gautsche,
f. ein lehrreiches alemannisches wort. 11)
schwäb. die schaukel Schmid 222, Birlinger
Augsb. wb. 183
a (
auch genäselt gau
ntsche),
der hinzufügt '
besonders die herkömmliche für jung und alt errichtete gautsche
in der Jakober kirchweihe, die jetzt schogga
heiszt'
; fränk. gauze
schaukel Schm. 2, 88.
dasz das schaukeln unsern vorfahren eine gröszere bedeutung gehabt habe als uns, ergab sich unter klank
a. e., hier als ein stück der kirchweih vertieft sich das wol sogar zu einer alten cultusbedeutung, wie sie auch altrömisch wirklich bezeugt ist für öffentliches schaukeln beim feste der feriae Latinae, das man noch später religiös auslegte, s. Marquardt
handb. d. röm. alt. 4, 441.
schon darum ist diesz gewiss auch die älteste bedeutung des wortes. es ist zufällig selten verzeichnet, in den nhd. wbb. gar nicht, im 15.
jh. in einem voc. ex quo ein gautsch,
oscillum Dief. 402
b.
s. weiter unter gautschen 7. 22)
lotterbett, faulbett, dem späteren sofa entsprechend (
vergl.kanapee a. e.):
grabatus, ein lotterbeth, gautsche. Dasyp. 280
d (88
b dafür ein gutsch, 9
a gutsche,
s. 5,
c).
so noch schwäb., mit rein alem. vocal appenz. gûtscha, '
das ruhebett neben dem ofen in der stube älterer häuser' (
darunter hie und da ein hühnerstall) Tobler 244
b,
daneben mit umlaut gtsche Stalder 1, 504,
was hd. gäutsche
wäre, wie auch als zeitwort gäutschen (
s. d.)
neben gautschen,
s. auch gütsch, gytsch
unter 5,
c. 33) gautsche,
wiege bei Schm.
2 1, 966,
doch nur auf grund von Fromm. 3, 213,
wo es entnommen ist aus cimbr. gütsch
wiege (
s. 5,
c),
das aber kurzen vocal hat. doch auch gautsche
ist wahrscheinlich nach gautschen
wiegen, und das vorarlbergische 'gtschle' Fromm. 3, 210 (
meint dort langes ü),
also gäutschlein,
worin das Christkind schläft, scheint eine wiege. 44)
auch gautsche,
kutsche, els. im 16.
jh. und noch schweiz. gûtsche,
s. unter kutsche am ende; den übergang dazu bildet gautsche
sänfte, das Adelung
als älter angibt, tragbares bett o. ä. mit schaukelnder bewegung, s. kutsche 3,
d. 55)
es liegt da das so häufige verwachsen verschiedener wörter doppelt oder dreifach vor. 5@aa)
in der 4.
bed. ist das ungr. fremdwort kutsche
in das altalem. umgekleidet worden, sachlich begründet durch die schaukelnde bewegung des verbesserten fahrzeugs (
zumal nachdem die riemen, in denen der kutschkasten hängt, und küssen hinzugekommen waren);
ebenso fallen zusammen nl. koets
f. kutsche und koets
bett, bettstelle, auch das lotterbett heiszt da im 16.
jh. koetsken, lodderbeddeken Junius 182
a (
vgl. unter kutsche 1,
b und 3,
b),
wie umgekehrt das appenz. gûtscha
auch für bett überhaupt gilt. 5@bb)
in der 2.
bed. scheint offenbar ein rom. fremdwort eingegriffen zu haben, franz. couche
f., s. u. kutsche 3,
a und b, besonders luxemb. kautsche
mistbeet (
d. i. eigentlich bett),
franz. couche.
aber nur eingegriffen, nicht es hervorgerufen, denn gautsche
schaukel ist aus gautsche
bett nicht zu begreifen, wol aber umgekehrt, indem das behagliche schaukeln und gaukeln, ins kleine gezogen, von jener auf das lotterbett übergieng mit seinem ähnlichen behagen und freier bewegung in angekleidetem zustande (
vgl. den heutigen schaukelstuhl);
man kocket
da hin und wider,
mit H. Sachs
zu reden, s. kocken,
das mit gaukeln, gauken
nah verwandt ist, und auch gautschen gehört zur verwandtschaft. vielleicht hiesz zuerst das hängebett, die hängematte gûtsche,
in welcher schaukel und lotterbett vereinigt sind; noch jetzt gibt es auf dem lande kinderwiegen in dieser form, die an der decke aufgehängt sind, vergl. gautsche
wiege vorhin. 5@cc)
neben gautsche, gûtsche
heiszt es auch mit kurzem vocal gutsche (
s. unter 2
und kutsche 3,
a. c. d),
das auch Schmid 222
als schwäb. gibt neben gautsche,
faulbett, schaukel, indem er franz. couche
zum ersten stellt. dasz aber auch das höchstens eine berührung von dem franz. worte erfahren hat, dafür bürgt einmal sein entlegnes auftreten in den tredeci comuni, gütsch
m. wiege Schmeller 127
b,
nicht für das bett oder lager überhaupt, sodasz da noch der begriff des schaukelns der kern ist; anderseits schon im 15.
jahrh. auch für die schaukel selber gutsch
oscillum Dief. 402
b aus zwei vielleicht straszburgischen vocc. (
ob gûtsch?),
auch mit umlaut gytsch aus einem alem. voc. (
er hat für mhd. iu
meist ui,
z. b. 285
a),
also in beiden bedeutungen wie in gtsche
faulbett unter 2,
sodasz auch da für alle drei bed. die einheit des wortes sicher ist. selbst in der bloszen bed. bett übrigens reicht das franz. wort nicht aus, das zeigen die unter kutscheln, kutschen
beigebrachten anklänge die dem franz. fern liegen, vielmehr auf einmischung anderer heimischer stammwörter hinweisen. s. weiter unter gautschen 7.