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seihen

ahd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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16 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

seihen verb.

Bd. 16, Sp. 205
seihen, verb. (vergl. oben seigen). 11) im altn. ist ein schwaches verb. sía, durchsickern lassen bezeugt; ags. seón ist stark, prät. sáh, plur. sigon, part. sigen, siwen, seowen, die bedeutung ist transitiv (to strain, filter) und intransitiv (to ooze, trickle). ahd. starkes verb. sîhan in transitivem sinne, excolare, colare, dagegen bisîhan, versiegen, trocken werden, irsiwaniu, vacuefactus Graff 6, 133. man vergleicht sanskrit. siñcati, er gieszt aus; mit sîhan verwandt sind nhd. seichen, mingere und sîgan, sinken; ags. sígan erscheint auch in gleicher bedeutung wie seón, vgl. mhd. mnd. sîgen, tröpfelnd rinnen. ahd. bisîhan, versiegen, austrocknen läszt sich aus der im ags. hervortretenden bedeutung des einfachen verbums 'tröpfelnd rinnen' verstehen, weil das versiegen als ein einsickern unter die oberfläche gedacht wird; daneben ist in gleichem sinne irseigrên bezeugt (Graff 6, 131), vgl. oben erseigern theil 3, sp. 982; mhd. sîhen (mhd. wb. 2, 2, 286a ff. Lexer mhd. handwb. 2, 919), stark flectierend, part. gesigen, erscheint fast immer in transitiver bedeutung, durch ein sieb, tuch u. ähnl. laufen, rinnen lassen, doch vergl. Lexer a. a. o., intransitiva: besîhen, ersîhen, versîhen, ausflieszen, vertrocknen; causativ: erseigen, versiegen machen, erschöpfen (ebenso erseigern), verseigen, ausflieszen lassen. in der weiteren sprachentwicklung vereinigen sich zerstörung des grammatischen wechsels und übertritt in die schwache flexion zur verwirrung der verhältnisse; lange hält sich das starke part. perf. gesigen, im präs. tritt neben seihen seigen auf. dieses seigen zeigt auch intransitive bedeutung ('rinnen, tröpfeln'), auch die, wie sie ahd. bisîhan aufwies (s. unten): seigen, vertrocknen, ausgehen; ebenso verseigen, an dessen stelle später das zum part. versiegen neugebildete verb. versiegen tritt. 22) transitives seihen, colare; die im älteren nhd. besonders im md. übliche form seigen (die hier und da zu säugen entstellt wurde, s. unten Günther 534), ist jetzt aufgegeben, die flexion durchaus schwach geworden: daʒ waʒʒer, daʒ gesigen ist oder gewaschen durch der veigenpaum aschen. Megenberg 322, 30; colare, sihen, seihen, als die milch durch ein tuoch, sichen, sygen, seigen, siggen, syen, zien, sighen, durchsiegen Diefenbach 131a; excolare, syhen, usz-, us-, auszsyhen, -seyhen 215a; qualus, eyn korp da man milch o. most durch syhet 477a; colare, sygen, sigen, seychen nov. gl. 99b, vgl. Schiller-Lübben 4, 206a; gesigen roshoning, melus rosarum colati. quelle bei Schm. 2, 248; seygen durch ein sack oder tuoch. Maaler 371b; den weyn durch ein sack sygen, das er nit zerauch seye. 397a; durchschlagen, seyhen, colare Henisch 774, 49; seihen, durch eine seihe gieszen unnd lauffen lassen. Hulsius dict. (1616) 295b; ich seihe, seige, seihete, seigete, gesiehen, gesigen Schottel 595; seigen, geseiget, colare; bier, wein, essig seigen, zucker seigen; geseigetes, ungeseigetes getränke. etwas durch kleckpapir durchseigen Stieler 1660. seigen, geseiget et usitatius seihen, geseihet ... in participio habet: geseiget, gesieget, et gesiegen. 1999; seihen, dasz das flüssige klar wegfliesze. Frisch 2, 260b; die milch durch ein leinen tuch, den wein durch löschpapier, die grütze durch den durchschlag oder seiher seihen Adelung (seigen ist ihm mundartlich); dagegen hält Campe seigen für die bessere form; zum gebrauche der mundarten: seichen mit starkem part. perf. g'sichn, g'sign Schm. 2, 248; seichen, g'sîchen Schöpf 666; saigen Zingerle 48b; sejen Liesenberg 213; seigen Weinhold 90a; sēgen Frischbier 2, 336a; dörsijen, upsijen, die frische milch durch den seiher in die milchnäpfe laufen lassen brem. wb. 4, 785, sijen Dähnert 423b, siggen Woeste 237a, sējen ten Doornkaat Koolman 3, 169b; herausz geseihet als ein podenschar (bodensatz). d. städtechr. 3, 144, 2; jr verblente leiter, die jr mückea seiget, und kamel verschluckt. Luther 1, 7a. Matth. 23, 24; sol doch das meer drumb gesaltzen sein, das es durch die erde, wie durch ein laugensack gesiegen wird. Mathesius Sar. 119b; durch ein tuch gesihen und zu trincken geben. Forer fischbuch 117b; das wasser werde so lang durch die äsche geseyet und durchgegossen, bisz gar laugen drausz werde. Zincgref apophth. 1, 220 (1639); bisz der wein anfängt zu sieden, der hernach gesiegen, aufbehalten und getruncken wird. Hohberg adl. landleben 1, 175b; durch ein sauber tuch gesihen. 2, 11a; dasz man sie (die laune) für solche leute durch so viel löschpapier und filzene filtrierhüte seihen musz, dasz ich keinen korrekturbogen nachher darum gebe. J. Paul Kampanerthal 23; da kanstu durch den bart hübsch seigen solchen tranck. W. Scherffer d. Grobianer (1640) 235; indem doch euer hertz ein Pharisäer ist, der eine mücke säugt und zehn camele frist. Günther 534; wenn die kuh ist gemolken, die milch ist geseiht, so will ich schon kommen; da ist es noch zeit. wunderhorn 2, 22 Boxberger (vgl. Schmeller 2, 248). reflexiv: dardurch das wasser in den samenkasten sich seicht. Tucher baumeisterb. 164, 24; es wird jederzeit etwas von demselben (dem regenwasser) durch alle schichten bis zu den felsigten sich hinunterseigen. Kant 9, 18. 33) seihen, seigen, tropfen, tropfend flieszen. in diesem sinne ags. sígan, mhd. mnd.gen. seygen, rünnen, fluere, manare Maaler 371d; seigen, rinnen, profluere Schottel 1414; (nesselpflaster) truckhent dy seigunden geswer. quelle bei Schmeller 2, 248; alsz ein schnee, der erst vom himmel gesiegen. W. Scherffer ged. (1647) 405; bald aus dem wolcken-leib ein regen abwerts seiget. H. Hugonis gotts. verl. 233 (1662). durchseihen, durchflieszen wie durch ein feines sieb: die feuchtigkeit, welche durch die keime zu den übrigen theilen durchseiht. Göthe 53, 46; aber transitiv: feuchtigkeit, indem sie die pflanzengefäsze durchseihet. 47; abseihen, defluere per colum Frisch 2, 260b; erseihen, erseigen, abflieszen; dann aber besonders in dem sinne, dasz die flüssigkeit verflieszt und trockenheit, erschöpfung entsteht, vgl. Schm. 2, 248. 2, 236, oben th. 3, sp. 982, ahd. irseigren Graff 6, 131. ebenso auch abseihen: der brunnen ist abgesigen Schöpf 667; beseihen (vergl. ahd. besîhan unter 1) wird besonders vom versiegen der milch bei den thieren gebraucht: bei der kuh beseicht die milch, kühe beseichen. Schöpf 667, vgl. Schm. 2, 248 (hier auch: der brunnen beseicht), s. oben beseichen 3, theil 1, sp. 1613; die kuh, das schaf ist aufgesiegen, sie geben keine milch mehr. Adelung (unter aufseigen); zerseigen, diminui, perire; verseigen, exsiccari Stieler 1660. verseihen, vom vieh wenn die milch vertrocknet. Frisch 2, 260b, weiteres s. unter versiegen. einfaches seigen im sinne von versiegen: die wälder fangen feur! die kühle bäche stehn und seigen. A. Gryphius (1698) 1, 701.
6838 Zeichen · 138 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    seihen

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    seihenAWB sw.v. I, im Abr (Kb, Ra): ‚schmelzen; mulcēre‘ 〈Var.: -ehh-, -hh-〉. o-stu- fige Ableitung von sîhan (s. d.); w…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    seihenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    seihen , seigen swv. BMZ seihen, colare Dfg. 131 a , n. gl. 99 b . Diem. arzb. geseicht abgesondert ausz Chr. 3. 144,2. …

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    seihensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    seihen , sw. V. Vw.: s. seien (1)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Seihen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Seihen , verb. reg. act. einen flüssigen Körper durch einen porösen festen laufen lassen, damit das darin befindliche Di…

  5. modern
    Dialekt
    seihen

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    seihe n [zéïən Fo. D. Si. ; zèijən Pü. séïə Ri. Ha. — Ptc. gəzí, gəzéït, gséïd] 1. tr. durchseien, filtrieren: Milich s.…

  6. Spezial
    seihen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    sei|hen vb.tr. scoré (scora), filtré (-rëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit seihen

9 Bildungen · 2 Erstglied · 5 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von seihen 2 Komponenten

sei+hen

seihen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

seihen‑ als Erstglied (2 von 2)

seihen als Zweitglied (5 von 5)

abeseihen

KöblerMhd

abe·seihen

abeseihen , sw. V. nhd. abseihen Hw.: vgl. mnl afsigen, afsien, mnd. afsīen Q.: BvgSp, SalArz (Anfang 13. Jh.), WälGa E.: s. abe, seihen W.:…

abseihen

DWB

abseihen , colare, durch seihen absondern, das wasser von der grütze, von den erbsen abseihen, dann die grütze, erbsen abseihen. die milch, …

Aufseihen

Adelung

auf·seihen

Aufseihen , verb. reg. act. zum künftigen Gebrauche seihen. Die gemolchene Milch aufseihen, sie in die Gefäße seihen, worin sie verwahret we…

durchseihen

DWB

durch·seihen

durchseihen , durchseigen , mhd. durchsîhen, niederd. dôrsien Schambach 46 a , niederl. doorzijgen. im ahd. und mhd. galt die starke form, d…

Ableitungen von seihen (2 von 2)

erseihen

DWB

erseihen , excolare, percolare, seihen, durchseihen, ahd. irsîhan, praet. irsêh, part. irsiwan ( Graff 6, 134 ), was auf ein goth. usseihvan…

verseihen

DWB

verseihen , verseigen , verb. 1 1) verseihen, durch langsames austropfen ve trocknen; mhd. versîhen, starkes verbum ( Lexer mhd. handwb. 3, …