ge ,
eins der vorwörtchen, wie sie Schottel 632
treffend nennt ('
vorwörtlein'
ist seine form),
die nicht mehr als wort für sich erscheinen, nur noch andern worten vorgesetzt, dienend beigegeben; von ihnen ist ge-
das häufigste und merkwürdigste, hat den weitesten wirkungskreis und die reichste geschichte, darum auch noch manche dunkle stelle, ist aber auch nach mehreren seiten für allgemeine fragen lehrreich wie kein anderes. II.
Form und äuszere schicksale. I@11, I@1@aa)
die älteste gestalt ist goth. ga-,
z. b. galeiks
ähnlich, galeikan
gefallen, gasinþa
reisegefährte; auh ahd. noch ga-,
z. b. galîh
similis, aequalis, galîhhên
placere, gapirgi
montana, auch mit eingehaltner lautverschiebung ka-, kalîh, kapirgi
gebirge, kaperc
oder caperg
aerarium (
mhd. geberc,
ort zum bergen),
alts. nur in einer verlorenen spur in gaîhuethar
uterque neben geîhuethar
in der Frekenh. heberolle Heyne
kl. altn. d. 129
a.
doch selbst durchs mhd. hindurch bis ins nhd. hat sich diesz älteste ga-
vereinzelt erhalten (
s. 2,
e, β),
und auch im rom. gebiete z. b. in franz. gaspiller
vergeuden, von einem altgerm. worte das z. b. in ahd. gaspildan
vorliegt Diez 640 (2, 306,
vgl. kostspielig 3),
älter prov. in galaubia
aufwand von goth. galaubs
kostbar Diez 638 (2, 304),
auch noch ital. z. b. in trient. gaburo
schelm u. ä. gleich ahd. gabûro
bauer Diez 405 (2, 31),
in dem namen Gastaldi,
franz. Gastaud,
d. i. venez. gastaldo
gutsverwalter, it. castaldo,
langob. gastaldius
landvogt u. ä., s. Diez 393
fg. (2, 18),
eigentlich helfer überhaupt, vgl. ahd. nôtgistallo,
mhd. nôtgestalle
und nôtgestalde
helfer in der not, im kampfe. I@1@bb)
mit schwächung des vocals ahd. gilîh
und kilîh,
selbst chilîh, gibirgi
und kibirgi, gisindi
und kisindi;
ebenso alts. im Heliand (
ohne einen rest von ga-) gilîk, gibirgi, gihwílîk
jeder, gisîð
reisegefährte (
auch im Hildebrandsl. nur gi-),
aber daneben auch schon gelîk, gehwilîk, gesîð,
wie auch ahd. schon ziemlich früh ke-
und ge-,
letzteres auch altmd., z. b. im zweiten Merseburger zauberspruche geliden, gelîmida.
übrigens erscheinen auch ahd. verschiedene formen in demselben schriftstücke zugleich, nicht blosz ki-
und gi-
z. b. im Muspilli (
kein ga-
mehr),
auch ki-
oder gi-
und ke-
oder ge-
in Christus und die Samariterin, gi-
und ge-
im Ludwigsliede, und ebenso ga-
und ge-
im Wiener hundesegen, ja selbst gi-
und ga-
oder ka-
z. b. in dem Monseer prosastück in Müll.
u. Scherers
denkm. nr. lix, ki-
und ka-
oder ga-
in nr. lxxviii,
vgl. dazu das. s. 526 (1.
ausg. s. 466)
und Steinmeyers
versuch in Haupts zeitschr. 16, 131
ff., den manchmal noch gröszeren wirrwarr, besonders in der keron. benedictinerregel, die doch von einer hand geschrieben ist (
s. 133),
zu erklären; ga-
oder ka-
erhielt sich danach im bair. gebiete am längsten, gi-
ist im fränk. und md. gebiete am frühesten entwickelt, während ge-
aus beiden entstand, daher mit beiden in einer längeren übergangszeit wechselt. I@1@cc)
aber der hauptgrund des schwankens liegt in dem tonverhältnis, das sich daraus erkennen, heraushören läszt, d. h. das vorwörtchen, das schon ahd. seinem inhalte nach stark entleert erscheint, war eben dadurch und durch die nachbarschaft des haupttones auf der stammsilbe so gedrückt gleichsam, dasz sein klang hauptsächlich im vocal gewissermaszen gleichgültig geworden war, ebenso wie vielfach auch damals schon in den endungen besonders dicht hinter der stammsilbe. diese gleichgültigkeit ist hauptsächlich ausgedrückt auszer durch schon ahd. erscheinenden völligen ausfall durch eintreten des allgemeinen ĕ,
das selbst schon damals gewiss verschieden klang, noch deutlicher wenn der vocal einfach einklingt in den vocal der tonsilbe oder genauer gesagt dieser in der vorsilbe vorklingt, z. b. in kurûni
gl. Ker. 245, gupûro Graff 3, 19, guhugitun Otfr. I, 22, 6
F, gulûti Diemer 118, 4
hs., s. die sammlung bei Müll.
u. Scherer denkm. 322 (303)
und 425 (379),
wo auch gogoʒʒen, gohôren
u. ä., auch gabâren, gazâme
aus mehr mhd. zeit, die sonst ga-
nicht mehr kennt (
vgl. unter 2,
b, α);
es ist im grunde dieselbe erscheinung wie nach der tonsilbe, z. b. in Balderes volon
für volin
im zweiten Merseb. zauberspr., in Gouchospach Förstem.
namenb. 2, 592,
auch wie sámasa
neben sámasô
Tat. Siev.
s. 428
b (a
als enttonter vocal überhaupt in sôsa
neben sôse
für sôsô 441
a).
von dem vocalisch klingenden w
herbeigeführt ist vorklingendes u
oder o
z. b. in guwís, eocouuélîh
a. a. o., während o
mehr als dumpfer, unbestimmter laut erscheint in gohieʒ, gosageta
s. 322, ungostrêlit Haupt 5, 201
b;
vgl. im 14.
jh. elsäss. fürlôsen Merswin 50
u. o., ürstorben, ürdenken 115, unpfôhen 57,
schweiz. gümein, büsetzen, bülîben, bühüeten
weisth. 1, 180
fg., wie in der endung sachü, gerichtü, al lüs
ebenda, übür 4, 369,
alles eigentlich nur färbungen des unbestimmten ĕ
neben der tonsilbe, das daneben auftritt, d. h. es ist im grunde schon dieselbe sachlage, wie sie Luther
einmal ausspricht in bezug auf das enttonte das
als art. (
s. II, 973), das man den buchstaben a kaum höret oder nicht weisz obs a, e oder i laute. I@1@dd)
auch das grellste schwanken, das von ki-
und ka-
musz sich daraus erklären. wenn in glossarien sogar dicht oder nah beisammen stehn kihabêti
und karihtit
Diut. 1, 504
b, kisakêt
und kanuhtsamî 501
b, kiwaht
und kasuannan 500
a, kisuntarôn
und kaziuki 516
a, kasuachu
und kitân
Nyer. symb. 205, kihabên
und kanuht 198 (
Germ. 11, 37
b), kalîh
und kizalt 179, caflihtis
und kimaʒʒo 181, kispanan
und kaimpitôn 186, kimaʒʒo
und kasind
Germ. 11, 39
b, kasuah
und kiwâtun 39
a, karuste
und kisarfton 41
b,
so kommt man da mit der annahme verschiedener verfasser oder mehrfacher abschrift (
Haupts zeitschr. 16, 137),
wie sie auch wirklich betheiligt sei, doch nicht durch. man hört aber leicht heraus, d. h. wenn man nicht die ki-
und ka-
losschneidet als todte stückchen und für sich besieht, dasz da ein behagen eben an dem accordartigen spielen der vocale mit thätig war, dasselbe das in der ausbildung der stammsilben dem nun freilich bald verfehmten, aber doch lebendigen ablaute im sprachgefühl zu grunde liegt, vielleicht ihn erzeugte. möglich wurde das eben durch jene eingetretene gleichgültigkeit des vocals, die ihn dem sprachgefühle gleichsam frei gab. so begreifen sich auch bei Müll.
u. Scherer
nr. lix
bei sonst noch herschendem ga-
oder ka-
die paar eingestreuten giwanta, gihworfan
neben galîhho, gachunde,
und auch in der keron. benedictinerregel, wo doch, wie eben jener mühselige versuch zeigt, verschiedene hände die wirkliche erklärung nicht geben, wird in der dem auge erscheinenden verwirrung dem ohre jenes behagen hörbar, wenn man z. b. kasiht
s. 56
und kifangan 68, kawisso 68
und kidanc 32, kasungan 61
und kilauba 29, kalimfan 75
und kitân 36
nebeneinander hält; ebenso hymn. 5, 5 kilauba
und kafuagê (
auch kituat
und kaheiʒʒum)
dicht beisammen, und wenn man nur nicht gleich wieder eine regel oder ein gesetz daraus macht als stubengrammatiker, so stört sich das gar nicht mit den eingestreuten ke-
oder mit dem wechsel z. b. in kilaupa kageoʒʒanti unkalaupîgen
hymn. 20, 2,
noch mit kiwisso
hymn. 1, 7, katân
bened. 64, kichrifta
und cawahsan
Germ. 11, 34
b, kahalôta
und kiwicki 36
b, kicoʒanaʒ kasamane (
neben kisaminî) 38,
wo der leichte vocal in den hauptvocal einklingt, wie unter c, statt ihm entgegenzuklingen, wie er auch gekonnt hätte. und es ist ebenso mit dem wechsel von za
und zi,
wenn man z. b. zusammen hört zisamane
Diut. 1, 498
b und za slîʒʒanne 516
b, zisamane zisazta
und za chuninglîhhemo 520
b,
vgl.za wunscanne 516
b, za mûrom 523
b, za wuntarônne 503
b, za jungist 499
b (
vgl. auch zifallan 510
b, zicoʒʒan 522
b,
und zarziohan 501
a mit zurkank 501
b);
auch mit ki-
und ka-
sich im klange kreuzend zi kasnîdanne (
neben kiworafanî) 533
b, zi karechanne 505
b, zi gahursganne 503
b neben za kifuakidu 498
a,
wo der volle dreiklang ins ohr klingt. nicht anders bei ant-
und int-
z. b. in anthuabi 528
b, intfrâgên 499
a,
aber kiantfrâgôn 507
a.
und selbst pi-
oder bi-
wechselt so mit pa-
oder ba-
z. b. in pihuahôn 500
a neben zi bahuahônne 500
b, picurtêr
succinctus 524
b neben pacurtit 532
b,
ferner z. b. paniusidu 493
a, padiu 492
a, padwunkan 517
a, paseidôt 530
b, bawîset 496
a (piwîsan 499
b),
aber piwânta, biwânit 502
a, pifangan 509
b, piviangun 499
a,
selbst umbipazûnta
circumsepsit 519
b mit vollstem accord (
vermutlich war umbabizûnta
eben so möglich, s. umbi
und umba Graff 1, 257).
auch in herabgedrückten silben hinter der tonsilbe liegt die gleiche erscheinung in menge vor, vgl. z. b. petapûr, petupûr, betibûr
bethaus Graff 3, 18, hlountar, holantar, holandir 4, 880, unzan, unzun
und unzin (
auch inzin)
im Tat., und die ahd. formen unter gaukler,
sie kann einen am kürzesten lehren die todten lettern in klänge übersetzen, eine kunst die man zuletzt und am schwersten lernt und doch eigentlich zu allererst braucht. I@1@ee)
die dünnste gestalt ge-, wie sie schon ahd. und alts. auch auftritt (
s. b),
hat über diese zeit hinaus allenthalben die herschaft, doch nicht ohne ausnahmen; wie hd. in der übergangszeit zum mhd. noch gi-
erscheint (
s. unter 2,
b, α aus Diemer),
so mhd. z. b. giselschaft
Augsburger stadtb. s. 7. 182,
md. im 14.
jahrh. z. b. girecht, gigebin
in Beheims evang. (
s. Bechstein
s. 255
a),
auch nordfränkisch gigeben, giwant, gisetzet, gihôrt, gilegen, givêrde (
neben gesuecht, geschehn). Höfer
urk. s. 320. 326.
Aber auch im ags. ist ge-
schon herschend, gelîc, genôg, getrûwian
u. s. w., doch nordhumbr. auch noch ginôg, gilîce
u. a., theilweis selbst vorherschend (
s. Bouterw.
evang. 323
b),
vgl. gibûr
u. ä. in dem gloss. Mones
anz. 7, 137,
vermutlich auch in ags. mundarten, worauf schon das spätere i-
deutet (
s. 3,
a, η).
auch altfries. erscheint neben ge-
einzeln noch gi-,
wie neben e-
einzeln i- (
selbst a-,
wie noch von ga-),
s. Richth. 838
a.
Im altn. überhaupt nur noch wenige spuren in glîkr
gleich, gnôgr
genug, den älteren formen für lîkr, nôgr,
die dann allein fortlebten (
wie nâð
gleich mhd. genâde),
aber noch bis heute in norw. schwed. granne
nachbar, altn. granni,
d. i. goth. garazna,
von razn
haus, altn. rann (
Grimm gr. 2, 735),
doch ist der ursprüngliche wert des g-
längst vergessen, wie bei uns in gleich, glied
u. a. neunordische ge-
stammen nur von entlehnung aus dem hd. oder nd., wie schwed. gebit
gebiet, gehör, geml, gemen
gemein, dän. auch gehalt, gestalt, gemyt, geraade
geraten, gedigen
u. a. I@22)
Das an inhalt und ton so früh verringerte vorwörtchen, das doch zugleich so viel gebraucht war wie kein anderes, muszte eben darum weiterer bedrängung unterliegen, bis zum verschwinden (
s. 3);
die verkürzung beginnt im hd. gebiete am vocal, im nd. gebiete am consonanten. I@2@aa)
auch ahd. schon zeigt sich nicht selten der vocal geschwunden, s. die zusammenstellung bei Graff 4, 13.
vergl. schon gothisch gaþþantraua
für gaaþþantraua
2 Tim. 1, 5 (
s. II
am ende). I@2@a@aα)
am begreiflichsten vor einem vocal (
der seinen spir. lenis abwarf),
z. b. karnên
mereri für kaarnên, kearnên, kiarnên,
s. Graff 1, 426, kimpitôn
inserere (
impfen)
für kaimpitôn, kiimpitôn 1, 262, kunsûbirit
deformatus neben kiunsûbirit 6, 72;
s. mehr bei Weinhold bair. gr. s. 29.
dann vor w,
das mehr vocalisch klang (
daher ahd. die schreibung uu),
so in dem viel gebrauchten worte (
mit und an solchen beginnt natürlich das neue) guuis,
auch guis, kuis
oder guis
für kiuuis, giuuis
gewiss Graff 1, 1106
ff., übergangsform ist guwis
u. ä. (
s. 1,
c),
dessen u
freilich zugleich nicht viel mehr wert hat als z. b. in tuwâl
für twâl Diemer 289, 23. I@2@a@bβ)
auch schon vor liquiden, zuerst vor n
und l,
z. b. in dem gleichfalls vielgesprochenen knuog, gnuog,
auch ubargnoac
abunde, satis Graff 4, 1006, gnôkint
suppetunt Haupt 5, 352
b.
ebenso gnâda,
das im weltlichen und kirchlichen leben viel gebraucht war, s. Graff 2, 1026
ff., wo auch gnâdig, gnâdên,
und bei Haupt 8, 112
neben lauter ke-,
selbst einem ki-
s. 111,
doch schon gnâdigheit (
das n
wirkte erweichend).
im 9.
jh. auch schon gnôʒ Müll.
u. Sch.
denkm. s. 449 (509),
es war im leben viel gebraucht und wichtig. vor l
z. b. glîh, glîch
bei Williram
u. a., s. Graff 2, 110, sunderglich 114, glîchnissa 115
fg. selbst vor r
schon im 10.
jh. nach ûʒkrunnemo
egesto (
ausgeronnenem blute) Graff 1, 516,
vgl.grant coagulatus 518, grech, grecho 398, grehtî 412, ungreht 411.
vgl. Weinhold
a. a. o., auch alem. gr. s. 21. I@2@a@gγ)
auch alts. eine spur der ersten art in coronasti 'gerodostu'
gl. Lips. 387,
während in der vorhergehenden glosse gleicher bedeutung 'geheredes'
das verschwimmen durch ein h
statt spir. lenis (
s. sp. 1281
unten)
verhütet ist, wie es ahd. steht in kahêrêta
gleich kaêrêta
coronavit Graff 1, 448.
auch ags. vor e
z. b. nach gearnung, geácnian
neben geearnung, geeácnian Grein 1, 396,
denn die einfachen formen sind earnian, eácnian. I@2@bb)
im mhd. zeigt sich eine doppelte bewegung, ein fortschreiten der kürzung und eine rückgängige bewegung zugleich. I@2@b@aα)
in der übergangszeit kann nicht wundern z. b. gnâde,
wie schon ahd. gnâda,
s. z. b. Diemer
gen. u. ex. 2, 141
b neben vorherschendem genâde,
auch Müll.
u. Sch.
denkm. 419. 432 (
hier doch selbst gwis
noch als bedenklich behandelt, in der 1.
ausg. s. 384
selbst als unerlaubt), gnôʒ
fundgr. 2, 80, 17, gnuht 81, 2, gloube 80, 19, gnist, gnedger herre Diemer
ged. 305, 18, gwæfen 43, 2,
man sieht das fortschreiten der kürzung; natürlich auch vor vocalen wie garnet, giteniuwet Diemer 305, 27. 10, gurchundet 233, 17, gêret 230, 13,
selbst schon vor h gherbergote 230, 15,
doch dazwischen noch ziemlich häufig gi- (
haupts. vor i
oder a),
s. das gloss. 106
b ff., selbst ein ga-
in galaite 268, 9,
so flüssig war der vocal im sprechen, wovon nicht einmal alles in die feder kam. in der Straszb. hs. des Rolandsliedes z. b. gwan 53, 2. 75, 3, gnôʒ 70, 4, globten 18, 28, glastert 75, 24, garbeite
neben gearbeite 111, 27. 34, geinet 218, 30,
kein gi-
mehr, aber gurûmte 75, 23 (
wie parait 185, 23
für bereitet),
wie noch mhd. gusungin (
md.)
Haupt 16, 243, gabâren (
alem.) 213,
s. unter 1,
c und aus dem mhd. 2,
e, β).
auch vor r greht
Diut. 3, 484. I@2@b@bβ)
im eigentlichen mhd. zeigt sich in der dichtung theilweis ein streben gegen die kürzung, das mit der entwickelung des strengen stilgefühls zusammenhängt, am deutlichsten bei dem späten dichter, der es besonders im äuszerlichen am schärfsten bewuszt entwickelt hat, Konrad von Würzburg,
der sich nach Haupts
beobachtung zu Engelh. s. 219
nur gnâde
und gnuoc
erlaubte, aber nicht einmal gloube, glîche, ieglich,
sicher im widerspruch mit der rede seiner zeit, wenn auch, wie sich das in spätern jahrhunderten wiederholt hat, die gewähltere dichterform rückwärts in gebildeten kreisen einflusz geübt haben wird auf die aussprache. und doch findet sich schon bei Hartmann
auszer gnâde, gnôʒ, gnuoc, glîch
Iw. 7272, gnesen 4338, gloube
Greg. 946
auch gmach 115, gwin 933, gwant 827, gwis
Iw. 7477, gwonheit 148,
selbst grochen
Er. 3224 Haupt,
während bei Neidhart
nur gnâde, gwin, gwalt
sicher sind nach Haupt
s. 173,
vor r
aber z. b. greht
überhaupt wieder entfernt ist; kommen doch mhd. hss. vor aus guter zeit, wo auch gw-
durchaus wieder zu gew-
hergestellt ist, s. Lachm.
zum Iw. 148.
Auch der ausstosz erscheint nur so, dasz genâde, gewin
u. s. w. daneben gehn oder vorherschen. und wenn die hss., auch die späteren aus dem 14.
jh., die kürzung, die der vers ausweist, doch meist nicht ausdrücken, so ist das allein ein beweis, dasz im sprachgefühl eine gegenbewegung, ein streben nach wiederherstellung im gange war, noch mehr als von den dichtern gefördert von den schreibern, d. h. der anfang der schriftsprache, die sich von der gesprochenen trennte, aber auch auf diese zurückwirkte in gebildeten kreisen. wer die wirkung jenes schriftlichens widerstrebens recht deutlich sehen will, vergleiche nur z. b. das heutige wol erhaltene lebendig,
das nur den ton wunderlich verschoben hat (
noch im 17.
jh. bei den dichtern lébendig),
wofür doch schon im 12.
jahrh. lemtig
oder lemptig
geschrieben erscheint (Diemer
ged., reg. 111
a, Lexer 1, 1848),
d. h. die heutige aussprache der bauern; aber auch wenn man hier die beispiele unter β mit denen unter α vergleicht, ist die wirkung schon im 13.
jh. sichtbar. übrigens sind auch in ahd. zeit schon spuren dieses widerstrebens der schreiber gegen die sprechform da, wenn z. b. ein schon geschriebenes ze
in za
gebessert ward Müllenh.
u. Sch.
denkm. 449 (509),
vgl. ebend. 472 (533)
über eine künstliche conservierung des alten, wie es da genannt wird. die schreiber von fach hatten eben naturgemäsz der sprache gegenüber dieselbe stellung wie später die correctoren und setzer in den druckereien, d. h. ihnen blieb zeit und kam die gewöhnung, an und über die form zu denken, mehr als an den inhalt. I@2@b@gγ)
der durchbruch der volksmäszigen aussprache in der schrift, der dann der nhd. zeit neue kampfesarbeit gab, zeigt sich für ge-
im 15.
jh. (
bei Brant
s. Zarnckes
ausg. s. 283
a)
z. b. in Mich. Beheims
buch von den Wienern, wo theils das vorliegen der eignen hs. des dichters theils sein meistersingerisch strenges versmasz der beurtheilung zu hülfe kommt; er ist an sich durchaus bestrebt die ge-
festzuhalten, aber dasz ihm das kunst war, nicht natur, zeigen die eingestreuten g-
folgender art (
schreibt er doch auch zKrain, zTirole, zPfirt 1, 20
ff.): wer sy nit gwessn ain solhe fraw. 191, 20; wer der marschalk nit gwesen, Jorg Hel wer nummer gnesen. 253, 13
fg.; wern dis hofleut nit gwesen, von den ich iecz han glesen. 182, 16; das ist war und nit glogen. 347, 12; und wann sy gnumen heten end. 198, 1; wie gern sy langer gsessen wern. 252, 16, dy ganz gemain, maister und gseln. 174, 9; da hielten sy sich in dem gsasz (
hinterhalt). 32, 10; ich wider an die gfangen kumb. 259, 17; und der abgfaimten Wiener all. 101, 26; der Kling was selber nit im gslosz (
schlosz). 391, 16
u. o.; er was ain gslef vil vaiger. 5, 6; Fridrich Gsmechl, Ladendorfer Hans. 16, 30.
er wechselt aber ganz nahe mit ge-
und g-,
z. b.: und glaich wol Judas in der hell ... den selben was er wol geleich. 4, 19. 29; wann er gelaubet, wann er sturb ... er glaubet nit der urstend dart (
dort). 3, 29. 31.
nur selten noch ist aus versehen ge-
geschrieben, wo ein verschlucken des vocals gemeint ist, z. b.: wann so im der wein machet hisz, so gewann er vil weishait und wicz. 5, 21.
noch härtere lauthäufungen zeigt schwäbisch im 15.
jh. Wittenweilers
ring in gstrichen 2
b, 3, gstoszen, gtragen 8
d, 40
fg., vgl. gmach 33
c, 7, gwonhait, gricht 50
d, 25, gswaig 8
d, 18, gschray 57
c, 41, ghaben 43, 43 (
auch bhielt 43, 24, zfechten, zstet 8
d, 8. 4
u. dgl.),
selbst zgfangen 50
c, 41,
doch immer nur zwischen vollen formen. schon im 14.
jahrh. scheint z. b. Boner
zu sprechen ungveder 64, 50, gbûr 62, 50, gbærde 69, 3,
da er doppelten auftakt nicht zu brauchen scheint. daneben aber auch vor vocalen wieder voll, wo doch der ausfall ahd. zuerst begonnen hatte und mhd. noch geläufig war: geantwarte Beheim 198, 5, geehtet 194, 2,
wie bei Folz
z. b. geeckt
fastn. sp. 1219, gearbeit 1220, geantwurt
ring 51, 37,
vgl. mit Wolframs géstrîcht
Parz. 142, 5
im 15.
jh. geestrichet weg
strata Dief.
nov. gl. 350
a,
und diesz schon in einer hs. des 13.
jahrh. dort, selbst mit hervorhebender trennung (
wie nicht selten) ge estrichet,
mit estrich versehen. I@2@cc)
in der nhd. zeit wird die doppelte bewegung aus der mhd. zeit her nach beiden seiten schärfer entwickelt, die wiederherstellende aber trägt für die schriftsprache und damit auch für die gebildete gesprochene endlich den sieg davon. I@2@c@aα)
einerseits dringt auch in der schrift die kürzung weiter vor, hauptsächlich im oberdeutschen bereiche (
aus Brant
s. bei Zarncke
s. 283
a. 289
a);
am frühesten und entschiedensten schweiz., z. b. bei Zwingli
vom touf Zürich 1525: gott hat gheiszen toufen. n 1
a, ghebt, ghört m 4
a, ghorsam g iij
b; sy wurdind sich gschicktlich halten. a ij
a (
auch bschach,
vergl.bschnydung c iij
b und oft),
und auf derselben seite gmt, gforlich, gschrift, gspräch,
doch dazwischen gesehen, gesigen, gevar, gelert, gespräch,
wie a ij
b anghebt
und angehebt, n iij
b gwüsz
und gewüsz,
das erste eine nachwirkung jener schreiberrücksicht unter b, γ,
das zweite der aussprache folgend, die gewiss schon allgemein war, denn selbst vor g,
wo die sonst entstehende schwierigkeit der aussprache das e
am längsten halten muszte, ward es doch verschluckt nach ggeben,
wie auf bl. c iij
eilf mal steht (fürggeben l 4
b,
wo das gg
leichter zu sprechen),
nur selten noch gegeben c i
b,
doch auch schon geben c iij
a zweimal, d. h. mit endlichem abwerfen des g-,
wie in gloubt
neben ggloubt: es hat ouch Simon ggloubt und das er nit gloubt hat c 1
b;
ebenso ggangen o i
b. ij
a,
gewöhnlich gangen (
s. übrigens dazu 3,
b, α).
auch mit anschleifung des artikels, z. b.: ich hett schier sghäck da gar vergessen. Ruff
Etter Heini 775; es wil mir sgsesz im ars zerriszen. 488; zuo im in dgmeind und sich nit sumind. 440; zum ersten, so ich dgschrift ergrü
nd. 1566; dann gott ist selber tgrechtigkeit. 2072 (
in der zweiten hs. gebessert selbs die
gr.).
und vor vocalen: in fromkeit allzyt trülich güebt. 454 (
in der zw. hs. in fr. sich a. geüebt).
Auf bair. gebiete ist die kürzung bei weitem nicht so entwickelt z. b. im Teuerdank; gedruckt steht z. b. gwalt, gwunnen 63, 10. 9, gwidert 64, 25, angfangen 63, 16, gheim 67, 85,
aber die vollen formen herschen vor (
auch noch z. b. gelauben 10, 97. 165, gelück 28, 57, geleich 53, 26),
wobei doch die stilrücksicht von b, β mitwirkte bei dem auch sonst dort thätigen bewuszten streben nach der alten dichtform; ebendarum ist das verschlucken oft dem leser überlassen, wie bei den früheren schreibern, z. b. (
vgl. Zarncke
zu Brant
s. 289
fg.): darumb er im kheins pösen gedacht. 13, 90; mit irem geschütz, des was on zal. 76, 53; zletzt dem ritter geriet ein stich. 77, 87; zuo der (
l. zuor) linken seit ins gesesz hinein. 85, 65.
Noch lebhafter macht sich diese stilrücksicht in prosa geltend, auch schweiz., wenigstens z. b. in Basel, wo eine ziemlich lange eingabe der karthäuser an den rath vom j. 1529,
in den Basler chron. 1, 464
ff. nach der eingabe selbst abgedruckt, die ge-
durchaus zu erhalten bestrebt ist (
sicher gegen die aussprache),
nur entschlüpfte der feder auszer gnugsam 466, 36. 468, 6
auch glübt
gelübde 468, 8, gschriftlichen 465, 41;
in Ryffs
chron. vom j. 1531
ebenda stehn dagegen auf s. 121
allein gwer, gwunnen, gheisz, ghalten, gschutz, gschriftlich,
nur einzelne ge-
dazwischen. Und so am Oberrhein noch gegen ende des jh. selbst bei Fischart (
vgl. das gloss. bei Kurz 3, 514
b fg.),
der zu den sprachdenkern gehört wie wenige: daher jung leut, wol angewisen (
als krieger) das lebendig gmäuer der stat hisen.
glückh. schiff 916; auch gwünscht, das sie zu land glück heten. 1011; man sprach auch zu den schiffartgsellen. 839; da in die herrn gut gselschaft laisten. 1030; welchs gschwinder dan mein feder lif. 1142; zu gdächtnus solcher treu aufheben. 1000; das sie so wol sich gprauchet haben. 836; mit gspräch, wunsch, grus und trunk ergezt. 1010.
man sieht, dasz keine schwierigkeit der lautanhäufung, auch wo sie der Norddeutsche als sprechbar gar nicht begreift, abhalten konnte das e
fallen zu lassen. noch 1598
bei einem gelehrten Schwaben, Jac. Frischlin: von frawenzimmer gladen schwer.
hohenz. hochz. s. 94; damit er that die gmahl verehren. 75; solchen lust hab ich gsehen kumb (
kaum). 115; darauf ein siren gsessen war. 105; wie es vor war die grechtigkeit. 92; überzwerch auf den rossen gritten. 104; das man hat wöllen deüten gschwind.
das.; von mancher zier und lustig gschmeisz. 103; dahinten lustig waren gstutzt. 102,
wie auch bschreiben 94
u. ä. und noch im 17.
jh. bei dichtern, die den alten stil festhalten, auch rheinländischen, z. b.: und gsicht will nit mehr taugen. Spee (
Berl. 1817) 389; er gwisz mir drin gemahlet ist. 362.
für gs-
erscheint denn auch einfach x-
geschrieben (
s. schon sp. 1109 5,
a),
alem. und bair.: mit raut siner xellen. G. Oheim 68, 23; mit fischen gebraten und xotten. Lenz
Schwabenkr. 105
a; und zügt uns, das er arm ist xin. Eckstein
concil, klost. 8, 724; enterbt, darzu nit keiser xin.
das., doch auf derselben seite gsell, gsundheit.
Man sieht dasz die wiederherstellung des 17.
jh., auch mit dem be-
u. dgl., nicht von dort kommen konnte, obwol auch dort, selbst in der Schweiz noch in der ersten hälfte des 16.
jahrh. eine theilnahme an der rückbewegung sich bemerklich macht (
sehr lebhaft später z. b. in Maalers
wb.),
z. b. in der zweiten hs. des Etter Heini gegenüber der ursprünglichen fassung, deren stark schweiz. färbung dort überhaupt möglichst zum hd. zurückgeführt wird, s. Kottinger
s. xxxi
fg. und 26,
häufig auch in betreff des g-
und b-, d-,
z. b. statt denn ee dan gboren wurd (
conj.) Christus
s. 27
gebessert dann ee geporen ward Chr.,
vgl. v. 1397. 1125. 1106. 2539;
doch war das nur orthographische rücksicht, durch auswärtigen einflusz, für die rede ohne bedeutung. I@2@c@bβ)
wichtig wäre darum, nicht für ge-
allein, auch für die e
der endungen und damit für die entscheidende gestaltung der nhd. sprache überhaupt, eine genaue prüfung des bestandes in mitteldeutschen landen. im 16.
jh. findet sich doch g-
auch dort eingemischt, z. b. bei Waldis im
Esopus steht in der einen kurzen fabel 2, 8,
durch das versmasz gesichert, ongfehr
v. 1, glert 50, gnomen 23, grichtshendel, gmeinlich 41, gbrechen 53, gstalt 34 (
auch bkennes I, 91, 12, btrug 90, 102, zletzt 11, 76, dhelft III, 91, 34),
er machte aber überhaupt für reim und vers freien gebrauch von formen verschiedener mundarten; bei Rollenhagen
doch seltener, z. b. (
auch bsoldung Pp 3
b): auch schatten gnug machten dabei. C 5
a; folgt vernunft, gdanken, will und herz. Ff 3
b; seim gschöpf barmherzigkeit erzeigt. Hh 4
a; weisz, was sein gwin sei oder schad. V 6
b; zum gbratens kuchen back und brot. Pp 5
b;
meist ist das verschlucken dem leser überlassen, z. b.: solch gesellen werden billich gescholten. Waldis I, 39, 24; das er der gelindeste sein solt.
froschm. Hh 3
b; der vierte meint die ganze gemein.
das.; merk am himmel und hanen geschrei. R 1
a,
wobei denn schwankende fälle häufig sind, z. b.: mag durchaus seines gefallens machen. Ff 4
a,
denn es ist auch seins
zu lesen möglich, wie gedruckt steht und der vers sichert, hauptsächlich vor einem vocal, habn G 8
b, nasn C 4
b, schreckn E 8
b, abr H 3
a, einr Ji 2
b, kindr Oo 4
a,
d. h. in bezug auf die in der aussprache schwindenden endungs-e
der durchbruch des entschlusses, der früher schon angebahnt um diese zeit bei den dichtern als bewuszt zu erkennen ist, endlich die wirklich erklingende form auch in der schrift zuzulassen (
noch im 17.
jh. z. b. Soltau 2, 300
ff.),
wobei denn selbst das e
lieber in ge-
geschont wird, als in den endungen z. b.: wie die Europa unverletzt von dem (
l. vom) Jupiter ward übrgesetzt. Mm 2
a: als er nun ward ein gerbrgesell. Ji 4
b; beszr ist fried mit beschwerligkeit, denn krieg mit eitl gerechtigkeit. Ss 6
a.
der Magdeburger Rollenhagen hat aber die g-
in seiner rede gewiss nicht gehabt, wie denn in seiner langen prosaischen vorrede kein einziges vorkommt (
wol aber in der kurzen des Waldis zugsagt, gnugsam);
ich glaube es war ihm und andern Norddeutschen ein stück des dichterischen stils, der seit dem 15.
jarhh. im obern Deutschland ausgebildet auch nach dem norden vorgedrungen war. auch Luther
machte als dichter gebrauch davon, doch selten, ich finde in den 36
liedern bei Mützell
nur sieben fälle: für diesem argen gschlechte.
s. 26. 40; dem sie mit glauben ghorchen. 27; nu freut euch, lieben christen gmein. 35; der sohn dem vater ghorsam werd. 36; er gieng in seiner armen gestalt (
l. gstalt).
das.; und hüt dich für der menschen gsatz.
das.; sein wie ölpflanzen gsund und frisch. 229;
in prosa dagegen ist bei ihm ge-
entschieden vorherschend (
s. Dietz),
zwar gnug
erscheint gewöhnlich, gnaw
einzeln neben genaw,
aber kein grade, gwalt, gsetz,
und selbst genade, gelied
herschen noch vor, auch gelück
findet sich. diese unterscheidung zwischen gedicht und prosa greift aber auch nach dem süden vor, denn H. Sachs
z. b., der als dichter und meistersinger von dem g-
und b-
freien gebrauch macht, hat in der vorrede zum 1.
theile nur volle ge-
und be-,
obwol ich nicht zweifle dasz er die gekürzten formen auch selber sprach; auch in seinen pros. dialogen sind die vollen herschend (
selbst genug 6, 3),
nur kommt eingestreut vor gwalt 47, 3
nahe bei gewalt 46, 31. 51, 8, gewaltiglich 47, 14. 52, 5, gschrift 5, 16
zwischen geschrift
z. 14
und 23,
d. h. da ist ihm oder dem Nürnberger setzer die mundart einmal durchgeschlagen durch absicht und grundsatz. in dem letztern ist wol aber die fortsetzung des verfahrens der schreiber im 13.
jahrh. (
b, β)
zu erkennen, nur mit dem unterschiede, dasz es in oberdeutschen landen mit der aussprache immer mehr in widerspruch geriet (
daher der durchbruch b, γ),
in den mitteldeutschen aber mit der rede im ganzen in einklang war. Denn auch im mitteldeutschen zwar finden sich eine zeit lang g-
nach oberdeutscher art, z. b. im Leipziger urkundenb. im 1.
bd. aus dem 14. 15.
jahrh. gwisset
gewissheit s. 17, gnugliche 212, husgnoszen 174, globen 58. 168, gleite 171 (
neben geleite), gleitsman 214,
besonders der gnante 59. 73. 168, vorgnante 68, mêgnant 169;
dagegen lauter volle ge-
in dem Leipz. stadtbuche des 14.
jahrh. in den mitth. der deutschen ges. 1, 111
ff., ebenso wieder in den Leipz. stadtordnungen von 1544 (
auch genade, genedig),
obwol man noch jetzt von alten leuten gwandhaus
aussprechen hört, doch als einziger rest und ohne gefühl der bedeutung; die g-
erscheinen im md. durchaus als ausnahmen und nur bei sehr viel gebrauchten wörtern (
z. b. in den zurufen gsegente mahlzeit
und ghorsamer diener),
in älterer zeit vielleicht nicht ohne oberd. einwirkung. und ebenso schon in der mhd. zeit; gwis, gwalt,
z. b. in der Hohenfurter benedictinerregel (
südböhm.)
Haupt 16, 270. 273,
aber z. b. der md. Leipz. Sachsenspiegel kennt nur gnâde (
aber geloube), geloben),
Beheims evang. buch nur gnâde, gnûc, gloube
u. dgl., das passional auszerdem auch globen
geloben, die heil. Elis. auch globen, glust (
doch auch gnomen 6170),
kurz in der md. rede ist ge-
wie be-
und wie die endungs-e
im ganzen immer wol erhalten geblieben oder gegen den oberd. einflusz wiederhergestellt worden, besonders in der östlichen hälfte, von wo ja die nhd. wiederherstellung überhaupt ihren anstosz empfieng. I@2@c@gγ)
bemerkenswert ist dabei, wie das schwanken der formen, das jetzt unserm gutgeschulten auge verletzend ist (
das ohr kommt ja wenig mehr in frage),
wie ein rest alter roheit, den dichtern doch zu gute kam, z. b. oft im 16.
jh., wie vordem und auch noch später: da sprach der bauch zu den geliedern (
so zu l.) ... da theten auch die glieder gmach. Waldis
Es. I, 40, 19. 26; gelert bei glert und reich bei reich. II, 59, 23; gewalt mit gwalt zu widerfechten. I, 25, 30; das im bald hart gefror der schwanz ... in dreien stunden gfror so hart. III, 91, 8. 48; das er uns wöll sein gnad verleyen. das sein genad in uns aufwachs. H. Sachs 1, 57
a (1, 242
K.); das wundert alles volk gemein ... der versammlung christlicher gmein. 1, 70
a (1, 298).
und so in resten noch im 18.
jh., z. b. (
s. auch gnade, gnaden,
vgl. Gottsched
sprachk. 1762
s. 533): thue disz, so wird dir gott lauter
glück und segen geben ... aber mich hat das
gelück in ein fremdes land gezogen ... kan ich disz mit rechte schlieszen, dasz du sehr gelücklich bist. Anna Helena Volkmann
erstlinge unvollkommener ged. Leipz. 1736
s. 212
fg., ja noch heutzutage, wenn dichter mit gerade
und grade, genug
und gnug, genügen
und gnügen, gleis
und geleise
nach bedürfnis wechseln. findet sich doch bei Göthe
noch gsicht,
im jahre 1773: es ist ohngefähr das garstge gsicht, aber meine liebe siehst du nicht. Göthe
u. Werther s. 184 (gesicht
werke 2, 281),
auffallend weil er selbst in H. Sachsens poet. sendung die kürzung nicht braucht, auch frankfurtisch ist sie nicht, aber straszburgisch, vielleicht hatte ers dort im sprechen angenommen, wie die misels (
s. kammermäuschen). I@2@c@dδ)
die wiederherstellung siegte im sprachbewusztsein der gebildeten im 17.
jh., bestand aber hauptsächlich zunächst darin, dasz man sie, die bei den schreibern, in kanzleien und druckereien für die prosa auch in oberd. landen wenigstens fürs auge längst angestrebt, zum theil durchgesetzt war, nun auch in den vers übertrug oder dasz man den dichtern die freiheit nahm, die sich seit dem 12. 13.
jh. in Oberdeutschland herangebildet hatte, die dort herschende gekürzte sprechform als dichterisch zu verwenden; die führung im dichterischen stil gieng ja damals auf mitteldeutsche lande über, wo die gekürzte form auch im sprechen nie durchgedrungen war. bei Opitz, Fleming,
die dann auch in äuszeren dingen muster wurden, sind die formen wieder voll, im bewuszten gegensatz zur oberdeutschen mehr volksmäszigen dichtung, die die g-
und dergl. noch lange fortführte, während gelehrte dichter, wie der Schwabe Weckherlin (
der doch die endungs-e
noch ziemlich schwäbisch behandelt),
die neue art rasch annahmen. wie der gedanke an die kürzung den maszgebenden kreisen ganz abhanden gekommen war, zeigt z. b. in dem erzschrein der fruchtbringenden gesellschaft s. 419
ff. eine erörterung zwischen Zesen, Dietrich v.
d. Werder
und dem fürsten Ludwig
über vergesellschaften, vergewaltigen,
die der erste anfocht, weil '
zwei kurze vorsätze ver
und ge
im deutschen nicht wol stehen können',
wobei doch der möglichen kürzung wie in vergnügen
von keiner seite gedacht wird. und auch wo nachher in Oberdeutschland die volksform noch verwendet wurde, sicherte man sich gern gegen den vorwurf der grammatischen unkenntnis durch setzen des apostrophs oder häkchens
wie man ihn nannte, z. b. Abele,
selbst mitglied der fruchtbr. gesellschaft*): das g'werkschaft-wesen gut ... berg-g'sellen und auch knecht.
gerichtsh. 2, 38. 41. I@2@c@eε)
doch hat das e
bei seinem vordringen von nordosten aus im süden und selbst im westen noch kampf genug gehabt auch im 17.
jh., um auch in der prosa durchzudringen. denn noch im j. 1618
setzt z. b. der bairische jesuit Schönsleder
in seinem wörterb., für die höheren schulen bestimmt, zwar als stichwort an gelübd, gemach, geselle, gesicht, gewalt
u. dergl., nimmt aber in den beispielen dann lieber seine bair. form des glübds, haimlich gmach, weggsell, ins gsicht gworfen, auszm gsicht gehn, es gschicht mir gwalt,
während der Augsburger Henisch im
j. 1616
diesen formen schon möglichst aus dem wege geht. selbst Grimmelshausen,
der sonst den vollen formen die ehre gibt, meint im Teutschen Michel doch vom standpunkt seiner aussprache aus, wir könnten den ausländern, die unsere sprache zu gedehnt fänden, weisen, dasz wir aus dem einzigen e, dem allergebräuchlichsten aus den fünf stimmbuchstaben, so viel 100 hinweg zu werfen haben (
Simpl. 4, 407
Kz.),
findet dasz selbst in pflegen, bitter, mangel 'das hinterst e ein überflusz' (406),
und schreibt dann sein Galgenmännlin selbst zum theil ohne diese e: dein schreibn .. in welchm du von den so gnantn galgnmänln so ausführlichn bricht von mir bgehrst
u. s. w. (4, 259),
freilich spottend wie über einen ungwöhnlichen newen stylum (260),
aber doch mit verstecktem ernste, der sich gegen die Norddeutschen kehrt, nach der äuszerung im Michel: gefällts den Meisznern und ihren nachbarn nicht .. so werdens doch
*) Opitz
in der poeterei empfahl das häkchen als grammatisches zeichen, doch hat es schon vorher z. b. Schönsleder, im 16.
jahrh. in den Niederlanden Kilian,
und bei Österreichern erscheint auch schon im 16.
jahrh. ein punkt dafür, s. z. b. Germ. 8, 464
fg. die Östreicher und ihre anstöszer nicht verstoszen (408),
denn die Meiszner und ihre nachbarn brauchen zuvil überflüssige wörter und buchstaben (404);
doch meldet er zugleich aus Östreich vom streben nach der neuen art, denn er kam dort zu einem wirte, der vor ihm als einem '
Schwaben' sich zwang, alles orthographice auszusprechen (389).
über den westen vergl. auch die äuszerung des fürsten Ludwig im
erzschrein der fruchtbr. gesellschaft s. 353
vom j. 1646: das verzwicken und auslassen (
der e
in endungen) wird sonsten durchgehend für unrecht und neuerlich gehalten (
d. h. hier bei uns), ist auch an unterschiedene reinische höfe (
genauer canzleien) erst aus dem Niederlande kommen,
sodasz auch das Rheinland noch damals schwierigkeiten machte, wie denn damals Spee
dort noch z. b. cron, trawrn,
selbst wern
für werden
im verse brauchte (
trutzn. 227). I@2@dd)
gegenwärtig ist die wiederherstellung im ganzen auffallend gelungen, doch nicht ohne ausnahmen. I@2@d@aα)
ausnahmen in der schriftsprache, wo das verschlucken nun fest steht und gar nicht mehr gefühlt wird, zum theil schon längst, sind glaube, gleich, glück, glied, glimpf, gnade,
noch älter gönnen,
worin das ge-
schon mhd. vergessen war (
ahd. unnan
und giunnan)
und gegessen,
worin das zweite g
schon gleich ge-
ist. ist doch selbst das schwanken noch vertreten in gerade
und grade, gleis
und geleise, gnug
und genug (
s. c, γ),
und selbst in prosa, wenn man geleite
mit begleiten
vergleicht, genug
mit begnügen, vergnü
gen. in den zweiten formen ist das e
sehr früh ausgefallen (
und nun vergessen),
weil die aussprache anstosz fand an den zwei gleich leichten silben dicht hintereinander, ein anstosz den man noch jetzt fühlt an vergesellschaften, vergewissern, vergewaltigen (
auch verbescheiden),
woraus das lebendigere 16.
jahrh. gleichfalls vergwissern, vergwaltigen
machte (vergwissen Schm. 4, 184,
vgl. verbscheiden 3, 322),
oder auch verwissern, verwaltigen,
wie für begnügen, vergnügen
noch das 17.
jh. auch benügen, vernügen
sagte; so gehört verloben
mit geloben, verbieten
mit gebieten
zusammen, entstalten (
s. d.)
mit gestalten.
aber auch entgeselleter
dissociatus voc. th. 1482 II 2
b,
doch gesprochen gewiss entgsellet,
wie vergstalten Maaler 420
a neben vergestalten 419
b,
das erstere schreibt z. b. Fischart
emblem. bei Wackern. s. 184
in prosa, wo er das ge-
sonst voll läszt. I@2@d@bβ)
die südlichen mundarten aber führen das verschlucken überhaupt fort und vielfach selbst die gebildetern dort, denen das ge-
wie das -e
u. dergl. oft genug noch blosz '
orthographisch'
ist, wie oben bei Grimmelshausen.
ein paar proben aus mundartlicher literatur sind nötig (
auch die gesetzten oder nicht gesetzten häkchen, s. c, δ): d' buchdruckergselln müsten schon wieder ein blauen montag ghabt habn!
Eipeldauer briefe 20, 3,
Wien 1795; da (
in der preusz. erklärung wegen des separatfriedens) wird alles haarklein erzählt, was d'Preuszen in den krieg fürs römische reich alles gthan habn .. dasz sich d' nachwelt aus dankbarkeit nie ohne z' weinen an sie erinnern wird.
s. 5; ih hob an alt'n nachbern g'hat, den hauter (
der wein) ah su g'schmeckt. Grübel
ged. Nürnb. 1802 1, 76; ih bin scho dreymaul g'schwurner g'west.
das. (
vgl. Frommanns ausg. 3, 243); i kumm nit recht erus us dem wo si henn gsait. sie müe'n nit gschwind so redde, 's hochdytsch isch ohnedisz so kryzschwer ... ey! geh doch du mer wegg mit dym hochdytsche gspräch, red du stroszburgerisch. Arnold
pfingstmontag 25; mit sy'm kalfakters gsicht, sy'm dukkelmusers gschwäz. 90.
fest ist es in oberd. ortsnamen, z. b. Gmunden, Gmünd, Grütli.
übrigens reicht das verschlucken nördlich bis nach Thüringen hinein, wo man nördlich von Walde auch von gebildeten z. b. gsehen, gschichte, gfallen
hört, doch noch mit leisem anklingen des e. I@2@d@gγ)
dabei treten im anlaut veränderungen ein. am merkwürdigsten, wenn im alem. sogar ein w
durch das g-
verdrängt wird (
wie öfter nach k-,
s.keck I,
e),
wie in günnen
oder ginnen Stalder 1, 497,
d. i. gwinnen,
in erster form w (u)
und i
zu ü
vereinigt (
wie in altn. kykr
aus kvikr,
keck, vgl. kirre I,
b),
in ginnen
aber das w (u)
herausgedrückt; im part. gunnen
für gwunnen: der nebel woget uf und ab, und d'sunne chämpft, sie loszt nit ab. iez het sie's gunne. Hebel
alem. ged. 1820
s. 209 (
der jenner).
öfter steigert sich das g-
zu k-,
besonders durch vereinigung mit einem h,
z. b. bair. 15.
jh. kaisz
für gheisz,
verhiesze: dem kais ich geltes also vil.
Germ. 3, 321.
aber auch ohne diesz h,
selbst md.: die ihr lebenlang kein kraden tritt thun. Mathes.
Sar. 203
a,
geraden; krembs,
gitter Rädlein 565
a,
d. i. gerems;
bairisch z. b. in Kreut
für Gereut.
s. mehr u. K 3,
b, Fromm. 2, 338. 3, 108 (
tirol. z. b. kilf
gehilfe, kröd
gerede), Weinhold
bair. gr. s. 30,
alem. gr. s. 175. I@2@d@dδ)
dagegen kommt gerade im tiefsten süden auch die volle form vor, so durchaus in Passeier und hie und da im Pusterthale (Fromm. 3, 108, Weinhold
bair. gramm. 30),
auch in Luserna, s. Zingerle
lusern. wb. 63;
in Kärnten wie ahd. gi-,
z. b. giwalt, ginue, gitûn,
s. Lexer 110
b;
in den sog. cimbrischen sprachinseln sogar noch mit dem ahd. vocal, z. b. ganug, galücke, ganada,
s. Schmeller 123
a (
wol nicht ohne einflusz des ital.),
sodasz der tiefste süden und der höchste germ. norden zugleich die beiden möglichen äuszersten enden darstellen, hier, d. h. in den nord. sprachen und im engl. das vorwörtchen eigentlich so gut wie verschwunden (
s. 1,
e),
dort rein erhalten, wie ähnlich im engeren kreise des deutschen, wo den mundarten nach das ge-
im süden im gebrauche am entwickeltsten, nur auf seinen consonanten beschränkt erscheint, im norden, im nd. theils auf den vocal beschränkt, theils abgefallen, im gebliebnen gebrauche aber sehr eingeschränkt ist; um so merkwürdiger ist, wie es in dem sonst unselbständig erscheinenden mitteldeutschen sich doch am besten erhielt, um von da aus wieder vorzudringen. I@2@ee)
noch einiges merkwürdige ist, besonders im süden, I@2@e@aα)
wie das streben nach wiederherstellung zuweilen fehlgreift, ein g-
oder k-
mit unrecht für ein ursprüngliches ge-
ansieht. bei den verfassern mundartlicher oberd. wbb. finden sich oft angaben, wie 'g'hürren, kürren,
getreide' Stalder 2, 65, g'hütt
gleich kütt 2, 67,
wovon doch die zweiten formen allein die richtigen sind, s. darüber korn I,
d, kütte
herde; vergl. aus dem Elsasz Stöbers g'welte
lichtstube Fromm. 4, 580
a und dazu kilt 4.
das entspricht aber dem dort thätigen sprachgefühle, denn schon im 16.
jahrh. schreiben so Frisius
und Maaler
falsch ghütt (
s.kütte 1,
e),
als wäre es eigentlich gehütte;
so erklärt sich denn auch die altschweiz. schreibung ghein
für kein (
s. d. 2,
b).
auch voll geschrieben ge-,
schon im 15. 14.
jh., wo nicht früher, z. b.: ist sü edel, so nim ich sie zu ainem wip. ist sie ain dirne (
unfreie), so gib ich ir gut und han sie zu der gehebs. Schmid
schwäb. wb. 225
aus einer unklaren quelle, d. h. halte sie als kebse; (der rihter) sol ouh han an dem libe ein vehe veder an oder ein gehütze. Konr. v. Ammenh.
bei Schm.
2 1, 1196, Kurz
u. Weiszenb.
beitr. 1, 193,
d. i. kütze
kotzenkleid; mich haben überwunden dein schein und geleste deiner ougen.
N. Wyle
transl., Lucretia, d. i. gleste,
glanz; so geleiʒ
für gleisz, glisz,
glänzte: ir har recht als das golt geleisz. H. Sachs 1, 283
b (2, 26
Göz); wer sich zu reudigen helt, der wird auch genetzig. Mathes.
Syr. 1, 79
b,
für gnetzig,
von gnatz
grind. merkwürdig zugleich mit falscher participbildung: so sol der meier .. über gewerhede nacht uf den hof kommen.
weisth. 4, 230,
elsäss., sonst über querde,
eigentlich twerhe naht
mhd. wb. 3, 166
a,
die nacht über. so sind oberd. selbst falsche formen entstanden, z. b. ips
für gips Schm.
2 1, 929,
daher bei Schubart geipst
gegipst, er schreibt 1771
aus Ludwigsburg von seiner neuen stellung bei hofe: du wirst mich in einem neuen logis antreffen, geypst, weit, modisch, hell. Sch.s
leben in s. br. 1, 258,
man sah das g-
in gips
für eigentliches ge-
an. selbst md., nordd. in gewandsweise (
z. b. Lessing 8, 89)
für das nd. quantswîse.
Besonders häufig ist unechtes ge-
im nrh. und elsäss. (
s. unter klafter 3,
c, geloyt
glut Wierstr.
Neusz 71, gelimmen Haupt 3, 20, gelîʒen
Karlm. 39, 27),
wo doch, da dort ge-
nicht verkürzt wird, die einfügung des e
blosze bequemlichkeit der aussprache sein musz, wie dergleichen schon ahd. und im rom. vorkommt, s. unter galopp a. e. und kleschen 1,
c. I@2@e@bβ)
selbst ga- so, noch im 17.
jh.; Grimmelshausen
schildert im Teutschen Michel unter lächerlichen sprachkünstlern
aller stände u. a. solche, die alle wort einem jeden buchstaben nach aussprechen wollen,
und gibt als beispiel ihrer übersteigung (
verstiegenheit), wie neulich einer, welcher einer jungfer mit disen worten eines zubrachte: ich wollete von hertzenn gernn meiner vielgeliebtenn jungfrauenn dises kaleine galäseleinn mit weine zubringenn. 4, 385
Kz., was nach dem vorher ausgeführten völlig glaublich klingt (
zu wollete
vgl. mhd. wissete
für wiste Weinh.
al. gr. s. 405, wirreste
aus wirste
Rol. 70, 8
var.); da foppt man die Schweizer mit ihrem 'kilcha gho' und 'garind rhra', weil es thonet, als wann sie es noch mitten im hals auf hebräisch gebären müsten. 4, 389; potz grütz, du gölschnabel, hätt ich di dusza, ich wottar da garint rra! 3, 164,
als schweiz., d. h. den grind,
den kopf waschen o. ä.; aber er selber braucht im ernste so gastatt
für gestade: wanderten also mit mir dem gastatt des meers zu. 2, 281.
diese garind, gastatt
stimmen denn noch völlig zu der ahd. erscheinung unter 1,
d. die auch in der mhd. zeit aus der bedachten, langsamern rede gewiss nicht verschwunden war (
s. 1,
c und 2,
b, α zuletzt)
und hier nhd. in gezierter rede noch oder wieder erscheint. erzählt man sich doch noch aus der gegenwart in Schwaben von einem gelehrten, der in Maulbronn den könig empfangend seine rede mit den worten unterbrach, majestät, es ist ein gawitter im anzug,
und auch in Thüringen, Sachsen heiszen die bereiter,
kunstreiter bei den kindern feierlicher die bareiter (
auch das merkwürdige akein V, 492
erklärt sich hier).
Das a
fällt zugleich zusammen mit den zahlreichen nhd. a
in endungen in folge falscher wiederherstellung, z. b. nachbar,
das nicht aus mhd. nâchbûr,
sondern aus der sprechform nachber, nachbr
geworden oder gemacht ist, ebenso weiland
aus mhd. wîlent, monat
aus mônet, mônt, bräutigam
aus bräutgen, Seifart
aus Seifrt (
mhd. Sîfrit), kumbar
in der spätern hs. des Etter Heini statt des kumber
oder kumbr
der älteren (
wie amman
statt des dortigen ammen) Kottinger
s. 26,
schon im 15.
jahrh. Ursal
aus Ursl (Ursula) Beheim
Wiener 56, 28;
wol auch in kostbar (
s. d.), fruchtbar
u. dgl. I@2@e@gγ)
am merkwürdigsten aber ist ein betontes ga-
in einem worte in den bair.-östr. Alpen, das noch heute lebt, ununterbrochen aus ältester zeit her: das
gástaig, hohlweg der auf eine anhöhe, besonders ein hohes fluszufer führt, dann anhöhe, fluszufer mit einem solchen wege, auch als ortsname vielfach, s. Schmeller 2, 78,
mit belegen aus dem 14.,
auch 13.
jh., wie österr. gasteig
bei Lexer 1, 928.
die betonung ist gesichert durch spätere schreibungen wie gastag, gastach (16.
jh., s. die 2.
ausg.),
und die heutige bair. form gaste
u. ä., österr. gaster Höfer 1, 274 (
der auch urkundlich gastach
beibringt),
vgl. kärnt. gástach Lexer 109, '
cimbrisch' gastag
felsige strasze Schm. 124
a.
Zwar hat sich Schmeller in der 2.
ausg. des bair. wb. 1, 954
für eine andere auslegung entschieden, es sei '
sicher gaiszstaig',
auf grund der form gaistag
vom Münchner Gastaig im Münchner stadtb. art. 485,
in der diese auslegung wirklich als alt vorliegen könnte, obwol sie wieder vergessen sein müszte nach dem heutigen vocal (
bair. goasz
geisz).
aber diese auslegung, wie sie sehr früh schon wirksam sind bei verdunkelten wörtern, würde den ursprung noch nicht begründen und wird zurückgewiesen sowol dadurch, dasz ein neutr. steig
nicht besteht, als durch den umstand den Schmeller in der 1.
ausg. hervorhob, '
das rein gebliebene und nicht in sch
umgeschlagene s
vor t',
welcher umschlag in geiszsteig
eben unvermeidlich gewesen wäre, wie in staig,
während st
nach dem tonvocale im bair. rein bleibt. Merkwürdig ist das gásteig
freilich, zumal die regelrechte form gestáig (gschtáeg)
n. daneben gilt in gleicher bed. Schm. 3, 622,
wie tir. gstaig
n. Schöpf 697,
schweiz. gesteig
n. '
passus montis' Stalder 2, 395
fg. Doch stehn ebenso neben einander gleichbedeutendes beklémm
und bíklemm
adj., letzteres eben auch östr., bair. (
s. unter klemm 3),
und mhd. bedérbe
und bíderbe (
s. bieder), begráft
und bígraft
begräbnis; in den zweiten formen ist durch den ton der ursprüngliche vocal festgehalten. und auch solches gá-
ist keineswegs beispiellos, wie Schmeller
meinte, denn dasz es schon ahd. bestand, verbürgt das sangallische, die betonung bezeichnende cáscaft substantia, und zwar ebenso neben kiscáft, Graff 6, 450, Wackernagel
leseb. 1839 114, 31 (
in den spätern ausg. mangelnd), '
zu gescháffen (
schaffen)
wie ántfanc
zu entfâhen'
wb. 1839
s. ccxiii,
also vielleicht schon goth. gáskafts
zu gaskápjan.
auch in Grimmelshausens gastatt
unter β möchte man diese betonung vermuten. I@33)
dagegen auch völliges verschwinden, das gleichfalls näher zu betrachten ist. I@3@aa)
im nd. bereiche beginnt das schwinden mit dem consonanten, also umgekehrt gegen das hd. I@3@a@aα)
schon im 10.
jh. in den Merseburger glossen (Haupt 3, 280, Heyne
kleinere denkm. 92
ff., Bezzenberger
in Zachers
zeitschr. 6, 291
ff.)
steht für gi-
blosz i-,
z. b. ilêtene
permissa, für gilêtene,
genauer jilêtene (gilâtan
Hel.), idômde uuerðen,
verurtheilt werden, ivullêstian
adminiculari, ahd. kivulleistian (Bezzenb.
a. a. o. 296),
auch im umlaut unimet
incommodus, ahd. ungimeʒ Graff 2, 899 (
auch altengl. unimet (Stratmann 609);
auch ein zeugnis für Westphalen in ihekilôd,
gehechelt Heyne
kl. d. 123
a,
Germ. 18, 216.
Der abfall des g-
erklärt sich aus der palatalen aussprache, die für jene glossen ohnehin bezeugt ist durch iernihêd
für gernihêd (Bezzenb. 299),
und das i
selbst kann wol auch genauer ji
noch mit meinen, wie es scheint in Ivicanstên
für Gibichenstein (
s. sp. 1108)
und wie -i-
umgekehrt für -ij-
geschrieben wurde (
sp. 1107
unter α).
noch jetzt findet sich diesz i-
in demselben gebiete, denen jene belege angehören, dem grenzgebiete des md. und nd. im östlichen Thüringen (
das nd. ist dort allmälich zurückgewichen),
aus der grafschaft Beichlingen z. b. meldet F. Bech als aus seiner heimat (
um Cölleda, Weiszensee),
es heiszt dort iwæst
gewesen, ijässen
gegessen, auch im inf. bei hilfszeitw. ilôfen
gelaufen, ä kan nech irêde, se mag nech isprenge,
reden, springen, gewiss noch aus der zeit des gi-
her, das übrigens md. noch im 15.
jahrh. erscheint z. b. in Beheims
evang neben ge- (
s. Bechsteins
ausg. s. 255
a). I@3@a@bβ)
ebenso e
für ge-,
so jetzt in Schambachs
gebiete, den fürstenth. Göttingen und Grubenhagen, enaug
genug s. 62
b,
im part. praet. eschein
geschehen 181
b, eschullen
gescholten 182
a, esegt
gesagt 189
a, egewen
gegeben 63
b.
wie weit geht das zurück? ich finde mnd. nur ennôch
genug Schiller u. Lübben 1, 667
a,
Germ. 10, 392,
dessen nn
doch auf eine ausdeutung hinweist, und daneben erscheint genôch
selber noch: ôk lêt he dragen in den kîl spîse genôch unde vil, dat he ennôch hedde negen jâr.
Brandan 76
fg. daneben erscheint übrigens das hochd. verfahren, doch nur ausnahmsweis in gnâde Schamb. 65
b, glöben
glauben 65
a, glücke 127
a,
doch daneben gelücke
und lücke,
wie neben jenem löäwen 126
a; gnâde, glucke
auch schon mnd., gewiss unter hochd. einflusse. I@3@a@gγ)
völliger abfall gilt jetzt auszerdem z. b. in lîk
gleich, naug
genug Schambach 62
b,
aber diesz blosz neben enaug
und selbst noch genaug;
ebenso schein
geschehen (
selten auch geschein),
desgleichen im part. schein,
doch neben eschein
und selbst noch geschein 181
b.
in der Altmark aber nur nôg Danneil 147
b,
und so immer dort im part. praet., auszer wenn es in adjectivische geltung übertritt, z. b. 'n geslaogen minsch 62
a.
ähnlich in Pommern, s. Dähnerts
bemerkungen s. 144
b,
der doch noch genug besonders subst. verb. mit ge-
zu verzeichnen hat auch in jenem dem hd. einflusse so entrückten theile. es ist nicht möglich noch nötig, hier die erscheinung weiter zu verfolgen, nachdem klar ist, dasz das schon in alts. zeit beginnende schwinden doch nur ein streben geblieben und trotz wiederholter angriffe auf die massenhaften ge-
nicht durchgedrungen ist, auch nicht so weit wie im englischen, obwol in der behandlung des ge-
im nd. ganz derselbe weg beschritten war wie dort. doch sind nd. kürzungen auch ins hd gekommen durch entlehnung, z. b. in sicht kommen, auf sicht (
engl. sight). I@3@a@dδ)
der völlige abfall ist doch schon im mnd. genug entwickelt. im Sachsensp. z. b. zwar noch selten lîke,
in to lîke
zugleich II, 42, 1 (
öfter schon im richtst. landr., s. Homeyer
s. 546), schien
geschehen III, 78, 8,
häufiger schon tüch
für getüch
zeugnis, richte
gericht, rade
von der gerade, rüchte
gerücht, im richtst. landr. auch schon de meine vrede,
der gemeine friede 37, 1,
obwol die vollen formen noch vorherschen, doch in den rechtsbüchern nachher immer mehr zurücktretend (
daher heute noch zeuge, ruchbar,
eigentlich ruchtbar).
fürs 13.
jh. s. auch Bartschs
zusammenstellung aus Berthold von Holle
s. 238,
dessen md. gefärbte formen doch zugleich fürs nd. zu rechnen sind, darunter auch lîch
gleich, meine
s. 20,
wo in der nachbesserung des ghe-
in der hs. des 14.
jahrh. sich doch zugleich ein gegenstreben der schreiber auch dort zeigt, wie denn die vollen formen noch vorherschen. der abfall geschah zuerst bei den gebrauchtesten wörtern, wie denn z. b. in einem braunschw. schriftstück aus dem j. 1406
auf éiner seite Braunschw. chron. 1, 164
nur die rede ist von der meinen stad,
dem meinen budele (
beutel)
neben vielen participischen ge-,
deren keins fehlt. wie weit der abfall früh im 15.
jh. sonst schon entwickelt war, zeigt z. b. die Zerbster urk. Haupt 3, 231
fg., wo neben ghemeine, ghevanghen, ghewarnt, utghevoret, ingheseghel
doch steht gheven
gegeben, anhenghet
angehängt, scach
geschah, bort
geburt, nughen
genügen; vergl. auch medeselle
mitgeselle Dief.
nov. gl. 110
a.
die hauptfrage für unsere untersuchung ist nach den zwischenformen mit e-,
die doch auszer jenem ennôch
nicht auftreten, obwol man sie nach dem i-
unter α und ε ff. erwarten müszte; falls sie nicht durch das stilgefühl der schreiber zurückgehalten wurden, müszte man neben dem allmälichen schwinden, welches das natürliche wäre, zugleich einen gleichsam plötzlichen abfall annehmen, der selbst alts. schon entwickelt scheint, wie ahd., s. unter b, γ.
auch nrh. z. b. im 13.
jh. nûch
genug Haupt 10, 136,
im 16.
jh. z. b.: gignere kind winnen of beren (
gebären)
Cöln. gemma 1511,
jetzt z. b. auf der Eifel winnen,
gewinnen: nützlich ist der bauernstand, bauern winnen allerhand. Schmitz 1, 147. I@3@a@eε)
im nl. zeigen sich dieselben erscheinungen; im mnl. neben herschendem ge-
landschaftlich auch i-
oder y-,
wie idaen, idragen, imet (
vgl. das alts. unimet
unter α), yslagen, ysonde,
s. unter ge-
im groszen nl. wb. sp. 357;
noch jetzt landsch. theils e-
theils völliger abfall (
im part. praet.)
neben dem herschenden ge-,
das dort eine wiederherstellung erfahren hat wie bei uns, sogar weitergehend, denn es heiszt auch wieder genade, geloof
glaube, gelooven
glauben (
auch geluk),
während im mnl. auch gnade, glove
galten, wie gnoech,
jetzt nur genoeg.
übrigens wie hd. auch gunnen
und in einem worte selbst nach oberd. art onguur,
mnl. onghier (
neben onghehier),
wie schweiz. ung'hr,
ungeheuer Stalder 2, 41. I@3@a@zζ)
im altfries. ist die entwickelung besonders reich, neben einigen gi-
und je-
gewöhnlich zwar gleichfalls ge-
oder ghe-,
häufiger doch e-,
einigemal i-,
z. b. ebunden, ebod, enôch, unefôg
ungefüge, daneben auch anôch, alîkna
gleichen, unabern
ungeboren, s. Richthofen 838
a, islein
geschlagen 1035
a,
endlich abfall z. b. in nôch 708
a, onbern 1100
a, jeven
gegeben 847
b, wesen 1144
a.
doch noch jetzt z. b. westfries. zwar nicht mehr im part., aber neben noagh
auch noch genoagh,
zugleich enoegh, anoegh,
s. Halbertsma 917,
nordfries. noch voll z. b. gimian,
herablassend, gemein Johansen 158, gibrek
gebrech, mangel, gilik
n. das recht, giluuw
glaube 130,
im scharfen unterschied vom nordischen wie vom englischen. I@3@a@hη)
im engl. hat sich das schwinden am reinsten vollzogen. während das ags. an ge-
so reich war wie das alts., ahd., ist es jetzt leicht erkennbar nur in enough
übrig, altengl. neben enogh
auch inough
und anough (Stratmann 322),
also wie im fries.; vorherschend ist in der übergangszeit i-
oder y- (
also wie alts. und mnl.),
noch überaus reich vertreten (
s. Stratm. 312 -328),
z. b. ilik
gleich mhd. gelîch, isibbe
gleich gesippe
verwandt, iwar
und uniwar
gleich gewar, ungewar, imake
und unimake,
gemach und ungemach, imene
gemein, isund
gesund, iwinnen
gewinnen, iwede
gleich mhd. gewæte, isihde
gesicht, ileave
gleich geloube,
jetzt nur like, mean, sound, win, weed, sight
u. s. f. (
wie nd. lîk, mên, sund, winnen, sicht);
doch entspricht auch unserm mhd. gewar (
nhd. gewahr)
noch aware,
unserm mhd. gelîche
engl. alike,
die sich aus dem altengl. erhalten haben, wie auch éin gleichsam vergessenes i-
in handiwork,
ags. handgeweorc.
dieser wechsel von i-
und a-
im engl. und fries. erinnert an das nhd. gi-
und ga- ... I@3@bb)
der abfall im hd. I@3@b@aα)
schon bei dem schweiz. g-
in ggeben, ggangen, ggloubt
bei Zwingli
unter 2,
c, α mag man nicht mehr glauben dasz es auch gesprochen sei, wie denn ebenda auch geben, gangen, gloubt
schon gedruckt steht; ebenso bei gklagt
im 16.
jh. schweiz.: gklagt sei es gott von himmelreich.
spil von W. Tellen bei Vischer
sage v. d. befreiung der Waldstädte s. 181,
in dem spätern drucke des 17.
jh. klagt
weim. jahrb. 5, 60; hand mir mit truren gseit, vil gklagt. Rueff
Etter Heini 678,
in der 2.
hs. klagt.
Dennoch sind auch solche g-
nicht blosz orthographisch gemeint, denn sie klingen noch heutzutage vielmehr mit, nur in form derselben angleichung*)
der sie im raschen sprechen nicht entgehen konnten, welcher im oberd. besonders das d, t
unterliegt (
s. in Zachers
zeitschr. 2, 254
ff., vgl. unter galt 3,
c),
d. h. das g-
wird in den folgenden cons. gleichlautig und doch hörbar mit aufgenommen; s. T. Toblers
aufsätzchen »
das anscheinende abfallen des vorlings ge-
der partizipien«
in Frommanns
zeitschr. 2, 240
fg., der die aussprache bezeichnet mit bbotta
für gbotta (
geboten), ttriba
für gtriba, ddtt
gedeutet, auch qquelt
gequält, kkalfakteret
und zzîlt
gezielt. und dasselbe gibt Schmeller
bair. gr. s. 98
für das gebiet der Donau, des Lech, der Pegniz u. a. an, mit der beschreibung »
man erkennt blosz den ansatz, den die zunge nehmen will«,
er schreibt es 'úbunden, 'úgeben, 'útan,
auch 'útraid
getraid, 'úkrös
gekröse, 'úbirg gebirg, 'úbiet
gebiet, 'úbot
n. gebot (
s. s. 91
das gleiche mit d-,
z. b. 'úgans
für dgans, 'úzung
für dzung).
Dasz das aber dem abfall selbst nicht blosz ganz nahe tritt, sondern, bei ganz raschem oder nachlässigem sprechen, *)
man sollte endlich aufhören, das gedankenlos assimilation
zu nennen, wo nicht von bloszer ähnlichkeit die rede ist. in ihn auch übergehen kann, ist nicht nur natürlich sondern auch als thatsächlich zu erkennen in Toblers
unsicherheit wegen gessa
s. 241,
das scheine nicht dem hd. gegessen,
sondern dem einfachen gessen
zu entsprechen. kurz, das allmäliche wirkliche schwinden, nicht plötzliches verschwinden des ge-
liegt da fürs oberd. klar vor auf dem entgegengesetzten wege als beim nd.; es fragt sich nur noch wie weit die erscheinung zurückgeht. I@3@b@bβ)
dasz jene dem Norddeutschen unbegreifliche aussprache schon jahrhunderte alt ist, auch nur durch einfachen cons. doch verständlich bezeichnet wurde, dafür bürgt denk ich das häufige schweiz. Zürich,
wo sicher zZürich
gemeint ist (
denn das alte ze
gieng ganz denselben weg),
z. b.: krämer, so in hütten und läden feilhabend, als Zurich auf der würe. Maaler 250
b; nach dem bleib ich ein wil Zürich. Platter 59; der Fuchsberger, der was do (
damals) noch ein trumetter Zürich. 78,
auch 15. 31. 35. 39; wurden etlich, so dar wider geraten hatten, Zürich vor dem rathus enthouptet. Etterlin 166
in Sprengs
ausg. (
der dazu anmerkt: Zürich
gleich z'Zürich); mines herren J. Glenters, burgermeisters Zürich.
weisth. 4, 286 (
früh im 15.
jh.); dʒ si (
die voigtleute) Zürich nieman .. mit geistlichem gericht uftriben sol. 302; des besten wins so man Zürich schenkt. 322; dirre brief wart Zurich geben
u. s. w. Kopp
urk. zur gesch. der eidg. bünde 1, 38,
vom j. 1291,
doch weist die sprache auf ein spätere abschrift. ebenso vor andern z,
z. b.: an dien phenningen, so Zovingen genge und gebú sint.
weisth. 1, 181
zweimal, vom j. 1336; der sol die zechenden garben zenden geben. 4, 380,
zu zehnden, als zehnden. Danach werde auch b-
u. dgl. glaublich, wo db-
gemeint ist, gleichfalls bis ins 14.
jh. zurück: do kam (
bekam, kam entgegen) im ain ander man, der slug im beckelhuben hin dan.
lieders. 2, 475,
d. i. ganz bestimmt d'beckelhuben,
und b-
ohne zweifel gemeint wie unter α nach Schmellers
beschreibung, geschrieben von einem Alemannen, gedichtet von dem Österreicher Teichner,
dem die form vielleicht auch schon angehört; sufer ins dorf ist worden blind, das schafft (
kommt daher), das buren drunken sind. Brant 72, 32,
ganz bestimmt ebenso = dburen,
wie in einer gleichfalls alem. entlehnung s. cxx
b richtig dpuren
gesetzt wird, während der nd. übersetzer mit buren (
s. 414
a)
zeigt dasz er schon die oberdeutsche schreibung nicht richtig las oder hörte, wie sie uns so schwer verständlich wird; wunschten wir, das wir kenden fliegen, so welten wir über berg (
d. i. dberg) usz dem land in Tütschland fliegen. Platter 12; als wir uf brugg kamen, liesz man iederman über brugg uszhi, aber gägend Zürich wolt man niemand laszen, dan es stunden man mit gweren üf der brugg. 78 (brugg = dbrugg),
s. auch 31; was ein groszer ryf uf trübel gfallen (dtrübel,
trauben). 34; gieng ich in kilchen. 37,
wie kuttlen
gleich dkuttlen 78; stiesz pestelenz
an. 71,
d. i. stiesz's (
das kind) dpest. an; welcher der best ist, der wird brut heim fieren. 159.
Darnach sind denn auch in dem bereiche, wo diese verschlingung so weit zurück gilt, die formen ohne ge-
zu beurtheilen, bei denen sie möglich ist, wie das gangen, geben
bei Zwingli
neben ggangen
und gegangen,
ferner bieten
gleich gebieten,
schweiz.: ich bieten dir, das muost du thun. Liliencron 2, 110
b anm., dazu biet
und bot
für gebiet, gebot.
in J. Ruffs
Etter Heini, zumal in vergleich mit der zweiten hs., die wiederherzustellen beflissen und dadurch so lehrreich ist: das hoch birg und der Genfer see.
s. 27
v. 15, das hochgepirg und Genfer see
zw. hs.; das alls hat than die gottes kraft. 53,
zw. hs. gthon; noch niemant gsagt wirt, kuntbar thon.
s. 29
v. 67, si wirt ouch niemands kund gethon
zw. hs.; nach Christus burt 3475,
zw. hs. nach Christ gepurt; wo man mit dem des herren bott. 1694, wo man mit dem gottes gepot
zw. hs.; auch der verschlungene art. wird wiederhergestellt z. b.: sagt gschrift und zeigt uns heiter
an. 3589, zeigt uns die gschrift gar klarlich an
zw. hs., während in dem häufigen pencion,
wo die pension
gemeint ist (
der ital., franz. kriegssold)
erst der herausg. d'pencion
hergestellt hat z. b. s. 140. 143. 147. 155,
das wort war eben damals in Schweizermunde so häufig, dasz auch das fremdwort der u. α beschriebenen behandlung unterlag. daneben ist doch auch wirkliches abwerfen erkennbar z. b. vor h-,
wo mit verschlingung k-
hätte entstehen müssen: der hat mich heiszen zuo üch gan. 1257,
wo die zweite hs. gleichfalls herstellt gheiszen,
doch s. von dem partic. besonders II, 6. I@3@b@gγ)
aber ein reines wegfallen, nicht lautlich so vermittelt, ist doch auch hier früh zu erkennen, wie im nd. (
s. a, δ),
vielleicht schon goth. in dem laubjan
Röm. 9, 33
für das sonstige galaubjan
glauben. ahd. z. b. in mîne nôtstallon
im Ludwigsliede 32
für nôtgistallon (Graff 6, 674),
denn dem worte ist das gi-
dem begriffe nach notwendig, die in der not (
des kampfes)
zusammentreten, zusammenhalten, wie ags. nŷdgesteallan, eaxlgesteallan
die sich mit den achseln, dem rücken zusammenstellen (
im kampfe), handgesteallan
u. a., vgl. unter 1,
a; ich sehe zum begreifen der erscheinung nur die eine möglichkeit, dasz man das gi-
wegliesz, weil eben seine bedeutung dem gefühl geschwunden, aber auch durch häufigen gebrauch auf das wort überhaupt, auf die tonsilben mit übergegangen war, ähnlich wie in mnd. medeselle
unter a, δ,
wo die bed. das weggeworfene ge-
zugleich durch das neue mede
mit vertreten wird; s. besonders auch sp. 1218
das rechtliche anerbe
gleich ganerbe,
wo an
das ge-
allenfalls mit vertreten konnte (
s. ebend. unter c).
ähnlich auch in nachbar,
ursprünglich nur nâchgebûr,
mit eigentlich unentbehrlichem ge- ('
die nahe beisammen wohnen'),
daher auch ahd. und noch mhd. auch bloszes gibûr, gebûr
mit derselben bedeutung, die dann mit nâch
verstärkt, verdeutlicht wurde, und eben diesz nâch
nahm dann die kraft des ge-
immer mehr auf sich herüber, das nun entbehrlich ward; doch ist auch in bauer
selber, ohne solche vertretung, ge-
abgefallen (
s. unter gebauer),
in md. landen gewiss, in oberd. wol unter mitwirkung der unter β besprochenen verschlingung des g-.
ähnlich scheint es auch mit ahd. unwitari,
das ein paarmal für ungiwitari
erscheint (Graff 1, 630),
eigentlich wol die gehäuften schlimmen wetterwolken, wo in dem -i
der begriff von gi-
mit ausgedrückt war (
vergl. II, 1,
d a. e.).
Aber auch, wie in bauer,
ohne vertretung z. b. in ahd. wisso
profecto, einmal aus einer bair. quelle des 8.
jahrh. Graff 1, 1106
für gawisso (
vergl. II, 3,
a),
wie auch alts. einmal wis
adj. neben gewisso
adv. (
altn. blosz noch viss),
und noch später rheinisch in den wissen tôt varen,
in A gewissen
Rol. 52, 21 (
umgekehrt wisheit
in a für gewisheit 26, 14), ich bin es alles wol wis
En. 40, 17,
md. unwis
wb. 3, 795
b,
mnd. wis, wisse,
doch adv. auch noch gewisse;
der abfall begann notwendig bei den gebrauchtesten worten. übrigens s. die sammlung Haupts
zu Erec s. 358
ff., wo aus dichtern urkundlich belegt sind oberd. z. b. bette
für gebette
bettgenosz, spil
gespiele, sæʒe (
vgl. Rol. 21, 3
var.), schaft, wæfen, mach, maʒʒe,
md. sellen
für gesellen, dank
gedanke, heiʒ
geheisz; s. auch bûr
schon Lohengr. 3326,
wie bûrschaft 2854, bûrvolc 2875,
alem. haʒ
adj. für gehaʒ
wb. 1, 641
b,
österr. bei Heinr. v. Neustadt schiht (Strobls
ausgabe s. xvii),
wie md. z. b. Haupts zeitschr. 16, 254. 269;
md. auch z. b. vatere
gevatter Haupt 5, 446,
vgl. auch sothan
für mhd. sô getâ
n. Es ist streit über die metrische behandlung des ge-
bei den mhd. dichtern, das dem verse oft im wege ist, streit ob sie es ganz abgeworfen oder nur das e
verschluckt wollten. nach dem vorliegenden gehen beide behandlungen im allgemeinen weit genug zurück, um sie auch der höhe der mhd. zeit schon zuzutrauen, und wie die hss. fast immer die behandlung dem leser überlassen, so war sie vermutlich schon damals getheilt nach mundart oder gewohnheit. wie weit schon in der besten zeit das verschlucken gieng, zeigt Thomasins pentekeit
für behendekeit
im welschen gaste 8173. 8180,
und danach braucht man auch gschiht
und dergl., das Rückert
s. 564
annimmt, nicht zu bezweifeln; s. auch denselben zum Lohengrin s. 265
fg. über wurden gevlohten
u. dergl., was viersilbig sein musz. wenn aber anderseits eben in Österreich um 1300 schiht
für geschiht
bei dichtern geschrieben wurde, wie beim Heinr. v. Neustadt,
so ist wol eben so sicher dasz man auch vom abwerfen gebrauch machte wenigstens für den dichterischen stil. vgl. unter 2,
b, β. I@3@b@dδ)
in der nhd. zeit zeigt sich der reine abfall vor der wiederherstellung des 17.
jh. ziemlich entwickelt im vers und in prosa, nachher wesentlich nur noch im verse und nur vereinzelt; s. z. b. bärde, bärden
für gebärde, gebärden, bisz
für gebisz (
auch bei Luther,
s. Dietz 1, 770
b), dank 1
für gedanke,
mhd. gedanc (
vergl. in Basel die dankstube
zur berathung der urtheilsfinder Ochs
gesch. von Basel 2, 369),
auch bei Luther danken
pl. Dietz 1, 394
b, bot
gebot, bräng
gepränge, büren
gebühren, dicht
n. gedicht, dächtnis,
auch z. b. kloster 8, 793, fahr
gefahr, ruch
geruch, laech
gelag Trochus O 3
a, spreg mit worten,
gespräche (
adj., -g
für -ch) Waldis
Es. iv, 59, 6.
doch ist im einzelnen falle oft schwer zu sagen, ob abfall vorliegt oder, wie in oberd. schriften, die verschlngung des g-
unter β,
oder auch eine altberechtigte nebenform, wie in wertig
gewärtig Wickram
rollw. 141, 1, hören
gleich gehören, zustehen
gleich zugestehen (
z. b. Reimarus
in Lessings beitr. 3, 207),
denn die sprache schwankt darin trotz aller mühe um regelung doch bis jetzt. bemerkt sei nur noch, dasz Göthe
auch in briefen, also im schnellsten schreiben, formen ohne ge-
gern brauchte (
vgl. beim partic. II, 6,
d),
z. b.: der verlag hört Mercken. Göthe
u. Werther s. 174; wo ich im groszen fürstenhause ganz allein wie ein spenst mit meinem diener wohne.
an frau v. Stein 1, 182; selbstlob! nur dem neide stinkts, wohlgeruch freunden und eignem schmack.
werke 5, 158. I@3@b@eε)
zur beurtheilung des abfalles noch ein paar proben bei andern vorwörtchen. unser kriegen
nancisci ist wahrscheinlich aus erkriegen
gekürzt, s. V, 2235,
wo mehr dergl. fälle, besonders aus dem nd. und md.; für empfangen kommt phâhen
vor, dessen ph-
nur durch gewaltsame kürzung aus enphâhen (
d. i. entfâhen)
begreiflich ist, in der übergangszeit vom ahd. zum mhd., die so viele nachher wieder beseitigte sprechfreiheiten auch in der schrift zeigt: (si sulen) die ellenden phâhen. Diemer
ged. 288, 17; swer einis abbetis namen phêhit (
die würde empfängt).
Haupts zeitschr. 16, 229,
mehr stellen in Diemers
gen. und ex. 2, 247, Müll.
u. Scherer
denkm. 2.
ausg. s. 576,
in den ausgehobenen ist zugleich der äuszere anlasz sichtbar in dem vorhergehenden -en (
s. auch sô ni phiengen si Müll.
u. Sch. 216, 36, erne phâch
spec. eccl. 119, ne = en,
man sprach schon ernphâch),
wie wider erkriegen
zu widerkriegen
wurde. ähnlich ist ein andres en-
abgefallen in kein,
das man doch auch als ent-
auffaszte (
s. V, 491
unten).
selbst ver-
abgeworfen in dampnus
Lohengr. 2846, dampnis Lexer 1, 408.
vergl. auch gegnen
für begegnen
z. b. Teuerd. 11, 39, hagen
für behagen, ginnen
für beginnen.
zum einfachen wegfall von ge-
aber s. auch ags. suhtorfädran
unter III, 1,
b, auch III, 2,
c. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
Die erreichbar älteste bedeutung ist eine zusammenfassende, in vielseitiger verwendung, am erkennbarsten bei subst. II@1@aa)
am lehrreichsten und alterthümlichsten, wie auch das goth. nichts bietet (
das doch gewiss dergleichen auch hatte),
ist das alts. gesunfader: sâtun im thie gesunfaderan ênemu sande uppan.
Hel. 1176 (35, 10 Schm.),
saszen sich söhne und vater zusammen an einem ufer oben; man findet sich in das fremdartige doch leicht hinein, wenn man auch nur dazu hält das kurz vorhergehende bêðiun thêm gibrôðrun 1164,
beiden brüdern zusammen oder gebrüdern
wie ja noch erhalten ist. das alterthümliche ist, dasz ge-
rein äuszerlich hinzutritt einer partikel gleich, wie jetzt und
in unserm söhne und vater,
nur mit dem unterschiede dasz die kürzung von sun-
für sunî
oder sunu
andeutet, dasz alle drei worte unter éinem ton schon zu éinem wortganzen zusammengesprochen waren (
wie doch auch in 'söhn und váter'
ähnlich, vgl. unter käsenbrot);
die voranstellung des bindenden ge
statt der zwischenstellung, die unsere gewöhnung verlangen würde, ist nicht befremdlicher als die nachstellung des lat. que, filius paterque;
vgl. im Hildebrandslied das gleichbedeutende sunufatarungo
und dazu gattung (1,
c)
gleich gegate,
s. auch Schm.
2 2, 651
unten. II@1@bb)
die bildung von diesem gegate,
von gebrüder
ist deutlich im grunde dieselbe, nur dasz da nicht mehr verschiedennamige, sondern gleichnamige durch ge-
unter einen begriff versammelt werden, sodasz statt des dortigen sing. der plur. eintrat (
wie dort schon im art. thie);
denn pluralisch müssen diese bildungen zuerst gewesen sein, wie ja gebrüder
noch, wie ahd. thio gisuester Otfr. III, 24, 55,
mhd. geswester,
alts. thia giswester,
die schwestern. ein weiterer schritt konnte aber nicht ausbleiben, dasz man aus der gesamtheit éinen herausnahm und ihm doch den namen liesz, der ihn als zu jener gehörig bezeichnete (
wie nhd. z. b. gesellschaft
für geselle, vgl. unter kamerad),
aber singularisch, also gegate,
einer von den gegaten,
daneben doch auch blosz gate
gleichbed. (
s.gatte I, 5. II, 3,
b),
wie goth. gajuk
n. gleich juk
n. ζεῦγος,
paar, eigentlich ein gespann von zugthieren, ganiþjis
gleich niþjis
vetter, weil schon das einfache wort den begriff des ga-
mit enthielt. II@1@cc)
es treten aber dann auszer dem ga-
auch noch andere bezeichnungen des zusammen ein. dahin gehört wol schon das neutr. geschlecht z. b. in goth. gaman
genosz, μέτοχος,
κοινωνός (
vgl. altn. man
n. knecht, jenes eigentlich mitknecht?), gajukô
genosz, σύζυγος; vgl. nhd. das gemahl,
dessen n. man danach als ursprünglich vermuten möchte, und das gleichbedeutende nrh. gegade
n. sp. 1497
unten, wie nhd. das ehegatte
von weib und mann sp. 1496;
das n. war da in seinem eigensten berufe, wesen von verschiedenem geschlecht oder art zusammenfassend zu bezeichnen, dann auch eine mehrheit überhaupt (
vergl. V, 472
fg.),
auch diese neutralformen mit ga-
hatten danach ursprünglich pluralischen zweck. Ein neues bezeichnungsmittel tritt noch dazu mit -i
z. b. in goth. gaskalki
n. σύνδουλος (skalks
m. δοῦλος),
zuerst gewiss von der gesamtheit der sclaven eines herren. so noch ahd. giknihti
n. (giknehti)
bei Otfried
von den jüngern Christi Graff 4, 580, gidigini
n. gefolgschaft, dienerschaft 5, 122,
mhd. gedigene (
zu degen II, 895).
Noch mehr erweitert z. b. ahd. gimahhidi
n. par, conjux Graff 2, 639,
also von beiden wie von einem, wie für geschwister ahd. vermutlich giswisteridi (
s. Schm. 3, 552),
mhd. geswisterde
und geswistrîde. II@1@dd)
die neutrale bildung mit ga-
durch -i
verstärkt ist besonders in bezug auf dinge, auch thiere, reich entwickelt worden und hat unsrer sprache die gebrauchteste collectivbildung geliefert. II@1@d@aα)
von thieren z. b. ahd. gifugili,
mhd. gevügele, gehünde,
auch mit dem -idi
unter c z. b. gevihede (
vgl. unter γ);
nhd. mit verlust des -e (
wie in gewissen fällen schon mhd.) gewürm, gethier, ungeziefer, gewild, geflügel. II@1@d@bβ)
von dingen z. b. goth. gaskôhi
schuhwerk, ahd. giscuohi (
ags. am ende stark entstellt gescŷ),
noch landschaftlich z. b. in Sachsen geschüche;
mhd. z. b. geræte,
eigentlich aller hausrat zusammen (
nhd. auch auf das einzelne stück erstreckt, wie u. b), gestüele, gebende
bandwerk u. ä., gederme, gebeine, gesteine, geböume, gebirge, gestirne, gewülke
und gewülkene, gehürne, gemüete,
jetzt gebein, gestein, gedärm, gefieder, gestirn, gewölk, gehörn, gebüsch, gepäck, gebälk, gebett, geblüt, gewürz, gerät, gemüt,
kaum dasz man das -e
noch z. b. in gerippe, gebirge, geschirre
neben den gestutzten formen duldet oder den dichtern verstattet, man sucht die -e
vollends los zu werden, eigner weise in dem gefühl, die formen damit zu veredeln (
wie bei dem adj.),
auszer bei niedrigen begriffen, wo sich das nicht der mühe verlohnt, z. b. gekröse,
oder bei seltnen, auch neu eingeführten oder aufgefrischten worten wie gebände (
z. b. reimgebände), gelände, gefilde;
doch bleibt meist (
auszer dem ge-)
eine erinnerung an das ursprüngliche -i
theils im umlaute theils in dem ungebrochenen tonvocale wie in gestirn, gebirg, gefieder.
merkwürdig und noch recht lebendig das gefräulein (
s. d.),
weiblicher hofstaat; noch spät auch bei fremdworten angewandt z. b. in geschwader (17.
jh.).
s. auch 5,
c, γ und δ a. e. II@1@d@gγ)
wieder auch, wie gevihede
u. α,
z. b. mhd. geschüehede,
noch z. b. sächs. geschühde
neben geschüche,
mit -t
für -d gehöfte,
vgl. ahd. gastirnti
constellatio Graff 6, 724 (gestirnung Dief. 145
a).
aber in md. mundarten neben gebeinde
auch gebeinze
u. dgl., mnd. gebênete
und gebênede,
s. Bech
Germ. 10, 395
ff., 14, 431
ff., Grimm
gr. 3, 526.
bemerkenswert ist auch, wie statt der alten bildung mit ge-
dem sammelbegriff ein neuer ausdruck gegeben wird besonders mit -werk,
z. b. schuhwerk, buschwerk, kräuterwerk (
mhd. gekriute), blattwerk, laubwerk, gitterwerk, gatterwerk
für gegätter, gegitter, lederwerk (
mhd. gelidere),
auch lederzeug, riemenzeug, viehzeug.
eine alte collectivbildung dagegen ist z. b. die von kräutich
oder kräuticht (
s. d.),
auch mit ge-
auszerdem gekräutich
hess. Vilmar 224, gebeinicht, getreidich
u. a.; aber auch das -i
ist wol urspr. schon für sich collectivisch gewesen, z. b. in ahd. churni
körner (
s.korn I,
d), hirni
gleich mhd. gehirne
cerebrum, beini
gleich gibeini (
s. unter gebein 1,
a),
alts. gerwi
gleich gigerwi
rüstung, wirki
gleich giwirki
Hel. 3429,
vielleicht auch in ahd. chunni,
goth. kuni (
s.künne),
die gesippen als ganzes, s. auch unwitari
sp. 1608. II@22)
Eine andere wendung nahm der alte begriff des ga-,
indem es mehrere zusammenfaszte nicht im ganzen, sondern nur an einem punkte gleichsam, in einer beziehung zwischen ihnen, womit denn der begriff des ga-
das unsinnliche gebiet betritt. II@2@aa)
sachlich z. b., zugleich mit dem vorigen sich berührend, in mhd. gewicke
n. wegscheide, kreuzweg, ahd. giwicki
bivium, trivium Graff 1, 671,
nicht sowol zwei, drei wege zusammen, obwol das nicht ausgeschlossen ist, als vielmehr die stelle wo sie zu einem werden. II@2@bb)
besonders von menschen in bezug auf dinge die sie gemein haben, z. b. goth. gabaurgjans
συμπολῖται Eph. 2, 19,
die zusammen in einer burg, stadt sind, garaznans
die zusammen in einem hause (razn)
sind, daher nachbarn, γείτονες; natürlich dann auch von éinem, z. b. gamarkô
grenznachbarin, ahd. gilante
m indigena, patriota, landgenosz, alts. gelendo
accola, landnachbar, goth. gahlaiba
genosz, eigentlich der dasselbe brot mit andern iszt, entsprechend dem mhd. gemaʒʒe (
von maʒ
speise),
genauer dem altfranz. compains (
s.compan, kumpan), galaista
der mit andern einen weg (laists)
geht, ebenso gasinþa (sinþs
gang),
mhd. gesinde
m.; ahd. ginamno,
mhd. genanne,
der éinen namen mit andern hat, gebette
bettgenosz, gatte. so noch z. b. geselle,
ahd. gisello
contubernius, der éine wohnung (sal)
hat mit andern, mundartlich z. b. galter (
s. d.)
altersgenosz, ahd. gialtiro.
auch auf fremdworte angewandt zur verdeutlichung z. b. in gespons (
lat. sponsus)
nach gemahl
u. ä. II@2@cc)
weiter in fällen, wo das einigende nicht mehr ein sinnlicher gegenstand, sondern ein thun oder verhältnis ist, daher auch verbal (
mit dem vorigen doch leicht verflieszend),
z. b. genossen,
eigentlich die an éinem tische oder sonst den genusz haben, ahd. ganôʒ, ganôʒo
sing. zu nioʒan
frui, uti (
vgl. unter 5,
c, α); gefährten,
mhd. geverten,
die éine vart
machen, gespielen, geerben
die an demselben erbe theil nehmen (
goth. gaarbjans), geteilen
alle die bei einer theilung '
betheiligt'
sind (
goth. gadailans), gevattern
die mit dem vater die geistige vaterschaft übernehmen, gewerken
zunftgenossen. jetzt wird das ge-
lieber neu ausgedrückt durch mit,
z. b. mitarbeiter, mitspieler, miterbe, mitreisender,
schon im späteren mhd. z. b. mitteile
für geteile
theilhaber, miterbe,
auch mit dem alten zeichen zusammen z. b. schon im spätern mhd. mitgeselle, mitgenôʒ, mitgewerke,
vgl. mitganerbe
sp. 1217,
selbst schon goth. miþgasinþa
συνέκδημος,
reisegefährte, noch deutlicher eben durch diesz gefährte
oder genosse,
auch kamerad,
wie spielkamerad
gleich mhd. gespil, stubenkamerad
gleich dem ursprünglichen geselle.
mhd. auch eine andere verstärkung z. b. in ebengenôʒ, ebengelîch,
vergl.ebengad
gleich gegat
unter gatte I,
b, schon ahd. auch ebangilîh,
auch blosz ebanlîh.
vergl. Grimm
gr. 2, 749. II@33)
Adjectiva mit ga-. II@3@aa)
zuweilen wol unmittelbar aus dem entsprechenden subst. (
vgl. Grimm
gr. 2, 744),
z. b. dem gegate
unter 1,
b entspricht ein mhd. adj. gegat,
ahd. gigat,
s. unter gatte I,
b, das versagte pfund dort wird dem bittenden als niht gegat
bezeichnet, nicht angemessen, ursprünglich beide verglichen als wären sie gleiche wesen wie u. 1,
b (
gleichsam '
ihr passt nicht zusammen'),
denn ebenso kommt genôʒ, ungenôʒ
deutlich adjectivisch vor, aber unflectiert (
s. dazu unter ehegenosz),
auch einandren genosz und geerb,
sich gegenseitig beerbend sp. 1218,
und auch in verwendungen die noch zwischen subst. und adj. auf der scheide stehen. II@3@bb)
die bed. des zusammen von ga-
bei adjectivbildung erscheint recht deutlich in gleich,
goth. galeiks
ὅμοιος,
von leik
n. leib, gestalt (
s. leiche),
urspr. von menschen oder dingen gesagt die der erscheinung nach wie éinen leib, éine gestalt haben. ähnlich gaviljis
einmütig, ὁμόθυμος von vilja
m. wille, stimmung u. ä. auch ahd. noch deutlich z. b. in ungaherz
discors Graff 4, 1046,
das ein gaherz
concors voraussetzt (Grimm
gr. 2, 745), gastimnaʒ
consonum 6, 683,
mhd. z. b. geminne
adj. von liebenden. ob nicht gewiss
urspr. bedeutete von vielen oder allen gewuszt? II@3@cc)
dem geminne
entsprechend und entgegengesetzt aber auch mhd. gehaʒ
feindselig, noch im 16.
jh. gehasz (
später neu als adj. bezeichnet gehässig, hässig),
wie dem mhd. gevriunt
gegenüber gevîent,
wenigstens mnl. ghevriend
und gheviand,
nrh. gefiant (mit einem) Harf
pilg. 142, 17.
ähnlich bezeichnete ge-
ein zusammen feindlicher art in gestrîte
m. gegner, gestrîten
pl. die zusammen streiten, ags. gewinna
kämpfer, feind, gesaca
widersacher, altfränk. gasachio (
rechtsalt. 855).
da kann denn das ge-
doppelsinnig werden, beide gegensätze ausdrücken, wie in mhd. kampfgenôʒ,
sowol mitkämpfer, als gegner im kampfe, und wie noch in mit einander
oder zusammen kämpfen;
man sieht daraus, wie der begriff des zusammen in seiner weitern ausdehnung, die das leben herbeiführte, in den einer beziehung, eines verhältnisses überhaupt übergehen konnte, muszte. daraus wird sich manches ge-
erklären, das uns jetzt dunkel ist (
nicht blosz beim adj.),
z. b. vielleicht mhd. getriuwe,
ahd. gitriwi
neben goth. triggvs,
eigentlich von dem verhältnis des gegenseitigen trauens; mhd. geschol
schuldner, mîn geschol
der mir schuldet. ob schon goth. gaguds
fromm eig. in naher beziehung zu gott? II@3@dd)
auch eine andere ausdehnung des gebrauchs von ge-
läszt sich vielleicht aus dem unter b begreifen: gevriunt,
eigentlich von vielen in ihrem verhältnis der freundschaft, verwandtschaft (
patricii die gefrunten Trochus E 3
a),
dann auf den einzelnen angewandt, muszte den begriff bekommen: mit freunden, verwandten versehen, noch deutlicher in der verneinung ungevriunt
freundlos, ohne verwandtschaft; man fragte einen, wie gesippe
er wäre, was für verwandtschaft er hätte. dann ohne erkennbare beziehung der art (
vgl. Grimm
gr. 2, 745
fg.)
schon goth. gaskôhs
beschuht, ahd. gibart
bärtig, ungibart
impubes, gifedar
ales, mhd. geveder
und gevider
mit federn versehen, gehâr
behaart, gemâl
mit bunter zierat, gesinne
mit sinn oder sinnen versehen, gesit, gevar
farbig (
neben var),
ahd. auch kelop
ruhmvoll, s. Müll.
u. Sch.
denkm.2 293.
noch im ältern nhd. und noch jetzt in mundarten sind solche adj. viel geläufig, z. b. geerb (
s. unter 2,
c), geschmack, wolgeschmack, ungeschmack, abgeschmack (Schm. 3, 463),
in der schriftsprache noch z. b. wolgemut,
mit gutem mute (
s. auch gewahr, gelenk).
aber auch ohne hülfe des ga-
goth. rûms
geräumig neben rûms
m. raum, wie noch nhd. raum
adj. neben geraum,
das seinerseits auch neu und deutlicher adjectivisch bezeichnet wurde in geräumig;
ags. dagegen neben gerûme
adj. auch ein subst. gerû
m. II@3@ee)
sie sind später vielfach in participia umgesetzt worden, wozu das ge-
unfehlbar verleiten muszte, z. b. gebartet, gefiedert, gesinnt, gesittet, gesippt, gefreundet, geerbt, gewohnt (
landschaftlich noch gewohne,
mhd. gewon), wolgeschmackt, abgeschmackt,
und schon mhd. auch gesinnet,
ja schon ahd. auch gefidert
als übers. von pennatus, alatus Graff 3, 449;
s. dazu 6,
e. auch be-
ist für diesz ge-
eingetreten, nachdem mans participisch verstand, z. b. befiedert, bebartet, befreundet, beschuht,
wie unser beritten
aus mhd. geriten
gemacht ist. II@44)
Die reichste entwickelung aber hat es beim verbum gefunden; doch gehört das noch mehr als das vorige eigentlich der grammatik an und kann hier nur andeutungsweise behandelt werden. II@4@aa)
auch hier ist zunächst der begriff des zusammen deutlich (
vgl. Grimm
gr. 2, 833
ff.),
z. b. in goth. gagaggan
zusammengehn, sich versammeln, συνέρχεσθαι, gaqviman
zusammenkommen, garinnan
zusammenlaufen, συνάγεσθαι, galaþôn
συνάγειν,
neben den einfachen gaggan, qviman, rinnan, laþô
n. jetzt ist ga-
eben durch zusammen
ersetzt, doch ist es noch immer leicht zu erkennen in gerinnen
von milch u. ä., wofür doch auch deutlicher zusammen laufen
gesagt wird; ähnlich gefrieren
congelari, gestehn
consistere. mhd. z. b. in gehellen,
übereinstimmen, eig. von einer menge die bei einer verhandlung '
einhellig'
das selbe ruft, zustimmend sich ausspricht (
vergl.gelt gleich nichtwahr?),
doch ward auch da schon mhd. gern das ge-
neu verdeutlicht durch zugesetztes in ein, gelîche; gestân
eig. zusammentreten, im kampfe, in der not (
was in Schillers
Tell 1, 3
genau entsprechend mit zusammen stehn
ausgedrückt ist),
dann vom einzelnen einem '
beistehn',
beitreten als helfer überhaupt, besonders vor gericht. sich gefriunden,
durch heirat in eine verwandtschaft, freundschaft kommen Berth. 32, 20.
vgl. auch gelegen,
eigentlich nahe liegend (
gegensatz entlegen),
dann günstig gelegen, mhd. geseʒʒen
mit dat., benachbart. II@4@bb)
gerade hier freilich hat sich die entwickelung so weit und so früh über den ursprünglichen begriff hinaus verbreitet, theils ausgeweitet theils wieder beschränkt oder verdünnt, dasz er schon im goth. oft nicht mehr, ja oft ein unterschied von der einfachen form überhaupt eigentlich nicht mehr zu erkennen ist (
vgl. den versuch der aufklärung von Bernhardt
in Zachers
zeitschr. 2, 158
ff.),
an und für sich begreiflich, da die sog. partikeln unter allen wörtern die raschlebigsten sind und ga-
unter ihnen die meist gebrauchte; tritt es doch schon dort mit dem gerade entgegengesetzten begriffe gesellt auf in gaainan,
trennen, eigentlich vereinsamen, ἀπορφανίζειν 1 Thess. 2, 17.
zum groszen theil wird die entwickelung ausgegangen sein von dem begriffe des verhältnisses zwischen zweien oder mehreren, der sich unter 3,
c herausstellte und zu dem das verbum seinem wesen nach die meiste gelegenheit bot, erweitert zur bezeichnung von beziehungen aller art, deren auffindung an der hand des gebrauchs im leben (
man verfährt im allgemeinen bei solcher arbeit noch zu abstract, bleibt zu sehr in den sog. begriffen stecken)
bei einzelnen wichtigen wörtern zu versuchen ist. ein lebendiges verhältnis steckt wol ursprünglich z. b. in dem ge-
von gehören (angehören, zugehören),
ein geistiges z. b. in ge denken, glauben, gönnen,
vom äuszeren zum inneren fortschreitend in gebühren, geziemen, gefallen. II@4@cc)
in anderer weise schlieszt sich an das urspr. zusammen leicht erkennbar an der begriff des vollständigen, fertigen, daher auch des bleibenden in manigfachster weise; goth. z. b. brikan
κλᾶν,
brechen 1 Cor. 10, 16 (
das brot),
aber gabrikan,
κατακλᾶν,
συντρίβειν,
ganz zerbrechen. das bleibende z. b. in mhd. gestân
stehen bleiben, gesitzen
sitzen bleiben, gestecken
stecken bleiben (
auch bestecken, bestân),
vgl. J. Grimm
gr. 2, 843, L. Tobler
in Kuhns
zeitschr. 14, 128
ff.; auch diesz schon goth. z. b. in gastandan
μένειν Joh. 8, 31 (
vgl. Bernh.
a. a. o. s. 163);
auch in dem gaainan
wird ga-
so gemeint sein, dem ἀπό entsprechend das beim griech. verbum oft die völligkeit eines thuns bezeichnet, unserm ver-
ähnlich, vgl. Grimm
gr. 2, 837.
auch bei adj. z. b. goth. neben hails
gesund gahails
ganz gesund, wie noch nl. md. geheel
neben heel
ganz. wie das ge-
sich beim zeitwort überhaupt ausgedehnt hat, das erforderte eine darstellung für sich; es erscheint bei vielen verbis, die es jetzt nicht mehr haben, aus mhd. zeit her tief ins nhd. hinein (
vergl. besonders 7,
a);
dabei liegt in vielen fällen die grosze schwierigkeit oder unmöglichkeit vor, zu unterscheiden, ob es dem verbum überhaupt oder nur einer einzelnen form angehört, und so bis ins goth. zurück. II@55)
Denn auch innerhalb der verbalen formenbildung selbst, nicht blosz zur herstellung zusammengesetzter verba wie andere vorwörtchen, hat ge-
eine reiche verwendung gefunden, es ist unmittelbar in den dienst der grammatik getreten, um zeitlichen und mancherlei anderen beziehungen, die noch zu beobachten bleiben, den ausdruck zu geben, zum theil als eintretender ersatz für die mangelnde oder geschwundene gröszere auswahl der zeit- und beziehungsformen des verbums. gerade über diese grammatische geschichte und bedeutung von ge-
ist die beobachtung und sichtung schwierig und eben noch im gange, s. Grimm
gr. 2, 843
ff., fürs mhd. und ahd. besonders Wackernagel
in seinem wb. zum leseb., fürs goth. Bernhardt
a. a. o., im allgemeinen auch L. Tobler
in Kuhns
zeitschr. 14, 108
ff.; hier ist wesentlich nur das nhd. zu berücksichtigen. II@5@aa)
das fertige, völlige eines thuns ist in ge-
z. b. im folg. als bezeichnet zu erkennen. II@5@a@aα)
beim praet.: und als sie nun das mol geheten und fil gemeiner red gedeten, fragt in (
den eingeladenen) der kaufman auch der mer
u. s. w. H. Folz
bei Haupt 8, 518,
wie sie nun das mahl gehalten (haben
gleich halten)
und viel des gewöhnlichen geredet hatten, mit dem man beginnt in solchen fällen, da brachte der wirt die hauptsache zur sprache; do der haubtman gelas den brief, gar wenig necht er überschlief
u. s. w. Teuerd. 65, 21; do der paur die milch gefrasz, wie bald er des hungers gar vergasz. Uhland
volksl. 650; alsbald ich nur darein gekroch .. Adrians
mittheil. 405; alsbald er nun das imbis gasz, er wider auf sein pferdlin sasz. Wickram
bilg. 36.
man sagt da wol, das praet. würde durch ge-
zum plusquamperf. umgeprägt, aber das praet. gilt ja im erzählenden zusammenhange ohnehin schon mit als plusquamperf. (
wie der griech. aorist). II@5@a@bβ)
ebenso beim praes.: der meiger sol den herren durch den herbest geben für und lieht, unz man ze naht geisset, und went (welnt) die herren do noch (
darnach, länger) lieht und für, das sollent sü selber han (
sich halten), one sinen schaden. darzu (
zum essen) sol der meiger salz und zumus geben .. unz man ze naht geisset.
weisth. 4, 231,
elsäss. 16.
jahrh., ganz deutlich: so lange das nachtessen dauert, bis man damit fertig ist, mit der schärfe der bezeichnung die in rechtssachen nötig ist; ebenso deutlich im folg., schweiz. 15. 16.
jh.: und sol (
wenn in Rapperswil jahrmarkt ist) éin schiff von Rapprenschwil gan, so arm lüt gemerktend, dʒ ander, so die schuomacher ingelegent (
um sie über den see nach hause zu führen). 4, 353,
d. h. wenn die armen oder kleinen leute mit ihrem einkaufen (merkten)
und wenn die schuhmacher mit einlegen fertig sind, in einer bestallung für den fergen; wie bald wir gässen, wend wir ruowen. Ruff
Ad. u. Heva 1889. II@5@a@gγ)
mhd. z. b.: dô si mit freuden gâʒen, der wirt niht wolte lâʒen
u. s. w. Helmbr. 899; dâ hât manic hendel (
frauenhand) sîne vinger zuo gerüeret, ê sî sî gezierten,
mit der kunstvollen herstellung fertig wurden. Neidh. 86, 10,
von Hildemars haube; mit praes.: daʒ ir denne her wider sâ an guot gemach rîtet, als ir dâ gestrîtet.
Wigal. 161, 17,
mit dem kampfe fertig seid; welich fragner an dem marchtag vor non icht chauft, biʒ dy burger all gemarchtent.
Traunsteiner stadtordn. 1375
bei Schmeller 2, 4; geligent deu holz an der prugk,
sind die hölzer auf der brücke liegen geblieben, aus einem bair. rechtsb. das.; daʒ chein hübslerin hie in der stat wonen sol die heiligen vierzik tage, fürst man conplete gelutet.
Augsb. stadtb. s. 190,
nachdem die faste eingeläutet ist. ahd. z. b.: sô sî gechrumbet iro vart,
als übers. von cum glomeravit motum. Wackern.
leseb. (1839) 144, 29; daʒ rah Apollo .. mit tiu, daʒ imo der gîr dia lebera âʒe (
conj., essen sollte), unde alsô filo er geâʒe, daʒ si alsô filo gewuohse.
Boeth. 179,
wo vielleicht das ge-
zugleich das fortgesetzte, nicht aufhörende meint. II@5@a@dδ)
das fortsetzen oder die dauer eines thuns erscheint auch nhd. noch mit ge-
bezeichnet, z. b.: ietz hond wir die gröste not, wie wir den leib hübsch
machen, und legen grosz arbeit daruf, und wenn wir lang
gemachen und gemutzen (mutzen,
putzen), so würt er kum hübscher denn sant Anstetz fuoterfasz. Keisersberg
emeis O 4
c.
auch in den bildungen das gesinge, gebelle
u. s. w. (
s. sp. 1617)
ist das dauernde ein wesentlicher begriff. II@5@bb)
bis in die gegenwart reicht die neigung, bei den sog. hilfszeitwörtern den inf. dabei mit ge-
zu verstärken. II@5@b@aα)
so schon goth. bei mag,
ich kann (
besonders in verneinenden sätzen, vgl. dazu unter 7,
a, α),
s. Bernhardt 165, J. Grimm
gr. 2, 847
ff., wo auch vom mhd. und ahd.; für das hd. überhaupt bis ins 16.
jh. bringt eine wirkliche übermasse von beispielen (
über 120
seiten voll) Reifferscheid
in dem ergänzungsbande zu Zachers
zeitschr. 1874
s. 319
ff., zugleich als anfang und kleinen bruchtheil einer umfassenden untersuchung, doch nur über das '
wandelbare ge-' (Grimm
gr. 2, 844), »
welches, ohne die bedeutung des verbalen begriffes wesentlich zu verändern, mit dem verbum nur hin und wider, in bestimten fügungen des satzes verbunden wird«,
also in seiner am meisten entleerten erscheinung, die man doch, wie sie geschichtlich die letzte ist, auch zuletzt untersuchen sollte, wie mir scheint, weil sie doch nur eine verwischte gestalt der noch lebendigeren erscheinung des wörtchens ist, also nur daraus zu begreifen sein wird. II@5@b@bβ)
hier auszer einem mhd. belege nur einige beispiele aus nhd. zeit: wer getörste gewuochern, gefürkoufen .. gerouben oder gesteln oder ê gebrechen, sô man die hôhen herren sæhe ze banne getuon ...? Berthold 364, 8 (
wo zugleich das ge-
bei getörste
selbst und das bei getuon
noch fragen aufgibt).
bei mögen, können: dʒ da ein ferr (
der ferge) sol haben ein weidling, der sechzehen man müg getragen .. all jarmärckt sol er haben so vil schiffen, dʒ er lüt und guot wol gefertgen müg gen Rappenswil und dannen.
weisth. 4, 353 (
aber eben so gut daselbst mügent nemen, mügent triben); hend und finger, wann sy die nit geüben (
brauchend bewegen), gestrecken noch gebiegen mü
gen. Braunschweig
chir. 1498 16
b; wie du den (
hirsch) geschieszen oder gestechen möchtest. Steinhöwel
Esop. 1569 54
b; solten die leüt nit zuo samen reden? was mag es geschaden? Keisersberg
has im pf. c 1
a; so wunderschön, das ich es kaum mit worten ausgesprechen mag. H. Sachs 1, 102
a (
ebenda möcht haben); wie möcht mir denn ietz basz gesein. 102
c; iedoch so hielt in solch (
d. h. dasselbe) gespenst so steif, das er sich nit geregen mogte.
Zimm. chr. 2, 197.
bei können: dafür ein arzt nit kund gearzneien.
fastn. 345, 21; nicht gröszer güte kunt er uns geschenken. Luther
bei Mützell 24; also das man or (
ihrer) usz der stad nicht gebuchsen kunde. K. Stolle
Erf. chr. 25,
mit den büchsen treffen; du zeüchest so vil hörter knöpf herausz (
knoten aus der kunkel), dʒ du si nit gespinnen kanst. Keisersb.
spinn. N 1
b,
doch gleich darauf die wol spinnen künden (
d. i. können); wenn ich denn schon eraber fiel, was kan mir das geschaden viel? Alberus
controf. B 1
b;
noch spät im 17.
jh.: was kan man gemachen? Köhler
kunst über a. k. 90, 14,
im munde eines dieners, der derb und volksmäszig redet; aus bair. landtagsverhandlungen des 17.
jahrh. bei Schmeller
bair. gr. s. 383.
bei wollen: das ich fürbasz niemer nu keinen man wil genemen. Büheler
Diocl. 6549,
gleich nachher aber wolt nit uf stan 6558,
wo auch der vers gestan
zuliesze; nun wil ich aber hie gestillen.
königst. von Frankr. 1546,
doch gleich nachher wil sagen, wil lon; es wolt aber geprinnen ny, wy vil man darein schieszen lie (
feuerpfeile). Beheim
Wiener 101, 20,
gleich nachher es wolt aber nit prinnen
z. 30;
mehr bei Reifferscheid
s. 384. 392. 434,
wo auch belege für suln
s. 379. 392. 431, müeʒen
s. 379. 431, türren
und dürfen
s. 333. 334. 432
u. s. w., die allermeisten aber für mugen (90
seiten voll von den 120),
bei welchem ja die erscheinung im goth. begonnen hatte nach dem was uns vorliegt, die nächst meisten für kunnen, können,
das ja für mugen
mit eintrat; leider fehlen dort zur beurtheilung des ganzen belege für die fälle wo das ge-
nicht auftritt, deren verhältnis zu den fällen seines auftretens wenigstens ungefähr müszte übersehen werden können; der gewinn der mühe ist damit wenigstens halb verloren. II@5@b@gγ)
noch jetzt in den mundarten, z. b. schweiz. besonders eben bei mögen,
s. Reifferscheid 319,
doch nach Stalder 1, 98
nur in der alten bedeutung können, nicht in der von wollen, wie in den bair. Alpen gleichfalls Schmeller
gramm. s. 383,
in Franken am Main bei können,
das. s. 382,
in ganz Thüringen bei können, mögen
als regel, s. z. b. Regel
Ruhla 100, Schleicher
Sonneberg 62 (
wo ein ähnlich vortretendes be-
nach bleiben,
z. b. blei besitzen
bleib sitzen, es bleit beschtenna
es bleibt stehn),
in Hessen theils als ausnahmslose regel, theils nach belieben, auch bei wollen,
s. Vilmar 120;
mehr nachweisungen bei Schm.
2 1, 858,
wo aus Tambach in Oberfranken das ge-
auch bei wollen, müssen, sollen, dürfen,
z. b. ich will gsing, so sölls nöt gfahl (
fehl schlagen).
Der ursprüngliche sinn kann auch hier der des völligen, fertigen sein, denn bei allen jenen mögen, sollen
u. s. w. wird das gekonnte, gesollte eben als völlig erreicht oder erreichbar vorgestellt oder verneint (
gerade im verneinenden falle aber wol am lebhaftesten vorgestellt);
dasselbe ist es, nur noch kräftiger, wenn mhd. bei weln,
wollen der inf. praet. vorgezogen wird, er wolte in erslagen hân
u. dgl., und eben darum mag da mhd. das ge-
seltner sein als man erwarten müszte. II@5@cc)
auch bei bildung der subst. und adj., die dem kreise des verbums angehören, hat ge-
reichliche verwendung gefunden. II@5@c@aα)
persönliche substantiva verbalia zum activum gehörig, wie genosz (
s. 2,
c),
ursprünglich in doppelform, stark und schwach; mit dem praesensvocal mhd. neben genôʒe
auch genieʒe
m. f. (
minn. frühl. 97, 13), gehilfe
und gehëlfe,
auch starkf. gehelf (
wie genôʒ
neben genôʒe),
ahd. gihëlfo;
mit dem vocal des praet. jetzt gehülfe,
altmd. gehulfe (
vgl. adj. geholf
unter ε),
schon später mhd. auch in neuer ausprägung mithelfer; erbgenahme (
s. d.),
mnd. erfgenâme (
neben erfnâme)
miterbe; übrigens ist dasselbe ge-
mit gleicher kraft auch im verbum schon früh vertreten, ahd. gihëlfan
mithelfen, ginioʒan
zusammen oder ganz nioʒan,
es ist wie beim part. praet. (
s. 6). II@5@c@bβ)
sachliche subst. verb., sowol activisch als passivisch, oder beides im begriffe zusammenstoszend, und in verschiedenster bildung. in einfachster bildung vom nackten stamme (
vgl. Grimm
gr. 2, 739
ff.),
goth. galiug
n. lüge, trug von liugan
lügen, gahait
n. zu haitan,
ahd. giheiʒ,
mhd. geheiʒ
m., nhd. geheisz (
doch eben so gut zu gahaitan, geheiʒen
passend oder gehörig),
mhd. gerich
m. n. zu rëchen
rächen, gerëchen, getrîp
n. zu trîben, gewalt
zu walten, gehalt
zu halten, gehalten, gelâʒ
zu lâʒen, gelâʒen.
und wie diese vom praes. genommen sind, so andere vom praet., wie geschosz
n. von schieszen, gesang
m. von singen, gedrang
von dringen,
mhd. geschrei
n. m. von schrîen,
nhd. geschrei
n., noch im 15.
jh. so lebhaft als verbale bildung gefühlt, dasz z. b. zu feindio schreien
auch sagbar war: wer es sach, das ein feindeio geschrei im lande würde.
weisth. 6, 48,
das ge-
zugleich mit dem vollen begriff des zusammen, als schreien vieler, im unterschiede vom schrei
des einzelnen (
ahd. screi
und giscrei).
auch mit dem zweiten vocal des praet. z. b. geruch
m. von riechen, genusz
m. von nieszen
oder genieszen, gebisz
n. zu beiszen,
mit allen drei ablautsvocalen aber von binden : gebind, geband
und gebund
n., zusammen gebundenes. auch mit brechung gebot
n. von bieten, gebieten,
mhd. getroc
n. trug von triegen (
s. auch gebet),
wie zum praes. ahd. gifëht
n. kampf, mhd. genieʒ
m. genusz (
s. geniesz), geberc
n. von bergen, gewerp, gewerf
m. zu werben,
mit nebenform gewerft, gewerbt (
s. folg.).
auch zu schwachen verben z. b. geschmack
zu schmecken, gesatz
zu setzen,
mit dem reinen vocal, wie auch mhd. gedanc
m. zu denken,
jetzt gedanke. II@5@c@gγ)
mit besondern abzeichen auch am ende, wie eben gewerft,
besonders mit -i
von starken verben z. b. getränke
n., mhd. getrenke
neben getranc
n., zugleich mit den collectiven u. 1,
d sich berührend, oft verflieszend; so gespräch,
ahd. gisprâchi,
das zusammensprechen, verhandlung u. ä., mhd. gebræche,
jetzt entstellt gepräge,
von brechen; geschütz,
mhd. geschütze,
geräte zum schieszen, wie gewehr
von wehren.
dann ebenso von schwachen verben goth. gaþanki
n. zu þankjan
denken, nhd. gefälle
n., gefüge,
mhd. gesetze, gerihte, getihte, geriute,
jetzt gesetz, gericht, gedicht,
wie gehör, gefühl
u. s. w. Ferner mit lingualer endbildung (
s. Grimm
gr. 2, 742
fg.)
goth. gaskafts
f., mhd. geschaft
f. zu schaffen, genist
f. (
neben genis)
zu genësen,
nhd. gesicht
n. zu sehen, gewicht
zu wiegen,
älter nhd. mhd. geschrift,
ahd. giscrift (
neben giscrîp
n.)
zu scrîban.
mit -st
z. b. gespinnst,
mhd. gespunst (
auch gespünne)
zu spinnen.
ferner goth. gabaúrþs
f., mhd. geburt,
goth. gahugds
f. bewusztsein und ähnl. (hugjan
denken),
ahd. gihuct, gihuht
f., aber auch gihucti
und gihugida,
memoria, mhd. gehügede
f. neben gehuht
f. und gehüge
f., ebenso neben mhd. geschaft
auch gescheffede
f. und n., geschefte
n., ahd. giskafti
n., giskaffida
f., neben gesetze
mhd. gesetzede
f. und n., neben gemæle
n. gemælde
n., neben gehœre
n. gehœrde
n. f., wie noch nhd. gebräude, gebäude
n. neben gebräu, gebäu;
s. auch gelübde, getreide, gemächte, gerücht,
und die entsprechenden bildungen unter 1,
d, γ,
auch hier wie dort mit dem md. -z
z. b. gemêlze
gemählde, gebûweze
gebäude, gerûfze,
s. Bech
Germ. 10, 395
ff. bei diesen gemählde, gebräude, gebäude, gebilde, geschrift, gespinnst
u. dergl. ist mit ge-
wol das fertig bringen bezeichnet, das ja zum theil und oft wesentlich in einem zusammenbringen besteht. II@5@c@dδ)
sehr entwickelt ist hauptsächlich nhd. ein infinitivisches subst. verb. mit ge-,
ich meine das seinem werte nach dem substantivischen inf. ganz nahe steht, ihn oft geradezu vertritt, wie das gesinge
gleich das singen, das geschiesze
gleich das schieszen (
vgl. Grimm
gr. 2, 744).
ursprünglich mit -i
wie unter γ,
doch nur vom praes. genommen; vergl. schon goth. garûni
n., Matth. 27, 1. 7 garûni niman
wechselnd mit rûna niman,
συμβούλιον λαβεῖν,
Marc. 15, 1 garûni taujan
συμβούλιον ποιεῖν,
eigentlich heimliche, raunende beratung, ags. gerŷne, wordgerŷne,
ahd. garûni,
mhd. geriune;
in dem goth. ga-
ist da noch das alte '
zusammen'
enthalten, raunendes zusammenreden, als verb. zu vermuten rûnan
nach birûnains,
vermutlich auch garûnan.
ähnlich ist goth. galigri
n. beilager, eheliches zusammenliegen (ligrs
m. lager, beilager),
ahd. aber auch noch blosz ligiri Graff 2, 95, galigiri
gewiss nur zufällig unbezeugt, wie das zeitwort dazu, vgl. mhd. gelëger
n., lëgern
sich lagern (
s.geläger).
ahd. sonst z. b. gafolgi
n. folgsamkeit Müll.
u. Sch.
denkm. 525 (465),
mhd. z. b. gelæʒe
n. neben gelâʒ, gedringe
n. neben gedranc
m. und gedrenge
n., geschrîe
n. neben geschrei,
aber auch geschreie
n., die dritte form wie zwischen der zweiten und ersten vermittelnd, vergl. genasch (: drasch) Haupt 7, 381
neben genasche
und genesche
mhd. wb. 2
1, 317
a.
so schwanken mhd. gebrëch
und gebrëche, gevëht
und gevëhte,
die erste form die richtige alte nach β a. e., die zweite eigentlich mit fehler, da das -e,
wo es echt ist für ahd. -i,
die brechung nicht zuliesze, wie denn auch gevihte
bestand (Lexer 1, 958);
aber eben im späteren mhd. scheint das denken an den inf. sich eingeschlichen zu haben, das jetzt diese formen bestimmt. schon geniste
z. b., nicht viele nester, sondern ein nest, muszte das denken an nisten
herbeiziehen. doch noch mit umlaut z. b. geriusche, geswetze, genesche,
nhd. geräusch, geschwätz, genäsch, gewäsch,
anfangs auch z. b. gemürmel, gemürre,
jetzt gemurmel, gemurre.
Gegenwärtig als eine art nebenform des inf., z. b.: ihr rabenäser, habt ihr nicht ein geeile!
frau Schlampampe 81; und das gerenne und getreibe der leute! Engel 12, 261; das war ein geschrei, gefahre, gelaufe, getümmel, und wenn ball oder maskerade war, ein gefiedel, geflöte, geblase, gepauke — man hätte mögen von sinnen kommen. 12, 246; das ist ein gerutsche, gebrumme, gepoltre, gedusele, gedudele, geschreite, gewinsele und ein gerumore durch einander .. Immermann
Münchh. 2, 136 (4.
buch, cap. iii); von dem gekriz und gekraze (
actenschreiberei). Göthe
u. Werther s. 122, federgekrize 107.
die gewählte form wäre das rennen und treiben, ein fiedeln, flöten, blasen, pauken,
aber die kräftigere, volksmäszige ist jene und wird frei gebildet von jeglichem zeitwort, wie mit dem fremden -ei
z. b. fiedelei, blaserei,
auch von fremdwörtern: geht mir doch mit euerm beständigen geräsonnire von ehre. Weisze
kom. opern 3, 164.
gemeint ist sie meist geringschätzig, als ausdruck von verdrusz oder spott. daher auch gebraucht, um einem andern ein wort, besonders das er zum überdrusz braucht, '
aufzumutzen'
: Schlamp. ich wünsche nochmals, dasz dirs möge wol gehn.
Schelmufsky. ist das nun nicht ein gewünsche!
Schlampampe 91;
Thomas. narr, ich wollte sagen, dasz man wacht, weil mans gewohnt wird. so macht auch die natur, das will sagen ...
Marie. ach vater, sagt was ihr uns zu sagen habt, über dem gesage geht mehr zeit hin als wir verschlafen. Weisze
kom. opern 3, 163 (
ärntekranz 1, 2).
recht deutlich in der köstlich kühnen form gesâtze,
die man in Thüringen, Sachsen hören kann, gegen frauen die in das beliebte berichten von dem was andere gesagt, fortwährend getreulich einfügen sagt se (
inquit., ἔφη),
in der mundart sât se,
daher ärgerlich: hat díe e gesâtze!
wozu es denn einen inf. oder sonstige verbalform gar nicht gibt. ähnlich im westen, z. b. frankfurtisch, zugleich kräftiger in genitivischer form (
wenn es nicht zu der bildung mit -ze
gehört u. γ,
wie geräms,
ursprünglich geremze):
Keller. nein, sie ist nicht meine nichte, sondern —
Hampelmann. gott was e genichts, mer werd ganz ähnfällig. Malsz
herr Hamp. im eilwagen s. 62 (nichte
und nicht
gehen zusammen sieben mal vorher);
ebenso nl., s. im groszen nl. wörterb. unter ge
sp. 367,
wo z. b. aus Fokke
beigebracht wird al dat gebroer
für al dat 'broertje' zeggen ('
brüderchen'
sagen);
vgl. ähnliches unter be- I, 4.
Übrigens gehn diese bildungen bis ins nd., das doch dem ge-
sonst abgeneigt ist und es vielfach abgestoszen hat (
s. I, 3,
a), Dähnert 145
ff. nennt sie zu dutzenden, z. b. geslâp,
langes schlafen, gehûl, geplapper, gedön
langes verdrieszliches sprechen, in der regel mit abfall des -e
wie oberd. und rhein., während es im östlichen md. der form wesentlich ist und selbst nach -el
und -er
gesetzt wird, wenn die form ihre ganze kraft haben soll, z. b. geplappere
ewiges plappern, gelisple, gewimmre
u. dgl., wie vorhin bei Immermann, gebelfere Göthe 57, 127,
und selbst nd. z. b. bei Danneil gefrage
unaufhörliches fragen, gebidde, gegrunse, gedräge (drägen
tragen)
mit erhaltenem -e
das sonst dort fehlt, wie in oberd. sprache gerade da das ge-
seínen vocal gern behält, s. Schmellers
bair. gr. s. 51 'gépolter, gédräng, géklingel',
eine merkwürdige ausnahmestellung dieser formen im oberd. wie nd. Aber die vollen formen gelten für niedrig (
vgl. u. 1,
d, β und J. Grimms
urtheil gr. 2, 744),
obwol nicht ohne ausnahme, z. b. geläute,
stilmäszig sind die gekürzten nach oberd., rhein. art (
z. b. nassauisch grusz gegeng git grusz gekomm Kehrein 2, 28): geheul, gebrüll, gebrumm, gesumm,
und beliebt sogar, auch im edelsten stil, solche von frequentativen auf -eln
und -ern (
vgl. Grimm
a. a. o.),
wie gelispel, gewimmer, geflüster, gezwitscher, gemurmel, gewimmel,
deren sogar fast jeder schriftsteller neue bringt, so lebendig ist da ge-
noch wirksam. übrigens hat es da auch deutlich noch seine alte kraft, '
eine verlängerung, verstärkung oder vervielfältigung der handlung'
auszudrücken, wie Dähnert 145
a fürs niederd. angibt, denn gebettel
z. b. ist im grunde eins mit ewiges betteln,
wie der verdrusz sich auch kräftiger ausdrückt. auch im nl. ist die bildung ganz geläufig, selbst mit so freier stellung des ge-
wie: wat is hier een geïn- en geüitloop!
ein ein- und ausgelaufe (
nl. wb. a. a. o.). II@5@c@eε)
bei adj. verb., in einfachster bildung z. b. goth. gahvaírbs
fügsam, ungahvaírbs
unfügsam zu hvaírban
gleich ahd. hwerban, werban,
eigentlich sich im kreise bewegen; gaqviss
übereinstimmend zu qviþan
sprechen, eigentlich dasselbe sprechend (
vgl. gewiss
u. 3,
b).
ahd. z. b. gihel
einstimmend, zu hëllan
klingen, sonare, gihëllan
concinere, consentire (
vergl.gehellen u. 4,
a); giwon,
eigentlich zusammen wohnend? Andere mit ableitenden -i (
gr. 2, 747),
z. b. ahd. gisprâhhi,
mhd. gespræche,
noch nhd., der viel oder gut spricht, oder mit dem sichs gut spricht; gegänge
gleich gänge,
leicht gehend (
sp. 1243).
öfter wol passivisch, z. b. ahd. ginâmi,
mhd. genæme,
nhd. genehm (angenehm),
eigentlich annehmbar, genauer wol was alle nehmen, als vollgültig o. ä. (
vgl.gäbe sp. 1116
fg.); ungibrâchi
pertinax Graff 3, 269,
eigentlich der nicht zu brechen ist, starr; dasz das gi-
der bildung an sich nicht notwendig ist, zeigt wie das erwähnte gäbe
auch ahd. nâmi
acceptus Graff 2, 1073, unprâchi
rigidus 3, 269,
sodasz ungibrâchi
auch von gibrechan
confringere neben brechan
frangere genommen sein kann, also etwa '
was sich gar nicht brechen läszt'
neben unprâchi '
was sich nicht brechen läszt'.
s. auch gefüge, gebiege, gehebe
was viel faszt oder was fest hält, zu haben
halten, mhd. gehœre
folgsam. begreiflich ist die spätere erweiterung und sicherstellung des adj. durch eine neue endung, wie gesprächig, gefügig, gehebig. II@66)
Am ausgedehntesten ist ge-
beim verbum verwendet worden zur bezeichnung des part. praet., aber auch hier ohne durchzudringen. II@6@aa)
schon goth. erscheint ga-
als beliebt beim part., doch nur bei solchen verbis die auch sonst von dem ga-
gebrauch machen, sodasz es nichts dem part. eigenthümliches ist, wie doch beim hd. von haus aus gleichfalls nicht, s. J. Grimm
gr. 2, 845
fg., Bernhardt
in Zachers
zeitschr. 2, 164
fg.; auch der anlasz des zusatzes ga-
ist derselbe, wie bei andern formen des verbums, besonders beim praet. und inf. (
s. 4,
c und 5,
a. b),
d. h. das bedürfnis, die handlung o. ähnl. als fertig, abgeschlossen zu bezeichnen. da diesz aber beim part. praet., sowol in der activischen als der passivischen verwendung, doch den sachen gemäsz öfter und entschiedener auftreten muszte, als auch beim praet., das doch eben so oft ein nur begonnenes thun o. ä. zu bezeichnen hat als ein gelungenes, so begreift sich das weitere vordringen des ga-
im part. praet. auch im vergleich mit dem praet., wie es wol schon im goth. zu erkennen ist (
s. Bernh.
s. 165).
die weiteren fortschritte und schwankungen dieses vordringens zu verfolgen ist hier nicht der ort, fürs nhd. ist das ergebnis der ganzen langen bewegung, dasz da ge-
als grammatisches abzeichen des part. praet. angesehen wird und der fremde z. b. zu lernen hat binde, band, gebunden,
oder ich binde, ich band, ich habe
und ich werde
oder bin gebunden
u. s. w.; und dennoch ist das eigentlich nur schein und als regel beinah falsch, obwol begreiflich daraus dasz man als probe ein einfaches verbum nahm. II@6@bb)
noch gegenwärtig ist ge-
keineswegs das durchgehende abzeichen des part. II@6@b@aα)
es fehlt ihm bei den verbis, die schon ein anderes gleichartiges vorwörtchen haben in der stellung die ge-
einnehmen müszte, z. b. von besitzen
nur besessen,
nicht gebesessen,
von entbinden, verbinden
nur entbunden, verbunden,
nicht entgebunden, vergebunden,
von verkaufen
nur verkauft,
u. s. w.; und so von jeher, d. h. das part. ward nicht anders behandelt als die andern verbalen formen, die von haus aus ge-
annahmen, sodasz, wie zu bieten
und gebieten
zwar ein subst. verb. gebot,
zu anbieten angebot,
aber zu verbieten
kein vergebot,
nur verbot
gehört, dasz ebenso zu sehen
zwar noch im 16.
jh. häufig gesach
tritt, aber zu ersehen, versehen
kein ergesach, vergesach
oder geversach.
dasz man doch daran gedacht hat, auch da dem ge-
sein recht gleichsam zu geben, zeigt genügend folg. eine beispiel, das nicht das einzige sein kann (gefressen
dient nicht als beispiel, weil das fr-
gleich ver-
nicht mehr gefühlt wird), geverkauft
aus dem 14.
jh., md.: sotan gerete ist mir vorsaczt adir gevorkouft von dem gardian.
blume von Magdeburg s. 55
art. 106.
ähnlich auch, doch nicht ganz, vergesichert
in einer urk. bei Höfer 247: dat wir vergesichert han unde die hende uf die heiligen gelecht,
es heiszt aber s. 244
dafür und hain dat vuorgesichert und na gesworin,
eine vorhergegangene zusicherung nachher mit eiden bekräftigt, sodasz jenes ver-
noch höheren ton hatte als ge-,
weil vür
oder vor
vertretend (
wie auch sonst, z. b. in verbieten
gleich für gebieten,
vor gericht fordern Freib. stadtr. 169).
in geblieben
ist das ge-
nur seit dem vergessen des be-
in bleiben
eingetreten, denn die mhd. form war nur beliben,
wie noch nhd. auch vielfach blieben. II@6@b@bβ)
der grund, dasz ge-
trotz des versuchs nicht aufkam, wird wie gewöhnlich ein äuszerer und ein innerer zugleich sein, jener im tonverhältnis gelegen, weil ge-
ganz früh schon zu leicht war, um durch eine gleichfalls leichte silbe von der tonstelle entfernt zu stehn, an die wirs noch nahe gebunden fühlen (
vgl. unter I, 2,
d, α),
der innere grund aber darin, dasz in er- ver- zer-
und ent-
die bedeutung des ge-
eigentlich schon mit vertreten war, obwol auf anderen wegen gewonnen; denn z. b. in erschlagen, zerschlagen,
in verwenden, entwenden, vollbringen (vollbracht)
ist der begriff des schlagens, wendens, bringens
gleichfalls so zu sagen erfüllt, sein ziel erreicht; bei be-
mochte ähnlich mitwirken, dasz es in der bedeutung sich mit ge-
nahe berührt und mit ihm geradezu tauscht (
s. 7,
b). II@6@b@gγ)
das weglassen ist erstreckt worden auf die mit praepositionen zusammengesetzten verba, deren praepos. als untrennbar behandelt wird, d. h. ihren selbständigen ton verloren hat (
s. gramm. 2, 872
ff.),
also durchsétzt, umbáut, unterblíeben, überdácht, hinterlégt, widerstánden, wiederlégt,
während dasselbe wort, wo die praepos. ihren ton behält, auch bei der scheinbaren zusammensetzung das ge-
annimmt: dúrchgesètzt, úmgebàut, híntergelègt, ǘbergesètzt
neben übersétzt, wiederhólt
neben wíedergehòlt
u. s. w., wie entnómmen, vernómmen, benómmen
neben áufgenòmmen, ángenòmmen, éingenòmmen.
die wirkung des tonverhältnisses ist da dieselbe wie in der neulich beobachteten ähnlichen erscheinung im lat. (
s. lit. centralbl. 1875
sp. 651),
dasz in der zusammensetzung die reduplication am häufigsten ausbleibt nach '
kurzsilbigen'
praepositionen, nach '
langsilbigen'
aber eintritt, z. b. occurri, succurri,
aber decucurri, transcucurri.
übrigens ist die regel (
wie im lat.)
keine streng durchgesetzte, wenigstens in älterer zeit, wofür in den zusammensetzungen mit durch
belege zu finden sind, z. b.: des bruders, dessen lob Europa durchgeflogen. Canitz (1734) 199; da fand ich mich an einem ort von ihnen allen umgegeben. Weckherlin 78
Göd.; noch bei Göthe ǘbergepàckt
statt überpáckt
dem hexameter zu gefallen: die hoch auf dem schweren übergepackten wagen auf betten saszen und schwankten. 40, 240.
vgl. auch umgekehrt únterthà
n. II@6@b@dδ)
dasz auch die verba, die ein ge-
ohnehin schon angenommen hatten, im part. nicht ein zweites annehmen konnten, versteht sich danach von selbst (
obwol im goth., doch in andrer weise, doppeltes ga-
keinen anstosz gab, z. b. gagaleikôn
völlig gleich stellen von galeiks
gleich),
also ich geniesze, ich genosz, ich habe genossen;
so kommt es dasz z. b. gelobt
sowol zu geloben
als loben
gehört, geleitet
zu geleiten
wie zu leiten, gewährt
zu gewähren
wie zu währen,
gerade wie z. b. das gebot
sowol zu gebieten
wie zu bieten.
ausgenommen sind nur fälle, wo das dem worte überhaupt gehörige ge-
als solches vergessen ist, z. b. geglaubt, gegönnt, geglückt,
und gegessen,
wo im part. gessen
das ge-
nicht mehr deutlich genug war, obwol mundartlich, z. b. in Thüringen noch jetzt sowol gessen
wie geessen
zu hören ist, auch schriftdeutsch aber sogar noch essen
gilt in überéssen
als part. zu sich überessen (
nach γ). II@6@b@eε)
auszerdem fehlt ge-
dem part. von werden
als hilfszeitwort, neben was ist daraus geworden, wie ist es fertig geworden
heiszt es wie ist das gemacht worden,
wie mhd. auch in jenem falle nur worden.
im zweiten falle ist das worden
an sinn und ton leichter als im ersten, das wird der grund der unterscheidung sein. ähnlich bei lassen
als hilfszeitwort, ich habe ihn kommen lassen
neben ich habe ihn eingelassen,
vgl. u. können V, 1723.
doch schreibt noch im j. 1772 Göthe
an Kestner: so ganz über meine hoffnung lieb empfangen geworden zu sein.
Göthe u. Werther s. 71,
wie er umgekehrt auch worden
für geworden
braucht. II@6@cc)
schwankend ist der gebrauch auch bei fremdwörtern, d. h. die heutige gebildete sprache zwar gibt ihnen kein ge-,
selbst den eingebürgertsten nicht, wie regiert, studiert, spaziert, barbiert, probiert,
selbst den deutschen wörtern mit dem fremden -ieren
nicht, halbiert, amtiert, stolziert,
wol aber das volk und bis ins 18.
jh. auch oft genug die schriftsteller, und zwar aus der mhd. zeit her, z. b.: wîʒe lînwât reine, geridieret cleine. Hartmann
Iwein 6484; samît unde sigelât zesamne geparrieret.
Erec 1956; Gâwân sach geflorieret unt wol gezimieret von rîcher koste helme vil. Wolfram
Parz. 341, 3
ff.; (
der schild) gehalbirt nâch dem swert zetal. Lichtenstein 171, 5; hete Johannes icht hôher gedûtîret, alle di werlt enkunde in nit verstanden hâ
n. Herm. von Fritzlar,
myst. 1, 31,
sein deuten höher, schwieriger gemacht; mehr von mhd. beispielen s. Germ. 11, 446
fg., vgl. J. Grimms
kl. schr. 1, 354
fg. und so fort ins nhd.: het si ir selb geprofeziert. Liliencron
hist. volksl. 2, 5
a; das vigilien do gesungen und gehalden und gecelebrirt werden.
Leipz. urk. 1, 169 (15.
jh.); geregiert werden. G. Oheim
chron. von Reichenau 67, 3; die du beschissen (
betrogen) hast oder geabentürt, es heiszt ietz gehofiert. Keisersb.
omeis 81
d; aber sie wollen ungereformirt sein ... noch hat derselbe bettler sie zimlich gereformirt. Luther 6, 121
a; iedes kleid sol nach der grösze des leibs gemodelt, geformiert und gericht sein.
Frank spr. 1, 4
b; nach dem Severus keiser war und (
hat) geregiert achtzehen jar. H. Sachs 8, 419
Keller; und könnind, habind nüt (
nichts) gstudiert. Ruff
Etter Heini 559; wie hastu so ein geschwinde, wol und glatte geballierte zungen. Ayrer
proc. 1, 6; ein lied ... von einem peregrinanten aus fernen landen gecomponiert. Soltau 2, 350,
vom jahre 1628; sothane teutsch genaturalisirte wörter. Schottel
haubtspr. 1273; die damen seind zu sehr gedeniessirt hir und wenige fürchten den teufel. Elis. Charl. v. Orl. (1867) 391, déniaisées,
sie schreibt aber gleich darauf dasz man einen armen teufel arestirt hatte (
s. nachher); ihr geschmack, eine geläuterte quintessenz von demjenigen, was bei ungestudierten der dünkel heiszt. Bodmer
mahler der sitten 1, 410 (
aber hat regiert 2, 251).
noch jetzt in den mundarten, z. b.: er sicht so gstuddiert us! Arnold
pfingstm. 142; so durchgstuddierdi lyt. 26.
die Niederländer haben die form auch in die schriftsprache aufgenommen (
z. b. geaspireerde
und ongeaspireerde vorm),
aus dem mnl. her, wie es mnd. war, z. b.: wisen mannen, de lange in deme privilegio gestuderet hebben.
richtsteig landrechts s. 83 Hom.
Übrigens kommen solche part. ohne ge-
einzeln auch schon früh vor, d. h. so gut wie bei heimischen wörtern, z. b.: quadrieret zeigt si sich hêrlich natûret. Frauenlob
spr. 367, 7; so sich ich manigen als (
so) unpoliert. Vintler 6841; ietlichem stat statuten sein ward kunsipiert und gschriben ain. Liliencron 2, 5
a; vor mengem jar es ward prowiert.
das.; den hand die maister profiziert. 8
a; und hab gar wenig drauf studiert. 498
a; edelgestain gerutschet und palliert (
poliert). J. Grimm
kl. schr. 1, 359; wurden wir nit frintlich tractiert. Th. Platter 62; all ding war unordnirt. H. Sachs 1, 96
a (ungeordinirt 84
a); ein groszes paquet schreiben an den kaiser datiert. Möhners
reise 100; damit die sachen repariert werden. 102. Schottel
a. a. o. schreibt kurz vorher: wie die lateinische .. die grichsche sprache gleichfals etzliche barbara vocabula .. auf lateinisch und grichsch naturalisiret haben,
d. h. er gibt dem part. das ge-
wenn es adjectivisch geworden ist, und auch bei der Elis. Charlotte
und Bodmer
vorhin ist derselbe unterschied eingehalten, wie er auch bei heimischen wörtern mundartlich vorkommt, s. nd. aus Danneil
sp. 1605 (
γ);
auch umgekehrt freilich unterthan
und untergethan. II@6@dd)
das ausbleiben des ge-
greift aber noch weiter. II@6@d@aα)
mundarten und schriftsteller in gewissen fällen machen noch häufig gebrauch von den stumpfen formen auch über den angeführten kreis hinaus, z. b. Göthe: gerne hätt ich fortgeschrieben, aber es ist liegen blieben. 1, 333; flohene freuden. 10, 325. 57, 132 (
Erw. u. Elm. 2, 6).
auch in briefen: gestern bin ich mit den Runkels ums thor gangen.
an Joh. Fahlmer s. 70; wir haben gestern gessen wildprettsbraten. 48 (
doch s. u. b, δ,
mehr beispiele III, 1162); dasz Lotte nicht nach Atspach gangen ist. Göthe
u. Werther s. 43; unser kattun ist noch nicht ankommen, er ist gestern ... von hier abgangen. 60; ob er etwa hier liegen blieben ist.
das. (abgegangen 61); dasz ich im zank mit Sophien weggangen bin. 62; es ist ein packet von meinem vater ankommen. 70; von Friedberg haben sie doch den brief kriegt. 72; und hätten uns Lotten mitbracht. 119; da bin ich nun in Leipzig, ist mir sonderbar worden beim nähern.
an Carl Aug. 1, 1.
es ist übrigens beschränkt auf einen gewissen kreis vielgebrauchter verba, der genauerer beobachtung vorbehalten bleibt; s. z. b. bei kriegen V, 2239, kommen 1627. 1628.
durchgängiger abfall kommt übrigens im niederd. vor (
s. I, 3,
a, γ),
wirklicher und scheinbarer besonders in oberd. mundarten, s. I, 3,
b, α. II@6@d@bβ)
von derselben erscheinung im ältern nhd. ein paar proben: ich hab den held nie betrogen. er ist nach abenthewr zogen.
Teuerd. 109, 60; es musz durch brochen und erstritten sein. Keisersberg
gran. c 1
b,
durchgebrochen (
durch den feind),
nicht durchbróchen, welicher dem (
evangelium) gloubt und touft wirt, der wirt heil. Zwingli
vom touf h 4
b; das Johannes das evangelium predget hat.
das.; hat im alle ding in sin hant geben.
das., auf derselben seite aber gepredget, gebuwen, gethon, genent, germpt, getouft i 1
a u. o., widergetouft l 3
b; es wart ouch allen pfaffen erloubt ewiber zu nemen und in botten, in monatz frist ire metzen und kellerin hinweg zu thun.
Basler chron. 1, 90; bekant ist halb büszet. S. Frank
sprichw. 1, 143
b; Lucretia das fromm weiblich bild ward zwungen, drungen ganz unmilt (
roh).
Tellenspiel bei Vischer
befreiung der waldst. s. 170; von gelbem flader war die pfort innwendig defelt (
getäfelt) alle ort. H. Sachs 1, 102
a; da guts erdreich ward troffen. 1, 82
b; du aber hast mir wider geben. 1, 31
a,
gleich darauf gegeben; als sie nun gangen warn. 1, 96
a; die zu zeugnus seind bei uns blieben. 1, 97
c; ich umb die fürstin bulet hab. 2, 3, 78
a; vergulten becher mit eim fusz von tribner arbeit. Frischlin
hohenz. hochz. 75; und fragt endlich, wie es wer gangen. Rollenhagen
froschm. L 1
a; denn trew und glaub ist worden klein. J 6
b.
abzuziehen sind freilich die doch schwer zu unterscheidenden fälle, wo oberd. g'
nur in folgenden g, k, b, p, d, t
verschlungen sind (
s. I, 3,
b),
wie z. b. gewiss in dem botten
der Basler chron., das zudem zu gebieten
gehört, wahrscheinlich auch in büszet
bei S. Frank,
denn dasz auch er so verschluckte, zeigt z. b.: einen pfal für thür schlagen.
sprichw. 2, 20
a, thür
gleich d'tür.
ebenso bachens
gebacknes Oheim
Reichenauer chron. 98, 20,
wie bratens
gebratnes (II, 311
falsch ausgelegt), kürnts
gleich gekürntes V, 1823
unten. so wol schon im 14.
jh. z. b. kouft
alem.: geribniu varw nicht lange wert und kouftiu liebi. Boner 67, 48.
im 17.
jh. macht z. b. Spee
für den vers freien gebrauch davon, z. b. in der trutzn. (
Berl. 1817) than 151. 269, lan 226, troffen 71, tragen 72, rissen 260, schonet 287, lernet 228, zogen 245, stohlen 71, spart 145. II@6@d@gγ)
ganz alterthümlich aber noch aus der gegenwart ohne ge,
und so dasz ihm das tonverhältnis nicht im wege stand, das allgemeine hausbacken, altbacken,
wie nl. oudbakken,
um 1600
z. b. auch ein altbachen kugel Haupt 3, 251;
auch frischbacken
u. a., vergl. unter backen (
doch bildlich z. b. ein neugebackner doctor).
ebenso neuwaschen,
mhd. auch niwesliffen (
z. b. swert), niuborn, niuwebrochen, niuwevallen (snê), ein altsprochen wort
altes sprichwort. alles reste aus der ältesten zeit, die am part. das ge-
überhaupt noch nicht hatte, wie mhd. brâht, komen, funden, lâʒen, troffen
u. a., s. mhd. wb. 1, 490
b.
bei demselben tonverhältnis wie in áltbàcken
bleibt ge-
auch aus nach mis-
in mísràten, misgönnt, misbilligt, misbraucht, misfallen, misachtet
u. s. w., obwol dabei schwanken ist, im ton wie selbst in der stellung des ge,
denn man braucht auch z. b. misgeraten, misgeachtet, misgestimmt
u. a. und gemisbilligt, gemisbraucht,
anderseits auch misráten, miskánnt
u. dergl.; mhd. missetân, missesprochen, misserâten
u. s. w. ebenso mhd. vólmèʒʒen Walther 11, 15, vóllekòmen, vollemûret Frauenlob 367, 9, volsprochen
Parz. 827, 28, volseʒʒen
pass. K. 339, 53, volvarn, unvolgân
u. s. w., noch jetzt, doch bei verändertem ton (
der aber wol schon mhd. auch bestand) vollkómmen, vollbrácht, vollzogen, vollendet.
auch un-
scheint das ausbleiben zu begünstigen, z. b.: doch bleib ir ein teil unschriben umme krîges willen.
Leipziger stadtb., mitth. der deutschen ges. 1, 120. II@6@ee)
dagegen hilft ge-
und ist fast unentbehrlich bei gewissen participien, die, auch ohne andere verbalform, aus subst. gebildet werden in groszer freiheit, zum theil als vertreter älterer einfach adjectivischer bildungen (
s. 3,
e),
vgl. Grimm
gr. 2, 850;
schon ahd. in gestirnôt
stellatus Graff 6, 724,
mhd. z. b. gîsert
ferratus, genatûret
naturatus, auch schon in freier bildung der werlt wil ich gewerldet wesen Gottfr.
Trist. 3, 25,
von Êve, Îsôt gêvet 451, 8, gîsôtet 477, 12;
nhd. in groszer fülle, s. z. b. gearmet, gebeint, gebaucht, gebartet, gemeulet (Fischart
groszm. 613
Sch.), geampt, geährt, geerbet,
auch geerbt und gegut,
mit erb und gut versehen weisth. 1, 567, geguot und gehuobet 4, 597, gestifelt und gesport
Nürnberger chron. 2, 248, geeigenschaftet (16.
jh.),
vgl. geeignet, geartet; ein geleitrater wagen
weisth. 4, 330, ein gemilchter hecht Feierabend
wasser- u. fischweidw. 72
b, ein gepfalzter graf Neukirch
ged. 123,
wie gefürstet;
ferner eingepfarrt,
ebenso ein eingehofter badbrunnen,
in einen hof pflichtig (
s. unter gastherberge),
und mit einbeziehung eines adj. u. dgl. gleich gesylbte reime Schwarzenberg 150
a,
reimzeilen von gleicher silbenzahl, weit gebrüst und lang gearmet S. Frank
sprichw. 2, 69
a, gleich-gezweigte fichten Brockes 1, 203, der lang-geohrte hase 7, 181, der hell-geformte wiederschein 7, 296, in viel-geformten zirkeln 8, 631 (
d. h. in vielen formen, in heller form, zu form
gehörig, nicht zu formen), drei-gespitzte zungen 1, 352 (
zu spitze,
nicht zu spitzen,
obwol beides leicht verflieszt), fünf-geeckte stengel 2, 293, die dreigeeckten zwischenstellen
als übers. von franz. triangulaires 3, 165.
jetzt zieht man adjectivische bildung vor, bauchig, breitbrustig, dreispitzig
u. dgl., doch ist die frühere form auch für neubildungen noch nicht zu entbehren, z. b.: stieg hinan zu der schwelle der hochgebühneten kammer. Voss
Il. 9, 582.
zu bemerken ist noch, wie die bedeutung wieder manigfache seiten zeigt, z. b. 'gehölzt,
alt für holzberechtigt, zur fällung des holzes in einem walde befugt' Müller
u. Weitz
Aach. mundart 65;
auch dasz bei fremdwörtern das ge-
hier doch gleichfalls wegfallen kann, z. b. neben genaturt
auch naturt Mathes.
Sar. 143
b und auch schon mhd. (
s. unter c Frauenlob),
ebenso bei ver-
z. b. in vermögt,
mit vermögen versehen: ich geriethe plötzlich in einen solchen vermögten stand.
Simpl. 4, 21, 27
Kz.; endlich dasz auch hier für ge-
gern be-
eintritt, z. b. beschuht
für geschuht, der beamte
für das frühere geampt;
vgl. unter 3,
e und 7,
b, und unter be- I, 6. II@77)
Endlich einiges, das immer noch zu fragen oder zu bemerken bleibt bei diesem wunderbarsten worte unsrer sprache. II@7@aa)
es erscheint noch in manchen fällen, die im vorigen nicht unterzubringen sind. II@7@a@aα)
z. b. bei verbalformen: so hell
geschin noch nie die sunn, (
dasz nicht) die tugent, zier und sitten dein
schein klerer in dem herzen mein.
weim. jahrb. 2, 111;
es scheint da blosz dem gedanken einen gewissen nachdruck zu geben, der demselben wol dienlich und wünschenswert, aber nicht notwendig ist, wie gewisse partikeln, die einem satze oder gedanken eine gewisse färbung geben, die ihm doch auch fehlen kann oder durch den stimmton ausgedrückt werden, und eben das erscheint als der allgemeinste charakter des wörtchens überhaupt, das die vielfältigsten dienste thut und doch nirgend eigentlich notwendig ist, in vielen fällen selbst bis ins ahd. und goth. zurück. gerade hier scheint der nachdruck der allgemeinheit der behauptung zugewandt, denn es erscheint öfter so mit nie
oder ie
gesellt (
auch das conjunctivische geschin
oben neben schein
musz irgendwie sich so erklären, vgl. V, 489
conj. mit negation),
z. b. im folg. mit beleg für beide fälle: sich darnoch unsern herren Jesum Christum, wie der in allem sinem leben von siner geburt an bisz an sinen tod nie guoten tag gewan, aber (
sondern) in so groszer bitterkeit, so alle menschen
nie gehatten, und sin unschuldigs leben geendet mit dem grüsenlichsten bittersten tod, den
ie kein mensch
geleid. Keisersb.
bilg. 61
d.
man kann darin noch die alte bed. des zusammenfassens erkennen (
s. u. 4).
das ge-
besonders bei nie, ie
u. ä. ist schon mhd. so häufig dasz es an die regel streift (
s. den artikel nie
im wb. 1, 744
b),
z. b.: niemer genim es keine war.
Trist. 295, 33; sie getraf diu liebe nie. Walther 49, 35; daʒ nie kein münch ze kôre sô sêre mê geschrei. 104, 2; leien munt nie baʒ gesprach.
Wigal. 164, 2; daʒ wunder daʒ gesach ich nie.
Iwein 3023; dichn geruorte nie mîn meisterschaft. 3015 (ruorte
nur A); ichn gehôrte bî mînen tagen nie selhes niht gesagen. 547; daʒ si iu ie geslüegen slac. 7551; ein affe und ein narre was er, der ie gesente sînen lîp
u. s. w. Helmbr. 1005 (
bei nie
z. b. 1057
hs.); ob ich dir ie gemente ode phluoc in furch gedente. 307; daʒ er wîben ie genam. 682.
auch in prosa, z. b. in dem beliebten eingang von urkunden: grâve Ruodolf von Habspurg .. und die landliute von Uren tuond allen dien kund, die disen brief iemer gesehend older gehœrent ..
urk. Altorf 22.
dec. 1257 (Hergott 2, 335).
auch ohne das iemer,
das durch alle
mit vertreten wird, z. b.: allen den, die disen brief gesehn odir in gehorin lesin.
Leipziger urk. 1, 23.
ähnlich sind ge-
formen bei swie, swie vil
u. dergl. verallgemeinernden wendungen, z. b.: sin gehieʒ mich nie geleben nâch ir lêre, swie jâmerlîch ich sis gebat. Walther 71, 2; swie aber ich gerîte in der Burgonden lant.
Nib. 2207, 4; swaʒ im des morgens widerlief ode swie vil diu krâ gerief, swie vil der mûsære umbe geflouc, der ungeloube in niht betrouc.
Wigal. 160, 1
ff.; swie vil si in gebâten.
Erec 5252; swaʒ man ime dâ gerief.
Iwein 3247; mich hilfet niht, swaʒ ich dar an geklopfe. Walther 20, 33; swaʒ ie gestreit iwer hant.
Parz. 557, 12; swes er in ie gebæte.
Iwein 4563.
überhaupt vgl. auch Wackernagels
zusammenstellung der fälle im wb. 1839
s. ccxvi
fg., wo es '
die bedeutung unübersetzbar leise verstärkt'.
Noch im 17.
jahrh. findet es sich frei verwendet bei dichtern, die am alten stil festhielten, wie Spee,
doch unverkennbar zugleich im dienste des rhythmus, z. b.: wann nur küssen, hälsen, herzen ich dich (
Jesum)
möcht in meinem schosz, wann bei deinen letzten kräften ich
gemöcht an letzter stund dir die letzte bäcklein heften an die süsze wangen rund.
trutznacht. 280 (
Berlin 1817
s. 288); das leben auf der schwellen, auf offnen lefzen sasz, sich that zum scheiden stellen,
gesann der dunklen strasz. 43 (43); ich vor wunder mich ergiebe, kaum ich mehr
geredenkann. 251 (261); der weisze thau und regen klar gar lieblich kömmt geflieszen. 161 (169); er schon ihm läszt gesagen (
läszt sich zureden). 72 (72). 137 (144). 228 (238);
ebenso im guld. tugendb. geleben 126, geleinen 147, geschwellen 263. II@7@a@bβ)
adjectiva verstärkend, schon in alter zeit z. b. geswâr
schwer Graff 6, 892, gipôsi
böse 3, 216,
vgl. auch 4, 54; geguot,
gut: daʒ tunchet mich ze neuht geguot. Diemer
ged. 194, 12. gelink
und gerecht,
z. b. in der verkehrten hofzucht: leg die schch unrecht an, den grechten an den glinken fuoʒ. Zarncke
deutscher Cato s. 145.
vgl.genau,
glind,
geschlank, gestrenge, geruhig, am gehellen tage Weinh.
schles. wb. 35
a, gerîche
reich Germ. 9, 175.
älter nhd. gewahr
wahr, mhd. gewære;
aus bair. mundart z. b. geschwül, geschlecht Schmellers
gramm. s. 403
fg., geschnell
wb. 3, 490.
mnd. z. b. gewert
wert, s. Braunschweiger chron. 1, 402
anm. 2, geecht
echt Sch.
u. L. 2, 31
b.
s. auch adv. gestracks
gleich stracks, gerings
gleich rings,
diesz sogar eigentlich substantivisch (ringes,
in ringform). II@7@a@gγ)
an subsantiven, die dem verbum fern oder ferner liegen, z. b. in ritters gewîse
für das sonstige wîse,
s. Lexer 1, 993,
dann auch adverbial mnd. z. b. rôves gewîs,
in raubes weise, s. Schiller
u. Lübben 2, 105
b; gelenden
lenden Haupt 16, 225,
md. 13.
jahrh.; glanze
lanze K. Stolle
thür. chron. 202, glenz
frühling, lenz Schönsleder X 2
b,
bair. gen (g'en)
gleich en,
ahn, groszvater Schm. 1, 62,
mhd. genæhe
nähe, noch im 15.
jh. in der gnehe bei unser stat
Nürnb. chr. 2, 48,
noch bair. Schm. 2, 88 (
auch adj. genäh
dess. gramm. s. 403,
eig. gleich genau); gezeit
für zeit,
auch gezeitung
nachricht Schertlin
br. 46.
denkbare anlehnung an verba fehlt zwar nicht z. b. bei gesin
m. sinn Müll.
u. Scherer
denkm. 374 (336),
nhd. gelust
lust, gespasz
spasz, geschmuck, geweide
f. neben weide, 15.
jh.: wenne die moller obir der feischhauwer weide faren wollen .. wenne sie denne also obir die geweide faren.
Leipziger urk. 1, 176; gestand
m. stand: einen jüngling, welcher sich nicht nach seinem gestand ... butzete. Lehmann
flor. 2, 408; gescham
scham, pudenda Dief.
nov. gl. 308
a,
allenfalls auch bei dem früher beliebten ingesiegel
für insiegel.
als collectivisch kann man sich denken geschock
für schock, gefirmament
sternhimmel Schoch
stud. D 2
b (
s. unter kauderwelsch),
allenfalls getenne
tenne, md. 14.
jh.: reiniget sîn getenne. Haupt 9, 301.
aber ganz merkürdig auch gritter
für ritter
Diocl. 1275, gefogt
vogt: gfögt und schirmherren. Oheim 46, 10;
bair. gestuet
stute Schm. 3, 672;
mnd. gelîf
leib Schiller
u. Lübben 2, 43
a.
es erscheint da doch auch bis zur völligen bedeutungslosigkeit gekommen, gehalten nur, zum theil über sein bereich erstreckt durch ein behagen an dem klange oder ähnlich. II@7@bb)
in zusammenhang damit steht ein unverkennbares wechseln mit dem ähnlich klingenden be- (
s. Grimm
gr. 2, 749. 835. 842),
das aus der bedeutung wol oft, aber nicht immer erklärlich ist; s. schon unter 3,
e befiedert
für gefiedert
u. ä., unter 6,
e, β beamter
für geampt,
wo be-
als sinnlich deutlicher an die stelle des verdunkelten ge-
getreten ist, wie in beritten
für mhd. geriten (
das mit beritten
gemeinte wäre aber doch erst mit bepferdet
erreicht);
ähnlich bewandert
und gewandert. beleumundet
früher geleumt (
s. unter geampt), bevollmächtigt
ursprünglich mit ge-: dessen gevollmächtigter der minister Gemmingen war. Reinwald
in Schillers
briefw. mit s. schw. Christoph. 261.
ferner im adj. bereit
und gereit, behende
und gehende, begänge
und gegänge
leicht gehend u. ä. (
s. sp. 1243), beswind,
geschwind: die unsern hieltend guoten sinn (
waren so klug), dasz sie sich kortend gar beswind. S. Brant
bei Liliencron 2, 311
a.
mhd. geholf
und beholf
helfend Lexer 1, 791. 156,
wie im part. mhd. geholfen
und beholfen (
s. I, 1335);
neben gescheid
auch beschîde
expeditivus Dief. 218
a,
gleichbedeutend gescheftig
und bescheftig
ebend., alem. geschîb Mones
schausp. d. m. 2, 307
und beschîb (
s. unter bescheibe),
alem. gederbe
für bederbe,
brauchbar, selbst adverbial mhd. gezîte
zeitig neben bezîte (
und zîte)
wb. 3, 915
b.
im verbum z. b. beleiten
und geleiten,
ahd. bibrehhan
confringere Tat. 69, 6,
wie sonst gibrehhan, gisizzan
possidere 145, 7
für das gewöhnche bisizzan,
mhd. geschehen
und beschehen, gewinnen
und bewinnen,
mnd. bemoten
und gemoten
begegnen, nl. bevallen
und gevallen (
s. mehr im nl. wb. sp. 370),
auch mnd.: placere, behagen, bevallen Dief.
nov. gl. 293
b, beloven
gleich geloven Schiller
u. Lübben 1, 227
a,
d. h. sowol gleich mhd. geloben
als gelouben,
glauben, letzteres z. b. auch englisch in believe
für ags. gelŷfan,
altengl ileven.
im subst. verb. z. b. geschwerde
gleich beschwerde: derhalb bring ich (
der tod) dem grosz geschwert, welcher nach wollust lebt auf erd. H. Sachs 1, 101
d.
ein wirkliches willkürliches tauschen deser wörtchen in ihrer gleichsam abgelebten gestalt ist an sich auszer zweifel gestellt durch erscheinungen in mundarten, wenn z. b. im westen, in der Wetterau u. a. für zer-
durchaus ver-
eintritt, verreiszen
für zerreiszen
u. s. w. (Weigand
wb. 2, 1135),
in bair. mundarten ver-
für er-,
z. b. verfrieren, verbarmen, verwischen
erwischen, verlogen
erlogen, s. Schmellers
gr. s. 421
fg., im Elsasz ent-
für er-,
z. b. erzezli
entsetzlich Arnold
pfingstm. 24, ergeje
für entgegen,
selbst mit misverständnis erzwai
für entzwei 141. II@7@cc)
das alte schwanken zwischen gebrauch und nichtgebrauch ist jetzt möglichst beseitigt oder geregelt. II@7@c@aα)
in der bedeutung geschieden sind jetzt, zum theil schon mhd. beginnend, z. b. recht
und gerecht, ansicht
und angesicht, frieren
und gefrieren, rinnen
und gerinnen, hören
und gehören, bieten
und gebieten, raten
und geraten, reichen
und gereichen, langen
und gelangen, brechen
und gebrechen, fallen
und gefallen, stehn
und gestehn, dulden
und sich gedulden, haben
und sich gehaben;
eine wirkliche durchführung der scheidung im bewusztsein wird freilich schon durch die part. gereicht, gefroren
u. s. w. unmöglich gemacht. II@7@c@bβ)
wirklich sind denn auch immer noch spuren des alten freien verhältnisses genug übrig ohne wesentlichen oder ohne allen unterschied der bedeutung, bei verbis z. b. in ziemen
und geziemen, reuen
und gereuen, denken
und gedenken, brauchen
und gebrauchen, anlangen
neben gelangen (angelangt
zieht auch angelangen
noch nach sich), mahnen
und gemahnen, sich getrauen
und trauen,
bei subst. z. b. stank
und gestank, hirn
und gehirn,
bei adj. treu
und getreu, lind
und gelind, wichtig
und gewichtig, willig
und gewillig, fällig
und gefällig
in gewissen bedeutungen, wenn auch eine der beiden formen meist für alterthümlich oder dichterisch gilt, z. b. getreu, lind, hirn (
aber nur hirnverbrannt);
neben schweigen
ist geschweigen
noch bestehend in dem abgekürzten und nicht mehr verstandenen geschweige,
d. h. eigentlich ich geschweige. II@7@c@gγ)
in den mundarten lebt aber zum theil das alte verhältnis fort, was wieder eine untersuchung für sich wäre; s. z. b. in Schmellers
bair. gr. s. 419
von ge-
als '
sinnverstärkender vorsilbe'
bei verben. dasz es auch noch im dienste einzelner formen auszer dem inf. vorkommt, zeigt z. b. folg. aus Glarner mundart: ds veh gât dure (
d. i. durchhin,
hindurch), wo ekein mensch dure g'chæm (Zachers
ergänzungsb. s. 319),
wo ge-
denselben grund hat wie bei mhd. nie, nie kein, ie
u. dgl. vorhin. anderseits ist es in der Schweiz fest geworden z. b. in gehören, gesehen
für hören, sehen,
wie hd. in gehör, gesicht, angesicht (
neben aussicht, ansicht
u. dgl.),
ebenso geschauen, gekennen
u. a., s. Tobler
in Kuhns zeitschr. 14, 136. II@7@dd)
bemerkenswert ist noch, wie es einfach gesetzt auch doppelt gelten kann, z. b.: das wir mszend geessen und trunken haben, ist ein natürlicher präst (
bedürfnis). Zwingli
touf o 3
b,
vergl. vorher und habend all ein geistliche spys geessen und all ein geistlich trank getrunken o 1
b; den mai ergötzt gebrumm und summ, ist immer guter laune. Scheffel
tromp. v. Säkk. 129.
es ist wie bei be-,
z. b. sich bespeien und kotzen (
s. d. II, 1,
c, wo mehr),
bei zer-,
s. unter krüppeln 1,
b, öfter bei praepos., leicht übersehen, weil kein äuszeres zeichen dafür da ist. II@7@ee)
endlich ein älteres schwanken in der stellung, was zugleich zum folg. überleitet. nhd. davon nur noch schwache spuren, wie etwa in gemisachtet
und misgeachtet,
ähnlich mhd. z. b. in gunêret
und ungêret,
die an derselben stelle in hss. wechseln, z. b. Helmbr. 765,
wie sunder gesezzet
und gesundersezzet (
von einem solchen der einen eignen hausstand gründet)
dicht bei einander ugsb. stadtb. s. 221,
was doch nicht eigentlich ins gewicht fällt (
es fällt u. 6,
d, γ);
mehr schon ahd. satalgiscirri
und gisatalscirri
falerae Graff 6, 539,
alts. geîhuethar
neben ahd. eogihwedar
uterque, aber deutlich noch auf die ursprüngliche freiheit und selbständigkeit des wörtchens hinweisend ist rhein. in mhd. zeit die doppelform ganerve
und anegerve,
gewiss schon ahd. gianaerbo
und anagierbo (
s. u.ganerbe 1
und 3,
b);
ähnlich genâbûr
für nâgebûr
nachbar (
s. u.gebauer 3,
b a. e.);
noch sicherer die freie stellung des goth. ga-,
z. b. in ga-u-hva-sêhvi
εἴ τι βλέπει Marc. 8, 23,
ob er (
der blinde)
etwas sähe, hva gasêhvi (-u
als fragpartikel),
in gaþþantraua,
πέπεισμαι δέ 2
Tim. 1, 5,
ich vertraue aber, für aþþan gatraua. IIIIII.
Entstehung und ausbildung. III@11, III@1@aa)
Die untersuchung nach rückwärts musz an das alterthümlichste auftreten anknüpfen, das in dem alts. gisunfader
vorliegt (
s. II, 1,
a),
mit zusammenfassendem, bindendem gi-
wie lat. que
in filius paterque.
und wirklich erscheint gi, ge
auch als wörtchen für sich eben in der bedeutung und, im Heliand neben dem herschenden endi
noch ein paarmal, wie ein eben abklingendes wort, das durch das vollere, jüngere verdrängt wird. öfter noch doppelt, eben wie que,
doch bei subst. nur noch dreimal: ge hosk ge harmquidi 1897 (57, 17 Schm.),
hohn und harmrede (
dulden), thuo wôhsun sia bêðiu ge that korn ge that krûd 2548 (77, 24),
und mit nebenform (
vgl. 4,
b) gie wordô gie werkô 5482 (165, 5),
der worte wie der werke; man sieht es sind stabreimformeln, ohne zweifel alte (
immer als halbglied eines verses),
die das aussterbende ge, gie
noch fest hielten; ebenso im ags. z. b. ge ät hâm ge on herge
Beow. 1249,
daheim wie im heere. in den andern fällen sind im Hel., wie beim einfachen ge, gi
ausschlieszlich, vielmehr sätze damit gebunden, wo es stärkern ton erhalten muszte. bemerkenswert ist, wie es da einmal mit dem gewöhnlichen ge-
verwechselt wird, für ge te seggeanne 1839 (55, 22)
der Münchner hat die englische hs. te giseggeanne,
ein beweis mehr für den aussterbenden zustand des wörtchens, der schreiber mochte an fälle schwankender stellung des gi-
denken wie unter II
a. c. III@1@bb)
aber ich glaube, das alte ge
gieng vielmehr wirklich in das vorwörtchen ge-
über und in ihm unter. III@1@b@aα) gisunfader
sieht mir aus wie entstanden aus gi sunu gi fadar,
filiusque paterque, υἱός τε πατήρ τε,
durch kürzung, zusammenziehung wie sie sich in vielgebrauchten formeln endlich einstellen musz (
vgl. die nhd. fälle unter käsenbrot,
käs und brot).
dasz dabei das erste gi
blieb, nicht das zweite, begreift sich daraus und zeigt zugleich dasz in der formel sunu
den höchsten ton hatte (
wie noch gisúnfàder
im verse, s. II, 1,
a),
entsprechend der absteigenden tonbewegung die wir im verse noch anwenden, während filius paterque
der aufsteigenden tonbewegung entspricht die die alten gehabt zu haben scheinen; so muszte fadar
möglichst nahe an den hauptton auf sunu
rücken, das ja auch seine endung hergab, überdiesz war man durch den gebrauch von bêðiu,
ahd. peidiu
u. s. w. gewöhnt (
s. I, 1364
fg., vgl. aus Hel. 2548
vorhin),
ein zusammenfassendes zeichen vor der aufzählung mehrerer zu haben. III@1@b@bβ)
dasz übrigens der wegfall des zweiten ge
nicht an sich notwendig war, selbst bei gleichem tonverhältnis, zeigt das suhtorgefäderan
im Beow. 1165,
ein glücklich erhaltnes seitenstück zu dem alts. gisunfader,
ursprünglich wol auch ge suhtor ge fädera,
neffe und oheim zusammen; im liede des wanderers aber v. 46,
bei anspielung auf jene stelle, steht lehrreich blosz suhtorfädran (Grein
bibl. 1, 252),
d. h. in noch späterer, kürzerer form, zugleich ein früher beweis wie das ge
wegfallen konnte (
s. sp. 1608),
das ohnehin schon matt geworden sein muszte nach anfügung der endung des plurals, der bei thie gisunfader
nur im art. ausgedrückt ist. III@1@b@gγ)
ein ganz ähnlicher vorgang liegt klar vor in dem entstehen des mhd. swer, swaʒ
u. s. w. aus ahd. sô hwer sô,
quicunque, wobei gleichfalls auch ahd. schon das zweite sô
verschwand, nhd. dann auch der mhd. rest des ersten; aber auch hier konnte der umgekehrte fall eintreten, wie im mnl. wat so
quodcunque, ebenso fries., engl. (
s. Grimm
gr. 3, 45).
auch hier erscheint uns das meist schwindende zweite sô
an sich nötiger als das erste, da es das folgende verbum mit zubehör eigentlich anführte. III@1@cc)
ebenso begreifen sich bildungen wie gebrüder, geschwister,
die mit zu den ältesten gehören werden, alts. gibrôðar, giswester,
gekürzt aus gi brôðar gi brôðar, gi swester gi swester,
bruder und bruder, schwester und schwester. wenn dabei das zweite auch auf die brüder erstreckt wurde, so muszte die ursprüngliche formel gi swester gi brôðar
gewesen sein, nicht umgekehrt (
vgl. umgekehrt lat. fratres
bruder und schwester Tac. ann. 12, 4).
übrigens trat hier gleichfalls mit dem verdunkeln des gi
ein zusammenfassendes weiteres zeichen ein, wie der plur. an suhtorfädran,
doch mit hilfe des neutr. (
s. dazu II, 1,
c),
ags. neben gebrôðor
als n. pl. gebrôðru (
auch blosz brôðru Grein 1, 144,
wol mit abfall des ge), gesustrenu
consobrini Wright
gloss. 52
a,
was auch in dem dat. gesustrionion
Hel. 1264
var. enthalten sein musz; es ist wie z. b. gesweoru
n. pl. gebirge, getimbru
n. pl. gebäude, eigentlich die balken zusammen. hd. begnügte man sich mit dem plur. in gebrüder,
wie ahd. thio gisuester Otfried III, 24, 55,
daneben sing. n. in nhd. das geschwister,
mit besonderer endbildung mhd. geswisterde
n., s. II, 1,
c am ende. III@22)
Zu den ältesten bildungen mit ge-
werden auch die von wer
und seinen verwandten gehören, mit zusammenfassender bedeutung (
doch nicht im goth.). III@2@aa)
zwar ahd. gihwer
oder gahwer
quisque ist nur noch erkennbar in dem verstärkten eogahwer,
wovon eine spur in eocowemu
cuique in der ker. benedictinerregel (Hatt. 1, 108
b, Graff 4, 1190);
ein mhd., genauer md. iegewer
gehört vielmehr unter b. aber alts. im Hel. noch in vollem gebrauche gihwe
oder gehwe,
quisque (hwe
quis), gihwena
quemque, gihwat
quodque u. s. w.;
ebenso ags. gehwâ
quisque u. s. w. Die bildung läszt sich begreifen aus dem ge- ge-,
das im alts. und ags. sätze bindet (
z. b. Hel. 1659
fg., eingeleitet durch voraufgehendes bêðiu),
aus sätzen wie etwa ge hwe wili ge hwe ni wili (
das und das leisten o. ä.),
quisque velit quisque nolit, wie man sich wol auch altlat. denken kann (
nach dem alten quisque gleich quicumque),
woraus bei formelhaftem gebrauch gehwe
quisque hervorgehen konnte (
jeder, auch wer nicht lust hat o. ä.),
zuerst vielleicht in wiederholtem gehwe gehwe,
was zugleich mit lat. quisquis (
alt quiqui)
fast zusammenfallen würde, das ähnlich entstanden sein musz; im einfachen gihwe
konnte dann gi-
zugleich das weggelassene oder die weggelassenen hwe
für die vorstellung ersetzen, wie in gibrôðer
die weiteren brôðer. III@2@bb)
daran schlossen sich denn andere entsprechende bildungen: ahd. gahwedar, gihwedar
uterque Graff 4, 1222,
alts. gehwethar (
nicht im Hel.),
ags. gehwäðer,
jeder von beiden; ahd. gahwelîh, gihwelîh
quivis, omnis, alts. gehwilîk, gihwilîk,
ags. gehwelc, gehwylc,
eigentlich welcher auch immer, qualiscunque (
qualisqualis).
Auszerdem ahd. nur noch mit eo, io
verstärkt eogihwâr
ubicunque, ubique, eogoweri
usquequaque, iogawenne
quandoque, utcumque, iogiwannan
undique, wie auch eogahwelîh, eogahwedar (
und eohwelîh
u. s. w.),
das letztere noch mhd. iegeweder
neben ieweder (
auch wie iewêr
Walth. 54, 17
var.),
auch iegewâ
ubique neben iewâ.
alts. umgestellt geîhuethar
uterque, ags. æghwäðer,
auch æghwâ
quisque u. a., aber auch einfach gehwär
ubique, gehwider
quoquoversus. Auch altn. nahe anklingend hvatki (-k
nur vom t-)
gleich alts. gihwat
quodcunque, hvargi, hvergi
ubicunque, hvîgi
utcumque, hvertki
quocunque (
alts. gihwî, gihwarod
sind anzunehmen), hverrgi
quisque, quicunque (hverr
gleich goth. hvarjis),
deren -gi
man freilich zu goth. -hun
stellt, wofür besonders die nebenform -gin
spricht z. b. in hvergin
ubicunque (
aber auch nirgends),
das sich zugleich so merkwürdig wiederholt in alts. ahd. hwergin
irgendwo (
s. irgend).
aber wenn auch diesz -gin
zu goth. -hun
gehört, zumal in seiner indefiniten bedeutung, so stimmen die gi-
formen mit ihrer zusammenfassenden bedeutung (
die negative ist allerdings aus der indefiniten leichter zu begreifen)
dennoch so nahe zu den andern germ., dasz man sie wol nicht trennen kann; die nachstellung wäre wie beim altn. artikel, aber auch aus der gedachten ursprünglichen doppelung gi hwat gi hwat
wäre das altn. hvatgi
ebenso gut zu begreifen wie das alts. gihwat,
das ags. gehwät (
vgl. auch mit altn. mangi
nemo das ahd. gimanno 3,
b).
dasz zwei verschiedene wörter, die im laufe der entwickelung in sinn und form sich nähern, endlich auch in eins übergehen, ist ein häufiger fall, den man bei der wortforschung noch zu wenig in rechnung zieht, wol weil man sich das leben eines wortes von vorn herein ungefähr wie éinen sich fortspinnenden faden denkt, während auch zwei, ja drei sich zu einem zusammendrehen, verweben können. III@2@cc)
bemerkenswert ist dabei, wie auch hier ohne das gi-
jene wörter doch in der zusammenfassenden bedeutung erscheinen; z. b. altn. hvar
auch für überall, wie sonst hvargi (Egilsson 417
a, Fritzner 302
b),
ags. hwäðer
auch für uterque, hwilc
auch quisque, alts. hwilîk
auch jeder, selbst hwe
für gihwe
quisque in morgan hwem
an jedem morgen Hel. 693 (21, 6)
in der Münchner hs. für morgan gihwem
der engl. Ebenso ahd. hwelîh
gleich gihwelîh,
wie alts. manno hwilîk
Hel. 5037 (153, 19)
in der Münchner hs. neben manno gihuilîc
in der anderen, so neben giwelîh manno Otfr. II, 8, 47 alero manno welîh
Musp. 19. 34 (
hs.), allero lido welîh 92,
auch blosz rahhôno welîhha 64. 69,
causarum unamquamque. es ist deutlich schon derselbe reine wegfall des gi,
das doch in dem worte den begriff der zusammenfassung eigentlich allein darstellt, wie u. 1,
b, β (
s. auch unter 3,
b nachher),
gleichfalls theils mit vertretung, wie durch allero,
theils ohne sie, doch im zweiten falle gewiss durch die betonung ersetzt, wie in dem spätern mhd. und nhd. wer
quicunque für swer, swer sô. III@33)
Noch ein paar andere erscheinungen des ge-
sind, glaub ich, im anschlusz an das vorige in ihrer entstehung zu begreifen. III@3@aa)
für das welîh
gleich giwelîh
trat auch gilîh
ein (calîh
unusquisque Graff 1, 112),
z. b. chunno kilîhhaʒ
Musp. 32,
jedes der geschlechter, auch wie dort verstärkt allero manno galîh Graff 1, 112. 205, allero rehto gilîch
de Heinrico 27,
und ich halte diesz galîh
für eine der ältesten bildungen nächst den vorigen, von lîh
leib, dann gestalt, erscheinung, endlich als begrifflich allgemeines oder umschreibendes wort überhaupt, wie ähnlich heit, name; manno gilîh
gleichsam mann für mann, alles was mannes art hat (
daher noch nhd. männiglich).
wie nahe das dem welîh
im sprachgefühl stand, zeigt auch das nebeneinandergehen des verstärkten io gilîch (
nhd. jeglich)
und io giwelîch,
aber auch um das gi-
gekürzt iolîh
und iowelîh,
noch mhd. ielich
und iewelch.
dabei schwanken die bildungen damit merkwürdig zwischen subst., adj. und adv., vermutlich von ihrer entstehung her; vgl. Grimm
gr. 2, 569
fg. III@3@bb)
am merkwürdigsten aber gehn auch nebeneinander in späterer, noch kürzerer bildung z. b. mannolîh
unusquisque und gimanno
viritim Graff 2, 750, jârilîh (
für jârolîh,
voll jâro gilîh)
und gijâro
quotannis 1, 610, tagolîches
und gitago
quotidie 5, 363 (
das erste mit verdeutlichender adv. genitivendung, alts. dago gihwilîkes);
vgl. Graff 4, 59, Grimm
gr. 2, 748.
da ist in mannolîh
zunächst wieder der wegfall des gi-,
das doch eigentlich das bezeichnende war, wie unter 2,
c; aber es sieht zugleich aus als wäre bei dem bedürfnis weiterer kürzung gilîh
getheilt und vertheilt worden auf mannolîh
und gimanno
u. s. w., sodasz doch in beiden vom gen. pl. manno
das -o
mit übernommen wurde als syntaktischer rest der urspr. wendung (
wie selbst im adj. theilweis z. b. tagolîch
diurnus neben tagalîch, tagilîch Graff 5, 362).
ich denke mir also die reihe der bildungen so, dasz zuerst gesagt wurde gi
oder ga man ga man
u. s. w., gleichsam '
der und der und der'
u. s. w., dann in abkürzender zusammenfassung manno galîh,
endlich mannolîh
und gimanno.
an dem falle wird theils die beweglichkeit des ge-
klar, als nachklang seiner ursprünglichen freiheit, theils wie es dann den weg der mannigfaltigsten verwendung betreten konnte, dessen anfang unter II
zu zeichnen versucht wurde. III@3@cc)
auch das gi-
bei zeitwörtern läszt sich auf jenes älteste zurückgehend denken. bei gangan
z. b., die einheit des goth. ga-
mit ge-
vorausgesetzt (
s. 4),
könnte goth. gagaggan
entstanden sein aus ursprünglichem ga (
oder ja) gaggiþ A. ga (ja) gaggiþ B.
u. s. w., woraus sich gagaggan
als zusammengehn gleichsam addierte. III@44)
Doch stehn der ganzen entwickelung, wie sie da versucht ist, noch schwierigkeiten im wege. III@4@aa)
jene bedeutung '
und'
fehlt sowol dem goth. ga
als dem ahd. ga, gi,
sie ist nur beim ags. ge,
alts. ge
und gi
bezeugt. dafür steht im ahd. vielmehr ja,
ebenso alts. ja
neben ge,
und auch goth. noch erkennbar in jah,
d. i. ja-uh,
und (
auch jah — jah
sowol—
als auch),
und wol in jabai
etiamsi, etsi, εἰ καί,
κἄν.
alts. im Hel. auch in formeln, wie ge
unter 1,
a, z. b. ja land ja liudi 354 (11, 6)
in beiden hss., während in derselben formel 4375
C. gie .. gie
hat für ja .. ja
in M., sodasz doch an der einheit beider worte fürs alts. nicht zu zweifeln ist, nur éin wort in verschiedener gestaltung vorliegt, von denen eine die jüngere sein musz. das ahd. ja
mit der reinen bedeutung '
und'
sehen wir nur noch im verschwinden (Graff 1, 568),
z. b. bair. im Emmeramer gebete, wo auch sichtbar wird, wie es früh durch enti
ersetzt ward, s. Müll.
u. Sch.
denkm. 1873
s. 192
fg., dazu 566,
auch 502.
in der zusammengesetzten gestalt vollends sind durchaus geschieden ahd. (
goth.) ja
und ga,
zugleich im vocal alts. ja
und ge-,
und nur im altfries. findet sich auch ja-
gleich ga-
einmal in jahwelik, jawelik,
dann auch jewelik
u. a. gleich ahd. gahwelîch,
s. Richthofen 837
b,
der dritten form entsprechend im partic. z. b. jebeden (
s. I, 3,
a, α),
auch in der bed. '
ja' je
neben ge 838
a,
wie ags. gea Ettm. 416,
northumbr. gæ Bouterw. 323
a,
goth. ja. III@4@bb)
die frage ist also, ob da zwei worte in eines verwachsen sind (
vgl. 2,
b a. e.)
oder ob nicht doch nach lage der dinge ja '
und'
und unser ga-, ge-
von haus aus eins sein können, wie sie sich im ags. in ge
völlig, im alts. theilweis als eins zeigen. der übergang von j-
in g-
war im ags. so gut wie regel, im alts. auch entwickelt, nicht nur vor den sog. weichen vocalen, wie in gêr
neben jâr
jahr, auch vor a
in giâmarlîk
neben jâmarlîk
im Hel. 735 (22, 12),
ja in dem fraglichen worte selber in gia
gleich ja
und, auch 1841 (55, 23),
mit gi-
oder gj-
gleich j-,
doch im übergange zu g-
begriffen, was sich auch in gie
gleich ge
noch fortsetzt. auch ahd. war dieser übergang an sich möglich, bis ins streng hd., nicht nur vor e
und i (
wo auch der übergang gj-
z. b. in gietîsan),
auch vor a
in gâr
nach gârpuoh Weinhold
bair. gr. s. 182
fg., vgl. alem. gr. s. 182
fg. und oben unter G, 4.
im goth. freilich liegt davon nichts vor, es müszte sich denn eine spur davon erkennen lassen in dem þauhgabadauþniþ
Joh. 11, 25,
wo man vor Uppström
las þauhjaba dauþniþ;
den bemühungen um die fragliche wortfügung darf entgegengestellt werden, dasz nach dem sonstigen sprachgebrauch das geläufige doch wäre þauhjabai gadauþniþ
als regelrechte übers. von κἂν ἀποθάνη; vielleicht steckt nun in dem, was die hs. wirklich hat, ein verwachsen der beiden worte, sei es als versehen des schreibers oder als wirkliche sprechform, wobei ja
und ga
zusammenfallen, ein nachklang der urspr. einheit? III@4@cc)
dasz dennoch goth. ga-
und jah
so scharf getrennt sind, noch schärfer ahd. ja
und neben ga-
mit gesteigerter lautstufe ka-, ki-,
das wäre etwa zu begreifen aus einer frühen trennung beider, wonach die ausbildung des ga-
als unselbständigen hilfswörtchens wenigstens um jahrhunderte weiter zurückliegen müszte, worauf letzteres wie im inhalt so auch in der form seinen eigenen weg beschritt, hd. auch mit lautverschiebung, die doch das eigentliche verhältnis nicht verschob, das zeigt z. b. der verschiedene anlaut in chunno kilîhhaʒ
unter 3,
a. bemerkenswert ist noch, wie das goth. überhaupt dabei zum theil seinen eignen weg gieng, indem ihm die bildungen unter 3
abgehen, es hat für gahwer
quisque hvazuh,
für gahwedar
uterque hvaþaruh;
diese bildung muszte wol schon vorhanden sein als die mit ga-
ins leben trat, aber sie bestätigt ihrerseits die angenommene entstehung von gahwer
u. s. w., denn auch diesz -uh
bedeutet und, auch. III@55, III@5@aa) ja '
und'
ist im grunde nichts als unser heutiges ja (
vgl. Scherer
zur gesch. d. d. spr. 376),
das noch heute auch als nachdrucksmittel überhaupt gebraucht wird mit kurzem vocal z. b. in es ist ja nicht wahr,
als mittel einer steigernden hinzufügung z. b. in viele, ja alle
u. ähnl., woraus sich jenes alte ja
oder ja — ja
für und oder auch, sowol als auch sofort begreift; es erscheint wie ein ausdruck oder unterstützungsmittel der hervorhebung durch den ton, wie es denn noch mhd. nicht eigentlich allein, sondern meist mit ich
o. ähnl. (
als vertreter des ganzen bejahten satzes)
verbunden erscheint. III@5@bb)
erwähnenswert ist übrigens, wie in mundarten auch das bejahende wort in nebenformen ga,
selbst ka (
nl. ke)
und chja, cha
erscheint, s. Schm. 2, 273, Fromm. 6, 516. 406. 190. 5, 369, Schröer 42
b,
nürnbergisch schon um 1600 ka (V, 6
leider fehlend): ka werla (
ja wahrlich), es thut mir selb and. Ayrer 2608, 18
K.; ka werla, die arbeit ich auch all kan. 2609, 14 (ey ja
z. 6). III@5@cc)
falls daneben ga-
echt und ursprünglich ist, was man bis auf weiteres als möglich stehen lassen musz, so kommt da die verwandtschaft mit lat. cum
u. s. w. in frage, die seit J. Grimms
annahme gr. 2, 752
ff. meist als feststehend fortgeführt wird (
vgl. besonders gemein
gleich lat. communis);
doch werden im nl. wb. unter ge
sp. 357
fg. dagegen wesentliche bedenken geltend gemacht, wie ebenfalls gegen die zusammenstellung mit einer sanskr. partikel gha, ha,
wenigstens, doch. fraglich bleibt auch noch die ahd. nebenform ha- hi- he-
in haarpit Graff 1, 407, hicoz 1, 285, hiwadre 1, 1222, hewinnent 1, 878,
am merkwürdigsten aber die altfränk. hamedii
conjuratores Grimm
gr. 2, 753.