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gottesgabe

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gottesgabe f.

Bd. 8, Sp. 1240
gottesgabe, f. 11) 'um gottes willen' gemachte zuwendung, stiftung; pfründe, geistliches lehen. 1@aa) eine verdinglichte stiftung an kirchliche institutionen. am häufigsten unter dem gesichtspunkt, dasz die stiftung als geistliches lehen, pfründe oder laufende sach- oder geldleistung eine von der kirche verwaltete oder zu vergebende einkommensquelle ist für bestimmte nutznieszer, insbesondere für die inhaber einer solchen mit einem geistlichen amt verbundenen pfründe, für sozial betreute personen und für zu unterhaltende einrichtungen. die bei Haltaus gloss. 741 und im anschlusz an diesen bei Fischer schwäb. 3, 767 angegebene spezielle bedeutung 'patronatsrechte' ist nicht nachweisbar, die dort verzeichneten belege meinen das geistliche lehen selbst. im späten mittelalter sehr häufig belegt, vgl. Lexer 1, 1055; Haltaus a. a. o.; Schmeller-Fr. bair. 1, 862; Fischer a. a. o.; schweiz. id. 2, 53; dt. rechtswb. 4, 1016 u. a.; seit dem 16. jh. schwindet dieser terminologisch feste gebrauch allmählich, aber noch Schwan nouv. dict. (1783) weist auf ihn hin: gottesgaben 'die kircheneinkünfte' 1, 779a, und Campe 2 (1808) 431a bestätigt ihn noch regional. glossierungen von lat.beneficium im 15./16. jh., z. b. Diefenbach gl. 71c, sind wohl hierher zu stellen: item Embrich von Lewenstein hat zuo lehene die gotzgabe von der kirchen zuo Zvenkirchen (1250) corp. d. altdt. originalurk. 1, 25, 11 Fr. Wilhelm; der vogel bedäut die ungezogenen pfaffen in der christenhait, die vaizt gotsgâb habent von iren kirchen und sie doch verunrainent mit iren sünden Megenberg buch d. natur 173 Pfeiffer; wand er (der römische legat) verkoufte und vergrempete gotz goben offenlichen do (Straszburg 14. jh.) städtechron. 8, 50; eynnahme gotzgabe von handtwerken und bawerschafften. einlagen, zunfftgerechtigkeitten, ansprachen (forderungen), bussen, straffen und koren (geldstrafen) wes sich der dinge biszanher ynnerhalb der stadt bey den handtwercken, und auszwendig uffen lande ynn dorffern, bey den bawern ym gemeinem unnserm kirchspiell, ynn vorrathe, als gottes gaben, versamlet, ... sollen allenthalb ynn gemeinen kasten geschlagen ... werden (1523) Luther 12, 19 W.; so die gottsgab und pfrüent ledig wirdt, es sei, das ain friemösser (geistlicher, der die frühmesse hält) mit tot abgehet oder sonst von dannen ziechen wolt und nicht persohnlichen auf der gottsgab bleiben wolt, so soll kain friemösser kainen andern ... stöllen ..., sonder er soll die gottsgab ... denen von Glurns ledigclichen aufgeben, inmassen als die von Glurns ihm die verlichen haben als verleicher der gottsgab (1643) österr. weist. 4, 11. unter dem aspekt des stiftens, einrichtens der gottesgabe kann das wort in die nähe von seelgerät (s. d. u. unt. b) rücken: ist dis selgrätt vnd jerlich gottsgab geben vnd gesetzt ab den obgenanten guetern (14. jh.) in: geschichtsfreund 26, 283; niemant ist vnwissen daz alle gotzgaben an klOester vnd pfrnen dermasen vmb gottes willen sein geben worden Gebweiler beschirmung d. lobs Marie (1523) 35b; gottsgaben, als an die kirchen, schulen, in gemeinen armen leuten seckel, mag einer, nachdem ihn gott ermahnet, vergaben (1747) in: schweiz. id. 2, 54. mit verwandter zweckbestimmung: das wir (wollweberknechte) in allen stetten ein buchsen haben, in die wir alle fronvasten ein gotzgabe legen (zur errichtung einer krankenkasse), unser ieglicher einen pfenning der múntze (Zürich 1336) in: dt. rechtswb. 4, 1016. 1@bb) seltener und jünger die der kirche als 'seelgerät' oder sonst zum eigenen seelenheil gelegentlich gemachten zuwendungen, weihgeschenke, auch in nicht christlicher anwendung: der tempel hangt voller gotsgab von silber, gold Seb. Franck bei Fischer schwäb. 3, 767; σπονδή, libamen, libatio gottesgab, opffer Frischlin nomencl. (1586) 213b; anathema gottsgaab ..., so man in den kirchen aufhenckt Dentzler clavis ling. lat. (1716) 45; Aler dict. (1727) 1, 974a. 1@cc) allgemeiner almosen für die armen: he (der bettler) hahlt sik ne gottsgaw mecklenb. ma. in: korresp.-bl. d. ver. f. nd. sprachf. 15, 19b; vgl. schweiz. id. 2, 53. 22) unverdiente, aus wohlwollen und güte gewährte wohltat, gabe, geschenk gottes; im anschlusz an die verbindung gottes gabe (unter gott sp. 1041). 2@aa) objektive werte, geistig-seelische kräfte und fähigkeiten des menschen, gnadengaben: darumb so hat er (der mensch) verloren die vrspringliche gerechtikeit, justiciam orginalem, die selbe genad vnd gotzgabe ist ym genummen worden J. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 152a; es leit als an gote und ist als gottes-gabe. wie vil kuenst einer habe, si sint sie doch nicht seine, sunder gottes alleine Hans Sachs 22, 199 lit. ver.; treue in unserm herzen ist die erste gottesgabe Herder 31, 466 S.; geschmack kann verfeinert und geübt werden; aber er ist eine angeborne gottesgabe Friedrich Arndt in: E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 151; befragt, ob er (der wunderdoktor) denn besondere gottes-gaben besitze, versetzt er: nein, aber ein altes receptbuch Hebbel tageb. 4, 230 Werner; wie ... schön das leben sei, eine wahrhaftige gottesgabe H. Stehr d. Heiligenhof (1918) 1, 283. 2@bb) einem mehr kreatürlichen bereich zugehörige gaben gottes. 2@b@aα) kinder oder deren besitz als geschenk gottes: bey disem schwanck ein jung mann lehrt: wenn gott ein erben im beschert, ... dasz er gott sol dancksagen thun als seiner reichen gottesgab Hans Sachs 21, 209 lit. ver.; gott helff vns wider gsund zusamen vnd verleyh euch auch kindeskindt, die ein bsonder gottsgaben sindt! Ayrer dramen 1000 lit. ver.; da sieht man's recht, was für ein leiden es ist, wenn die gottesgabe (das kind) so spät kommt W. Raabe s. w. I 1, 178 Klemm; Stifter s. w. 1 (1904) 196. 2@b@bβ) zeitliche güter, lebensnotwendige oder -erhaltende, angenehme gaben: dann das ich got lobet vnd het es (das gefundene geld) für ain gotzgab Fortunatus (1509) 40 ndr.: das (die prügel) wär der rechte lohn, den wir verdienet haben, dasz wir schändlich verthan die edle gottesgabe des leibes und auch seele (1628) dreiszigjähr. krieg 415 Opel-Cohn. in heidnischem zusammenhang, aber durchaus christlicher redeweise: so hat mich got genidert vnd in armuot fallen lassen andern zuo ainem beispil vnd warnung, das sie die zeitlichen gter vnd andere gotsgaben wol gebrauchen, recht leben vnd nit thuon wie die werber in diesem hausz Schaidenreisser Odyssea 176 Weidling. von naturprodukten, besonders solchen, die die nahrung sichern: die gotzgab des salzs (1516) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 959; vieh, wolle, getreyde, butter, milch und ander gueter. es sind gotts gaben, die er aus der erden gibt und unter die menschen teylet (1524) Luther 15, 293 W.; wo sich auch vber khurcz oder lang die gottesgaben im perg meren, vnd mer arczt als yeczt gehauen und gebrochen würde (1541) in: dt. rechtswb. 4, 1016; so sol ein fremdes volck denn unsre früchten haben, und die in unserm land gewachsne gottes-gaben? Lindenborn Diogenes (1742) 2, 198; durch's korn? durch unser eigenthum, die gottesgabe? Grabbe w. 2, 399 Bl. überhaupt nahrungsmittel: so könnt ihr doch noch einen trunk wassers mittheilen, denn dies ist eine gottesgabe, die dem armen wie dem reichen angehört Miller pred. f. landvolk (1776) 1, 156; das volk will dann zu essen haben, verzehren bescherte gottesgaben. so friszt's würmlein frisch keimlein-blatt, das würmlein macht das lerchlein satt Göthe I 16, 78 W.; alle übrigen von den Römern gestohlenen und liederlich verschwelgten gottesgaben: linsen, erbsen, kohl und grosze bohnen Grabbe w. 3, 573 Bl.; menschen, ... die die gottesgabe des stockfisches verachteten Ina Seidel Lennacker (1938) 43. prägnant das brot: wir Deudschen heissens (das manna) aus dem 6. capitel Joannis himelbrot, aber sie (die juden) habens gottesgabe genennet (1525) Luther 16, 299 W.; davon (vom zerschneiden des brotes) offt viel brosamen unnützlich verfallen, dasz man ... mit füssen auf der gottes-gab umgehet Hohberg georg. cur. (1682) 1, 201; doch war es eine freude zu sehen, wie sorglich die frau die 'gottesgabe' behandelte, ihrem sohne zuschob und für sich fast nur die krumen zusammenscharrte G. Keller d. grüne Heinrich (1854) 1, 29. in der speziellen anwendung auf eine aus heilkräutern hergestellte arznei, wohl kaum von 3 herzuleiten: diese latwergen wirdt hoch geprisen, dasz man sie gottes gab nennet Wirsung artzneyb. (1588) 528a. 2@b@gγ) auf der grundlage von β, aber aus der religiösen beziehung sich lösend, mit auszeichnender funktion des ersten kompositionsgliedes (vgl. kompositionstypen gott I G) von angenehmen, erfreulichen dingen, die jemandem zufallen. häufig vom wein, z. t. noch ganz im sinne von β: es ist ja freylich gottesgabe, parentirt er (der moralist), da des wirthes wein gelobt wird portraits (1779) 107. innerhalb eines biblischen bildes: so erlaubt er (gott) mir doch, in seinem weinberge zu arbeiten, ich brauche nur die trauben zu lesen, zu keltern, zu pressen, zu bütten, und ich habe dann die klare gottesgabe H. Heine s. w. 3, 181 E. z. t. weniger gewichtig: die gottesgabe ist dort (in Frankreich) ... reichlich und wohlfeil H. Laube ges. schr. (1875) 5, 110; sein verhältnis zur gottesgabe des weines war wohligheiter von je Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 183. sonst in gelegentlichen anwendungen sehr unterschiedlicher art; beteuernde oder auszeichnende attribute unterstreichen oft den elativen charakter: es ist eine rechte gottesgabe um einen weisen und sorgfältig (!) freund Schiller br. 5, 469 Jonas; es ist doch eine köstliche gottesgabe um ein alter von achtzehn jahren Schreyvogel ges. schr. (1829) 1, 25. oft durch die ungewöhnlichkeit der beziehung mit leicht scherzhafter wirkung: da liegt nu die liebe gottesgabe (ein schnaps) Müller v. Itzehoe Siegfried v. Lindenberg (1781) 1, 104; so ein plumpudding ist eine wahre gottesgabe Kotzebue s. dram. w. (1828) 29, 303; so ein schlag-drein wie der Gerlach ist doch manchmal eine wahre gottesgab' Bauernfeld ges. schr. (1871) 6, 157. hierher mundartliche redensarten: da is gotts gave överall 'da gehts herrlich, überflieszend her; drunter und drüber' Schütze holst. id. 2, 56; harn wi dat nig daan, so weer gotts gave överall gaan 'so hätte man uns keine ehre gelassen' ebda; Mensing schlesw.-holst. 2, 445; vgl. unter gottesgewalt 1 b. 2@cc) das geschenk gottes wird gelegentlich in der form eines sachverhalts umschrieben, es ist eine gottesgabe, dasz oder wenn ...: denn welchem menschen gott reichthum vnd gter vnd gewalt gibt das er dauon isset vnd trincket fur sein teil, vnd frOelich ist in seiner erbeit, das ist eine gottesgabe (erste dt. bibel: gib gotz) prediger 5, 18; ein grosse gottesgabe ist es, eins hohen standes seyn, aber viel ein höher gottesgabe ist es, wenn ein fürst und herre gelert ist und fürchtet gott (1527) mon. Germ.d. 21, 16; wenn nun zugleich aus dem untergange Ottokars die gründung der habsburgischen dynastie in Östreich hervorging, so war das für einen östreichischen dichter eine unbezahlbare gottesgabe Grillparzer s. w. 19, 107 Sauer; L. Thoma Kaspar Lorinser (1937) 35. 2@dd) ironisch von unangenehmem, besonders von krankheiten: meine krämpfe sollt ihr haben, speichelflusz und gliederzucken, knochendarre in dem rucken, lauter schöne gottesgaben H. Heine s. w. 1, 429 E.; dieser moraldefekt (ein in moralischer schwäche begangenes verbrechen zu verschleiern) ist eben eine gottesgabe für sich, die sich mit jedem temperament und jeder manier verträgt Fontane ges. w. (1920) II 2, 378; A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 400. 33) als pflanzenname für chelidonium majus L. 'schöllkraut'; analoge bildung zu himmelsgabe, das eine lehnübersetzung ist aus lat. coeli donum, welches seinerzeit von den alchimisten aus chelidonium entstellt wurde, vgl. Kanngiesser d. etym. d. phanerogamennomencl. 42; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 931: schelkraut, schelwurz, schwalbenkraut, ... gotsgab, ... gall. esclere, chelidonie Toxites onomast. duo (1574) 224; wohlan, ich trag den kranz (aus 'schwalbenkraut'), den ich nun habe, er heiszt auch hergottskraut, und gottesgabe Brentano ges. schr. (1852) 6, 78. vereinzelt auch für andere pflanzen neben häufigerem gottesgnade (s. d.): gratiola officinalis L. Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 169; geranium Robertianum L. Fischer schwäb. 3, 768.
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Ableitung von gottesgabe

gottesgab + -e

gottesgabe leitet sich vom Lemma gottesgab ab mit Suffix -e.

Zerlegung von gottesgabe 2 Komponenten

gottes+gabe

gottesgabe setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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