saufen,
verb. sorbere, potare, mergi. II.
Form und verwandtschaft. mhd. sûfen,
ahd. sûfan Graff 6, 170,
altn. sûpa,
schwed. supa,
dän. söbe,
ags. sûpan,
mnd. supen,
holl. zuipen,
engl. to sup;
im goth., altsächs. und altfries. ist das wort unbezeugt, zu dessen wurzel in den nichtgermanischen sprachen verwandtes sich nicht findet (Kluge 291).
das mhd. prät. souf
noch in nhd. zeit: nun forcht sich der herr gar übell, drumb souff er sich alle tag voll. Th. Platter 71
Boos; do souff er den noch mer.
ebenda. unter anlehnung an den plur. prät. im mhd. suffen
finden sich noch im nhd. präteritale und participialformen mit u.
bair. neben sauffet
und gesoffen suff
und gesuffen Schm. 2, 230.
tirol. neben sauffet suff Schöpf 583, suff Seiler 284: suffe sich auch einmal so gar voll ein, das man sie auf einem karren muost haym füren. Lindener
Katzipori 77
Lichtenstein; ich kan nicht ohn gesuffen bleibn. Ayrer 2649, 31
Keller; ich süff ietz das meer ausz.
Garg. 94
b.
scherzhaft noch in der studentensprache: ein kerl wie sammt und seide, nur schade, dasz er suff (: schuf).
Leipziger commersbuch 162.
das verb. zeigt in seinen formen mehrfach besonderes. I@11)
schwaches prät., bair. sauffet (
neben suff) Schm. 2, 230,
ebenso tirol. Schöpf 583: warn drei brüeder ... fraszen und sauften. Aventin.
chron. 1, 292, 21; wiewol der maist tail ... sauften. 2, 14, 32; ich saufte brüderschaft mit ihm. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel. I@22)
in der 2.
und 3.
person sing. präs. fehlt der umlaut im oberdeutschen: du saufst, er sauft Adelung; du saufest, er saufet,
vulgo du säufst, er säuft Frisch 2, 151
b; der mensch, der .. unrecht saufet wie wasser.
Zür. bibel (1530)
Hiob 15, 16; und mancher setzt sich selber drein (
in den gasthof zum kreuz), und sauft darin liqueur und wein. Hebel 1, 297. I@33)
der imper. häufig saufe: sauf oder saufe Adelung; misch daʒ alleʒ zesamen und soufe daʒ siben tage. Pfeiffer
arzneib. 2, 16
d; so sauffe du nu auch, das du daumelst.
Habakuk 3, 16.
prät. soffe (
vergl. gramm. 1, 907
neudruck)
bei Frisch 2, 151,
s. oben (
Katzipori)
und II, 2,
a, β sp. 1881
oben. die alemannische form sûffen
in schriftlichen denkmälern: warumb bult er? warum sufft er?
Terentius dram. (1499) 97
a adelph.; wie wir zuo trincken einander nötten und mit suffen selber tödten. Murner
schelmenz. 63, 1
neudruck. IIII.
Bedeutung. II@11) saufen
heiszt im ahd. und mhd. zunächst schlürfen, trinken, ohne einen unedlen nebenbegriff; diese bedeutung [] hat sich nur vereinzelt in die nhd. periode hinübergerettet. in ahd. glossen wird sûfan
gleichgesetzt hausisse, bibere, sorbere, sorbillare. Graff 6, 170.
dieselbe bedeutung bleibt im mhd. (
wb. 2, 2, 720), Lexer
handwb. 2, 1289. Dief.
gloss. 543
a;
noch jetzt wird das engl. to sup
und dän. söbe
in diesem sinne angewandt. II@1@aa)
unter saufen
ist zu verstehen ein schlürfen, trinken, bei dem die flüssigkeit direct mit dem munde aufgenommen wird: unde durftigir souf ih den guoten keist (
adtraxi spiritum),
ich schlürfte, zog den geist ein, gleichsam wie eine flüssigkeit. Notker 3, 278; swenne den wîben ir siehtuomes niht chümt, sô nemen si des gîrs hirne unde souphen eʒ in warmen wîne.
arzneib. 2, 16
d Pfeiffer; misch daʒ alleʒ zesamen und soufe daʒ siben tage gegen einem halben trinchen. 18
a; ir einguʒ sterkt der unkäusch gelider, wenn man si nüehtarn säuft und trinkt. Megenberg 389, 34; die wurzel ist auch für der lenden smerzen guot, oder wer der wurzeln pulver in ainem waichen ai in sich säuft, daʒ ist auch dâ für guot. 421, 4; so sol man den saft saufen, so speit man die kröten aus dem leibe. Ortolff v. Baierland (1477) 30
b; wer auch vergifft getruncken hat, der sol einer eselein milch drei stund saufen, als der mon zunympt. 31
a; im trincken so lappet und saufft der bär nit wie ein ander thier, sonder .. beyszt er in das wasser. Forer (
Zürich 1583) 15
b; nû briuwe hie, und sûf dort in der helle sak.
minnes. 3, 91
a Hagen; mit schüʒʒeln sûfen niemen zimt, swie des unfuore maneger lobe, der si frevellîchen nimt und in sich giuʒet als er tobe.
Tanhausers hofzucht bei Haupt 7, 175, 25; sîn eigen bluot dâ sûfen begunde manger ûf dem wal. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 373
a; dar nach so mach sich ieder man auf und leg sein härnäsch an und segen sich, er sauff ein äy, dreu ald viereu oder zway mit einem glass von guotem wein. Wittenweiler
ring 49
b II@1@bb) saufen,
schlürfen, trinken, wobei die flüssigkeit (
suppe)
mittels eines löffels aus einem gefäsz geschöpft und zum munde geführt wird, eine art des trinkens, schlürfens, für die wir die bezeichnung '
essen'
gebrauchen: nieman selbander sûfen sol mit éinem leffel, daʒ stêt wol.
Tanhausers hofzucht bei Haupt 7, 175, 23.
diese bedeutung von saufen
hat sich noch im Berner ober- und unterland in der sprache der hirten erhalten, in der das wort geradezu dem trinken, d. h. dem zusichnehmen einer flüssigkeit ohne löffel und dem trinken der thiere entgegengesetzt ist und '
mit dem löffel schöpfen'
heiszt: d' milch isch noh z' heisz zum trihe, mier weisi suuffe (
die milch ist zum trinken noch zu warm, wir wollen sie mit dem löffel schöpfen). Stalder 2, 304; noch unterscheidet der Berner oberländer das förmliche trinken vom bloszen sauffen (sufen), welches aus dem löffel statt hat. seine kuh tríhht, trêihht (
trinkt), er selbst sûft (
iszt) seine milch, schotten, suppe
etc. mit dem löffel. Schm. 2, 230.
vergl. die altbair. ausdrücke der zuesauf
und das zuesaufen,
welche flüssigkeiten (
milch, brühe, suppe)
bezeichnen, welche auch mit dem löffel gegessen werden können. Schm. 2, 230,
vgl. auch Vilmar 338. 380
und die von saufen
abgeleiteten substantiva. auch das schwed. supa
hat neben anderen bedeutungen die des essens mit dem löffel. das part. act. steht in passivem sinne: eʒ sint auch läut, die sô klain münd habent, daʒ si neur mit aim klainen halm saufendʒ dinch in sich zihent. Megenberg 490, 10. II@22) saufen,
gierig und unmäszig oder in unschicklicher weise eine flüssigkeit aufnehmen; wann und wo diese bedeutung zuerst aufgekommen, ist nicht näher zu bestimmen. bei Luther
ist saufen
schon durchaus ein starker ausdruck. nachdem saufen
die bedeutung einer art des trinkens erlangt hatte, wie sie sich für den menschen nicht geziemt, fand dieses wort allmählich anwendung zur bezeichnung des trinkens der thiere; doch erst in den letzten jahrhunderten ist dieser gebrauch des wortes in der allgemeinen sprache aufgekommen. Luther
sagt von den thieren in ruhigem stile trinken.
auch Forers
thierbuch gebraucht bei weitem häufiger von den thieren trinken
als saufen.
wir sagen jetzt in der gewöhnlichen redeweise von den thieren saufen, trinken
nur noch im hohen stile oder auch angewandt auf kleine [] thierische wesen, für die wir das gröbere wort zu gebrauchen nicht angemessen finden. II@2@aa)
in bezug auf den menschen gebraucht, besonders vom reichlichen genusz geistiger getränke, heute meist in burschikoser und in niedriger sprache. häufig bedient man sich hier des derberen ausdrucks saufen
auch dann, wenn kein unschickliches oder unmäsziges trinken bezeichnet werden soll. II@2@a@aα)
absolut: wenn ich ein irregeist were, und ein lügenprediger, und predigete, wie sie sauffen und schwelgen, solten, das were ein prediger fur dis volck.
Micha 2, 11; ich zech wol, sauff weydlich. Alb.
dict. 5
b; als aber die Saxen- und Hessenkerle mueszen saufen oder doch das vil jar im prauch haben gehapt.
Zimm. chron. 1, 27, 33; allein sauffen ist viehisch.
Garg. 96
a; was soll ein mann, der nit all tag sauffen kan. 87
b; der (
Faust) ... viel seltzamer abenthewr und grewliche schandt und laster getrieben, mit fressen, sauffen, hurerey und aller uppigkeit.
Faustbuch 9
neudruck; das kayser Tiberius so starck gesoffen, das haben die Römer seiner versoffenen amme zugeschrieben, welche den kannen gern den boden besehen. Schuppius
schriften 478; is dos nit a greul, dasz ma dirs sauffen so gor nit o gwena kon?
Simpl. 2, 296, 6
Kurz; er frist nicht, er säuft nicht, er schläfft nicht, wenn er euch einen tag nicht gesehen hat. Schoch 24, 25
Fabricius; wir wissen gar wol, was ihr für gesellen seyd, ihr thut nichts allhier, als dasz ihr fresset und sauffet. 88, 21; dasz zuweilen die herren musicanten ein stimm haben, wie die hirten, wann sie durch ein kühhorn blasen, ist kein so groszes wunder, dann sie durch das übermäszige saufen, durch den öfteren cantharum, ein catharrum bekommen. Abr. a S. Clara
etwas f. alle 157; die freude, das lachen, das kurtisiren, das saufen sind seine pflichten. Lessing 1, 413; es gibt eine art wein zu trinken, die sich zu der gewöhnlichen niedrigen, die der Deutsche mit saufen bezeichnet, eben so verhält, als wie die platonische liebe zu der thierischen. Lichtenberg (1844) 3, 34; sauf, bruder, sauf. Schiller
räuber 1, 2
schausp. verstärkt durch zu: sauf zu, hauptmann — hier ist wasser genug, und frisch wie eis. 3, 2; dann wer wol fressen und sauffen kan, den preist man vor ein helden.
bergreihen 77, 16
neudruck; wenn es kumpt gegen der herbest zeit, so heben sich viel der kirmessen, so hebt sich denn ein groszes mage füllen, ein sauffen und ein fressen. 92, 29; der apt der sprach 'wir brüder wollen tollen, wir wollen sauffen zu halben und zu vollen'. 68, 4; vollsauffen ist die gröste ehr. wenn jetzt die leut zusammen kommn, so wird das sauffen vorgenommn. Ringwald
laut. wahrh. 67; sih also ist an allem ordn das sauffen ein gewonheit wordn, das man es auch im hertzen still, für keine sünd mehr halten wil. 68; worzu dient dann der wein? der gläserkrieg? das sauffen? Opitz 2, 30; bleybt beym sauffen! bleybt beim sauffen! saufft jhr Deutschen jmmer hin! nur die mode, nur die mode, last zu allen teuffeln ziehn. Logau 3, 256, 220; zur thür hinaus wer sich entzweyt! mit offner brust singt runda, sauft und schreit. Göthe 12, 103. in floribus saufen,
besondere studentische art des trinkens: da sitzen eben diese vier kavallier und saufen einander rechtschaffen auf die haut .. der dritte stehet auf dem tische und säuft in floribus. Rist
friedew. Teutschl. 111; da trunken sie carlemorlepuff, da soffen sie flores. Weise
erzn. 150
neudruck. ohne jeden zusatz hat saufen
oft die bedeutung des gewohnheitsmäszigen: warumb bult er (
der jüngling)? warumb sufft er?
Terentius (1499) 97
a; er ist ein taugenichts, der voller thorheit steckt, spielt, säuft und taback raucht und tolle streiche heckt. Göthe 7, 41.
zu saufen
werden öfter vergleiche gesetzt, die eine besonders entwickelte ausübung dieser thätigkeit oder eine besonders hohe leistungsfähigkeit bezeichnen sollen. diese vergleiche werden hergenommen von der gesellschaft: ich lernte mit fleisz fluchen wie ein anderer soldat, und daneben sauffen wie ein bürstenbinder.
Simpl. 3, 16, 12
Kurz; du sauffst dann as wei a berstenbinder. 2, 296, 8; er suft wie ne bürstebinder. Seiler 284
b.
vergl. auch: das sprichwort ist schon 3 meil hinder Babylon bekannt; er saufft wie ein bürstenbinder. Abr. a S. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 926; ich sauff wie ein thumherr, ich
[] wie ein tempelherr, unnd ich tamquam sponsus. ich tamquam terra sine aqua.
Garg. 100
b.
vom thierreich: ich sahe einmal, dasz die gäste die trachten fraszen wie die säue, darauf soffen wie die kühe, sich dabey stelleten wie die esel, und alle endlich kotzten wie die gerberhunde.
Simpl. 1, 101, 17
Kurz; schles. saufen wie ein zugochse. Weinhold 80;
westfäl. supen as en hürperd, as en dorposse. Woeste 263;
in Basel er suft wie nes chüeli, wie nes chalb. Seiler 284
b; der tölpel seufft auch wie ein kuh. wird bald widrumb werden zum schwein, und legen sich in dreck hinein. Hollonius
somnium 52
neudruck. vergl. die ausdrücke kuhschluck, kuhsuff, kuhzug
theil 5, 2582. 2583. 2584.
auch saufen wie ein igel,
vgl. dazu igel 2,
th. 4
2, 2044.
die vergleiche auch von sachen hergenommen: saufen wie ein loch; so 'ne musikantenkehle die sauft als wie ein loch. Geibel
lied '
ein lustiger musikante'. II@2@a@bβ) saufen
mit angabe dessen, was gesoffen wird, der flüssigkeiten (
wein, wasser, blut u. a. m.),
sodann mit angabe des gefäszes (
fasz, flasche, glas, tasse u. a.),
dessen inhalt geleert wird: weh denen, so helden sind wein zu sauffen, und krieger in fullerey.
Jes. 5, 22; etlich fallen zuo der erschlagnen leib nider, sauffen das warm bluot der erschlagnen in sich. Franck
weltb. 96
b; bey Puteolis wöllen wir den guten falernischen wein sauffen.
Garg. 221
b; mein schwester ist ein bierfasz, sauff jhr die heffen aus dem arsz. 94
a; möcht des teufels werden! säufst einem den wein und thust einen noch dazu quälen.
F. Müller 1, 167; er hat bey einem dutzend flaschen auf seines meisters rechnung gesoffen. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 1, 54 (1830); hört er's, dasz er mir in der stadt nicht sagt, hab' mit ihm chocolade gesoffen. 2, 46; willst du dein leben im tiefsten meiner thürme vollends ausschmachten, wo der hunger dich zwingen wird, deine eigene knochen abzunagen, und der brennende durst, dein eigenes wasser wieder zu saufen. Schiller
räuber 4, 2
schausp.; der weinschlauch und der leer das glass, ein ieder seüfft ein eymrichs vas, wie kan er dann nüchtern bleyben?
bergreihen 78, 9
neudruck; ich kann nicht fröhlich sein, zu theuer ist der wein. musz ich denn wasser saufen, so schlafe ich gleich ein.
des knaben wunderhorn 1, 487
Boxberger; süsze ruh! ich kann verschnaufen hier im Orkus unterdessen! punsch mit lethe will ich saufen, um die gattin zu vergessen. H. Heine 1, 289
Elster; Birch-Pfeiffer söffe terpentin, wie einst die römischen damen, — (man sagt, dasz sie dadurch den urin besonders wohlriechend bekamen). 2, 453. saufen
auch mit angabe dessen, was in einer flüssigkeit getrunken wird: Fiesko. die pulver?
mohr. soll ich eurer frau in der schokolade zu saufen geben. Schiller
Fiesko 3, 4.
bildlich: dasz ichs in jedem glas wein zu saufen — in jeder suppe zu fressen kriege: du bist der spizbube.
kabale 1, 2. blut saufen
auch in der bedeutung '
blutige thaten verrichten' (
vgl. den ausdruck blutdürstig): blut saufst du wie wasser, menschen wägen auf deinem mörderischen dolch keine luftblase auf. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; blut, blut! ... blut mus ich saufen. 5, 2. tabak saufen,
starker ausdruck für das veraltete und nur noch landschaftlich erhaltene (Schmeller 1, 667) tabak trinken,
jetzt tabak rauchen: viel bey den armeen werden sterben, welche weder schnecken, oder frösche, oder schildkröten gefressen, sondern nur toback gesoffen, welchen die soldaten für ein solch gesundes werck halten, dasz sie vermeinen, wenn Methusala hätte toback getruncken, er lebete noch bisz auff diese heutige stunde! aber der feldmarschalck Schmalhans werde solcher armen tobacksäuffer viel darnider machen. Schuppius 577; da findet man sie (
die marodebrüder) hauffenweis beyeinander ... taback zu sauffen und zu faullentzen.
Simpl. 1, 406, 27
Kurz; Hans Kopp in Braggingen hält unordentlich haus, sauft thapak, fängt händel an und schlägt seine frau.
quelle vom j. 1662
bei Tiedemann
gesch. d. tabaks 167; sie müssen all voll teuffel seyn, oft sitzen da, sauffen taback. Philander 1, 654; weidlich fluchen, balgen, raufen und taback mit haufen saufen ist soldaten proprium. Keil
stud. lieder des 17. u. 18. jahrh. 141; bier, toback und branntewein müssen da gesoffen sein. 76.
[] saufen,
bildlich: nicht der da wein sauffe, sondern ... gleich wie der tod, rafft, seufft, und verschlingt alle leute. Luther 3, 244
b.
ferner, ebenfalls im bild, vom aufnehmen eines gefühls in sich: indem ich solcher massen den vorwitz meiner augen contentiert, soffe ich mit den stärcksten zügen gantz unvermerckt das süsze gifft der liebe.
Simpl. 4, 93, 2
Kurz; denn hatte ich in mich der liebe gifft gesoffen, dasz ich von geilheit voll, von wollust trunken sei.
polit. stockf. 103.
in der übersetzung Luthers
von Hiob 15, 16: ein mensch, der .. unrecht seufft wie wasser
ist ein uns nicht geläufiges bild herübergenommen (
vgl. Hiob 21, 20. 34, 7
u. a. m.). II@2@a@gγ)
mit angabe der wirkung, sich voll saufen: ein erbeiter, der sich gern vol seufft, der wird nicht reich.
Sirach 19, 1; sauffet euch nicht vol weins, daraus ein unordig wesen folget.
Ephes. 5, 18; denn du weiszest, das alle welt von dir weis, wie du deine löbliche fürstin heltest ... als ein unsinniger wütiger tyrann, der sich nicht voll weins, sondern vol teufel gefressen und gesoffen habe. Luther 7, 424
b; der phaff hat sich die ander nacht so voll wein zu den cartheusern gesoffen, dasz er gespeyet, gekotzt.
gartenges. 105
a; wer sich nicht vollsauffen darff, hat entweder ein bösz stück gethan, oder wils begehn.
Garg. 101
a; sauff dich voll und leg dich nider, steh frü auff, und füll dich wider. 95
b; es sind ein tisch voll penäle aus der stadt auch hauszen, haben sich auch vollgesoffen. Schoch
studentenl. 93, 29
Fabricius; die schlimmen Türcken, weistu wol, im bier noch wein sich sauffen vol. Ringwald
laut. wahrh. (1597) 60; saufst du dich dapffer voll, so schwindt dir dein verstand. Rompler 213. voll saufen,
ohne reflex.: kompt her, lasset uns wein holen und vol sauffen.
Jes. 56, 11; wie viele tausende, die voll gesoffen haben vom becher der wollust, sind durch leiden gebessert worden. Schiller
räuber 1, 1
schausp.; einen voll saufen: kombt jemand in person zu uns, der schuld fordern wil, so musz unser hoffmeister ... den creditoren tag und nacht voll sauffen, bisz er ... sich besorget, er möge todt gesoffen werden. Schuppius 26; er soff sie sternsvoll, zog sie spitternackendt ausz. Elis. Charl. v. Orleans 486
Menzel (
vgl. Schiller-Lübben 4, 477). sich satt, todt, zu tode, arm
u. s. w. saufen: saufft euch satt, weil mans gestatt.
Garg. 95
a.
daher ein scherzhaft ersonnener eigenname: noch ander zwen die nenn ich dir, der ein mit namen Sauffdichsatt. Alberus
fabeln (1590) 56
b; fresz ich mich arm, unnd sauff mich zu tod, so hab ich gewisz gewalt uber den tod.
Garg. 84
b; (
grabschrift) eines so sich am moste zu tode gesoffen. Lohenstein 59; doch da gilt's fleiszig seyn, und nicht sich dumm zu saufen! Göthe 7, 43; sich zum narren saufen
u. ähnl.: ergo, eben als wann einer, der ein jahr oder zehen auf universitäten gesoffen hat, sich nohtwendig müsse zu einem doctor sauffen. Schuppius
freund in der not 61
neudruck; wie etlich' spieln mit jhrn pastorn, die offtmahl müssn vom tisch entlauffn, oder sich zu narren sauffn. Hollonius
somnium 46
neudruck; Ulyssens schifsvolk das ... aus Circens zauberbecher zum vieh sich säuft. Wieland
Horaz briefe (1782) 1, 114. einen arm, krank, todt, zu boden, unter den tisch saufen: ich süff dich tod unnd wider lebendig, ich wolt dich in ein stro sauffen, ha, du sauffst an galgen.
Garg. 93
b; war er nicht auf der jagd, so sasz er bey tische, und alsdann war er vermögend, seine ganze hochadliche nachbarschaft zu boden zu saufen. Rabener 1, 170; die Deutschen (das es gott erbarm) die fressn und sauffn einander arm, darzu gebrechlich, kranck und todt, und aus der welt in jene not. Ringwald
laut. wahrh. (1597) 68; (sich) einen rausch, eine krankheit, den tod saufen, an den hals saufen
u. ähnl.: die jungen saufen inen die hels ab.
Zimm. chron. 1, 134, 31; das mier der narr nicht erfrier, sauff ich mir mit disem pocal ein beltz.
Garg. 85
a; was? sie sauffen auch zu zeiten einen guten rausch!
Simpl. 1, 136, 18; bey universiteten gesoffene räusche. Meyfart
christl. erinnerung (1636) 230; daher er ihm eine kranckheit an den hals gesoffen. Schoch
studentenl. 79, 9; oh, ich möchte den ocean vergiften, dasz sie den tod aus allen quellen saufen. Schiller
räuber [] 1, 2
schauspiel; auch kann die wirkung durch einen nebensatz ausgedrückt sein: und (
er) sauffet, dasz er schwitzet. Rachel 43. II@2@a@dδ) saufen,
in einzelnen festen redewendungen, in denen die art näher bestimmt wird: ich soff brüderschaft mit denen, die ich vermeinte, das sie meines gleichens wären.
Simpl. 3, 16, 13
Kurz; s. auch Schiller
räuber 2, 3 (
oben unter I, 1); der säufft dem zu auff einem du.
gedichte der Königsberger 31; jemandes gesundheit saufen: gesundheitsaufen,
bibacitas salutarium Stieler 1686; da soff man nun mit gantzen pässen auf aller h. ... wohlseyn losz. Günther 165. II@2@bb) saufen,
von thieren: seine (
des adlers) jungen sauffen blut.
Hiob 39, 30; sage allen vogeln .. und allen thieren auff dem felde .. fresset fleisch und saufft blut.
Hes. 39, 17; lasset mir die satten fliegen sitzen, kommen hungerige, die saugen und sauffen viel härter. Schuppius 833; liesz solchen (
den schweinen) einen baderschwamm in sich sauffen.
Simpl. 1, 248, 17; annoch ist zu mercken, dasz die raub-vögel nicht sauffen. Döbel
jägerpract. 75
b; wo man hat bier und mete, da ist den fliegen wohl; sie kommen ungebeten und saufen sich auch voll.
wunderh. 1, 372
Boxberger; nachtigall ich seh dich laufen, an dem bächlein thust du saufen. 1, 132; sie (
die ratte) fuhr herum, sie fuhr heraus, und soff aus allen pfützen. Göthe 12, 106; kleines völkchen, unsre sahne nascht es von der milch und läszt unbedeckt die schüssel stehen, und die katze säuft den rest. H. Heine 3, 47
Elster. II@2@cc) saufen,
von sachen: diu wasser sauf die erde wider.
weltchr. bei Vilmar
recens. 25; er soll ... gegen thal bruntzen, oder auff eyn weych sandig erdtrich, das den harn bald verzör und an sich sauff. Franck
weltb. 144
a; ye mer die reb den weinstock ergreifft, und basz in jm steet verwurtzelt, je mer sie in sich saufft.
trunkenh. A 2
a; alle menschen schienen mir an einem langen ufer einen strom zusammen zu bluten, der über die erde hinaus in eine saufende tiefe hinabsprang. J. Paul
uns. loge 2, 163; die erde säuft das blut der erschlagenen. Campe. II@33) saufen,
in älterer sprache '
ertrinken, wasser ziehen': gifiltun beidu thiu skef, sô thaʒ siu suffun (
impleverunt ambas naviculas ita ut mergerentur).
Tatian 19, 7; doch was er (
der Parnass) sô gesoffen daʒ nicht beleib offen wan sîn scheitel. Albr. v. Halberstadt 1, 587
Bartsch; ich bin tôt unt gesoffen. 27, 133.
dieser gebrauch des wortes ist ganz verdrängt und ersetzt durch die composita.