lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gehellen

mhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
16 in 10 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
46
Verweise raus
46

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gehellen

Bd. 5, Sp. 2373
gehellen , zustimmen, einstimmen, eig. 'zusammen hellen' (s. d.), d. h. mit ge- in seiner alten kraft, s. sp. 1612; mhd. gehëllen, ahd. gihëllan, concinere, concordare, concurrere, congruere, consentire, respondere Graff 4, 855. nhd. anfangs auch gehällen (mit ä, d. i. mhd. ë), s. 2, d, und gehelen, gehälen, gehillen, s. 3. 11) zur form ist zu bemerken 1@aa) dasz die starke bildung noch ins nhd. hereinreicht; wie mhd. praes. gehille, praet. gehal, plur. gehullen, part. gehollen, so noch im 15. 16. jh.: daʒ .. der (herz. v. Sachsen) auch da swure und gehall und sin stimme der kur gab. Frankf. reichscorr. 1, 181, von der königswahl 1410, vgl. oben unter gehell 1, b von der wahl Rudolfs v. Habsburg do gehullen si alle an in; der könig gehall darin und volget irem rat. Keisersb. seelenpar. 85a; hett auch in die sage (rede) nicht gehollen. mon. bo. 25, 464, Schm. 2, 171; schickt alle die von im, die in den anschlag gehollen hetten. Livius Mainz 1557 72b. im praes.: und dem nachfolgen wir Teutschen vast und ich gehill es auch. Braunschweig chirurg. 1498 48a; darein gehillet Guido. ebend. 1539 53a, stimmt bei; so lang die vernunft (den bösen gedanken) widerspricht und nit gehilt. Keisersb. irrig schaf B 3b; do gehilt die gmein ganz mit dem rat. Gengenbach welsch flusz 85. 1@bb) die schwache bildung drängte sich doch auch schon im 16. jh. ein (vgl. 3, c): dasz sie in dieselbigen beschwerlichen artikel nicht gehelt noch gewilligt haben wollen. Melanchthon 4, 621, schreiben der protestierenden stände. im praes. ich gehelle (rhein. mit -n): thut nach ewerm gefallen, aber ich gehellen nit der itztgemelten verräterei. Aimon c, bin nicht einverstanden damit, nehme keinen theil daran (vgl. unter 3, c b. d. liebe 243c). vgl. unter hellen 3 das entsprechende hällete, hellete, gehellet im 16. jahrh. 1@cc) das ge- wird doch auch durch deutlicheres mit ersetzt, wie in miterbe für geerbe u. ä. (vergl. sp. 1611): das sy nit mithellen wöllen iren anschlegen. Zwingli freih. d. speisen a ija, vgl. schon mhd. mithellunge, mitheller, mithällig Lexer 1, 2181. es hiesz mhd. und länger auch gelîche hellen, gleich hellen (s. d. 3) und noch deutlicher in ein hellen (gehellen), d. h. in eins, in einander, schon ahd., dazu selbst ein adj. 'in ein hel' von den himmlischen chören und ihrem gesang Müll. u. Sch. denkm. xxx, 66 gleich eingehel v. 21 (s. unter gehell 3), d. i. eigentlich in ein gehel und daraus gekürzt, wie mhd. einhel und noch jetzt einhellig (im 16. jahrh. auch gehellig), s. auch einhellen 16. jahrh. und schon mhd. in ein hellen. auch verdeutlicht zusamen gehelen (s. 3, b): umb das wirt solhe besamnung ein concili genent, daʒ daselbs der kirch vorgeer und regierer in ainem geist auf ain mainung zesamen gehelen und gleich stimmen. Berth. v. Chiemsee 6, 4, schon ahd. auch zesamine gehellen Graff 4, 856. 22) der gebrauch wird theils vom gesang theils aus dem rufen bei abstimmung u. ä. sich entwickelt haben. 2@aa) vom einklang beim singen ist es in dem ahd. 'concinere' erkennbar, ie in gihel tinnulus, gihellî concentus, harmonia, einhel harmonicus, s. von der sphärenharmonie unter 1, c, gewiss auch noch mhd. (vgl. Thomasin unter e), wie es noch im 16. jh. anklingt in einhellen: sie ruoften ime mit einhellenden stimmen. Fier. C 2, ja wol noch in dem bair. gehell (s. d. 2) vom widerhall, mit dem ja der wald o. ä. in den menschlichen ruf gleichhallend einstimmt, d. i. ihm gehillet. 2@bb) der gebrauch beim abstimmen kann sich gleich an den vorigen angeschlossen haben, da z. b. bei einer wahl der zuruf ursprünglich gewiss mehr singend geschah; dabei war das gehellen ein doppeltes, theils das in ein gehellen aller theils das einstimmende zurufen des einzelnen, und beides ist durch ge- bezeichnet. vom gehellen bei wahlen s. u. 1, a, auch auf schriftliche zustimmung erstreckt im ersten falle dort. dann von zustimmung aller art, wie wir ja auch noch sagen, ohne dabei an eine klingende stimme zu denken (vgl.gefallen I, 6, c. d sp. 2107). von den Germanen des Tacitus heiszt es bei beratungen: mit den waffen gehellen und verjachzen ist das erlichste lob. S. Frank Germ. chron. (1538) 6, honoratissimum assensus genus est armis laudare Tac. Germ. 11. 2@cc) dabei noch das in (1, c), gewiss auch mhd.: und begert uwere keiserliche gnade, obe wir (die stadt Frankf.) ersucht weren oder würden, darzu zu schicken (zu der vom kaiser nicht anberaumten verhandlung) oder in die sache zu gehellen (nachträglich zuzustimmen), das wir des nit tun. Frankf. reichscorr. 2, 158, vom j. 1461; Maria zum allerletsten in die wort des engels gehollen hat und gesprochen mir geschehe nach deinen worten. Keisersb. post. 4, 8; so würde Frankreich desto weniger darnach (nach) des kaisers willen in das concilium gehellen. Pontanus bei Melanchth. 3, 152, beides noch von öffentlichen verhandlungen. von privatsachen: das sie (die jungfrau) dester ee würd gehellen in den eelichen stat. Keisersb. evang. 183b. auch darein g.: wer ich im rath, ich wolt also reden und nit darein gehellen. Pauli sch. u. e. 11; doch muosz der man dar in gehellen. Murner geuchm. K 1b; wann alle sennen (nerven, s. sp. 1630) die gond von dem hirn .. und darein gehellen die schulen der ärzte. Gersdorf wundarzn. 2. s. auch unter 1, a. 2@dd) auch einfacher mit dat., der person und der sache, wie schon mhd. ahd.: des ersten gehall er im und darnach verpot er im das. Scherz 500 (15. jahrh.); darumb das ir nicht wolt gehellen dem herren. Nürnb. bibel 1483 73b (4 Mos. 14, 43, vulg. quod noluistis acquiescere domino); ich bit dich (gott), das du gehellest meinen gebeten. 118a (richt. 13, 15, ut acquiescas precibus meis); sie wolten nicht gehellen seinen worten. 121b (richt. 19, 25); so lang sie der anfechtung nit gehellen im willen, so lang verlieren sie die gnad gottes nit. Keisersb. irrig schaf B 3b; da soll ein mensch sich des trösten, das er nit sündet tödtlich, so in solche wste und uncristenlich gedenk rrent, sunder allein denn, so wir inen gehellen, das ist wenn inen günstig ist unser will. hellisch löw d 7b; sy aber habend alle einmtig im nit wellen gehällen und habend die boten lär heim geschickt. Zürcher bibel 1530 612a (Jud. 1, 11); Felix ward .. vertriben, darum dʒ er Arrio nit wolt gehällen. S. Frank chron. 320b; in diesem land ist mancherlei glauben, etlich gehellen der römischen kirchen. weltb. (1567) 49a. auch in der bedeutung zulassen: wie er ihr so hoch geschworen hette, dasz er sie an keinem sambstag nimmer wolt suchen noch niemand (dat.) gehellen zu thun. b. d. liebe 273c; weder durch dich selbs (mir nachzufragen) noch jemand anderem (es) günnen, gehelen, verschaffen. 264b. 2@ee) auch mit einem g., s. Gengenbach unter 1, a und mithellen unter 1, c: wer gehillt mit den bösen iren werken, der ist deren mit theilhaftig. alte weisen 1565 81a; ist es sach dasz zwen usz euch miteinander gehellent uf diesem ertrich. Keisersb. post. 2, 62; auch schon mhd., von 'harmonie' des denkens mit dem thun: ob der musicus heiʒen sol, der die dœne machet hellen wol, so ist der musicus, der sînen muot macht gehellen mit dem (var. diu) und (das) er tuot. Thomasin welsch. gast 9056. zu etwas gehellen s. Wurstisen unter 3, a, schon mhd. auch mit zuo. 2@ff) bemerkenswert mit acc. bei Braunschweig unter 1, a ich gehill es, stimme in dem punkte bei, vgl. mhd. gehilles duʒ myst. 1, 250, stimmst du darin bei; das rechte und ursprüngliche ist da der gen., wie die engel gehullen des al Diemer ged. 5, 8, aber als acc. z. b. das g. unter 3, c. und selbst mit persönlichem obj.: weil die ravennatische kirche den römischen bischof nicht gehellen wollte in seinem primat. Nigrinus pap. inqu. 145, anerkennen, gelten lassen. 33) dazu nebenformen, besonders mit einfachem l und langem vocal. 3@aa) im 16. jh. auch gehillen für gehëllen, s.zu etwas gehillen Frisch 1, 401a aus Wurstisen; es ist wie billen (s. d.) für bëllen, quillen für quëllen (vergl.knellen II, 1, f). daher dann: gehylen oder volworten oder zugeben, assentire. voc. theut. 1482 k 6a, zugleich misverständlich nach gehilt (für gehillet) unter 1, a. 3@bb) besonders oft gehelen: zesamen gehelen. Berth. v. Ch., s. 1 a. e.; dieses ist auch nicht ein geringer trost den jenigen, so nicht in solche verfolgung willigen und gehelen. Melanchthon apol. 262 (corp. doctr. christ. Lpz. 1560); darein nicht gehelen (gehehlen) u. ä. s. bei Schm. 2, 171; in der stände gutachten allergnädigst zu gehelen (vom kaiser). reichstagsprotok. vom j. 1608 bei Hipp. a Lapide de ratione status in imp. Rom. Germ. 107; also hätte man ehe in zulassung derjenigen fremden worte zu gehelen, so aus den sprachen teutschen ursprungs übernommen werden könten. Leibnitz unvorgr. ged. § 69; wie nun unsere regirung darein nicht geheelen können, haben selbige sich fernerweit opponiret. corp. const. Brand.-Culmb. 1, 343; hat man gleich hierauf eine zeitlang nicht geachtet und stillschweigend darein geheelet. Möser phant. 2, 326, geheelen 327. noch am ende des 18. jh. kennt es Heynatz antib. 2, 18 aus der 'rechtsgelehrten schreibart', in etwas gehehlen, einwilligen, auch zu etwas gehehlen, durch die finger sehen (vgl. u. b); ebenso Adelung. s. auch helen unter hellen 3, behelen für gehellen, zustimmen Schm. 2, 171 (16. jh., s. ge- II, 7, b). es erklärt sich, wie u. a, aus einer zwischenform heln, geheln, rasch gesprochen für gehellen, vgl. im 16. jh. mitheln assentire, zueheln assentire, missheln dissentire Avent. gramm. bei Schm. 2, 171, schon im 15. jh. mitheln consentire Dief. 144a, zugleich folge und beweis häufigsten gebrauchs. das verwirrte sich aber auch wirklich mit helen celare, denn Schönsleder 1, c z. b. setzt mithelen concordare, assentire unter helen, verhelen; ja selbst mit halten, s. mithalten consentire Dief. 144a, misshältig uneinig Lexer 1, 2166. 3@cc) ebenso gehälen, vgl.gehällen unter 2, d: wie der könig etlichen seines hofgesindes befelch gab, Reinharten nachzuspüren, das aber Eberhart nicht gehälen wolt, viel seiner gesellen davor warnet. b. d. liebe 243c (zu das s. 2, e), zugleich vom thun, mitthun, wie unter 1, b aus Aimon (s. auch unter gehellig), oder auch zu der angabe von Heynatz u. a stimmend 'durch die finger sehen'; dasz der kaiser in der Popilia ansuchung keineswegs gehälen wolle. Anton Urich Octavia IV, 1, 491; ich muszte mit darein gehälen. V, 173; nach dieser red des obervogts erhub sich ein murmeln, da etliche derselben meinung volgten und darein gehäleten, etliche sich zweiten. Livius 420 Rihel, also schon da der starken bildung verlustig, vgl. geheelten Schm. 2, 171, s. auch 1, b. aber merkw. auch gehälen als plur. praet.: auf diese des verräters red gehAelen alle andere handfröner, sie thetten ir werk als bald sie mochten. Aimon F iij. noch bei Stieler 735 nur gehälen, auch gehäler m., gehälung f., gehälig. und noch ostfries. gehälen einwilligen Stürenb. 67b, s. auch gehelligen.
10988 Zeichen · 339 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gehëllenstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +8 Parallelbelege

    ge-hëllen stn. daʒ gehellen oder zeugnus des rector Cp. 23.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gehellensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    gehellen , sw. V. nhd. übereinstimmen, einwilligen Hw.: vgl. mhd. gehellen (1) E.: s. mhd. gehellen, st. V., übereinstim…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gehellen

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    gehellen , zustimmen, einstimmen, eig. ' zusammen hellen' ( s. d. ), d. h. mit ge- in seiner alten kraft, s. sp. 1612; m…

  4. modern
    Dialekt
    gehellen

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    gehellen übereinkommen, einwilligen. für seine Meinung annehmen Geiler J. Sch. 5. 48. Part. gehollen ders. S. M. = Das B…

Verweisungsnetz

67 Knoten, 71 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 6 Hub 1 Kompositum 51 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gehellen

5 Bildungen · 1 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von gehellen

ge- + hellen

gehellen leitet sich vom Lemma hellen ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gehellen 2 Komponenten

gehel+len

gehellen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gehellen‑ als Erstglied (1 von 1)

gehëllende

Lexer

gehel·lende

ge-hëllende stf. s. v. a. gehelle. mit willen und gehellende des edelen mannes Ad. 959 ( 1334 ).

gehellen als Zweitglied (4 von 4)

mitegehellen

KöblerMhd

mite·gehellen

mitegehellen , st. V. nhd. zusammenpassen Q.: Ot (1301-1319) (FB mitegehellen) E.: s. mite, gehellen W.: nhd. DW-

zesamenegehellen

KöblerMhd

zesamene·gehellen

zesamenegehellen , st. V. nhd. übereinstimmen E.: s. zesamene, gehellen W.: nhd. DW- L.: Hennig (zesamengehellen)

zesamengehellen

KöblerMhd

zesamengehellen , st. V. Vw.: s. zesamenegehellen

zuo gehëllen

Lexer

zuo·gehellen

zuo gehëllen mit dat. ob daʒ herze zô gehillit deme gotis worte Glaub. 1135. die im zuo gehellen wollent Chr. 8. 50,25.