knellen ,
crepare, knallen. II.
Form und verwandtschaft. I@aa)
obwol es ahd. nicht nachgewiesen ist, mhd. zur zeit nur in einem erknëllen
wb. 1, 853
b,
Neidhart xxv, 22
H., genügen doch das nhd. subst. knall (
wovon knallen)
und die ältern nhd. formen knal
praet., knillet 3.
sg. praes., um ein starkes knëllen
zu bezeugen (
gramm. 2, 32),
das ablautend war gleich quellen, bellen;
vgl. auch Chnill
als mannsname: Heinricus et Dietmarus fratres, dicti Chnill,
um 1181,
urkundenb. des landes ob der Enns 2, 374.
das part. geknollen
bleibt indessen nachzuweisen. I@bb)
nach den formen knellt, knellte
ist aber auch ein schwachformiges knellen
mit aus a
umgelautetem e (
vom praet. knal)
anzunehmen, das trans. eigentlich knallen machen, zertrümmern bedeutete und im praet. urspr. knalte
haben musz; aber die beiderseitigen formen und bedeutungen sind schon im 16.
jh. bei dem aussterbenden worte so vermischt, und noch dazu verwirrt mit andern formen, dasz eine genaue scheidung nicht thunlich ist. I@cc)
verwandtschaft bietet vor allem das nordische, obwol mit einer ausweichung in lautstufe und bedeutung, aber mit dem ablaut des hd. knëllen:
altn. gnella (
praet. gnall,
pl. gnullum),
kläffen, bellen Fritzner 210
b,
allgemeiner norw. gnella (
pr. gnall,
part. gnolle)
kreischen, quieken u. ä., und allgemein knarren, knirren, knirschen (
auch nelle) Aasen 139,
schwed. gnälla,
in den mundarten auch noch stark (gnall,
pl. gnullum) Rietz 206
b;
ebenda ist altschwed. gnall
n. strepitus, sonitus angeführt, und die nord. bed. wie die unsere sind beide nur verschiedene seiten éiner grundbedeutung scharf und laut tönen. I@dd)
man zieht auch dazu engl. knoll
läuten, knell
glockenschlag, ags. cnyll,
dazu cnyllan, cnellan
läuten (Ettm. 395);
doch altnorthumbr. cnylla, cnylsia (
noch jetzt north. knill
läuten)
ist deutlich vielmehr anklopfen Matth. 7, 7.
Luc. 13, 25
u. ö. gleich κρούω.
da ist denn das läuten vom anschlagen mit dem klöpfel
benannt, wie bei uns in glocke (
s.klocken,
bes. klöpfen 1,
c).
aber wiederum hat das klopfen seinen namen vom schalle, s. bes. klocken 2 (
knallen)
und 3. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
Intrans. II@1@aa)
knallen, krachen, knacken; zuerst die wenigen reinen formen: da empfur dem priester ein blost (blâst) unden ausz, das es
knal. Pauli
sch. u. ernst ....; ein pulfer zu machen von kraut, das sehr fast (
stark)
knillet. item, wiltu machen ein pulfer von kraut, dasz es sehr fast knilt, so nimb ein kraut das heiszt wollkraut ... solch pulfer scheuszt tiefer und knillet lauter dann sonst keinerlei pulfer. Fronsperger
kriegsb. (1596) 2, 148
b; er knilt wie ein dürr dornheck. Frank
sprichw. 2, 72
a (
in der Zürcher ausgabe 2, 190
a er knellt),
gemeint ist ein leicht aufbrausender mensch. II@1@bb)
in unreinen formen: wann das pulver darinnen angeht (
losgeht), so knelet es hart. Fronsp.
von feuerw. 13
b,
es musz knellet
gemeint sein, vermischung mit dem trans., wie im folg. oft, sie mag entstanden sein aus der auffassung '
einen knall machen'.
auch knöllen entstand aus dieser vermischung (ö
ist als zeichen des hochgesprochenen, aus a
umgelauteten e
gemeint),
vom knallen der peitsche: das die pferde auf sein (
des fuhrmanns) geiselknöllen, geschrei und stim mehr dann auf grosz schlagen .. geben. Sebiz
feldb. 148;
sagte man urspr. die geisel knellen,
d. i. 'knëllen
machen'? II@1@cc)
unsicher fürs auge, ob mit tiefem oder hohem e,
sind die praesensformen knellen: lat euer hantgschütz knellen wol in des Türken her. Körners
hist. volksl. 146; des Hutten büchsen die knellen. Uhland
volksl. 485
von prasselndem, platzendem feuer Petr. 107
b: crepitant in igne, knellend oder knastlend im feür. Frisius 343
a. concrepare digitis
übersetzt er 282
a die finger machen knellen oder ein knall thun,
noch Denzler 1, 175
b mit den fingeren knellen,
knacken. II@1@dd)
einzeln und wol urspr. auch von mehr rauschenden tönen, wie von wasser u. dgl.: ich hab gehört ein ordensman also knellen in dem trinken. Keisersberg
narrensch. 50
a,
doch wol wie das blôdern unde kerren
der trünke, die sich werrent,
im weinschwelg leseb. 578, 34; intestina tibi crepant .. die därm knellend oder rauschend dir. Frisius 343
a. II@1@ee)
brechen, bersten, wie knallen
auch: (
der frosch) bläet sich so hoch auf, dʒ er von ainander knellet und zerspielt. Keisersberg
granatapfel f 3
b (
hauptsünden 1510 aa 3
b); wann man ein alten (
zweig) understat zuo biegen, so knellt er entzwei. Brant
narr. 6, 19,
müszte eigentlich knillt
sein, vgl. zerknilt
von einer übervollen blase Frisch 1, 526
b; lasset sich nicht biegen wie anderer baume holz, sondern springt von stund an und knelt entzwei. Spangenberg
lustg. 505; schlosse die hände so hart in einander, dasz das (
alte) wachs, so sie hielt ... entzwei knellet.
Amadis 85. II@1@ff)
auch knillen für knëllen (
wie billen
für bëllen 2, 27, quillen
für quëllen),
z. b. von flöhen, ins feuer geworfen: wann ir dann knillt wie pulvertüchlin. Fischart
flöhhatz 874
Sch. und mit ü: der mastbaum
knüllt entzwei. Rompler 72.
beides wiederholt sich unter 2.
für knüllt
wäre eine einwirkung von knüllen
möglich, für knillen (billen
u. a.)
bleibt zu untersuchen, ob nicht doch eine echte schwache nebenform zu grunde liegt (
vgl. sp. 697
mitte)
; ostfries. knillen,
im feuer knistern Stürenb. 116
a. II@1@gg)
übrigens geben noch Schottel 1347, Denzler 1, 175
b (
Basel 1716) knellen, Stieler 993, Steinbach 1, 885 knellen
und knällen (
wie von knall),
knallen. es gilt z. b. noch schwäb. vom peitschenknallen (Schmid 319),
auch md., bei Leipzig. II@1@hh)
es bedeutet bair., schwäb. auch fluchen, und schwäb. zoten reiszen, beides wol aus dem begriffe lärmen (
s.knallen 3,
b)
; zum ersten vergl. einen anknallen,
anfahren, zum zweiten das gleichbedeutende klaffen
sp. 896
eigen nürnberg. knelfen
keifen, zanken bei Grübel. II@22)
Transitiv. II@2@aa) knellen,
rumpere Dasyp. 365
a,
eig. knellen machen, mit einem knall zerschlagen, zerdrücken u. dgl.: höret dʒ einer nusz knelt und aufschlug. Pauli
schimpf u. e. 154
a (
in der ausg. Augsb. 1546 16 knillt,
in noch einer andern knüllt); wie ein verdeckter hafen der da seudt, der dunst den deckel zerbricht und knellt (
d. i. zerknellt). Paracelsus 1590 8, 214.
die schreibung knällen (
vgl. unter 1,
g)
soll an knall
erinnern: wan dise wäll das schiff anfällt und jene dort dargegen prällt, als wolten sie es gleichsam knällen. Rompler 176.
noch bair. e laus, en floh knellen Schmeller 2, 373,
schwäb. Schmid 319. II@2@bb)
auch hier wieder knöllen, knüllen, knillen (
s. unter 1): den bauch füllen, dasz einer eine laus darauf möcht knöllen. Heinr. v. Kettenbach
predig vom fasten; mein pauch ward mir dermasz gefült, es het mir einer ein laus drauf khnült. Schmelzl
verl. sohn 20
b; und luog ob er kein wiltpret find (
im kopfe) ... das er dann uf dem täller knilt. Brant
narr. 110
a, 130; und fiengen das ainfaltig vieh, welchs sie dann auf dem teller knillten. Fischart
flöhhatz 823
Sch.; den Benzenawer sie im pfiff und knilt in mit so groszer gir. 817. II@2@cc)
auch für schlagen, stoszen dasz es knallt: die wellen knellen sich.
Petr. 107
a,
wol zugleich zerstoszen; er mit dem ein bengel erwischt und sie dapfer
knilt. wegkürzer 55
a; wenn man das eisen auf dem ambos nicht wacker knilt, so wird nichts rechtschaffenes draus. Abrah. a S. Clara,
doch s. dazu knüllen prügeln, das darin auch enthalten sein kann. noch bair. knellen
prügeln, wie knallen 3,
a. im judendeutsch heiszt der lehrer kneller,
lehren knellen,
vom knallen mit der knute wie angegeben wird. II@2@dd)
werfen dasz es knallt, so wol im folg.: dein opfer soltu darstellen (
auf dem altar) mit eim (
var. einen,
l. ein) gülden hinan knellen.
Peter Lewe 961 (
weim. jahrb. 6, 453),
d. h. damit, dasz du einen gulden u. s. w.