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geziemlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geziemlich

Bd. 7, Sp. 7096
geziemlich , verstärkte form zu der adjectivbildung ziemlich, die schon althochdeutsch belegt ist, vgl. zimilih, honestum, decens Graff 5, 662. das praefix dringt hier verhältniszmäszig spät vor und ist sicher durch die bildung gebührlich zu gebühr beeinfluszt. andererseits legt auch der an ziemlich später eintretende bedeutungswandel zu modicus, modice das bedürfnisz nahe, in den wendungen, die an der alten bedeutung honestus, honeste festhalten, diesem bedeutungsunterschied auch ausdruck zu geben. 11) den ältesten und vereinzelt gebliebenen beleg für das praefix stellt hier ein verdeutschungsversuch der Windberger psalmen: ist der herre ein zuofluht den armen, ein helfare in den gezimelichen gevellichlichen (opportunitatibus) in dem tribesale 26 Graff (helfare invalgo an dero nôte unde an dero arbeitte Notker psalm 9, 10; ein schatz in der not [zur zeit der angst] Luther). die ausgesprochene adverbialform begegnet bei Walther v. Rheinau: und swenne si dar ald dannen gie, daʒ houpt si vor nider lie gezämlichen schön bedacht, mit einem reinen tuoch beslaht. marienleben 237, 8 (var.: gezemeklichen). 1@aa) in den älteren wörterbüchern herrscht noch durchweg die einfache form vor, auch in der zusammenstellung mit synonymen, die das praefix zeigen: decenter, zimlich, geschicklich Cholinus-Frisius (1540) 244a; desgl. Dasypodius lat.-dtsch. H 6d; vgl. zimlich, mittelmässig, modicus; zimlich, züchtig, behutsam ... zimlich, mässigklich, zimlichen, sobrie, decenter, condecenter, mediocriter ... moderato ... Maaler 522b u. a. 1@bb) bei Calepinus (1590) begegnen beide formen und zwar in der gleichen richtung auf die neue bedeutung moderatus, modicus: frugalis, moderatus, prudens ... mässig, zimlich ... frugaliter ... mässiglichen, gezimlichen 616b. die einfache form für das adjectiv, das praefix beim adverb. in die eigentliche wörterbuchüberlieferung tritt die präfigierte form aber in der bindung an gebührlich ein: geziemlich, gebürlich, decenter, congruenter Henisch 1612; geziemlich, gebührlich, proprement, honnestement Hulsius (1614) 165a; desgl. (convenablement ...) Duez (1664) B b 4b; Wiederhold 145b; Rädlein 386a; ziemlich, nonnunquam geziemlich Stieler 2646; geziemend oder geziemlich sein teutsch-engl. wb. (1716) 1778; widertzahm für ungeziemlich Frisch 2, 476b (sonst dort ziemlich und zwar in der bedeutung conveniens, während für mediocris die schreibung zimmlich festgesetzt wird); geziemlich, gebührlich Frisch nouveau dict. (1772) 2, 281; geziemlich musz geziemend heissen. die übrigen theile des zeitworts geziemen ... werden nun mehr von ziemen verdrängt Heynatz dtsch. antibarbarus 2, 59. 22) auch am litterarischen gebrauch von geziemlich tritt der einflusz von gebührlich deutlich hervor. für das letztere sind oben (sp. 1898) einige belege zu der bedeutung von geziemend gegeben; vgl. dazu aus der fruchtbringenden gesellsch. ertzschrein: wird hiermit ... gebürlich ersuchet s. 40; desgl. 65; ähnlich 124; freundlich und gebürlich grüssen 55; bedancket sich ... gebürlich 379; für welche mitteilung dem spielenden gebürlicher danck gesagt wird 341. auch darin geht geziemlich mit gebührlich gleiche wege, dasz es durch die participialform gleichen stammes in seiner entwicklungsfähigkeit eingeengt und bedrängt wurde, so dasz es schlieszlich wie ungebührlich mehr auf negierende wendungen beschränkt bleibt. vgl. auch: dann es nit zimlich ist das ich der freuden pfleg Boltz Terenz (1539) 63b (Heaut. 1, 1. fas esse; gebührt sich auch nicht Cöthen 1620 u. a.); es ist euch nit ziemlich ze thun (Heaut. 5, 2) 81 (nec vos est aequum, gebürt sich auch nit Cöthen 1620 u. a.). vgl.: Clitemnestra ... widerstunnd auffrichtiglich dem unngezimblichen anmuotten des eebrecher Schaidenreisser Odyssee 3 s. 11b; Johann Türk (springt herein). herrn, die jagd ist nun zu ende ziemlich. man verlangt euch! Claudius. fort! wie ungeziemlich! Johann Türk. nun, bemüht nur nicht den ochsenziemer! denn ich zieh' geziemend mich zurück. Immermann (auge der liebe) 14, 98. 2@aa) zum adverbialen gebrauch liegen nicht so viel belege vor, wie zum attributiven; doch lassen die zeugnisse auf mancherlei ergänzung schlieszen: so übermenschlich rein ist dises leibs gemächt, und der glidmassen form ist so gezihmlich recht, dass sich die natur selbs verwundert und entsetzet', wan sie die augen nur auf meine glider setzet. Weckherlin (urteil ... Paris 405) 2, 345 H. Fischer; sind doch immer scandala. hab' auch gleich ihnen sagen lassen, sie sollten das ding geziemlicher fassen. Göthe (jahrmarktsfest zu Plundersweilen) 13, 31; wo sie sich für das fest und den ball geziemlich umkleiden könnten L. Tieck ges. novellen 3, 78. 2@bb) vereinzelte praedicative verwendung begegnet in einem bemerkenswerthen zeugnisz aus Tiecks don Quixoteübersetzung: herr commissarius, rief sogleich der ruderknecht, bleiben wir ruhig und geziemlich, unterlassen wir es, uns in namen und zunamen zu verwickeln ... laszt uns ruhig und geziemlich bleiben (3, 8) 15, 164 (lasset uns etwas vorsichtiger gehen ... ich habe euch schon zuvor gebeten ... etwas gemacher zu gehen übers. v. 1682 s. 1, 248; nicht so grün abgebrochen ... ihr sollt nicht so dreuste sprechen übers. v. 1734 s. 273. 2@cc) unter den attributiven verbindungen 2@c@aα) ist das adjectiv in den ältesten belegen mit einem dativ der person verbunden, wie er dem praefix in seiner grundbedeutung gemäsz ist: fürsten und hertzogen gezimliche ehrwort Hug rhetorica (1548) register a 6b; so wirt der verständige (leser) bei ihnen ... offt schlechte, harte und rawe, und den göttern kaum anstehende und gezimliche noch wehrte reden und arten finden Weckherlin vorrede zu seinen weltlichen gedichten s. 1, 295 anm. 2@c@bβ) dagegen vgl.: dem herrn zwar ... und seines gleichen, die den wein, zur gesundheit, oder geziemlicher lust gebrauchen, thut die wässerung nicht vonnöthen Erasmus Francisci lustige schaubühne 2, 908; die klare wahrheit ist den pedanten jederzeit ein greulicher irrthum, ein erlaubtes lachen eine schädliche satyre, ein geziemlicher schertz, eine unverantwortliche narrentheidung Gundling satyr. schriften (1738) s. 7; wo steckt denn der schmeckensliebhaber noch? ich will ihm nächster tage einen laufzettel anhängen, er ennuyirt mich immer mit seinen geziemlichen frau - basenbedenklichkeiten Friedrich (maler) Müller (Golo u. Genoveva 2, 6) 2, 52; vgl. dagegen zimlicher massen d. fruchtbr. gesellsch. ertzschrein 311; mit zimlicher wortschreibung s. 261. 2@dd) zur substantivierung vgl.: vors erste, ist nicht dasjenige gleich überflüssig, was eben nit nodtwendig: sondern es finden noch mittel-sachen dazwischen statt, nemlich das geschick- oder geziemliche, bequemliche, und volständige Erasmus Francisci lustige schaubühne (1689) 2, 375.
6793 Zeichen · 131 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geziemlichadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Geziemlich , adj . u. adv . was sich geziemet, geziemend.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    geziemlich

    Goethe-Wörterbuch

    geziemlich einmal Komp 1 (sach)gemäß, entsprechend dem Alter g. B48,266,4 Sternbg 30.6.31 15 2 ,103 Faust II 9003 Var 2 …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geziemlich

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von geziemlich 3 Analysen

ge- + ziemlich

geziemlich leitet sich vom Lemma ziemlich ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+ziemen+-lich geziemen+-lich

geziemlich‑ als Erstglied (1 von 1)

geziemlichkeit

DWB

geziemlich·keit

geziemlichkeit , f. , neue substantivbildung zum vorhergehenden. geziemlichkeit, decevolezza, décence, bienséance Rädlein 386 a ; geziemlich…

Ableitungen von geziemlich (1 von 1)

ungeziemlich

DWB

ungeziemlich , adj. adv. , gth. v. geziemlich, heute durch unziemlich zurückgedrängt: darumb du uns so ungezimlichen handelst hs. M des acke…