schlemmen,
verb. 11)
prassen, schwelgen. das inlautende mm,
assimiliert aus mp (
vgl.slem, slemp,
comessatio Kilian)
weist auf md.-nd. ursprung der wortform hin, die der wortgruppe schlamp, schlamm, schlampen
zugehört, vgl. besonders unter schlamm
sp. 428, schlamp
sp. 434.
das mit schlemmen
häufig verbundene demmen (
theil 2,
sp. 709)
zeigt im inlaut die gleiche assimilierung; neben ihm steht dämpfen, dempfen
sp. 717. Zarncke
zum narrenschiff 16, 60,
vergl. auch dampf 6
a. a. o. sp. 715. slempen, slemmen,
comessari Kilian; schlemmen, prassen,
popinare, graecari, crapulari Dasypod.; schlemmen, im dampff ligen, prassen. Maaler 356
a; demmen, dempffen, schlemmen, im luder liegen, fressen. Henisch 673, 28; schlemmen,
popinari, comessari, nepotari Schottel 1401; schlemmen und demmen,
diem noctemque potando continuare Stieler 1827; tag und nacht schlemmen. Steinbach 2, 441. Frisch 2, 196
c;
bei Adelung
in der schreibung schlämmen;
nd. slomen, slommen Schiller-Lübben 4, 247
a, slmen Danneil 196
a (
dieses o
ist aus e
entstanden, s. Lübben
mnd. gr. 23).
in älterer hochdeutscher sprache tritt vor t
der endung, wie oft im gleichen falle nach m,
ein p
auf. gewöhnlich wird schlemmen
ohne object gebraucht: sey nicht ein brasser, und gewehne dich nicht zum schlemmen.
Sirach 18, 32; wie jr brauch ist, fiengen sy dapffer an zuoschlemmen. Wickram
rollwagenb. 121, 2;
ausdeutend: solch schlemmen, da einer durch den bauch gehen lesset, wie durch einen durchlasz oder schlam graben, verschlemmet alles und verschleimet seele, leib und magen. Mathesius
Syrach (1586) 1, 116
a; diese knecht haben in der stadt gelegen und geschlemmet. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 146; er schlemmet weidlich, kleidet sich mit seinem weib auch stadtlich. 230; nimme hin isse, und schlemme nur dapffer, du hast eine bessere malzeit als der bapst.
Lazarillo de Tormes 53 (1617); ich will seiner frau ... anzeigen, dasz er bei mir schlemmt. Hebbel (1891) 9, 54; ich wil mein guot verprassen mit schlemmen fruo und spat. Uhland
volksl.2 449 (
no. 213); mir wird nicht mer zu diser frist denn schlemmen umb und
an. 450; lasz schlemmen mich und auch den man. H. Sachs 14, 119, 10
Keller-Götze; man tregt mir tranck und speise zu und lest mich schlemmen wie ein schwein. Rollenhagen
froschm. (1595) E 3
b.
wendungen mit präpositionen: in Rheinwein und austern schlemmen; denn auf fremd und geborget gut schlemmen und wolleben, das ist diebstal und rauberei. Mathesius
Syr. (1586) 1, 89
b.
mit angabe des objects im accusativ: mein iuncker hat ein al in dem fischtrog lauffen, wöllen ir mir helffen, so wöllen wir in schlemmen. Pauli
schimpf u. ernst 19
Österley; da er einen behodeten esel sah seins gleichen munds disteln schlemmen. Fischart
Garg. 156
b; ich aber schlemt ein schweinen braten. H. Sachs 5 (1579), 358
a; das die Deutschen wie lewen sein, und zwar mit gewalt brechen ein, aber wenn sie gnug zu schlemmen haben, sicher werden, und faule knaben. Rollenhagen
froschm. (1595) Ss 3
b.
gern wird schlemmen
in reimender formel mit demmen
zusammengestellt, vergl. oben theil 2,
sp. 709
unter dämmen
und auszer den dort angeführten stellen noch: schelten nun uns als die nichts künnen, zue nichte guet sein dan zue rasln und prasln, saufen und trinken, schlemmen und demmen, haiszen uns die groben unsinnigen trunken vollen Teutschen, alweg vol und selten lär. Aventinus
b. chron. 1, 116, 29; das seynd die bischoff, die yres ordenlichen ampts vergessen, sint worden animalia ventris, und sprechen: kommet und last uns schlemmen und temmen. Luther 9, 507, 7
Weim ausg.; dann wöllen wir schlemmen und demmen dasz es rauchen musz. Schade
sat. u. pasqu. 3, 109, 12; still ligen, schlemmen und demmen. 32; spilen, schlemmen und temmen. Wickram
rollwagenbuch 76, 9
Kurz; ewr freuntschafft ist schlemmen und temen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 40, 79
neudruck. oder es wird sonst mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: se mogen slomen unde brassen, de dat gelt hebben in der kisten.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 247
b; las mich nicht in schlemmen und unkeuscheit geraten.
Sir. 23, 6; auff das ein mönsch sollichen frasz, prassen, und schlemmen, in gewonheit bring. Keisersberg
hellisch löw c 3
a; hat .. hin und wider in den dorffern mit seinen gesellen geschlempt und gezecht. Pauli
schimpf u. ernst 112
b; da fieng der son allererst an zu schlemmen und spielen. 139
a; alda fräszen und trünken si, sauften und slempten. Aventinus
bair. chron. 1, 812, 2; so müszte er die nacht zu dem tag wachen, schlemmen und zehren. Kirchhof
wendunm. 1, 556
Österley; so schlemmen wir, und tabernyeren frömde prasser, wir mit uns heym füren. Brant
narrensch. 81, 17; so fyndt man by jn schlemmen und brassen. 95, 16; das sie auch wöllen werden reich, schlemmen und faul sein dir geleich. H. Sachs
fastn. sp. 1, 28, 226
neudruck; von spihlen, schlemmen, stechen, schlagen. Weckherlin (1648) 416; einem riesen halt' ich stand, wann ich zech' und schlemme. Bürger 50
b; nun soll'n die wissenschaften auch getrieben werden endlich. immer schlingen, schlucken, schlemmen ist, bei gott dem herrn, fast viehisch. Immermann 12, 59
Boxberger. vgl. Schöpf 620.
übertragen: ein unheiliges schlemmen und prassen in gefühlen. J. Paul
Titan 2, 133. 22) schlemmen
für schlämmen (
sp. 431) Jacobsson 3, 622
a; einen teich, flusz, graben schlemmen,
ihn von schlamm reinigen Campe: das sich die aschen durch das sieblein in ein schaff oder fäszlein schlembt. Erkner
beschreib. der erzt (1580) 9
b; wenn auch der strom rollender jahrhunderte je vermögen sollte, eine barbarei über Europa zu schlemmen. Stolberg 7, 315; fruchtbares erdreich ward in ruhigern epochen darüber geschlemmt. Göthe 27, 52; indem das wasser alles durch einander schlemmte. 142; herüber schlemmt er (
der flusz), es ist ein brey. 3, 185.
nd. slemmen
in gleicher bedeutung ten Doornkaat Koolman 3, 195
a.