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vielfaltig

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vielfaltig adj.

Bd. 26, Sp. 180
vielfaltig, vielfältig, adj. im entwickelten nhd. sind umgelautete und nicht umgelautete form zu trennen. letztere wird auf falte bezogen und ist eine typische zusammenbildung (vielfaltiger mantel), vielfältig dagegen wird in diesem sinne nicht gebraucht, sondern bedeutet besonders mehrfaches wiederholtsein, wiederholt, häufig u. ä. dieses vielfältig kann in älterer sprache auch ohne umlaut erscheinen, ist aber keine zusammenbildung von viel und -ig mit dem subst. (oder verbum), sondern eine erweiterung des älteren adj. vielfalt (s. dieses unten), ebenso wie mannigfaltig zu mannigfalt. die adj. einfalt und mannigfalt sind schon altgermanisch, die verbreitung von vielfältig fällt in neuere zeit und steht unter dem einflusz von lat. multiplex. die von Diefenbach benutzten glossare übersetzen multiplex meist noch mit mannigfalt, -faltig. multiplex, vielfeltig gloss. 371a; mit beziehung auf falte: plaga, plagula, ein groszer vielfeltiger schleyer Er. Alberus nov. dict. genus (1540) 35a; vielfaltig, das vil falten hat, von mancherley gestalten unnd weysen, multiplex, varius Maaler 448d; vielfältig, vielfach, mancherley Krämer deutsch-ital. dict. (1678) 1137a; mannigfaltig, vielfaltig, multiplex, multifarius, diversus Stieler 431; vielfälltig, multiplex Steinbach 1, 368; Frisch 2, 400c; vielfältig Adelung; Campe trennt vielfaltig, viele falten habend, werfend, und vielfältig, 'viele mahl genommen'. das wort, das in moderner sprache zurücktritt, kommt meist in attributiver oder adverbialer anwendung vor (vgl. vielfach). 11) in der grundbedeutung ist wesentlich das vielmalige vorhandensein, das vielmalige wiederholtsein. damit verbindet sich aber bald die vorstellung der abwechslung, veränderung bei der wiederholung oder vermehrung. während verschieden in seiner anwendung seine bedeutung ganz verlieren kann (verschiedene male hab' ich gehört), wird bei vielfältig im gebrauch oft grade die verschiedenheit betont, doch braucht eine klare vorstellung überhaupt nicht vorzuliegen. Adelung berücksichtigt diese färbung des sinnes nicht: vielfältig, adj. u. adv., welches mit dem vorigen (vielfach) eigentlich gleich bedeutend ist. vielfältige frucht bringen. am üblichsten ist es figürlich für oftmahlig, häufig. auf vielfältiges bitten. Campe übernimmt diese bestimmungen. doch ist, wie die belege zeigen, der übergang alt, wenn auch in den einzelnen fällen oft die deutlichkeit der vorstellung fehlt. 22) quotuplex, wie vilfeltig Diefenbach gloss. 481c; wie vielfälltig, quotuplex Steinbach 1, 368; vgl. vielfältigen, multiplicare; so besonders das adv. (über dessen gebrauch s. unten): es ist niemand, der ein haus verlesset, oder eltern, oder brüder, oder weib, oder kind, umb des reich gottes willen, der es nicht vielfeltig wider emphahe Luc. 18, 39 (saei ni andnimai managfalþ Wulfila); bat got wolt jm solcher eer vilfeltig vergelten Schaidenraiszer Odyssea (1537) 61b; tragt siebenfältig und mehrfältig, so vielfältig als es eurem eigenthümer nützlich und selig ist Hippel lebensläufe (1778) 2, 618; o vilfaltig selig seind die dasigen kriechen (die vor Troja gefallen sind) Schaidenraiszer Od. 22a; ändlich aber, nahch-däm si ihr versähen vihl-fältig erstattet hatte Zesen adriat. Ros. 14 neudr.; die mitlauter so vielfältig einzuteilen Bellin rechtschreibung 18; das den werth des meinigen vielfältig überstieg Schnabel insel Felsenburg 43, 8 Ullrich; die blüthe ist vielfältig ... zehnzählig (vielmal zu 10 blättern) Oken allg. naturgesch. 3, 3, 1914; s. weiter unter 7. das adj. im gegensatz zu einfach oder bestimmt-mehrfach, zu einmal vorhandenem oder bestimmt-mehrfach vorhandenem; darumb sol got billich und natürlich in der ainikait höher steen uber menschliche natur, die ainig ist im geslächt aber vilfeltig in der zal Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey (1852) 54; unter den fischen haben ettliche vilfaltige, ettliche aber zwifache ohrwangen Heyden Plinius (1565) 348; unnd ein jeglichs simplex, wie dasselbig ist an jhm selbst, das wirdt durch die kunst in vilfeltig wesen gebracht Paracelsus (1616) 1, 257 B; wan gott der allmächtig dich eintzigen menschen duppel unnd vilfältig machen wolte Spee güldenes tugendbuch (1649) 497; das geschlechte der nenwörter ist einfältig, oder vielfaltig ... das vielfältige ist entweder zweyerley, oder allerley Gueintz deutscher sprachlehre entwurf (1641) 34; 33) nach dieser bedeutung nun in allgemeiner anwendung, vielfach, vielmalig, oft wiederholt u. ä. vom echo: unversehnlichem klapff, den mir echo durch vielfältige verdoppelung grausamer machte Simpl. 18 neudruck; die öde stille des groszen hauses gab in vielfältigem echo das gepolter der thüren zurück W. Hauff werke 1, 34 (D N L); attributiv beim singular: sie zu trösten und zu erhalten ym glauben ynn solchem vielfeltigen unfal Luther 23, 503 Weim. ausgabe; auff dise vielfeltige vermanung Catonis, beschlosse der rath, man solt Carthago mit krieg angreiffen Franck chron. Germaniae (1538) 13b; nach vilfeltiger anfechtung chron. v. Kaisheim 115 (lit. ver.); dasz sie seines vielfeltigen abwesens ... halber, manchmal in groszen sorgen stunden Amadis 31 (lit. ver.); mit vielfaltigem sieg wieder dero feinde begnadet Chemnitz schwed. krieg 1 (1648), widm. 6; nachdem ich ... das magnifique wesen zu admiriren vielfältige gelegenheit gehabt Schnabel insel Felsenburg 9 (D L D); sage herrn Ramler, nebst meinem vielfältigen empfehl Lessing 3 17, 230; die vielfältige theilung des geschlechts derer von Schnuck Immermann 1, 52 Boxberger. in besonderer wendung: damen ... als der vielfältige (häufige) gegenstand der gedichte Herder 18, 34 Suphan. prädicativ im sinne von häufig: der stein gattes oder gagates ... ist da vielfeltig Franck weltbuch (1534) 69a; als sie ein groszen unnd vielfaltigen zeug versamlet (δύναμιν πολυτελῆ καὶ βαρείαν) Xylander Polybius (1574) 85; grosze anzahl bezeichnend: vor jrem (der Perser) vilfältigem geschosz undt pfeylen Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 60; auf menge bezogen: die vilfeltig menig weish. 4, 3 (erste bibel, lit. verein, variante); aber zu unserer rechnung ist es nutz, nicht allein diese vielfaltige menge der winden zuzulassen, sondern auch doppel machen Agricola bergwerckbuch (1621) 41; menge, grösze bezeichnend: so folget gerne vielfältiger schnee Hohberg georg. curiosa 3 (1715) 97a; personen, deren würde ... in vielfältiger ruhe und weniger motion besteht Abraham a St. Clara etwas f. alle 2, 69; so wird das fewer nur gwältiger, stercker, grausamer und vilfältiger H. Sachs 16, 442 lit. verein. ihre vielfältige schönheit, güte, barmhertzigkeit, la molta sua bellezza u. s. w. Krämer deutsch.-it. dict. (1678) 1137a. 44) besonders gern beim infin., die vielmalige wiederholung der handlung bezeichnend; dabei ist zu beachten, dasz die handlung auch immer von andern wiederholt werden kann; 'von verschiedenen seiten ausgehend', s. unten. sytmal nieman ist, der uf das vielfältig erfordern meister Ulrichs zun sachen reden will Zwingli deutsche schriften (1828ff.) 1, 125; ich besorg, wenn diser Parmeno jr vilfaltigs schreyen vil hören werd: das er vermerck, das sie geberen wölle (vereor, si clamorem eius hic crebro audiat Hec. 3, 3) Boltz Terenz (1539) 121b; auf sein vielfaltigs flehen und bitten Kirchhof wendunm. 2, 48 lit. verein; durch vielfaltiges widerholen der jenigen lehren Moscherosch insomnis cura parentum 82 neudruck; auf vielfältiges begehren mit kupferstücken geziert Schottel friedenssieg 1 neudruck, er gab durch schreyen und pfeiffen vielfältiges bedeuten Ziegler asiat. Banise 518; der drat ist anfangs ein plumpes wesen, aber durch das vielfältige ziehen wird er subtil Abraham a St. Clara etwas f. alle 1, 360; euer vilfältiges wainen wird euch umb das gesicht bringen Judas (1686ff.) 1, 700; welches ihr endlich der mann auf vielfältiges versprechen, widerfahren liesz Ollapatrida d. Fuchsmundi 332 neudruck: nach vielfältigem anschauen und tasten Immermann 2, 102 Boxberger; starkes, groszes, vieles: das ist durch dein vilfaltig plutverreren gansz abgestelt H. Sachs 22, 86 lit. verein. 55) auf einen plural bezogen kann es besonders im älteren nhd. wie vielfach die grosze anzahl bezeichnen und oft durch adjectivisches viel ersetzt werden: item von den vilfeltigen zügen und reysen, so man von christi geburt anno 1100 bisz disz gegenwertig jar 1540 gehabt hat Franck chron. Germ. (1538) 165a; wie mechtig mancher gewesen, oder wie vilfeltige bundgenossen jm zugesprungen sein Mathesius Sar. (1571) 94b dagegen aber soll man widerum die schöszlinge am ende des monds, so sie anders sollen vielfaltige früchte tragen, beschneiden Sebiz feldbau (1579) 323; wann J. F. G. erweicht wurden durch die vielfältigen schreiben Schweinichen denkwürd. (1878) 151; dasz vielfältige völcker ihre könige für götter verehret, ist gemein Lohenstein Sophonisbe anm. zu vers 366; ihr schreiben von Florenz erhielt ich mit zitternder freude und vielfältigen küssen schriften d. Göthe-Ges. 5, 11; man hat endlich meinen vielfältigen gesuchen, mich in ruhestand zu versetzen, nachgegeben Tieck schriften 17, 258; von wegen vielfaltigen kriegen welche die bäpst durch ihr betriegen erregt nun hatten lange zeit Fischart Eulenspiegel 7989 Hauffen; dagegen in der eigentlichen bedeutung: wegen der vielfältigen wörter, die einen zwiefachen und zweifelhaftigen der rede nach, aber einen richtigen und deutlichen verstand geben, wan sie geschrieben werden Gueintz d. d. rechtschreibung (1666) )( 3a. 66) das adverbium im sinne von vielmal, vielmals (beachte vielfältig mahl, das eigentlich unter 5 aufzuführen wäre, ferner die paarformel oft und vielfältig), häufig wiederholt, oft, in vielen fällen. in neuerer zeit wird vielfach in diesem sinne lieber gebraucht als vielfältig: uber die vilfaltig geschehen warnung von Christo selbst Cronberg schriften 10 neudruck; habe er seine kinder vielfaltig zur einigkeit vermanet Stumpf Schwytzer chron. (1606) 173a; das der herr Christus selbst offt und vielfeltig durch gleichnis und sprichwörter geredet Eyering proverb. copia (1601) 1, vorrede 6a; da man nicht nur auff dasselbige vielfältig gelästert Moscherosch gesichte (1650) 2, 449; wie er sich denn allbereit vielfältig erboten hatte Weise die drei klügsten leute (1675) 5; gleichsam ein schlosz der teutschen keysere, darinn sie vielfältig geruhet Birken der vermehrte donau-strand 29; und kan ichs selbst mit wahrheit bezeigen, dasz mir es vielfältig mahl begegnet ist Schmidt die gestriegelte rockenphilosophie (1706) 1, 21; Logau läszt vielfältig die geschlechtswörter weg Lessing 37, 354; sie empfiehlt sich ihr und dir vielfältig 18, 209; credit, wird vielfältig durch glaube, in manchen fällen durch borg, ansehen ... bestimmter ausgedruckt Kinderling reinigk. d. d. sprache (1795) 125; den schöpfer eines künftigen nationaltheaters, nach dem er so vielfältig hatte seufzen hören Göthe 21, 47 Weim. ausgabe; ungeachtet der vielfältig angebrachten schleusen Forster s. schriften (1843) 1, 70; mit der sie sich am tage wie am abend vielfältig abgab Tieck schriften 4, 254; gott sey vielfältig gelobt, dasz meine liebe frau nicht singen kann Iffland theatr. werke 4, 219; auf ausgezeichnet guten vielfältig ausgebesserten chausséen Grabbe 1, 426 Blumenthal; dasz dieses passagenwerk durchgehends geschmackvoll, interessant und vielfältig sehr ausdrucksvoll ist O. Jahn Mozart 3, 280, anm. 12. im sinne von: in vielen fällen, nach vielen seiten, von vielen seiten her, nach vielen beziehungen; auch kann mehr die verschiedenheit in der mehrfachheit hervorgehoben werden (vgl. unter 7), in verschiedener weise: mich hindern so vil sorg, die mir mein sinn vilfaltig ziehen (tot me inpediunt curae, quae meum animum divorse trahunt Andr. 1, 5) Boltz Terenz (1539) 8b; dasselbig reichlich und vielfaltig wirt mit nutzlichen lehren und vesten beweisungen dargethon Xylander Polybius (1574) vorrede 4a; es auch sonsten vielfaltig bekennet, mit was unterscheide die teutschen allen andern vorgiengen Schottel teutsche haubtsprache 22; und was der gleichen vielfältig zu erinnern wäre Weise politischer redner, vorr. 1; und da man dies (das vergangene) auf so viel art erzählen konnte, und anfangs im bedürfnisz worte zu finden es so vielfältig thun muste: so wurden in allen alten sprachen viel praeterita Herder 5, 85 Suphan; für alles das gute zu danken, was sie meinen kindern während ihres aufenthaltes in Berlin reichlich und vielfältig angedeihen lassen Göthe briefe 32, 222 Weim. ausgabe; dergleichen gefahr kam oft so schnell und vielfältig, dasz die leute selten ihre gewöhnlichen ruhestunden genieszen konnten Forster s. schriften 1, 116; für musik ist hier ungemein viel empfänglichkeit und sie wird vielfältig ausgeübt Göthejahrbuch 12, 84; der graf vom Strahl, uns vielfältig und von guter hand bekannt H. v. Kleist Käthchen 1, 1; ein vielfältig bewegtes gesicht (wohl mit bewusztem anklang an falte) Heine 3, 255 Elster; (kleidung) sehr abgetragen und vielfältig geflickt Ch. v. Schmid ges. schriften 16, 209; so weisz die kunst vielfältig anzubauen der fabel, der geschichte reich gefild Göthe 4, 60 Weim. ausgabe; auch herr Jobs gedachte mit seinem vermögen noch vielfältig zu stiften nutzen und segen Kortum Jobsiade 3, 181; gesteigert: eine textstelle aus der bibel kann von den theologen nicht vielfältiger besprochen, ausgelegt ... werden Pückler briefwechsel u. tageb. 3, 124. 77) ebenso kann natürlich im gebrauch des adjectivums die vorstellung der verschiedenheit, des in abweichender weise auseinandergehenden, mannigfaltigen hervortreten, doch zeigen die belege, dasz hier die übergänge oft unmerklich sind und dasz oft überhaupt kein übergewicht für die eine oder andere seite vorhanden ist. ferner ist zu beachten, dasz in dieser anwendung vielfältig im wettbewerb mit mannigfaltig unterliegt. 7@aa) der sinn von verschieden, andersartig im einzelnen, auseinandergehend in eigenschaften, mannigfaltig tritt bei prädicativer anwendung häufig hervor, doch kann das gewicht auch mehr auf dem gegensatz zu einfach liegen (s. oben 2): gottes würckung erscheint vielfeltig nach gelegenhait unnd verwanndlung des menschen Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey (1852) 263; so vielfältig sind die arten, dir seine ehrerbietung zu bezeigen J. E. Schlegel werke 3, 480; und das macht mir das leben so vielfältig und wandlungsreich Schnitzler Anatol (1901) 82; seint die kinder noch jung und klein, die sorg klein und vilfeltig sein H. Sachs 22, 267 lit. verein. 7@bb) ferner, wenn das adj. gesteigert wird, besonders beim superlativ: je vielfacher die verrichtungen und bestimmung der thiere; je zerstreuter ihre aufmerksamkeit auf mehrere gegenstände, je unstäter ihre lebensart, kurz je gröszer und vielfältiger ihre sphäre ist Herder 5, 23 Suphan; durch die vielfältigsten, sämmtlich miszglückten versuche Fr. Schlegel werke 5, 129; der superlativ im gegensatz zum superlat. von einfach: die einfachste handlung bringt oft den vielfältigsten segen Pückler briefwechsel u. tageb. 1, 127. 7@cc) bezogen auf art, weise, beschaffenheit: wie dann im Grobiano vilfeltiger weisz begryffen Lindener schwankbücher 54 lit. verein; ahrten der gedichte, so von vielfältiger beschaffenheit der sachen her-rühren Zesen verm. Helicon (1656) 1, 13; ich musz an das vergangene, und in Dresden auf so vielfältige art erhaltene gute zurückdenken Gottschedin briefe 1, 276; sich fremde ideen zuzueignen ... und seine eigenen auf vielfältige weise umzudrehen Göthe 45, 204 Weim.; desgleichen auff vielfeltig arth den gesten fürgetragen ward uberaus sehr köstlicher wein Thym Thedel v. Walmoden 1427 neudruck. 7@dd) als attribut bei sinnlichen gegenständen und personen: der auserlesenen vilfaltigen blumen Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 903; wegen der zarten rinden, in welche die vielfältige striche und buchstaben leichtlich konten eingeschnitten werden Harsdörffer teutsche secretarius 1, a 6b; in betrachtung vielfältiger narren Weise erznarren 8 neudruck; (im bilde:) in der seele liegt die zukunft in vielfältigen knospen B. v. Arnim die Günderode 1, 46; wer preis't genug des mannes kluge hand, wenn er aus draht elast'sche federn wand, vielfält'ge pappen auf die lättchen schlug Göthe 16, 136 Weim.; vielfält'ger nelken, eitler tulpen pracht 139. zusammensetzung aus vielen, verschiedenartigen theilen: die silberweiszen schindeldächer des vielfältigen gebäudes leuchten weit hinaus in die gegend Rosegger schriften (1895ff.) 12, 149; mannigfaltigkeit: solte ich nu sein so artliches und vielfeltiges gedicht (die dichtung des H. Sachs im ganzen), deszgleichen ihm keiner nachdichten wird, verwerffen Puschman gründlicher bericht 24 neudruck; uneinigkeit der meinung: damit wöllen wir ein andere und gwissere rechnung von den lxx wochen bestättigen, und der andern vilfeltigen köpff verlegen, dann schier niendert die rabbi und theologen so uneins seind, als in diser rechnung Franck chronica 83a (1531). In besonderer anwendung im gegensatz zu einfältig: die scheinbar einfältigen hatten in sich einen geistigen entwickelungsprozesz durchgemacht, worauf sie ... jene abgerichteten schwätzer und vielfältigen überholten Holtei erz. schriften 14, 67. 7@ee) vielfältig als attribut zu unsinnlichem tretend, mannigfaltigkeit, verschiedenheit von eigenschaften, beziehungen, wirkungen, verhältnissen u. s. w. bezeichnend, doch oft in naher berührung mit der oben unter 3 bis 5 belegten gebrauchsweise: vilfaltige grosze ergötzlichkeyt Sebiz feldbau (1579) 135; die schönheit und vielfältige krafft des bernsteins Micrälius altes Pommerland (1640) buch 1, 4; (er könnte) ausz vielfältiger erfahrung viel gute erinnerung thun Schupp schriften 10; nach vielfältiger betrachtung meiner körperlichen und geistigen zustände Göthe briefe 23, 313 Weim. ausgabe; (wir) kamen bei so vielfältigem aufenthalt (aufenthalt so verschiedener art) ziemlich spät an bord Forster s. schriften 2, 248; im anblick der vielfältigen verkehrtheit Görres briefe (1858ff.) 3, 108; das erste capitel ... bedarf vor allen vielfältiger berichtigung und erweiterung J. Grimm deutsche gramm. 2, V (1826); als es nur immer im langen und vielfältigen menschenleben vorkommen kann G. Keller ges. werke 1, 148; derhalb glaub du einfaltig der heyligen geschrifft! so endtrinst du dem gifft vielfaltiger verwirrung, rotten, secten und irrung H. Sachs 1, 342 lit. verein; wo guter wille, kräftig durch verstand und thätigkeit, vielfältige, zur hand Göthe 15, 14 Weim.; dasz nach des tages vielfält'gem braus .... mir diese trauliche eröffnung wird Immermann 16, 279 Boxberger. 7@ff) ebenso beim plural, vgl. oben unter 5, oft in dem abgeblaszten sinn von verschieden, aber in andern fällen mit stärkerer oder geringerer betonung der verschiedenheit: in solchen seinen vilfeltigen gedancken Wickram 1, 11 lit. verein; so vielfaltige wörter, gebräuche und sitten Schottel hauptsprache 54; ich zweifle nicht, dasz sie bey ihren langen und vielfältigen studien der arbeit gewachsen sind Göthe briefe 15, 151 Weim. ausgabe; kaum erwehre ich mich gegen vielfältige anlässe, die mich abziehen wollen von den nothwendigsten schritten 41, 120; Schelling mit uns, wir alle jung und aufstrebend, Novalis-Hardenberg ... diese geister und ihre vielfältigen plane Tieck schriften 5, vorwort; auf der andern seite des flusses führt ein sehr angenehmer fuszweg mit vielfältigen aussichten ... nach der groszen Rheinbrücke zurück Pückler briefwechsel u. tageb. (1873) 2, 109; der sieg der oligarchie durch waffengewalt hatte ... vielfältige miszvergnügte gemacht Mommsen m. gesch. 2, 304 (2. aufl.); schon seine vielfältigen berufsgeschäfte nahmen seine volle thätigkeit in anspruch Keller ges. werke 1, 26; mancherley wolthat, die gott aus gnad verliehen hat mit seinen vilfeltigen gaben H. Sachs 18, 187 lit. verein.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vielfaltigadj, adv

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Vielfaltig , adj . u. adv . viele Falten habend, werfend. Ein vielfaltiges Gewand. Davon d. — keit .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vielfaltig

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Ableitung von vielfaltig

vielfalt + -ig

vielfaltig leitet sich vom Lemma vielfalt ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von vielfaltig 2 Komponenten

viel+faltig

vielfaltig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vielfaltig‑ als Erstglied (1 von 1)

vielfaltigkeit

DWB

vielfaltig·keit

vielfaltigkeit , f. , zum zweiten adj.: der einen thorheit zeigt sich in der vielfaltigkeit ... der andern in faltenloser flachheit Lavater …