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wund

as. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wund adj.

Bd. 30, Sp. 1763
wund, adj. , verletzt, verwundet. got. wunds (in haubiþwundan brahtedun Mc. 12, 4), ags. as. wund, anfr. *wund (hs. uuanda 'vulnerati' Lipsius'sche gll. 764 v. Helten), mnl. wont, ahd. mhd. wunt; das wort fehlt in den nordgerm. sprachen, statt dessen an. sárr usw. = nhd. sehr (t. 10, 1, 163 f.). vgl. auch das danebenstehende subst. nhd. wunde, f. (s. d.). partizipialbildung zur idg. wz. *en- 'schlagen, verwunden', vgl. ags. wenn 'geschwulst' (urspr. 'beule infolge eines schlages'), engl. wen, mnd. wene, n. dial. vann, væne, cymr. ym-wan 'kämpfen', gweint 'ich durchbohrte', corn. gwane 'perforare', s. Walde-Pokorny 1, 212. — in den maa. findet sich teilweise senkung des stammvokals > o (entsprechend bei wunde, f.), s. Müller-Schlösser Düsseldorf 269a; luxemb. ma. 491; (aus älterer zeit vgl. für Frankfurt [1422] PBB 4, 14); ebenso mit auslautendem gutturalem nasal wongk Leithäuser Barmen 173a; wb. d. Elberf. ma. 177a; Leihener Cronenberg 135b. eingeschränkt ist die verwendung des wortes durch sr Doorn kaat Koolman ostfries. 3, 580b; blessiert Hunziker Aargau 303. der attributive gebrauch von wund, der mhd. gut bezeugt ist, tritt späterhin zurück. daher: wund wird in der guten schreibart nicht mit einem hauptworte gegattet. eine wunder finger, eine wunde haut ... welches alles Adelung anführt, ohne es zu tadeln. man kann ja verwundet dafür gebrauchen Heynatz antibarb. (1796) 2, 654; sogar das indeklinable wund, das es nicht weniger war als unpasz, feind, hat Wieland ... für uns alle deklinabel gemacht Jean Paul w. 49/51, 316 Hempel. in neuerer zeit ist attributives wund durchaus üblich, wird jedoch im allgemeinen sprachgebrauch dann fast nur im sinne von 'offene stelle der hautoberfläche' (s. u. 2) verstanden. 11) verletzt, verwundet, d. h. mit offener blutender wunde behaftet: der antichristo stet pi demo altfiante, stet pi demo Satanase, der inan uarsenkan scal: pidiu scal er in deru uuicsteti uunt piuallan enti in demo sinde sigalos uuerdan Muspilli 46 in: kl. ahd. sprachdenkm. 68 Steinmeyer; Crist unte Judas spiliten mit spîeza, do wart der heiligo Xrist wnd in sine sîton ... Crist wart hien erden wnt Bamberger blutsegen 1 und 5 in: kl. ahd. sprachdenkm. 377 Steinmeyer; ... he (Malchus) uuard an that hobid uund Heliand 4877 Sievers; wan swer von wâfen wirt wunt, der wirdet schiere gesunt, ist er sîm arzâte bî Hartmann v. Aue Iwein 1551 B.; vil und me tot unde wunt leiten in deme strite irslagen Rudolf v. Ems weltchronik 26 244 E.; diu wart hiuwer wunt in einen vinger, dôs ir muomen gersten sneit Neidhart lieder 36, 34 H.-W.; er tet nie uf sinen munt, swie sere er wâre wunt, do er an dem kriuze hienc schausp. d. mittelalters 1, 225 Mone; wurde auch derselben zuelauffer einer oder mer in solchen romorn wundt (1463) qu. bei Lori baier. bergrecht 63; wende deine hand und führe mich aus dem heer, den ich bin wund Luther 1.n. 22, 34 (dafür: verwundet erste dt. bibel; Lübecker bibel [1533]; Eck [1537]); nuhn bin ich wundt vnnd krangk gewest vnnd in das landt ze Behemen gezogen, bys ich (der landsknecht) heill bin worden (Erfurt um 1530) mitt. d. ver. f. gesch. v. Erfurt 4, 17; sie (sollten) den Rickarten bey derselbigen nacht ... auff den todt wundt schlagen oder gar umbringen Wickram w. 2, 157 lit. ver.; was zeyt wund wurt, das ficht all sein tag gern S. Franck sprüchw. (1545) 1, 16a; einer davon (war von dem tiger) in einen schenkel wund worden generalchronicon (Frankf. 1576) 76a; wird einer wund, bricht arm vnd bein, das thut den badern nützlich sein Eyering proverb. copia (1601) 1, 621; Hainricus ward vbel wund vnd kranck Stumpf Schweizerchron. (1606) 74a; da stürzt ein mattgejagtes wundes reh zu meinen füszen nieder Herder 23, 249 S. in neuerer sprache dem gehobenen stil angehörend und weithin verdrängt durch verwundet: wer die runen einschnitt ..., der vermochte wunde glieder zu heilen G. Freytag ges. w. 17 (1888) 193; der schwung der groszen zeit ... führte jetzt (sie) unter die wunden krieger der Berliner hospitäler Treitschke hist. aufs. (1886) 1, 137; kämpfer, ... die wund oder krank (aus dem kriege) zurückkehrten kr. dep. (31. 7. 1915). oft adverbiell gesteigert: sêre wunt Wolfram v. Eschenbach Parzival 594, 11; gar sehr wundt buch d. liebe (1587) 81a; starke wunt Hartmann v. Aue Iwein 5463 B.; hart wundt S. Franck chron. Germ. (1538) 246a; ze verhe wunt Wolfram v. Eschenbach Parzival 578, 25 L.; ze tode wunt Rudolf v. Ems weltchron. 26, 267 Ehrism.; dötlich wunde Hans Sachs 22, 197 lit. ver.; wunt unz uf den tot schausp. d. mittelalters 1, 212 Mone; zum tode wund Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 1, 23. vereinzelt von dem durch verletzung getöteten: es kam der feind in sturmeslauf mit grimmen todesstreichen; das hüttlein sank, ein aschenhauf, die eltern, wunde leichen Lenau ged. (1857) 1, 291; die nonne flog, wie nacht begann, zur kleinen dorfkapelle, und risz den wunden rittersmann aus seiner ruhestelle Hölty ged. (1870) 24. als objektsprädikativ in bestimmten verbalen verbindungen; nur in älterer sprache begegnet wund machen, heutigem verwunden entsprechend: da kam ain hiers, den macht nyemant wunden dann Allexander Seifrits Alexander 25 Gereke; an dem ort machten sie etliche wund, vnd felten zween oder drey reisigen Luther bücher u. schriften 3 (1560) 130b; (ein nix, der) mit steinen geschmissen und mit knütteln ist wund gemacht worden Prätorius anthrop. Pluton. (1666) 2, 57. wund schlagen, vgl. Frisius dict. (1556) 58a s. v. afficio; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1329a: der man schlug jn wund 1.n. 20, 37 (verwundete ihn erste dt. bibel; Lüb. bibel [1533]; Eck [1537]); (er hat) sein gegentheil wehrlosz wundt geschlagen Fronsperger kriegsb. 1 (1578) B 3b; ob ainer den andern auf den todt wunt schlüege (16. jh.) österr. weist. 5, 704; oft auch in der zusammenrückung wundschlagen, wundgeschlagen, s. Zimmer. chron. 22, 475 Barack; Frisius dict. (1556) 659a; Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 152; Lavater physiogn. fragm. (1775) 4, 123. wund beiszen: sein aigene jaghunde, pissen in dötlich wunde Hans Sachs 22, 197 lit. ver.; von der schlangen wund gebissen Simon Dach 101 Öst.; im winkel sasz die lästerung, mit dem Arndt in der hand, bisz sich die lippen wund und verfluchte alles anmuth. gelehrsamk. 4, 498 Gottsched. vereinzelt wund schieszen: in letzter noth sie theten schweben, dann Teucer schosz sie tödtlich wund Spreng Ilias (1610) 100b; Amor schosz ihn wund Göthe I 37, 40 W. 22) in neuerer zeit vor allem von der offenen stelle der hautoberfläche, die in der regel nicht das ergebnis eines einmaligen, vor allem fremden eingriffes ist, sondern die folge eines länger währenden prozesses der abnutzung, reibung, ätzung, entzündung usw., häufig begriffen wie aufgerieben, entzündet, gerötet, geschwollen usw. nahekommend; ein beissender flusz, der etwas rohe oder wund macht Corvinus fons lat. (1646) 7; das kind ist wund zwischen den beinen von harn Kramer t.-ital. 2 (1702) 1399a: seine füsse yhm gantz wund waren, denn er ynn dem kalten und eyse die nacht nackend und barfus gegangen Luther 18, 238 W.; offne, faule oder wunde zung (des pferdes) Sebiz feldbau (1579) 152; wann das zäpfel (uvula) wund ist Hohberg georg. cur. (1682) 1, 275; mein unmuth ändert nicht die ordnung aller dinge, wenn ich voll ungeduld die wunden hände ringe Uz s. poet. w. 262 lit.-denkm.; seine wunden füsze lieszen in dem schnee blutige spuren zurück Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 8, 130; die augen (des kranken) waren blutig und wund J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 349; der sand glühte unter den wunden füszen, dann stürzten die thiere röchelnd zusammen Droysen gesch. Alexanders d. Gr. (1833) 474; bildlich: er fühlte die stille der ergebung wie balsam und wurde nicht mehr wund vom zerren an unzerreiszbaren ketten P. Dörfler Peter Farde (1929) 406; (er) hatte sie (die zuversicht) mit wunden händen ausgegraben aus den noch glühenden trümmern E. Wiechert missa sine nomine (1950) 551. häufig in enger verbindung mit verben (im part. prät. oft bis zur zusammenschreibung, vgl. u. an alphab. stelle wundge-), die jedoch, abweichend von der unter 1 genannten gruppe, nur einen länger währenden oder sich wiederholenden vorgang bezeichnen können; vgl. sich wundreiten, -gehen, -reiben, -riffeln, -wetzen, -kratzen calterirsi, scalfirsi etc. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1399a: das sich die krancken gar auff vnd wund ligen Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1216; wenn sonst ein pferd auff der reise mit dem sattel wund gedruckt wird Walther pferde- u. viehzucht (1658) 54; wie wund ich meine füsse gelauffen Bucholtz Herkuliskus (1665) 879; von wundgezogenen ochsen viehbüchlein (1667) 15; ich habe mich fürwahr gantz wund gegangen (1696) Chr. Reuter Schlampampe 109 ndr.; stellet sich der hund ... sehr wunderlich an, ... weil sie (die nase) ihm noch zu weich ist, und er sie lieber schonen, als wund suchen will Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 321; die pärs, die ritterschaft, wir alle knieten, rund um seinen thron, uns schier die kniee wund Wieland schr. I 13, 23 akad. (Oberon I 64, 5); Tasso hatte sich wund gegangen, wollte nicht weiter Göthe I 43, 40 W.; ganz von den harten fesseln wund gefeilt Bürger s. w. 163 Bohtz; die ... übermäszig vollgepackten körbe schneiden ihnen beinahe die ... arme wund E. T. A. Hoffmann s. w. 14, 165 Gr.; und wenn wir armen mädchen uns die finger wund nähen sollten Bauernfeld ges. schr. (1871) 4, 93. vielfach in hyperbolischer redeweise: gebete sollen sie für ihn gen himmel senden, und sollen wund sich knien an den altären, bis die erweichten götter sie erhören Schiller 13, 364 G.; wir singen den schlund und die kehlen uns wund Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 188; alle andern (zuschauer) klatschten sich die hände wund (1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 119 Sch.; ich habe vor den heiligen die kniee mir wund gekniet Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 2, 14; und verzehren die sorgen, wir reiben uns die kniee wund im gebete für die heilige kirche Sperl söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 391. im bilde: wer bleibt mir? dieser leib, der sich der jugend schämet, entkräftet vor der zeit, im marke wund gegrämet (1738) Haller ged. 180 Hirzel; das bleibende ist ihnen verhaszt, das alltägliche drückt sie wund Görres ges. schr. (1854) 1, 94. wunde augen, vom weinen, vom angestrengten sehen, ausschauen u. dgl.; oft als dichterische metapher: von thränen wunde augen Klinger neues theater 2 (1790) 19; doch dein (westwind) mildes sanftes wehen kühlt die wunden augenlieder Göthe I 6, 187 W.; das blizende spiel der perlen, das einem die augen bald wund brennt Schiller 3, 43 G.; und dort schaut sich mein armes auge wund Novalis schr. 1, 134 Minor; ich hab mir die augen schon fast wund geweint Fouqué held d. nordens (1810) 1, 184; die augen werden wund und erblinden gar wieder, wenn sie zu früh ins licht sehen Heyse nov. 2, 46; er hat ... die tiefliegenden, charakteristischen, gleichsam wunden weberaugen Gerhart Hauptmann die weber (1892) 95; seine augen, die in schmerzvollem ausschauen wund wurden H. Stehr stundenglas (1936) 10. 33) von gegenständlichem 'beschädigt'; dieser gebrauch ist schon früh fest und dann offenbar nicht mehr als übertragen empfunden worden: das schiff ... was von vil stössen wundt vnnd löchericht worden Carbach Livius (1551) 342b; die taue sind verwirrt, die segel wund und nasz Ramler fabellese (1783) 1, 208; das wunde schiff ward in der eile ... auf offner see nun ausgebessert Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 108; der wunde und ausgeholzte wald strömte starken harzgeruch aus Walter Flex ges. w. (1927) 1, 99. in terminologischer verwendung: wunder boden wird derjenige genannt, der so wenig benarbt oder beschwühlt ist, dasz man ohne weitere vorbereitung holzsamen darauf säen kann, und denselben nur unterzuharken oder unterzueggen braucht, um sein aufkeimen zu bewirken Hartig forstl. convers. lex. (1836) 951; wäre aber ... zu befürchten, dasz das feuer (bei einem waldbrande) durch einen solchen wunden streifen nicht werde können abgehalten werden ders., entw. e. allg. forst- u. jagdordn. 27; ist der platz (zur kieferpflanzung) mit heide, moos oder gras überzogen, so musz er wund geharkt werden, ehe die aussaat geschieht Bechstein forstbotanik (1815) 753. 44) bereits im mittelalterl. deutsch entwickelt sich ein auszerordentlich verbreiteter bildlicher und übertragener gebrauch. er hält sich, zumal in der sprache der poesie, bis zur gegenwart. 4@aa) auf dem gebiete des religiösen ist die vorstellung von der sünde als wunde der seele in der bibel vorgebildet: dem wîsen ist daz allez kunt, daz niemer sêle wirt gesunt, diu mit der sünden swert ist wunt, sin habe von grunde heiles funt Walther v. d. Vogelweide 6, 15 Kraus vgl. dazu: ein jgliche sünde ist, wie ein scharff schwert, vnd verwundet das niemand heilen kan Jesus Sirach 21, 4; sîn wundiu sêle wirt niht heil. kumt er mit rehte niht dâ von, ie grœzer wirt der sünden meil Winsbeke 54, 5 Haupt; daz dritt ist dar umbe got mentsch wart, daz er unser wunden (die wunden der erbsünde) hailti; won wir warent alle sere wund, daz nie mentsch so wol moht getuon, daz es ie ze hymelriche möhti komen vor sim tode St. Georgener pred. 162, 27 Rieder. von der strafenden hand gottes: gott aber wird sie schrecklich schiessen, dasz sie wund werden mit verdriessen (1566) Hans Sachs 18, 255 lit. ver.; dein (gottes) hand ist mir zu schwer, sie schlägt mich kranck und wund Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 245. überleitend zum folgenden: der erste grat der minne heisset eine wunde minne, wan die sele mit der stralen der minne von gotte wirt verwunt Tauler pred. 290 Vetter. 4@bb) bereits dem klassischen schrifttum ist die vorstellung vom minnewunden herzen geläufig. noch ganz bildlich: ouch wart diu vrouwe an im baz gerochen danne ir wære kunt: wan er was tœtlichen wunt. die wunden sluoc der minnen hant Hartmann v. Aue Iwein 1546 Benecke; frowe minne, ich klage iu mêre: rihtet mir und rihtet über mich. der ie streit umb iuwer êre wider unstæte liute, daz was ich. in den dingen bin ich wunt. ir hât mich geschozzen Walther v. d. Vogelweide 40, 31 Kraus; drutz-nachtigal mans nennet, ist wund von süssen pfeil: die lieb esz lieblich brennet, wird nie der wunden heil (1649) Spee trutznachtigall 2 ndr.; was ich leiden müsse, da ich wund von deinem (Amors) pfeile bin Karschin in: br., die neueste litt. betr. 17 (1764) 148. bis in die gegenwart üblich, vor allem in der sprache der dichtung: noch wâren im die sinne von sîner vrouwen minne sô manegen wîs ze verhe wunt Hartmann v. Aue Iwein 7785 Benecke; ach mein vatter, sprach ich zustund, mein hertz ist gegen jhr vast wund Fischart flöhhatz 22 ndr.; wo ist doch meine Rosemund, die mier mein hertz macht wund? Zesen verm. Helikon (1656) 1, 266; und küss ich stirne, bogen, auge, mund, dann bin ich frisch und immer wieder wund Göthe I 6, 54 W.; und wenn ich ferne war von dir, und wund und müd dir wiederkehre; heilst du mich, und singst in ruhe mich, du holde muse! (die geliebte) Hölderlin s. w. 3, 38 Hell.; warum bist du schnell verschwunden, da mein erster blick dich sah; ach, dein herz war meinem wunden, deinem mund mein mund so nah! O. Ludwig ges. schr. 1 (1891) 54 (gedichte). 4@cc) darüber hinaus steht wund seit je vom seelischen schmerz jeder art, von sorge und sehnsucht, von enttäuschung und kränkung. für das persönliche objekt steht häufig, wie schon im voraufgehenden, eine metonymische umschreibung seele, gemüt, gewissen, brust, herz (bes. häufig): dem recken wart in sorgeein teil sîn herze wunt Kudrun 418, 1 Symons; er wart vil tiefer sorgen wunt und inneclicher swære Konrad v. Würzburg herzmære 258; die erdt ir haupt gantz jämerlich hub inn die höch, ir hend deszglich und fürt also ausz wundtem hertzen ir klag inn jammer, grossem schmertzen und sprach: .... Wickram w. 7, 76 lit. ver.; vor trauren sein gemüth war wund Spreng Ilias (1610) 286b; ich schwöre dir, es ist mir ganz unmöglich länger zu leben; meine seele ist so wund, das mir ... das tageslicht wehe tut (10. 11. 1811) H. v. Kleist w. 5, 433 E. Schmidt; wund und ermüdet von den schlägen des schicksals Klinger w. 6 (1815) 22; mit düsternisz umhangen wie oft war dir die wunde brust? Arndt w. 5, 263 R.-M.; ich habe den narren oft gemacht mit wunder brust Strachwitz ged. (1850) 205; wie mit tausend dolchen durchbohrt die bittere täuschung ... (seine) wunde brust E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 162 Gr.; sie war wund vor heimweh und sehnte sich danach, sterben zu können P. Dörfler tör. jungfrau (1930) 43. — ein wundes gewissen coscienza calterita, ferita etc. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1399a; wie ihr gewissen innen wundt, wie nah vielleicht die letzte stund Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch d. reimged. (1647) 203; doch ein gewissen, welches wund, ist auf der welt durch nichts zu heilen Triller poet. betracht. (1750) 1, 72; ungewöhnlich: Imhoffs trauriger, unzufriedener ... charakter, voll wunder gewissensbisse, liesz bald ... schwer tropfen seines bösen humors auf uns fallen, die uns alles vergifteten Knebel an Herder in: br. von u. an Herder 3, 22. 4@dd) jung, aber schon früh festgeworden ist die verbindung wunde stelle, wunder fleck, wunder punkt u. dgl. 4@d@aα) rein sachlich feststellend im sinne von 'schadhaft, fehlerhaft', auch 'gefährdet, kritisch': Spanien ist jetzt ein sehr wunder fleck auf der landcharte (1811) Göthe IV 22, 32 W.; es war ein münzsystem, das ... im alterthum einzig dasteht ... doch hat auch dies seinen wunden fleck Mommsen m. gesch. 2 (1874) 398; nur ein kleiner anstosz ... und diese wunden stellen des reiches fielen widerstandslos der erobernden propaganda in die hände Häusser dt. gesch. (1854) 1, 371; eine eigenhändige denkschrift ..., worin er alle die wunden stellen des heerwesens mit sicherem griffe heraushob, die mittel der heilung richtig angab Treitschke dt. gesch. 1 (31897) 289; der wunde punkt in diesem darstellungssystem ist leicht zu erkennen Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 393. 4@d@bβ) im sinne von 'schmerzhaft, empfindlich, heikel', immer bezogen auf persönliche verletzlichkeit: die wunde stelle seines künstlerstolzes Holtei erz. schr. (1861) 5, 41; (er antwortete) empfindlich berührt durch die erinnerung an seinen wunden fleck Gutzkow ges. w. (1872) 5, 207; man ging ... über diesen wunden punkt schweigend hinweg Treitschke dt. gesch. (1897) 4, 353. bes. in der wendung (an) die (den) wunde(n) stelle (fleck, punkt) (be)rühren: es liegt im karakter dieser briefe, dasz sie manchen wunden fleck berühren und manchen sinn verdrieszen (1831) Varnhagen v. Ense an Pückler in: briefw. u. tageb. (1873) 3, 79; damit ... die wunden stellen ihrer gewissen ... nicht berührt werden E. M. Arndt schr. (1845) 2, 74; da rührst du ... an den wunden fleck Eichendorff s. w. (1864) 2, 359; mein gefühl sagt mir, dasz diese leute doch nicht gern im gespräch wunde stellen berühren (1832) J. Grimm an Dahlmann in: briefw. (1885) 1, 38 Ippel.
19034 Zeichen · 457 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    wundAdj.

    Köbler As. Wörterbuch

    wund , Adj. nhd. wund, verwundet ne. wounded (Adj.) Vw.: s. gi-* Hw.: vgl. ahd. wunt*; anfrk. wund Q.: H (830) E.: germ.…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wund

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    wund , wunde s. wunne.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wund

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wund , adj. & adv. verwundet, an der obern Haut verletzet. 1. Eigentlich, wo es als ein Adverbium am häufigsten ist. Jem…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wund

    Goethe-Wörterbuch

    wund [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    Wund

    Elsässisches Wb. · +10 Parallelbelege

    Wund [Wùin M. ; Wǿn Bisch. ; Wnt K. ; Wùnt Co. Str. Z. ; Pl. –ə] f. Wunde. Rda. Frischi Wuine n sei nd güut heile n M. …

  6. Sprichwörter
    Wund

    Wander (Sprichwörter)

    Wund Was zeit wundt wird, das ficht alle sein tag gern. – Gruter, I, 77; Lehmann, 316, 37 u. 400, 33; Petri, II, 612; Bl…

  7. Spezial
    wund

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wund adj. ferí (-ris, -rida), splaié (-iá, -iada). ▬ der Bub ist wund le möt é splaié (sberié) sö.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wund

1.431 Bildungen · 1.403 Erstglied · 19 Zweitglied · 9 Ableitungen

wund‑ als Erstglied (30 von 1.403)

Wund(e)ral

Idiotikon

Wund(e)ral Band 16, Spalte 629 Wund(e)ral 16,629

Wund(e)rer

Idiotikon

Wund(e)rer Band 16, Spalte 640 Wund(e)rer 16,640

wund(e)reⁿ

Idiotikon

wund(e)reⁿ Band 16, Spalte 630 wund(e)reⁿ 16,630

Wund(e)ri

Idiotikon

Wund(e)ri Band 16, Spalte 640 Wund(e)ri 16,640

wund(e)rig

Idiotikon

wund(e)rig Band 16, Spalte 640 wund(e)rig 16,640

Wund(e)rigi

Idiotikon

Wund(e)rigi Band 16, Spalte 642 Wund(e)rigi 16,642

wund* 1

KöblerAnfrk

wund* 1 , Adj. nhd. wund, verletzt ne. wounded ÜG.: lat. vulneratus MNPsA Hw.: vgl. as. wund*, ahd. wunt* Q.: MNPsA (9. Jh.) E.: germ. *wund…

Wundarzt

SHW

Wund-arzt Band 6, Spalte 667-668

Wundbalsam

SHW

Wund-balsam Band 6, Spalte 667-668

Wundbett

SHW

Wund-bett Band 6, Spalte 667-668

Wundbrand

SHW

Wund-brand Band 6, Spalte 667-668

Wundfieber

SHW

Wund-fieber Band 6, Spalte 669-670

wundig

SHW

wund-ig Band 6, Spalte 669-670

wundjucken

SHW

wund-jucken Band 6, Spalte 669-670

Wundkranz

SHW

Wund-kranz Band 6, Spalte 669-670

Wundkraut

SHW

Wund-kraut Band 6, Spalte 669-670

wundlaufen

SHW

wund-laufen Band 6, Spalte 671-672

wundliegen

SHW

wund-liegen Band 6, Spalte 671-672

Wundmal

SHW

Wund-mal Band 6, Spalte 671-672

Wundpulver

SHW

Wund-pulver Band 6, Spalte 671-672

Wundrand

SHW

Wund-rand Band 6, Spalte 671-672

wundreiben

SHW

wund-reiben Band 6, Spalte 671-672

Wundrose

SHW

Wund-rose Band 6, Spalte 671-672

wundräh

SHW

wund-räh Band 6, Spalte 671-672

Wundsalbe

SHW

Wund-salbe Band 6, Spalte 671-672

wund als Zweitglied (19 von 19)

Bërwund

Idiotikon

Bërwund Band 4, Spalte 322 Bërwund 4,322

dolgwund

KöblerAe

dolg·wund

dolgwund , Adj. nhd. verwundet E.: s. dolg, wund (2) L.: Hall/Meritt 86b, Lehnert 55b

feorhwund

KöblerAe

feorhwund , st. F. (ō) nhd. tödliche Wunde E.: s. feorh, wund (1) L.: Hall/Meritt 116a

fërchwund

Idiotikon

fërchwund Band 16, Spalte 601 fërchwund 16,601

héafodwund

KöblerAe

héafodwund , st. F. (ō) nhd. Kopfwunde ÜG.: lat. emicedo Hw.: vgl. as. hôvidwunda*, afries. hâvedwunde E.: s. héafod, wund (1) L.: Hall/Meri…

meißelwund

DRW

meißel·wund

meißelwund, adj. durch eine Meißelwunde verletzt bdv.: meißelwundig der den andern bluetrißig, doch nit beinschröt, lamm, littich oder maiße…

rewund

DRW

rewund, adj. zu Re (I) tödlich verwundet si autem interiora membra vulneratus fuerit, quod hrevovunt [Cod. B: refvunt] dicunt, cum 12 soldis…

schwund

DWB

sch·wund

schwund , m. in der schriftsprache spät bezeugte ableitung von schwinden ( vgl. oben schwind, m. sp. 2652, auch schwand, m. sp. 2208): ' zus…

Stëge(n)wund

Idiotikon

Stëge(n)wund Band 16, Spalte 599 Stëge(n)wund 16,599

sweordwund

KöblerAe

sweordwund , Adj. nhd. „schwertverwundet“, verwundet durch ein Schwert E.: s. sweord (1), wund (2) L.: Hall/Meritt 331a, Lehnert 199a

todwund

DWB

tod·wund

todwund , adj. , mhd. tôtwunt, zum tode verwundet, vgl. todeswund : ( er wäre ) tôtwunt und in dem strîte erslagen. Trist. 1143 ; verhouwen …

waidwund

RDWB1

waid·wund

waidwund (Lakune) смертельно ранен (тот, у кого повреждены внутренние органы), обычно о животном)

Weidewund

Adelung

weide·wund

Weidewund , adj. & adv. in den Eingeweiden, in dem Unterleibe verwundet, ingleichen einen Bruch habend.

Wärwund

Idiotikon

Wärwund Band 4, Spalte 322 Wärwund 4,322

Ūswund

Idiotikon

Ūswund Band 16, Spalte 599 Ūswund 16,599

Ableitungen von wund (9 von 9)

bewunden

MWB

bewunden Part.-Adj. → bewinden stV. MWB 1 758,59;

entwunden

MNWB

entwunden beschlagnahmt (Ware, die von der Obrigkeit eingezogen , vom Verkauf ausgeschlossen ist).

gewund

DWB

gewund , gewunde s. gewundet.

gewunden

DWB

gewunden II , verstärktes wunden ( s. d. ) in der bedeutung von verwunden ( s. d. ). 1 1) die althochdeutsche zeit ( s. Graff 1, 898 ) läszt…

verwunde

BMZ

verwunde swv. verwunde. er verwundot in ave durch den helm pf. K. 307,1. do enkunde er niht verwunden den Guntheres man Nib. 2243,3. ob die …

verwunden

DWB

verwunden , vb. , vulnerare, sauciare. seit dem 12. jh. bezeugt ( s. u. 1; mhd. wb. 3, 824; Lexer 3, 314 ). mnd. vorwunden, mnl. nl. verwond…

Verwundlich

Campe

Verwundlich , adj . u. adv . verwundet werden könnend; leicht zu verwunden. »Ir weiches Herz war nicht so leicht verwundlich , als es schien…

verwundung

DWB

verwundung , f. , verletzung; wunde. substantivbildung zu verwunden. mnl. verwondinge, nl. verwonding. seit dem 15. jh. literarisch ( s. u. …

wunde

DWB

wunde , f. , ( gewaltsame ) durchtrennung der körperoberfläche, verletzung, vulnus. nicht nur adjektivabstractum zu wund ( s. d. ), sondern …