gehellen ,
zustimmen, einstimmen, eig. '
zusammen hellen' (
s. d.),
d. h. mit ge- in seiner alten kraft, s. sp. 1612;
mhd. gehëllen,
ahd. gihëllan,
concinere, concordare, concurrere, congruere, consentire, respondere Graff 4, 855.
nhd. anfangs auch gehällen (
mit ä,
d. i. mhd. ë),
s. 2,
d, und gehelen, gehälen, gehillen,
s. 3. 11)
zur form ist zu bemerken 1@aa)
dasz die starke bildung noch ins nhd. hereinreicht; wie mhd. praes. gehille,
praet. gehal,
plur. gehullen,
part. gehollen,
so noch im 15. 16.
jh.: daʒ .. der (
herz. v. Sachsen) auch da swure und
gehall und sin stimme der kur gab.
Frankf. reichscorr. 1, 181,
von der königswahl 1410,
vgl. oben unter gehell 1,
b von der wahl Rudolfs v. Habsburg do
gehullen si alle an in; der könig gehall darin und volget irem rat. Keisersb.
seelenpar. 85
a; hett auch in die sage (
rede) nicht
gehollen. mon. bo. 25, 464, Schm. 2, 171; schickt alle die von im, die in den anschlag gehollen hetten.
Livius Mainz 1557 72
b.
im praes.: und dem nachfolgen wir Teutschen vast und ich
gehill es auch. Braunschweig
chirurg. 1498 48
a; darein gehillet Guido.
ebend. 1539 53
a,
stimmt bei; so lang die vernunft (
den bösen gedanken) widerspricht und nit gehilt. Keisersb.
irrig schaf B 3
b; do gehilt die gmein ganz mit dem rat. Gengenbach
welsch flusz 85. 1@bb)
die schwache bildung drängte sich doch auch schon im 16.
jh. ein (
vgl. 3,
c): dasz sie in dieselbigen beschwerlichen artikel nicht
gehelt noch gewilligt haben wollen. Melanchthon 4, 621,
schreiben der protestierenden stände. im praes. ich gehelle (
rhein. mit -n): thut nach ewerm
gefallen, aber ich gehellen nit der itztgemelten verräterei.
Aimon c,
bin nicht einverstanden damit, nehme keinen theil daran (
vgl. unter 3,
c b. d. liebe 243
c).
vgl. unter hellen 3
das entsprechende hällete, hellete, gehellet
im 16.
jahrh. 1@cc)
das ge-
wird doch auch durch deutlicheres mit
ersetzt, wie in miterbe
für geerbe
u. ä. (
vergl. sp. 1611): das sy nit mithellen wöllen iren anschlegen. Zwingli
freih. d. speisen a ij
a,
vgl. schon mhd. mithellunge, mitheller, mithällig Lexer 1, 2181.
es hiesz mhd. und länger auch gelîche hellen, gleich hellen (
s. d. 3)
und noch deutlicher in ein hellen (gehellen),
d. h. in eins, in einander, schon ahd., dazu selbst ein adj. 'in ein hel'
von den himmlischen chören und ihrem gesang Müll.
u. Sch.
denkm. xxx, 66
gleich eingehel
v. 21 (
s. unter gehell 3),
d. i. eigentlich in ein gehel
und daraus gekürzt, wie mhd. einhel
und noch jetzt einhellig (
im 16.
jahrh. auch gehellig),
s. auch einhellen 16.
jahrh. und schon mhd. in ein hellen.
auch verdeutlicht zusamen gehelen (
s. 3,
b): umb das wirt solhe besamnung ein concili genent, daʒ daselbs der kirch vorgeer und regierer in ainem geist auf ain mainung zesamen gehelen und gleich stimmen. Berth. v. Chiemsee 6, 4,
schon ahd. auch zesamine gehellen Graff 4, 856. 22)
der gebrauch wird theils vom gesang theils aus dem rufen bei abstimmung u. ä. sich entwickelt haben. 2@aa)
vom einklang beim singen ist es in dem ahd. '
concinere'
erkennbar, ie in gihel
tinnulus, gihellî
concentus, harmonia, einhel
harmonicus, s. von der sphärenharmonie unter 1,
c, gewiss auch noch mhd. (
vgl. Thomasin
unter e),
wie es noch im 16.
jh. anklingt in einhellen: sie ruoften ime mit einhellenden stimmen.
Fier. C 2,
ja wol noch in dem bair. gehell (
s. d. 2)
vom widerhall, mit dem ja der wald o. ä. in den menschlichen ruf gleichhallend einstimmt, d. i. ihm gehillet. 2@bb)
der gebrauch beim abstimmen kann sich gleich an den vorigen angeschlossen haben, da z. b. bei einer wahl der zuruf ursprünglich gewiss mehr singend geschah; dabei war das gehellen
ein doppeltes, theils das in ein gehellen aller
theils das einstimmende zurufen des einzelnen, und beides ist durch ge-
bezeichnet. vom gehellen
bei wahlen s. u. 1,
a, auch auf schriftliche zustimmung erstreckt im ersten falle dort. dann von zustimmung
aller art, wie wir ja auch noch sagen, ohne dabei an eine klingende stimme zu denken (
vgl.gefallen I, 6,
c. d sp. 2107).
von den Germanen des Tacitus heiszt es bei beratungen: mit den waffen gehellen und verjachzen ist das erlichste lob. S.
Frank Germ. chron. (1538) 6, honoratissimum assensus genus est armis laudare Tac.
Germ. 11. 2@cc)
dabei noch das in (1,
c),
gewiss auch mhd.: und begert uwere keiserliche gnade, obe wir (
die stadt Frankf.) ersucht weren oder würden, darzu zu schicken (
zu der vom kaiser nicht anberaumten verhandlung) oder in die sache zu gehellen (
nachträglich zuzustimmen), das wir des nit tun.
Frankf. reichscorr. 2, 158,
vom j. 1461; Maria zum allerletsten in die wort des engels gehollen hat und gesprochen mir geschehe nach deinen worten. Keisersb.
post. 4, 8; so würde Frankreich desto weniger darnach (
nach) des kaisers willen in das concilium gehellen. Pontanus
bei Melanchth. 3, 152,
beides noch von öffentlichen verhandlungen. von privatsachen: das sie (
die jungfrau) dester ee würd gehellen in den eelichen stat. Keisersb.
evang. 183
b.
auch darein g.: wer ich im rath, ich wolt also reden und nit darein gehellen. Pauli
sch. u. e. 11; doch muosz der man dar in gehellen. Murner
geuchm. K 1
b; wann alle sennen (
nerven, s. sp. 1630) die gond von dem hirn .. und darein gehellen die schulen der ärzte. Gersdorf
wundarzn. 2.
s. auch unter 1,
a. 2@dd)
auch einfacher mit dat., der person und der sache, wie schon mhd. ahd.: des ersten gehall er im und darnach verpot er im das. Scherz 500 (15.
jahrh.); darumb das ir nicht wolt gehellen dem herren.
Nürnb. bibel 1483 73
b (
4 Mos. 14, 43,
vulg. quod noluistis acquiescere domino); ich bit dich (
gott), das du gehellest meinen gebeten. 118
a (
richt. 13, 15, ut acquiescas precibus meis); sie wolten nicht gehellen seinen worten. 121
b (
richt. 19, 25); so lang sie der anfechtung nit gehellen im willen, so lang verlieren sie die gnad gottes nit. Keisersb.
irrig schaf B 3
b; da soll ein mensch sich des trösten, das er nit sündet tödtlich, so in solche wste und uncristenlich gedenk rrent, sunder allein denn, so wir inen gehellen, das ist wenn inen günstig ist unser will.
hellisch löw d 7
b; sy aber habend alle einmtig im nit wellen
gehällen und habend die boten lär heim geschickt.
Zürcher bibel 1530 612
a (
Jud. 1, 11); Felix ward .. vertriben, darum dʒ er Arrio nit wolt gehällen. S. Frank
chron. 320
b; in diesem land ist mancherlei glauben, etlich gehellen der römischen kirchen.
weltb. (1567) 49
a.
auch in der bedeutung zulassen: wie er ihr so hoch geschworen hette, dasz er sie an keinem sambstag nimmer wolt suchen noch niemand (
dat.) gehellen zu thun.
b. d. liebe 273
c; weder durch dich selbs (
mir nachzufragen) noch jemand anderem (
es) günnen, gehelen, verschaffen. 264
b. 2@ee)
auch mit einem g.,
s. Gengenbach
unter 1,
a und mithellen
unter 1,
c: wer gehillt mit den bösen iren werken, der ist deren mit theilhaftig.
alte weisen 1565 81
a; ist es sach dasz zwen usz euch miteinander gehellent uf diesem ertrich. Keisersb.
post. 2, 62;
auch schon mhd., von '
harmonie'
des denkens mit dem thun: ob der musicus heiʒen sol, der die dœne machet hellen wol, so ist der musicus, der sînen muot macht gehellen mit dem (
var. diu) und (
das) er tuot. Thomasin
welsch. gast 9056.
zu etwas gehellen
s. Wurstisen
unter 3,
a, schon mhd. auch mit zuo. 2@ff)
bemerkenswert mit acc. bei Braunschweig
unter 1,
a ich gehill
es, stimme in dem punkte bei, vgl. mhd. gehilles duʒ
myst. 1, 250,
stimmst du darin bei; das rechte und ursprüngliche ist da der gen., wie die engel gehullen des al Diemer
ged. 5, 8,
aber als acc. z. b. das g.
unter 3,
c. und selbst mit persönlichem obj.: weil die ravennatische kirche den römischen bischof nicht gehellen wollte in seinem primat. Nigrinus
pap. inqu. 145,
anerkennen, gelten lassen. 33)
dazu nebenformen, besonders mit einfachem l
und langem vocal. 3@aa)
im 16.
jh. auch gehillen
für gehëllen,
s.zu etwas
gehillen Frisch 1, 401
a aus Wurstisen;
es ist wie billen (
s. d.)
für bëllen, quillen
für quëllen (
vergl.knellen II, 1,
f).
daher dann: gehylen oder volworten oder zugeben,
assentire. voc. theut. 1482 k 6
a,
zugleich misverständlich nach gehilt (
für gehillet)
unter 1,
a. 3@bb)
besonders oft gehelen: zesamen gehelen. Berth. v. Ch.,
s. 1
a. e.; dieses ist auch nicht ein geringer trost den jenigen, so nicht in solche verfolgung willigen und gehelen. Melanchthon
apol. 262 (
corp. doctr. christ. Lpz. 1560); darein nicht gehelen (gehehlen)
u. ä. s. bei Schm. 2, 171; in der stände gutachten allergnädigst zu gehelen (
vom kaiser).
reichstagsprotok. vom j. 1608
bei Hipp. a Lapide
de ratione status in imp. Rom. Germ. 107; also hätte man ehe in zulassung derjenigen fremden worte zu gehelen, so aus den sprachen teutschen ursprungs übernommen werden könten. Leibnitz
unvorgr. ged. § 69; wie nun unsere regirung darein nicht
geheelen können, haben selbige sich fernerweit opponiret.
corp. const. Brand.-Culmb. 1, 343; hat man gleich hierauf eine zeitlang nicht geachtet und stillschweigend darein geheelet. Möser
phant. 2, 326, geheelen 327.
noch am ende des 18.
jh. kennt es Heynatz
antib. 2, 18
aus der '
rechtsgelehrten schreibart', in etwas
gehehlen, einwilligen, auch zu etwas gehehlen,
durch die finger sehen (
vgl. u. b);
ebenso Adelung.
s. auch helen
unter hellen 3, behelen
für gehellen,
zustimmen Schm. 2, 171 (16.
jh., s. ge- II, 7,
b).
es erklärt sich, wie u. a, aus einer zwischenform heln,
geheln, rasch gesprochen für gehellen,
vgl. im 16.
jh. mitheln
assentire, zueheln
assentire, missheln
dissentire Avent.
gramm. bei Schm. 2, 171,
schon im 15.
jh. mitheln
consentire Dief. 144
a,
zugleich folge und beweis häufigsten gebrauchs. das verwirrte sich aber auch wirklich mit helen
celare, denn Schönsleder 1,
c z. b. setzt mithelen
concordare, assentire unter helen, verhelen;
ja selbst mit halten,
s. mithalten consentire Dief. 144
a, misshältig
uneinig Lexer 1, 2166. 3@cc)
ebenso gehälen, vgl.gehällen
unter 2,
d: wie der könig etlichen seines hofgesindes befelch gab, Reinharten nachzuspüren,
das aber Eberhart nicht gehälen wolt, viel seiner gesellen davor warnet.
b. d. liebe 243
c (
zu das
s. 2,
e),
zugleich vom thun, mitthun, wie unter 1,
b aus Aimon (
s. auch unter gehellig),
oder auch zu der angabe von Heynatz
u. a stimmend '
durch die finger sehen'; dasz der kaiser in der Popilia ansuchung keineswegs gehälen wolle. Anton Urich
Octavia IV, 1, 491; ich muszte mit darein gehälen. V, 173; nach dieser red des obervogts erhub sich ein murmeln, da etliche derselben meinung volgten und darein
gehäleten, etliche sich zweiten.
Livius 420
Rihel, also schon da der starken bildung verlustig, vgl. geheelten Schm. 2, 171,
s. auch 1,
b. aber merkw. auch gehälen
als plur. praet.: auf diese des verräters red gehAelen alle andere handfröner, sie thetten ir werk als bald sie mochten.
Aimon F iij.
noch bei Stieler 735
nur gehälen,
auch gehäler
m., gehälung
f., gehälig.
und noch ostfries. gehälen
einwilligen Stürenb. 67
b,
s. auch gehelligen.