gautschen,
gäutschen,
u. ä., zeitwort zum vorigen. 11)
schaukeln, schwäb. Schmid 222, Birlinger
Augsb. wb. 183
a,
schwanken, schaukeln Schm. 2, 86 (
vom Lech),
sowol trans. als intr.; auch reflexiv sich gautschen,
s. 2.
schweiz. gautscheln,
schaukeln, wiegen, wie kinder es thun Stalder 1, 433. 22)
wiegen Schmid,
s.gautsche 3
als wiege; sich gautschen,
sich wiegend bewegen, els. Arnold
pfingstm. 102,
zu einem mädchen die kommt um sich im brautkleide zu zeigen, sagt zankend die mutter: halt di doch grad un gautsch di nit so schebb (
schief) un laidi. 160. 33)
auch mit umlaut 3@aa) gäutschen Birl.
a. a. o., schwäb.; im 16.
jh.: αἰώρα,
oscilla, das geutschen, als auf einem holz, auf und nider. Frischlin
nom. c. 177,
d. h. was nordd. eine wippe
heiszt, s. unter kippe 2. 3@bb)
vermutlich auch gütschen, schwäb. 15.
jahrh.: oscillare, gytschen. Dief. 402
b,
zu gytsch
schaukel in demselben voc. unter gautsche 5,
c (
es musz auch geutsche
schaukel gegeben haben),
d. h. mit kurzem vocal, wie dort gütsch, gutsche.
doch ist nach folg. immer auch echtes gitschen
möglich (
s. auch hitzelraide
unter 7,
c). 3@cc)
oberpfälz. getschen,
schwanken, schaukeln, z. b. der schwebwasen im gesümpf getschet, wenn man darauf tritt. Schm. 2, 87;
vgl.hetschen schaukeln u. 7,
c, und das mhd. getschen
unter 6. 44)
auf schaukelnde bewegung von wasser, wein u. ähnl. übertragen: schwäb. gautschen,
durch schwanken ausflieszen Schmid 222,
bernisch göütsche,
liquorem in vase agitare Fromm. 3, 85
a,
z. b. durch einen stosz ans fasz; bei Stalder 1, 432 gäutschen, gäutscheln,
hin und her schütten, aus einem fasse ins andre, dazu gäutsch
m. solche flüssigkeit, bei Schmidt göütsch
n. schlechtes getränk, aus weinresten u. ähnl., s. Fromm. 3, 85
a.
doch ist da offenbar andres eingemischt oder eingewachsen, vgl. einmal geutschen
f., lache Schm. 2, 87,
appenz. götz, gutz
m. pfütze, götzla, gutzla
mit speisen oder flüssigkeiten unordentlich umgehen, auch spritzen u. ä., s. Tobler 231
a,
anderseits schweiz. gausen (
s. d. 1),
auch guseln
wein vermischen, vermatschen, auch im wasser matschen u. a. (güsel
spülwasser, mistjauche),
s. Stald. 1, 501,
auch dem -tsch
näher das. guscheln
durch einander werfen, im trüben fischen u. ä. 55) gautschen
zu gautsche
als bett wird bezeugt durch ein wort der papiermacher, bei denen es sich festgesetzt hatte: gautschen,
die aus der bütte geschöpften bogen aus der form nehmen und auf das gautschbret
legen, auf dem es unter die grosze presse kommt die das wasser auspreszt, s. Adelung,
vergl.gautscher.
man schreibt jetzt lieber kautschen
und kautscher,
und denkt an das gleichklingende engl. to couch
und coucher,
wie es dort heiszt, auch franz. coucher
und coucheur, couchart.
allerdings war die kunst des papiermachens früher als bei uns in Frankreich und Italien, erfuhr aber bei uns, besonders eben in Schwaben (
Ravensburg, Memmingen u. a.)
eine wesentliche weiterbildung, und gautschen
weist nach Schwaben, wo der ausdruck etwa im 14.
jh. sein gepräge erhalten haben mag, ob im anschlusz an das franz., hat die geschichte der papierbereitung zu entscheiden. die bogen werden schichtweise wechselnd mit filzplatten gelegt, die den küssen des bettes verglichen sein könnten; eine abgeschlossene lage von sieben buch heiszt pauscht,
deren drei ein ries
bilden, noch im vorigen jh. aber hiesz es buscht (Hübners
zeit. lex. 1381,
öcon. lex. 1813),
und auch das ist schwäbisch, d. h. baust
wulst (
s. d.)
in schwäb. aussprache bûscht.
s. auch gautschstuhl. 66)
schweiz. auch gautschen, '
spielen, mit einander kälbern, zunächst von kindern' Stalder 1, 433;
auch diesz, und schon im 14.
jh., in der form getschen, s. unter gätsch
mutwillig, das danach selbst in den kreis gehört, der grundbegriff ist gaukeln,
vgl. das getschen
schaukeln unter 3,
c. 77)
nach dem weiteren hintergrunde ist bei der bed. schaukeln zu suchen, s. gautsche 1. 7@aa)
die ursprüngliche form wird gauzen, gauze,
älter gûzen, gûze
gewesen sein, wie beim folgenden gautschen (
vergl. unter klatzen 2);
ein rest davon im 15.
jahrh. in gutzbette
grabatum Dief. 267
b,
ja noch heute fränk. gauz
f., schaukel Schm. 2, 88.
die nächste anlehnung aber findet es bei gaukeln,
dessen grundbedeutung dem schaukeln nahe liegt (
s. besonders 1,
c dort)
und selbst noch darein übergeht (1,
d a. e.),
wie denn auch rheinisch z. b. für schaukel gaukel
vorkommt; s. auch gauken 1,
sich schwankend bewegen und gauke
pumpbrunnen, deren schwengel sich geradezu einer schaukel gleich bewegt (
vergl. nd. schucken
pumpen Schamb. 186
b mit schuckeln
schaukeln das.). 7@bb)
unmittelbar allerdings stehen sie nicht neben einander, denn gaukeln
hat ursprüngliches ou,
nicht û,
wie gautsche;
doch kommt diesz auch bei jenem vor in der rheinischen nebenform gûchelen (
sp. 1554
m.),
vergl. die ablautung das. 3,
a a. e., in der auch das kocken
im bette (
s. unter gautsche 5,
b)
seine stelle finden kann, und zwar in beiden ablautsreihen. dem kocken
gleicht übrigens sachlich appenz. gôga,
was hd. kâgen
wäre, '
auf der bärenhaut liegen', im bett gôgen,
s. Tobler 231
b;
denkt man sich das ursprünglich in dem unter gautsche 5,
b erwähnten hängebette, so ist das schaukeln wieder da, vgl. von der bewegung der wiege (
die wol auch zuerst eine hängende war)
mhd. gugen gagen
sp. 1143. 7@cc)
ganz nahe liegt aber auch, besonders der nebenform gutsche, gütsche
alem. hoczelreide
schaukel Dief.
nov. gl. 274
b, hoczelreite 333
a (
coburg. hötscheln
schaukeln Fromm. 4, 258),
ebenso der form getschen
u. 3,
c hytzelrayde oder schocke,
oscillum, ludus puerorum voc. Nürnb. 1482 o 7
b (
mit y
für i
wie oft dort);
noch bair. bei Schm. 2, 259
sowol hutschen
als hetschen schaukeln, schwanken, das zweite auch von sumpfboden, wie getschen,
und sich hetschen
sich schaukeln, hetschen
f. die schaukel (
böhm. hejčka),
östr. hutschen
f. Castelli 173 (
s. auch hotzen
und hützen
auf und nieder bewegen Stalder 2, 58).
und auch wiege und bett (
eigentlich hängebett)
treten hier gleichfalls auf, und zwar im md. und nd. gebiete, so dasz sich der kreis dieser h-
formen viel weiter zieht als der g-
formen, die wesentlich alem. sind mit blosz spurweisem übergreifen ins bair. (
wonach die h-
formen älter sein werden): hotze, hotsche
wiege Lexer 1, 1345, hocze Dief. 162
b,
auch nd. hotze, hötze Schamb. 86
b,
fichtelgeb. hetsche Fromm. 4, 258,
in der Zips aber gehitsche
n., bettzeug, küssen Schröer 60
b.
vgl. auch mit andrer auslautstufe im 15.
jh. rhein. hutte, hut
oscillum Dief. 402
b,
niederd. hotten
schaukeln, wiegen 86
b,
auch schweiz. hötterlen
schaukeln, hottel
schaukel (
in der ammensprache) Stalder 2, 57
mit weiter auslaufendem begriffskreis. es ist klar, dasz man da an den verzweigungen eines uralten stammes steht, der in die frischeste zeit der sprachschöpfung zurückreicht, und solche sind auch im anlaut gewöhnlich in vollster manigfaltigkeit entwickelt (
s. V, 306. 870
u. o.). 7@dd)
statt der spärlichen k-
formen treten solche mit sch-,
d. i. sk-
auf wie oft (
vgl. unter kratzen I,
g):
bair. östr. schutzen, schutzeln
schaukeln Schm. 3, 424, Höfer 2, 82,
im 15.
jh. sich schutzen Dief.
nov. gl. 274
b;
zu kocken
unter b stimmend schocken
schaukeln, schocke
f. die schaukel, ahd. (
rhein.) scocga Dief. 402
b,
auch wie kagen
dort schacke
oscillum Dief.
n. gl. 274
b (
in Leipzig schackern,
ein kind auf den knien schaukeln),
auch schaukeln
selber, das an gaukeln
erinnert, nd. schuckeln (
s. unter a aus Schambach).
ebenso wechselt g-
oder k-
mit sk-
in sächs. kankel,
mrh. gonkel
schaukel, schwed. kinka, gunge (
s. sp. 1254,
wo mehr)
und ostmd. schunkel
schaukel, nl. schonkelen, schongelen
sich schaukeln Kil.,
mnl. sconghel
schaukel Dief. 402
b;
dieser stamm hat selbst nächste beziehungen zu dem von gagen, gaukeln (
vergl.gaunkeln),
anderseits aber auch zu dem von klanken (
und wieder auch schlanken),
s. d. am ende. 7@ee)
vielleicht kann hier gleich noch ein andrer lichtstreif in älteste sitte und wortschöpfung fallen. die sitte armer, besonders wandernder weiber, ihre kinder wie andere habe auf dem rücken oder huckepack
zu tragen in einem tuche o. ä., ist bei ihrer einfachheit sicher uralt, dem verändernden cultureinflusse entrückt; diesz tragetuch aber, die hucke (
in der das kind huckt, hockt),
ist zugleich faulbett (
hängebett),
wiege und schaukel. so stimmt denn auch sprachlich zusammen z. b. hotze
wiege, hotzelreide, hottel
schaukel (
s. b)
und hotzeln
auf dem rücken tragen (
von menschen),
s. Frisch 1, 471
a, Schm.
2 1, 1194;
vergl. unter kötze II, 3,
a, das auszer korb, d. h. rückenkorb, auch wiege bedeutet. schwäbisch heiszt auf dem rücken tragen gaugen,
auch schwanken wie das so getragene, s. Schmid 222,
und das tritt ebenso zu gauken, gaukeln
und gautschen;
zu gauggen
aber, wie Birl.
Augsb. wb. 183
a wol genauer schreibt, besteht ebenda gaugge
f. rücken (
d. h. als tragstelle)
und rückenkorb, das aufhucken heiszt auf d'gaugga nema,
wie nd. bei Schambach 87
b enen up'n huckeback nemen.
vergleicht man aber rhein. hutte,
schweiz. hottel
schaukel, hotze
wiege, hotzeln
huckepack tragen mit schweiz. hutte
rückenkorb Stalder 2, 67,
nl. hotte Kilian (
franz. hotte),
rheinisch hotte
bütte auf dem rücken zu tragen Kehrein 202,
so sieht das aus, als ob auch der rückenkorb von jener sitte seinen namen erhalten oder behalten habe als man die hucke durch flechtwerk ersetzte, und es kann mit kötze
rückenkorb und wiege dasselbe sein, unbeschadet einer einmischung anderer stämme, wie sie ohne zweifel auch schon in jener ältesten zeit vorkam.