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schinken

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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16 in 16 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schinken m.

Bd. 15, Sp. 203
schinken, m. , mhd. schinke mhd. wb. 2, 2, 148b. Lexer mhd. handwb. 2, 752; ahd. scincha, f. und scincho, m. Graff 6, 519; mnd. schink, schinke, schenke, m. und schinke, schenke, f. Schiller - Lübben 4, 97b (vgl. perna, dy schincke im vocab. des Trochus bei Dief. 428a), n. skinke, schwed. skinka, f. (wol aus dem deutschen entlehnt). das wort steht wie schenkel (th. 8, sp. 2544) in naher beziehung zu ags. sceanca, crus, altfries. skunka, schonk, schenkel, schenkelknochen, beinröhre Richthofen 1034b, n. skank, schwed. sknk, engl. shank. das deutsche schinken bezeichnet zunächst den knochen des beines, dann dieses selbst (ahd. schincha, schincho glossieren crus und tibia). eine oberd. nebenform ist schunke, schunken Schm. 2, 433. Schöpf 651. Lexer 218. Seiler 265a; petaso, schunck Dief. 431, westphalische schuncken Fischart bienenk. 112a (2, 8); so auch in älterer schriftsprache mit oberd. färbung: darausz erscheinet, dasz Anacharchis ein rechter teutscher schuncken- und knackwurst-esser musz gewesen seyn. Zinkgref apophth. 1, 425; bratwürste und fette schuncken. Simpl. 1, 10, 28 Kurz; sechs westphälische schüncken. 2, 249, 20. schinke, et schinken, der, quod etiam schunke nonnullis in locis vocatur. Stieler 1787, vgl. Frisch 2, 184b. auch nd.: he het grote schunken, lange beine brem. wb. 4, 714; dagegen heiszt die zubereitete keule des schweines stets schinke, schinken im niederd. 11) in älterer sprache im sinne von bein oder schenkel bei menschen und thieren (s. Graff 6, 519): ich sihe an iuwern (des wolfes) schinken, ir müeʒet jârlanc hinken. Reinhart Fuchs 308, 475; er sluoc im eines swertes slac daʒ im der eine schinke lac pî im ouf der strâʒen. H. v. Neustadt Apoll. 5478; und lembt er (der wein) uns die schincken, sô muos er doch herein. O. v. Wolkenstein 9, 2, 4; [] Engelmair, der noch ganze schinken hat. fastnachtsp. 420, 24; so vermags ir keiner auf den faulen schinken. 566, 16; so schlah in mit eim prügel ümbt die schinken und unten ümb di schinpain. 686, 26; weib gib mir her zu trinken, ich bin so müed auf meinen schinken (Christus zur Samariterin). Sterzinger ostersp. v. 1526 bei Schmeller 2, 433; umbgreiff ym (beim ringen) sinen schinken aufwendig. quelle bei Scherz-Oberlin 1410. mundartlich und in derber rede ist dieser gebrauch erhalten, doch häufig unter einwirkung der folgenden bedeutung, vgl. Frommann 6, 343. Hintner 216. Lexer 218. Schöpf 611; mit derb scherzender art: lange schinken machen, schnell laufen, sich davon machen; er hat lange schinken, lange beine; ênem de schink'n besên, ihn durchprügeln Danneil 243a; he ligt mit schinken und backhast up'n disk, liegt lümmelhaft auf dem tisch Wander 4, 190, vgl. Schütze 4, 50; hool dine schinken liek, halte die beine grade; o herre gott im himmelriek mak em doch sine schinken liek. grabschrift. Schütze a. a. o.; besonders am weibe: wenn mit leisen hutfilzsöckchen meine braune Trutschel geht, und ihr rothes büffelröckchen um die dicken schinken weht. Hölty 205 Halm. vergl. den alten nd. reim, den die begleiterinnen einer sechswöchnerin dem manne zurufen, wenn sie ihm die frau vom kirchgange zurück bringen (Dähnert 408a): enen guden dag, her weerd, hiir gaan wi driwen üm juwen heerd: wi bringen juw twe gewijde schinken; redet juw t'awend up enen stiven finken. ebenso derb an den bräutigam: recht frolik wille wi sin! du krigst twe frische schinken: den brutwin wil wi dar mede drinken. Daniel v. Soest 195, 2597 Jostes. in Preuszen heiszt eine konkubine schinkenschwester, einer, der mit der frau eines andern geschlechtlich verkehrt, schinkenschwager, -bruder. Frischbier 2, 274a. in zusammensetzungen mit wahrung der ursprünglichen bedeutung von schinken; mhd. barschinke: ein rîter sol niht vor vrouwen gên parschinc, als ichʒ kan verstên. d. wälsche gast 457. der blutschink ist in Tirol ein kobold, mit dem man die kinder schreckt. Schöpf 611. Hintner 28, ebenso in Kärnten, s. Lexer 34. der wadschinke ist der unterschenkel eines rindes. Schm. 2, 433. blintschink, blindschleiche Zingerle 49b. 22) am schlachtthier der oberschenkel mit dem hinterstück: schweine-, rinder-, pferde-, bärenschinken; manigen durren schinken mues si essen von dem kastraun. Vintler blum. d. tugend 9529. gewöhnlich in engerer anwendung von den hinterkeulen des schweines: perna schulter, forder schweine hame sampt dem fuosz, petaso, schinke, der hinder hame. H. Junii nomencl. (1629) bei Schmeller 2, 433; bei Stieler 1788 von den entsprechenden stücken der vorderbeine: schinke von der vordersten hamme, perna, schinke von der hindersten hamme, petaso Stieler 1787. schinken und schullern, die ganze speckseite, bildlich von schlecht gewählten tafelgerichten. Schütze 4, 50. nach art und zubereitung: fetter, magerer, durchwachsener, gekochter, geräucherter, roher, kalter schinken: einen kalten schincken aufsetzen. Steinbach 2, 419; gekochte schünken, würflich geschnitten. kochbuch von 1795 bei Schöpf 651. nach der herkunft: westphälische (vgl. nd. korrespondenzbl. 13, 41), Prager schinken; alsô geschiht dem mesteswîne, swen eʒ hie stirbet, mit sînem tôde man vil manegen guoten vriunt erwirbet, man sendet schuldern, schinken, sülzen, braten manegen man. minnes. 3, 46b Hagen; du mochst uns gheven en braden eyg unde dar to wat van deme schinken. Redent. ostersp. 1332 Schröder; bringt mir einn alten schincken herein, damit will ich zu frieden sein. Hollonius somn. vitae hum. 49 neudruck; so stach kein schincken ie dem windhund in die nase. der junge Göthe 1, 202; in desen hilligen daegen eyn schink und eyn kanne wyns metten anderen toe eten und tho dryncken. quelle von 1534 bei Schiller - Lübben 4, 98a; were es nicht ein toller kauffmann, [] der zu Franckfurt in der judengasse wolte einen kram auffschlagen, und schincken, bratwürste und leberwürste verkauffen. Schuppius 333; indesz er aus einer vor ihm stehenden schüssel mit schinken und einer groszen korbflasche wein seinen animalischen theil 'erfrischte'. Grillparzer 15, 91. 33) besondere redensarten (vergl. schinkenschneiden, n., ein kinderspiel): einen schinken im salze haben, mit jemandem, bei jemandem; so lange der schinken im salze liegt, ist er noch nicht gar; die redensart bezieht sich daher auf eine noch unausgetragene, unausgemachte sache, gewöhnlich auf miszhelligkeiten, unangenehmen streit (vgl. mit jemanden ein hühnchen zu pflücken haben). wer ein schincken im saltz hat, der musz schweigen, wenn ander leut reden. Petri (1605) 2 Fff 4a; er hat allschon einen schinken bei mir im salz. quelle von 1746 bei Dief.-Wülcker 838; enen schinken im solt hebben, für einen fehler noch rede und antwort zu geben haben. Dähnert 408a; enen vulen schinken im solte hebben, noch eine alte schuld abzumachen haben. brem. wb. 4, 656; du hest noch 'n schink'n bi mi in't solt, ich habe mit dir noch über eine sache zu rechten. Danneil 201b (s. oben salz 5, f, theil 8, sp. 1708). mit der wurst nach dem schinken werfen, das gröszere zu erlangen suchen, indem man das kleine hingibt. ich danke ihnen, mein lieber Ebert, für den schönen schinken, den sie mich mit meinem würstchen haben abwerfen lassen. Lessing 12, 513. umgekehrt: den schinken nach der bratwurst werfen, groszes anwenden um weniger zu gewinnen (Sachsen). nd. en ollen schinken is beater äs en nöchtern kalw, besser eine gesetzte person als ein zu junges mädchen heiraten. Wander 4, 189. 44) schinken, ein altes buch, ein alter schmöker; zufrühest gewisz in der sprache der studenten und schüler mit beziehung auf das einbinden in schweinsleder (vgl. schwarte): (wer) den unverschämten kiel in gall und lügen taucht, zehn alte schincken liest! den eilfften darzustellen. Günther 504; ja, sagte er, das ist ein rechter alter schinken. Tieck novellenkranz 4, 234; alte schungge, veraltetes buch. Seiler 265a. 55) in Basel wie schelm, tropf: der arme schungge durt mi doch. Seiler a. a. o.
7939 Zeichen · 161 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schinkenstv. I, 3.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    schinken stv. I, 3. s. v. a. schenken, propinare Dfg. 465 c . Mone z. 5,459 1337 ; dâ schank ich 1 gulden Weinsb. 16. ta…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schinken

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Schinken , des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. das Schinkchen, Oberd. Schinklein. 1) * Das dicke Bein mit dem Gesäß; …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schinken

    Goethe-Wörterbuch

    Schinken auch -ck- zum Verzehr gekochtes oder geräuchertes Stück Schenkel od Keule vom Schlachtvieh, meist vom Schwein; …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schinken

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schinken , die gepökelten und dann geräucherten Keulen u. Schultern ( Vorderschinken ) der Schweine. Die besten deutsche…

  5. modern
    Dialekt
    schinken

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    schinke n [šinkə Sgd. Lix. u. s.] impers. v. die Glocke anschlagen: es schinkt einzelne Glockenschläge ertönen. Es hat g…

  6. Sprichwörter
    Schinken

    Wander (Sprichwörter)

    Schinken 1. Besser ein alter Schinken, denn unreif Kalbfleisch (s.d.). – Braun, I, 3870. 2. Das heisst die Schinken verd…

  7. Spezial
    Schinken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schin|ken m. (-s,-) jambun (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schinken

189 Bildungen · 127 Erstglied · 62 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schinken 2 Komponenten

schin+ken

schinken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schinken‑ als Erstglied (30 von 127)

Schinkenärmel

PfWB

schinken·aermel

Schinken-ärmel m. : wie schd., Schinkeäʳmel [ KU-Kaulb KL-Weilb LA-Venn ]; vgl. PfWB Schikoärmel . Am Hut e halwer Vogel Strauß, / Am Kleed …

Schinkenbauer

RhWB

schinken·bauer

Schinken-bauer -būr NBerg, Grevbr-Wickr m.: ein Nachhüpfsp.; alle müssen wechselseitig rechts oder links hüpfen; einer hüpft hinterher; wen …

schinkenbein

DWB

schinken·bein

schinkenbein , n. bein, knochen in einem schinken: oder ein groszes schinckenbein, das knöricht sey und nit zu klein. Grobian. D 2 a ( s. 34…

Schinkenbeissel

RhWB

schinken·beissel

Schinken-beissel -bēsəl uWupp, Grevbr (rip); -beitəl Neuss , Mörs-Rheinbg m.: das lange, breite Stück Speck, das vom frischen Hinterschenkel…

Schinkenblume

RhWB

schinken·blume

Schinken-blume -blū:m Geld-Schravelen f.: Hirtentäschelkraut, auch Düwelsschenke, capsella bursa pastoris.

Schinkenbraten

RhWB

schinken·braten

Schinken-braten -brrə Goar-Trechtingshsn m.: im Bastlösespr.: Saft, S., File, Korn in de Mihle, Stan in de Bach, dass die Peif kracht; will…

Schinkenbüdel

MeckWB

schinken·buedel

Wossidia Schinkenbüdel m. Leinenbeutel, in dem der Schinken aufbewahrt wurde, um ihn vor Fliegen zu schützen; Rda. wenn jem. bei großer Hitz…

schinken als Zweitglied (30 von 62)

Bücksenschinken

MeckWB

buecksen·schinken

Wossidia Bücksenschinken m. Hosenbein Lu Ludwigslust@Eldena Eld ; Pa Parchim@Broock Broock ; den Bücksenschinken utbätern einen Flicken aufs…

Düwelsschinken

MeckWB

duewel·s·schinken

Wossidia MeckWBN Düwelsschinken m. Teufelsschinken; übertr. der Behälter, in dem der Hirte seine Kost mit auf die Weide nimmt Gillh. Idiot. …

Fleigenschinken

MeckWB

Wossidia Fleigenschinken m. Fliegenschinken: de Fleegenschinken sünd all gor Wo. V. 2, 1810; übertr. Geringstes, gar nichts; das wegen Unred…

Flöhschinken

MeckWB

floh·schinken

Wossidia Flöhschinken m. im ironischen Vergl.: dat Fleisch is so fett as 'n Flohschinken Ro Rostock@Kühlungsborn Kühl .

Flohschinken

RhWB

floh·schinken

Floh-schinken Siegld-Weidenau m.: in der scherzh. Antw. auf die Frage: Was haben wir gekocht? Fl.

Gaus'schinken

MeckWB

gaus·schinken

Wossidia Gaus'schinken m. 'Gänseschinken', übertr. Geige Lu Ludwigslust@Leussow Leuss .

Geissschinken

RhWB

geiss·schinken

Geiss-schinken -šaŋk, –e-, –ø-, –u- (s. S.) m.: eine Strauchart. 1. Pfaffenhut, evonymus europaeus Prüm-Steffeln Flering , Daun . — 2. Schne…

Hinterschinken

PfWB

hinter·schinken

Hinter-schinken , Hinter-schunken m. : 'Schinken vom Hinterbein des Schweins', -schinke, -schunke [verbr., auch Penns Don Gal Buch Rußl]; vg…

Judenschinken

MeckWB

judensch·inken

Wossidia Judenschinken m. Hirtentäschelkraut, capsella bursa pastoris C. Arndt 9; s. MeckWB Schinkenkrut .

Jumfernschinken

MeckWB

jumfer·n·schinken

Wossidia Jumfernschinken m. eine Apfelsorte Ha Hagenow@Kloddram Kloddr ; eine Birnenart Schö Schönberg@Hanshagen Hansh ; Wred. Flora 2, 404.…

Kläppschinken

RhWB

klappsch·inken

Kläpp-schinken -šeŋkə Sol-Leichl m.: eine Person, die an den Türen herumsteht oder in die Häuser geht, um zu schwatzen.

Kloppschinken

MeckWB

klopp·schinken

Wossidia Kloppschinken m. Klopfschinken, geklopfte Schinkenscheiben in Ei und Semmelmehl gewälzt und gebraten; als Erntegericht beliebt in S…

Krimpschinken

RhWB

krimp·schinken

Krimp-schinken -šeŋk Kemp-Breyell Süchteln Lobberich m.: dass. 1 [kleinlich veranlagter Mensch Lobberich ].

Mückenschinken

RhWB

muecken·schinken

Mücken-schinken -šank Saarbg-Nittel , Trier-Schleidw m.: in der scherzh. Wend.: De Faulen (Trägeu) krein Hählestillszopp odder M. Man schick…