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Schinken

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Wander
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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Schinken

Bd. 3, Sp. 188
Schinken 1. Besser ein alter Schinken, denn unreif Kalbfleisch (s.d.). – Braun, I, 3870. 2. Das heisst die Schinken verderben, sagte der Kerl, als er gerädert werden sollte. Holl.: Je zult mijne schonken en bonken in tweeën slaan, zei de mof, en hij werd geraadbraakt. (Harrebomée, II, 256a.) 3. Der eine hat den Schinken gestohlen, den andern schlägt man mit der Schwarte. 4. Die besten Schinken sind es nicht, die manche Wirthe kochen. 5. Eine Schnitte Schinken in der Hand ist besser als ein fett Schwein im Traum. 6. Einen Schinken zu erjagen, muss man eine Bratwurst wagen. 7. En ollen Schinken is beater äs en nöchtern Kalw. (Westf.) – Hochdeutsch bei Körte, 5321. Besser eine be- und verständige Person, als ein junges, unverständiges, faselhaftes Mädchen heirathen. 8. Wenn die Schinken abgeklaubt sind, dann ist's Sparen zu spät. Holl.: Die wat spaart, heeft (vindt) wat, maar als het hammetje gekloven is, is het sparen gedaan. (Harrebomée, I, 275.) 9. Wenn der Schinken abgeklaubt, wirft man die Knochen weg. Holl.: Als het hammetje op is, dan moet men de kale beene wegslingeren. (Harrebomée, I, 275.) 10. Wer einen Schincken im Saltz hat, der muss schweigen, wenn ander Leut reden. – Petri, II, 705. Wer sich einer Schuld bewusst ist, wer eine Untersuchung, eine Strafe zu befürchten hat. 11. Wer seinen Schinken allein isst, der mag auch sein Pferd allein satteln. Span.: Quien a solas come el gallo, a solas ensilla el caballo. (Cahier, 3310.) 12. Zu fremdem Schinken eigenes Messer, das nährt wohl. Holl.: Eens anders ham en eigen mes. (Harrebomée, I, 275.) 13. Das sind auch die letzten Schinken. Die Franzosen reden von Schinken von Noyon (jambons de Noyon), worunter Bohnen gemeint sind, die dort besonders viel gezogen werden. (Illustr. Zeitung, 1447.) 14. Der Schinken ist abgeklaubt. 15. Der Schinken ist verschnitten. Die Sache ist vorbei. 16. Du hast noch 'n Schink' bi mi in 't Solt. (Altmark.) – Danneil, 204; Kern, 990. Ich habe mit dir noch etwas (Unangenehmes) abzumachen. 17. Ein Schuncken nach einem Schwein werffen. – Moscherosch, 78. 18. Einen Schinken bei jemand im Salz haben. – Simrock, 9207; Lohrengel, II, 52. Engl.: To have an aching tooth at one. Frz.: Avoir une dent de lait contre quelqu'un. It.: Aver il tarlo con uno. Lat.: Alicui iratum esse. Schwed.: Ha horn i sidan till någon. (Marin, 14.) 19. En fulen Schinken im Salte hebben. – Eichwald, 1666. Seine Sachen sind nicht richtig, er hat keine reine Bahn. 20. Enem de Schink'n besên.Danneil, 243a. Sprichwörtliche Redensart für schlagen (s. d). Neben dieser sind noch folgende altmärkische Ausdrücke aufgeführt: Enen affbäökern, affdeffen, affdöschen, deffen, dörchbäökern, draschäökeln, dörchgallern, dörchwalken, ên fill'n, ûtbäökern, walken, en watt ûtlöschen, watt anwisch'n, watt uppbrenn', watt anstäk'n, anrak'n, watt uppmeng'n. Enen den Puck'l ûtwasch'n, dat Fell losmoak'n, dörchwackeln, verbimpfen, dat Fell versaol'n, 'n Puckl smären, dat Lädder gaor mach'n, die Jack vulldöschen, ûtstöw'n. Jos. Haltrich hat (Frommann, V, 172) folgende Ausdrücke und Redensarten aus der siebenbürgisch-sächsischen Volkssprache mitgetheilt: Emesten durchbloan, durchwoalken, dreschâkeln, gûcken (= jucken), patzen, patschen (lautmalend), knufaien, verbrân (verbrennen), verarbeden, lûgen (= laugen), zemirscheln, zepräscheln, lichten (= leuchten). Emesten än de Arbet nien (nehmen), än de Lûg nien; zîchnen, dat et mûr (Mähre) git. Emesten zwibbeln, bäs e wasser hîscht (heischt). Emesten det Médwescher wope weisen. Emesten de pelz vergrêzen (versengen). Emesten înt versâtzen (eins versetzen). Emesten den Stûb aus dem toppert klôpen. Emesten den Toppert kalfatern. Emesten de Käche (auch Boache) versoalzen. Emesten en de Härzkel (Herzgrube) langen, dat de Môn ännschennt (hineinscheint). Emeste Nackebirre gien (geben). Emeste Nutsche (Kopfnüsse) gien. Af enem doanzen. (S. Schipprine.) 21. Er hat Schinken wie ein Reichsbot, aber weder Würze noch Brot. »Die (deutschen) Reichstagsabgeordneten«, schreibt K. Braun, »erhalten jeden Tag wenigstens einen Schinken, ohne dass dabei irgendwelche Trichinengefahr obwaltet, denn der Schinken besteht nicht aus Schweinefleisch, sondern aus eitel Papier. Er enthält nämlich die «Drucksachen des Hauses», unter einem fünfeckigen Couvert, das bei lebhafter Phantasie an einen Schinken erinnern kann, und daher der Name. Dieselbe Bezeichnung gilt im preussischen Abgeordnetenhause, nur dass der Landtagsschinken am letzten Tage eines jeden Monats mit dem Gewürz einer Zahlungsanweisung auf Diäten versehen ist, während der Reichstagsschinken stets ohne dies Gewürz ausgegeben wird.« (Schlesische Zeitung, 1871, Nr. 163.) 22. Er schneidet fremden Schinken mit seinem Messer. Lebt auf Kosten anderer. 23. He ligt mit Schinken un Backhast up 'n Disk. (Osnabrück.) Liegt lümmelhaft auf dem Tische. 24. Hi smat eftar a Skink me'm Mâragh. (Nordfries.) – Johansen, 71. Er wirft nach dem Schinken mit einer Wurst. Sinn: Der Werfende hält den, nach dem er wirft, für schlechter, obwol er besser ist, beide aber von einer Art sind. 25. Hôl dine Schinken lîk. (Holst.) – Schütze, IV, 50. Halte die Beine gerade, wie in der Grabschrift: »O Herre Gott im Himmelrîk, mak em doch sine Schinken lîk.« 26. Schincken verkauffen zu Franckfurt in der Judengasse. – Schuppius, Tract. Wo gewiss für diesen Artikel der ungünstigste Markt ist. 27. Ein Schinken öffnet die Thür oft leichter als ein Dietrich. Geschenke machen Freunde, offene Eingänge. 28. Es hangt kein Schinken so hoch, der Hund hofft auf den (schielt nach dem) Knochen. 29. Man kann den Schinken nicht fetter schicken, als man geschlachtet hat.
5666 Zeichen · 143 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schinkenstv. I, 3.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    schinken stv. I, 3. s. v. a. schenken, propinare Dfg. 465 c . Mone z. 5,459 1337 ; dâ schank ich 1 gulden Weinsb. 16. ta…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schinken

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Schinken , des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. das Schinkchen, Oberd. Schinklein. 1) * Das dicke Bein mit dem Gesäß; …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schinken

    Goethe-Wörterbuch

    Schinken auch -ck- zum Verzehr gekochtes oder geräuchertes Stück Schenkel od Keule vom Schlachtvieh, meist vom Schwein; …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schinken

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schinken , die gepökelten und dann geräucherten Keulen u. Schultern ( Vorderschinken ) der Schweine. Die besten deutsche…

  5. modern
    Dialekt
    schinken

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    schinke n [šinkə Sgd. Lix. u. s.] impers. v. die Glocke anschlagen: es schinkt einzelne Glockenschläge ertönen. Es hat g…

  6. Sprichwörter
    Schinken

    Wander (Sprichwörter)

    Schinken 1. Besser ein alter Schinken, denn unreif Kalbfleisch (s.d.). – Braun, I, 3870. 2. Das heisst die Schinken verd…

  7. Spezial
    Schinken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schin|ken m. (-s,-) jambun (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schinken

134 Bildungen · 127 Erstglied · 7 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schinken 2 Komponenten

schin+ken

schinken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schinken‑ als Erstglied (30 von 127)

Schinkenärmel

PfWB

schinken·aermel

Schinken-ärmel m. : wie schd., Schinkeäʳmel [ KU-Kaulb KL-Weilb LA-Venn ]; vgl. Schikoärmel . Am Hut e halwer Vogel Strauß, / Am Kleed e Mas…

Schinkenbauer

RhWB

schinken·bauer

Schinken-bauer -būr NBerg, Grevbr-Wickr m.: ein Nachhüpfsp.; alle müssen wechselseitig rechts oder links hüpfen; einer hüpft hinterher; wen …

schinkenbein

DWB

schinken·bein

schinkenbein , n. bein, knochen in einem schinken: oder ein groszes schinckenbein, das knöricht sey und nit zu klein. Grobian. D 2 a ( s. 34…

Schinkenbeissel

RhWB

schinken·beissel

Schinken-beissel -bēsəl uWupp, Grevbr (rip); -beitəl Neuss , Mörs-Rheinbg m.: das lange, breite Stück Speck, das vom frischen Hinterschenkel…

Schinkenblume

RhWB

schinken·blume

Schinken-blume -blū:m Geld-Schravelen f.: Hirtentäschelkraut, auch Düwelsschenke, capsella bursa pastoris.

Schinkenbraten

RhWB

schinken·braten

Schinken-braten -brrə Goar-Trechtingshsn m.: im Bastlösespr.: Saft, S., File, Korn in de Mihle, Stan in de Bach, dass die Peif kracht; will…

Schinkenbǖdel

WWB

schinken·buedel

Schinken-bǖdel m. [verstr.] 1. Beutel für Schinken (z.B. als Schutz vor Dasselfliegen, die Eier legen). — 2. Damenschlüpfer, lange Frauenunt…

schinken als Zweitglied (7 von 7)

Düwelsschinken

MeckWBN

duewel·s·schinken

Wossidia MeckWB Düwelsschinken m. 2. Hirtentäschelkraut, capsella bursa-pastoris Dahnke Flora 36 b .

pāscheschinken

MNWB

pasche·schinken

° pāscheschinken , m. ( Pl. -schinken ) : zu Ostern in der Kirche geweihter Schinken; (bildl. vom Angriff des Bischofs von Hildesheim auf se…

pāscheschinken

KöblerMnd

pāscheschinken , M. nhd. „Osterschinken“, zu Ostern in der Kirche geweihter Schinken Q.: Liliencron Volkslieder 3 270 E.: s. pāsche, schinke…

Schapschinken

MeckWBN

schap·schinken

Wossidia MeckWB Schapschinken m. Hirtentäschel, capsella bursa-pastoris Giese Pflanz. 37.

Speckschinken

DRW

speck·schinken

Speckschinken, m. fetter Schinken (II) den hegerischen junkern und gutsherrn behufs gerichtkosten auch einen speckschinken geben oJ. Nieders…