtil uhrwerck gehet gemeinlich verwirrt und unrecht Lehman floril. polit. (1662) 1, 41; verwirrt durcheinander stürzt der zierliche bau dieser beweglichen welt Schiller 11, 40 G. 77) von sinnlich wahrnehmbarem. 7@aa) einen anblick unklar, undeutlich machen: da sah der abend durch die bäume herein, der alle die schönen bilder verwirrt Eichendorff sämtl. w. 1, 540; eine schneedecke verwirrt den prospect, welcher dem in betrachtungen versunkenen greise vor augen liegt Gutzkow mosaik (1842) 248. reflexiv: geordnet und freundlich kamen sie (die bilder) anfangs vorüber, dann aber verwirrten sie sich Hauff w. 1, 35. 7@bb) verwirrt vom äuszeren eines menschen als ausdruck seines inneren zustands: (er) ersahe aus des printzen verwirreten gesichte, dasz ihm die gegenwart seines frauenzimmers nicht allzu angenehm mochte gewesen seyn Ziegler asiat. Banise 41; ich les in deinen augen, deinen wild verwirrten zügen deine qual und angst Schiller 13, 443 G. (Turandot 4, 6). adverbial: mein auge rollt verwirrt und sieht ihn schüchtern an dtsche schaubühne 4, 17 Gottsched; wo ein bürger pflügt, wie ein unsinniger auf seine pferde losschlägt und flucht und ganz verwirrt aussieht J. M. Miller predigten fürs landvolk 1, 2. 7@cc) von akustischem: wer hat, unglücklicher, die töne mir ganz und gar verwirret? Herder 27, 106 S. sehr gewöhnlich das part. verwirrt, durcheinander, unklar, unverständlich, aus verschiedenen klängen vermischt, so dasz man sie schwer auseinanderhalten kann: die stimme der vögel ist nur ein verwürreter, ungegliederter und unverständlicher klang und hall Zesen rosenmând (1651) 6; bis unverhofft ein lärmendes gewäsche, ein wild verwirrt gequack der frösche, mein stilles denken unterbrach Brockes ird. vergnügen in gott 4, 112; als ... sie ein verwirrtes geläut von menschlichen stimmen hörten Bode Thomas Jones 4, 451; als sie seitwärts bei den cordonpicketen verwirrtes lärmen und schieszen hörten Brentano ges. schr. 4, 266; beifall und verwirrtes geschrei G. Büchner nachgel. schr. 66. 88) sehr häufig die sprache verwirren, meist in bezug auf den turmbau zu Babel: wolauf, lasst uns ernider faren und ire sprache da selbs verwirren, das keiner des andern sprache verneme 1. Mos. 11, 7; das volk mit Nemrot got nicht traut, fing an ain hohen thurn und baut, deshalb der herr verwirrt ir sprach, zerstrait sie in all land darnach Fischart bibl. hist. 288 Kurz; der babylonische thurm aus backsteinen, der bis an die wolken reichen sollte, hat die sprache der arbeiter verwirret Herder 22, 11 S.; denn gerade bey der preszfreiheit und preszsicherheit mag man nicht mehr schreiben; man musz immer fürchten, das babylonische idiom noch mehr zu verwirren Göthe IV 28, 187 W. seltener von dieser beziehung gelöst: ein entsetzliches schicksal hat die sprache unsrer herzen verwirrt Schiller 3, 501 G. (kabale u. liebe 5, 7). eine sprache unklar machen, entstellen: wan nassweise kerls ... dasjenige in eine sprach einführen wollen, welches diselbe nicht nur nicht zieret, sondern verzerret, verirret, verwirret Moscherosch gesichte Philanders (1650) 1, 597. 99) eine äuszerung in wort oder schrift unklar, schwer verständlich, ungeordnet machen; nur selten als verbum finitum: um aber nicht meine eigene darstellung durch häufige polemik gegen Kant zu ... verwirren Schopenhauer 1, 13 G.; wenn zerstreutheit, vorausnehmen eines erwarteten in gedancken usw. eine rede verwirrt O. Ludwig 5, 129 Schm.-St. gewöhnlich als part. prät.: seine verwirrete wort B. v. d. Sohle don Kichote 15; Blanca kann aus seinem verwirrten geschwätze zwar nicht recht klug werden Lessing 10, 49 M.; der graf ... antwortete in einer verwirrten rede, dasz er nicht im stande sei, ihre namen anzugeben H. v. Kleist w. 3, 253 E. Schm.; die frau stammelte vor den mönchen einen verwirrten bericht von der himmlischen stimme, die sie gehört G. Freytag ges. w. 11 (1887) 54. weiterhin auch: das kurtze und doch unordentliche und verwirte handbüchlein Justini Menius chron. Carionis (1562) vorrede E 1b; die nachrichten über sie (die chinesische mauer) bei den schriftstellern sind sehr verwirrt Ritter erdkde (1822) 2, 102. von der sprachlichen form: dasz er zuweilen seine wortfügungen dermaszen verwirre, dasz sich die beziehung der begriffe auf einander verliere Lessing 8, 48 L.-M. den gegenstand der darstellung in unrichtiger, entstellender weise wiedergeben: die natur ..., welche von ihm (dem dichter) nachgeahmt, nicht verwirret werden musz Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 334; von der partheyen gunst und hasz verwirrt schwankt sein charakterbild in der geschichte Schiller 12, 8 G.; übertreibungen jeder art verwirren ... und entstellen die wahrheit Brehm tierl. 1, 93 P.-L. im religiösen bereich: kan er (der teufel) gotts wort und schrifft verkeren und verwirren, was solt er nicht thun mit meinen odder eins andern worten Luther 26, 500 W. 1010) in fast formelhafter verbindung mit allgemeinen begriffen: verhältnisse, angelegenheiten eine lage, einen zustand, eine ordnung verwirren, sie durcheinander bringen, verwickeln: damit auch die christliche ordnung gantz und gar verwurt, betriebt und zerstört werd Gebweiler lob Marie (1523) 28b; damit er (der papst) ... alle götliche und weltliche sachen vermischen, verwirren, besudlen ... möcht Sleidanus reden 202 lit. ver.; der dritt (pfaffe) mit seinem reformieren thut seines herren sach verwirren bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg 105; unterdessen verwirrete ich meine sachen absichtlich durch ein schreiben nach Rom Winckelmann s. w. (1825) 10, 108; eine unsichtbare hand ... hatte mittel gefunden, meine angelegenheiten dort zu verwirren Schiller 4, 271 G.; eine gewaltsame unversöhnliche blutrache verwirrt schon mehrere jahre hindurch die verhältnisse groszer und vielgegliederter familien Göthe I 42, 1, 26 W.; reflexiv: und wenn sich schon verwirren all sachen gar, weisz ich fur war, got wirds zu letzt wol richten (16. jh.) Ambr. Blaurer bei Wackernagel kirchenl. 470; die verhältnisse verwirren sich immer mehr jb. d. Grillparzerges. 5, 143. adjektivisch: solch krum händel die stund kan schlichten, verwürte sachen kann sie richten Wickram w. 4, 142 lit. ver.; dasz sie (gottes allmacht) ... über diese lande ... bey so verwirrtem kummerhafften zustande einschreiten ... möge (1619) acta publica 2, 87 Palm; die verwirrete beschaffenheit der zeit Lohenstein Arminius (1689) 1, 28a; manche verwirrte lage Knigge roman m. lebens (1781) 1, 36; die dinge sind nun so verwirrt, dasz eine entscheidung nicht mehr lange ausbleiben kann Moltke schr. u. denkw. (1892) 4, 149. 1111) zu den nominalformen. 11@aa) der substantivierte infinitiv begegnet zuweilen in älterer zeit; jüngere sprache wählt dafür verwirrung (s. u.): das sich ein verwirren ym gewissen wil heben uber dem recht Luther 30, 3, 247 W.; vermeinest wo du fil verwirrens, vnwarheiten, schmachbeweisung vsz gegossen habest, als dann hettestu iederman die schellen anknipffet Murner an den adel dt. nation 9 ndr.; darmit so greifft die ein hinein (in die milch), die andern auch nicht müssig sein vnd fallen drein mit jren gschirren, bald ward ein jemmerlich verwirren Fischart w. 2, 335 Hauffen; (wenn der charakter des satans) in der liebhaberey am vernichten, verwirren und verführen besteht, so findet man ihn unstreitig nicht selten in der schönsten gesellschaft F. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 2, 115; es war der anfang eines völligen verwirrens ihres denkens und fühlens Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 4, 51. 11@bb) das part. prät. verwirrt tritt in adjektivischem gebrauch seit dem 16. jh. deutlicher hervor, doch zeigt sich kein bedeutungsunterschied zu den verbalformen (belege s. o.). zur unterscheidung von verwirrt und verworren vgl.: 'der unterschied zwischen verworren und verwirrt, dasz das erste ... dann gebraucht würde, wenn es mehr zustandwörtliche bedeutung hat.., das letzte aber dann, wenn es überleitend und von einer handlung gebraucht wird, ist noch nicht angenommen, sondern die mehrheit gebraucht beide formen bis jetzt in beiderlei fällen nach gefallen' Campe 5 (1811) 403. wie die nachfolgenden gebrauchsweisen, in denen die heutige sprache vorwiegend verwirrt verwendet, zeigen, gilt die feststellung von Campe nur mit einschränkung. 11@b@aα) von gerade eingetretenen oder vorübergehenden zuständen und vorgängen: wer getruncken ... hat, der hat einen verwirten irrigen ... verstandt Albertinus zeitkürtzer (1603) 11b; gantz krafftlosz sie darnieder suncken, verletzt am leib und verwirrt im sinn, dasz kam vom wein den sie getruncken Voigtländer oden u. lieder (1642) 37; zum dritten ist es gar verantwortlich, dasz fürsten und herren ... ihr von dem landwichtigen geschefften verwirtes und abgemattetes gemüthe ein wenig erfrischen Reinicke Fuchs (1650) 230; dencke weder an Isabellen noch Rosalien, noch an alles solches geschmeisz, die einem alles im leibe verwirret machen ollapatrida 13 Wiener ndr.; so in vrtheilung dieser strittigen sach ... jren verstand gar wanckend, zweiffelhafft, verwirrt ... machten theatrum amoris (1626) 49; da, sieh einmal, wie verwirrt du ihn gemacht hast Lessing 2, 18 L.-M.; furcht bessert nichts in der sache, macht verwirrt und hülflos, wenn gefahr naht O. v. Bismarck br. an s. braut u. gattin 70 H. v. Bism. 11@b@bβ) häufig zur bezeichnung einer affektbedingten reaktion (nur vereinzelt bei verworren, s. d. B 2 oben; weiteres sp. 2301): er dorfft sein gesicht nicht auffheben, weil er forcht, dasz, wo er die Oriana ersehe, durch schnelle verenderung seiner farb er disz bestettiget unnd offenbahret ... vnnd als er in diesen verwirreten gedancken war, kame das frewlein Mabila gegen jhm Amadis 171 lit. ver.; als er wider hinein gehet, folgete jm die königin Helena auff dem fusz nach, so wunder schön, dasz die studenten nit wusten, ob sie bey jhnen selbsten weren oder nit, so verwirrt vnd innbruonstig waren sie volksb. v. dr. Faust 96 ndr.; die abgesandten wurden etwas verwirrt, fassten sich aber bald wieder Klinger w. (1809) 3, 70; ich war betroffen, verwirrt Hölderlin ges. dicht. 2, 94 Litzm.; dann wurde seine miene so spöttisch, dass Maria verwirrt schwieg M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 6, 9. 11@b@gγ) von augen und blick als ausdruck innerer vorgänge (vgl. oben 7 b): sein blick, in welchem nur des himmels sorgen wohnen, starrt finster und verwirrt in contemplationen Dusch verm. w. (1754) 132; die starren augen sahn verwirret nach der wand Zachariä poet. schr. (1763) 1, 13; ich schielte verwirrt Göthe I 1, 313 W.; sein blick durchirrt in wilden schweifungen die dunkle zelle, wie unbekannt, voll gluten und verwirrt A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 198; der starre ... blick bezeichnet den verwirrten zustand seiner seele sehr gut schr. d. Goetheges. 5 (1890) 69; dein staunender und verwirrter blick ergeht sich über viele, viele bergesgipfel, in webendem sonnendufte schwebend Stifter s. w. 1 (1904) 216; er sah ... ein tiefes, noch verwirrtes staunen tief auf dem blassen grund (der augen) Ernst Wiechert d. einfache leben (1939) 185. 11@b@dδ) von der menschlichen physiognomie als spiegel affektbedingter vorgänge (weiteres s. 7 b): diese gedanken gaben mir ein ziemlich verwirrtes aussehen, als ich vor die Pythia geführt wurde Wieland Agathon (1766) 1, 286; mit verwirrter miene zog sie die hand zurück Pfeffel poet. versuche 3 (1817) 98; es war das lächeln eines engels auf ihrem verwirrten gesicht Kahlenberg Eva Sehring (1901) 150; verwirrt lächelnd trat das mädchen herein (zur ärztlichen untersuchung) Carossa Dr. Bürger (1930) 45; ein verwirrtes lächeln geht über ihr gesicht Jelusich d. löwe (1936) 112. 11@b@eε) bisweilen auch von anzeichen der geistesabwesenheit oder sogar geistesgestörtheit; vgl. oben 4 c ζ: dasz das bieberklee vortreffliche hülfe geleistet ... in den gichtern eines jünglings, der zugleich wegen verwirrter aussprache vor einen besessenen gehalten wurde Ehrhart pflanzenhist. (1753) 2, 159; sie sprach nur verwirrt, zu zeiten hatte sie auch helle augenblicke Jung-Stilling s. schr. (1835) 4, 198; sie ist nicht mehr bei verstande, denn sie spricht verwirrte worte Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 268; wie ein nachtwandler, ... erwachte er aus seiner betäubung, stotterte einige verwirrte worte Gerhart Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 39. 11@cc) seit der mitte des 18. jhs. wird das part. präs. häufiger gebraucht: wie kurz, ermüdend und unausstehlich wäre die sprache jedes gröberen sinnes für uns! wie verwirrend und kopfleerend für uns die sprache des zu feinen gesichts Herder 5, 66 S.; solchen schauend fühlt ergriffen von verwirrenden gefühlen sie das innere tiefste leben Göthe I 3, 11 W.; in dem verwirrenden strudel der leidenschaften O. Jahn Mozart (1856) 4, 421; die fast verwirrende fülle, in der die niederländische malerei ihr füllhorn ... ausschüttet Justi Winckelmann (1866) 1, 282; Kant hat dieses in seinen antinomien zwar aufgestellt, aber nicht in seinem innersten ergriffen, weshalb es bei ihm nur verwirrend wirken kann Schleiermacher s. w. (1834) III 4, 2, 158; und das verwirrendste war dies, dasz seine liebe zu Narzisz sich so schlecht mit seiner liebe zum abt Daniel vertragen wollte Hesse Narzisz u. Goldmund (1948) 12.
43084 Zeichen · 756 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verwirrenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    ver-wirren , ver-würren swv. intr. sich verwickeln. der alte strûʒ verwirte (: irte) in wunderlîche wîse Reinfr. B. 2092…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verwirren

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verwirren , verb. regul. et irregul. act. ich verwirre, du verwirrest u. s. f. Imperf. ich verwirrte, im Hochdeutschen n…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verwirren

    Goethe-Wörterbuch

    verwirren [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verwirren

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verwirren (lautl. -wīrn ), gerundet -würen, Part. Prät. verwirrt und verwuren, hd. -worren 1. in Verstrickung, Verwirrun…

  5. Spezial
    verwirren

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ver|wir|ren vb.tr. 1 mëte sotissura 2 ‹fig› (aus der Fassung bringen) fá confus, trá fora, trá fora dla suc, porté fora …

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verwirren

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Ableitung von verwirren

ver- + wirren

verwirren leitet sich vom Lemma wirren ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verwirren 2 Komponenten

ver+wirren

verwirren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — verwirren kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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Cotta, M. (2026). „verwirren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verwirren/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „verwirren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verwirren/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „verwirren". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verwirren/dwb.
BibTeX
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