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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ge

Bd. 4, Sp. 1594
ge , eins der vorwörtchen, wie sie Schottel 632 treffend nennt ('vorwörtlein' ist seine form), die nicht mehr als wort für sich erscheinen, nur noch andern worten vorgesetzt, dienend beigegeben; von ihnen ist ge- das häufigste und merkwürdigste, hat den weitesten wirkungskreis und die reichste geschichte, darum auch noch manche dunkle stelle, ist aber auch nach mehreren seiten für allgemeine fragen lehrreich wie kein anderes. II. Form und äuszere schicksale. I@11, I@1@aa) die älteste gestalt ist goth. ga-, z. b. galeiks ähnlich, galeikan gefallen, gasinþa reisegefährte; auh ahd. noch ga-, z. b. galîh similis, aequalis, galîhhên placere, gapirgi montana, auch mit eingehaltner lautverschiebung ka-, kalîh, kapirgi gebirge, kaperc oder caperg aerarium (mhd. geberc, ort zum bergen), alts. nur in einer verlorenen spur in gaîhuethar uterque neben geîhuethar in der Frekenh. heberolle Heyne kl. altn. d. 129a. doch selbst durchs mhd. hindurch bis ins nhd. hat sich diesz älteste ga- vereinzelt erhalten (s. 2, e, β), und auch im rom. gebiete z. b. in franz. gaspiller vergeuden, von einem altgerm. worte das z. b. in ahd. gaspildan vorliegt Diez 640 (2, 306, vgl. kostspielig 3), älter prov. in galaubia aufwand von goth. galaubs kostbar Diez 638 (2, 304), auch noch ital. z. b. in trient. gaburo schelm u. ä. gleich ahd. gabûro bauer Diez 405 (2, 31), in dem namen Gastaldi, franz. Gastaud, d. i. venez. gastaldo gutsverwalter, it. castaldo, langob. gastaldius landvogt u. ä., s. Diez 393 fg. (2, 18), eigentlich helfer überhaupt, vgl. ahd. nôtgistallo, mhd. nôtgestalle und nôtgestalde helfer in der not, im kampfe. I@1@bb) mit schwächung des vocals ahd. gilîh und kilîh, selbst chilîh, gibirgi und kibirgi, gisindi und kisindi; ebenso alts. im Heliand (ohne einen rest von ga-) gilîk, gibirgi, gihwílîk jeder, gisîð reisegefährte (auch im Hildebrandsl. nur gi-), aber daneben auch schon gelîk, gehwilîk, gesîð, wie auch ahd. schon ziemlich früh ke- und ge-, letzteres auch altmd., z. b. im zweiten Merseburger zauberspruche geliden, gelîmida. übrigens erscheinen auch ahd. verschiedene formen in demselben schriftstücke zugleich, nicht blosz ki- und gi- z. b. im Muspilli (kein ga- mehr), auch ki- oder gi- und ke- oder ge- in Christus und die Samariterin, gi- und ge- im Ludwigsliede, und ebenso ga- und ge- im Wiener hundesegen, ja selbst gi- und ga- oder ka- z. b. in dem Monseer prosastück in Müll. u. Scherers denkm. nr. lix, ki- und ka- oder ga- in nr. lxxviii, vgl. dazu das. s. 526 (1. ausg. s. 466) und Steinmeyers versuch in Haupts zeitschr. 16, 131 ff., den manchmal noch gröszeren wirrwarr, besonders in der keron. benedictinerregel, die doch von einer hand geschrieben ist (s. 133), zu erklären; ga- oder ka- erhielt sich danach im bair. gebiete am längsten, gi- ist im fränk. und md. gebiete am frühesten entwickelt, während ge- aus beiden entstand, daher mit beiden in einer längeren übergangszeit wechselt. I@1@cc) aber der hauptgrund des schwankens liegt in dem tonverhältnis, das sich daraus erkennen, heraushören läszt, d. h. das vorwörtchen, das schon ahd. seinem inhalte nach stark entleert erscheint, war eben dadurch und durch die nachbarschaft des haupttones auf der stammsilbe so gedrückt gleichsam, dasz sein klang hauptsächlich im vocal gewissermaszen gleichgültig geworden war, ebenso wie vielfach auch damals schon in den endungen besonders dicht hinter der stammsilbe. diese gleichgültigkeit ist hauptsächlich ausgedrückt auszer durch schon ahd. erscheinenden völligen ausfall durch eintreten des allgemeinen ĕ, das selbst schon damals gewiss verschieden klang, noch deutlicher wenn der vocal einfach einklingt in den vocal der tonsilbe oder genauer gesagt dieser in der vorsilbe vorklingt, z. b. in kurûni gl. Ker. 245, gupûro Graff 3, 19, guhugitun Otfr. I, 22, 6 F, gulûti Diemer 118, 4 hs., s. die sammlung bei Müll. u. Scherer denkm. 322 (303) und 425 (379), wo auch gogoʒʒen, gohôren u. ä., auch gabâren, gazâme aus mehr mhd. zeit, die sonst ga- nicht mehr kennt (vgl. unter 2, b, α); es ist im grunde dieselbe erscheinung wie nach der tonsilbe, z. b. in Balderes volon für volin im zweiten Merseb. zauberspr., in Gouchospach Förstem. namenb. 2, 592, auch wie sámasa neben sámasô Tat. Siev. s. 428b (a als enttonter vocal überhaupt in sôsa neben sôse für sôsô 441a). von dem vocalisch klingenden w herbeigeführt ist vorklingendes u oder o z. b. in guwís, eocouuélîh a. a. o., während o mehr als dumpfer, unbestimmter laut erscheint in gohieʒ, gosageta s. 322, ungostrêlit Haupt 5, 201b; vgl. im 14. jh. elsäss. fürlôsen Merswin 50 u. o., ürstorben, ürdenken 115, unpfôhen 57, schweiz. gümein, büsetzen, bülîben, bühüeten weisth. 1, 180 fg., wie in der endung sachü, gerichtü, al lüs ebenda, übür 4, 369, alles eigentlich nur färbungen des unbestimmten ĕ neben der tonsilbe, das daneben auftritt, d. h. es ist im grunde schon dieselbe sachlage, wie sie Luther einmal ausspricht in bezug auf das enttonte das als art. (s. II, 973), das man den buchstaben a kaum höret oder nicht weisz obs a, e oder i laute. I@1@dd) auch das grellste schwanken, das von ki- und ka- musz sich daraus erklären. wenn in glossarien sogar dicht oder nah beisammen stehn kihabêti und karihtit Diut. 1, 504b, kisakêt und kanuhtsamî 501b, kiwaht und kasuannan 500a, kisuntarôn und kaziuki 516a, kasuachu und kitân Nyer. symb. 205, kihabên und kanuht 198 (Germ. 11, 37b), kalîh und kizalt 179, caflihtis und kimaʒʒo 181, kispanan und kaimpitôn 186, kimaʒʒo und kasind Germ. 11, 39b, kasuah und kiwâtun 39a, karuste und kisarfton 41b, so kommt man da mit der annahme verschiedener verfasser oder mehrfacher abschrift (Haupts zeitschr. 16, 137), wie sie auch wirklich betheiligt sei, doch nicht durch. man hört aber leicht heraus, d. h. wenn man nicht die ki- und ka- losschneidet als todte stückchen und für sich besieht, dasz da ein behagen eben an dem accordartigen spielen der vocale mit thätig war, dasselbe das in der ausbildung der stammsilben dem nun freilich bald verfehmten, aber doch lebendigen ablaute im sprachgefühl zu grunde liegt, vielleicht ihn erzeugte. möglich wurde das eben durch jene eingetretene gleichgültigkeit des vocals, die ihn dem sprachgefühle gleichsam frei gab. so begreifen sich auch bei Müll. u. Scherer nr. lix bei sonst noch herschendem ga- oder ka- die paar eingestreuten giwanta, gihworfan neben galîhho, gachunde, und auch in der keron. benedictinerregel, wo doch, wie eben jener mühselige versuch zeigt, verschiedene hände die wirkliche erklärung nicht geben, wird in der dem auge erscheinenden verwirrung dem ohre jenes behagen hörbar, wenn man z. b. kasiht s. 56 und kifangan 68, kawisso 68 und kidanc 32, kasungan 61 und kilauba 29, kalimfan 75 und kitân 36 nebeneinander hält; ebenso hymn. 5, 5 kilauba und kafuagê (auch kituat und kaheiʒʒum) dicht beisammen, und wenn man nur nicht gleich wieder eine regel oder ein gesetz daraus macht als stubengrammatiker, so stört sich das gar nicht mit den eingestreuten ke- oder mit dem wechsel z. b. in kilaupa kageoʒʒanti unkalaupîgen hymn. 20, 2, noch mit kiwisso hymn. 1, 7, katân bened. 64, kichrifta und cawahsan Germ. 11, 34b, kahalôta und kiwicki 36b, kicoʒanaʒ kasamane (neben kisaminî) 38, wo der leichte vocal in den hauptvocal einklingt, wie unter c, statt ihm entgegenzuklingen, wie er auch gekonnt hätte. und es ist ebenso mit dem wechsel von za und zi, wenn man z. b. zusammen hört zisamane Diut. 1, 498b und za slîʒʒanne 516b, zisamane zisazta und za chuninglîhhemo 520b, vgl.za wunscanne 516b, za mûrom 523b, za wuntarônne 503b, za jungist 499b (vgl. auch zifallan 510b, zicoʒʒan 522b, und zarziohan 501a mit zurkank 501b); auch mit ki- und ka- sich im klange kreuzend zi kasnîdanne (neben kiworafanî) 533b, zi karechanne 505b, zi gahursganne 503b neben za kifuakidu 498a, wo der volle dreiklang ins ohr klingt. nicht anders bei ant- und int- z. b. in anthuabi 528b, intfrâgên 499a, aber kiantfrâgôn 507a. und selbst pi- oder bi- wechselt so mit pa- oder ba- z. b. in pihuahôn 500a neben zi bahuahônne 500b, picurtêr succinctus 524b neben pacurtit 532b, ferner z. b. paniusidu 493a, padiu 492a, padwunkan 517a, paseidôt 530b, bawîset 496a (piwîsan 499b), aber piwânta, biwânit 502a, pifangan 509b, piviangun 499a, selbst umbipazûnta circumsepsit 519b mit vollstem accord (vermutlich war umbabizûnta eben so möglich, s. umbi und umba Graff 1, 257). auch in herabgedrückten silben hinter der tonsilbe liegt die gleiche erscheinung in menge vor, vgl. z. b. petapûr, petupûr, betibûr bethaus Graff 3, 18, hlountar, holantar, holandir 4, 880, unzan, unzun und unzin (auch inzin) im Tat., und die ahd. formen unter gaukler, sie kann einen am kürzesten lehren die todten lettern in klänge übersetzen, eine kunst die man zuletzt und am schwersten lernt und doch eigentlich zu allererst braucht. I@1@ee) die dünnste gestalt ge-, wie sie schon ahd. und alts. auch auftritt (s. b), hat über diese zeit hinaus allenthalben die herschaft, doch nicht ohne ausnahmen; wie hd. in der übergangszeit zum mhd. noch gi- erscheint (s. unter 2, b, α aus Diemer), so mhd. z. b. giselschaft Augsburger stadtb. s. 7. 182, md. im 14. jahrh. z. b. girecht, gigebin in Beheims evang. (s. Bechstein s. 255a), auch nordfränkisch gigeben, giwant, gisetzet, gihôrt, gilegen, givêrde (neben gesuecht, geschehn). Höfer urk. s. 320. 326. Aber auch im ags. ist ge- schon herschend, gelîc, genôg, getrûwian u. s. w., doch nordhumbr. auch noch ginôg, gilîce u. a., theilweis selbst vorherschend (s. Bouterw. evang. 323b), vgl. gibûr u. ä. in dem gloss. Mones anz. 7, 137, vermutlich auch in ags. mundarten, worauf schon das spätere i- deutet (s. 3, a, η). auch altfries. erscheint neben ge- einzeln noch gi-, wie neben e- einzeln i- (selbst a-, wie noch von ga-), s. Richth. 838a. Im altn. überhaupt nur noch wenige spuren in glîkr gleich, gnôgr genug, den älteren formen für lîkr, nôgr, die dann allein fortlebten (wie nâð gleich mhd. genâde), aber noch bis heute in norw. schwed. granne nachbar, altn. granni, d. i. goth. garazna, von razn haus, altn. rann (Grimm gr. 2, 735), doch ist der ursprüngliche wert des g- längst vergessen, wie bei uns in gleich, glied u. a. neunordische ge- stammen nur von entlehnung aus dem hd. oder nd., wie schwed. gebit gebiet, gehör, geml, gemen gemein,n. auch gehalt, gestalt, gemyt, geraade geraten, gedigen u. a. I@22) Das an inhalt und ton so früh verringerte vorwörtchen, das doch zugleich so viel gebraucht war wie kein anderes, muszte eben darum weiterer bedrängung unterliegen, bis zum verschwinden (s. 3); die verkürzung beginnt im hd. gebiete am vocal, im nd. gebiete am consonanten. I@2@aa) auch ahd. schon zeigt sich nicht selten der vocal geschwunden, s. die zusammenstellung bei Graff 4, 13. vergl. schon gothisch gaþþantraua für gaaþþantraua 2 Tim. 1, 5 (s. II am ende). I@2@a@aα) am begreiflichsten vor einem vocal (der seinen spir. lenis abwarf), z. b. karnên mereri für kaarnên, kearnên, kiarnên, s. Graff 1, 426, kimpitôn inserere (impfen) für kaimpitôn, kiimpitôn 1, 262, kunsûbirit deformatus neben kiunsûbirit 6, 72; s. mehr bei Weinhold bair. gr. s. 29. dann vor w, das mehr vocalisch klang (daher ahd. die schreibung uu), so in dem viel gebrauchten worte (mit und an solchen beginnt natürlich das neue) guuis, auch guis, kuis oder guis für kiuuis, giuuis gewiss Graff 1, 1106 ff., übergangsform ist guwis u. ä. (s. 1, c), dessen u freilich zugleich nicht viel mehr wert hat als z. b. in tuwâl für twâl Diemer 289, 23. I@2@a@bβ) auch schon vor liquiden, zuerst vor n und l, z. b. in dem gleichfalls vielgesprochenen knuog, gnuog, auch ubargnoac abunde, satis Graff 4, 1006, gnôkint suppetunt Haupt 5, 352b. ebenso gnâda, das im weltlichen und kirchlichen leben viel gebraucht war, s. Graff 2, 1026 ff., wo auch gnâdig, gnâdên, und bei Haupt 8, 112 neben lauter ke-, selbst einem ki- s. 111, doch schon gnâdigheit (das n wirkte erweichend). im 9. jh. auch schon gnôʒ Müll. u. Sch. denkm. s. 449 (509), es war im leben viel gebraucht und wichtig. vor l z. b. glîh, glîch bei Williram u. a., s. Graff 2, 110, sunderglich 114, glîchnissa 115 fg. selbst vor r schon im 10. jh. nach ûʒkrunnemo egesto (ausgeronnenem blute) Graff 1, 516, vgl.grant coagulatus 518, grech, grecho 398, grehtî 412, ungreht 411. vgl. Weinhold a. a. o., auch alem. gr. s. 21. I@2@a@gγ) auch alts. eine spur der ersten art in coronasti 'gerodostu' gl. Lips. 387, während in der vorhergehenden glosse gleicher bedeutung 'geheredes' das verschwimmen durch ein h statt spir. lenis (s. sp. 1281 unten) verhütet ist, wie es ahd. steht in kahêrêta gleich kaêrêta coronavit Graff 1, 448. auch ags. vor e z. b. nach gearnung, geácnian neben geearnung, geeácnian Grein 1, 396, denn die einfachen formen sind earnian, eácnian. I@2@bb) im mhd. zeigt sich eine doppelte bewegung, ein fortschreiten der kürzung und eine rückgängige bewegung zugleich. I@2@b@aα) in der übergangszeit kann nicht wundern z. b. gnâde, wie schon ahd. gnâda, s. z. b. Diemer gen. u. ex. 2, 141b neben vorherschendem genâde, auch Müll. u. Sch. denkm. 419. 432 (hier doch selbst gwis noch als bedenklich behandelt, in der 1. ausg. s. 384 selbst als unerlaubt), gnôʒ fundgr. 2, 80, 17, gnuht 81, 2, gloube 80, 19, gnist, gnedger herre Diemer ged. 305, 18, gwæfen 43, 2, man sieht das fortschreiten der kürzung; natürlich auch vor vocalen wie garnet, giteniuwet Diemer 305, 27. 10, gurchundet 233, 17, gêret 230, 13, selbst schon vor h gherbergote 230, 15, doch dazwischen noch ziemlich häufig gi- (haupts. vor i oder a), s. das gloss. 106b ff., selbst ein ga- in galaite 268, 9, so flüssig war der vocal im sprechen, wovon nicht einmal alles in die feder kam. in der Straszb. hs. des Rolandsliedes z. b. gwan 53, 2. 75, 3, gnôʒ 70, 4, globten 18, 28, glastert 75, 24, garbeite neben gearbeite 111, 27. 34, geinet 218, 30, kein gi- mehr, aber gurûmte 75, 23 (wie parait 185, 23 für bereitet), wie noch mhd. gusungin (md.) Haupt 16, 243, gabâren (alem.) 213, s. unter 1, c und aus dem mhd. 2, e, β). auch vor r greht Diut. 3, 484. I@2@b@bβ) im eigentlichen mhd. zeigt sich in der dichtung theilweis ein streben gegen die kürzung, das mit der entwickelung des strengen stilgefühls zusammenhängt, am deutlichsten bei dem späten dichter, der es besonders im äuszerlichen am schärfsten bewuszt entwickelt hat, Konrad von Würzburg, der sich nach Haupts beobachtung zu Engelh. s. 219 nur gnâde und gnuoc erlaubte, aber nicht einmal gloube, glîche, ieglich, sicher im widerspruch mit der rede seiner zeit, wenn auch, wie sich das in spätern jahrhunderten wiederholt hat, die gewähltere dichterform rückwärts in gebildeten kreisen einflusz geübt haben wird auf die aussprache. und doch findet sich schon bei Hartmann auszer gnâde, gnôʒ, gnuoc, glîch Iw. 7272, gnesen 4338, gloube Greg. 946 auch gmach 115, gwin 933, gwant 827, gwis Iw. 7477, gwonheit 148, selbst grochen Er. 3224 Haupt, während bei Neidhart nur gnâde, gwin, gwalt sicher sind nach Haupt s. 173, vor r aber z. b. greht überhaupt wieder entfernt ist; kommen doch mhd. hss. vor aus guter zeit, wo auch gw- durchaus wieder zu gew- hergestellt ist, s. Lachm. zum Iw. 148. Auch der ausstosz erscheint nur so, dasz genâde, gewin u. s. w. daneben gehn oder vorherschen. und wenn die hss., auch die späteren aus dem 14. jh., die kürzung, die der vers ausweist, doch meist nicht ausdrücken, so ist das allein ein beweis, dasz im sprachgefühl eine gegenbewegung, ein streben nach wiederherstellung im gange war, noch mehr als von den dichtern gefördert von den schreibern, d. h. der anfang der schriftsprache, die sich von der gesprochenen trennte, aber auch auf diese zurückwirkte in gebildeten kreisen. wer die wirkung jenes schriftlichens widerstrebens recht deutlich sehen will, vergleiche nur z. b. das heutige wol erhaltene lebendig, das nur den ton wunderlich verschoben hat (noch im 17. jh. bei den dichtern lébendig), wofür doch schon im 12. jahrh. lemtig oder lemptig geschrieben erscheint (Diemer ged., reg. 111a, Lexer 1, 1848), d. h. die heutige aussprache der bauern; aber auch wenn man hier die beispiele unter β mit denen unter α vergleicht, ist die wirkung schon im 13. jh. sichtbar. übrigens sind auch in ahd. zeit schon spuren dieses widerstrebens der schreiber gegen die sprechform da, wenn z. b. ein schon geschriebenes ze in za gebessert ward Müllenh. u. Sch. denkm. 449 (509), vgl. ebend. 472 (533) über eine künstliche conservierung des alten, wie es da genannt wird. die schreiber von fach hatten eben naturgemäsz der sprache gegenüber dieselbe stellung wie später die correctoren und setzer in den druckereien, d. h. ihnen blieb zeit und kam die gewöhnung, an und über die form zu denken, mehr als an den inhalt. I@2@b@gγ) der durchbruch der volksmäszigen aussprache in der schrift, der dann der nhd. zeit neue kampfesarbeit gab, zeigt sich für ge- im 15. jh. (bei Brant s. Zarnckes ausg. s. 283a) z. b. in Mich. Beheims buch von den Wienern, wo theils das vorliegen der eignen hs. des dichters theils sein meistersingerisch strenges versmasz der beurtheilung zu hülfe kommt; er ist an sich durchaus bestrebt die ge- festzuhalten, aber dasz ihm das kunst war, nicht natur, zeigen die eingestreuten g- folgender art (schreibt er doch auch zKrain, zTirole, zPfirt 1, 20 ff.): wer sy nit gwessn ain solhe fraw. 191, 20; wer der marschalk nit gwesen, Jorg Hel wer nummer gnesen. 253, 13 fg.; wern dis hofleut nit gwesen, von den ich iecz han glesen. 182, 16; das ist war und nit glogen. 347, 12; und wann sy gnumen heten end. 198, 1; wie gern sy langer gsessen wern. 252, 16, dy ganz gemain, maister und gseln. 174, 9; da hielten sy sich in dem gsasz (hinterhalt). 32, 10; ich wider an die gfangen kumb. 259, 17; und der abgfaimten Wiener all. 101, 26; der Kling was selber nit im gslosz (schlosz). 391, 16 u. o.; er was ain gslef vil vaiger. 5, 6; Fridrich Gsmechl, Ladendorfer Hans. 16, 30. er wechselt aber ganz nahe mit ge- und g-, z. b.: und glaich wol Judas in der hell ... den selben was er wol geleich. 4, 19. 29; wann er gelaubet, wann er sturb ... er glaubet nit der urstend dart (dort). 3, 29. 31. nur selten noch ist aus versehen ge- geschrieben, wo ein verschlucken des vocals gemeint ist, z. b.: wann so im der wein machet hisz, so gewann er vil weishait und wicz. 5, 21. noch härtere lauthäufungen zeigt schwäbisch im 15. jh. Wittenweilers ring in gstrichen 2b, 3, gstoszen, gtragen 8d, 40 fg., vgl. gmach 33c, 7, gwonhait, gricht 50d, 25, gswaig 8d, 18, gschray 57c, 41, ghaben 43, 43 (auch bhielt 43, 24, zfechten, zstet 8d, 8. 4 u. dgl.), selbst zgfangen 50c, 41, doch immer nur zwischen vollen formen. schon im 14. jahrh. scheint z. b. Boner zu sprechen ungveder 64, 50, gbûr 62, 50, gbærde 69, 3, da er doppelten auftakt nicht zu brauchen scheint. daneben aber auch vor vocalen wieder voll, wo doch der ausfall ahd. zuerst begonnen hatte und mhd. noch geläufig war: geantwarte Beheim 198, 5, geehtet 194, 2, wie bei Folz z. b. geeckt fastn. sp. 1219, gearbeit 1220, geantwurt ring 51, 37, vgl. mit Wolframs géstrîcht Parz. 142, 5 im 15. jh. geestrichet weg strata Dief. nov. gl. 350a, und diesz schon in einer hs. des 13. jahrh. dort, selbst mit hervorhebender trennung (wie nicht selten) ge estrichet, mit estrich versehen. I@2@cc) in der nhd. zeit wird die doppelte bewegung aus der mhd. zeit her nach beiden seiten schärfer entwickelt, die wiederherstellende aber trägt für die schriftsprache und damit auch für die gebildete gesprochene endlich den sieg davon. I@2@c@aα) einerseits dringt auch in der schrift die kürzung weiter vor, hauptsächlich im oberdeutschen bereiche (aus Brant s. bei Zarncke s. 283a. 289a); am frühesten und entschiedensten schweiz., z. b. bei Zwingli vom touf Zürich 1525: gott hat gheiszen toufen. n 1a, ghebt, ghört m 4a, ghorsam g iijb; sy wurdind sich gschicktlich halten. a ija (auch bschach, vergl.bschnydung c iijb und oft), und auf derselben seite gmt, gforlich, gschrift, gspräch, doch dazwischen gesehen, gesigen, gevar, gelert, gespräch, wie a ijb anghebt und angehebt, n iijb gwüsz und gewüsz, das erste eine nachwirkung jener schreiberrücksicht unter b, γ, das zweite der aussprache folgend, die gewiss schon allgemein war, denn selbst vor g, wo die sonst entstehende schwierigkeit der aussprache das e am längsten halten muszte, ward es doch verschluckt nach ggeben, wie auf bl. c iij eilf mal steht (fürggeben l 4b, wo das gg leichter zu sprechen), nur selten noch gegeben c ib, doch auch schon geben c iija zweimal, d. h. mit endlichem abwerfen des g-, wie in gloubt neben ggloubt: es hat ouch Simon ggloubt und das er nit gloubt hat c 1b; ebenso ggangen o ib. ija, gewöhnlich gangen (s. übrigens dazu 3, b, α). auch mit anschleifung des artikels, z. b.: ich hett schier sghäck da gar vergessen. Ruff Etter Heini 775; es wil mir sgsesz im ars zerriszen. 488; zuo im in dgmeind und sich nit sumind. 440; zum ersten, so ich dgschrift ergründ. 1566; dann gott ist selber tgrechtigkeit. 2072 (in der zweiten hs. gebessert selbs die gr.). und vor vocalen: in fromkeit allzyt trülich güebt. 454 (in der zw. hs. in fr. sich a. geüebt). Auf bair. gebiete ist die kürzung bei weitem nicht so entwickelt z. b. im Teuerdank; gedruckt steht z. b. gwalt, gwunnen 63, 10. 9, gwidert 64, 25, angfangen 63, 16, gheim 67, 85, aber die vollen formen herschen vor (auch noch z. b. gelauben 10, 97. 165, gelück 28, 57, geleich 53, 26), wobei doch die stilrücksicht von b, β mitwirkte bei dem auch sonst dort thätigen bewuszten streben nach der alten dichtform; ebendarum ist das verschlucken oft dem leser überlassen, wie bei den früheren schreibern, z. b. (vgl. Zarncke zu Brant s. 289 fg.): darumb er im kheins pösen gedacht. 13, 90; mit irem geschütz, des was on zal. 76, 53; zletzt dem ritter geriet ein stich. 77, 87; zuo der (l. zuor) linken seit ins gesesz hinein. 85, 65. Noch lebhafter macht sich diese stilrücksicht in prosa geltend, auch schweiz., wenigstens z. b. in Basel, wo eine ziemlich lange eingabe der karthäuser an den rath vom j. 1529, in den Basler chron. 1, 464 ff. nach der eingabe selbst abgedruckt, die ge- durchaus zu erhalten bestrebt ist (sicher gegen die aussprache), nur entschlüpfte der feder auszer gnugsam 466, 36. 468, 6 auch glübt gelübde 468, 8, gschriftlichen 465, 41; in Ryffs chron. vom j. 1531 ebenda stehn dagegen auf s. 121 allein gwer, gwunnen, gheisz, ghalten, gschutz, gschriftlich, nur einzelne ge- dazwischen. Und so am Oberrhein noch gegen ende des jh. selbst bei Fischart (vgl. das gloss. bei Kurz 3, 514b fg.), der zu den sprachdenkern gehört wie wenige: daher jung leut, wol angewisen (als krieger) das lebendig gmäuer der stat hisen. glückh. schiff 916; auch gwünscht, das sie zu land glück heten. 1011; man sprach auch zu den schiffartgsellen. 839; da in die herrn gut gselschaft laisten. 1030; welchs gschwinder dan mein feder lif. 1142; zu gdächtnus solcher treu aufheben. 1000; das sie so wol sich gprauchet haben. 836; mit gspräch, wunsch, grus und trunk ergezt. 1010. man sieht, dasz keine schwierigkeit der lautanhäufung, auch wo sie der Norddeutsche als sprechbar gar nicht begreift, abhalten konnte das e fallen zu lassen. noch 1598 bei einem gelehrten Schwaben, Jac. Frischlin: von frawenzimmer gladen schwer. hohenz. hochz. s. 94; damit er that die gmahl verehren. 75; solchen lust hab ich gsehen kumb (kaum). 115; darauf ein siren gsessen war. 105; wie es vor war die grechtigkeit. 92; überzwerch auf den rossen gritten. 104; das man hat wöllen deüten gschwind. das.; von mancher zier und lustig gschmeisz. 103; dahinten lustig waren gstutzt. 102, wie auch bschreiben 94 u. ä. und noch im 17. jh. bei dichtern, die den alten stil festhalten, auch rheinländischen, z. b.: und gsicht will nit mehr taugen. Spee (Berl. 1817) 389; er gwisz mir drin gemahlet ist. 362. für gs- erscheint denn auch einfach x- geschrieben (s. schon sp. 1109 5, a), alem. und bair.: mit raut siner xellen. G. Oheim 68, 23; mit fischen gebraten und xotten. Lenz Schwabenkr. 105a; und zügt uns, das er arm ist xin. Eckstein concil, klost. 8, 724; enterbt, darzu nit keiser xin. das., doch auf derselben seite gsell, gsundheit. Man sieht dasz die wiederherstellung des 17. jh., auch mit dem be- u. dgl., nicht von dort kommen konnte, obwol auch dort, selbst in der Schweiz noch in der ersten hälfte des 16. jahrh. eine theilnahme an der rückbewegung sich bemerklich macht (sehr lebhaft später z. b. in Maalers wb.), z. b. in der zweiten hs. des Etter Heini gegenüber der ursprünglichen fassung, deren stark schweiz. färbung dort überhaupt möglichst zum hd. zurückgeführt wird, s. Kottinger s. xxxi fg. und 26, häufig auch in betreff des g- und b-, d-, z. b. statt denn ee dan gboren wurd (conj.) Christus s. 27 gebessert dann ee geporen ward Chr., vgl. v. 1397. 1125. 1106. 2539; doch war das nur orthographische rücksicht, durch auswärtigen einflusz, für die rede ohne bedeutung. I@2@c@bβ) wichtig wäre darum, nicht für ge- allein, auch für die e der endungen und damit für die entscheidende gestaltung der nhd. sprache überhaupt, eine genaue prüfung des bestandes in mitteldeutschen landen. im 16. jh. findet sich doch g- auch dort eingemischt, z. b. bei Waldis im Esopus steht in der einen kurzen fabel 2, 8, durch das versmasz gesichert, ongfehr v. 1, glert 50, gnomen 23, grichtshendel, gmeinlich 41, gbrechen 53, gstalt 34 (auch bkennes I, 91, 12, btrug 90, 102, zletzt 11, 76, dhelft III, 91, 34), er machte aber überhaupt für reim und vers freien gebrauch von formen verschiedener mundarten; bei Rollenhagen doch seltener, z. b. (auch bsoldung Pp 3b): auch schatten gnug machten dabei. C 5a; folgt vernunft, gdanken, will und herz. Ff 3b; seim gschöpf barmherzigkeit erzeigt. Hh 4a; weisz, was sein gwin sei oder schad. V 6b; zum gbratens kuchen back und brot. Pp 5b; meist ist das verschlucken dem leser überlassen, z. b.: solch gesellen werden billich gescholten. Waldis I, 39, 24; das er der gelindeste sein solt. froschm. Hh 3b; der vierte meint die ganze gemein. das.; merk am himmel und hanen geschrei. R 1a, wobei denn schwankende fälle häufig sind, z. b.: mag durchaus seines gefallens machen. Ff 4a, denn es ist auch seins zu lesen möglich, wie gedruckt steht und der vers sichert, hauptsächlich vor einem vocal, habn G 8b, nasn C 4b, schreckn E 8b, abr H 3a, einr Ji 2b, kindr Oo 4a, d. h. in bezug auf die in der aussprache schwindenden endungs-e der durchbruch des entschlusses, der früher schon angebahnt um diese zeit bei den dichtern als bewuszt zu erkennen ist, endlich die wirklich erklingende form auch in der schrift zuzulassen (noch im 17. jh. z. b. Soltau 2, 300 ff.), wobei denn selbst das e lieber in ge- geschont wird, als in den endungen z. b.: wie die Europa unverletzt von dem (l. vom) Jupiter ward übrgesetzt. Mm 2a: als er nun ward ein gerbrgesell. Ji 4b; beszr ist fried mit beschwerligkeit, denn krieg mit eitl gerechtigkeit. Ss 6a. der Magdeburger Rollenhagen hat aber die g- in seiner rede gewiss nicht gehabt, wie denn in seiner langen prosaischen vorrede kein einziges vorkommt (wol aber in der kurzen des Waldis zugsagt, gnugsam); ich glaube es war ihm und andern Norddeutschen ein stück des dichterischen stils, der seit dem 15. jarhh. im obern Deutschland ausgebildet auch nach dem norden vorgedrungen war. auch Luther machte als dichter gebrauch davon, doch selten, ich finde in den 36 liedern bei Mützell nur sieben fälle: für diesem argen gschlechte. s. 26. 40; dem sie mit glauben ghorchen. 27; nu freut euch, lieben christen gmein. 35; der sohn dem vater ghorsam werd. 36; er gieng in seiner armen gestalt (l. gstalt). das.; und hüt dich für der menschen gsatz. das.; sein wie ölpflanzen gsund und frisch. 229; in prosa dagegen ist bei ihm ge- entschieden vorherschend (s. Dietz), zwar gnug erscheint gewöhnlich, gnaw einzeln neben genaw, aber kein grade, gwalt, gsetz, und selbst genade, gelied herschen noch vor, auch gelück findet sich. diese unterscheidung zwischen gedicht und prosa greift aber auch nach dem süden vor, denn H. Sachs z. b., der als dichter und meistersinger von dem g- und b- freien gebrauch macht, hat in der vorrede zum 1. theile nur volle ge- und be-, obwol ich nicht zweifle dasz er die gekürzten formen auch selber sprach; auch in seinen pros. dialogen sind die vollen herschend (selbst genug 6, 3), nur kommt eingestreut vor gwalt 47, 3 nahe bei gewalt 46, 31. 51, 8, gewaltiglich 47, 14. 52, 5, gschrift 5, 16 zwischen geschrift z. 14 und 23, d. h. da ist ihm oder dem Nürnberger setzer die mundart einmal durchgeschlagen durch absicht und grundsatz. in dem letztern ist wol aber die fortsetzung des verfahrens der schreiber im 13. jahrh. (b, β) zu erkennen, nur mit dem unterschiede, dasz es in oberdeutschen landen mit der aussprache immer mehr in widerspruch geriet (daher der durchbruch b, γ), in den mitteldeutschen aber mit der rede im ganzen in einklang war. Denn auch im mitteldeutschen zwar finden sich eine zeit lang g- nach oberdeutscher art, z. b. im Leipziger urkundenb. im 1. bd. aus dem 14. 15. jahrh. gwisset gewissheit s. 17, gnugliche 212, husgnoszen 174, globen 58. 168, gleite 171 (neben geleite), gleitsman 214, besonders der gnante 59. 73. 168, vorgnante 68, mêgnant 169; dagegen lauter volle ge- in dem Leipz. stadtbuche des 14. jahrh. in den mitth. der deutschen ges. 1, 111 ff., ebenso wieder in den Leipz. stadtordnungen von 1544 (auch genade, genedig), obwol man noch jetzt von alten leuten gwandhaus aussprechen hört, doch als einziger rest und ohne gefühl der bedeutung; die g- erscheinen im md. durchaus als ausnahmen und nur bei sehr viel gebrauchten wörtern (z. b. in den zurufen gsegente mahlzeit und ghorsamer diener), in älterer zeit vielleicht nicht ohne oberd. einwirkung. und ebenso schon in der mhd. zeit; gwis, gwalt, z. b. in der Hohenfurter benedictinerregel (südböhm.) Haupt 16, 270. 273, aber z. b. der md. Leipz. Sachsenspiegel kennt nur gnâde (aber geloube), geloben), Beheims evang. buch nur gnâde, gnûc, gloube u. dgl., das passional auszerdem auch globen geloben, die heil. Elis. auch globen, glust (doch auch gnomen 6170), kurz in der md. rede ist ge- wie be- und wie die endungs-e im ganzen immer wol erhalten geblieben oder gegen den oberd. einflusz wiederhergestellt worden, besonders in der östlichen hälfte, von wo ja die nhd. wiederherstellung überhaupt ihren anstosz empfieng. I@2@c@gγ) bemerkenswert ist dabei, wie das schwanken der formen, das jetzt unserm gutgeschulten auge verletzend ist (das ohr kommt ja wenig mehr in frage), wie ein rest alter roheit, den dichtern doch zu gute kam, z. b. oft im 16. jh., wie vordem und auch noch später: da sprach der bauch zu den geliedern (so zu l.) ... da theten auch die glieder gmach. Waldis Es. I, 40, 19. 26; gelert bei glert und reich bei reich. II, 59, 23; gewalt mit gwalt zu widerfechten. I, 25, 30; das im bald hart gefror der schwanz ... in dreien stunden gfror so hart. III, 91, 8. 48; das er uns wöll sein gnad verleyen. das sein genad in uns aufwachs. H. Sachs 1, 57a (1, 242 K.); das wundert alles volk gemein ... der versammlung christlicher gmein. 1, 70a (1, 298). und so in resten noch im 18. jh., z. b. (s. auch gnade, gnaden, vgl. Gottsched sprachk. 1762 s. 533): thue disz, so wird dir gott lauter glück und segen geben ... aber mich hat das gelück in ein fremdes land gezogen ... kan ich disz mit rechte schlieszen, dasz du sehr gelücklich bist. Anna Helena Volkmann erstlinge unvollkommener ged. Leipz. 1736 s. 212 fg., ja noch heutzutage, wenn dichter mit gerade und grade, genug und gnug, genügen und gnügen, gleis und geleise nach bedürfnis wechseln. findet sich doch bei Göthe noch gsicht, im jahre 1773: es ist ohngefähr das garstge gsicht, aber meine liebe siehst du nicht. Göthe u. Werther s. 184 (gesicht werke 2, 281), auffallend weil er selbst in H. Sachsens poet. sendung die kürzung nicht braucht, auch frankfurtisch ist sie nicht, aber straszburgisch, vielleicht hatte ers dort im sprechen angenommen, wie die misels (s. kammermäuschen). I@2@c@dδ) die wiederherstellung siegte im sprachbewusztsein der gebildeten im 17. jh., bestand aber hauptsächlich zunächst darin, dasz man sie, die bei den schreibern, in kanzleien und druckereien für die prosa auch in oberd. landen wenigstens fürs auge längst angestrebt, zum theil durchgesetzt war, nun auch in den vers übertrug oder dasz man den dichtern die freiheit nahm, die sich seit dem 12. 13. jh. in Oberdeutschland herangebildet hatte, die dort herschende gekürzte sprechform als dichterisch zu verwenden; die führung im dichterischen stil gieng ja damals auf mitteldeutsche lande über, wo die gekürzte form auch im sprechen nie durchgedrungen war. bei Opitz, Fleming, die dann auch in äuszeren dingen muster wurden, sind die formen wieder voll, im bewuszten gegensatz zur oberdeutschen mehr volksmäszigen dichtung, die die g- und dergl. noch lange fortführte, während gelehrte dichter, wie der Schwabe Weckherlin (der doch die endungs-e noch ziemlich schwäbisch behandelt), die neue art rasch annahmen. wie der gedanke an die kürzung den maszgebenden kreisen ganz abhanden gekommen war, zeigt z. b. in dem erzschrein der fruchtbringenden gesellschaft s. 419 ff. eine erörterung zwischen Zesen, Dietrich v. d. Werder und dem fürsten Ludwig über vergesellschaften, vergewaltigen, die der erste anfocht, weil 'zwei kurze vorsätze ver und ge im deutschen nicht wol stehen können', wobei doch der möglichen kürzung wie in vergnügen von keiner seite gedacht wird. und auch wo nachher in Oberdeutschland die volksform noch verwendet wurde, sicherte man sich gern gegen den vorwurf der grammatischen unkenntnis durch setzen des apostrophs oder häkchens wie man ihn nannte, z. b. Abele, selbst mitglied der fruchtbr. gesellschaft*): das g'werkschaft-wesen gut ... berg-g'sellen und auch knecht. gerichtsh. 2, 38. 41. I@2@c@eε) doch hat das e bei seinem vordringen von nordosten aus im süden und selbst im westen noch kampf genug gehabt auch im 17. jh., um auch in der prosa durchzudringen. denn noch im j. 1618 setzt z. b. der bairische jesuit Schönsleder in seinem wörterb., für die höheren schulen bestimmt, zwar als stichwort an gelübd, gemach, geselle, gesicht, gewalt u. dergl., nimmt aber in den beispielen dann lieber seine bair. form des glübds, haimlich gmach, weggsell, ins gsicht gworfen, auszm gsicht gehn, es gschicht mir gwalt, während der Augsburger Henisch im j. 1616 diesen formen schon möglichst aus dem wege geht. selbst Grimmelshausen, der sonst den vollen formen die ehre gibt, meint im Teutschen Michel doch vom standpunkt seiner aussprache aus, wir könnten den ausländern, die unsere sprache zu gedehnt fänden, weisen, dasz wir aus dem einzigen e, dem allergebräuchlichsten aus den fünf stimmbuchstaben, so viel 100 hinweg zu werfen haben (Simpl. 4, 407 Kz.), findet dasz selbst in pflegen, bitter, mangel 'das hinterst e ein überflusz' (406), und schreibt dann sein Galgenmännlin selbst zum theil ohne diese e: dein schreibn .. in welchm du von den so gnantn galgnmänln so ausführlichn bricht von mir bgehrst u. s. w. (4, 259), freilich spottend wie über einen ungwöhnlichen newen stylum (260), aber doch mit verstecktem ernste, der sich gegen die Norddeutschen kehrt, nach der äuszerung im Michel: gefällts den Meisznern und ihren nachbarn nicht .. so werdens doch *) Opitz in der poeterei empfahl das häkchen als grammatisches zeichen, doch hat es schon vorher z. b. Schönsleder, im 16. jahrh. in den Niederlanden Kilian, und bei Österreichern erscheint auch schon im 16. jahrh. ein punkt dafür, s. z. b. Germ. 8, 464 fg. die Östreicher und ihre anstöszer nicht verstoszen (408), denn die Meiszner und ihre nachbarn brauchen zuvil überflüssige wörter und buchstaben (404); doch meldet er zugleich aus Östreich vom streben nach der neuen art, denn er kam dort zu einem wirte, der vor ihm als einem 'Schwaben' sich zwang, alles orthographice auszusprechen (389). über den westen vergl. auch die äuszerung des fürsten Ludwig im erzschrein der fruchtbr. gesellschaft s. 353 vom j. 1646: das verzwicken und auslassen (der e in endungen) wird sonsten durchgehend für unrecht und neuerlich gehalten (d. h. hier bei uns), ist auch an unterschiedene reinische höfe (genauer canzleien) erst aus dem Niederlande kommen, sodasz auch das Rheinland noch damals schwierigkeiten machte, wie denn damals Spee dort noch z. b. cron, trawrn, selbst wern für werden im verse brauchte (trutzn. 227). I@2@dd) gegenwärtig ist die wiederherstellung im ganzen auffallend gelungen, doch nicht ohne ausnahmen. I@2@d@aα) ausnahmen in der schriftsprache, wo das verschlucken nun fest steht und gar nicht mehr gefühlt wird, zum theil schon längst, sind glaube, gleich, glück, glied, glimpf, gnade, noch älter gönnen, worin das ge- schon mhd. vergessen war (ahd. unnan und giunnan) und gegessen, worin das zweite g schon gleich ge- ist. ist doch selbst das schwanken noch vertreten in gerade und grade, gleis und geleise, gnug und genug (s. c, γ), und selbst in prosa, wenn man geleite mit begleiten vergleicht, genug mit begnügen, vergnügen. in den zweiten formen ist das e sehr früh ausgefallen (und nun vergessen), weil die aussprache anstosz fand an den zwei gleich leichten silben dicht hintereinander, ein anstosz den man noch jetzt fühlt an vergesellschaften, vergewissern, vergewaltigen (auch verbescheiden), woraus das lebendigere 16. jahrh. gleichfalls vergwissern, vergwaltigen machte (vergwissen Schm. 4, 184, vgl. verbscheiden 3, 322), oder auch verwissern, verwaltigen, wie für begnügen, vergnügen noch das 17. jh. auch benügen, vernügen sagte; so gehört verloben mit geloben, verbieten mit gebieten zusammen, entstalten (s. d.) mit gestalten. aber auch entgeselleter dissociatus voc. th. 1482 II 2b, doch gesprochen gewiss entgsellet, wie vergstalten Maaler 420a neben vergestalten 419b, das erstere schreibt z. b. Fischart emblem. bei Wackern. s. 184 in prosa, wo er das ge- sonst voll läszt. I@2@d@bβ) die südlichen mundarten aber führen das verschlucken überhaupt fort und vielfach selbst die gebildetern dort, denen das ge- wie das -e u. dergl. oft genug noch blosz 'orthographisch' ist, wie oben bei Grimmelshausen. ein paar proben aus mundartlicher literatur sind nötig (auch die gesetzten oder nicht gesetzten häkchen, s. c, δ): d' buchdruckergselln müsten schon wieder ein blauen montag ghabt habn! Eipeldauer briefe 20, 3, Wien 1795; da (in der preusz. erklärung wegen des separatfriedens) wird alles haarklein erzählt, was d'Preuszen in den krieg fürs römische reich alles gthan habn .. dasz sich d' nachwelt aus dankbarkeit nie ohne z' weinen an sie erinnern wird. s. 5; ih hob an alt'n nachbern g'hat, den hauter (der wein) ah su g'schmeckt. Grübel ged. Nürnb. 1802 1, 76; ih bin scho dreymaul g'schwurner g'west. das. (vgl. Frommanns ausg. 3, 243); i kumm nit recht erus us dem wo si henn gsait. sie müe'n nit gschwind so redde, 's hochdytsch isch ohnedisz so kryzschwer ... ey! geh doch du mer wegg mit dym hochdytsche gspräch, red du stroszburgerisch. Arnold pfingstmontag 25; mit sy'm kalfakters gsicht, sy'm dukkelmusers gschwäz. 90. fest ist es in oberd. ortsnamen, z. b. Gmunden, Gmünd, Grütli. übrigens reicht das verschlucken nördlich bis nach Thüringen hinein, wo man nördlich von Walde auch von gebildeten z. b. gsehen, gschichte, gfallen hört, doch noch mit leisem anklingen des e. I@2@d@gγ) dabei treten im anlaut veränderungen ein. am merkwürdigsten, wenn im alem. sogar ein w durch das g- verdrängt wird (wie öfter nach k-, s.keck I, e), wie in günnen oder ginnen Stalder 1, 497, d. i. gwinnen, in erster form w (u) und i zu ü vereinigt (wie in altn. kykr aus kvikr, keck, vgl. kirre I, b), in ginnen aber das w (u) herausgedrückt; im part. gunnen für gwunnen: der nebel woget uf und ab, und d'sunne chämpft, sie loszt nit ab. iez het sie's gunne. Hebel alem. ged. 1820 s. 209 (der jenner). öfter steigert sich das g- zu k-, besonders durch vereinigung mit einem h, z. b. bair. 15. jh. kaisz für gheisz, verhiesze: dem kais ich geltes also vil. Germ. 3, 321. aber auch ohne diesz h, selbst md.: die ihr lebenlang kein kraden tritt thun. Mathes. Sar. 203a, geraden; krembs, gitter Rädlein 565a, d. i. gerems; bairisch z. b. in Kreut für Gereut. s. mehr u. K 3, b, Fromm. 2, 338. 3, 108 (tirol. z. b. kilf gehilfe, kröd gerede), Weinhold bair. gr. s. 30, alem. gr. s. 175. I@2@d@dδ) dagegen kommt gerade im tiefsten süden auch die volle form vor, so durchaus in Passeier und hie und da im Pusterthale (Fromm. 3, 108, Weinhold bair. gramm. 30), auch in Luserna, s. Zingerle lusern. wb. 63; in Kärnten wie ahd. gi-, z. b. giwalt, ginue, gitûn, s. Lexer 110b; in den sog. cimbrischen sprachinseln sogar noch mit dem ahd. vocal, z. b. ganug, galücke, ganada, s. Schmeller 123a (wol nicht ohne einflusz des ital.), sodasz der tiefste süden und der höchste germ. norden zugleich die beiden möglichen äuszersten enden darstellen, hier, d. h. in den nord. sprachen und im engl. das vorwörtchen eigentlich so gut wie verschwunden (s. 1, e), dort rein erhalten, wie ähnlich im engeren kreise des deutschen, wo den mundarten nach das ge- im süden im gebrauche am entwickeltsten, nur auf seinen consonanten beschränkt erscheint, im norden, im nd. theils auf den vocal beschränkt, theils abgefallen, im gebliebnen gebrauche aber sehr eingeschränkt ist; um so merkwürdiger ist, wie es in dem sonst unselbständig erscheinenden mitteldeutschen sich doch am besten erhielt, um von da aus wieder vorzudringen. I@2@ee) noch einiges merkwürdige ist, besonders im süden, I@2@e@aα) wie das streben nach wiederherstellung zuweilen fehlgreift, ein g- oder k- mit unrecht für ein ursprüngliches ge- ansieht. bei den verfassern mundartlicher oberd. wbb. finden sich oft angaben, wie 'g'hürren, kürren, getreide' Stalder 2, 65, g'hütt gleich kütt 2, 67, wovon doch die zweiten formen allein die richtigen sind, s. darüber korn I, d, kütte herde; vergl. aus dem Elsasz Stöbers g'welte lichtstube Fromm. 4, 580a und dazu kilt 4. das entspricht aber dem dort thätigen sprachgefühle, denn schon im 16. jahrh. schreiben so Frisius und Maaler falsch ghütt (s.kütte 1, e), als wäre es eigentlich gehütte; so erklärt sich denn auch die altschweiz. schreibung ghein für kein (s. d. 2, b). auch voll geschrieben ge-, schon im 15. 14. jh., wo nicht früher, z. b.: ist sü edel, so nim ich sie zu ainem wip. ist sie ain dirne (unfreie), so gib ich ir gut und han sie zu der gehebs. Schmid schwäb. wb. 225 aus einer unklaren quelle, d. h. halte sie als kebse; (der rihter) sol ouh han an dem libe ein vehe veder an oder ein gehütze. Konr. v. Ammenh. bei Schm.2 1, 1196, Kurz u. Weiszenb. beitr. 1, 193, d. i. kütze kotzenkleid; mich haben überwunden dein schein und geleste deiner ougen. N. Wyle transl., Lucretia, d. i. gleste, glanz; so geleiʒ für gleisz, glisz, glänzte: ir har recht als das golt geleisz. H. Sachs 1, 283b (2, 26 Göz); wer sich zu reudigen helt, der wird auch genetzig. Mathes. Syr. 1, 79b, für gnetzig, von gnatz grind. merkwürdig zugleich mit falscher participbildung: so sol der meier .. über gewerhede nacht uf den hof kommen. weisth. 4, 230, elsäss., sonst über querde, eigentlich twerhe naht mhd. wb. 3, 166a, die nacht über. so sind oberd. selbst falsche formen entstanden, z. b. ips für gips Schm.2 1, 929, daher bei Schubart geipst gegipst, er schreibt 1771 aus Ludwigsburg von seiner neuen stellung bei hofe: du wirst mich in einem neuen logis antreffen, geypst, weit, modisch, hell. Sch.s leben in s. br. 1, 258, man sah das g- in gips für eigentliches ge- an. selbst md., nordd. in gewandsweise (z. b. Lessing 8, 89) für das nd. quantswîse. Besonders häufig ist unechtes ge- im nrh. und elsäss. (s. unter klafter 3, c, geloyt glut Wierstr. Neusz 71, gelimmen Haupt 3, 20, gelîʒen Karlm. 39, 27), wo doch, da dort ge- nicht verkürzt wird, die einfügung des e blosze bequemlichkeit der aussprache sein musz, wie dergleichen schon ahd. und im rom. vorkommt, s. unter galopp a. e. und kleschen 1, c. I@2@e@bβ) selbst ga- so, noch im 17. jh.; Grimmelshausen schildert im Teutschen Michel unter lächerlichen sprachkünstlern aller stände u. a. solche, die alle wort einem jeden buchstaben nach aussprechen wollen, und gibt als beispiel ihrer übersteigung (verstiegenheit), wie neulich einer, welcher einer jungfer mit disen worten eines zubrachte: ich wollete von hertzenn gernn meiner vielgeliebtenn jungfrauenn dises kaleine galäseleinn mit weine zubringenn. 4, 385 Kz., was nach dem vorher ausgeführten völlig glaublich klingt (zu wollete vgl. mhd. wissete für wiste Weinh. al. gr. s. 405, wirreste aus wirste Rol. 70, 8 var.); da foppt man die Schweizer mit ihrem 'kilcha gho' und 'garind rhra', weil es thonet, als wann sie es noch mitten im hals auf hebräisch gebären müsten. 4, 389; potz grütz, du gölschnabel, hätt ich di dusza, ich wottar da garint rra! 3, 164, als schweiz., d. h. den grind, den kopf waschen o. ä.; aber er selber braucht im ernste so gastatt für gestade: wanderten also mit mir dem gastatt des meers zu. 2, 281. diese garind, gastatt stimmen denn noch völlig zu der ahd. erscheinung unter 1, d. die auch in der mhd. zeit aus der bedachten, langsamern rede gewiss nicht verschwunden war (s. 1, c und 2, b, α zuletzt) und hier nhd. in gezierter rede noch oder wieder erscheint. erzählt man sich doch noch aus der gegenwart in Schwaben von einem gelehrten, der in Maulbronn den könig empfangend seine rede mit den worten unterbrach, majestät, es ist ein gawitter im anzug, und auch in Thüringen, Sachsen heiszen die bereiter, kunstreiter bei den kindern feierlicher die bareiter (auch das merkwürdige akein V, 492 erklärt sich hier). Das a fällt zugleich zusammen mit den zahlreichen nhd. a in endungen in folge falscher wiederherstellung, z. b. nachbar, das nicht aus mhd. nâchbûr, sondern aus der sprechform nachber, nachbr geworden oder gemacht ist, ebenso weiland aus mhd. wîlent, monat aus mônet, mônt, bräutigam aus bräutgen, Seifart aus Seifrt (mhd. Sîfrit), kumbar in der spätern hs. des Etter Heini statt des kumber oder kumbr der älteren (wie amman statt des dortigen ammen) Kottinger s. 26, schon im 15. jahrh. Ursal aus Ursl (Ursula) Beheim Wiener 56, 28; wol auch in kostbar (s. d.), fruchtbar u. dgl. I@2@e@gγ) am merkwürdigsten aber ist ein betontes ga- in einem worte in den bair.-östr. Alpen, das noch heute lebt, ununterbrochen aus ältester zeit her: das gástaig, hohlweg der auf eine anhöhe, besonders ein hohes fluszufer führt, dann anhöhe, fluszufer mit einem solchen wege, auch als ortsname vielfach, s. Schmeller 2, 78, mit belegen aus dem 14., auch 13. jh., wie österr. gasteig bei Lexer 1, 928. die betonung ist gesichert durch spätere schreibungen wie gastag, gastach (16. jh., s. die 2. ausg.), und die heutige bair. form gaste u. ä., österr. gaster Höfer 1, 274 (der auch urkundlich gastach beibringt), vgl. kärnt. gástach Lexer 109, 'cimbrisch' gastag felsige strasze Schm. 124a. Zwar hat sich Schmeller in der 2. ausg. des bair. wb. 1, 954 für eine andere auslegung entschieden, es sei 'sicher gaiszstaig', auf grund der form gaistag vom Münchner Gastaig im Münchner stadtb. art. 485, in der diese auslegung wirklich als alt vorliegen könnte, obwol sie wieder vergessen sein müszte nach dem heutigen vocal (bair. goasz geisz). aber diese auslegung, wie sie sehr früh schon wirksam sind bei verdunkelten wörtern, würde den ursprung noch nicht begründen und wird zurückgewiesen sowol dadurch, dasz ein neutr. steig nicht besteht, als durch den umstand den Schmeller in der 1. ausg. hervorhob, 'das rein gebliebene und nicht in sch umgeschlagene s vor t', welcher umschlag in geiszsteig eben unvermeidlich gewesen wäre, wie in staig, während st nach dem tonvocale im bair. rein bleibt. Merkwürdig ist das gásteig freilich, zumal die regelrechte form gestáig (gschtáeg) n. daneben gilt in gleicher bed. Schm. 3, 622, wie tir. gstaig n. Schöpf 697, schweiz. gesteig n. 'passus montis' Stalder 2, 395 fg. Doch stehn ebenso neben einander gleichbedeutendes beklémm und bíklemm adj., letzteres eben auch östr., bair. (s. unter klemm 3), und mhd. bedérbe und bíderbe (s. bieder), begráft und bígraft begräbnis; in den zweiten formen ist durch den ton der ursprüngliche vocal festgehalten. und auch solches gá- ist keineswegs beispiellos, wie Schmeller meinte, denn dasz es schon ahd. bestand, verbürgt das sangallische, die betonung bezeichnende cáscaft substantia, und zwar ebenso neben kiscáft, Graff 6, 450, Wackernagel leseb. 1839 114, 31 (in den spätern ausg. mangelnd), 'zu gescháffen (schaffen) wie ántfanc zu entfâhen' wb. 1839 s. ccxiii, also vielleicht schon goth. gáskafts zu gaskápjan. auch in Grimmelshausens gastatt unter β möchte man diese betonung vermuten. I@33) dagegen auch völliges verschwinden, das gleichfalls näher zu betrachten ist. I@3@aa) im nd. bereiche beginnt das schwinden mit dem consonanten, also umgekehrt gegen das hd. I@3@a@aα) schon im 10. jh. in den Merseburger glossen (Haupt 3, 280, Heyne kleinere denkm. 92 ff., Bezzenberger in Zachers zeitschr. 6, 291 ff.) steht für gi- blosz i-, z. b. ilêtene permissa, für gilêtene, genauer jilêtene (gilâtan Hel.), idômde uuerðen, verurtheilt werden, ivullêstian adminiculari, ahd. kivulleistian (Bezzenb. a. a. o. 296), auch im umlaut unimet incommodus, ahd. ungimeʒ Graff 2, 899 (auch altengl. unimet (Stratmann 609); auch ein zeugnis für Westphalen in ihekilôd, gehechelt Heyne kl. d. 123a, Germ. 18, 216. Der abfall des g- erklärt sich aus der palatalen aussprache, die für jene glossen ohnehin bezeugt ist durch iernihêd für gernihêd (Bezzenb. 299), und das i selbst kann wol auch genauer ji noch mit meinen, wie es scheint in Ivicanstên für Gibichenstein (s. sp. 1108) und wie -i- umgekehrt für -ij- geschrieben wurde (sp. 1107 unter α). noch jetzt findet sich diesz i- in demselben gebiete, denen jene belege angehören, dem grenzgebiete des md. und nd. im östlichen Thüringen (das nd. ist dort allmälich zurückgewichen), aus der grafschaft Beichlingen z. b. meldet F. Bech als aus seiner heimat (um Cölleda, Weiszensee), es heiszt dort iwæst gewesen, ijässen gegessen, auch im inf. bei hilfszeitw. ilôfen gelaufen, ä kan nech irêde, se mag nech isprenge, reden, springen, gewiss noch aus der zeit des gi- her, das übrigens md. noch im 15. jahrh. erscheint z. b. in Beheims evang neben ge- (s. Bechsteins ausg. s. 255a). I@3@a@bβ) ebenso e für ge-, so jetzt in Schambachs gebiete, den fürstenth. Göttingen und Grubenhagen, enaug genug s. 62b, im part. praet. eschein geschehen 181b, eschullen gescholten 182a, esegt gesagt 189a, egewen gegeben 63b. wie weit geht das zurück? ich finde mnd. nur ennôch genug Schiller u. Lübben 1, 667a, Germ. 10, 392, dessen nn doch auf eine ausdeutung hinweist, und daneben erscheint genôch selber noch: ôk lêt he dragen in den kîl spîse genôch unde vil, dat he ennôch hedde negen jâr. Brandan 76 fg. daneben erscheint übrigens das hochd. verfahren, doch nur ausnahmsweis in gnâde Schamb. 65b, glöben glauben 65a, glücke 127a, doch daneben gelücke und lücke, wie neben jenem löäwen 126a; gnâde, glucke auch schon mnd., gewiss unter hochd. einflusse. I@3@a@gγ) völliger abfall gilt jetzt auszerdem z. b. in lîk gleich, naug genug Schambach 62b, aber diesz blosz neben enaug und selbst noch genaug; ebenso schein geschehen (selten auch geschein), desgleichen im part. schein, doch neben eschein und selbst noch geschein 181b. in der Altmark aber nur nôg Danneil 147b, und so immer dort im part. praet., auszer wenn es in adjectivische geltung übertritt, z. b. 'n geslaogen minsch 62a. ähnlich in Pommern, s. Dähnerts bemerkungen s. 144b, der doch noch genug besonders subst. verb. mit ge- zu verzeichnen hat auch in jenem dem hd. einflusse so entrückten theile. es ist nicht möglich noch nötig, hier die erscheinung weiter zu verfolgen, nachdem klar ist, dasz das schon in alts. zeit beginnende schwinden doch nur ein streben geblieben und trotz wiederholter angriffe auf die massenhaften ge- nicht durchgedrungen ist, auch nicht so weit wie im englischen, obwol in der behandlung des ge- im nd. ganz derselbe weg beschritten war wie dort. doch sind nd. kürzungen auch ins hd gekommen durch entlehnung, z. b. in sicht kommen, auf sicht (engl. sight). I@3@a@dδ) der völlige abfall ist doch schon im mnd. genug entwickelt. im Sachsensp. z. b. zwar noch selten lîke, in to lîke zugleich II, 42, 1 (öfter schon im richtst. landr., s. Homeyer s. 546), schien geschehen III, 78, 8, häufiger schon tüch für getüch zeugnis, richte gericht, rade von der gerade, rüchte gerücht, im richtst. landr. auch schon de meine vrede, der gemeine friede 37, 1, obwol die vollen formen noch vorherschen, doch in den rechtsbüchern nachher immer mehr zurücktretend (daher heute noch zeuge, ruchbar, eigentlich ruchtbar). fürs 13. jh. s. auch Bartschs zusammenstellung aus Berthold von Holle s. 238, dessen md. gefärbte formen doch zugleich fürs nd. zu rechnen sind, darunter auch lîch gleich, meine s. 20, wo in der nachbesserung des ghe- in der hs. des 14. jahrh. sich doch zugleich ein gegenstreben der schreiber auch dort zeigt, wie denn die vollen formen noch vorherschen. der abfall geschah zuerst bei den gebrauchtesten wörtern, wie denn z. b. in einem braunschw. schriftstück aus dem j. 1406 auf éiner seite Braunschw. chron. 1, 164 nur die rede ist von der meinen stad, dem meinen budele (beutel) neben vielen participischen ge-, deren keins fehlt. wie weit der abfall früh im 15. jh. sonst schon entwickelt war, zeigt z. b. die Zerbster urk. Haupt 3, 231 fg., wo neben ghemeine, ghevanghen, ghewarnt, utghevoret, ingheseghel doch steht gheven gegeben, anhenghet angehängt, scach geschah, bort geburt, nughen genügen; vergl. auch medeselle mitgeselle Dief. nov. gl. 110a. die hauptfrage für unsere untersuchung ist nach den zwischenformen mit e-, die doch auszer jenem ennôch nicht auftreten, obwol man sie nach dem i- unter α und ε ff. erwarten müszte; falls sie nicht durch das stilgefühl der schreiber zurückgehalten wurden, müszte man neben dem allmälichen schwinden, welches das natürliche wäre, zugleich einen gleichsam plötzlichen abfall annehmen, der selbst alts. schon entwickelt scheint, wie ahd., s. unter b, γ. auch nrh. z. b. im 13. jh. nûch genug Haupt 10, 136, im 16. jh. z. b.: gignere kind winnen of beren (gebären) Cöln. gemma 1511, jetzt z. b. auf der Eifel winnen, gewinnen: nützlich ist der bauernstand, bauern winnen allerhand. Schmitz 1, 147. I@3@a@eε) im nl. zeigen sich dieselben erscheinungen; im mnl. neben herschendem ge- landschaftlich auch i- oder y-, wie idaen, idragen, imet (vgl. das alts. unimet unter α), yslagen, ysonde, s. unter ge- im groszen nl. wb. sp. 357; noch jetzt landsch. theils e- theils völliger abfall (im part. praet.) neben dem herschenden ge-, das dort eine wiederherstellung erfahren hat wie bei uns, sogar weitergehend, denn es heiszt auch wieder genade, geloof glaube, gelooven glauben (auch geluk), während im mnl. auch gnade, glove galten, wie gnoech, jetzt nur genoeg. übrigens wie hd. auch gunnen und in einem worte selbst nach oberd. art onguur, mnl. onghier (neben onghehier), wie schweiz. ung'hr, ungeheuer Stalder 2, 41. I@3@a@zζ) im altfries. ist die entwickelung besonders reich, neben einigen gi- und je- gewöhnlich zwar gleichfalls ge- oder ghe-, häufiger doch e-, einigemal i-, z. b. ebunden, ebod, enôch, unefôg ungefüge, daneben auch anôch, alîkna gleichen, unabern ungeboren, s. Richthofen 838a, islein geschlagen 1035a, endlich abfall z. b. in nôch 708a, onbern 1100a, jeven gegeben 847b, wesen 1144a. doch noch jetzt z. b. westfries. zwar nicht mehr im part., aber neben noagh auch noch genoagh, zugleich enoegh, anoegh, s. Halbertsma 917, nordfries. noch voll z. b. gimian, herablassend, gemein Johansen 158, gibrek gebrech, mangel, gilik n. das recht, giluuw glaube 130, im scharfen unterschied vom nordischen wie vom englischen. I@3@a@hη) im engl. hat sich das schwinden am reinsten vollzogen. während das ags. an ge- so reich war wie das alts., ahd., ist es jetzt leicht erkennbar nur in enough übrig, altengl. neben enogh auch inough und anough (Stratmann 322), also wie im fries.; vorherschend ist in der übergangszeit i- oder y- (also wie alts. und mnl.), noch überaus reich vertreten (s. Stratm. 312 -328), z. b. ilik gleich mhd. gelîch, isibbe gleich gesippe verwandt, iwar und uniwar gleich gewar, ungewar, imake und unimake, gemach und ungemach, imene gemein, isund gesund, iwinnen gewinnen, iwede gleich mhd. gewæte, isihde gesicht, ileave gleich geloube, jetzt nur like, mean, sound, win, weed, sight u. s. f. (wie nd. lîk, mên, sund, winnen, sicht); doch entspricht auch unserm mhd. gewar (nhd. gewahr) noch aware, unserm mhd. gelîche engl. alike, die sich aus dem altengl. erhalten haben, wie auch éin gleichsam vergessenes i- in handiwork, ags. handgeweorc. dieser wechsel von i- und a- im engl. und fries. erinnert an das nhd. gi- und ga- ... I@3@bb) der abfall im hd. I@3@b@aα) schon bei dem schweiz. g- in ggeben, ggangen, ggloubt bei Zwingli unter 2, c, α mag man nicht mehr glauben dasz es auch gesprochen sei, wie denn ebenda auch geben, gangen, gloubt schon gedruckt steht; ebenso bei gklagt im 16. jh. schweiz.: gklagt sei es gott von himmelreich. spil von W. Tellen bei Vischer sage v. d. befreiung der Waldstädte s. 181, in dem spätern drucke des 17. jh. klagt weim. jahrb. 5, 60; hand mir mit truren gseit, vil gklagt. Rueff Etter Heini 678, in der 2. hs. klagt. Dennoch sind auch solche g- nicht blosz orthographisch gemeint, denn sie klingen noch heutzutage vielmehr mit, nur in form derselben angleichung*) der sie im raschen sprechen nicht entgehen konnten, welcher im oberd. besonders das d, t unterliegt (s. in Zachers zeitschr. 2, 254 ff., vgl. unter galt 3, c), d. h. das g- wird in den folgenden cons. gleichlautig und doch hörbar mit aufgenommen; s. T. Toblers aufsätzchen »das anscheinende abfallen des vorlings ge- der partizipien« in Frommanns zeitschr. 2, 240 fg., der die aussprache bezeichnet mit bbotta für gbotta (geboten), ttriba für gtriba, ddtt gedeutet, auch qquelt gequält, kkalfakteret und zzîlt gezielt. und dasselbe gibt Schmeller bair. gr. s. 98 für das gebiet der Donau, des Lech, der Pegniz u. a. an, mit der beschreibung »man erkennt blosz den ansatz, den die zunge nehmen will«, er schreibt es 'úbunden, 'úgeben, 'útan, auch 'útraid getraid, 'úkrös gekröse, 'úbirg gebirg, 'úbiet gebiet, 'úbot n. gebot (s. s. 91 das gleiche mit d-, z. b. 'úgans für dgans, 'úzung für dzung). Dasz das aber dem abfall selbst nicht blosz ganz nahe tritt, sondern, bei ganz raschem oder nachlässigem sprechen, *) man sollte endlich aufhören, das gedankenlos assimilation zu nennen, wo nicht von bloszer ähnlichkeit die rede ist. in ihn auch übergehen kann, ist nicht nur natürlich sondern auch als thatsächlich zu erkennen in Toblers unsicherheit wegen gessa s. 241, das scheine nicht dem hd. gegessen, sondern dem einfachen gessen zu entsprechen. kurz, das allmäliche wirkliche schwinden, nicht plötzliches verschwinden des ge- liegt da fürs oberd. klar vor auf dem entgegengesetzten wege als beim nd.; es fragt sich nur noch wie weit die erscheinung zurückgeht. I@3@b@bβ) dasz jene dem Norddeutschen unbegreifliche aussprache schon jahrhunderte alt ist, auch nur durch einfachen cons. doch verständlich bezeichnet wurde, dafür bürgt denk ich das häufige schweiz. Zürich, wo sicher zZürich gemeint ist (denn das alte ze gieng ganz denselben weg), z. b.: krämer, so in hütten und läden feilhabend, als Zurich auf der würe. Maaler 250b; nach dem bleib ich ein wil Zürich. Platter 59; der Fuchsberger, der was do (damals) noch ein trumetter Zürich. 78, auch 15. 31. 35. 39; wurden etlich, so dar wider geraten hatten, Zürich vor dem rathus enthouptet. Etterlin 166 in Sprengs ausg. (der dazu anmerkt: Zürich gleich z'Zürich); mines herren J. Glenters, burgermeisters Zürich. weisth. 4, 286 (früh im 15. jh.); dʒ si (die voigtleute) Zürich nieman .. mit geistlichem gericht uftriben sol. 302; des besten wins so man Zürich schenkt. 322; dirre brief wart Zurich geben u. s. w. Kopp urk. zur gesch. der eidg. bünde 1, 38, vom j. 1291, doch weist die sprache auf ein spätere abschrift. ebenso vor andern z, z. b.: an dien phenningen, so Zovingen genge und gebú sint. weisth. 1, 181 zweimal, vom j. 1336; der sol die zechenden garben zenden geben. 4, 380, zu zehnden, als zehnden. Danach werde auch b- u. dgl. glaublich, wo db- gemeint ist, gleichfalls bis ins 14. jh. zurück: do kam (bekam, kam entgegen) im ain ander man, der slug im beckelhuben hin dan. lieders. 2, 475, d. i. ganz bestimmt d'beckelhuben, und b- ohne zweifel gemeint wie unter α nach Schmellers beschreibung, geschrieben von einem Alemannen, gedichtet von dem Österreicher Teichner, dem die form vielleicht auch schon angehört; sufer ins dorf ist worden blind, das schafft (kommt daher), das buren drunken sind. Brant 72, 32, ganz bestimmt ebenso = dburen, wie in einer gleichfalls alem. entlehnung s. cxxb richtig dpuren gesetzt wird, während der nd. übersetzer mit buren (s. 414a) zeigt dasz er schon die oberdeutsche schreibung nicht richtig las oder hörte, wie sie uns so schwer verständlich wird; wunschten wir, das wir kenden fliegen, so welten wir über berg (d. i. dberg) usz dem land in Tütschland fliegen. Platter 12; als wir uf brugg kamen, liesz man iederman über brugg uszhi, aber gägend Zürich wolt man niemand laszen, dan es stunden man mit gweren üf der brugg. 78 (brugg = dbrugg), s. auch 31; was ein groszer ryf uf trübel gfallen (dtrübel, trauben). 34; gieng ich in kilchen. 37, wie kuttlen gleich dkuttlen 78; stiesz pestelenz an. 71, d. i. stiesz's (das kind) dpest. an; welcher der best ist, der wird brut heim fieren. 159. Darnach sind denn auch in dem bereiche, wo diese verschlingung so weit zurück gilt, die formen ohne ge- zu beurtheilen, bei denen sie möglich ist, wie das gangen, geben bei Zwingli neben ggangen und gegangen, ferner bieten gleich gebieten, schweiz.: ich bieten dir, das muost du thun. Liliencron 2, 110b anm., dazu biet und bot für gebiet, gebot. in J. Ruffs Etter Heini, zumal in vergleich mit der zweiten hs., die wiederherzustellen beflissen und dadurch so lehrreich ist: das hoch birg und der Genfer see. s. 27 v. 15, das hochgepirg und Genfer see zw. hs.; das alls hat than die gottes kraft. 53, zw. hs. gthon; noch niemant gsagt wirt, kuntbar thon. s. 29 v. 67, si wirt ouch niemands kund gethon zw. hs.; nach Christus burt 3475, zw. hs. nach Christ gepurt; wo man mit dem des herren bott. 1694, wo man mit dem gottes gepot zw. hs.; auch der verschlungene art. wird wiederhergestellt z. b.: sagt gschrift und zeigt uns heiter an. 3589, zeigt uns die gschrift gar klarlich an zw. hs., während in dem häufigen pencion, wo die pension gemeint ist (der ital., franz. kriegssold) erst der herausg. d'pencion hergestellt hat z. b. s. 140. 143. 147. 155, das wort war eben damals in Schweizermunde so häufig, dasz auch das fremdwort der u. α beschriebenen behandlung unterlag. daneben ist doch auch wirkliches abwerfen erkennbar z. b. vor h-, wo mit verschlingung k- hätte entstehen müssen: der hat mich heiszen zuo üch gan. 1257, wo die zweite hs. gleichfalls herstellt gheiszen, doch s. von dem partic. besonders II, 6. I@3@b@gγ) aber ein reines wegfallen, nicht lautlich so vermittelt, ist doch auch hier früh zu erkennen, wie im nd. (s. a, δ), vielleicht schon goth. in dem laubjan m. 9, 33 für das sonstige galaubjan glauben. ahd. z. b. in mîne nôtstallon im Ludwigsliede 32 für nôtgistallon (Graff 6, 674), denn dem worte ist das gi- dem begriffe nach notwendig, die in der not (des kampfes) zusammentreten, zusammenhalten, wie ags. nŷdgesteallan, eaxlgesteallan die sich mit den achseln, dem rücken zusammenstellen (im kampfe), handgesteallan u. a., vgl. unter 1, a; ich sehe zum begreifen der erscheinung nur die eine möglichkeit, dasz man das gi- wegliesz, weil eben seine bedeutung dem gefühl geschwunden, aber auch durch häufigen gebrauch auf das wort überhaupt, auf die tonsilben mit übergegangen war, ähnlich wie in mnd. medeselle unter a, δ, wo die bed. das weggeworfene ge- zugleich durch das neue mede mit vertreten wird; s. besonders auch sp. 1218 das rechtliche anerbe gleich ganerbe, wo an das ge- allenfalls mit vertreten konnte (s. ebend. unter c). ähnlich auch in nachbar, ursprünglich nur nâchgebûr, mit eigentlich unentbehrlichem ge- ('die nahe beisammen wohnen'), daher auch ahd. und noch mhd. auch bloszes gibûr, gebûr mit derselben bedeutung, die dann mit nâch verstärkt, verdeutlicht wurde, und eben diesz nâch nahm dann die kraft des ge- immer mehr auf sich herüber, das nun entbehrlich ward; doch ist auch in bauer selber, ohne solche vertretung, ge- abgefallen (s. unter gebauer), in md. landen gewiss, in oberd. wol unter mitwirkung der unter β besprochenen verschlingung des g-. ähnlich scheint es auch mit ahd. unwitari, das ein paarmal für ungiwitari erscheint (Graff 1, 630), eigentlich wol die gehäuften schlimmen wetterwolken, wo in dem -i der begriff von gi- mit ausgedrückt war (vergl. II, 1, d a. e.). Aber auch, wie in bauer, ohne vertretung z. b. in ahd. wisso profecto, einmal aus einer bair. quelle des 8. jahrh. Graff 1, 1106 für gawisso (vergl. II, 3, a), wie auch alts. einmal wis adj. neben gewisso adv. (altn. blosz noch viss), und noch später rheinisch in den wissen tôt varen, in A gewissen Rol. 52, 21 (umgekehrt wisheit in a für gewisheit 26, 14), ich bin es alles wol wis En. 40, 17, md. unwis wb. 3, 795b, mnd. wis, wisse, doch adv. auch noch gewisse; der abfall begann notwendig bei den gebrauchtesten worten. übrigens s. die sammlung Haupts zu Erec s. 358 ff., wo aus dichtern urkundlich belegt sind oberd. z. b. bette für gebette bettgenosz, spil gespiele, sæʒe (vgl. Rol. 21, 3 var.), schaft, wæfen, mach, maʒʒe, md. sellen für gesellen, dank gedanke, heiʒ geheisz; s. auch bûr schon Lohengr. 3326, wie bûrschaft 2854, bûrvolc 2875, alem. haʒ adj. für gehaʒ wb. 1, 641b, österr. bei Heinr. v. Neustadt schiht (Strobls ausgabe s. xvii), wie md. z. b. Haupts zeitschr. 16, 254. 269; md. auch z. b. vatere gevatter Haupt 5, 446, vgl. auch sothan für mhd. sô getân. Es ist streit über die metrische behandlung des ge- bei den mhd. dichtern, das dem verse oft im wege ist, streit ob sie es ganz abgeworfen oder nur das e verschluckt wollten. nach dem vorliegenden gehen beide behandlungen im allgemeinen weit genug zurück, um sie auch der höhe der mhd. zeit schon zuzutrauen, und wie die hss. fast immer die behandlung dem leser überlassen, so war sie vermutlich schon damals getheilt nach mundart oder gewohnheit. wie weit schon in der besten zeit das verschlucken gieng, zeigt Thomasins pentekeit für behendekeit im welschen gaste 8173. 8180, und danach braucht man auch gschiht und dergl., das Rückert s. 564 annimmt, nicht zu bezweifeln; s. auch denselben zum Lohengrin s. 265 fg. über wurden gevlohten u. dergl., was viersilbig sein musz. wenn aber anderseits eben in Österreich um 1300 schiht für geschiht bei dichtern geschrieben wurde, wie beim Heinr. v. Neustadt, so ist wol eben so sicher dasz man auch vom abwerfen gebrauch machte wenigstens für den dichterischen stil. vgl. unter 2, b, β. I@3@b@dδ) in der nhd. zeit zeigt sich der reine abfall vor der wiederherstellung des 17. jh. ziemlich entwickelt im vers und in prosa, nachher wesentlich nur noch im verse und nur vereinzelt; s. z. b. bärde, bärden für gebärde, gebärden, bisz für gebisz (auch bei Luther, s. Dietz 1, 770b), dank 1 für gedanke, mhd. gedanc (vergl. in Basel die dankstube zur berathung der urtheilsfinder Ochs gesch. von Basel 2, 369), auch bei Luther danken pl. Dietz 1, 394b, bot gebot, bräng gepränge, büren gebühren, dicht n. gedicht, dächtnis, auch z. b. kloster 8, 793, fahr gefahr, ruch geruch, laech gelag Trochus O 3a, spreg mit worten, gespräche (adj., -g für -ch) Waldis Es. iv, 59, 6. doch ist im einzelnen falle oft schwer zu sagen, ob abfall vorliegt oder, wie in oberd. schriften, die verschlngung des g- unter β, oder auch eine altberechtigte nebenform, wie in wertig gewärtig Wickram rollw. 141, 1, hören gleich gehören, zustehen gleich zugestehen (z. b. Reimarus in Lessings beitr. 3, 207), denn die sprache schwankt darin trotz aller mühe um regelung doch bis jetzt. bemerkt sei nur noch, dasz Göthe auch in briefen, also im schnellsten schreiben, formen ohne ge- gern brauchte (vgl. beim partic. II, 6, d), z. b.: der verlag hört Mercken. Göthe u. Werther s. 174; wo ich im groszen fürstenhause ganz allein wie ein spenst mit meinem diener wohne. an frau v. Stein 1, 182; selbstlob! nur dem neide stinkts, wohlgeruch freunden und eignem schmack. werke 5, 158. I@3@b@eε) zur beurtheilung des abfalles noch ein paar proben bei andern vorwörtchen. unser kriegen nancisci ist wahrscheinlich aus erkriegen gekürzt, s. V, 2235, wo mehr dergl. fälle, besonders aus dem nd. und md.; für empfangen kommt phâhen vor, dessen ph- nur durch gewaltsame kürzung aus enphâhen (d. i. entfâhen) begreiflich ist, in der übergangszeit vom ahd. zum mhd., die so viele nachher wieder beseitigte sprechfreiheiten auch in der schrift zeigt: (si sulen) die ellenden phâhen. Diemer ged. 288, 17; swer einis abbetis namen phêhit (die würde empfängt). Haupts zeitschr. 16, 229, mehr stellen in Diemers gen. und ex. 2, 247, Müll. u. Scherer denkm. 2. ausg. s. 576, in den ausgehobenen ist zugleich der äuszere anlasz sichtbar in dem vorhergehenden -en (s. auch sô ni phiengen si Müll. u. Sch. 216, 36, erne phâch spec. eccl. 119, ne = en, man sprach schon ernphâch), wie wider erkriegen zu widerkriegen wurde. ähnlich ist ein andres en- abgefallen in kein, das man doch auch als ent- auffaszte (s. V, 491 unten). selbst ver- abgeworfen in dampnus Lohengr. 2846, dampnis Lexer 1, 408. vergl. auch gegnen für begegnen z. b. Teuerd. 11, 39, hagen für behagen, ginnen für beginnen. zum einfachen wegfall von ge- aber s. auch ags. suhtorfädran unter III, 1, b, auch III, 2, c. IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) Die erreichbar älteste bedeutung ist eine zusammenfassende, in vielseitiger verwendung, am erkennbarsten bei subst. II@1@aa) am lehrreichsten und alterthümlichsten, wie auch das goth. nichts bietet (das doch gewiss dergleichen auch hatte), ist das alts. gesunfader: sâtun im thie gesunfaderan ênemu sande uppan. Hel. 1176 (35, 10 Schm.), saszen sich söhne und vater zusammen an einem ufer oben; man findet sich in das fremdartige doch leicht hinein, wenn man auch nur dazu hält das kurz vorhergehende bêðiun thêm gibrôðrun 1164, beiden brüdern zusammen oder gebrüdern wie ja noch erhalten ist. das alterthümliche ist, dasz ge- rein äuszerlich hinzutritt einer partikel gleich, wie jetzt und in unserm söhne und vater, nur mit dem unterschiede dasz die kürzung von sun- für sunî oder sunu andeutet, dasz alle drei worte unter éinem ton schon zu éinem wortganzen zusammengesprochen waren (wie doch auch in 'söhn und váter' ähnlich, vgl. unter käsenbrot); die voranstellung des bindenden ge statt der zwischenstellung, die unsere gewöhnung verlangen würde, ist nicht befremdlicher als die nachstellung des lat. que, filius paterque; vgl. im Hildebrandslied das gleichbedeutende sunufatarungo und dazu gattung (1, c) gleich gegate, s. auch Schm.2 2, 651 unten. II@1@bb) die bildung von diesem gegate, von gebrüder ist deutlich im grunde dieselbe, nur dasz da nicht mehr verschiedennamige, sondern gleichnamige durch ge- unter einen begriff versammelt werden, sodasz statt des dortigen sing. der plur. eintrat (wie dort schon im art. thie); denn pluralisch müssen diese bildungen zuerst gewesen sein, wie ja gebrüder noch, wie ahd. thio gisuester Otfr. III, 24, 55, mhd. geswester, alts. thia giswester, die schwestern. ein weiterer schritt konnte aber nicht ausbleiben, dasz man aus der gesamtheit éinen herausnahm und ihm doch den namen liesz, der ihn als zu jener gehörig bezeichnete (wie nhd. z. b. gesellschaft für geselle, vgl. unter kamerad), aber singularisch, also gegate, einer von den gegaten, daneben doch auch blosz gate gleichbed. (s.gatte I, 5. II, 3, b), wie goth. gajuk n. gleich juk n. ζεῦγος, paar, eigentlich ein gespann von zugthieren, ganiþjis gleich niþjis vetter, weil schon das einfache wort den begriff des ga- mit enthielt. II@1@cc) es treten aber dann auszer dem ga- auch noch andere bezeichnungen des zusammen ein. dahin gehört wol schon das neutr. geschlecht z. b. in goth. gaman genosz, μέτοχος, κοινωνός (vgl. altn. man n. knecht, jenes eigentlich mitknecht?), gajukô genosz, σύζυγος; vgl. nhd. das gemahl, dessen n. man danach als ursprünglich vermuten möchte, und das gleichbedeutende nrh. gegade n. sp. 1497 unten, wie nhd. das ehegatte von weib und mann sp. 1496; das n. war da in seinem eigensten berufe, wesen von verschiedenem geschlecht oder art zusammenfassend zu bezeichnen, dann auch eine mehrheit überhaupt (vergl. V, 472 fg.), auch diese neutralformen mit ga- hatten danach ursprünglich pluralischen zweck. Ein neues bezeichnungsmittel tritt noch dazu mit -i z. b. in goth. gaskalki n. σύνδουλος (skalks m. δοῦλος), zuerst gewiss von der gesamtheit der sclaven eines herren. so noch ahd. giknihti n. (giknehti) bei Otfried von den jüngern Christi Graff 4, 580, gidigini n. gefolgschaft, dienerschaft 5, 122, mhd. gedigene (zu degen II, 895). Noch mehr erweitert z. b. ahd. gimahhidi n. par, conjux Graff 2, 639, also von beiden wie von einem, wie für geschwister ahd. vermutlich giswisteridi (s. Schm. 3, 552), mhd. geswisterde und geswistrîde. II@1@dd) die neutrale bildung mit ga- durch -i verstärkt ist besonders in bezug auf dinge, auch thiere, reich entwickelt worden und hat unsrer sprache die gebrauchteste collectivbildung geliefert. II@1@d@aα) von thieren z. b. ahd. gifugili, mhd. gevügele, gehünde, auch mit dem -idi unter c z. b. gevihede (vgl. unter γ); nhd. mit verlust des -e (wie in gewissen fällen schon mhd.) gewürm, gethier, ungeziefer, gewild, geflügel. II@1@d@bβ) von dingen z. b. goth. gaskôhi schuhwerk, ahd. giscuohi (ags. am ende stark entstellt gescŷ), noch landschaftlich z. b. in Sachsen geschüche; mhd. z. b. geræte, eigentlich aller hausrat zusammen (nhd. auch auf das einzelne stück erstreckt, wie u. b), gestüele, gebende bandwerk u. ä., gederme, gebeine, gesteine, geböume, gebirge, gestirne, gewülke und gewülkene, gehürne, gemüete, jetzt gebein, gestein, gedärm, gefieder, gestirn, gewölk, gehörn, gebüsch, gepäck, gebälk, gebett, geblüt, gewürz, gerät, gemüt, kaum dasz man das -e noch z. b. in gerippe, gebirge, geschirre neben den gestutzten formen duldet oder den dichtern verstattet, man sucht die -e vollends los zu werden, eigner weise in dem gefühl, die formen damit zu veredeln (wie bei dem adj.), auszer bei niedrigen begriffen, wo sich das nicht der mühe verlohnt, z. b. gekröse, oder bei seltnen, auch neu eingeführten oder aufgefrischten worten wie gebände (z. b. reimgebände), gelände, gefilde; doch bleibt meist (auszer dem ge-) eine erinnerung an das ursprüngliche -i theils im umlaute theils in dem ungebrochenen tonvocale wie in gestirn, gebirg, gefieder. merkwürdig und noch recht lebendig das gefräulein (s. d.), weiblicher hofstaat; noch spät auch bei fremdworten angewandt z. b. in geschwader (17. jh.). s. auch 5, c, γ und δ a. e. II@1@d@gγ) wieder auch, wie gevihede u. α, z. b. mhd. geschüehede, noch z. b. sächs. geschühde neben geschüche, mit -t für -d gehöfte, vgl. ahd. gastirnti constellatio Graff 6, 724 (gestirnung Dief. 145a). aber in md. mundarten neben gebeinde auch gebeinze u. dgl., mnd. gebênete und gebênede, s. Bech Germ. 10, 395 ff., 14, 431 ff., Grimm gr. 3, 526. bemerkenswert ist auch, wie statt der alten bildung mit ge- dem sammelbegriff ein neuer ausdruck gegeben wird besonders mit -werk, z. b. schuhwerk, buschwerk, kräuterwerk (mhd. gekriute), blattwerk, laubwerk, gitterwerk, gatterwerk für gegätter, gegitter, lederwerk (mhd. gelidere), auch lederzeug, riemenzeug, viehzeug. eine alte collectivbildung dagegen ist z. b. die von kräutich oder kräuticht (s. d.), auch mit ge- auszerdem gekräutich hess. Vilmar 224, gebeinicht, getreidich u. a.; aber auch das -i ist wol urspr. schon für sich collectivisch gewesen, z. b. in ahd. churni körner (s.korn I, d), hirni gleich mhd. gehirne cerebrum, beini gleich gibeini (s. unter gebein 1, a), alts. gerwi gleich gigerwi rüstung, wirki gleich giwirki Hel. 3429, vielleicht auch in ahd. chunni, goth. kuni (s.künne), die gesippen als ganzes, s. auch unwitari sp. 1608. II@22) Eine andere wendung nahm der alte begriff des ga-, indem es mehrere zusammenfaszte nicht im ganzen, sondern nur an einem punkte gleichsam, in einer beziehung zwischen ihnen, womit denn der begriff des ga- das unsinnliche gebiet betritt. II@2@aa) sachlich z. b., zugleich mit dem vorigen sich berührend, in mhd. gewicke n. wegscheide, kreuzweg, ahd. giwicki bivium, trivium Graff 1, 671, nicht sowol zwei, drei wege zusammen, obwol das nicht ausgeschlossen ist, als vielmehr die stelle wo sie zu einem werden. II@2@bb) besonders von menschen in bezug auf dinge die sie gemein haben, z. b. goth. gabaurgjans συμπολῖται Eph. 2, 19, die zusammen in einer burg, stadt sind, garaznans die zusammen in einem hause (razn) sind, daher nachbarn, γείτονες; natürlich dann auch von éinem, z. b. gamarkô grenznachbarin, ahd. gilante m indigena, patriota, landgenosz, alts. gelendo accola, landnachbar, goth. gahlaiba genosz, eigentlich der dasselbe brot mit andern iszt, entsprechend dem mhd. gemaʒʒe (von maʒ speise), genauer dem altfranz. compains (s.compan, kumpan), galaista der mit andern einen weg (laists) geht, ebenso gasinþa (sinþs gang), mhd. gesinde m.; ahd. ginamno, mhd. genanne, der éinen namen mit andern hat, gebette bettgenosz, gatte. so noch z. b. geselle, ahd. gisello contubernius, der éine wohnung (sal) hat mit andern, mundartlich z. b. galter (s. d.) altersgenosz, ahd. gialtiro. auch auf fremdworte angewandt zur verdeutlichung z. b. in gespons (lat. sponsus) nach gemahl u. ä. II@2@cc) weiter in fällen, wo das einigende nicht mehr ein sinnlicher gegenstand, sondern ein thun oder verhältnis ist, daher auch verbal (mit dem vorigen doch leicht verflieszend), z. b. genossen, eigentlich die an éinem tische oder sonst den genusz haben, ahd. ganôʒ, ganôʒo sing. zu nioʒan frui, uti (vgl. unter 5, c, α); gefährten, mhd. geverten, die éine vart machen, gespielen, geerben die an demselben erbe theil nehmen (goth. gaarbjans), geteilen alle die bei einer theilung 'betheiligt' sind (goth. gadailans), gevattern die mit dem vater die geistige vaterschaft übernehmen, gewerken zunftgenossen. jetzt wird das ge- lieber neu ausgedrückt durch mit, z. b. mitarbeiter, mitspieler, miterbe, mitreisender, schon im späteren mhd. z. b. mitteile für geteile theilhaber, miterbe, auch mit dem alten zeichen zusammen z. b. schon im spätern mhd. mitgeselle, mitgenôʒ, mitgewerke, vgl. mitganerbe sp. 1217, selbst schon goth. miþgasinþa συνέκδημος, reisegefährte, noch deutlicher eben durch diesz gefährte oder genosse, auch kamerad, wie spielkamerad gleich mhd. gespil, stubenkamerad gleich dem ursprünglichen geselle. mhd. auch eine andere verstärkung z. b. in ebengenôʒ, ebengelîch, vergl.ebengad gleich gegat unter gatte I, b, schon ahd. auch ebangilîh, auch blosz ebanlîh. vergl. Grimm gr. 2, 749. II@33) Adjectiva mit ga-. II@3@aa) zuweilen wol unmittelbar aus dem entsprechenden subst. (vgl. Grimm gr. 2, 744), z. b. dem gegate unter 1, b entspricht ein mhd. adj. gegat, ahd. gigat, s. unter gatte I, b, das versagte pfund dort wird dem bittenden als niht gegat bezeichnet, nicht angemessen, ursprünglich beide verglichen als wären sie gleiche wesen wie u. 1, b (gleichsam 'ihr passt nicht zusammen'), denn ebenso kommt genôʒ, ungenôʒ deutlich adjectivisch vor, aber unflectiert (s. dazu unter ehegenosz), auch einandren genosz und geerb, sich gegenseitig beerbend sp. 1218, und auch in verwendungen die noch zwischen subst. und adj. auf der scheide stehen. II@3@bb) die bed. des zusammen von ga- bei adjectivbildung erscheint recht deutlich in gleich, goth. galeiks ὅμοιος, von leik n. leib, gestalt (s. leiche), urspr. von menschen oder dingen gesagt die der erscheinung nach wie éinen leib, éine gestalt haben. ähnlich gaviljis einmütig, ὁμόθυμος von vilja m. wille, stimmung u. ä. auch ahd. noch deutlich z. b. in ungaherz discors Graff 4, 1046, das ein gaherz concors voraussetzt (Grimm gr. 2, 745), gastimnaʒ consonum 6, 683, mhd. z. b. geminne adj. von liebenden. ob nicht gewiss urspr. bedeutete von vielen oder allen gewuszt? II@3@cc) dem geminne entsprechend und entgegengesetzt aber auch mhd. gehaʒ feindselig, noch im 16. jh. gehasz (später neu als adj. bezeichnet gehässig, hässig), wie dem mhd. gevriunt gegenüber gevîent, wenigstens mnl. ghevriend und gheviand, nrh. gefiant (mit einem) Harf pilg. 142, 17. ähnlich bezeichnete ge- ein zusammen feindlicher art in gestrîte m. gegner, gestrîten pl. die zusammen streiten, ags. gewinna kämpfer, feind, gesaca widersacher, altfränk. gasachio (rechtsalt. 855). da kann denn das ge- doppelsinnig werden, beide gegensätze ausdrücken, wie in mhd. kampfgenôʒ, sowol mitkämpfer, als gegner im kampfe, und wie noch in mit einander oder zusammen kämpfen; man sieht daraus, wie der begriff des zusammen in seiner weitern ausdehnung, die das leben herbeiführte, in den einer beziehung, eines verhältnisses überhaupt übergehen konnte, muszte. daraus wird sich manches ge- erklären, das uns jetzt dunkel ist (nicht blosz beim adj.), z. b. vielleicht mhd. getriuwe, ahd. gitriwi neben goth. triggvs, eigentlich von dem verhältnis des gegenseitigen trauens; mhd. geschol schuldner, mîn geschol der mir schuldet. ob schon goth. gaguds fromm eig. in naher beziehung zu gott? II@3@dd) auch eine andere ausdehnung des gebrauchs von ge- läszt sich vielleicht aus dem unter b begreifen: gevriunt, eigentlich von vielen in ihrem verhältnis der freundschaft, verwandtschaft (patricii die gefrunten Trochus E 3a), dann auf den einzelnen angewandt, muszte den begriff bekommen: mit freunden, verwandten versehen, noch deutlicher in der verneinung ungevriunt freundlos, ohne verwandtschaft; man fragte einen, wie gesippe er wäre, was für verwandtschaft er hätte. dann ohne erkennbare beziehung der art (vgl. Grimm gr. 2, 745 fg.) schon goth. gaskôhs beschuht, ahd. gibart bärtig, ungibart impubes, gifedar ales, mhd. geveder und gevider mit federn versehen, gehâr behaart, gemâl mit bunter zierat, gesinne mit sinn oder sinnen versehen, gesit, gevar farbig (neben var), ahd. auch kelop ruhmvoll, s. Müll. u. Sch. denkm.2 293. noch im ältern nhd. und noch jetzt in mundarten sind solche adj. viel geläufig, z. b. geerb (s. unter 2, c), geschmack, wolgeschmack, ungeschmack, abgeschmack (Schm. 3, 463), in der schriftsprache noch z. b. wolgemut, mit gutem mute (s. auch gewahr, gelenk). aber auch ohne hülfe des ga- goth. rûms geräumig neben rûms m. raum, wie noch nhd. raum adj. neben geraum, das seinerseits auch neu und deutlicher adjectivisch bezeichnet wurde in geräumig; ags. dagegen neben gerûme adj. auch ein subst. gerûm. II@3@ee) sie sind später vielfach in participia umgesetzt worden, wozu das ge- unfehlbar verleiten muszte, z. b. gebartet, gefiedert, gesinnt, gesittet, gesippt, gefreundet, geerbt, gewohnt (landschaftlich noch gewohne, mhd. gewon), wolgeschmackt, abgeschmackt, und schon mhd. auch gesinnet, ja schon ahd. auch gefidert als übers. von pennatus, alatus Graff 3, 449; s. dazu 6, e. auch be- ist für diesz ge- eingetreten, nachdem mans participisch verstand, z. b. befiedert, bebartet, befreundet, beschuht, wie unser beritten aus mhd. geriten gemacht ist. II@44) Die reichste entwickelung aber hat es beim verbum gefunden; doch gehört das noch mehr als das vorige eigentlich der grammatik an und kann hier nur andeutungsweise behandelt werden. II@4@aa) auch hier ist zunächst der begriff des zusammen deutlich (vgl. Grimm gr. 2, 833 ff.), z. b. in goth. gagaggan zusammengehn, sich versammeln, συνέρχεσθαι, gaqviman zusammenkommen, garinnan zusammenlaufen, συνάγεσθαι, galaþôn συνάγειν, neben den einfachen gaggan, qviman, rinnan, laþôn. jetzt ist ga- eben durch zusammen ersetzt, doch ist es noch immer leicht zu erkennen in gerinnen von milch u. ä., wofür doch auch deutlicher zusammen laufen gesagt wird; ähnlich gefrieren congelari, gestehn consistere. mhd. z. b. in gehellen, übereinstimmen, eig. von einer menge die bei einer verhandlung 'einhellig' das selbe ruft, zustimmend sich ausspricht (vergl.gelt gleich nichtwahr?), doch ward auch da schon mhd. gern das ge- neu verdeutlicht durch zugesetztes in ein, gelîche; gestân eig. zusammentreten, im kampfe, in der not (was in Schillers Tell 1, 3 genau entsprechend mit zusammen stehn ausgedrückt ist), dann vom einzelnen einem 'beistehn', beitreten als helfer überhaupt, besonders vor gericht. sich gefriunden, durch heirat in eine verwandtschaft, freundschaft kommen Berth. 32, 20. vgl. auch gelegen, eigentlich nahe liegend (gegensatz entlegen), dann günstig gelegen, mhd. geseʒʒen mit dat., benachbart. II@4@bb) gerade hier freilich hat sich die entwickelung so weit und so früh über den ursprünglichen begriff hinaus verbreitet, theils ausgeweitet theils wieder beschränkt oder verdünnt, dasz er schon im goth. oft nicht mehr, ja oft ein unterschied von der einfachen form überhaupt eigentlich nicht mehr zu erkennen ist (vgl. den versuch der aufklärung von Bernhardt in Zachers zeitschr. 2, 158 ff.), an und für sich begreiflich, da die sog. partikeln unter allen wörtern die raschlebigsten sind und ga- unter ihnen die meist gebrauchte; tritt es doch schon dort mit dem gerade entgegengesetzten begriffe gesellt auf in gaainan, trennen, eigentlich vereinsamen, ἀπορφανίζειν 1 Thess. 2, 17. zum groszen theil wird die entwickelung ausgegangen sein von dem begriffe des verhältnisses zwischen zweien oder mehreren, der sich unter 3, c herausstellte und zu dem das verbum seinem wesen nach die meiste gelegenheit bot, erweitert zur bezeichnung von beziehungen aller art, deren auffindung an der hand des gebrauchs im leben (man verfährt im allgemeinen bei solcher arbeit noch zu abstract, bleibt zu sehr in den sog. begriffen stecken) bei einzelnen wichtigen wörtern zu versuchen ist. ein lebendiges verhältnis steckt wol ursprünglich z. b. in dem ge- von gehören (angehören, zugehören), ein geistiges z. b. in ge denken, glauben, gönnen, vom äuszeren zum inneren fortschreitend in gebühren, geziemen, gefallen. II@4@cc) in anderer weise schlieszt sich an das urspr. zusammen leicht erkennbar an der begriff des vollständigen, fertigen, daher auch des bleibenden in manigfachster weise; goth. z. b. brikan κλᾶν, brechen 1 Cor. 10, 16 (das brot), aber gabrikan, κατακλᾶν, συντρίβειν, ganz zerbrechen. das bleibende z. b. in mhd. gestân stehen bleiben, gesitzen sitzen bleiben, gestecken stecken bleiben (auch bestecken, bestân), vgl. J. Grimm gr. 2, 843, L. Tobler in Kuhns zeitschr. 14, 128 ff.; auch diesz schon goth. z. b. in gastandan μένειν Joh. 8, 31 (vgl. Bernh. a. a. o. s. 163); auch in dem gaainan wird ga- so gemeint sein, dem ἀπό entsprechend das beim griech. verbum oft die völligkeit eines thuns bezeichnet, unserm ver- ähnlich, vgl. Grimm gr. 2, 837. auch bei adj. z. b. goth. neben hails gesund gahails ganz gesund, wie noch nl. md. geheel neben heel ganz. wie das ge- sich beim zeitwort überhaupt ausgedehnt hat, das erforderte eine darstellung für sich; es erscheint bei vielen verbis, die es jetzt nicht mehr haben, aus mhd. zeit her tief ins nhd. hinein (vergl. besonders 7, a); dabei liegt in vielen fällen die grosze schwierigkeit oder unmöglichkeit vor, zu unterscheiden, ob es dem verbum überhaupt oder nur einer einzelnen form angehört, und so bis ins goth. zurück. II@55) Denn auch innerhalb der verbalen formenbildung selbst, nicht blosz zur herstellung zusammengesetzter verba wie andere vorwörtchen, hat ge- eine reiche verwendung gefunden, es ist unmittelbar in den dienst der grammatik getreten, um zeitlichen und mancherlei anderen beziehungen, die noch zu beobachten bleiben, den ausdruck zu geben, zum theil als eintretender ersatz für die mangelnde oder geschwundene gröszere auswahl der zeit- und beziehungsformen des verbums. gerade über diese grammatische geschichte und bedeutung von ge- ist die beobachtung und sichtung schwierig und eben noch im gange, s. Grimm gr. 2, 843 ff., fürs mhd. und ahd. besonders Wackernagel in seinem wb. zum leseb., fürs goth. Bernhardt a. a. o., im allgemeinen auch L. Tobler in Kuhns zeitschr. 14, 108 ff.; hier ist wesentlich nur das nhd. zu berücksichtigen. II@5@aa) das fertige, völlige eines thuns ist in ge- z. b. im folg. als bezeichnet zu erkennen. II@5@a@aα) beim praet.: und als sie nun das mol geheten und fil gemeiner red gedeten, fragt in (den eingeladenen) der kaufman auch der mer u. s. w. H. Folz bei Haupt 8, 518, wie sie nun das mahl gehalten (haben gleich halten) und viel des gewöhnlichen geredet hatten, mit dem man beginnt in solchen fällen, da brachte der wirt die hauptsache zur sprache; do der haubtman gelas den brief, gar wenig necht er überschlief u. s. w. Teuerd. 65, 21; do der paur die milch gefrasz, wie bald er des hungers gar vergasz. Uhland volksl. 650; alsbald ich nur darein gekroch .. Adrians mittheil. 405; alsbald er nun das imbis gasz, er wider auf sein pferdlin sasz. Wickram bilg. 36. man sagt da wol, das praet. würde durch ge- zum plusquamperf. umgeprägt, aber das praet. gilt ja im erzählenden zusammenhange ohnehin schon mit als plusquamperf. (wie der griech. aorist). II@5@a@bβ) ebenso beim praes.: der meiger sol den herren durch den herbest geben für und lieht, unz man ze naht geisset, und went (welnt) die herren do noch (darnach, länger) lieht und für, das sollent sü selber han (sich halten), one sinen schaden. darzu (zum essen) sol der meiger salz und zumus geben .. unz man ze naht geisset. weisth. 4, 231, elsäss. 16. jahrh., ganz deutlich: so lange das nachtessen dauert, bis man damit fertig ist, mit der schärfe der bezeichnung die in rechtssachen nötig ist; ebenso deutlich im folg., schweiz. 15. 16. jh.: und sol (wenn in Rapperswil jahrmarkt ist) éin schiff von Rapprenschwil gan, so arm lüt gemerktend, dʒ ander, so die schuomacher ingelegent (um sie über den see nach hause zu führen). 4, 353, d. h. wenn die armen oder kleinen leute mit ihrem einkaufen (merkten) und wenn die schuhmacher mit einlegen fertig sind, in einer bestallung für den fergen; wie bald wir gässen, wend wir ruowen. Ruff Ad. u. Heva 1889. II@5@a@gγ) mhd. z. b.: dô si mit freuden gâʒen, der wirt niht wolte lâʒen u. s. w. Helmbr. 899; dâ hât manic hendel (frauenhand) sîne vinger zuo gerüeret, ê sî sî gezierten, mit der kunstvollen herstellung fertig wurden. Neidh. 86, 10, von Hildemars haube; mit praes.: daʒ ir denne her wider sâ an guot gemach rîtet, als ir dâ gestrîtet. Wigal. 161, 17, mit dem kampfe fertig seid; welich fragner an dem marchtag vor non icht chauft, biʒ dy burger all gemarchtent. Traunsteiner stadtordn. 1375 bei Schmeller 2, 4; geligent deu holz an der prugk, sind die hölzer auf der brücke liegen geblieben, aus einem bair. rechtsb. das.; daʒ chein hübslerin hie in der stat wonen sol die heiligen vierzik tage, fürst man conplete gelutet. Augsb. stadtb. s. 190, nachdem die faste eingeläutet ist. ahd. z. b.: sô sî gechrumbet iro vart, als übers. von cum glomeravit motum. Wackern. leseb. (1839) 144, 29; daʒ rah Apollo .. mit tiu, daʒ imo der gîr dia lebera âʒe (conj., essen sollte), unde alsô filo er geâʒe, daʒ si alsô filo gewuohse. Boeth. 179, wo vielleicht das ge- zugleich das fortgesetzte, nicht aufhörende meint. II@5@a@dδ) das fortsetzen oder die dauer eines thuns erscheint auch nhd. noch mit ge- bezeichnet, z. b.: ietz hond wir die gröste not, wie wir den leib hübsch machen, und legen grosz arbeit daruf, und wenn wir lang gemachen und gemutzen (mutzen, putzen), so würt er kum hübscher denn sant Anstetz fuoterfasz. Keisersberg emeis O 4c. auch in den bildungen das gesinge, gebelle u. s. w. (s. sp. 1617) ist das dauernde ein wesentlicher begriff. II@5@bb) bis in die gegenwart reicht die neigung, bei den sog. hilfszeitwörtern den inf. dabei mit ge- zu verstärken. II@5@b@aα) so schon goth. bei mag, ich kann (besonders in verneinenden sätzen, vgl. dazu unter 7, a, α), s. Bernhardt 165, J. Grimm gr. 2, 847 ff., wo auch vom mhd. und ahd.; für das hd. überhaupt bis ins 16. jh. bringt eine wirkliche übermasse von beispielen (über 120 seiten voll) Reifferscheid in dem ergänzungsbande zu Zachers zeitschr. 1874 s. 319 ff., zugleich als anfang und kleinen bruchtheil einer umfassenden untersuchung, doch nur über das 'wandelbare ge-' (Grimm gr. 2, 844), »welches, ohne die bedeutung des verbalen begriffes wesentlich zu verändern, mit dem verbum nur hin und wider, in bestimten fügungen des satzes verbunden wird«, also in seiner am meisten entleerten erscheinung, die man doch, wie sie geschichtlich die letzte ist, auch zuletzt untersuchen sollte, wie mir scheint, weil sie doch nur eine verwischte gestalt der noch lebendigeren erscheinung des wörtchens ist, also nur daraus zu begreifen sein wird. II@5@b@bβ) hier auszer einem mhd. belege nur einige beispiele aus nhd. zeit: wer getörste gewuochern, gefürkoufen .. gerouben oder gesteln oder ê gebrechen, sô man die hôhen herren sæhe ze banne getuon ...? Berthold 364, 8 (wo zugleich das ge- bei getörste selbst und das bei getuon noch fragen aufgibt). bei mögen, können: dʒ da ein ferr (der ferge) sol haben ein weidling, der sechzehen man müg getragen .. all jarmärckt sol er haben so vil schiffen, dʒ er lüt und guot wol gefertgen müg gen Rappenswil und dannen. weisth. 4, 353 (aber eben so gut daselbst mügent nemen, mügent triben); hend und finger, wann sy die nit geüben (brauchend bewegen), gestrecken noch gebiegen mügen. Braunschweig chir. 1498 16b; wie du den (hirsch) geschieszen oder gestechen möchtest. Steinhöwel Esop. 1569 54b; solten die leüt nit zuo samen reden? was mag es geschaden? Keisersberg has im pf. c 1a; so wunderschön, das ich es kaum mit worten ausgesprechen mag. H. Sachs 1, 102a (ebenda möcht haben); wie möcht mir denn ietz basz gesein. 102c; iedoch so hielt in solch (d. h. dasselbe) gespenst so steif, das er sich nit geregen mogte. Zimm. chr. 2, 197. bei können: dafür ein arzt nit kund gearzneien. fastn. 345, 21; nicht gröszer güte kunt er uns geschenken. Luther bei Mützell 24; also das man or (ihrer) usz der stad nicht gebuchsen kunde. K. Stolle Erf. chr. 25, mit den büchsen treffen; du zeüchest so vil hörter knöpf herausz (knoten aus der kunkel), dʒ du si nit gespinnen kanst. Keisersb. spinn. N 1b, doch gleich darauf die wol spinnen künden (d. i. können); wenn ich denn schon eraber fiel, was kan mir das geschaden viel? Alberus controf. B 1b; noch spät im 17. jh.: was kan man gemachen? Köhler kunst über a. k. 90, 14, im munde eines dieners, der derb und volksmäszig redet; aus bair. landtagsverhandlungen des 17. jahrh. bei Schmeller bair. gr. s. 383. bei wollen: das ich fürbasz niemer nu keinen man wil genemen. Büheler Diocl. 6549, gleich nachher aber wolt nit uf stan 6558, wo auch der vers gestan zuliesze; nun wil ich aber hie gestillen. königst. von Frankr. 1546, doch gleich nachher wil sagen, wil lon; es wolt aber geprinnen ny, wy vil man darein schieszen lie (feuerpfeile). Beheim Wiener 101, 20, gleich nachher es wolt aber nit prinnen z. 30; mehr bei Reifferscheid s. 384. 392. 434, wo auch belege für suln s. 379. 392. 431, müeʒen s. 379. 431, türren und dürfen s. 333. 334. 432 u. s. w., die allermeisten aber für mugen (90 seiten voll von den 120), bei welchem ja die erscheinung im goth. begonnen hatte nach dem was uns vorliegt, die nächst meisten für kunnen, können, das ja für mugen mit eintrat; leider fehlen dort zur beurtheilung des ganzen belege für die fälle wo das ge- nicht auftritt, deren verhältnis zu den fällen seines auftretens wenigstens ungefähr müszte übersehen werden können; der gewinn der mühe ist damit wenigstens halb verloren. II@5@b@gγ) noch jetzt in den mundarten, z. b. schweiz. besonders eben bei mögen, s. Reifferscheid 319, doch nach Stalder 1, 98 nur in der alten bedeutung können, nicht in der von wollen, wie in den bair. Alpen gleichfalls Schmeller gramm. s. 383, in Franken am Main bei können, das. s. 382, in ganz Thüringen bei können, mögen als regel, s. z. b. Regel Ruhla 100, Schleicher Sonneberg 62 (wo ein ähnlich vortretendes be- nach bleiben, z. b. blei besitzen bleib sitzen, es bleit beschtenna es bleibt stehn), in Hessen theils als ausnahmslose regel, theils nach belieben, auch bei wollen, s. Vilmar 120; mehr nachweisungen bei Schm.2 1, 858, wo aus Tambach in Oberfranken das ge- auch bei wollen, müssen, sollen, dürfen, z. b. ich will gsing, so sölls nöt gfahl (fehl schlagen). Der ursprüngliche sinn kann auch hier der des völligen, fertigen sein, denn bei allen jenen mögen, sollen u. s. w. wird das gekonnte, gesollte eben als völlig erreicht oder erreichbar vorgestellt oder verneint (gerade im verneinenden falle aber wol am lebhaftesten vorgestellt); dasselbe ist es, nur noch kräftiger, wenn mhd. bei weln, wollen der inf. praet. vorgezogen wird, er wolte in erslagen hân u. dgl., und eben darum mag da mhd. das ge- seltner sein als man erwarten müszte. II@5@cc) auch bei bildung der subst. und adj., die dem kreise des verbums angehören, hat ge- reichliche verwendung gefunden. II@5@c@aα) persönliche substantiva verbalia zum activum gehörig, wie genosz (s. 2, c), ursprünglich in doppelform, stark und schwach; mit dem praesensvocal mhd. neben genôʒe auch genieʒe m. f. (minn. frühl. 97, 13), gehilfe und gehëlfe, auch starkf. gehelf (wie genôʒ neben genôʒe), ahd. gihëlfo; mit dem vocal des praet. jetzt gehülfe, altmd. gehulfe (vgl. adj. geholf unter ε), schon später mhd. auch in neuer ausprägung mithelfer; erbgenahme (s. d.), mnd. erfgenâme (neben erfnâme) miterbe; übrigens ist dasselbe ge- mit gleicher kraft auch im verbum schon früh vertreten, ahd. gihëlfan mithelfen, ginioʒan zusammen oder ganz nioʒan, es ist wie beim part. praet. (s. 6). II@5@c@bβ) sachliche subst. verb., sowol activisch als passivisch, oder beides im begriffe zusammenstoszend, und in verschiedenster bildung. in einfachster bildung vom nackten stamme (vgl. Grimm gr. 2, 739 ff.), goth. galiug n. lüge, trug von liugan lügen, gahait n. zu haitan, ahd. giheiʒ, mhd. geheiʒ m., nhd. geheisz (doch eben so gut zu gahaitan, geheiʒen passend oder gehörig), mhd. gerich m. n. zu rëchen rächen, gerëchen, getrîp n. zu trîben, gewalt zu walten, gehalt zu halten, gehalten, gelâʒ zu lâʒen, gelâʒen. und wie diese vom praes. genommen sind, so andere vom praet., wie geschosz n. von schieszen, gesang m. von singen, gedrang von dringen, mhd. geschrei n. m. von schrîen, nhd. geschrei n., noch im 15. jh. so lebhaft als verbale bildung gefühlt, dasz z. b. zu feindio schreien auch sagbar war: wer es sach, das ein feindeio geschrei im lande würde. weisth. 6, 48, das ge- zugleich mit dem vollen begriff des zusammen, als schreien vieler, im unterschiede vom schrei des einzelnen (ahd. screi und giscrei). auch mit dem zweiten vocal des praet. z. b. geruch m. von riechen, genusz m. von nieszen oder genieszen, gebisz n. zu beiszen, mit allen drei ablautsvocalen aber von binden : gebind, geband und gebund n., zusammen gebundenes. auch mit brechung gebot n. von bieten, gebieten, mhd. getroc n. trug von triegen (s. auch gebet), wie zum praes. ahd. gifëht n. kampf, mhd. genieʒ m. genusz (s. geniesz), geberc n. von bergen, gewerp, gewerf m. zu werben, mit nebenform gewerft, gewerbt (s. folg.). auch zu schwachen verben z. b. geschmack zu schmecken, gesatz zu setzen, mit dem reinen vocal, wie auch mhd. gedanc m. zu denken, jetzt gedanke. II@5@c@gγ) mit besondern abzeichen auch am ende, wie eben gewerft, besonders mit -i von starken verben z. b. getränke n., mhd. getrenke neben getranc n., zugleich mit den collectiven u. 1, d sich berührend, oft verflieszend; so gespräch, ahd. gisprâchi, das zusammensprechen, verhandlung u. ä., mhd. gebræche, jetzt entstellt gepräge, von brechen; geschütz, mhd. geschütze, geräte zum schieszen, wie gewehr von wehren. dann ebenso von schwachen verben goth. gaþanki n. zu þankjan denken, nhd. gefälle n., gefüge, mhd. gesetze, gerihte, getihte, geriute, jetzt gesetz, gericht, gedicht, wie gehör, gefühl u. s. w. Ferner mit lingualer endbildung (s. Grimm gr. 2, 742 fg.) goth. gaskafts f., mhd. geschaft f. zu schaffen, genist f. (neben genis) zu genësen, nhd. gesicht n. zu sehen, gewicht zu wiegen, älter nhd. mhd. geschrift, ahd. giscrift (neben giscrîp n.) zu scrîban. mit -st z. b. gespinnst, mhd. gespunst (auch gespünne) zu spinnen. ferner goth. gabaúrþs f., mhd. geburt, goth. gahugds f. bewusztsein und ähnl. (hugjan denken), ahd. gihuct, gihuht f., aber auch gihucti und gihugida, memoria, mhd. gehügede f. neben gehuht f. und gehüge f., ebenso neben mhd. geschaft auch gescheffede f. und n., geschefte n., ahd. giskafti n., giskaffida f., neben gesetze mhd. gesetzede f. und n., neben gemæle n. gemælde n., neben gehœre n. gehœrde n. f., wie noch nhd. gebräude, gebäude n. neben gebräu, gebäu; s. auch gelübde, getreide, gemächte, gerücht, und die entsprechenden bildungen unter 1, d, γ, auch hier wie dort mit dem md. -z z. b. gemêlze gemählde, gebûweze gebäude, gerûfze, s. Bech Germ. 10, 395 ff. bei diesen gemählde, gebräude, gebäude, gebilde, geschrift, gespinnst u. dergl. ist mit ge- wol das fertig bringen bezeichnet, das ja zum theil und oft wesentlich in einem zusammenbringen besteht. II@5@c@dδ) sehr entwickelt ist hauptsächlich nhd. ein infinitivisches subst. verb. mit ge-, ich meine das seinem werte nach dem substantivischen inf. ganz nahe steht, ihn oft geradezu vertritt, wie das gesinge gleich das singen, das geschiesze gleich das schieszen (vgl. Grimm gr. 2, 744). ursprünglich mit -i wie unter γ, doch nur vom praes. genommen; vergl. schon goth. garûni n., Matth. 27, 1. 7 garûni niman wechselnd mit rûna niman, συμβούλιον λαβεῖν, Marc. 15, 1 garûni taujan συμβούλιον ποιεῖν, eigentlich heimliche, raunende beratung, ags. gerŷne, wordgerŷne, ahd. garûni, mhd. geriune; in dem goth. ga- ist da noch das alte 'zusammen' enthalten, raunendes zusammenreden, als verb. zu vermuten rûnan nach birûnains, vermutlich auch garûnan. ähnlich ist goth. galigri n. beilager, eheliches zusammenliegen (ligrs m. lager, beilager), ahd. aber auch noch blosz ligiri Graff 2, 95, galigiri gewiss nur zufällig unbezeugt, wie das zeitwort dazu, vgl. mhd. gelëger n., lëgern sich lagern (s.geläger). ahd. sonst z. b. gafolgi n. folgsamkeit Müll. u. Sch. denkm. 525 (465), mhd. z. b. gelæʒe n. neben gelâʒ, gedringe n. neben gedranc m. und gedrenge n., geschrîe n. neben geschrei, aber auch geschreie n., die dritte form wie zwischen der zweiten und ersten vermittelnd, vergl. genasch (: drasch) Haupt 7, 381 neben genasche und genesche mhd. wb. 21, 317a. so schwanken mhd. gebrëch und gebrëche, gevëht und gevëhte, die erste form die richtige alte nach β a. e., die zweite eigentlich mit fehler, da das -e, wo es echt ist für ahd. -i, die brechung nicht zuliesze, wie denn auch gevihte bestand (Lexer 1, 958); aber eben im späteren mhd. scheint das denken an den inf. sich eingeschlichen zu haben, das jetzt diese formen bestimmt. schon geniste z. b., nicht viele nester, sondern ein nest, muszte das denken an nisten herbeiziehen. doch noch mit umlaut z. b. geriusche, geswetze, genesche, nhd. geräusch, geschwätz, genäsch, gewäsch, anfangs auch z. b. gemürmel, gemürre, jetzt gemurmel, gemurre. Gegenwärtig als eine art nebenform des inf., z. b.: ihr rabenäser, habt ihr nicht ein geeile! frau Schlampampe 81; und das gerenne und getreibe der leute! Engel 12, 261; das war ein geschrei, gefahre, gelaufe, getümmel, und wenn ball oder maskerade war, ein gefiedel, geflöte, geblase, gepauke — man hätte mögen von sinnen kommen. 12, 246; das ist ein gerutsche, gebrumme, gepoltre, gedusele, gedudele, geschreite, gewinsele und ein gerumore durch einander .. Immermann Münchh. 2, 136 (4. buch, cap. iii); von dem gekriz und gekraze (actenschreiberei). Göthe u. Werther s. 122, federgekrize 107. die gewählte form wäre das rennen und treiben, ein fiedeln, flöten, blasen, pauken, aber die kräftigere, volksmäszige ist jene und wird frei gebildet von jeglichem zeitwort, wie mit dem fremden -ei z. b. fiedelei, blaserei, auch von fremdwörtern: geht mir doch mit euerm beständigen geräsonnire von ehre. Weisze kom. opern 3, 164. gemeint ist sie meist geringschätzig, als ausdruck von verdrusz oder spott. daher auch gebraucht, um einem andern ein wort, besonders das er zum überdrusz braucht, 'aufzumutzen': Schlamp. ich wünsche nochmals, dasz dirs möge wol gehn. Schelmufsky. ist das nun nicht ein gewünsche! Schlampampe 91; Thomas. narr, ich wollte sagen, dasz man wacht, weil mans gewohnt wird. so macht auch die natur, das will sagen ... Marie. ach vater, sagt was ihr uns zu sagen habt, über dem gesage geht mehr zeit hin als wir verschlafen. Weisze kom. opern 3, 163 (ärntekranz 1, 2). recht deutlich in der köstlich kühnen form gesâtze, die man in Thüringen, Sachsen hören kann, gegen frauen die in das beliebte berichten von dem was andere gesagt, fortwährend getreulich einfügen sagt se (inquit., ἔφη), in der mundart sât se, daher ärgerlich: hat díe e gesâtze! wozu es denn einen inf. oder sonstige verbalform gar nicht gibt. ähnlich im westen, z. b. frankfurtisch, zugleich kräftiger in genitivischer form (wenn es nicht zu der bildung mit -ze gehört u. γ, wie geräms, ursprünglich geremze): Keller. nein, sie ist nicht meine nichte, sondern — Hampelmann. gott was e genichts, mer werd ganz ähnfällig. Malsz herr Hamp. im eilwagen s. 62 (nichte und nicht gehen zusammen sieben mal vorher); ebenso nl., s. im groszen nl. wörterb. unter ge sp. 367, wo z. b. aus Fokke beigebracht wird al dat gebroer für al dat 'broertje' zeggen ('brüderchen' sagen); vgl. ähnliches unter be- I, 4. Übrigens gehn diese bildungen bis ins nd., das doch dem ge- sonst abgeneigt ist und es vielfach abgestoszen hat (s. I, 3, a), Dähnert 145 ff. nennt sie zu dutzenden, z. b. geslâp, langes schlafen, gehûl, geplapper, gedön langes verdrieszliches sprechen, in der regel mit abfall des -e wie oberd. und rhein., während es im östlichen md. der form wesentlich ist und selbst nach -el und -er gesetzt wird, wenn die form ihre ganze kraft haben soll, z. b. geplappere ewiges plappern, gelisple, gewimmre u. dgl., wie vorhin bei Immermann, gebelfere Göthe 57, 127, und selbst nd. z. b. bei Danneil gefrage unaufhörliches fragen, gebidde, gegrunse, gedräge (drägen tragen) mit erhaltenem -e das sonst dort fehlt, wie in oberd. sprache gerade da das ge- seínen vocal gern behält, s. Schmellers bair. gr. s. 51 'gépolter, gédräng, géklingel', eine merkwürdige ausnahmestellung dieser formen im oberd. wie nd. Aber die vollen formen gelten für niedrig (vgl. u. 1, d, β und J. Grimms urtheil gr. 2, 744), obwol nicht ohne ausnahme, z. b. geläute, stilmäszig sind die gekürzten nach oberd., rhein. art (z. b. nassauisch grusz gegeng git grusz gekomm Kehrein 2, 28): geheul, gebrüll, gebrumm, gesumm, und beliebt sogar, auch im edelsten stil, solche von frequentativen auf -eln und -ern (vgl. Grimm a. a. o.), wie gelispel, gewimmer, geflüster, gezwitscher, gemurmel, gewimmel, deren sogar fast jeder schriftsteller neue bringt, so lebendig ist da ge- noch wirksam. übrigens hat es da auch deutlich noch seine alte kraft, 'eine verlängerung, verstärkung oder vervielfältigung der handlung' auszudrücken, wie Dähnert 145a fürs niederd. angibt, denn gebettel z. b. ist im grunde eins mit ewiges betteln, wie der verdrusz sich auch kräftiger ausdrückt. auch im nl. ist die bildung ganz geläufig, selbst mit so freier stellung des ge- wie: wat is hier een geïn- en geüitloop! ein ein- und ausgelaufe (nl. wb. a. a. o.). II@5@c@eε) bei adj. verb., in einfachster bildung z. b. goth. gahvaírbs fügsam, ungahvaírbs unfügsam zu hvaírban gleich ahd. hwerban, werban, eigentlich sich im kreise bewegen; gaqviss übereinstimmend zu qviþan sprechen, eigentlich dasselbe sprechend (vgl. gewiss u. 3, b). ahd. z. b. gihel einstimmend, zu hëllan klingen, sonare, gihëllan concinere, consentire (vergl.gehellen u. 4, a); giwon, eigentlich zusammen wohnend? Andere mit ableitenden -i (gr. 2, 747), z. b. ahd. gisprâhhi, mhd. gespræche, noch nhd., der viel oder gut spricht, oder mit dem sichs gut spricht; gegänge gleich gänge, leicht gehend (sp. 1243). öfter wol passivisch, z. b. ahd. ginâmi, mhd. genæme, nhd. genehm (angenehm), eigentlich annehmbar, genauer wol was alle nehmen, als vollgültig o. ä. (vgl.gäbe sp. 1116 fg.); ungibrâchi pertinax Graff 3, 269, eigentlich der nicht zu brechen ist, starr; dasz das gi- der bildung an sich nicht notwendig ist, zeigt wie das erwähnte gäbe auch ahd. nâmi acceptus Graff 2, 1073, unprâchi rigidus 3, 269, sodasz ungibrâchi auch von gibrechan confringere neben brechan frangere genommen sein kann, also etwa 'was sich gar nicht brechen läszt' neben unprâchi 'was sich nicht brechen läszt'. s. auch gefüge, gebiege, gehebe was viel faszt oder was fest hält, zu haben halten, mhd. gehœre folgsam. begreiflich ist die spätere erweiterung und sicherstellung des adj. durch eine neue endung, wie gesprächig, gefügig, gehebig. II@66) Am ausgedehntesten ist ge- beim verbum verwendet worden zur bezeichnung des part. praet., aber auch hier ohne durchzudringen. II@6@aa) schon goth. erscheint ga- als beliebt beim part., doch nur bei solchen verbis die auch sonst von dem ga- gebrauch machen, sodasz es nichts dem part. eigenthümliches ist, wie doch beim hd. von haus aus gleichfalls nicht, s. J. Grimm gr. 2, 845 fg., Bernhardt in Zachers zeitschr. 2, 164 fg.; auch der anlasz des zusatzes ga- ist derselbe, wie bei andern formen des verbums, besonders beim praet. und inf. (s. 4, c und 5, a. b), d. h. das bedürfnis, die handlung o. ähnl. als fertig, abgeschlossen zu bezeichnen. da diesz aber beim part. praet., sowol in der activischen als der passivischen verwendung, doch den sachen gemäsz öfter und entschiedener auftreten muszte, als auch beim praet., das doch eben so oft ein nur begonnenes thun o. ä. zu bezeichnen hat als ein gelungenes, so begreift sich das weitere vordringen des ga- im part. praet. auch im vergleich mit dem praet., wie es wol schon im goth. zu erkennen ist (s. Bernh. s. 165). die weiteren fortschritte und schwankungen dieses vordringens zu verfolgen ist hier nicht der ort, fürs nhd. ist das ergebnis der ganzen langen bewegung, dasz da ge- als grammatisches abzeichen des part. praet. angesehen wird und der fremde z. b. zu lernen hat binde, band, gebunden, oder ich binde, ich band, ich habe und ich werde oder bin gebunden u. s. w.; und dennoch ist das eigentlich nur schein und als regel beinah falsch, obwol begreiflich daraus dasz man als probe ein einfaches verbum nahm. II@6@bb) noch gegenwärtig ist ge- keineswegs das durchgehende abzeichen des part. II@6@b@aα) es fehlt ihm bei den verbis, die schon ein anderes gleichartiges vorwörtchen haben in der stellung die ge- einnehmen müszte, z. b. von besitzen nur besessen, nicht gebesessen, von entbinden, verbinden nur entbunden, verbunden, nicht entgebunden, vergebunden, von verkaufen nur verkauft, u. s. w.; und so von jeher, d. h. das part. ward nicht anders behandelt als die andern verbalen formen, die von haus aus ge- annahmen, sodasz, wie zu bieten und gebieten zwar ein subst. verb. gebot, zu anbieten angebot, aber zu verbieten kein vergebot, nur verbot gehört, dasz ebenso zu sehen zwar noch im 16. jh. häufig gesach tritt, aber zu ersehen, versehen kein ergesach, vergesach oder geversach. dasz man doch daran gedacht hat, auch da dem ge- sein recht gleichsam zu geben, zeigt genügend folg. eine beispiel, das nicht das einzige sein kann (gefressen dient nicht als beispiel, weil das fr- gleich ver- nicht mehr gefühlt wird), geverkauft aus dem 14. jh., md.: sotan gerete ist mir vorsaczt adir gevorkouft von dem gardian. blume von Magdeburg s. 55 art. 106. ähnlich auch, doch nicht ganz, vergesichert in einer urk. bei Höfer 247: dat wir vergesichert han unde die hende uf die heiligen gelecht, es heiszt aber s. 244 dafür und hain dat vuorgesichert und na gesworin, eine vorhergegangene zusicherung nachher mit eiden bekräftigt, sodasz jenes ver- noch höheren ton hatte als ge-, weil vür oder vor vertretend (wie auch sonst, z. b. in verbieten gleich für gebieten, vor gericht fordern Freib. stadtr. 169). in geblieben ist das ge- nur seit dem vergessen des be- in bleiben eingetreten, denn die mhd. form war nur beliben, wie noch nhd. auch vielfach blieben. II@6@b@bβ) der grund, dasz ge- trotz des versuchs nicht aufkam, wird wie gewöhnlich ein äuszerer und ein innerer zugleich sein, jener im tonverhältnis gelegen, weil ge- ganz früh schon zu leicht war, um durch eine gleichfalls leichte silbe von der tonstelle entfernt zu stehn, an die wirs noch nahe gebunden fühlen (vgl. unter I, 2, d, α), der innere grund aber darin, dasz in er- ver- zer- und ent- die bedeutung des ge- eigentlich schon mit vertreten war, obwol auf anderen wegen gewonnen; denn z. b. in erschlagen, zerschlagen, in verwenden, entwenden, vollbringen (vollbracht) ist der begriff des schlagens, wendens, bringens gleichfalls so zu sagen erfüllt, sein ziel erreicht; bei be- mochte ähnlich mitwirken, dasz es in der bedeutung sich mit ge- nahe berührt und mit ihm geradezu tauscht (s. 7, b). II@6@b@gγ) das weglassen ist erstreckt worden auf die mit praepositionen zusammengesetzten verba, deren praepos. als untrennbar behandelt wird, d. h. ihren selbständigen ton verloren hat (s. gramm. 2, 872 ff.), also durchsétzt, umbáut, unterblíeben, überdácht, hinterlégt, widerstánden, wiederlégt, während dasselbe wort, wo die praepos. ihren ton behält, auch bei der scheinbaren zusammensetzung das ge- annimmt: dúrchgesètzt, úmgebàut, híntergelègt, ǘbergesètzt neben übersétzt, wiederhólt neben wíedergehòlt u. s. w., wie entnómmen, vernómmen, benómmen neben áufgenòmmen, ángenòmmen, éingenòmmen. die wirkung des tonverhältnisses ist da dieselbe wie in der neulich beobachteten ähnlichen erscheinung im lat. (s. lit. centralbl. 1875 sp. 651), dasz in der zusammensetzung die reduplication am häufigsten ausbleibt nach 'kurzsilbigen' praepositionen, nach 'langsilbigen' aber eintritt, z. b. occurri, succurri, aber decucurri, transcucurri. übrigens ist die regel (wie im lat.) keine streng durchgesetzte, wenigstens in älterer zeit, wofür in den zusammensetzungen mit durch belege zu finden sind, z. b.: des bruders, dessen lob Europa durchgeflogen. Canitz (1734) 199; da fand ich mich an einem ort von ihnen allen umgegeben. Weckherlin 78 d.; noch bei Göthe ǘbergepàckt statt überpáckt dem hexameter zu gefallen: die hoch auf dem schweren übergepackten wagen auf betten saszen und schwankten. 40, 240. vgl. auch umgekehrt únterthàn. II@6@b@dδ) dasz auch die verba, die ein ge- ohnehin schon angenommen hatten, im part. nicht ein zweites annehmen konnten, versteht sich danach von selbst (obwol im goth., doch in andrer weise, doppeltes ga- keinen anstosz gab, z. b. gagaleikôn völlig gleich stellen von galeiks gleich), also ich geniesze, ich genosz, ich habe genossen; so kommt es dasz z. b. gelobt sowol zu geloben als loben gehört, geleitet zu geleiten wie zu leiten, gewährt zu gewähren wie zu währen, gerade wie z. b. das gebot sowol zu gebieten wie zu bieten. ausgenommen sind nur fälle, wo das dem worte überhaupt gehörige ge- als solches vergessen ist, z. b. geglaubt, gegönnt, geglückt, und gegessen, wo im part. gessen das ge- nicht mehr deutlich genug war, obwol mundartlich, z. b. in Thüringen noch jetzt sowol gessen wie geessen zu hören ist, auch schriftdeutsch aber sogar noch essen gilt in überéssen als part. zu sich überessen (nach γ). II@6@b@eε) auszerdem fehlt ge- dem part. von werden als hilfszeitwort, neben was ist daraus geworden, wie ist es fertig geworden heiszt es wie ist das gemacht worden, wie mhd. auch in jenem falle nur worden. im zweiten falle ist das worden an sinn und ton leichter als im ersten, das wird der grund der unterscheidung sein. ähnlich bei lassen als hilfszeitwort, ich habe ihn kommen lassen neben ich habe ihn eingelassen, vgl. u. können V, 1723. doch schreibt noch im j. 1772 Göthe an Kestner: so ganz über meine hoffnung lieb empfangen geworden zu sein. Göthe u. Werther s. 71, wie er umgekehrt auch worden für geworden braucht. II@6@cc) schwankend ist der gebrauch auch bei fremdwörtern, d. h. die heutige gebildete sprache zwar gibt ihnen kein ge-, selbst den eingebürgertsten nicht, wie regiert, studiert, spaziert, barbiert, probiert, selbst den deutschen wörtern mit dem fremden -ieren nicht, halbiert, amtiert, stolziert, wol aber das volk und bis ins 18. jh. auch oft genug die schriftsteller, und zwar aus der mhd. zeit her, z. b.: wîʒe lînwât reine, geridieret cleine. Hartmann Iwein 6484; samît unde sigelât zesamne geparrieret. Erec 1956; Gâwân sach geflorieret unt wol gezimieret von rîcher koste helme vil. Wolfram Parz. 341, 3 ff.; (der schild) gehalbirt nâch dem swert zetal. Lichtenstein 171, 5; hete Johannes icht hôher gedûtîret, alle di werlt enkunde in nit verstanden hân. Herm. von Fritzlar, myst. 1, 31, sein deuten höher, schwieriger gemacht; mehr von mhd. beispielen s. Germ. 11, 446 fg., vgl. J. Grimms kl. schr. 1, 354 fg. und so fort ins nhd.: het si ir selb geprofeziert. Liliencron hist. volksl. 2, 5a; das vigilien do gesungen und gehalden und gecelebrirt werden. Leipz. urk. 1, 169 (15. jh.); geregiert werden. G. Oheim chron. von Reichenau 67, 3; die du beschissen (betrogen) hast oder geabentürt, es heiszt ietz gehofiert. Keisersb. omeis 81d; aber sie wollen ungereformirt sein ... noch hat derselbe bettler sie zimlich gereformirt. Luther 6, 121a; iedes kleid sol nach der grösze des leibs gemodelt, geformiert und gericht sein. Frank spr. 1, 4b; nach dem Severus keiser war und (hat) geregiert achtzehen jar. H. Sachs 8, 419 Keller; und könnind, habind nüt (nichts) gstudiert. Ruff Etter Heini 559; wie hastu so ein geschwinde, wol und glatte geballierte zungen. Ayrer proc. 1, 6; ein lied ... von einem peregrinanten aus fernen landen gecomponiert. Soltau 2, 350, vom jahre 1628; sothane teutsch genaturalisirte wörter. Schottel haubtspr. 1273; die damen seind zu sehr gedeniessirt hir und wenige fürchten den teufel. Elis. Charl. v. Orl. (1867) 391, déniaisées, sie schreibt aber gleich darauf dasz man einen armen teufel arestirt hatte (s. nachher); ihr geschmack, eine geläuterte quintessenz von demjenigen, was bei ungestudierten der dünkel heiszt. Bodmer mahler der sitten 1, 410 (aber hat regiert 2, 251). noch jetzt in den mundarten, z. b.: er sicht so gstuddiert us! Arnold pfingstm. 142; so durchgstuddierdi lyt. 26. die Niederländer haben die form auch in die schriftsprache aufgenommen (z. b. geaspireerde und ongeaspireerde vorm), aus dem mnl. her, wie es mnd. war, z. b.: wisen mannen, de lange in deme privilegio gestuderet hebben. richtsteig landrechts s. 83 Hom. Übrigens kommen solche part. ohne ge- einzeln auch schon früh vor, d. h. so gut wie bei heimischen wörtern, z. b.: quadrieret zeigt si sich hêrlich natûret. Frauenlob spr. 367, 7; so sich ich manigen als (so) unpoliert. Vintler 6841; ietlichem stat statuten sein ward kunsipiert und gschriben ain. Liliencron 2, 5a; vor mengem jar es ward prowiert. das.; den hand die maister profiziert. 8a; und hab gar wenig drauf studiert. 498a; edelgestain gerutschet und palliert (poliert). J. Grimm kl. schr. 1, 359; wurden wir nit frintlich tractiert. Th. Platter 62; all ding war unordnirt. H. Sachs 1, 96a (ungeordinirt 84a); ein groszes paquet schreiben an den kaiser datiert. Möhners reise 100; damit die sachen repariert werden. 102. Schottel a. a. o. schreibt kurz vorher: wie die lateinische .. die grichsche sprache gleichfals etzliche barbara vocabula .. auf lateinisch und grichsch naturalisiret haben, d. h. er gibt dem part. das ge- wenn es adjectivisch geworden ist, und auch bei der Elis. Charlotte und Bodmer vorhin ist derselbe unterschied eingehalten, wie er auch bei heimischen wörtern mundartlich vorkommt, s. nd. aus Danneil sp. 1605 (γ); auch umgekehrt freilich unterthan und untergethan. II@6@dd) das ausbleiben des ge- greift aber noch weiter. II@6@d@aα) mundarten und schriftsteller in gewissen fällen machen noch häufig gebrauch von den stumpfen formen auch über den angeführten kreis hinaus, z. b. Göthe: gerne hätt ich fortgeschrieben, aber es ist liegen blieben. 1, 333; flohene freuden. 10, 325. 57, 132 (Erw. u. Elm. 2, 6). auch in briefen: gestern bin ich mit den Runkels ums thor gangen. an Joh. Fahlmer s. 70; wir haben gestern gessen wildprettsbraten. 48 (doch s. u. b, δ, mehr beispiele III, 1162); dasz Lotte nicht nach Atspach gangen ist. Göthe u. Werther s. 43; unser kattun ist noch nicht ankommen, er ist gestern ... von hier abgangen. 60; ob er etwa hier liegen blieben ist. das. (abgegangen 61); dasz ich im zank mit Sophien weggangen bin. 62; es ist ein packet von meinem vater ankommen. 70; von Friedberg haben sie doch den brief kriegt. 72; und hätten uns Lotten mitbracht. 119; da bin ich nun in Leipzig, ist mir sonderbar worden beim nähern. an Carl Aug. 1, 1. es ist übrigens beschränkt auf einen gewissen kreis vielgebrauchter verba, der genauerer beobachtung vorbehalten bleibt; s. z. b. bei kriegen V, 2239, kommen 1627. 1628. durchgängiger abfall kommt übrigens im niederd. vor (s. I, 3, a, γ), wirklicher und scheinbarer besonders in oberd. mundarten, s. I, 3, b, α. II@6@d@bβ) von derselben erscheinung im ältern nhd. ein paar proben: ich hab den held nie betrogen. er ist nach abenthewr zogen. Teuerd. 109, 60; es musz durch brochen und erstritten sein. Keisersberg gran. c 1b, durchgebrochen (durch den feind), nicht durchbróchen, welicher dem (evangelium) gloubt und touft wirt, der wirt heil. Zwingli vom touf h 4b; das Johannes das evangelium predget hat. das.; hat im alle ding in sin hant geben. das., auf derselben seite aber gepredget, gebuwen, gethon, genent, germpt, getouft i 1a u. o., widergetouft l 3b; es wart ouch allen pfaffen erloubt ewiber zu nemen und in botten, in monatz frist ire metzen und kellerin hinweg zu thun. Basler chron. 1, 90; bekant ist halb büszet. S. Frank sprichw. 1, 143b; Lucretia das fromm weiblich bild ward zwungen, drungen ganz unmilt (roh). Tellenspiel bei Vischer befreiung der waldst. s. 170; von gelbem flader war die pfort innwendig defelt (getäfelt) alle ort. H. Sachs 1, 102a; da guts erdreich ward troffen. 1, 82b; du aber hast mir wider geben. 1, 31a, gleich darauf gegeben; als sie nun gangen warn. 1, 96a; die zu zeugnus seind bei uns blieben. 1, 97c; ich umb die fürstin bulet hab. 2, 3, 78a; vergulten becher mit eim fusz von tribner arbeit. Frischlin hohenz. hochz. 75; und fragt endlich, wie es wer gangen. Rollenhagen froschm. L 1a; denn trew und glaub ist worden klein. J 6b. abzuziehen sind freilich die doch schwer zu unterscheidenden fälle, wo oberd. g' nur in folgenden g, k, b, p, d, t verschlungen sind (s. I, 3, b), wie z. b. gewiss in dem botten der Basler chron., das zudem zu gebieten gehört, wahrscheinlich auch in büszet bei S. Frank, denn dasz auch er so verschluckte, zeigt z. b.: einen pfal für thür schlagen. sprichw. 2, 20a, thür gleich d'tür. ebenso bachens gebacknes Oheim Reichenauer chron. 98, 20, wie bratens gebratnes (II, 311 falsch ausgelegt), kürnts gleich gekürntes V, 1823 unten. so wol schon im 14. jh. z. b. kouft alem.: geribniu varw nicht lange wert und kouftiu liebi. Boner 67, 48. im 17. jh. macht z. b. Spee für den vers freien gebrauch davon, z. b. in der trutzn. (Berl. 1817) than 151. 269, lan 226, troffen 71, tragen 72, rissen 260, schonet 287, lernet 228, zogen 245, stohlen 71, spart 145. II@6@d@gγ) ganz alterthümlich aber noch aus der gegenwart ohne ge, und so dasz ihm das tonverhältnis nicht im wege stand, das allgemeine hausbacken, altbacken, wie nl. oudbakken, um 1600 z. b. auch ein altbachen kugel Haupt 3, 251; auch frischbacken u. a., vergl. unter backen (doch bildlich z. b. ein neugebackner doctor). ebenso neuwaschen, mhd. auch niwesliffen (z. b. swert), niuborn, niuwebrochen, niuwevallen (snê), ein altsprochen wort altes sprichwort. alles reste aus der ältesten zeit, die am part. das ge- überhaupt noch nicht hatte, wie mhd. brâht, komen, funden, lâʒen, troffen u. a., s. mhd. wb. 1, 490b. bei demselben tonverhältnis wie in áltbàcken bleibt ge- auch aus nach mis- in mísràten, misgönnt, misbilligt, misbraucht, misfallen, misachtet u. s. w., obwol dabei schwanken ist, im ton wie selbst in der stellung des ge, denn man braucht auch z. b. misgeraten, misgeachtet, misgestimmt u. a. und gemisbilligt, gemisbraucht, anderseits auch misráten, miskánnt u. dergl.; mhd. missetân, missesprochen, misserâten u. s. w. ebenso mhd. vólmèʒʒen Walther 11, 15, vóllekòmen, vollemûret Frauenlob 367, 9, volsprochen Parz. 827, 28, volseʒʒen pass. K. 339, 53, volvarn, unvolgân u. s. w., noch jetzt, doch bei verändertem ton (der aber wol schon mhd. auch bestand) vollkómmen, vollbrácht, vollzogen, vollendet. auch un- scheint das ausbleiben zu begünstigen, z. b.: doch bleib ir ein teil unschriben umme krîges willen. Leipziger stadtb., mitth. der deutschen ges. 1, 120. II@6@ee) dagegen hilft ge- und ist fast unentbehrlich bei gewissen participien, die, auch ohne andere verbalform, aus subst. gebildet werden in groszer freiheit, zum theil als vertreter älterer einfach adjectivischer bildungen (s. 3, e), vgl. Grimm gr. 2, 850; schon ahd. in gestirnôt stellatus Graff 6, 724, mhd. z. b. gîsert ferratus, genatûret naturatus, auch schon in freier bildung der werlt wil ich gewerldet wesen Gottfr. Trist. 3, 25, von Êve, Îsôt gêvet 451, 8, gîsôtet 477, 12; nhd. in groszer fülle, s. z. b. gearmet, gebeint, gebaucht, gebartet, gemeulet (Fischart groszm. 613 Sch.), geampt, geährt, geerbet, auch geerbt und gegut, mit erb und gut versehen weisth. 1, 567, geguot und gehuobet 4, 597, gestifelt und gesport Nürnberger chron. 2, 248, geeigenschaftet (16. jh.), vgl. geeignet, geartet; ein geleitrater wagen weisth. 4, 330, ein gemilchter hecht Feierabend wasser- u. fischweidw. 72b, ein gepfalzter graf Neukirch ged. 123, wie gefürstet; ferner eingepfarrt, ebenso ein eingehofter badbrunnen, in einen hof pflichtig (s. unter gastherberge), und mit einbeziehung eines adj. u. dgl. gleich gesylbte reime Schwarzenberg 150a, reimzeilen von gleicher silbenzahl, weit gebrüst und lang gearmet S. Frank sprichw. 2, 69a, gleich-gezweigte fichten Brockes 1, 203, der lang-geohrte hase 7, 181, der hell-geformte wiederschein 7, 296, in viel-geformten zirkeln 8, 631 (d. h. in vielen formen, in heller form, zu form gehörig, nicht zu formen), drei-gespitzte zungen 1, 352 (zu spitze, nicht zu spitzen, obwol beides leicht verflieszt), fünf-geeckte stengel 2, 293, die dreigeeckten zwischenstellen als übers. von franz. triangulaires 3, 165. jetzt zieht man adjectivische bildung vor, bauchig, breitbrustig, dreispitzig u. dgl., doch ist die frühere form auch für neubildungen noch nicht zu entbehren, z. b.: stieg hinan zu der schwelle der hochgebühneten kammer. Voss Il. 9, 582. zu bemerken ist noch, wie die bedeutung wieder manigfache seiten zeigt, z. b. 'gehölzt, alt für holzberechtigt, zur fällung des holzes in einem walde befugt' Müller u. Weitz Aach. mundart 65; auch dasz bei fremdwörtern das ge- hier doch gleichfalls wegfallen kann, z. b. neben genaturt auch naturt Mathes. Sar. 143b und auch schon mhd. (s. unter c Frauenlob), ebenso bei ver- z. b. in vermögt, mit vermögen versehen: ich geriethe plötzlich in einen solchen vermögten stand. Simpl. 4, 21, 27 Kz.; endlich dasz auch hier für ge- gern be- eintritt, z. b. beschuht für geschuht, der beamte für das frühere geampt; vgl. unter 3, e und 7, b, und unter be- I, 6. II@77) Endlich einiges, das immer noch zu fragen oder zu bemerken bleibt bei diesem wunderbarsten worte unsrer sprache. II@7@aa) es erscheint noch in manchen fällen, die im vorigen nicht unterzubringen sind. II@7@a@aα) z. b. bei verbalformen: so hell geschin noch nie die sunn, (dasz nicht) die tugent, zier und sitten dein schein klerer in dem herzen mein. weim. jahrb. 2, 111; es scheint da blosz dem gedanken einen gewissen nachdruck zu geben, der demselben wol dienlich und wünschenswert, aber nicht notwendig ist, wie gewisse partikeln, die einem satze oder gedanken eine gewisse färbung geben, die ihm doch auch fehlen kann oder durch den stimmton ausgedrückt werden, und eben das erscheint als der allgemeinste charakter des wörtchens überhaupt, das die vielfältigsten dienste thut und doch nirgend eigentlich notwendig ist, in vielen fällen selbst bis ins ahd. und goth. zurück. gerade hier scheint der nachdruck der allgemeinheit der behauptung zugewandt, denn es erscheint öfter so mit nie oder ie gesellt (auch das conjunctivische geschin oben neben schein musz irgendwie sich so erklären, vgl. V, 489 conj. mit negation), z. b. im folg. mit beleg für beide fälle: sich darnoch unsern herren Jesum Christum, wie der in allem sinem leben von siner geburt an bisz an sinen tod nie guoten tag gewan, aber (sondern) in so groszer bitterkeit, so alle menschen nie gehatten, und sin unschuldigs leben geendet mit dem grüsenlichsten bittersten tod, den ie kein mensch geleid. Keisersb. bilg. 61d. man kann darin noch die alte bed. des zusammenfassens erkennen (s. u. 4). das ge- besonders bei nie, ie u. ä. ist schon mhd. so häufig dasz es an die regel streift (s. den artikel nie im wb. 1, 744b), z. b.: niemer genim es keine war. Trist. 295, 33; sie getraf diu liebe nie. Walther 49, 35; daʒ nie kein münch ze kôre sô sêre mê geschrei. 104, 2; leien munt nie baʒ gesprach. Wigal. 164, 2; daʒ wunder daʒ gesach ich nie. Iwein 3023; dichn geruorte nie mîn meisterschaft. 3015 (ruorte nur A); ichn gehôrte bî mînen tagen nie selhes niht gesagen. 547; daʒ si iu ie geslüegen slac. 7551; ein affe und ein narre was er, der ie gesente sînen lîp u. s. w. Helmbr. 1005 (bei nie z. b. 1057 hs.); ob ich dir ie gemente ode phluoc in furch gedente. 307; daʒ er wîben ie genam. 682. auch in prosa, z. b. in dem beliebten eingang von urkunden: grâve Ruodolf von Habspurg .. und die landliute von Uren tuond allen dien kund, die disen brief iemer gesehend older gehœrent .. urk. Altorf 22. dec. 1257 (Hergott 2, 335). auch ohne das iemer, das durch alle mit vertreten wird, z. b.: allen den, die disen brief gesehn odir in gehorin lesin. Leipziger urk. 1, 23. ähnlich sind ge-formen bei swie, swie vil u. dergl. verallgemeinernden wendungen, z. b.: sin gehieʒ mich nie geleben nâch ir lêre, swie jâmerlîch ich sis gebat. Walther 71, 2; swie aber ich gerîte in der Burgonden lant. Nib. 2207, 4; swaʒ im des morgens widerlief ode swie vil diu krâ gerief, swie vil der mûsære umbe geflouc, der ungeloube in niht betrouc. Wigal. 160, 1 ff.; swie vil si in gebâten. Erec 5252; swaʒ man ime dâ gerief. Iwein 3247; mich hilfet niht, swaʒ ich dar an geklopfe. Walther 20, 33; swaʒ ie gestreit iwer hant. Parz. 557, 12; swes er in ie gebæte. Iwein 4563. überhaupt vgl. auch Wackernagels zusammenstellung der fälle im wb. 1839 s. ccxvi fg., wo es 'die bedeutung unübersetzbar leise verstärkt'. Noch im 17. jahrh. findet es sich frei verwendet bei dichtern, die am alten stil festhielten, wie Spee, doch unverkennbar zugleich im dienste des rhythmus, z. b.: wann nur küssen, hälsen, herzen ich dich (Jesum) möcht in meinem schosz, wann bei deinen letzten kräften ich gemöcht an letzter stund dir die letzte bäcklein heften an die süsze wangen rund. trutznacht. 280 (Berlin 1817 s. 288); das leben auf der schwellen, auf offnen lefzen sasz, sich that zum scheiden stellen, gesann der dunklen strasz. 43 (43); ich vor wunder mich ergiebe, kaum ich mehr geredenkann. 251 (261); der weisze thau und regen klar gar lieblich kömmt geflieszen. 161 (169); er schon ihm läszt gesagen (läszt sich zureden). 72 (72). 137 (144). 228 (238); ebenso im guld. tugendb. geleben 126, geleinen 147, geschwellen 263. II@7@a@bβ) adjectiva verstärkend, schon in alter zeit z. b. geswâr schwer Graff 6, 892, gipôsi böse 3, 216, vgl. auch 4, 54; geguot, gut: daʒ tunchet mich ze neuht geguot. Diemer ged. 194, 12. gelink und gerecht, z. b. in der verkehrten hofzucht: leg die schch unrecht an, den grechten an den glinken fuoʒ. Zarncke deutscher Cato s. 145. vgl.genau, glind, geschlank, gestrenge, geruhig, am gehellen tage Weinh. schles. wb. 35a, gerîche reich Germ. 9, 175. älter nhd. gewahr wahr, mhd. gewære; aus bair. mundart z. b. geschwül, geschlecht Schmellers gramm. s. 403 fg., geschnell wb. 3, 490. mnd. z. b. gewert wert, s. Braunschweiger chron. 1, 402 anm. 2, geecht echt Sch. u. L. 2, 31b. s. auch adv. gestracks gleich stracks, gerings gleich rings, diesz sogar eigentlich substantivisch (ringes, in ringform). II@7@a@gγ) an subsantiven, die dem verbum fern oder ferner liegen, z. b. in ritters gewîse für das sonstige wîse, s. Lexer 1, 993, dann auch adverbial mnd. z. b. rôves gewîs, in raubes weise, s. Schiller u. Lübben 2, 105b; gelenden lenden Haupt 16, 225, md. 13. jahrh.; glanze lanze K. Stolle thür. chron. 202, glenz frühling, lenz Schönsleder X 2b, bair. gen (g'en) gleich en, ahn, groszvater Schm. 1, 62, mhd. genæhe nähe, noch im 15. jh. in der gnehe bei unser stat Nürnb. chr. 2, 48, noch bair. Schm. 2, 88 (auch adj. genäh dess. gramm. s. 403, eig. gleich genau); gezeit für zeit, auch gezeitung nachricht Schertlin br. 46. denkbare anlehnung an verba fehlt zwar nicht z. b. bei gesin m. sinn Müll. u. Scherer denkm. 374 (336), nhd. gelust lust, gespasz spasz, geschmuck, geweide f. neben weide, 15. jh.: wenne die moller obir der feischhauwer weide faren wollen .. wenne sie denne also obir die geweide faren. Leipziger urk. 1, 176; gestand m. stand: einen jüngling, welcher sich nicht nach seinem gestand ... butzete. Lehmann flor. 2, 408; gescham scham, pudenda Dief. nov. gl. 308a, allenfalls auch bei dem früher beliebten ingesiegel für insiegel. als collectivisch kann man sich denken geschock für schock, gefirmament sternhimmel Schoch stud. D 2b (s. unter kauderwelsch), allenfalls getenne tenne, md. 14. jh.: reiniget sîn getenne. Haupt 9, 301. aber ganz merkürdig auch gritter für ritter Diocl. 1275, gefogt vogt: gfögt und schirmherren. Oheim 46, 10; bair. gestuet stute Schm. 3, 672; mnd. gelîf leib Schiller u. Lübben 2, 43a. es erscheint da doch auch bis zur völligen bedeutungslosigkeit gekommen, gehalten nur, zum theil über sein bereich erstreckt durch ein behagen an dem klange oder ähnlich. II@7@bb) in zusammenhang damit steht ein unverkennbares wechseln mit dem ähnlich klingenden be- (s. Grimm gr. 2, 749. 835. 842), das aus der bedeutung wol oft, aber nicht immer erklärlich ist; s. schon unter 3, e befiedert für gefiedert u. ä., unter 6, e, β beamter für geampt, wo be- als sinnlich deutlicher an die stelle des verdunkelten ge- getreten ist, wie in beritten für mhd. geriten (das mit beritten gemeinte wäre aber doch erst mit bepferdet erreicht); ähnlich bewandert und gewandert. beleumundet früher geleumt (s. unter geampt), bevollmächtigt ursprünglich mit ge-: dessen gevollmächtigter der minister Gemmingen war. Reinwald in Schillers briefw. mit s. schw. Christoph. 261. ferner im adj. bereit und gereit, behende und gehende, begänge und gegänge leicht gehend u. ä. (s. sp. 1243), beswind, geschwind: die unsern hieltend guoten sinn (waren so klug), dasz sie sich kortend gar beswind. S. Brant bei Liliencron 2, 311a. mhd. geholf und beholf helfend Lexer 1, 791. 156, wie im part. mhd. geholfen und beholfen (s. I, 1335); neben gescheid auch beschîde expeditivus Dief. 218a, gleichbedeutend gescheftig und bescheftig ebend., alem. geschîb Mones schausp. d. m. 2, 307 und beschîb (s. unter bescheibe), alem. gederbe für bederbe, brauchbar, selbst adverbial mhd. gezîte zeitig neben bezîte (und zîte) wb. 3, 915b. im verbum z. b. beleiten und geleiten, ahd. bibrehhan confringere Tat. 69, 6, wie sonst gibrehhan, gisizzan possidere 145, 7 für das gewöhnche bisizzan, mhd. geschehen und beschehen, gewinnen und bewinnen, mnd. bemoten und gemoten begegnen, nl. bevallen und gevallen (s. mehr im nl. wb. sp. 370), auch mnd.: placere, behagen, bevallen Dief. nov. gl. 293b, beloven gleich geloven Schiller u. Lübben 1, 227a, d. h. sowol gleich mhd. geloben als gelouben, glauben, letzteres z. b. auch englisch in believe für ags. gelŷfan, altengl ileven. im subst. verb. z. b. geschwerde gleich beschwerde: derhalb bring ich (der tod) dem grosz geschwert, welcher nach wollust lebt auf erd. H. Sachs 1, 101d. ein wirkliches willkürliches tauschen deser wörtchen in ihrer gleichsam abgelebten gestalt ist an sich auszer zweifel gestellt durch erscheinungen in mundarten, wenn z. b. im westen, in der Wetterau u. a. für zer- durchaus ver- eintritt, verreiszen für zerreiszen u. s. w. (Weigand wb. 2, 1135), in bair. mundarten ver- für er-, z. b. verfrieren, verbarmen, verwischen erwischen, verlogen erlogen, s. Schmellers gr. s. 421 fg., im Elsasz ent- für er-, z. b. erzezli entsetzlich Arnold pfingstm. 24, ergeje für entgegen, selbst mit misverständnis erzwai für entzwei 141. II@7@cc) das alte schwanken zwischen gebrauch und nichtgebrauch ist jetzt möglichst beseitigt oder geregelt. II@7@c@aα) in der bedeutung geschieden sind jetzt, zum theil schon mhd. beginnend, z. b. recht und gerecht, ansicht und angesicht, frieren und gefrieren, rinnen und gerinnen, hören und gehören, bieten und gebieten, raten und geraten, reichen und gereichen, langen und gelangen, brechen und gebrechen, fallen und gefallen, stehn und gestehn, dulden und sich gedulden, haben und sich gehaben; eine wirkliche durchführung der scheidung im bewusztsein wird freilich schon durch die part. gereicht, gefroren u. s. w. unmöglich gemacht. II@7@c@bβ) wirklich sind denn auch immer noch spuren des alten freien verhältnisses genug übrig ohne wesentlichen oder ohne allen unterschied der bedeutung, bei verbis z. b. in ziemen und geziemen, reuen und gereuen, denken und gedenken, brauchen und gebrauchen, anlangen neben gelangen (angelangt zieht auch angelangen noch nach sich), mahnen und gemahnen, sich getrauen und trauen, bei subst. z. b. stank und gestank, hirn und gehirn, bei adj. treu und getreu, lind und gelind, wichtig und gewichtig, willig und gewillig, fällig und gefällig in gewissen bedeutungen, wenn auch eine der beiden formen meist für alterthümlich oder dichterisch gilt, z. b. getreu, lind, hirn (aber nur hirnverbrannt); neben schweigen ist geschweigen noch bestehend in dem abgekürzten und nicht mehr verstandenen geschweige, d. h. eigentlich ich geschweige. II@7@c@gγ) in den mundarten lebt aber zum theil das alte verhältnis fort, was wieder eine untersuchung für sich wäre; s. z. b. in Schmellers bair. gr. s. 419 von ge- als 'sinnverstärkender vorsilbe' bei verben. dasz es auch noch im dienste einzelner formen auszer dem inf. vorkommt, zeigt z. b. folg. aus Glarner mundart: ds veh gât dure (d. i. durchhin, hindurch), wo ekein mensch dure g'chæm (Zachers ergänzungsb. s. 319), wo ge- denselben grund hat wie bei mhd. nie, nie kein, ie u. dgl. vorhin. anderseits ist es in der Schweiz fest geworden z. b. in gehören, gesehen für hören, sehen, wie hd. in gehör, gesicht, angesicht (neben aussicht, ansicht u. dgl.), ebenso geschauen, gekennen u. a., s. Tobler in Kuhns zeitschr. 14, 136. II@7@dd) bemerkenswert ist noch, wie es einfach gesetzt auch doppelt gelten kann, z. b.: das wir mszend geessen und trunken haben, ist ein natürlicher präst (bedürfnis). Zwingli touf o 3b, vergl. vorher und habend all ein geistliche spys geessen und all ein geistlich trank getrunken o 1b; den mai ergötzt gebrumm und summ, ist immer guter laune. Scheffel tromp. v. Säkk. 129. es ist wie bei be-, z. b. sich bespeien und kotzen (s. d. II, 1, c, wo mehr), bei zer-, s. unter krüppeln 1, b, öfter bei praepos., leicht übersehen, weil kein äuszeres zeichen dafür da ist. II@7@ee) endlich ein älteres schwanken in der stellung, was zugleich zum folg. überleitet. nhd. davon nur noch schwache spuren, wie etwa in gemisachtet und misgeachtet, ähnlich mhd. z. b. in gunêret und ungêret, die an derselben stelle in hss. wechseln, z. b. Helmbr. 765, wie sunder gesezzet und gesundersezzet (von einem solchen der einen eignen hausstand gründet) dicht bei einander ugsb. stadtb. s. 221, was doch nicht eigentlich ins gewicht fällt (es fällt u. 6, d, γ); mehr schon ahd. satalgiscirri und gisatalscirri falerae Graff 6, 539, alts. geîhuethar neben ahd. eogihwedar uterque, aber deutlich noch auf die ursprüngliche freiheit und selbständigkeit des wörtchens hinweisend ist rhein. in mhd. zeit die doppelform ganerve und anegerve, gewiss schon ahd. gianaerbo und anagierbo (s. u.ganerbe 1 und 3, b); ähnlich genâbûr für nâgebûr nachbar (s. u.gebauer 3, b a. e.); noch sicherer die freie stellung des goth. ga-, z. b. in ga-u-hva-sêhvi εἴ τι βλέπει Marc. 8, 23, ob er (der blinde) etwas sähe, hva gasêhvi (-u als fragpartikel), in gaþþantraua, πέπεισμαι δέ 2 Tim. 1, 5, ich vertraue aber, für aþþan gatraua. IIIIII. Entstehung und ausbildung. III@11, III@1@aa) Die untersuchung nach rückwärts musz an das alterthümlichste auftreten anknüpfen, das in dem alts. gisunfader vorliegt (s. II, 1, a), mit zusammenfassendem, bindendem gi- wie lat. que in filius paterque. und wirklich erscheint gi, ge auch als wörtchen für sich eben in der bedeutung und, im Heliand neben dem herschenden endi noch ein paarmal, wie ein eben abklingendes wort, das durch das vollere, jüngere verdrängt wird. öfter noch doppelt, eben wie que, doch bei subst. nur noch dreimal: ge hosk ge harmquidi 1897 (57, 17 Schm.), hohn und harmrede (dulden), thuo wôhsun sia bêðiu ge that korn ge that krûd 2548 (77, 24), und mit nebenform (vgl. 4, b) gie wordô gie werkô 5482 (165, 5), der worte wie der werke; man sieht es sind stabreimformeln, ohne zweifel alte (immer als halbglied eines verses), die das aussterbende ge, gie noch fest hielten; ebenso im ags. z. b. ge ät hâm ge on herge Beow. 1249, daheim wie im heere. in den andern fällen sind im Hel., wie beim einfachen ge, gi ausschlieszlich, vielmehr sätze damit gebunden, wo es stärkern ton erhalten muszte. bemerkenswert ist, wie es da einmal mit dem gewöhnlichen ge- verwechselt wird, für ge te seggeanne 1839 (55, 22) der Münchner hat die englische hs. te giseggeanne, ein beweis mehr für den aussterbenden zustand des wörtchens, der schreiber mochte an fälle schwankender stellung des gi- denken wie unter II a. c. III@1@bb) aber ich glaube, das alte ge gieng vielmehr wirklich in das vorwörtchen ge- über und in ihm unter. III@1@b@aα) gisunfader sieht mir aus wie entstanden aus gi sunu gi fadar, filiusque paterque, υἱός τε πατήρ τε, durch kürzung, zusammenziehung wie sie sich in vielgebrauchten formeln endlich einstellen musz (vgl. die nhd. fälle unter käsenbrot, käs und brot). dasz dabei das erste gi blieb, nicht das zweite, begreift sich daraus und zeigt zugleich dasz in der formel sunu den höchsten ton hatte (wie noch gisúnfàder im verse, s. II, 1, a), entsprechend der absteigenden tonbewegung die wir im verse noch anwenden, während filius paterque der aufsteigenden tonbewegung entspricht die die alten gehabt zu haben scheinen; so muszte fadar möglichst nahe an den hauptton auf sunu rücken, das ja auch seine endung hergab, überdiesz war man durch den gebrauch von bêðiu, ahd. peidiu u. s. w. gewöhnt (s. I, 1364 fg., vgl. aus Hel. 2548 vorhin), ein zusammenfassendes zeichen vor der aufzählung mehrerer zu haben. III@1@b@bβ) dasz übrigens der wegfall des zweiten ge nicht an sich notwendig war, selbst bei gleichem tonverhältnis, zeigt das suhtorgefäderan im Beow. 1165, ein glücklich erhaltnes seitenstück zu dem alts. gisunfader, ursprünglich wol auch ge suhtor ge fädera, neffe und oheim zusammen; im liede des wanderers aber v. 46, bei anspielung auf jene stelle, steht lehrreich blosz suhtorfädran (Grein bibl. 1, 252), d. h. in noch späterer, kürzerer form, zugleich ein früher beweis wie das ge wegfallen konnte (s. sp. 1608), das ohnehin schon matt geworden sein muszte nach anfügung der endung des plurals, der bei thie gisunfader nur im art. ausgedrückt ist. III@1@b@gγ) ein ganz ähnlicher vorgang liegt klar vor in dem entstehen des mhd. swer, swaʒ u. s. w. aus ahd. sô hwer sô, quicunque, wobei gleichfalls auch ahd. schon das zweiteverschwand, nhd. dann auch der mhd. rest des ersten; aber auch hier konnte der umgekehrte fall eintreten, wie im mnl. wat so quodcunque, ebenso fries., engl. (s. Grimm gr. 3, 45). auch hier erscheint uns das meist schwindende zweitean sich nötiger als das erste, da es das folgende verbum mit zubehör eigentlich anführte. III@1@cc) ebenso begreifen sich bildungen wie gebrüder, geschwister, die mit zu den ältesten gehören werden, alts. gibrôðar, giswester, gekürzt aus gi brôðar gi brôðar, gi swester gi swester, bruder und bruder, schwester und schwester. wenn dabei das zweite auch auf die brüder erstreckt wurde, so muszte die ursprüngliche formel gi swester gi brôðar gewesen sein, nicht umgekehrt (vgl. umgekehrt lat. fratres bruder und schwester Tac. ann. 12, 4). übrigens trat hier gleichfalls mit dem verdunkeln des gi ein zusammenfassendes weiteres zeichen ein, wie der plur. an suhtorfädran, doch mit hilfe des neutr. (s. dazu II, 1, c), ags. neben gebrôðor als n. pl. gebrôðru (auch blosz brôðru Grein 1, 144, wol mit abfall des ge), gesustrenu consobrini Wright gloss. 52a, was auch in dem dat. gesustrionion Hel. 1264 var. enthalten sein musz; es ist wie z. b. gesweoru n. pl. gebirge, getimbru n. pl. gebäude, eigentlich die balken zusammen. hd. begnügte man sich mit dem plur. in gebrüder, wie ahd. thio gisuester Otfried III, 24, 55, daneben sing. n. in nhd. das geschwister, mit besonderer endbildung mhd. geswisterde n., s. II, 1, c am ende. III@22) Zu den ältesten bildungen mit ge- werden auch die von wer und seinen verwandten gehören, mit zusammenfassender bedeutung (doch nicht im goth.). III@2@aa) zwar ahd. gihwer oder gahwer quisque ist nur noch erkennbar in dem verstärkten eogahwer, wovon eine spur in eocowemu cuique in der ker. benedictinerregel (Hatt. 1, 108b, Graff 4, 1190); ein mhd., genauer md. iegewer gehört vielmehr unter b. aber alts. im Hel. noch in vollem gebrauche gihwe oder gehwe, quisque (hwe quis), gihwena quemque, gihwat quodque u. s. w.; ebenso ags. gehwâ quisque u. s. w. Die bildung läszt sich begreifen aus dem ge- ge-, das im alts. und ags. sätze bindet (z. b. Hel. 1659 fg., eingeleitet durch voraufgehendes bêðiu), aus sätzen wie etwa ge hwe wili ge hwe ni wili (das und das leisten o. ä.), quisque velit quisque nolit, wie man sich wol auch altlat. denken kann (nach dem alten quisque gleich quicumque), woraus bei formelhaftem gebrauch gehwe quisque hervorgehen konnte (jeder, auch wer nicht lust hat o. ä.), zuerst vielleicht in wiederholtem gehwe gehwe, was zugleich mit lat. quisquis (alt quiqui) fast zusammenfallen würde, das ähnlich entstanden sein musz; im einfachen gihwe konnte dann gi- zugleich das weggelassene oder die weggelassenen hwe für die vorstellung ersetzen, wie in gibrôðer die weiteren brôðer. III@2@bb) daran schlossen sich denn andere entsprechende bildungen: ahd. gahwedar, gihwedar uterque Graff 4, 1222, alts. gehwethar (nicht im Hel.), ags. gehwäðer, jeder von beiden; ahd. gahwelîh, gihwelîh quivis, omnis, alts. gehwilîk, gihwilîk, ags. gehwelc, gehwylc, eigentlich welcher auch immer, qualiscunque (qualisqualis). Auszerdem ahd. nur noch mit eo, io verstärkt eogihwâr ubicunque, ubique, eogoweri usquequaque, iogawenne quandoque, utcumque, iogiwannan undique, wie auch eogahwelîh, eogahwedar (und eohwelîh u. s. w.), das letztere noch mhd. iegeweder neben ieweder (auch wie iewêr Walth. 54, 17 var.), auch iegewâ ubique neben iewâ. alts. umgestellt geîhuethar uterque, ags. æghwäðer, auch æghwâ quisque u. a., aber auch einfach gehwär ubique, gehwider quoquoversus. Auch altn. nahe anklingend hvatki (-k nur vom t-) gleich alts. gihwat quodcunque, hvargi, hvergi ubicunque, hvîgi utcumque, hvertki quocunque (alts. gihwî, gihwarod sind anzunehmen), hverrgi quisque, quicunque (hverr gleich goth. hvarjis), deren -gi man freilich zu goth. -hun stellt, wofür besonders die nebenform -gin spricht z. b. in hvergin ubicunque (aber auch nirgends), das sich zugleich so merkwürdig wiederholt in alts. ahd. hwergin irgendwo (s. irgend). aber wenn auch diesz -gin zu goth. -hun gehört, zumal in seiner indefiniten bedeutung, so stimmen die gi-formen mit ihrer zusammenfassenden bedeutung (die negative ist allerdings aus der indefiniten leichter zu begreifen) dennoch so nahe zu den andern germ., dasz man sie wol nicht trennen kann; die nachstellung wäre wie beim altn. artikel, aber auch aus der gedachten ursprünglichen doppelung gi hwat gi hwat wäre das altn. hvatgi ebenso gut zu begreifen wie das alts. gihwat, das ags. gehwät (vgl. auch mit altn. mangi nemo das ahd. gimanno 3, b). dasz zwei verschiedene wörter, die im laufe der entwickelung in sinn und form sich nähern, endlich auch in eins übergehen, ist ein häufiger fall, den man bei der wortforschung noch zu wenig in rechnung zieht, wol weil man sich das leben eines wortes von vorn herein ungefähr wie éinen sich fortspinnenden faden denkt, während auch zwei, ja drei sich zu einem zusammendrehen, verweben können. III@2@cc) bemerkenswert ist dabei, wie auch hier ohne das gi- jene wörter doch in der zusammenfassenden bedeutung erscheinen; z. b. altn. hvar auch für überall, wie sonst hvargi (Egilsson 417a, Fritzner 302b), ags. hwäðer auch für uterque, hwilc auch quisque, alts. hwilîk auch jeder, selbst hwe für gihwe quisque in morgan hwem an jedem morgen Hel. 693 (21, 6) in der Münchner hs. für morgan gihwem der engl. Ebenso ahd. hwelîh gleich gihwelîh, wie alts. manno hwilîk Hel. 5037 (153, 19) in der Münchner hs. neben manno gihuilîc in der anderen, so neben giwelîh manno Otfr. II, 8, 47 alero manno welîh Musp. 19. 34 (hs.), allero lido welîh 92, auch blosz rahhôno welîhha 64. 69, causarum unamquamque. es ist deutlich schon derselbe reine wegfall des gi, das doch in dem worte den begriff der zusammenfassung eigentlich allein darstellt, wie u. 1, b, β (s. auch unter 3, b nachher), gleichfalls theils mit vertretung, wie durch allero, theils ohne sie, doch im zweiten falle gewiss durch die betonung ersetzt, wie in dem spätern mhd. und nhd. wer quicunque für swer, swer sô. III@33) Noch ein paar andere erscheinungen des ge- sind, glaub ich, im anschlusz an das vorige in ihrer entstehung zu begreifen. III@3@aa) für das welîh gleich giwelîh trat auch gilîh ein (calîh unusquisque Graff 1, 112), z. b. chunno kilîhhaʒ Musp. 32, jedes der geschlechter, auch wie dort verstärkt allero manno galîh Graff 1, 112. 205, allero rehto gilîch de Heinrico 27, und ich halte diesz galîh für eine der ältesten bildungen nächst den vorigen, von lîh leib, dann gestalt, erscheinung, endlich als begrifflich allgemeines oder umschreibendes wort überhaupt, wie ähnlich heit, name; manno gilîh gleichsam mann für mann, alles was mannes art hat (daher noch nhd. männiglich). wie nahe das dem welîh im sprachgefühl stand, zeigt auch das nebeneinandergehen des verstärkten io gilîch (nhd. jeglich) und io giwelîch, aber auch um das gi- gekürzt iolîh und iowelîh, noch mhd. ielich und iewelch. dabei schwanken die bildungen damit merkwürdig zwischen subst., adj. und adv., vermutlich von ihrer entstehung her; vgl. Grimm gr. 2, 569 fg. III@3@bb) am merkwürdigsten aber gehn auch nebeneinander in späterer, noch kürzerer bildung z. b. mannolîh unusquisque und gimanno viritim Graff 2, 750, jârilîh (für jârolîh, voll jâro gilîh) und gijâro quotannis 1, 610, tagolîches und gitago quotidie 5, 363 (das erste mit verdeutlichender adv. genitivendung, alts. dago gihwilîkes); vgl. Graff 4, 59, Grimm gr. 2, 748. da ist in mannolîh zunächst wieder der wegfall des gi-, das doch eigentlich das bezeichnende war, wie unter 2, c; aber es sieht zugleich aus als wäre bei dem bedürfnis weiterer kürzung gilîh getheilt und vertheilt worden auf mannolîh und gimanno u. s. w., sodasz doch in beiden vom gen. pl. manno das -o mit übernommen wurde als syntaktischer rest der urspr. wendung (wie selbst im adj. theilweis z. b. tagolîch diurnus neben tagalîch, tagilîch Graff 5, 362). ich denke mir also die reihe der bildungen so, dasz zuerst gesagt wurde gi oder ga man ga man u. s. w., gleichsam 'der und der und der' u. s. w., dann in abkürzender zusammenfassung manno galîh, endlich mannolîh und gimanno. an dem falle wird theils die beweglichkeit des ge- klar, als nachklang seiner ursprünglichen freiheit, theils wie es dann den weg der mannigfaltigsten verwendung betreten konnte, dessen anfang unter II zu zeichnen versucht wurde. III@3@cc) auch das gi- bei zeitwörtern läszt sich auf jenes älteste zurückgehend denken. bei gangan z. b., die einheit des goth. ga- mit ge- vorausgesetzt (s. 4), könnte goth. gagaggan entstanden sein aus ursprünglichem ga (oder ja) gaggiþ A. ga (ja) gaggiþ B. u. s. w., woraus sich gagaggan als zusammengehn gleichsam addierte. III@44) Doch stehn der ganzen entwickelung, wie sie da versucht ist, noch schwierigkeiten im wege. III@4@aa) jene bedeutung 'und' fehlt sowol dem goth. ga als dem ahd. ga, gi, sie ist nur beim ags. ge, alts. ge und gi bezeugt. dafür steht im ahd. vielmehr ja, ebenso alts. ja neben ge, und auch goth. noch erkennbar in jah, d. i. ja-uh, und (auch jah — jah sowolals auch), und wol in jabai etiamsi, etsi, εἰ καί, κἄν. alts. im Hel. auch in formeln, wie ge unter 1, a, z. b. ja land ja liudi 354 (11, 6) in beiden hss., während in derselben formel 4375 C. gie .. gie hat für ja .. ja in M., sodasz doch an der einheit beider worte fürs alts. nicht zu zweifeln ist, nur éin wort in verschiedener gestaltung vorliegt, von denen eine die jüngere sein musz. das ahd. ja mit der reinen bedeutung 'und' sehen wir nur noch im verschwinden (Graff 1, 568), z. b. bair. im Emmeramer gebete, wo auch sichtbar wird, wie es früh durch enti ersetzt ward, s. Müll. u. Sch. denkm. 1873 s. 192 fg., dazu 566, auch 502. in der zusammengesetzten gestalt vollends sind durchaus geschieden ahd. (goth.) ja und ga, zugleich im vocal alts. ja und ge-, und nur im altfries. findet sich auch ja- gleich ga- einmal in jahwelik, jawelik, dann auch jewelik u. a. gleich ahd. gahwelîch, s. Richthofen 837b, der dritten form entsprechend im partic. z. b. jebeden (s. I, 3, a, α), auch in der bed. 'ja' je neben ge 838a, wie ags. gea Ettm. 416, northumbr. gæ Bouterw. 323a, goth. ja. III@4@bb) die frage ist also, ob da zwei worte in eines verwachsen sind (vgl. 2, b a. e.) oder ob nicht doch nach lage der dinge ja 'und' und unser ga-, ge- von haus aus eins sein können, wie sie sich im ags. in ge völlig, im alts. theilweis als eins zeigen. der übergang von j- in g- war im ags. so gut wie regel, im alts. auch entwickelt, nicht nur vor den sog. weichen vocalen, wie in gêr neben jâr jahr, auch vor a in giâmarlîk neben jâmarlîk im Hel. 735 (22, 12), ja in dem fraglichen worte selber in gia gleich ja und, auch 1841 (55, 23), mit gi- oder gj- gleich j-, doch im übergange zu g- begriffen, was sich auch in gie gleich ge noch fortsetzt. auch ahd. war dieser übergang an sich möglich, bis ins streng hd., nicht nur vor e und i (wo auch der übergang gj- z. b. in gietîsan), auch vor a in gâr nach gârpuoh Weinhold bair. gr. s. 182 fg., vgl. alem. gr. s. 182fg. und oben unter G, 4. im goth. freilich liegt davon nichts vor, es müszte sich denn eine spur davon erkennen lassen in dem þauhgabadauþniþ Joh. 11, 25, wo man vor Uppström las þauhjaba dauþniþ; den bemühungen um die fragliche wortfügung darf entgegengestellt werden, dasz nach dem sonstigen sprachgebrauch das geläufige doch wäre þauhjabai gadauþniþ als regelrechte übers. von κἂν ἀποθάνη; vielleicht steckt nun in dem, was die hs. wirklich hat, ein verwachsen der beiden worte, sei es als versehen des schreibers oder als wirkliche sprechform, wobei ja und ga zusammenfallen, ein nachklang der urspr. einheit? III@4@cc) dasz dennoch goth. ga- und jah so scharf getrennt sind, noch schärfer ahd. ja und neben ga- mit gesteigerter lautstufe ka-, ki-, das wäre etwa zu begreifen aus einer frühen trennung beider, wonach die ausbildung des ga- als unselbständigen hilfswörtchens wenigstens um jahrhunderte weiter zurückliegen müszte, worauf letzteres wie im inhalt so auch in der form seinen eigenen weg beschritt, hd. auch mit lautverschiebung, die doch das eigentliche verhältnis nicht verschob, das zeigt z. b. der verschiedene anlaut in chunno kilîhhaʒ unter 3, a. bemerkenswert ist noch, wie das goth. überhaupt dabei zum theil seinen eignen weg gieng, indem ihm die bildungen unter 3 abgehen, es hat für gahwer quisque hvazuh, für gahwedar uterque hvaþaruh; diese bildung muszte wol schon vorhanden sein als die mit ga- ins leben trat, aber sie bestätigt ihrerseits die angenommene entstehung von gahwer u. s. w., denn auch diesz -uh bedeutet und, auch. III@55, III@5@aa) ja 'und' ist im grunde nichts als unser heutiges ja (vgl. Scherer zur gesch. d. d. spr. 376), das noch heute auch als nachdrucksmittel überhaupt gebraucht wird mit kurzem vocal z. b. in es ist ja nicht wahr, als mittel einer steigernden hinzufügung z. b. in viele, ja alle u. ähnl., woraus sich jenes alte ja oder ja — ja für und oder auch, sowol als auch sofort begreift; es erscheint wie ein ausdruck oder unterstützungsmittel der hervorhebung durch den ton, wie es denn noch mhd. nicht eigentlich allein, sondern meist mit ich o. ähnl. (als vertreter des ganzen bejahten satzes) verbunden erscheint. III@5@bb) erwähnenswert ist übrigens, wie in mundarten auch das bejahende wort in nebenformen ga, selbst ka (nl. ke) und chja, cha erscheint, s. Schm. 2, 273, Fromm. 6, 516. 406. 190. 5, 369, Schröer 42b, nürnbergisch schon um 1600 ka (V, 6 leider fehlend): ka werla (ja wahrlich), es thut mir selb and. Ayrer 2608, 18 K.; ka werla, die arbeit ich auch all kan. 2609, 14 (ey ja z. 6). III@5@cc) falls daneben ga- echt und ursprünglich ist, was man bis auf weiteres als möglich stehen lassen musz, so kommt da die verwandtschaft mit lat. cum u. s. w. in frage, die seit J. Grimms annahme gr. 2, 752 ff. meist als feststehend fortgeführt wird (vgl. besonders gemein gleich lat. communis); doch werden im nl. wb. unter ge sp. 357 fg. dagegen wesentliche bedenken geltend gemacht, wie ebenfalls gegen die zusammenstellung mit einer sanskr. partikel gha, ha, wenigstens, doch. fraglich bleibt auch noch die ahd. nebenform ha- hi- he- in haarpit Graff 1, 407, hicoz 1, 285, hiwadre 1, 1222, hewinnent 1, 878, am merkwürdigsten aber die altfränk. hamedii conjuratores Grimm gr. 2, 753.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    geKonj.

    Köbler Ae. Wörterbuch

    ge , Konj. nhd. und, auch ÜG.: lat. et GlArPr Hw.: s. géa Q.: GlArPr E.: germ. *ja, Adv., Konj., ja, und L.: Hh 141, Hal…

  2. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    ge

    Althochdeutsches Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    ge- für gi- als Präfix s. unter dem Grundwort.

  3. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GEuntrennbare partikel.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    GE- untrennbare partikel. goth. ga ; ahd. ga , ka , gi , ki , chi, ge , ke , auch, obgleich selten, ahd. ha, hi, he ; vg…

  4. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gePers.-Pron.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +9 Parallelbelege

    ge , Pers.-Pron. Vw.: s. gī (2) L.: MndHwb 1/2, 26 (gê)

  5. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ge

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Ge- , eine Sylbe, welche verschiedenen Redetheilen vorgesetzet wird, und bald eine gewisse bestimmte Bedeutung, bald abe…

  6. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ge

    Goethe-Wörterbuch

    ge- kollektivbildendes Präfix, in metaspr Sicht Augustens und Riemers Späße mit der Bildung von lauter collectiven Subst…

  7. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    GE

    Hederich (Mythologie, 1770) · +3 Parallelbelege

    GE , sieh Titæa .

  8. modern
    Dialekt
    g(e)

    Elsässisches Wb. · +23 Parallelbelege

    g(e)- [k- O. ; in U. kə- und k-: k- vor Vokalen, f, h, k, s,  Str. K. Z. , auch vor den übrigen Kons. ausser d, t Betsc…

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