lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Saufen

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
17 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
64
Verweise raus
98

Eintrag · Adelung (1793–1801)

Saufen

Bd. 3, Sp. 1297
Saufen, verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert; ich saufe, du säufst, er säuft, (Oberd. du saufst, er sauft;) Imperf. ich soff; Mittelw. gesoffen; Imperat. sauf oder saufe. 1) Einen flüssigen Körper als einen Theil seiner Nahrung in sich ziehen, eigentlich, denselben mit starken Zügen, mit einem merklichen Laute in sich ziehen; daher es für trinken, besonders von solchen Thieren gebraucht wird, welche mit lautem Geräusche trinken. Dem Viehe zu saufen geben. Das Vieh säuft Wasser. Bis der Löwe das Blut der Erschlagenen saufe, 4 Mos. 23, 24. Von Menschen in dieser allgemeinen Bedeutung für trinken überhaupt ist es nur im harten und verächtlichen Verstande üblich. Daß sie ihren eigenen Mist fressen und ihren Harn saufen, Es. 36, 12. Ein Mensch der Unrecht säuft wie Wasser, Hiob 15, 16. Figürlich zuweilen in der dichterischen Schreibart von leblosen Dingen, einen flüssigen Körper reichlich in sich ziehen; wofür aber auch das anständigere trinken üblich ist. 2) In engerer Bedeutung, auf eine ausschweifende Art trinken, mehr trinken, als die Natur zur Stillung des Durstes bedarf; auch nur im harten, verächtlichen Verstande. So wohl absolute und als ein Neutrum, saufen, die lasterhafte Fertigkeit[] haben, mehr zu trinken, als die Natur bedarf, und als der Verstand ertragen kann, als auch mit dem Accusativ der Sache. Fressen und saufen. Die ganze Nacht durch saufen. Sich das Saufen angewöhnen. Dem Saufen ergeben seyn. Sich toll und voll saufen. Mit jemanden saufen. Wein, Bier u. s. f. saufen. Lauter im gemeinen Leben, oder doch nur im harten verächtlichen Verstande, übliche Redensarten. Man säuft sich von Verstand bloß auf ihr Wohlergehn, Zachar. Daher das Saufen. S. auch der Soff. Anm. Bey dem Kero suuffen, bey dem Notker soufen, der es auch für ersaufen gebraucht, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten soaffen, seefen u. s. f. im Angels. supan, sypan, im Nieders. supen, im Schwed. supa. Selbst im Hebr. ist סבא ingurgitavit. Das Wort selbst ist eine Onomatopöie, und ahmet den mit dem lauten Einziehen eines flüssigen Getränkes verbundenen Laut genau nach. Und da dieser Laut sich im Ganzen immer ähnlich bleibt, wenn gleich die Nebenumstände verschieden sind, so wird es bey verschiedenen Völkerschaften auch mit allerley Nebenbedeutungen gebraucht. Hornegk gebraucht saufen noch in der veralteten Bedeutung für schlürfen, und zuweilen auch für hinterschlucken, welche Bedeutung auch das Angels. supan und das Schwed. supa haben, und wovon unser Suppe abstammet. Das Angels. supan bedeutet auch kosten. Bey dem Ulphilas ist supan würzen, welches aber zu einem andern, obgleich verwandten Stamme, zu gehören scheinet. Das Bretagnische souba ist befeuchten, beitzen, das Französ. souper und Engl. to sup zu Abend speisen, und das Schwed. supa und Engl. to sup, sip, bedeutet auch mit kleinen Zügen trinken. Unser saufen druckt zunächst das Einschlürfen mit starken Zügen aus, und dieß ist auch die Ursache, warum es mit seinem ganzen Geschlechte für die anständige Sprechart in den meisten Fällen zu niedrig ist. Die Bedeutung des unmäßigen Trinkens war den Alten unbekannt. Die Oberdeutsche Mundart druckte diesen Begriff im 8ten Jahrhunderte durch ubardrinkan, übertrinken, aus. Die gemeinen Sprecharten haben von diesem Worte noch allerley abgeleitete Zeitwörter, welche im Hochdeutschen fremd sind. Dergleichen sind das Oberdeutsche Desiderativum säufern für dursten, das Nieders. Intensivum sobben, immer saufen, das Oberd. Intensivum supfen, mit lautem Schalle in sich schlürfen, das Nieders. Diminut. sipken, mit kleinen Zügen kosten, pitissire, und das gleichfalls Nieders. Activum söpen, zu saufen geben, tränken, wovon wir nur die Zusammensetzungen ersäufen und besaufen haben.
3758 Zeichen · 69 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Saufen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Saufen , verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert; ich saufe, du säufst, er s…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    saufen

    Goethe-Wörterbuch

    saufen vereinzelt -ff- 1 (übermäßig) viel Alkohol trinken; derb, von Menschen [ Wirt vorwurfsvoll zu Söller: ] Er ist ei…

  3. modern
    Dialekt
    saufen

    Lothringisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Sauf , saufe n s. Suff, suffe n .

  4. Sprichwörter
    Saufen

    Wander (Sprichwörter)

    Saufen 1. Besser e Halbi 1 g'soffe und vam Wîbervolch eweg g'loffe. – Sutermeister, 129. 1 ) Auch Halbe = Halbmass Wein …

  5. Spezial
    saufen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    sau|fen (säuft, soff, gesoffen) I vb.intr. 1 bëre (bër, boiü) 2 ‹pop› (unmäßig trinken) sboacé (-cëia) 3 (dem Alkohol er…

Verweisungsnetz

128 Knoten, 137 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 8 Hub 3 Kompositum 111 Sackgasse 6

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit saufen

20 Bildungen · 7 Erstglied · 9 Zweitglied · 4 Ableitungen

saufen‑ als Erstglied (7 von 7)

Saufenbolle

PfWB

saufen·bolle

Saufen-bolle f. : 'Schöpfkelle für das Viehfut- ter', Saufeboll [ HB-Brenschb ]; vgl. Saubolle ; zum Grundw. s. Bolle 1. Rhein. VII 806 . —

saufenchel

DWB

sau·fenchel

saufenchel oder säufenchel , m. bezeichnung zweier fenchelarten Pritzel-Jessen 268 f. peucedanum alsaticum, auch geisz- und rossfenchel gena…

Saufenkanne

PfWB

saufen·kanne

Saufen-kanne f. : 'großer Topf, in dem die Kartoffeln für das Vieh gekocht werden und in dem Wasser für die Tränke heiß gemacht wird', -kann…

Saufenkiwwel

PfWB

Saufen-kiwwel m. : 'Kübel für die Viehtränke', -kiwwel [ NW-Kallstdt ]; vgl. Tränkenkübel , Saufenständer , -zuber .

Saufenzuber

PfWB

saufen·zuber

Saufen-zuber m. : 'Standgefäß, in dem das Viehfutter gesammelt und angemengt wird', -zuwweʳ [ NW-Kallstdt ]; vgl. Saufenkübel .

saufen als Zweitglied (9 von 9)

absaufen

DWB

abs·aufen

absaufen , debibere, nnl. afzuipen. den schaum vom bier absaufen; sich im wein ertränken und das leben absaufen. Simplic. 1, 102; du wolltes…

aussaufen

DWB

aus·saufen

aussaufen , ebibere, exhaurire, nnl. uitzuipen, heute nur von thieren oder unmäszigen menschen, ehmals häufiger: troet und trotzet, so vil r…

besaufen

DWB

bes·aufen

besaufen , eigentlich demergere, ahd. pisoufan ( Graff 6 , 171), mhd. besoufen, ersäufen: mit einer neuen see besäufen. Lohenst. Arm. 1, 589…

ersaufen

DWB

ers·aufen

ersaufen , aqua mergi, praet. ersof, part. ersoffen, ahd. arsûfan, mhd. ersûfen, in der flut umkommen, ertrinken. 1 1) von lebenden geschöpf…

Tabaksaufen

DRW

tabak·saufen

Tabaksaufen, n. wie Tabakrauchen vgl. Tabakensaufer sol sich der scholtz vnd die gerichts personen eines ehrbaren ... lebens vnd wandels bef…

tollsaufen

DRW

toll·saufen

tollsaufen, v. sich toll- und vollsaufen sich bis in einen Rauschzustand betrinken bdv.: saufen vgl. toll (III) weil ... die frembten, wan s…

versaufen

DWB

vers·aufen

versaufen , verb. durch saufen verkommen, durch saufen zu grunde richten. mhd. versoufen, mnd. vorsûpen, jedoch nur in ursprünglicherer bede…

vollsaufen

DWB

voll·saufen

vollsaufen , trennbares verbum, s. voll 9 g, scheinbar mit persönlichem object, vgl. sich müde laufen u. ä., derb: einen vollsauffen, ihn be…

Ableitungen von saufen (4 von 4)

besaufen

DWB

besaufen , eigentlich demergere, ahd. pisoufan ( Graff 6 , 171), mhd. besoufen, ersäufen: mit einer neuen see besäufen. Lohenst. Arm. 1, 589…

ersaufen

DWB

ersaufen , aqua mergi, praet. ersof, part. ersoffen, ahd. arsûfan, mhd. ersûfen, in der flut umkommen, ertrinken. 1 1) von lebenden geschöpf…

gesaufen

DWB

gesaufen , wie das einfache saufen: wer nur am meisten gsaufen kan, den preist man für ein helden. Uhland volksl. 611 .

versaufen

DWB

versaufen , verb. durch saufen verkommen, durch saufen zu grunde richten. mhd. versoufen, mnd. vorsûpen, jedoch nur in ursprünglicherer bede…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „saufen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/saufen/adelung?formid=S00515
MLA
Cotta, Marcel. „saufen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/saufen/adelung?formid=S00515. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „saufen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/saufen/adelung?formid=S00515.
BibTeX
@misc{lautwandel_saufen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„saufen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/saufen/adelung?formid=S00515},
  urldate      = {2026-05-12},
}