lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

knellen

mhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
8 in 7 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
20
Verweise raus
16

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

knellen

Bd. 11, Sp. 1410
knellen , crepare, knallen. II. Form und verwandtschaft. I@aa) obwol es ahd. nicht nachgewiesen ist, mhd. zur zeit nur in einem erknëllen wb. 1, 853b, Neidhart xxv, 22 H., genügen doch das nhd. subst. knall (wovon knallen) und die ältern nhd. formen knal praet., knillet 3. sg. praes., um ein starkes knëllen zu bezeugen (gramm. 2, 32), das ablautend war gleich quellen, bellen; vgl. auch Chnill als mannsname: Heinricus et Dietmarus fratres, dicti Chnill, um 1181, urkundenb. des landes ob der Enns 2, 374. das part. geknollen bleibt indessen nachzuweisen. I@bb) nach den formen knellt, knellte ist aber auch ein schwachformiges knellen mit aus a umgelautetem e (vom praet. knal) anzunehmen, das trans. eigentlich knallen machen, zertrümmern bedeutete und im praet. urspr. knalte haben musz; aber die beiderseitigen formen und bedeutungen sind schon im 16. jh. bei dem aussterbenden worte so vermischt, und noch dazu verwirrt mit andern formen, dasz eine genaue scheidung nicht thunlich ist. I@cc) verwandtschaft bietet vor allem das nordische, obwol mit einer ausweichung in lautstufe und bedeutung, aber mit dem ablaut des hd. knëllen: altn. gnella (praet. gnall, pl. gnullum), kläffen, bellen Fritzner 210b, allgemeiner norw. gnella (pr. gnall, part. gnolle) kreischen, quieken u. ä., und allgemein knarren, knirren, knirschen (auch nelle) Aasen 139, schwed. gnälla, in den mundarten auch noch stark (gnall, pl. gnullum) Rietz 206b; ebenda ist altschwed. gnall n. strepitus, sonitus angeführt, und die nord. bed. wie die unsere sind beide nur verschiedene seiten éiner grundbedeutung scharf und laut tönen. I@dd) man zieht auch dazu engl. knoll läuten, knell glockenschlag, ags. cnyll, dazu cnyllan, cnellan läuten (Ettm. 395); doch altnorthumbr. cnylla, cnylsia (noch jetzt north. knill läuten) ist deutlich vielmehr anklopfen Matth. 7, 7. Luc. 13, 25 u. ö. gleich κρούω. da ist denn das läuten vom anschlagen mit dem klöpfel benannt, wie bei uns in glocke (s.klocken, bes. klöpfen 1, c). aber wiederum hat das klopfen seinen namen vom schalle, s. bes. klocken 2 (knallen) und 3. IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) Intrans. II@1@aa) knallen, krachen, knacken; zuerst die wenigen reinen formen: da empfur dem priester ein blost (blâst) unden ausz, das es knal. Pauli sch. u. ernst ....; ein pulfer zu machen von kraut, das sehr fast (stark) knillet. item, wiltu machen ein pulfer von kraut, dasz es sehr fast knilt, so nimb ein kraut das heiszt wollkraut ... solch pulfer scheuszt tiefer und knillet lauter dann sonst keinerlei pulfer. Fronsperger kriegsb. (1596) 2, 148b; er knilt wie ein dürr dornheck. Frank sprichw. 2, 72a (in der Zürcher ausgabe 2, 190a er knellt), gemeint ist ein leicht aufbrausender mensch. II@1@bb) in unreinen formen: wann das pulver darinnen angeht (losgeht), so knelet es hart. Fronsp. von feuerw. 13b, es musz knellet gemeint sein, vermischung mit dem trans., wie im folg. oft, sie mag entstanden sein aus der auffassung 'einen knall machen'. auch knöllen entstand aus dieser vermischungist als zeichen des hochgesprochenen, aus a umgelauteten e gemeint), vom knallen der peitsche: das die pferde auf sein (des fuhrmanns) geiselknöllen, geschrei und stim mehr dann auf grosz schlagen .. geben. Sebiz feldb. 148; sagte man urspr. die geisel knellen, d. i. 'knëllen machen'? II@1@cc) unsicher fürs auge, ob mit tiefem oder hohem e, sind die praesensformen knellen: lat euer hantgschütz knellen wol in des Türken her. Körners hist. volksl. 146; des Hutten büchsen die knellen. Uhland volksl. 485 von prasselndem, platzendem feuer Petr. 107b: crepitant in igne, knellend oder knastlend im feür. Frisius 343a. concrepare digitis übersetzt er 282a die finger machen knellen oder ein knall thun, noch Denzler 1, 175b mit den fingeren knellen, knacken. II@1@dd) einzeln und wol urspr. auch von mehr rauschenden tönen, wie von wasser u. dgl.: ich hab gehört ein ordensman also knellen in dem trinken. Keisersberg narrensch. 50a, doch wol wie das blôdern unde kerren der trünke, die sich werrent, im weinschwelg leseb. 578, 34; intestina tibi crepant .. die därm knellend oder rauschend dir. Frisius 343a. II@1@ee) brechen, bersten, wie knallen auch: (der frosch) bläet sich so hoch auf, dʒ er von ainander knellet und zerspielt. Keisersberg granatapfel f 3b (hauptsünden 1510 aa 3b); wann man ein alten (zweig) understat zuo biegen, so knellt er entzwei. Brant narr. 6, 19, müszte eigentlich knillt sein, vgl. zerknilt von einer übervollen blase Frisch 1, 526b; lasset sich nicht biegen wie anderer baume holz, sondern springt von stund an und knelt entzwei. Spangenberg lustg. 505; schlosse die hände so hart in einander, dasz das (alte) wachs, so sie hielt ... entzwei knellet. Amadis 85. II@1@ff) auch knillen für knëllen (wie billen für bëllen 2, 27, quillen für quëllen), z. b. von flöhen, ins feuer geworfen: wann ir dann knillt wie pulvertüchlin. Fischart flöhhatz 874 Sch. und mit ü: der mastbaum knüllt entzwei. Rompler 72. beides wiederholt sich unter 2. für knüllt wäre eine einwirkung von knüllen möglich, für knillen (billen u. a.) bleibt zu untersuchen, ob nicht doch eine echte schwache nebenform zu grunde liegt (vgl. sp. 697 mitte); ostfries. knillen, im feuer knistern Stürenb. 116a. II@1@gg) übrigens geben noch Schottel 1347, Denzler 1, 175b (Basel 1716) knellen, Stieler 993, Steinbach 1, 885 knellen und knällen (wie von knall), knallen. es gilt z. b. noch schwäb. vom peitschenknallen (Schmid 319), auch md., bei Leipzig. II@1@hh) es bedeutet bair., schwäb. auch fluchen, und schwäb. zoten reiszen, beides wol aus dem begriffe lärmen (s.knallen 3, b); zum ersten vergl. einen anknallen, anfahren, zum zweiten das gleichbedeutende klaffen sp. 896 eigen nürnberg. knelfen keifen, zanken bei Grübel. II@22) Transitiv. II@2@aa) knellen, rumpere Dasyp. 365a, eig. knellen machen, mit einem knall zerschlagen, zerdrücken u. dgl.: höret dʒ einer nusz knelt und aufschlug. Pauli schimpf u. e. 154a (in der ausg. Augsb. 1546 16 knillt, in noch einer andern knüllt); wie ein verdeckter hafen der da seudt, der dunst den deckel zerbricht und knellt (d. i. zerknellt). Paracelsus 1590 8, 214. die schreibung knällen (vgl. unter 1, g) soll an knall erinnern: wan dise wäll das schiff anfällt und jene dort dargegen prällt, als wolten sie es gleichsam knällen. Rompler 176. noch bair. e laus, en floh knellen Schmeller 2, 373, schwäb. Schmid 319. II@2@bb) auch hier wieder knöllen, knüllen, knillen (s. unter 1): den bauch füllen, dasz einer eine laus darauf möcht knöllen. Heinr. v. Kettenbach predig vom fasten; mein pauch ward mir dermasz gefült, es het mir einer ein laus drauf khnült. Schmelzl verl. sohn 20b; und luog ob er kein wiltpret find (im kopfe) ... das er dann uf dem täller knilt. Brant narr. 110a, 130; und fiengen das ainfaltig vieh, welchs sie dann auf dem teller knillten. Fischart flöhhatz 823 Sch.; den Benzenawer sie im pfiff und knilt in mit so groszer gir. 817. II@2@cc) auch für schlagen, stoszen dasz es knallt: die wellen knellen sich. Petr. 107a, wol zugleich zerstoszen; er mit dem ein bengel erwischt und sie dapfer knilt. wegkürzer 55a; wenn man das eisen auf dem ambos nicht wacker knilt, so wird nichts rechtschaffenes draus. Abrah. a S. Clara, doch s. dazu knüllen prügeln, das darin auch enthalten sein kann. noch bair. knellen prügeln, wie knallen 3, a. im judendeutsch heiszt der lehrer kneller, lehren knellen, vom knallen mit der knute wie angegeben wird. II@2@dd) werfen dasz es knallt, so wol im folg.: dein opfer soltu darstellen (auf dem altar) mit eim (var. einen, l. ein) gülden hinan knellen. Peter Lewe 961 (weim. jahrb. 6, 453), d. h. damit, dasz du einen gulden u. s. w.
7795 Zeichen · 207 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    knëllenstv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    knëllen stv. in erknëllen, zerknëllen;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    knellen

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    knellen , crepare, knallen. I I. Form und verwandtschaft. I@a a) obwol es ahd. nicht nachgewiesen ist, mhd. zur zeit nur…

  3. modern
    Dialekt
    knellen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    knelle n [knèlə Hi. Ruf. u. nö. allg.; knelə M. ] 1. knallen mit der Peitsche K. Z. Han. ; mit Kanonen ebd. Dis het awer…

  4. Sprichwörter
    Knellen

    Wander (Sprichwörter)

    Knellen Bis der hebt un zü knellen, is der Sman aus. – Tendlau, 186. Ehe der zu studiren anfängt, ist das Semester zu En…

Verweisungsnetz

32 Knoten, 26 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Kompositum 24 Sackgasse 5

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knellen

7 Bildungen · 1 Erstglied · 3 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von knellen 2 Komponenten

knel+len

knellen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

knellen‑ als Erstglied (1 von 1)

Knellen II

RhWB

Knellen II -ę·l.- = Knäulen (s. d.);

knellen als Zweitglied (3 von 3)

erknellen

DWB

erk·nellen

erknellen , crepare, crepitare, praet. erknall, part. erknollen, mhd. erknëllen, stamm von erknallen: wërdest underdrungen gar sô lâ swërtes…

zerknellen

DWB

zer·knellen

zerknellen , verb. , mit lautem knall zerspringen; ältere starke form für zerknallen, 1) intrans.: Altenstaig voc. 88 a ; Frisius 584 a ; Ma…

Zuknellen

Wander

Zuknellen Ich wollt' noch zügeknellt auch. ( Jüd.-deutsch. Warschau. ) Knellen heisst unterrichten, lehren, namentlich Kindern Unterricht er…

Ableitungen von knellen (3 von 3)

erknellen

DWB

erknellen , crepare, crepitare, praet. erknall, part. erknollen, mhd. erknëllen, stamm von erknallen: wërdest underdrungen gar sô lâ swërtes…

verknellen

ElsWB

verknelle n 1. zerplatzen: du bis t faisst, du verknells t schier gar Geberschw. ; vor Lache n v. Brum. ‘ass me mächt verknelle’ Lustig I 29…

zerknellen

DWB

zerknellen , verb. , mit lautem knall zerspringen; ältere starke form für zerknallen, 1) intrans.: Altenstaig voc. 88 a ; Frisius 584 a ; Ma…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „knellen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/knellen/dwb?formid=K08788
MLA
Cotta, Marcel. „knellen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/knellen/dwb?formid=K08788. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „knellen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/knellen/dwb?formid=K08788.
BibTeX
@misc{lautwandel_knellen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„knellen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/knellen/dwb?formid=K08788},
  urldate      = {2026-05-15},
}