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gautschen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gautschen

Bd. 4, Sp. 1590
gautschen, gäutschen, u. ä., zeitwort zum vorigen. 11) schaukeln, schwäb. Schmid 222, Birlinger Augsb. wb. 183a, schwanken, schaukeln Schm. 2, 86 (vom Lech), sowol trans. als intr.; auch reflexiv sich gautschen, s. 2. schweiz. gautscheln, schaukeln, wiegen, wie kinder es thun Stalder 1, 433. 22) wiegen Schmid, s.gautsche 3 als wiege; sich gautschen, sich wiegend bewegen, els. Arnold pfingstm. 102, zu einem mädchen die kommt um sich im brautkleide zu zeigen, sagt zankend die mutter: halt di doch grad un gautsch di nit so schebb (schief) un laidi. 160. 33) auch mit umlaut 3@aa) gäutschen Birl. a. a. o., schwäb.; im 16. jh.: αἰώρα, oscilla, das geutschen, als auf einem holz, auf und nider. Frischlin nom. c. 177, d. h. was nordd. eine wippe heiszt, s. unter kippe 2. 3@bb) vermutlich auch gütschen, schwäb. 15. jahrh.: oscillare, gytschen. Dief. 402b, zu gytsch schaukel in demselben voc. unter gautsche 5, c (es musz auch geutsche schaukel gegeben haben), d. h. mit kurzem vocal, wie dort gütsch, gutsche. doch ist nach folg. immer auch echtes gitschen möglich (s. auch hitzelraide unter 7, c). 3@cc) oberpfälz. getschen, schwanken, schaukeln, z. b. der schwebwasen im gesümpf getschet, wenn man darauf tritt. Schm. 2, 87; vgl.hetschen schaukeln u. 7, c, und das mhd. getschen unter 6. 44) auf schaukelnde bewegung von wasser, wein u. ähnl. übertragen: schwäb. gautschen, durch schwanken ausflieszen Schmid 222, bernisch göütsche, liquorem in vase agitare Fromm. 3, 85a, z. b. durch einen stosz ans fasz; bei Stalder 1, 432 gäutschen, gäutscheln, hin und her schütten, aus einem fasse ins andre, dazu gäutsch m. solche flüssigkeit, bei Schmidt göütsch n. schlechtes getränk, aus weinresten u. ähnl., s. Fromm. 3, 85a. doch ist da offenbar andres eingemischt oder eingewachsen, vgl. einmal geutschen f., lache Schm. 2, 87, appenz. götz, gutz m. pfütze, götzla, gutzla mit speisen oder flüssigkeiten unordentlich umgehen, auch spritzen u. ä., s. Tobler 231a, anderseits schweiz. gausen (s. d. 1), auch guseln wein vermischen, vermatschen, auch im wasser matschen u. a. (güsel spülwasser, mistjauche), s. Stald. 1, 501, auch dem -tsch näher das. guscheln durch einander werfen, im trüben fischen u. ä. 55) gautschen zu gautsche als bett wird bezeugt durch ein wort der papiermacher, bei denen es sich festgesetzt hatte: gautschen, die aus der bütte geschöpften bogen aus der form nehmen und auf das gautschbret legen, auf dem es unter die grosze presse kommt die das wasser auspreszt, s. Adelung, vergl.gautscher. man schreibt jetzt lieber kautschen und kautscher, und denkt an das gleichklingende engl. to couch und coucher, wie es dort heiszt, auch franz. coucher und coucheur, couchart. allerdings war die kunst des papiermachens früher als bei uns in Frankreich und Italien, erfuhr aber bei uns, besonders eben in Schwaben (Ravensburg, Memmingen u. a.) eine wesentliche weiterbildung, und gautschen weist nach Schwaben, wo der ausdruck etwa im 14. jh. sein gepräge erhalten haben mag, ob im anschlusz an das franz., hat die geschichte der papierbereitung zu entscheiden. die bogen werden schichtweise wechselnd mit filzplatten gelegt, die den küssen des bettes verglichen sein könnten; eine abgeschlossene lage von sieben buch heiszt pauscht, deren drei ein ries bilden, noch im vorigen jh. aber hiesz es buscht (Hübners zeit. lex. 1381, öcon. lex. 1813), und auch das ist schwäbisch, d. h. baust wulst (s. d.) in schwäb. aussprache bûscht. s. auch gautschstuhl. 66) schweiz. auch gautschen, 'spielen, mit einander kälbern, zunächst von kindern' Stalder 1, 433; auch diesz, und schon im 14. jh., in der form getschen, s. unter gätsch mutwillig, das danach selbst in den kreis gehört, der grundbegriff ist gaukeln, vgl. das getschen schaukeln unter 3, c. 77) nach dem weiteren hintergrunde ist bei der bed. schaukeln zu suchen, s. gautsche 1. 7@aa) die ursprüngliche form wird gauzen, gauze, älter gûzen, gûze gewesen sein, wie beim folgenden gautschen (vergl. unter klatzen 2); ein rest davon im 15. jahrh. in gutzbette grabatum Dief. 267b, ja noch heute fränk. gauz f., schaukel Schm. 2, 88. die nächste anlehnung aber findet es bei gaukeln, dessen grundbedeutung dem schaukeln nahe liegt (s. besonders 1, c dort) und selbst noch darein übergeht (1, d a. e.), wie denn auch rheinisch z. b. für schaukel gaukel vorkommt; s. auch gauken 1, sich schwankend bewegen und gauke pumpbrunnen, deren schwengel sich geradezu einer schaukel gleich bewegt (vergl. nd. schucken pumpen Schamb. 186b mit schuckeln schaukeln das.). 7@bb) unmittelbar allerdings stehen sie nicht neben einander, denn gaukeln hat ursprüngliches ou, nicht û, wie gautsche; doch kommt diesz auch bei jenem vor in der rheinischen nebenform gûchelen (sp. 1554 m.), vergl. die ablautung das. 3, a a. e., in der auch das kocken im bette (s. unter gautsche 5, b) seine stelle finden kann, und zwar in beiden ablautsreihen. dem kocken gleicht übrigens sachlich appenz. gôga, was hd. kâgen wäre, 'auf der bärenhaut liegen', im bett gôgen, s. Tobler 231b; denkt man sich das ursprünglich in dem unter gautsche 5, b erwähnten hängebette, so ist das schaukeln wieder da, vgl. von der bewegung der wiege (die wol auch zuerst eine hängende war) mhd. gugen gagen sp. 1143. 7@cc) ganz nahe liegt aber auch, besonders der nebenform gutsche, gütsche alem. hoczelreide schaukel Dief. nov. gl. 274b, hoczelreite 333a (coburg. hötscheln schaukeln Fromm. 4, 258), ebenso der form getschen u. 3, c hytzelrayde oder schocke, oscillum, ludus puerorum voc. Nürnb. 1482 o 7b (mit y für i wie oft dort); noch bair. bei Schm. 2, 259 sowol hutschen als hetschen schaukeln, schwanken, das zweite auch von sumpfboden, wie getschen, und sich hetschen sich schaukeln, hetschen f. die schaukel (böhm. hejčka), östr. hutschen f. Castelli 173 (s. auch hotzen und hützen auf und nieder bewegen Stalder 2, 58). und auch wiege und bett (eigentlich hängebett) treten hier gleichfalls auf, und zwar im md. und nd. gebiete, so dasz sich der kreis dieser h-formen viel weiter zieht als der g-formen, die wesentlich alem. sind mit blosz spurweisem übergreifen ins bair. (wonach die h-formen älter sein werden): hotze, hotsche wiege Lexer 1, 1345, hocze Dief. 162b, auch nd. hotze, hötze Schamb. 86b, fichtelgeb. hetsche Fromm. 4, 258, in der Zips aber gehitsche n., bettzeug, küssen Schröer 60b. vgl. auch mit andrer auslautstufe im 15. jh. rhein. hutte, hut oscillum Dief. 402b, niederd. hotten schaukeln, wiegen 86b, auch schweiz. hötterlen schaukeln, hottel schaukel (in der ammensprache) Stalder 2, 57 mit weiter auslaufendem begriffskreis. es ist klar, dasz man da an den verzweigungen eines uralten stammes steht, der in die frischeste zeit der sprachschöpfung zurückreicht, und solche sind auch im anlaut gewöhnlich in vollster manigfaltigkeit entwickelt (s. V, 306. 870 u. o.). 7@dd) statt der spärlichen k-formen treten solche mit sch-, d. i. sk- auf wie oft (vgl. unter kratzen I, g): bair. östr. schutzen, schutzeln schaukeln Schm. 3, 424, Höfer 2, 82, im 15. jh. sich schutzen Dief. nov. gl. 274b; zu kocken unter b stimmend schocken schaukeln, schocke f. die schaukel, ahd. (rhein.) scocga Dief. 402b, auch wie kagen dort schacke oscillum Dief. n. gl. 274b (in Leipzig schackern, ein kind auf den knien schaukeln), auch schaukeln selber, das an gaukeln erinnert, nd. schuckeln (s. unter a aus Schambach). ebenso wechselt g- oder k- mit sk- in sächs. kankel, mrh. gonkel schaukel, schwed. kinka, gunge (s. sp. 1254, wo mehr) und ostmd. schunkel schaukel, nl. schonkelen, schongelen sich schaukeln Kil., mnl. sconghel schaukel Dief. 402b; dieser stamm hat selbst nächste beziehungen zu dem von gagen, gaukeln (vergl.gaunkeln), anderseits aber auch zu dem von klanken (und wieder auch schlanken), s. d. am ende. 7@ee) vielleicht kann hier gleich noch ein andrer lichtstreif in älteste sitte und wortschöpfung fallen. die sitte armer, besonders wandernder weiber, ihre kinder wie andere habe auf dem rücken oder huckepack zu tragen in einem tuche o. ä., ist bei ihrer einfachheit sicher uralt, dem verändernden cultureinflusse entrückt; diesz tragetuch aber, die hucke (in der das kind huckt, hockt), ist zugleich faulbett (hängebett), wiege und schaukel. so stimmt denn auch sprachlich zusammen z. b. hotze wiege, hotzelreide, hottel schaukel (s. b) und hotzeln auf dem rücken tragen (von menschen), s. Frisch 1, 471a, Schm.2 1, 1194; vergl. unter kötze II, 3, a, das auszer korb, d. h. rückenkorb, auch wiege bedeutet. schwäbisch heiszt auf dem rücken tragen gaugen, auch schwanken wie das so getragene, s. Schmid 222, und das tritt ebenso zu gauken, gaukeln und gautschen; zu gauggen aber, wie Birl. Augsb. wb. 183a wol genauer schreibt, besteht ebenda gaugge f. rücken (d. h. als tragstelle) und rückenkorb, das aufhucken heiszt auf d'gaugga nema, wie nd. bei Schambach 87b enen up'n huckeback nemen. vergleicht man aber rhein. hutte, schweiz. hottel schaukel, hotze wiege, hotzeln huckepack tragen mit schweiz. hutte rückenkorb Stalder 2, 67, nl. hotte Kilian (franz. hotte), rheinisch hotte bütte auf dem rücken zu tragen Kehrein 202, so sieht das aus, als ob auch der rückenkorb von jener sitte seinen namen erhalten oder behalten habe als man die hucke durch flechtwerk ersetzte, und es kann mit kötze rückenkorb und wiege dasselbe sein, unbeschadet einer einmischung anderer stämme, wie sie ohne zweifel auch schon in jener ältesten zeit vorkam.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gautschen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gautschen , verb. reg. act. eben daselbst, die Bogen aus der Form nehmen, und auf das vorhin gedachte Bret legen. Anm. D…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gautschen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gautschen , in der Papierfabrikation das Übertragen des frisch geschöpften Bogens auf den Filz (s. Papier ); dann soviel…

  3. modern
    Dialekt
    gautschen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    gautsche n [kaùtə Lobs. Bühl ; kátə Büst ; kàytə Bf. ] schaukeln, wiegen, sich auf einem Stuhl hin und her bewegen; m…

  4. Sprichwörter
    Gautschen

    Wander (Sprichwörter)

    Gautschen Sie gautscht daher, wie die Ent' im Dreck. ( Nürtingen. ) – Haug.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gautschen

4 Bildungen · 2 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

gautschen‑ als Erstglied (2 von 2)

gautschenbett

DWB

gautschen·bett

gautschenbett , n. gleich gautschbett, s. gautsche 2; im demin.: als sie ( die sieche ) in irer stuben uf ainem gautschenbetlin gelegen. Zim…

gautschen II

RhWBN

gautschen II -ǫu- Kreuzn-Rümmelsh , Goar-Breitschd schw.: bellen, von Hunden. Vgl. gauzen.

gautschen als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von gautschen (1 von 1)

vergautschen

LothWB

ver-gautsche n , ver-gaitsche n tr. v. Ri. u. s. durch unruhige Bewegung aus den Fugen bringen: de Stuhl vergaitsche. — els. 250 vergaütsche…

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Cotta, M. (2026). „gautschen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gautschen/dwb?formid=G02492
MLA
Cotta, Marcel. „gautschen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gautschen/dwb?formid=G02492. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gautschen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gautschen/dwb?formid=G02492.
BibTeX
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