wohnen,
vb. ,
sedem habere, morari; mhd. wonen;
ahd. wonên (wonôn
trotz Otfrid II 13, 38
nicht gesichert, s. Schatz
Germanica f. Sievers [1925] 355
f.);
manere, morari, habitare, zur bedeutung '
solere'
vgl. 2wohnen;
as. wonon, wunon '
bleiben, wohnen, ausharren',
afries. wunia, wonia '
wohnen',
ags. wunian (
mit reflexen der ursprünglichen ē-
flexion, s. Flasdieck
Anglia 59, 58) '
manere, morari',
an. una '
sich behagen, zufrieden sein mit oder in'
und (
im homilienbuch) '
bleiben in' (
dies aus '
zufrieden sein mit'
entwickelt oder nach dem westgermanischen?),
norw. una '
zufrieden sein, sich an einer stelle wohl befinden'
und got. part. unwunands '
sich nicht freuend, bekümmert'.
alle diese germ. formen sind schwundstufenform der idg. wurzel *en '
streben, wünschen, lieben' Walde-Pokorny 1, 258,
zu der ahd. wini '
freund', winster '
link',
got. winja '
weide',
ahd. winne '
weideplatz',
an. vanr '
gewöhnt',
an. venja,
ags. wennan,
as. (gi)wennian,
ahd. (gi)wennen '
gewöhnen',
ferner mit schwundstufe des stammvokals ahd. wunnja,
nhd. wonne,
endlich auch wahn, gewöhnen, wunsch
gehören, möglicherweise auch als -,
bzw. t-
präsentien gewinnen
und (über-)
[] winden,
s. Falk-Torp
norweg.-dän. wb. (1911) 1383.
aus den anderen idg. sprachen ist hierher zu ziehen ai. vánas '
verlangen',
ai. vanóti, vánati, -e '
wünscht, hat gern, erlangt, verschafft sich sieg, gewinnt',
lat. venus '
anmut',
cymr. gwēn '
risus',
ir. fine '
verwandtschaft',
s. Falk-Torp
wortschatz d. germ. spracheinheit 386
ff. und Walde-Pokorny 1, 258,
vielleicht auch griech. εὐνή '
lager',
s. Pedersen
in Kuhns zs. 40, 209; Persson
ebda 48, 125
ff.; Walde-Pokorny 1, 110,
dagegen Lidén
Kuhns zs. 41, 395; Schwyzer
gr. gr. 1, 489.
abgesehen von dieser unsicheren griech. beziehung (
die Persson
über '
behagliches verweilen'
an '
wünschen'
anschlieszt)
führen alle diese wörter zu der abstrakten bedeutung '
gern haben, wünschen'.
von der bedeutung '
ackern, arbeiten',
zu der Meringer
idg. forsch. 16, 182
hypothetisch vorstöszt, würde sich leicht eine entwicklung zu wohnen '
habitare'
ergeben, wofür bedeutungsparallelen in nhd. bauen
oder lat. colere
vorliegen, doch führen die ahd., as., mhd. und mnd. belege nicht an diese sinnliche bedeutung heran (
s. u.);
diese bedeutungsentwicklung müszte vorgermanisch sein. bedeutung und gebrauch. der zusammenhang mit der urbedeutung '
gern haben, wünschen'
ist auch im westgerm. nicht ganz abgerissen, vgl. die in teil 4, 1,
sp. 6471
gegebenen hinweise auf as. wonodsam '
erfreulich'
und die alliterierende formel wonôn an willeon
im Heliand, ferner die ahd. glosse: gaudere giwonen
ahd. glossen 2, 637, 69 (11.
jh.)
zu Vergils georgica 3, 185: tum magis atque magis blandis gaudere magistri laudibus.
einen nachklang bewahrt das wort auch noch in seiner späteren entwicklung insofern, als wohnen '
habitare'
gern das element des behaglichen, geruhsamen betont. in der sprache der mystik konnte es sich daher zu einem terminus für das '
befriedetsein, das einwohnen in gott'
entwickeln, s. die belege unten unter II 1
und bei Grete Lüers
d. sprache der deutschen mystik d. mittelalters im werk der Mechthild von Magdeburg (1926) 298.
als zwischenstufe ist anzusetzen die im westnord. herrschende bedeutung '
sich behagen, zufrieden sein',
auf die auch 2wohnen '
gewohnt sein'
zurückgeht. doch ist die entwicklung schon in vorliterarischer zeit so weit abgeschlossen, dasz sich diese zwischenstufe auch in spuren nicht mehr belegen lässt (
ebensowenig in den anderen westgerm. sprachen).
dagegen läszt sich der spätere übergang von der allgemeinen und abstrakten bedeutung '
manere, morari'
zu der heute gültigen verwendung '
habitare, sedem habere',
also mit der vorstellung des gebundenseins an einen ort, an den literarischen belegen seit mhd. zeit deutlich verfolgen. II.
ahd. wonên (
auch wonan,
s. Schatz
a. a. o. 355)
übersetzt in glossen und texten seit dem 8.
jh. lat. manere, remanere, morari, de-, commorari, con-, obversari, selten habitare, entspricht also dem nhd. '
verweilen, bleiben, beharren, sich befinden',
vgl.: perennem, perpetuum eo wonendi
ahd. gl. 1, 30, 37;
commorante wonantemo, wonentemo, woninteme 1, 362, 44
f.; conversati sunt wonatun, wonitin, wanitin 1, 745, 41
f.; moratus wonanti
ahd. gl. 2, 144, 21;
conversatus wonanter 2, 343, 37;
moratur wonata 2, 659, 28.
für '
gewohnt sein, gewohnt werden, solere',
s. die belege unten unter 2wohnen.
einmaliges wonen
im ahd. Isidor 9, 4 (41, 10
H.)
gibt morari wieder. in der ahd. Tatianübersetzung wird mit wonên
nie lat. habitare (
dafür arton),
sondern nur manere (37
mal), (
de)
morari (3
mal),
conversari (1
mal)
des vulgatatextes übertragen, wo Luther bleiben (33
mal), hatte sein wesen (3
mal),
bzw. sein, stehen
als übersetzung wählt. nur zweimal verwendet auch Luther wonen
für manere der vulgata, beide male in bildlichem gebrauche: ther fater in mir uuonenti
Tat. 163, 4 (
pater in me manens Joh. 14, 10; Luther: der vater, der in mir wonet); sin uuort ni habetin iu uuonanti
Tat. 88, 12 (
in vobis manens Joh. 5, 38; Luther: sein wort habt ir nicht in euch wonent).
ahd. wonên
in der bedeutung '
verweilen, bleiben': uuone mit uns, uuanta iz abandet
Tat. 228, 2 (
mane nobiscum Luc. 24, 29); 239, 3; 4; after thiu quam ther heilant inti
[] sine jungiron in Judeno erda inti thar uuoneta mit in
Tat. 21, 1 (
demorabatur Joh. 3, 22; Luther: hatte daselbs sein wesen);
neben arton
habitare: rabbi ... uuâr artos (
ubi habitas)? thô quad her in: quemet inti gisehet. quamun sie thô inti gisahun uuâr her uuoneta (
ubi maneret) inti uuonetun (
manserunt) mit imo then tag 16, 2; in Galilea er (
Jesus) woneta Otfrid III 15, 3; (
Christus) iruuindet ... in iudicio, daz netuot er aber hier ze uuonenne Notker
ps. 77, 39; in einote uuoneta ih
ebda 54, 8.
mit zeitangabe: uuoneta Maria mit iru (
Elisabeth) thri manoda
Tat. 4, 9; 87, 9; 135, 3; 140, 2; uuanta hiutu in thinemo hus gilimphit mir zi uuonanne
Tat. 114, 1.
besonders deutlich vom nhd. gebrauche abgehoben: ih gisah geist nidarstigantan samoso tubun fon himile inti uuoneta ubar inan
Tat. 14, 6; 12, 2.
der abgezogene gebrauch von wohnen
überwiegt im ahd.: thaz sie ouh thes ginenden, mit uns sih saman menden ... in thiu sin furdir wonenti joh druhtin iomer lobonti Otfrid IV 37, 39; Christ uuonet zi euuidu
Tat. 139, 9; 164, 2; 3; 165, 4; ob ir min bibot haltet, thanne uuonet ir in mineru minnu
Tat. 167, 9; 82, 11; 167, 2; 4; 5; 6; 131, 12; 143, 3; Otfrid III 20, 154; Notker
ps. 90, 1.
mit sachsubjekt, absolut: ih ... sazta iuuuih ... thaz ... iuuuer fruht uuone (
maneat)
Tat. 168, 4; 139, 3.
mit abstraktem subjekt: iuuuer sunta uuonet
Tat. 133, 5; gotes gibuluht uuonet ubar inan
ira dei manet super eum 21, 8; 14, 7; 65, 4; Notker
ps. 24, 13; 87, 17; ubar allo worolti si diuri sin io wonanti Otfrid V 25, 94; II 1, 5;
H. 110. IIII.
der mhd. gebrauch von wohnen
steht dem ahd. noch nahe, es bedeutet allgemein '
bleiben, verharren, verweilen, sich aufhalten, sich befinden',
dann wie nhd. '
sitz, wohnung haben',
wofür jedoch in der regel sizzen, gesezzen sîn
steht. zu mhd. wonen
mit gen.-ergänzung '
gewohnt werden, gewöhnen'
vgl. 2wohnen. wonen
verbindet sich mhd. mit persönlichem und abstraktem subjekt, ist mit be-, ent-, ge-
untrennbar, mit bî-, inne-, mite-
trennbar verbunden, s. Lexer 3, 975. II@11)
verharren: du wonis unde fluhis
litanei v. 154,
s. Kraus
mhd. übungsbuch 23;
exod. 150, 11
Diemer. im sinne von '
verharren in (
befriedigter)
ruhe',
von entweln, ruowen
deutlich differenziert: swer entwelt, der ruowet von der müede, die in muowet ... swer ruowet, der wil vürbaz und enhât doch stæter ruowe niht, die wîl den wec er vor im siht. swer aber wonet, der belîbet, daz in der wec nicht vür entrîbet. wir enhaben stæter ruowe niht, unz daz ze wonen uns geschiht Lamprecht von Regensburg
tochter Syon 2626
W. so häufig in der sprache der mystik, vgl. Tauler
pred. 16, 6
Vetter; 81, 3;
sich der bedeutung '
wunne'
nähernd, ohne dasz dieses wort konjiziert werden müszte: do ime vor gruwelte, daz gelust im nu, also smochheit, ellende, einOete, lidekeit, indewendekeit, demtikeit, verworffenheit, abegescheidenheit von allen creaturen, das ist nu sin allerhOeheste wonen Tauler
predigten 38, 11
Vetter; vgl. auch die belege für mhd. wonende blîben,
s. u. 6. wonen in jemandem
oder in etwas '
ruhen, ausharren': der in der minne wonet
qui manet in caritate myst. 2, 30, 26
Pf.; so hanget rechte der mensche enzwüschent himmel und erden: mit sinen übersten kreften so ist er erhaben über sich selber und über alle ding und wonet in gotte Tauler
pred. 88, 9
V.; 206, 7; gnade ist ein wonen und ein midewonen der sele in got
parad. anime intell. 54, 13
Strauch. in dem wîge wonen
im kampf ausharren u. ä.: iâ wonten si in dem wîge sam der lewe der da winnet unt reht zornen beginnet
Rolandslied 145, 14
Gr.; 181, 4; nâch Sîfrides tôde, daz ist alwâr, si (
Kriemhilt) wonde in manegem sêre driuzehen jâr
Nibelungenlied 1082, 2
L.;
[] diu küneginne Anphlîse wont an wîplîchem prîse Wolfram v. Eschenbach
Parz. 94, 30; ûf dem pferde, orse wonen
im sattel bleiben: Ruolant wonte uf Velentich (
seinem pferde)
Rolandslied 198, 25
Gr. II@22)
dem nhd. gebrauche näher, in der bedeutung '
verweilen, sich aufhalten': unde beginnet mich vlehen mit allerslahte eren, daz ich niht lange newon in disem lande, sunder daz ich ouz leite dise ellende loute
exod. 151, 37
Diemer; 140, 6;
in der bedeutung mansionem, sedem habere in einem orte wohnen: he (
Hieronimus) wonde bî Jêrusalêm in die stat van Bethleêm Heinrich von Veldeke
Servatius 1, 827
Piper; sus wond er bî den herren, daz ist alwâr, in Guntheres lande volleclîch ein jâr
Nibelungenlied 138, 1
Bartsch; ze Wormze bî dem Rîne si wonden mit ir kraft
Nibelungenlied 6, 1
Bartsch; 1327, 2; ez wont manc werlîchiu hant ze Munsalvæsche bîme grâl Wolfram v. Eschenbach
Parz. 468, 24; die brüeder, die mit ime wanten, vil wol an ime erkanten, daz ... Lamprecht v. Regensburg
St. Franzisken leben 4202
Weinhold; daz ich in deme huose wuonen sal alle dy wle daz ich lebin (
a. 1351)
hess. urk.-buch 2, 579
W.-R.; her wonet im gebite zu Dirssow
Marienb. treszlerb. 92
Joachim. II@33)
tier als subjekt. '
sich aufhalten': (
Isaias) seit, daz ein wolf solte wonen bi eime schäfflin und ein bäre geweidet werden bi den kelblin Seuse
dtsche schr. 420, 7
B.; von dem wazzir sint si (
die kröten) herchomen, in dem schulen si abir wonen
exod. 138, 16
Diemer. II@44)
gott ist subjekt. '
bleiben, sein':
(Gott zu Moses:) mit dir wil ich wonen, von dir enwil ich chomen
exod. 126, 32
Diemer; gott unser herre mit dir wone! Heinrich v. Hesler
apokalypse 595
H.; (
ein) tempel, do der minnencliche got so gerne inne wonet Tauler
pred. 61, 8
V.; 54, 22; 24; 26; 102, 27; 231, 12. II@55)
ein abstractum ist subjekt. '
sein': mîn lîp ist hie, sô wont bî ir mîn sin Walther v.
d. Vogelweide 44, 17; 55, 13; ouch wonte in ir gemüete ze schœner kunst diu güete Hartmann v. Aue
Iwein 5617; 6297; doch wonte in disem vazze minne bî hazze
ebda 7023; 7609; dise erge wonet noch an in, wen si des gelouben haben niet Heinrich v. Hesler
apokalypse 10 330
H. II@66) wonende blîben, sîn
für wonen
zur stärkeren betonung der in wohnen
schon an sich enthaltenen durativen aktionsart, s. mnl. belege bei Verwijs-Verdam 9, 2794: trib uz die dirnin und ir kind, du hie bi uns wonende sint Rudolf v. Ems
weltchron. 5051
E.; 2701.
mehrfach in der mystik in dem unter 1
angegebenen sinne: das ir süllent bliben wonende und rastende in dem erbe des herren mit unser lieben frovwen an allen enden Tauler
pred. 207
V.; blib in einem rastende und wonende 204, 24
V.; ich bin bliben wonende in dem erbe mins herren 206, 6; 217, 34;
daher auch: do (
im göttlichen abgrund) was ir erbe und ir raste, ir wonende stat Tauler
pred. 202, 11.
in alliterierender formel: do er got ... inne vindet wonende und würkende 61, 12.
[] IIIIII.
im nhd. gebrauche überwiegt die bedeutung '
sedem habere, wohnung, wohnsitz haben',
meist mit lokalergänzung: loger, demeurer, être logé dans une maison Schwan (1783) 2, 1066
b.
die ältere allgemeinere bedeutung '
manere, verweilen, sich befinden, sein'
läszt sich aber noch bis in die gegenwart herauf belegen, besonders bei abstraktem subjekt (
s. u.),
auch bei persönlichem subjekt in bildlicher verwendung, z. b.: her, wer wirt won in deiner heut auf deim heiligen perge? Hans Sachs 22, 118
K.-G.; dass du ... mit sorgen wonest vor dinem gott Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 217; 263; ich wohne in tiefer trauer über einem gedicht, das ich für Gluck auf den tod seiner nichte machen will Göthe IV 3, 71
W.; 156; mit dem kunstwerke wohnen I 47, 265; seine kindeskinder wohnen in freude und ruhm E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Dtschen 1, 256; sey im besitze und du wohnst im recht Schiller 12, 217
G. (
Wallensteins tod 1, 4). III@AA.
subjekt ist der mensch. III@A@11) '
verweilen, sich aufhalten': die zal der tag, die Dauid wont ... in Ebron (
numerus dierum, quos commoratus est David)
erste dtsche bibel 5, 137
Kurrelm. (
2. kön. 2, 11); eine besondere stube, in der sie weder wohnen noch schlafen dürfen Göthe I 25, 1, 134
W.; Friedrich und Leontin wohnten ... den ganzen vormittag drauszen in dem schönen garten Eichendorff
s. w. (1864) 2, 82;
vgl. auch unter 2 d
die belege für wohnen bei
und unter 2 e
für wohnen um, unter, mit. III@A@22)
häufiger im sinne '
wohnung, wohnsitz haben' (
ohne deutliche grenze gegen '
sich aufhalten'): '
man wohnt
an einem orte, den man auf eine zeitlang dazu gewählt hat, seine haushaltung daselbst zu haben, man hält sich
an einem orte nur auf,
wenn diese einrichtung nicht gemacht ist, dort seinen festen sitz zu nehmen' Heynatz
synon. wb. 1, 272
a;
ähnlich Sanders
wb. dtsch. synon. (1871) 173; 735. III@A@2@aa) in einem orte, lande
u. s. w. wohnen: die frauw die yn zoh die enwonte nyrgent dann in eym groszen tieffen walde
Lancelot 1, 21, 7
Kluge; ich (
Ulrich Leman) bin zwa mal dar inn (
in Damaskus) gesin und hain lang dar inn gewonat (1472—80)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 108; item in der insulen (
Candia) hait gewoynt Menelaus, eyn Grieck, dae woynnen ouch noch vyll Griecken (1492)
ebda 252; (
frauen, die so leben,) als ob sie in den offnen hüsern gewonet und gelernet haben Steinhöwel
de claris mulieribus 286
Drescher; umb des (
guten geschäftes) willen Ambrogiolo fast gern in Alexandria wonet (
vi dimorava volentieri) Arigo
decamerone 151
K.; 96; also gieng Kain ... und wonet im lande Nod (
vulg.: habitavit)
1. Mos. 4, 16; (
Joseph) wonet in der stad, die da heiszt Nazareth
Matth. 2, 23; (
die Juden) haben nahe mussen in ein ander wonen, denn ich glaub, das in einem haus, wie magister Ambrosii haus ist, bei hundert Juden gewonet haben Luther
tischr. 5, 126
W; so man ein newen gallgen machenn ... will, (
müssen) alle zimmerleuthe, die in demselben peinlichen gericht wonenn, darzu hellffen
Carolina § 215
K.-Sch.; ain ... waldbruoder, der hett wol xxx iar in der wiltnusz gewonet (1509)
Fortunatus 118
ndr.; besser in wüsten land wohnen als bey einem ... zornigen weib Abr. a
s. Clara
Judas d. ertzschelm (1686) 1, 27; in Rom wohnte ich im Corso, dem grafen Rondanini gegenüber Göthe IV 40, 256
W.; die trennung von ihm (
dem bruder), mit dem ich stets in einer stube gewohnt ... hatte, gieng mir sehr nahe Jac. Grimm
kl. schr. 1, 4; die stadt, in der meine eltern wohnten Storm
s. w. (1899) 1, 57; fürst Anton wohnte als gast des königs im schlosse Bismarck
ged. u. erinn. 2, 102
volksausg. bildlich: sie (
Göthe) wohnen gleichsam im hause der poesie, wo sie von göttern bedient werden Schiller
br. 6, 20
Jonas; seit je daran gewöhnt, ungestört für mich in den stillen räumen des gedankens zu wohnen (1842) L. Schücking
an L. v. Gall, s. br. 31
Muschler. [] III@A@2@bb)
auf einem gut, schlosz, berg wohnen, auf dem lande wohnen
sich aufhalten, wohnung haben; auf huben wonen (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 347
b s. v. mansitare; der uff den bergen wonet
monticola 367
b; der uff erden wonet
terricola Er. Alberus
nov. dict. gen. (1540) L 1
b; auf einem schlosz, ... dorf ... wohnen
habitare, stanziare Kramer
t.-ital. (1700) 2, 1378
b: darnach hab er erschaffen das erttrich ... darauff der mensch ... wonen muog A. v. Eyb
dtsche schr. 1, 38, 28
Herrmann; vor dem groszen kriege hat ein pawer auff einer huben gewonet Hennenberger
ercl. d. preusz. landtaffel (1545) 2; auslender, so auf unserm berckhwerch ... wonnen (
a. 1550) Lori
bergrecht 279 § 6; leut, die nicht wert sein, das sie mit ander leuten auff erden wonen solten Musculus
hosenteuffel 18
ndr.; ich wohne auf dem grosen Hirschgraben Göthe IV 1, 3
W.; sie wohnte in Schlesien auf dem ... gute ihres vaters
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 16; von einem auf dem lande wohnenden freunde Storm
s. w. (1899) 1, 29;
im bilde: drum soll der sänger mit dem könig gehen, sie beide wohnen auf der menschheit höhen! Schiller 13, 191
G. (
jungfr. v. Orl. 1, 2). III@A@2@cc) an einem flusz, see, ort ... wohnen; beym meer
sive am meer wonen
maritimum esse Stieler 2496: Julius Caesar ... fraget wer an dem Rhein wonet Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 2; die Engern ... welche ... an dem flusse gewonet haben (1579) Entzelt
altmärk. chron. 42
Bohm; (
ungewöhnlich: völker die do woneten auf dem flusz Rodanus S. Meisterlin in:
städtechron. 3, 37); Schickelman wohnt an allen orten am weg Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, Ss 3
b,
s. teil 8, 2644; am ende des dorffes wohnend Butschky
Pathmos (1677) 163; wir wohnten so gut wie am andern ende der welt Fontane
ges. w. I 5, 32; als meine eltern in Berlin am opernplatz wohnten Bismarck
br. an s. braut u. gattin (1900) 48. III@A@2@dd)
bei einem wasser wohnen
u. ä.: wonende by der zee (
a. 1507) Dieffenbach
gloss. 349
c s. v. maritimus; die by dat water woent
amnicola nov. gloss. 21; eyner der by eim brunnen wonet
gloss. 242
a s. v. fontanus. bei jem. wohnen: ich werde lieber usz dynem husz gann, wann daz ich by disem wone Steinhöwel
Äsop 47
Ö; ich wonen (
sedebo; Luther: sitze) nit bey liederlichen leuten
ps. 25
a Zürcher bibel (1531); und (
sollen) der ... reichszstet burger ... friedlich unnd rübig bey unnd neben einander wonen
abschiedt d. reichsztags zu Augsburg (1555) 10
a; sie müssen seltzam händel han, dasz niemand bey ihn wohnen kan Fischart
nachtrab 14
K.; die bey groszem bochen, geschrey und getümmel wonend, ausz übermasz des schalles taub werden Ambach
vom zusauffen (1544) 104
a; ich wolt lieber bei lewen unnd drachen wohnen denn bei einem bösen weibe Mathesius
Syrach (1586) 1, 168
a; ist er (
der kranke) ein mann, der da viel bey den leuten wohnet oder offtmals zu gastmälern gehet, so verbinde jhn, das sauber geheilet werde
F. Wurtz
wundartznei (1624) 265; er ... fragte den wirth, ob ... Faust bey ihm wohnte Klinger
w. (1815) 3, 65; in Breslau wohne ich bei einem grafen Wartensleben Moltke
ges. schr. u. denkw. 4 (1891) 9. III@A@2@ee)
mit anderen lokalen präpos.: zuo Athen wonen oder läben
aetatem agere Frisius
dict. (1556) 65
a s. v. agere; graff Wernherr ... wonet zu Straszburg Tschudi
chron. Helvet. 1 (1734) 4; Ethiopier, die gegen der sonnen auffgang wonendt Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 1
b; wir (
menschen) sind unter dem himel geschaffen; das wir aber unter dem tach und yn heusern wonen, das ist der sunde schulde Luther
tischr. 1, 574
W.; unter einem krummen stab ... ist gut wohnen Lehman
flor. polit. (1662) 3, 443; hinter dem berge wohnen leute Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 84; wenn wir einige meilen über der erde wohnten, ... Lichtenberg
br. 2, 63
L.-Sch.; auszerhalb der stadt wohnen Göthe IV 28, 31
W.; hier wohnt sie hinter dieser feuchten mauer
ders. I 14, 229
W. (
Faust I 4407).
[] um, unter, mit jem. wohnen
u. ä., z. t. in der älteren bedeutung '
verweilen, sich aufhalten': und erbarmet yn, das die koniginne und sin kint ... under ungeschlechten lúten musten wonen und under mengerslachte lút wandeln
Lancelot 1, 12, 23
Kluge; als vil mir der ritter bekant ist und ich umb in gewont hab Wickram
w. 1, 29
B.; je ... lenger einer umb münch und nunnen wonet, je minder in gelust ein klosterläben anzuonemen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 93
ndr.; eher will ich unter heiden ... wohnen, als Gerstenberg
Ugolino 232
nat. lit.; pin ich anders nicht betrogenn, so wonet er vil mit euch Arigo
decamerone 177
K.; er ist in die wüste gangen, ... nun mit den türen (
tieren) wont St. Fridolin
dtsche pred. 105
Schm.; ein groszes glück ist mir mit Tischbein ... zu wohnen Göthe IV 8, 47
W. III@A@2@ff)
mit ortsadv.; ein zeitlang an eim ort seyn und da wonen
commoro Frisius
dict. (1556) 262
b s. v. commoro; vorn, hinten, weit wohnen
stare, habitare Kramer
dict. (1700) 2, 1378
b f.: und wont nyemandt mer da (
in Joppe) dann sechs Sarracenen (1346)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 54; die christlichen warheit, die man ... weyter dan die Indianer ... von hinnen wonenn, auszgetriben hatte Hutten
op. 1, 323
B.; ob wol die wüstnei Johanni dem täufer nicht einsam war, denn es wohneten leute umher Luther
tischr. 3, 624
W.; die allerhöhesten berge sind fur und fur mit schnee bedeckt, denn sie sind mitten in der luft, da niemand wohnen kann (1538)
ebda 4, 157
W.; drinn in der statt ist ein steinhausz, da wohnen zwen Juden darinnen Hans Sachs 21, 27
K.-G.; zoch k. Heinrich abermals in Italiam und wonet darinn schier bey 7 jaren Stumpf
Schweizerchron. (1606) 335
a; unten wohnt der könig, im zweiten stock die königin Sturz
schr. (1779) 1, 43; sie wohnt hier um die ecke, ew. gnaden H. v. Kleist 1, 357
Schm.; wohnt. hier herr Ruhberg? Iffland
theatr. w. (1827) 1, 176; wir wohnen heraussen, vorstadt St. Ulrich S. Brunner
erzähl. u. schr. 1, 53; das weit entfernt wohnende mädchen Mörike
w. 3, 24
Göschen; die nebenan wohnende ... frau Böhmer Fontane
ges. w. I 6, 14. III@A@2@gg)
mit modaladv. oder adverbialer ergänzung der weise; er wonet herrlich
magnifice habitat Stieler 2496; wol, bequem, lustig, übel, unbequem wohnen Kramer
a. a. o.: thut nach meinen satzungen ..., auff das ir im lande sicher wonen mügt
3. Mos. 25, 18; in andern landen ist auch guot wohnen Tappius
adag. centur. septem (1545) b 3
b; bei solchen herrlein ist gut wohnen Fischart
Garg. 70
ndr.; redensartlich frei nach Luc. 9, 33
bonum est nos hic esse: hier ist gut wohnen Eichendorff
s. w. (1864) 3, 108; der in allen gassen wonet, der wonet übel
sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 70
b; er liebte es ..., fürstlich zu wohnen Ranke
s. w. (1867) 4, 107; das heiszt wol schlecht gewohnt, wenn uns der wanderstab nie aus den händen kömmt Canitz
ged. (1727) 3; kann man gut zur miethe wohnen, warum sollte man sich sein eigenes haus anschaffen? Hippel
über d. ehe (1774) 20; der mensch ist noch sehr wenig, wenn er warm wohnt und sich satt gegessen hat, aber er musz warm wohnen und satt zu essen haben, wenn sich die bessere natur in ihm regen soll Schiller
br. 3, 372
Jonas; und dem kampfe ist entsprungen, was hienieden irdisch wohnet Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 103.
ohne zusätzliche bestimmung in wirkungsvoller antithese: er wohnte überhaupt nicht: er war ein unstäter sänger, der von ort zu orte ziehend sein brot verdiente Scherer
lit. gesch. (1883) 59. III@A@33)
prägnant für '
eheliche gemeinschaft haben',
vgl. mhd.: nune skeidet si (
Diana) uon ime (
Sichem) nieht, gebet ime si ze chonen, lat si iemer sament wonen!
ad. genesis 3222
Dollmayr; [] verheiratet sein Frischbier 2, 478.
euphemisch auch für coire: by dem (
Fanucius) sie (
Flora) wonet in schmaichender lieby Steinhöwel
de claris mul. 213
Dr.; ihr männer, wohnet bei ihnen (
euern weibern) mit vernunft 1.
Petr. 3, 7; das wir mögen ehlich in aller zucht und freundtlichkeit bey einander wonen Schumann
nachtbüchlein 304
lit. ver.; derhalben soll ein man fein wonen mit vernunft beim weib und ir schonen Fischart
w. 3, 134
Hauffen; Montanus
schwankb. 515
B.; viel leut glauben, der teuffel Succubus möge in weiblicher gestalt bey einem man wohnen, ... den samen empfahen Ruoff
hebammenbuch (1580) 148; (
es) wohnete herr Gabon bey seinem lieben gemahel mit inniglicher liebe, bisz sie schwanger ward
buch d. liebe (1587) 383
b;
engl. com. u. trag. (1624) g 2
a; vorzeiten lebten viel weiber in gemein bey einem mann, jetzo wolte lieber eine bey vielen männern wohnen Lehman
flor. polit. (1662) 1, 287; Sal. Gessner
w. (1778) 2, 15; Fischart
ritter v. Stauffenberg v. 2385.
mundartlich noch üblich, s. Schemionek
Elbinger ma. 45. III@BB.
von abgeschiedenen: ja, mein vatter und mutter beyd seind auch schon gestorben mit leyd und wohnen nunmehr im abgrund W. Spangenberg
in: griech. dramen 2, 88
Dähnhardt (
Ajax 2933); und wenn kein machtgebot die ordnung hemmte, so hätte sie in ungeweihtem grund bis zur gerichtstrommete wohnen müssen
Shakespeare (1797) 3, 334 (
Hamlet 5, 1); wie vil me mögen sie (
die heiligen) ... thuon, so sie bei got wonen Hieron. Gebweiler
lob Marie (1523) 14
b; Weckherlin
ged. 1, 340, 25
F.; von geistern, dämonen gesagt (
sich aufhalten, befinden): darumb ward Merlin geheiszen sunder vatter, und dieselb form des bösen geistes wont noch in der welt und inn den lufften
Lanzelot 1, 20, 10
Kluge; die bösen geister sonderlich bey disem hauss ... wonen Joh. Nas
d. antipap. eins u. hundert (1567) 1, 41
a; die ... wassergeister ... wohnen in den feuchten und wässerigen orthen Äg. Albertinus
Lucifers königreich 11, 22
L.; so nun der teuffel im selbigen hausz wohnet, so zerrüttet ers Paracelsus
op. (1616) 1, 87
H.; übertragen: wisset ... das wir geister ... genötigter weise bissweilen in den mAenschen ... wohnen Moscherosch
ges. 1 (1650) 13; die nachtdämonen, die um Lutheri prüfung zu vollführen, in ihm gewohnt
Z. Werner
M. Luther (1807) xviii
prol.; auch: bey geilhem ... tantzen ... wonet eigentlich der teufel Ambach
von tantzen (1543) b 4
b. III@CC.
gott ist subjekt: der heylig geist wonet in dir
summerteil d. heyligen leben (1472) 11
a; got wil nit allain in im selbs wonen ... sonder auch ... wonung und würchung haben ... in seinem geschöpf Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 61
Reithm.; in welchem menschen got wonet und lebet, desselben menschen werck thun nichts anders dan das sie got ... ere geben Luther 2, 94
W.; Christus durch den glawben wonet yn unszerm ynnerlichen menschen
ebda 10, 1, 2, 56
W.; sihe alszo geht er (
Christus) durchs euangeli zu den oren eyn ynn deyn hertz und wonet alda durch deynen glawben
ebda 10, 1, 1, 48
W.; auch: gottes reich wonnet in den menschen, die getaufft seind
ebda tischr. 2, 255
W.; (
es) ist woll tzu mercken, das gott in ... menschen nit hauszet oder wonet, wilche mehr forchten den gewalt der welt, dan gott Hartmuth v. Cronberg
schr. 117
ndr.; gott leidet kein gedreng im menschen ..., er wil allain im hertzen wonen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, C 8
a; der gott, der mir im busen wohnt, kann tief mein innerstes erregen Göthe I 14, 76
W. (
Faust v. 1566); er (
gott) wohnt im tröpfchen silbertau, das auf dem veilchen glänzt, und webt auf jeder flur und au Novalis
schr. 1, 150
M.; [] formelhaft (
gott,) der im himmel wohnt: soll, der im himmel wohnt, vergebens richter seyn? Giseke
poet. w. (1767) 8
Gärtner; brüder — überm sternenzelt musz ein lieber vater wohnen Schiller 4, 1
G. gott wohnt bei, mit, unter den menschen: got der vatter, got der son, got der heylige geyst wonent bey dem selbigen mentschen (
vor 1468) Joh. Wolff
beichtbüchlein 41
Battenb.; got hat mit den menschen gewonet A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) g 5
a; (
der heilige geist) wonet nit bey unzüchtigen ... lewten Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 104
Reithm.; der geist des herren bey mir wand Hans Sachs 1, 167
K.; und daz wort ist gemacht flaisch und wont in uns (Luther: unter uns)
Joh. 1, 14
erste dtsche bibel; o got ... wöllest ... mitten uonter uons wonen Schede-Melissus
psalmen 88
ndr.; das (
friede und ruhe) währt so lange, bis die göttin genug unter den menschen gewohnt hat br. Grimm
dtsche sagen 2, 9. III@DD.
tier, pflanze, stein ist subjekt. '
sich befinden, aufhalten': (
das senfkorn) wirt ein baum also das die vogel des himels kument und wonnent auf seinen essten
Matth. 13, 32
erste dtsche bibel (
ebenso Luther;
vulg.: ut volucres ... habitent in ramis eius);
Marc. 4, 32; ettwan wonten die frösch fry, on alle sorg in den lachen und wyern Steinhöwel
Äsop 110
Ö.; ich sehe an dem neste wol was vogels darinnen wohnet Tappius
adag. centur. septem (1545) l 6
a; wald, in dem wonet gar vil gefügels und ... wiltbrett Wickram
w. 2, 175
B.; das wasser ist den fischen ze wonen eyngeben Frisius
dict. (1556) 204
b s. v. cedo; den anderen thieren aber hat die natur die erden zugeben, das sie darauff wohnen Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 10; die ottern ... wohnen in den wassern Micraelius
altes Pommerland (1640) 6, 394; weil ... die drachen sich in den groszen höhlen ... einzunisten und dort zu wohnen pflegten Göthe I 25, 1, 151
W.; in dieser landschaft sollen elephanten, rhinocerose wohnen Ritter
erdkde (1822) 1, 215; auch gemsen werden dann auf keinen klippen wohnen Gottsched
neueste ged. (1750) 62; mein kind, du wagest dich zu kühnlich in den wald, als ob kein tyger um uns wohne Ramler
einl. in d. sch. wissensch. (1758) 1, 309; ich singe, wie der vogel singt, der in den zweigen wohnet Göthe I 21, 206
W. weniger üblich, wenn pflanzen und mineralien subjekt sind: (
des baumes cassia fistula) sâm wonent pei enander mêr dann vierzich in ainer schaln Konrad v. Megenberg
buch d. natur 364, 24
Pf.; kräuter ... welche teils sumpfpflanzen sind, teils als echte wassergewächse in der braunen flut wohnen Allmers
marschenbuch (1900) 93. '
so sagt man eine pflanze wohnt in China,
wenn sie dort wild wächset, golderz wohnet in Ungarn,
wenn es daselbst häufig gebrochen wird' Adelung 4, 1600.
dingsubjekt bei wohnen
ist im übrigen selten. im folgenden bibelbeleg wird lat. habitare gewohnheitsmäszig mit wohnen
übertragen, in den meisten neueren fällen, wo wohnen
bei sachsubjekt steht, liegt bildlicher ausdruck vor: die arch des herren die wont in dem haus Obededom Gethei drei monet
erste dtsche bibel 5, 153
Kurrelm. 2. kön. 6, 11 (Luther: bleib); wir näherten uns dem gelasz (
im kirchturm), wo dunkel in heiliger gefangenschaft die glocken wohnen Carossa
verwandlungen e. jugend (1928) 248;
ders. ged. (1912) 19; in des meeres heiligem schoosz wohnte die sonne Novalis
schr. 1, 28
M. weniger deutlich ist die personifikation in belegen, wo wohnen
die bedeutung '
sich meistens befinden', '
häufig sein'
hat: ... ein enges thal, wo kühle schatten wohnen Haller
ged. 35
H.; auf meinem tisch, ob schon nit fisch und köstlich speis thut wohnen Erlach
volksl. d. Deutschen 1, 58.
[] ungewöhnliche verwendung, mit starker bedeutungsintensität: (
ich musz) ihnen danken für jenen lieben, nun schon so lange mit mir wohnenden brief Rilke
br. 1906 -1907 (1930) 13. III@EE.
mit abstraktem subjekt verbindet sich wohnen,
wie ahd. und mhd. (
s. o.),
auch nhd. häufig, z. t. mit deutlich empfundener bildkraft für '
sitz, wohnung haben, herrschen',
aber auch allgemeiner für '
ruhen, sich befinden, enthalten sein'. '
sich auf eine beständige art thätig und gegenwärtig beweisen' Adelung
a. a. o.; meist durch lokalbestimmung ergänzt. III@E@11) in etwas wohnen: die liebe ... auch in den armen scheuern und hütten wonet Arigo
decam. 234
K.; im innern des schlosses, wo die stille des grabes wohnte Klinger
w. (1815) 3, 208; (
er) weisz von der sünde nicht, die in den stätten wohnet Opitz
teutsche poem. 32
ndr.; nur selten wohnt im marmorsaale das glück der wahren zärtlichkeit J. G. Jacobi
s. w. (1807) 1, 12; kennt ihr das land, wo sittlichkeit im kreise froher menschen wohnt? Böhme
volksthüml. lieder d. Deutschen 4. in meinem fleische wonet nichts guts
Röm. 7, 18 (
vulg. non habitat in me ... bonum); Zwingli
dtsche schr. 1, 61; 189; 213; man spürtt, das ... nicht ... das wort Christi alleyn uff der tzungen ... schwebe, sunder ernstlich und grundtlich ym hertzen wone Luther 10, 2, 53
W.; 8, 541; Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 184
ndr.; die stoischen weisen ... welche die in dem hertzen wohnenden gemüthsregungen in das gehirne versetzten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 93
a; in einem schönen leibe wohnt auch ein schöner geist Neukirch
auserl. ged. (1697) 4, 194; überhaupt beobachtet man, dasz die bösartigkeit der seele ... oft in kranken körpern wohnt Schiller 1, 166
G.; der geist des widerspruchs, der in allen menschen wohnt Göthe I 25, 1, 21
W.; 42, 2, 191; zwei seelen wohnen, ach! in meiner brust Göthe I 14, 57
W. (
Faust I
v. 1112); kein funk erbarmen wohnt in ihm
Shakespeare 4, 107 (
kaufm. v. Venedig 4, 1); da der glaube an eine göttliche weltordnung mir ... im blute wohnte G. Keller
ges. w. (1889) 3, 80;
ruhen: es wohnet ... der adel in der tugend, die tugend in der liebe ... und die liebe in gott und also musz eines in dem anderen wohnen Moscherosch
ges. (1650) 2, 412; eine reine, gute, in sich selbst wohnende seele Göthe I 37, 345
W. III@E@22)
auf etwas wohnen: die unschuld wohnet auff dem lande Stieler
geharnschte Venus 23
ndr.; traurig, dasz auf einem so seelenvollen gesichte sorgen wohnen sollten! Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 1, 45; seht, welche anmuth wohnt auf diesen braun!
Shakespeare 3, 272 (
Hamlet 3, 4). III@E@33)
bei, um, unter, hinter etwas wohnen: barmherzigkeit wonet bei euch nicht
ackermann aus Böhmen 14
Hübner; gottes heilige ..., bey welchen sein ... wort und geist wonete Luther 30, 2, 169
W.; je ferrner ich mit dem leib von dir bin, je näher mein hertz bey dir wohnet
buch d. liebe (1587) 127
c; das recht wohnet beym überwältiger Schiller 2, 25
G. (
räuber 1, 1); um den mund wohnte der ... ausdruck schmerzlicher sehnsucht O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 431; der schrecken wohnte um seine augen Watzlik
d. alp (1923) 343; fürwar ich auch nicht gern wolt, das unglück um dich wonen soll Forster
fr. t. liedlein 124
ndr.; eintracht und fleisz wohnten unter ihrem dache Storm
s. w. (1899) 2, 37; hohl ist meine (
maler-)kunst. es wohnt keine kraft hinter ihr Watzlik
d. alp (1914) 250.
[] III@E@44)
mit ortsadverb oder ortsrelativ: wo friede ist, da wohnet auch wollust Rist
d. friedewünsch. Teutschland (1648) 59; wo ehre wohnet, da steht der sorgen hausz dabey Treuer
dtscher Dädalus (1675) 1, 44; wo du bist, da wohnet reichthum Weise
polit. redner (1677) 51; nur da, wo vertraulichkeit, bedürfnisz, innigkeit wohnen, wohnt alle dichtungskraft Göthe I 37, 318
W. III@FF.
im zwei- und mehrgliedrigen ausdruck. wonen und sein: wo es wol aufgeraumt im hausz stehet, da ist und wohnet ein saubere fraw Lehman
flor. polit. (1662) 1, 399;
wohnen und leben: sie wohnen und leben bey einanderen als wann sie eheleuth weren Sattler
phraseologey (1658) 260.
in alliterierender bindung: wesen, wonen und wanken (
a. 1485) Jac. Grimm
dtsche rechtsalterth.4 1, 458; da er gott ... inne findt wonen und würcken Tauler
serm. (1508) 41; 89; Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 61
Reithm.; das land sol euch offen sein, wonet und werbet und gewinnet drinnen
1. Mos. 34, 10; 21; es mus wol stehen ym lande, wo ... die alte leute sicher wonen und wandeln Luther 23, 599
W.; 34, 2, 112; Paracelsus
op. (1616) 1, 524
H.; unsere ... ideale ... wandeln und wohnen unter uns Herwegh
br. 105. III@GG.
das part. präs. wonend. 1)
prädikativ in verbindung mit sein
zu nachdrücklicher betonung durativer aktionsart (
s. o. II 6),
wenig üblich: so ferr ... eyn person inn der ladung bestimpt, daselbst gesessen oder wonent were
d. kayserl. maj. cammergerichtsordn. (1555) 57
a; ich habe mir gebaut von ausgedorrtem schilfe ein, ach! wie schlechtes haus, in dem ich wohnend bin P. Fleming
dtsche ged. 1, 102
L. 2)
attributiv für '
ständig, dauernd': wo dieselbige (
wollust) bey dem menschen ihre wohnende herschafft aufschläget
Reinicke fuchs (1650) 257; das wohnende heerlager Herder 12, 141
S. wenig üblich. III@HH.
der substant. inf. das wohnen '
habitatio'
als nomen actionis: das zerstreute wohnen (
erhielt) den primitiven charakter Germanias Immermann 1, 165
B.; (
es) ladet der kräftige ... wieswachs, aus rothbrauner fetter dammerde keimend, zum wohnen ein Dahlmann
gesch. von Dännemark (1840) 2, 106; gemeinsame arbeit ... und gemeinsames wohnen in den bais Ratzel
völkerkde (1885) 2, 187; Hoops
waldbäume u. kulturpfl. (1905) 509.
in der redensart: überzeugt, dasz dort für mich kein wohnens und und bleibens ist Göthe IV 10, 16
W.