genesen ,
heil davon kommen. 11)
die form. 1@aa)
goth. ganisan,
ahd. alts. ginesan,
ags. genesan,
mhd. mnd. mnl. genesen,
nnl. genezen (
dem nord. fehlend),
fast ausschlieszlich so mit steigerndem ga- gi-
ge- (
ahd. einmal nisit
convaluerit Graff 2, 1098,
mnd. nesen
wb. 3, 177
b),
das doch dem von seinem stamme nisan
genommenen nähren,
ahd. nerian
in der regel fehlt (
s.generen),
sodasz es dem begriffe gleich ursprünglich nötig gewesen sein musz, wahrscheinlich mit dem sinn des völligen, ganzen (
s.ge II, 4,
c);
während nähren,
ahd. alere, pascere, curare ein sich lange fortsetzendes thun ist, entscheidet sich das genesen
im augenblick der gefahr und ist entweder ganz oder sein gegentheil. urverwandtes hat sich noch nicht gefunden, aber altsl. gonĭznti, goneznti
u. ä. für σώζεσθαι,
ἐκφεύγειν,
ὑπολείπεσθαι,
λανθάνειν und gonoziti, goneziti
für σώζειν,
ἀπαλλάττειν müssen wirklich entlehnung sein, wie es auch Miklosich
lex. 136
b ausspricht und Schafarik (
vergl. Diefenbach
goth. wb. 2, 119),
und zwar wol schon von den Gothen in der alten zeit ihrer nachbarschaft, das erste entspricht dem goth. ganisan,
das zweite dem ganasjan (
s. generen). 1@bb)
die formen sind eigentlich wie bei lesen,
noch jetzt wolerhalten praet. genas,
part. genesen,
aber die 2.
und 3.
person sing. praes., mhd. genisest, geniset (
auch ich genise)
ist uns jetzt verloren, im 16. 17.
jh. noch geniesest,
geniest: das trage stetig auf dem magen, bis du geniesest. Tabernaemont. 64; darvon trink und thue das täglich, bis du geniesest. 570; binde es dem gaul also warm auf die geschwulst, er genieset. 510
u. o.; genieset ein weib eines kindleins.
Philander (1647) 7, 257; als ein fraw, die zum
kind genieszt. Paracelsus 1, 1054
c,
was uns nun wie von genieszen
ansieht, von dem die form aber damals geneuszt
hiesz. dafür im 18.
jahrh. genest, wie z. b. Gottsched
sprachkunst (1762) 339
nur ansetzt du genesest, er geneset: geduld! vielleicht genest sie heute. Gellert 1, 115 (130); wie er selbst .. vom verderben genest. Engel
bei Wackernagel
leseb. III, 2, 877, 17;
so schon mnd. geneset
wb. 2, 58
b, 4. 1@cc)
das perf. im 16. 17.
jh. auch mit haben
für sein,
nordd.; der dichter eines landsknechtliedes sagt am ende von sich: in mancher feltschlacht ist er gewesen, in vilen stürmen hat er genesen. Uhland 523 (190, 5); wenn ich nicht wer ein mensch gewesen, ich het für Circe wol genesen. Rollenhagen
Froschm. I, 1, 6, 60 (E ij
a),
wäre unverzaubert davon gekommen; gott hat der leibesfrucht ihre zeit bestimmet, wenn sie zur welt gebohren werden sol. ist nun solche zeit vorhanden und die mutter hat genesen
u. s. w. Butschky
Pathmos 440.
so wieder auch mnd. vereinzelt, z. b. ehr se der gebort genesen hefft.
Lübisches recht 483
a. a. o. 1@dd)
auch schwache bildung versuchte sich geltend zu machen, z. b. genest
für genesen: ein arzt ist gar ein glücklich mann: was er bewehrtes wo gethan, zeigt der geneste jedem an
u. s. w. Lessing 5, 129
in Logaus
sinnged. 2, 45,
nicht aber bei dem schlesischen dichter selbst (das kan die zeit selbst sagen an 1, 4, 40).
conj. genesete,
neben genas (
wie mnd. genesede
wb. 2, 58
b, 43,
doch auch im indic. nesede 3, 178
a, 6): es schwur ein kranker, wenn er genesete, den göttern hundert ochsen, und er genas. Herder
z. litt. 11, 172 (
fab. nach Phädrus 4). 1@ee)
merkwürdig genosen für genesen,
im 16.
jahrh.: also in wenig stunden ist die Rellingere genosen (
des kindes entbunden worden).
Zimm. chron. 2, 464, 27,
wie aus vermischung mit genieszen. 22)
die ursprüngliche bedeutung ist: heil und unversehrt davon kommen, auch nhd. noch im 16. 17.
jahrh. geläufig. 2@aa) genesen
in kampf und krieg, vor dem feinde, der gebrauch von dem wahrscheinlich die ganze entwickelung des wortes ausgegangen ist: auch ist Alexander schon kummen über das wasser Granicum, wiewol das mit einr groszen sum Persier ist besetzt gewesen, die kaum sindt mit der flucht genesen. H. Sachs III, 2, 275
b (13, 494
K.),
s. auch den landsknecht u. 1,
c, der in vilen stürmen (
schlachten) genesen hat; gleichwohl der engel schaaren, die thäten sie bewahren .. sonst wär unmüglich gewesn, dasz sie hätten können genesn. Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 142; Timax war bei vielen schlachten, dennoch ist er stets genesen, ist zum treffen immer letzter, erster in der flucht gewesen. Logau 3, 7, 84. 2@bb)
es heiszt genesen
vor dem feinde (
vor dem man ja steht): ich hoffe, dasz ihr mit der hülfe gottes vor den heyden, dieweil ihr lebt, wol genesen möchtet.
b. der liebe 268
b,
was auch nur bedeuten kann: dasz sie euch unangefochten lassen; die meus haben einen reichstag gehabt (
rats gepflogen), wie sie vor den katzen genäsen
u. s. w. (
s. unter katze). Schottel 1127
b,
mhd.: si rieten (
hielten rat) alle ûf einen sîn (
plan), wie si wol möchtin komen hin und vor der katzen zorn genesen. Boner 70, 21;
schon ahd.: diu (
taube) mag genesan vore demo habeche. Williram 43, 13
S., sonst mit dem gen. zur bezeichnung der gefahr, auch noch nhd., z. b. leibes genesen,
mit dem leben davon kommen, z. b. von sieger und besiegten: mein herr von Meinz fast da umb reit .. im wer gewesen treulich leid, dasz einr wer leibs genesen. Liliencron 1, 536
b, 28. 2@cc)
aus dem kampfleben stammt auch 'sterben oder genesen',
das will der zum kampf auf tod oder leben entschlossene: auch wird zwischen unsern widersächern kein fried gemacht, dann dasz sie uns oder wir sie zu todt schlagen, derhalben wöllen wir sterben oder genesen.
buch d. liebe 185
a.
auch sterben und genesen (
wie auf tod und leben kämpfen),
z. b. mit oder '
bei'
dem herrn, das geloben ihm seine getreuen, wenns in den kampf geht: der von Habspurg .. sprach zuo sînen liuten allen gemainlich (
d. h. den versammelten): wend ir from an mir sîn .. und wend mir mîn veterlich erbe retten und behân? .. dô antworten sîne liut mit gemainem munde: jâ herre, wir wend hiut bî iu sterben und genesen. Ettmüller
die beiden ältesten d. jahrb. der stadt Zürich 75, 6; de goide stat Soist wolde sterven ind genesen bi irme alden rechten (
im kampf mit dem Cölner bischof).
städtechron. 13, 184; wa ist dann herzog Albrecht dran? er sol nit underwegen lan .. beim künig gnesen und sterben. Uhland
volksl. 468 (176, 7); Theagenes wolte mit gewalt mit dem schwerdt dran (
an die seeräuber), sie (
seine geliebte) wolt nicht von im, sonder mit im sterben und genesen.
buch der liebe 202
b. 2@dd)
übertragen auf allerlei andere gefahr, schon mhd. ahd. 2@d@aα)
z. b. bei lebensgefahr: ich habe gott von angesicht gesehen und meine seele ist genesen. Luther
1 Mos. 32, 30; darnach aber als er (
Jona) ist genesen (
aus dem bauch des walfisches errettet) und wider lebendig worden ...
der prophet Jona (1526) G 2
a; dann Loth und sein gesind genasz, bisz auf sein weib, die sich vergasz. Schwarzenberg 156
a. 101
b. genesen
vor gewalt, raub, eroberung u. ähnl., '
sich retten'
; von Karl dem Kühnen z. b. heiszt es in einem gleichzeitigen spruche: er was in krigischer ubunge vorhertet als ein stein. selden ymant konte vor im genesen, nach deme er horte den groszen Alexandrum lesen, wie der alle werlt ubirwant. Haupt 8, 331; dorumb fürnehme hintersässen, die für ihnen nit können gnäsen, seind mir all tage auf dem hals.
Berchtold. rediv. 27; man hat dir alles gut genommen, wie, das denn du noch bist genesen? man hette dich wol auch geraubet, wenn, Marx, an dir was guts gewesen. Logau 3, 8, 53.
als die Cölner im jahre 1633
das gegenüberliegende Deutz in beschlag nahmen, um sich zu sichern, sang man ein lied wider sie, darin: ist dann nicht Deutz ein fremdes gut, dein vormals nie gewesen? warum nimmstus in deine hut und willst dardurch genesen? Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 313. einen genesen lassen,
ungefährdet, unangefochten: der gläubig gern verfolgung leidt, thut guts dem feind, mitleiden treit mit seiner thorheit und tollem wesen, läszt jedermann vor ihm genesen.
das. 55. 2@d@bβ)
von dasein und leben überhaupt, äuszerlich und innerlich, z. b.: lasz leuchten dein andlitz, so genesen wir.
ps. 80, 4; wer from einher gehet, wird genesen.
spr. Sal. 28, 18;
in einem kryptocalvinistischen liede wird die deutsche ritterschaft aufgefordert, für das rechte christenthum einzutreten zu ihrer eignen rettung: ihr werden deutschen ritter all, sucht nicht muthwillig ewren fall, bleibt, wie ihr lang gewesen, bei Jesu Christ, wie man denn list, dem folgt, wolt ihr genesen. Soltau 2, 285.
in einem politischen spruche von 1633
klagen die cardinäle: papsts macht ist aus der kart genommn, sie hat ein schweren fall bekommn. geschehn ists um das geistlich wesn, wir können hinfort nicht genesn. Opel
u. Cohn 339.
in schmerzlichster trauer um den tod eines edlen herrn: hast haus, hof, gut und blut, auch weib und kinder selbs für das gemeyne wäsen so oft hindangesätzt.wie will ich nun genähsen? Rompler 133,
wie soll ich das verwinden und überleben? bei frommen leuten ist gut wesen, bei den man glücklich kan genesen. Henisch 1493,
d. h. sein lebensglück finden. 2@d@gγ) genesen
und verderben
als gegensatz: welche aus den Griechen verdorben oder genesen seind, ist mir nicht genugsam wissend. Schaidenreiszer
Od. 31
b; ein junger man kan neunmal verderben und dannoch wider genesen. Henisch 1493;
geistlich (
s. e): mir lieber were dein genesen denn verderben. Luther 1, 406
a; bitten wir .. das ewer keis. maj. in dieser groszen .. sachen, welche .. unser aller ewigs genesen und verderben für gott belanget
u. s. w. 6, 420
a,
apol. der Augsb. conf., deutsch von Jonas. 2@d@dδ)
bemerkenswert im rechtsleben im 15.
jahrh., wer in einem krieg,
rechtsstreit recht bekommt, ist genesen,
am ende eines geistlichen gerichts werden die parteien vom pedell aufgefordert: nun sweigt und laszt ewer geschrai! der krieg ist nun entzwai. man wirt nun das urtail lesen, so hört man, wer do ist genesen.
fastn. sp. 1001, 26;
es gehört zu den zügen, die der rechtsstreit mit dem waffenstreit gemein hatte, vgl. krieg II, 2, gedinge 1,
b. 2@d@eε)
auch von gegenständen, z. b. bei einer plünderung von kirchen: das sacrament auch nit genas, schentlich wards ausgeschüttet. Uhland
volksl. 428 (166, 8). 2@ee)
besonders auch vom seelenheil (
vgl. heil, heiland),
schon ahd. mhd.: sô diu sêla gnisit, sô erstât der lîchamo. Notker 36, 33,
bei auferstehung und jüngstem gericht; dô Friderîch ûʒ Ôsterrîch alsô gewarp (
auf dem kreuzzug), dêr (
dasz er) an der sêle genas und im der lîp erstarp ... Walther 19, 30; si (
die pfaffen) sprechent, swer ir worten volgen welle und niht ir werken, der sî âne zwîvel dort genesen. 33, 37; wan âne si (
Christus und Maria) kan niemen hie noch dort genesen. 6, 4;
von der tanzwut am Rhein im jahre 1374
heiszt es: also daʒ lude huben an zu danzen unde zu rasen
u. s. w. da von namen si sich an, daʒ si genesen weren.
Limb. chron. 64, 15
Wysz, dasz sie ihres seelenheils sicher wären (
vgl. übrigens 5); auch das er (
Christus) lidt, dardurch genasz all welt, am creütz ist willig gstorben. P. Speratus
geistl. lied (1524); auch musz der mensch, vertrawend deiner lehr, durch deine gnad genesen. Weckherlin 108 (
ps. 25, 8); wer aber disz buch bei sich hat, und mag es gerne lesen, der wünsche Saadi gottes gnad, auf dasz er mag genesen. Olearius
pers. ros. a. e.; (
gott) gibt den für uns zu pfand, den er von ewigkeit gehaim aus seinem wesen zum aigenthum gezeügt, laszt uns durch den genesen, der für uns sterben musz recht unverschuldter sach. Rompler 25; da er gar sänftiglich verschieden, so dasz seine seele genesen und nun gott von angesicht zu angesicht kan sehen. Brandt
bericht von Taubmann 83. 33)
im besonderen von frauen bei glücklicher entbindung. s. auch genesen,
gerettet unter 5. 3@aa)
eig. mit gen. (
vgl. 2,
b),
mhd. und noch nhd. bis heute: die zît diu küniginneeins suns was genesen.
Nib. 1327, 3; daʒ si der kindel ê der zeit genesent. Megenberg 421, 34; an den frawen, die kindlein (
gen. pl.) genesen sint. 25, 23; die groszen berge solten auch einmal eins kinds genesen, wie die poeten tichten. Luther 1, 369
a; sie ist genesen eines knabens, ehe denn ir kindsnot kompt.
Jes. 66, 7; und da eine hausmutter einer jungen tochter genasz. Micrälius
Pommern 5, 362; soll meine liebste noch eines kindes genesen. Chr. Weise
kl. l. 34; bis sie .. der holden töchterchen zu rechter zeit genesen. Wieland 18, 113; des traums verständnis löste mir ein mönch .. der sprach, genesen würd ich einer tochter
u. s. w. Schiller XIV, 65 (
braut von Mess. 1348).
schon bei Adelung '
nur noch in der höhern schreibart der Hochdeutschen',
bei Heynatz
antib. 2, 33
altväterisch. 3@bb)
auch mit von
statt des gen. (
s. auch Kretschman
u. d),
wie von einer krankheit genesen (4,
c): (
sie) ist von zwölf kindern zwar genesen, doch vater war nur er. Gökingk 3, 90.
früher auch mit zu: als ein fraw, die zum kind genieszt. Paracelsus 1, 1054
c,
entsprechend den wendungen zum kinde gehn, arbeiten
u. ä. von den geburtswehen (
s. kind II, 1,
e). 3@cc)
übrigens auch einfach genesen,
durch den zusammenhang bestimmt, schon mhd.: des tages wâren sîn zwei jâr, daʒ sîn wîp was genesen.
Wigal. 35, 35; und sahe wol, dasz die fraw genesen war. Pauli
schimpf u. e. 141
a,
geboren hatte; dann wie sy die wee in der nacht am suntag anstieszen, gnasz sy erst am montag. Th. Platter 66; in der not (
kindesnot) legten sy ir ein grosz hülzin paternoster umb in S. Margareten namen, das sy dester senfter genäsen (
möchte).
das.; zuletzt fand ich (
im dorfe nach herberge suchend) ein frowen, die was nähig, das sy bald gnäsen solt. 75,
d. h. hochschwanger; zu frü genesen,
facere abortum. Henisch 1493. 3@dd)
scherzhaft von büchern, als geistesgeburten: so bist du wiederum von einer schrift genesen? ''ja wohl: so wird man wieder jung!'' K. Fr. Kretschman 2, 243; vielleicht ermuntere ich sie durch beikommendes büchelchen, dessen ich so eben genesen bin, dasz sie wieder schriftsteller werden. J. J. Engel
an G. B. F. Funk in dessen schriften Berlin 1820 2, 251;
vgl. Wieland
an Merck: du hattest mir .. hoffnung gemacht zu einem romänchen z. ex., ni fallor, worin du einer menge deiner guten und schlimmen launen und leichtfertigen einfälle leicht und glücklich hättest genesen können.
Mercks briefs. 1, 249. 44) genesen
von krankheit und leiden, die anwendung der ursprünglichen bedeutung, in der das wort sich erhalten hat für gewählten ausdruck; auch ahd. schon convalescere. im leben freilich heiszt es nur gesund werden, er ist wiederhergestellt
u. ähnl., schon in vocc. des 15.
jahrh. bei Dief. 148
b steht für convalescere nur gesund werden, wider gesunden,
und im volksgebrauch gibt z. b. Schmeller 2, 706
aus Baiern genesen
als nicht mehr vorhanden. 4@aa) genäsen,
gsund werden, convalescere Maaler 168
b: so gott nicht fürchten und sündlich leben, die werden mit krankheit geplaget, und genesen doch etliche, das sie nicht sterben. Luther
gl. zu ps. 107, 17; wessen ich mich annahme (
als arzt), der genasz gemeiniglich.
Simpl. 2, 290
Kz.; ein sprichwort: und ward also an ir war und erfüllet das alte deutsche sprichwort, da der kranke genasz, erger er vor nie was. Cyr. Spangenberg
vorrede zu Hoppenrods hurenteufel 1565 A 4
b,
bei Luther da der krank genas, er nie erger was
schriften Eisl. 1, 324
b (Dietz 2, 76
a); dann er machte das gemeine sprichwort wahr: da der krank genas, je ärger er was.
Simpl. 2, 154, 28
Kurz. es heiszt der kranke ist genesen: als er so weit genesen war, abreisen zu können. Droysen
York 1, 161,
wie so weit hergestellt.
es heiszt auch gern wieder genesen
schon bei S. Brant 84, 13 (
s. u. d),
wie wieder gesund, wieder hergestellt werden: vielleicht genes' ich wieder. Göthe 9, 243 (
Tasso 5, 5). 4@bb)
auch hier eigentlich mit gen., bis in die gegenwart gebraucht: man gnisit grôʒir wunden.
Athis F, 163,
sprichw.; (
das mittel) dâ mite ich solte mîner sühte genesen. Hartman
arm. Heinr. 441; auch Luna kan noch nicht der liebesbrunst genesen. Opitz; diese biblische geschicht ist zwar ganz richtig, ob sie aber zulänglich sei, damit zu erweisen, dasz alle patienten, welche weinen, des lagers (
krankenlagers) genesen, das will mir noch nicht in kopf. J. G. Schmidt
rockenphil. 3, 314 (4, 35); er muszte bleiben, um erst seiner wunden zu genesen. Droysen
York 1, 160. 4@cc)
mit von
statt des gen. (
vgl. 3,
b),
schon im 16.
jahrh.: gehet hin und fragt Baal Sebub, den gott zu Ekron, ob ich von dieser krankheit genesen werde?
2 kön. 1, 2; sprich, ob ich von dieser krankheit müge genesen? 8, 8. vom leben genesen,
das leben als leiden, im munde des herzogs in der natürlichen tochter 3, 4: ein denkmal der
genesung hab ich dort in meines traums entzückungen gelobt ... das denkmal nur, ein denkmal will ich stiften .. dort hin zu wallen, stille zu verweilen, bis ich vom leben endlich selbst genese. Göthe 9, 322,
sachlich gleich des dôdes genesen
bei entgegengesetztem ausdruck, von der heil. Elisabeth: se wart nummer vrô, êr se des dôdes genas.
mnd. wb. 2, 58
b, 18. 4@dd)
im 16. 17.
jahrh. auch von der krankheit selbst, wie heilen,
heil werden, z. b. von wunden: gar kum ein wund wider geniszt, die me dan einst uf gbrochen ist. Brant 84, 13; krankheiten, die also beschaffen, das sie nur mit der zeit müssen genesen und von keiner andern arzney können geheilet werden. Butschky
kanz. 660.
vgl. übrigens generen
so, z. b. ein geschwür generen,
also '
genesen machen'. 4@ee)
bildlich von leid genesen,
z. b. liebesleid, als leiden empfunden: also bemühet (
geplagt) bin ich auch gewesen, eh ich, treulose, deiner gunst genesen. Neumark
lustwäldchen 80; weggeschwunden ist die lippe, die im kusse sonst genas. Göthe 1, 133 (
dauer im wechsel); die kranke will nicht, will nicht genesen vom süszen leiden. 56, 119;
auch von sünden, krankhaften neigungen, irrungen u. ä.: wie wir von unsern sünden wieder genesen sollen. Butschky
Pathmos 130 (
vgl. 2,
e); er glaubt das holde weib von allem eiteln wesen auf immer aus dem grund genesen. Wieland 18, 191 (geheilt 190).
oder von andern geistigen schäden, als krankheiten gedacht: selten genesen wir (
Deutschen) eher von der verächtlichen nachahmung gewisser französischer muster, als bis der Franzose selbst diese muster zu verwerfen anfängt. Lessing 6, 368; fehlt das äuszre freie wesen, leicht erkrankt auch das gedicht. aber nun die hingemoderte freiheit Deutschlands frisch aufloderte, wird zugleich das lied genesen. Uhland
ged. vii (
vorwort von 1815). 4@ff)
die part. auch in selbständigem gebrauch, ein genesener, genesender,
z. b.: der gröszte dank des zum lichte wieder genesenen, das herrlichste dessen sich der arzt nur erfreuen kann. Göthe 48, 31 (
aus m. l. 16),
ein geheilter blinder; ein genesender,
reconvalescent, das, so schwerfällig es ist, aus der sprache der ärzte in die gewöhnliche rede übergegangen ist: ein so freundlicher empfang wäre dem gesunden schon wohlthätig gewesen, dem genesenden ward er es doppelt. Göthe 31, 97 (
tag- u. jahresh. 1801); auch konnte ich mit genesendem blick (
nach schwerer krankheit) die gegenwart der durchlauchtigsten herzogin Amalia .. bei mir verehren. 91.
s. auch u. 5. 55)
das part. praet. erscheint auch in der allgemeinen bedeutung als selbstständig, zum adj. geworden, z. b.: wer des tages eine messe sehe, der were genesen, sicher und selig. Luther 5, 84
a; wer also den teufel kan abweisen .. der ist genesen.
hauspost. sommerteil 5
a (
Dietz 2, 76
a),
zu 2,
e, gerettet, geborgen mit seelenheil. ähnlich von seelenfrieden und seligkeit: wie war er immer unter bäumen und blumen, auf dem lande so genesen-glücklich! J. Paul 43, 163 (
vorsch. d. ästh. 1813
s. 1021).
auch in der bedeutung 4: genesen,
heyl, gesont, sanus, salvus, incolumis, validus etc. Teuth. 103
b,
mhd. z. b. (
auch ungenesen,
unrettbar, unheilbar): swaʒ der Hiunen mâgein dem sale was gewesen, der enwas nu deheinerdar inne mê genesen.
Nib. 1945, 2,
kein lebender, gesunder weiter. daher noch im 17.
jh. selbst genesen werden,
entbunden: (
die frau) gehet hin zu einer höle am berge und wird daselbst des kindes genesen (
nicht fut.). Olearius
pers. ros. 7, 20,
es entspricht dem genesen sein,
gesund. 66)
auch der inf. substantivisch, in allen bedeutungen, z. b.: das genäsen,
die gebärung, enixus. Maaler 168
b (
vgl.genesung).
geistlich: mir lieber were dein genesen denn verderben. Luther 1, 406
a, unser ewigs genesen und verderben 6, 420
a (
s. 2,
d, γ),
mhd. ein êwic genesen
Ludw. kreuzf. 3219; es järt sich ietzt die zeit (
weihnachten), darinn dein göttlichs wesen den anfang hat gemacht zu unserem genesen. Rompler 33. on genesen,
ohne rettung, unrettbar: wenn man zertritt das schneckenhaus on genesen. Fischart
ehz. 44. mein genesen,
gesund sein: ich bin nicht, der ich gewesen, mein genesen ist hinweg mit aller zier. Opitz
ps. 75 (38, 8).
gesund werden: dasz er (
der vater) ... bei dem langsamen genesen mehr ungeduld als billig sehen lassen. Göthe 25, 223 (
aus m. l. 9). 77)
zu erwähnen ist endlich ein trans. oder caus. genesen, genas
u. s. w., für generen (
s. d.),
nhd. zwar ausgeschieden, aber mhd., s. die wbb. (geneserîn
hebamme Lexer 1, 856),
auch mnd., s. wb. 2, 58
b,
nrh. genesen,
gesont maken, artzedyen Teuth. 103
b,
und noch nl. genezen (genas
u. s. w.),
heilen, vom arzte, neben genezen
vom kranken, dazu geneeskunde
arzneikunst, geneesdrank, geneeskruid
u. a.