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hehr

mnd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

hehr adj.

Bd. 10, Sp. 789
hehr, adj. praestans, magnus, altus, sanctus, ein nur in den continentalen ländern des deutschen sprachgebietes übliches wort, ahd. mhd. hêr, alts. mittelniederd. hêr, nl. heer in heerlick magnificus (Kilian). Die verwandtschaftlichen verhältnisse des wortes genau festzustellen, fällt schwer. als grundbegriff hat man fast allgemein leuchtend, glänzend angenommen, und das gothische, nur einmal begegnende hais leuchte (dat. pl. haizam μετὰ λαμπάδων Joh. 18, 3) herangezogen, so dasz das r im auslaute von hêr auf früheres s zurückgienge. indes ist das goth. hais selbst ein etymologisch dunkles wort, das aber wahrscheinlich nicht von seiner wirkung, sondern von der form den namen trägt, das wie goth. mais (mehr) eine innere zerrüttung erfahren hat und dessen auslaut suffixaler natur ist, so dasz eine verwandtschaft zwischen beiden wörtern anzunehmen bedenklich fällt. eher möchte hêr (und dann mit ursprünglichem auslautenden r) mit sanskr. kil sich freuen, spielen, tändeln, kila, spiel, tändelei, kilakilâ freudengeschrei, kêli belustigung, spiel, liebesspiel, tändelei (Böhtl.-Roth 2, 292. 293. 428) zu vermitteln sein, wörter, deren sinn auf der grundanschauung des behagens und des gehobenen fuszt. diese grundanschauung zeigt sich auch beim deutschen hehr deutlich, wenn es freudig, stolz auszudrücken hat, eine bedeutung, die obschon ahd. nicht bezeugt, doch die ursprünglichste zu sein scheint. Bedeutung und gebrauch. 11) gehoben, stolz, freudig, mhd. nicht unhäufig: ich was mînes muotes ie sô hêr daʒ ich in gedanken dicke schône lac. minnes. frühling 180, 1; daʒ si im entrunnen,des wâren si vil hêr. Nib. 1474, 3; der rede was dô Hagnein sime herzen hêr. 1478, 1; swelch man wirt âne muot ze rîch, wil er ze sêre striuʒen sich ûf sîne rîchheit, so wirt er ze hêre. Walther 81, 25. nhd. noch in einer formel nachzuweisen: sie thäten mich bald fragen, ob ich der schreiber wär, das sollt ich kurzum sagen; darzu ward mir nicht hehr (= dabei ward mir nicht wol). des knaben wunderhorn 2, 256. 22) überwiegender wird hehr gebraucht vom hervorragen rücksichtlich der gesellschaftlichen stellung und des ansehens, eine bedeutung die noch jetzt in dem verdunkelten comparativ herr (s. d.) dominiert, die auch in den unten folgenden compositen hehrfroh, hehrgut zu tage tritt: ahd. hêren proceres, hêrero, hêriro, hêrôro, praestantior, senior, prior, major, hêrôsto primus, princeps Graff 4, 988; Lysianuse hêristen in theru steti thiu Abilina was heiʒʒan, untar thên hêriston biscofun Anna in Caipha (Lysania tetrarcha Abilinae, sub principibus sacerdotum Anna et Caipha). Tatian 13, 1; er was hêrôro man. Hildebrandslied 7; manige bischof alsô hêrin, die dir ceichin haftig wârin. Annolied 101; alts. sia quâðun that sia kuning ôðran ne habdin undar irô heriskipie, newan thena hêran kêsar fan Rumu-burg. Heliand 5377; mhd. Philippe, künec hêre. Walther 16, 36; owê waʒ lob ich tumber man? mach ich mir si ze hêr (erhebe ich sie zu hoch), vil lîhte wirt mîns mundes lop mîns herzen sêr. 54, 5; gîstu mir dîn swester,sô wil ich eʒ tuon, die schœnen Kriemhilde,ein küniginne hêr. Nib. 332, 3; daʒ ich ir êre, reht als ein wunderso sunderso sêre minn und meine,si reine,si sælic, si hêre. frauendienst 394, 20; mnd. sô stolt is nicht noch sô hêr ein vrouwe, ik vleige an êr lêr (wange). niederd. Äsop v. Hoffmann 3, 21; die moderne schriftsprache ist zu dem gebrauche von hehr in diesem sinne erst seit dem wieder bekannt werden der mhd. dichtungen gelangt (vergl. über den neuern gebrauch von hehr unten no. 6): ich sah noch nie solch einen hehren kreis. Schiller Demetrius 1, 1; den hehren despoten lieb ich im krieg. Göthe 4, 322; o könig Karl, mein bruder hehr, o dasz ich floh von dir! Uhland ged. 333. [] 33) doch ist hehr auch in der volksmäszigen sprache des 17.—18. jahrh. in der bedeutung 2 bezeugt, in der formel nämlich einen hehr halten, einen hoch ansehen, schätzen: weil er seines schlauen kopfs wegen von der ganzen gemeine schrecklich hehr gehalten wird. Schoch stud.-leben D ij; ebenso hehr thun, hohe absicht haben: sie verwarf alle spekulationen wohlmeinender basen und tanten, die auf eine ehestiftung zielten, und that mit der fräulein tochter so hehr, dasz sich kein junker an sie wagte. Musäus volksm. 513 (die entführung). 44) hehr bezogen auf personen und gegenstände des cultus, auf gott, Christus, die heiligen, wunder, die bibel u. s. w.: ahd. ih ne êroti noh ne gewirdota .. daʒ hêra heilictuom, neheina gotes wîha, fastataga, fîrtaga, andera hêra dultaga. Müllenhoff u. Scherer 220, 100; alts. bâdun alo-waldon, hêran heBen-kuning. Heliand 691; mhd. daʒ ein magt ein kint gebar hêre übr aller engel schar. Walther 15, 10; hêre frouwe! (ausruf an die jungfrau Maria). 39, 24; daʒ hêre (gelobte) lant vil reine. 78, 12; Christ herre! du bist gût, nu hilf uns durch dîn reines plût, durch dîne hêren wunden. Uhland volksl. 797; daʒ diser segen werde vollebrâht in der hêren namen drîn di ein wârer got sîn. 815; nhd. hehr sacrosanctus, solennis, augustus Alb. cc 3a; heilig und hehr ist sein name. ps. 111, 9; vgl. die auslegung dieser stelle: das wort terribile heisze ich auf mein deudsch, hehr, das man zu latein metuendum, reverendum heiszt. als wenn man ein bilde, kirche, fest, heiligthum oder dergleichen, schön und hehr helt, und gleich mit sorgen und ernst sich dagegen stellt. also ist der name des herrn nicht allein heilig an sich selbs, sondern auch hehr und hoch gehalten von den menschen. Luther 5, 206b; das heer und werde liecht des evangelii. Mathesius Sar. 61a; nachdem die glock grosz und schwer, und die stet heilig, kostlich, heer. B. Waldis d. päbstl. reich 1, 16; mit bezug auf das feiern von festen: und (hat) die heidnischen orgia und Mertens tage alle wochen hehr und heilig gehalten. Mathes. Sar. 15a. Bei neuern steht hehr (vergl. unten 6) auch von heidnischen gottheiten, oder von personificationen im gewande der gottheit: dort wo Kalypso wohnt, die schöngelockte, die hehre melodische göttin, die mich gepflegt und erquickt. Odyssee 12, 449; fragt den forscher, wo die wahrheit wohnt; aber sieh! der himmel ist verschlossen, wo die hehre göttin thront. Tiedge Urania 1; und so haben mich, im stillen, ... hehre musen auferzogen. Göthe 2, 23; wenn gottheit Camarupa, hoch und hehr, durch lüfte schwankend wandelt leicht und schwer. 3, 104. 55) die ältere sprache braucht hehr, zunächst wieder an die bedeutung 2 angeschlossen, weiter von profanen dingen, die sich auszeichnen, hervorstechen: âlôê mit allen dên hêresten salbon. Williram 38, 10; dere geslehte dâre quam wîlin êre von Armênîe der hêrin, dâ Nôê ûʒ der arkin gîng. Annolied 308; schœniu lant rîch und hêre. Walther 15, 6; dâr ist ein mîle oder mêr, daʒ ich gesach nie burc sô hêr mit aller slachte rîchheit. Parz. 250, 14. in diesem sinne noch im 16. 17. jahrh.: so habe man disen flusz für ein heer und heilig, oder köstlich herrnwasser gehalten. Mathesius in Wackernagels leseb. 3, 1, 425; soll wol Bireno sie gesehen nacket haben, ihr heere zarte haut und schönste leibes gaben. D. v. d. Werder Ariost 2, 68, 2. 66) später, nach dem 17. jahrh., ist hehr in diesem sinne verschollen, und lebt überhaupt (auszer in den formeln 3) nur in der bedeutung 4, in der man es aus Luthers bibel kennt. in der 2. hälfte des 18. jahrh. kommt es wieder in häufige anwendung. Wieland bezeichnet es in einem aufsatze vom jahre 1792 über die Borussias von Jenisch als ein 'veraltetes, aber aus Luthers bibel bekanntes' wort, dessen wiederbelebung er empfiehlt: nur däucht mich sollte es nicht pro lubitu statt eines andern ähnlichen, sondern nur als die stärkste poetische farbe in [] der ganzen schattirung, zu der es gehört (ehrwürdig, ernst, erhaben, furchtbar, majestätisch, heilig, hehr), und also sehr sparsam gebraucht werden. werke in der Göschenschen ausgabe 35, 69. aber er hatte sich selbst nicht an diese regel gebunden, hehr vielmehr schon 1776 freier verwendet: der ganze hof in kurzer frist gestiefelt und beritten ist. ein hehrer zug! wintermärchen (werke 18, 1796 s. 243). genauer im geiste der Wielandschen vorschrift nahm Klopstock hehr in die letzte ausgabe seines Messias (1780) auf: denn es hielt noch immer der sohn aus der fülle der seele mit dem vater gespräche des schicksalenthüllenden inhalts heilig, und furchtbar und hehr. werke 3, 25; ähnlich s. 15 (noch nicht in der ausgabe des Messias von 1751). es wird nun hehr wieder häufig im sinne von erhaben, ehrfurchtgebietend gebraucht; so vom menschen, von dessen gefühlen, blicken, aussprüchen: sieh, schlecht und recht, ein bauersmann am wanderstabe schritt daher, mit grobem kittel angethan, an wuchs und antlitz hoch und hehr. Bürger 37a; richt, ob ich recht, ob unrecht that; auf dich beruf ich mich, dein spruch wird hehr mir sein! Stolberg 15, 216; die ewigen gefühle heben mich, hoch und hehr, aus irdischem gewühle. Göthe 1, 98; wenn du von Laura wahres hast gesungen, von hehrem blick, von himmlischer geberde. Uhland ged. 126; von der natur, dem himmel, den sternen: sanft umsäuselten mich und hehr die nächtlichen schauer. Stolberg gedichte (1779) 162; natur, so hehr! so wunderbar! 183, die bezüglichen gedichte sind von 1776; ein wundersamer zustand bei hehrem mondenschein brachte mir das lied 'um mitternacht'. Göthe 32, 138; gen himmel blickt ich, er war hell und hehr. 1, 6; nur immer zu! euch ist die welt erschlossen, die erde weit, der himmel hehr und grosz. 3, 29; die hehre welt, wie schwindet sie den sinnen! s. 30; die welt sie ist so grosz und breit, der himmel auch so hehr und weit. s. 103; der tempel steht, dem höchsten sinn geweiht, auf felsengrund in hehrer einsamkeit. s. 139; (das schlosz) erleuchtet auszen hehr vom sonnengold. 47, 156; selbst von gebäuden: es stand in alten zeiten ein schlosz so hoch und hehr. Uhland ged. 390. 77) hehr heiszt mundartlich auch fein, dünn, schmal, von der druckschrift, vom garn, helltönender stimme. Kehrein 191. Schmidt westerw. idiotikon 72; hehr geriebenes brot. Vilmar 157.
10045 Zeichen · 164 Sätze

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    hehrAdv.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    hehr , Adv. Vw.: s. hēr (3)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hêhr

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Hêhr , adj. et adv. welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, aber in den Schriften der mittlern Zeiten so wohl Ob…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    hehr

    Goethe-Wörterbuch

    hehr von 40 Belegen nur 5 außerhalb der Versdichtung a ehrfurchtgebietend, Hoheit u Würde ausstrahlend, erhaben α von gö…

  4. modern
    Dialekt
    hehr

    Rheinisches Wb. · +2 Parallelbelege

    hehr RhWBN hēr, –ēə- Siegld , SOWaldbr ; -ī:-, –ī·ə.- Altk , Neuw (mit Ausnahme des kurköln. Teiles), WWaldbr , Sieg-Leu…

  5. Spezial
    hehr

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    hehr adj. 1 (poetisch) sublim (-s, -a) 2 maestus (-sc, -tosa).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hehr

23 Bildungen · 14 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

hehr‑ als Erstglied (14 von 14)

hehrauch

DWB

hehr·auch

hehrauch , m. , vergl. DWB hägerauch sp. 153: wenn abendröte oder hehrauch ist, so versihet man sich schön wetter. Mathesius postille 3, 38 …

Hehrbrot

RhWB

hehr·brot

Hehr-brot  Siegld , OAltk n.: aus Weizenmehl gebackenes Brot von länglicher Form; en H.brotsdong Butterbrot.

hehren

DWB

heh·ren

hehren , verb. 1 1) sich zieren, schmücken ( nach hehr 5), mhd. hêren, verwendet Voss, wol nur eine reminiscenz seiner altdeutschen studien:…

hehrfroh

DWB

hehr·froh

hehrfroh , adj. auszerordentlich, vorzüglich froh. im sächs. Erzgebirge üblich: die frembden sind heer fro, und nemen die propheten mit freu…

hehrgut

DWB

hehr·gut

hehrgut , adj. vorzüglich gut: so vil an dir ist, köndestu alles überkommen, und in ( den armen ) auch die sonnen nemen und einsperren, du s…

Hehrlicht

Campe

hehr·licht

◬ Das Hehrlicht , des — es , d. Mz . ungew. ein hehres Licht. S. Hehr . »Zwar sah er sich im Hehrlichte des Ruhmes glänzen, doch der Ruhm de…

Hehrmehlchen

RhWB

Hehr-mehlchen Gummb-Hombg n.: Kartoffelmehl.

hehrthum

DWB

hehr·thum

hehrthum , n. das venerabile in der monstranz. Frisch 1, 434 b .

hehr als Zweitglied (7 von 7)

Alaschehr

Herder

Alaschehr , Stadt im anatol. Paschalik Aidin, 15 M. von Smyrna, 8000 E., Ruinen Philadelphias.

furchtbarhehr

DWB

furchtbar·hehr

furchtbarhehr , adj. furcht erweckend und zugleich feierlich erhaben: die Erinne, die furchtbarhehre, vollbrachte des vaters Ödipus fluch! F…

herrlichhehr

GWB

herrlich·hehr

herrlich-hehr zu herrlich 2fγ; iUz ‘zierlich-zart’ GWB Faust II 5401 Elke Dreisbach E.D.

lichthehr

DWB

licht·hehr

lichthehr , adj. : lichthehr erschien der reiter rechts, mit mildem frühlingsangesicht. grasz, dunkelgelb der linke ritter. Bürger 70 a ( de…

urhehr

DWB

urhehr , adj. (ur- C 4 a) M. Meyr religion des geistes 26 ,

Ableitungen von hehr (2 von 2)

hehre

DWB

hehre , f. stolze schönheit ( nach hehr 5): ob wol die newe und künftige welt auch nicht leere und öde sein, sondern ir hehr und schmuck von…

urhehr

DWB

urhehr , adj. (ur- C 4 a) M. Meyr religion des geistes 26 ,