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geniesz

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geniesz m.

Bd. 5, Sp. 3451
geniesz, m. genusz, mhd. genieʒ m., mnd. genêt m. n., mnl. geniet n.; es steht zu genieszen neben genusz (das doch sehr jung ist), wie z. b. fliesz, verdriesz zu flieszen, verdrieszen neben flusz, verdrusz, hat sich auch im gebrauch einzeln bis in späte zeit erhalten, landschaftlich noch jetzt, z. b. bair. Schm. 2, 709, auch nd. geneet z. b. bei Dähnert 149a, Stürenburg 68b. früher auch einfach niesz (s. d.), wie nieszen neben genieszen. 11) die eigentliche bedeutung ist, dem ge- entsprechend, gemeinsame nutznieszung, gemeinschaft, was uns noch in genosse so nahe liegt, während es in genieszen gleichfalls längst verdunkelt ist (s. dort 2, c). ein mhd. beleg liegt zwar noch nicht vor, durch zufall, aber ein nhd., bildlich: denn was hat die gerechtigkeit für geniesz mit der ungerechtigkeit? was hat das liecht fur gemeinschaft mit dem finsternis? Luther 2 Cor. 6, 14 (gr. μετοχή, vulg. participatio), d. h. beide haben nichts mit einander zu thun oder gemein, sind nicht genossen, eigentlich im gemeindeleben gedacht. vergl. geniesze m., mitgenieszer, theilhaber. 22) die bed. gieng dann aber auf den genusz des einzelnen über, eigentlich doch auch als theilhaber einer gemeinschaft. 2@aa) die alte bed. wird nun auch verdeutlicht durch gemein geniesz mit dem gegensatz eigen geniesz, wie ursprünglich gemeiner nutz und eigen nutz unterschieden wurden (s. u. gemein 3, a, β. ε); jenes z. b.: (das wort gottes) das er uns zuo guot, lieb und dienst hat aufgesetzt, welches zwar (fürwahr) eitel gemein geniesz und wolthat ist. S. Frank parad. 74a (31b), nr. 50. dagegen eigen geniesz: die andern falschen christen (die sich dem streit entziehen) ... suchen gute tage oder eigen ehre und genies. Luther 5, 523a; hat kein ander regel, dan .. ir eigen vortheil und geniesz. Fischart bien. 50a (1588 50b eigen nutz und vortheil), bei Marnix haer beste nut ende profijt 41a; das thun sy von des aignen geniesz wegen. Schm.2 1, 1762, hs. vom j. 1579, geniesz als gen., wie oft, d. h. das -s im -sz verschlungen. 2@bb) die ursprüngliche bed. klingt auch sonst noch zuweilen nach, z. b.: im herbst ist die gröszte freude im jar, da man einschneit und einfret allerlei früchte und genies des lands. Luther 3, 175b, allgemeiner genusz; im bergbau: kauft ein bergherr frembde gewerken aus und wolte den geniesz gar allein haben. Schuppius 832. bildlich von Christus: der verheiszung nach ist Christus alleine der jüden, aber des genieszes nach ist er der ganzen welt. Luther 3, 188a. 2@cc) dem gegenüber heiszt es seinen geniesz suchen u. ä., seinen eignen allein: ein ieder luogt auf seinen geniesz. S. Frank trunk. J 1; jederman wandlet seiner lust und genies nach. Luther 4, 108b; dieweil nun aber die natur do herr ist, so ist der untreu art, dasz sie ihren geniesz seltsam sucht und ihr kundigkeit (list) seltsam erzeigt. Paracelsus (1590) 9, 118; (der roh natürliche mensch) laszt sich nicht nieszen (von den andern), er begert aber geniesz von iederman. S. Frank spr. 2, 31a. 33) ferner von nutzen, gewinn, vortheil aller art; im voc. th. 1482 gnysz, nutz, utilitas, emolumentum k 7b. 3@aa) z. b. einkommen, auch amtseinkommen als unterhalt: denn gott kans ja nicht gefallen, das ein ander sol die pfarr versehen on genies und ein ander sol der güter (pfarrgüter) gebrauchen on arbeit. Luther 3, 409a; davon haben die schergen iren geniesz. Schm.2 1, 1762; die heidnischen pfaffen aber, welchen ihr geniesz zerrann, lesterten und tobeten weidlich auf den bischof. Cramer pomm. chron. 1, 55; andre länder geben steuer nach dem kopf und nach geniesz, wir, nach dem sich unbesonnen weiland einer schätzen liesz u. s. w. Logau 3, 227, 52. geniesz von capital: die vormünder sollen die parschaft nach bestem nutz der kinder anlegen, damit dieselben järlich zins oder andern zimlichen geniesz davon haben mögen. bair. landr. Schm.2 1, 1762. von grundrechten u. ä.: do antworten die zu Troppaw, das en die zwei hundirt mark und gnys von der bleiche ganz und gar bezalt wern. Magd. fragen s. 223. auch im plur., einkünfte, nutzungen: alle die guot ... lehen, gulde, genieʒe und .. alle die recht, die Fritzcolt .. uf dem felde und in dem wikbilde des dorfes gehabt hat. cod. dipl. Sax. II, 1, 410, vom j. 1354; das gnante dorf .. mit allin renten, erbgerichten, zinsen, genysen, nuczbarkeiten u. s. w. 3, 74, vom jahre 1444. 3@bb) es heiszt auch gern gehäuft nutz und geniesz, stabreimend (mnd. genête und genute pl. wb. 2, 59a, 25): ein scheppe adir radman ... dy ... des scheppmanenrecht keinen nucz noch genisz haben (und deshalb zurücktreten wollen). Magd. fr. s. 60; nicht angesehen unser fahr, ungemach, oder nutz und genies. Luther 5, 367b; der achtet und hält freundschaft umb nutz und genieszes willen. Schuppius 405. gegensätze sind geniesz und verdriesz, z. b.: wer will haben geniesz, der musz auch haben verdriesz. Henisch 1495; besonders geniesz und schaden, wie jetzt gewinn oder vortheil und schaden, z. b. im geschäftsleben: wo einer allein den genies, der ander allein den schaden hat. Luther 5, 271b; ein jeder hat geniesz von anderer schaden. Wiedeman mai 64. verbunden auch gewinn und geniesz, geniesz und vortheil u. ä.; das ablasz ist freilich für grosze gnad zu halten, denn es groszen gewinst und genies treget. Luther 1, 10b (wider Tetzel); etliche aber thätens ums genieszes und gewinnstes willen. tischr. 1, 76; ob nicht zeug (von seinem zeugnis) verhoffet gewinn und geniesz zu haben. Ayrer proc. 2, 8; von bestechung auch: der ergreift nicht leichtlich gunst, der da ist im seckel blind, weil die gunst trit meistens hin, wo geniesz und vorthel sind. Logau 2, 1, 45. rechtsleistungen sollen sonder einigen aufschlag, geniesz, liebnus (begünstigung) und vortheil geschehen. Frankf. reform II, 11 § 3; sonder einigen geniesz, aufgelt und gewinn. § 9. 3@cc) besonders gewinn in geschäftlichem sinne, was jetzt im leben profit heiszt (vergl. besonders genieszlein, profitchen); z. b. von dem gewinn, den landesherren vom schutz der juden bezogen: dasz sie (die christen) umb ein wenig geniesz (gen.) wegen den jüden nit allein schutz in iren landen geben u. s. w. Ayrer proc. 2, 5; der dritt gar selten erben thuot pös schnöd gewunnen wuocherguot. das merkt, ir herren, on verdriesz, dj jüden (acc.) halten ümb geniesz und sünst geprauchen iren spiesz (wucherei). Schwarzenberg 122b. von misbrauch der messe zu geldgewinn, in vergleich mit dem kaufmannswesen: sie bekennen, das die bischofliche messe keinen unterscheid habe von der voreltern messe, aber die sonderbaren nebenmessen haben sie bei inen abgethan von des genies und kaufmanschatz wegen, so daraus geschicht. Luther 6, 328a; die abgötterei im misbrauch der messen ist offenbar, welche ... zum schendlichen genies und kremerei misbrauchet sind. 526b. 3@dd) so öfter schändlicher, unrechter geniesz u. ä.: der teufel wird all die prediger haben, welche etwa (zuweilen) einen grafen ... gott im himmel vorziehen ... umb schändliches genieszes willen verschweigen ... was gott ... zu reden befohlen hat. Schuppius 88; behüt uns, herr, für trug und list, für wucher, geitz, unrechtem gnies, für allem vorteil und für tand, für hader, zank, neid, spott und schand. Selneccer christl. psalmen 134. s. dazu genieszlich (2), eigennützig, gewinnsüchtig. 3@ee) andere wendungen und redensarten auszer den schon mit angeführten: eine magd .. die hatte einen warsagergeist und trug iren herrn viel genies zu mit warsagen. apost. gesch. 16, 16. 19; sie gehen den weg Kain .. umb genies willen. brief Judä 11; der schwäbische adel rückt dem herzog Ulrich vor im jahre 1529: het dir der adel hilf versagt, du werst von deinem volk verjagt im armen Cunrad, als er hiesz, des wir befunden keinen geniesʒ. Soltau 237, Liliencron 3, 256a, wovon wir doch keinen nutzen und gewinn gehabt haben, was du uns nicht hast genieszen, zu gute kommen lassen; so lang geniesz, so lang freunde. hundert fabeln (1611) 109; unterdessen kan man jo noch einen oder den andern geniesz mitnehmen. Schoch studentenleben D; was für zeiten schelmisch hiesz, heiszet (nun) ehrlich, bringt geniesz. Logau 1, 4, 71; theils sucht man wissenschaft, damit man was verdiene, und dieses schlägt nur aus zu schändlichem gewiene (so), theils sucht man wissenschaft dem nechsten zum geniesz, und dieses ist ein werk, das wahre lieb uns hiesz. 2, 1, 43, also auch noch im besten sinne, zu allgemeinem nutzen und besten. 44) auch im engeren sinne von genusz. 4@aa) mhd. z. b. spîse (gen.) genieʒ wb. 21, 394b, es ist selten und nicht die erste bedeutung. auf lebensgenusz mit essen und trinken deutet im 16. jahrh.: diese heiligen nichts thun denn ihren wanst und genies suchen. Luther über das 1. b. Mose 1527 Yy ija (Dietz 2, 76a); ähnlich: das arm aschenprodlin hat nichts denn eitel mangel und ungemach, sucht kein geniesz, leszit ihm benugen. das magnificat 1520 c iija. von beeren: nur dem geniesz etzlicher beeren damit zu wehren. colica 126. weidmännisch, den hunden den geniesz geben, das eingeweide vom wildbret und den mit brot vermischten schweisz. Adelung, Frisch 2, 19a, der eigentliche begriff aber ist ihr antheil an der beute, man sehe auch genieszen 8, genieszjagen. 4@bb) geniesz der liebe, der lust u. ä.: die liebe (Amor) ist beflügelt, weil sie dem geniesz entfliehet. polit. stockf. 134; bald schaffen die lieder der liebe geniesz. Rist Parn. 666; denn dieses ist verbotner lust geniesz. Rottmann lustiger poet 312; das urtheil weis ich schon, so mein geburtsstern spricht, dasz ich soll sein zur glut geboren, doch nicht zu dem geniesz der liebe zugericht. Hoffmannswaldau getr. schäfer 12; die alte meisterin der menschligkeit, die zeit, bewies, dasz der geniesz mit eckel disz bestreut, was uns die hoffnungshand alleine hat versüszet. begräbnisged. 31. 4@cc) einzeln noch spät im 18. jh. und länger, wie im 18. jh. noch bei Rädlein, Ludwig, Aler genies vor genusz bevorzugt wird: nimmer, nimmermehr hienieden fänd ich süszeren geniesz. süszeres ist nur beschieden seligen im paradies. Bürger ged. 1789 1, 81 (minnesold); doch hätt' ich des genieszes, nie hätt' ich dennoch satt. 128 (schwanenlied); der einzige schwarze Ham hatte von der vorigen und kommenden lust schlechten geniesz. J. Paul 35, 108 (vergl.hoffnung zu gutem geniesz haben Olear. ros. 1, 32); der fisch war nicht mehr zum geniesz. Immermann Tristan 104, nicht mehr zu genieszen, vermutlich noch landschaftlich.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    genieszm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +4 Parallelbelege

    geniesz , m. genusz, mhd. genieʒ m., mnd. genêt m. n., mnl. geniet n.; es steht zu genieszen neben genusz ( das doch seh…

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geniesz‑ als Erstglied (18 von 18)

genieszbar

DWB

genieszbar , adj. zu genieszen. 1 1) nutzen gebend ( vergl. geniesz), bei Stieler 1352 utilis, conducibilis, gleich genieszlich, er gibt es …

genieszbarkeit

DWB

genieszbar·keit

genieszbarkeit , f. : genusz der geister ( gegenseitig ) und genieszbarkeit unsers eignen geistes. Lavater auss. 3, 142 ; für alle andere ge…

genieszbrauch

DWB

genieszbrauch , m. gleich nieszbrauch Adelung.

genieszchen

DWB

genieszchen , n. kleiner nutzen, profitchen, im scherz Adelung , Frisch 2, 19 a . vergl. genieszlein.

genieszen

DWB

genies·zen

genieszen , frui, uti, vesci, mhd. genieʒen (genôʒ, plur. genuʒʒen, part. genoʒʒen), ahd. ginioʒan, goth. ganiutan; altn. njóta, alts. nur n…

genieszer

DWB

genies·zer

genieszer , m. nutznieszer Henisch 1495 , Stieler 1352 ( auch genieszerin). im heutigen sinne von genieszen: sie ( die natur ) hat sich ause…

genieszfreund

DWB

genieszfreund , m. freund um seines nutzens willen: genieszfreund, tisch- und glücksfreund. Lehman flor. 1, 230 ; vergl. unter geniesz 3, b …

genieszhaft

DWB

genieszhaft , den berechtigten genusz von etwas habend: fürsten und stände haben nicht absehen mögen, wie ohne gewisse ( bestimmte ) directi…

genieszherr

DWB

genieszherr , m. genieszherren dieser zeit nennt sich ein epigramm Logaus : bei dieser tummen zeit hat seinen besten nutz der bauern starrîg…

genieszjagen

DWB

genieszjagen , n. das erste jagen im jahre auf hirsche und schweine, weil dabei den hunden der geniesz ( s. dort 4, a ) mit besonderer feier…

genieszlein

DWB

genieszlein , n. quaesticulus, lucellum Steinbach 2, 139 , profitchen ( vgl. genieszchen), schon mhd. genieʒlîn Renner 4733; nhd.: sondern w…

genieszleute

DWB

genieszleute , pl., leute die den geniesz von etwas haben ( vergl. genieszherr), genieszleute des friedens heiszt folgendes epigramm: wer wi…

genieszlich

DWB

genieszlich , adj. zu genieszen und geniesz. vgl. übrigens genüszlich und genislich, zu jenem einstweilen unter genieszung 3. 1 1) von nutzn…

genieszlichkeit

DWB

genieszlich·keit

genieszlichkeit , f. : zucht und nüchternheit, aus welchen zweien der ganze chor der weiblichen tugenden und zier entstehet, meszigkeit, zeu…

genieszliebe

DWB

genieszliebe , f. eigennützige liebe: das aber musz sein eine herzliche, keine mund- und heuchellieb, eine dauerhafte, keine unbeständige ge…

genieszling

DWB

genieszling , m. einer, der nur auf genieszen bedacht ist ( Campe ): dieser fürst ist ein topfguckerischer genieszling, der überall herumnas…

genieszsüchtig

DWB

genieszsüchtig , eigennützig, habgierig: die unreinen geniessüchtigen geiste. Luther 1, 482 a . es gehört sachlich zu der redensart eigen ge…

genieszung

DWB

genieszung , f. subst. verb. zu genieszen. 1 1) eigentlich und bildlich: zu unvergönnter genieszung nicht einheimischer früchte. ehe eines w…

Ableitungen von geniesz (1 von 1)

ungenieszlich

DWB

ungenieszlich , adj. adv. , gth. von genieszlich, heute durch jüngeres ungenieszbar überflügelt. infagorabilis ungenüslich ( s. genüslich) N…

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Cotta, M. (2026). „geniesz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geniesz/dwb?formid=G07966
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Cotta, Marcel. „geniesz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geniesz/dwb?formid=G07966. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „geniesz". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geniesz/dwb?formid=G07966.
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