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sauer

nhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
22 in 14 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
58
Verweise raus
82

Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

sauer Adj.

sauer Adj.

sauer Adj. (vom Geschmack) ‘scharf und zusammenziehend’, auch ‘säurehaltig, geronnen’ (von Milch), verschiedentlich übertragen ‘mühevoll, schwer, verärgert’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. aengl. sūr, mnl. suur, nl. zuur, engl. sour, anord. sūrr, schwed. sur. Germ. *sūra- ‘sauer, salzig’, auch ‘feucht’ (vgl. ahd. sūrougi ‘triefäugig, halbblind’, 9. Jh., asächs. sūrōgi, aengl. sūrēagede, sūrīege, anord. sūreygr) läßt sich vergleichen mit lit. (älter mundartlich) sū́ras ‘gesalzen’, lett. sūrs ‘salzig, bitter’, lit. sū́ris ‘(harter und stark gesalzener) Käse’, aslaw. syrъ ‘feucht, naß’, russ. syrój (сырой) ‘roh, feucht, sauer’, aslaw. syrъ, russ. syr (сыр) ‘Käse’, (mit Ablaut) anord. saurr ‘Schmutz, feuchte Erde’, aslaw. surovъ ‘hart, grausam’, russ. suróvyj (суровый) ‘rauh, roh’ und auf ie. *suəro- ‘sauer, salzig, bitter’, eigentlich ‘saftend, käsig geronnen, schleimig naß’ zurückführen. Dies gehört zur Wurzel ie. *seu-, *seu̯ə-. *sū- ‘tropfen lassen, schlürfen, saugen’ (s. saufen, saugen, suhlen). Vgl. die Wendungen etw. wird jmdm. sauer ‘zur Qual, schwer’, mhd. sūr werden ‘qualvoll, peinlich werden’; jmdm. das Leben sauer (‘zur Qual’) machen (15. Jh.); jmdn. sauer ankommen ‘Mühe, Qual verursachen’, mhd. sūr ankomen. – säuerlich Adj. ‘leicht sauer schmeckend’ (17. Jh.), sauerlicht (16. Jh.). säuern Vb. ‘sauer machen’, ahd. sūren (9. Jh.), mhd. siuren. versauern Vb. ‘sauer werden, machen’ (15. Jh.), zu nhd. sauern ‘sauer werden, sein’, ahd. sūrēn (9. Jh.), mhd. sūren, siuren. Säure f. ‘saure Beschaffenheit, Herbheit, Schärfe, sauer schmeckende Flüssigkeit’ (Essig u. dgl.), ahd. sūrī (9. Jh.), mhd. siure, Abstraktum zu sauer (s. oben); in der Chemie ‘mit Basen Salze bildende Verbindung’ (18. Jh.). Sauerampfer m. Name einer sauer schmeckenden Wiesenpflanze, ahd. sūrampho (Hs. 12. Jh.), mhd. sūrampfe, dann sūrampfer (14. Jh.), nhd. Sauerampfer (15. Jh.). Daneben steht früher bezeugtes Ampfer m., ahd. amph(a)ra f. (10. Jh.), amph(a)ro m. (11./12. Jh.), mhd. ampfer, nd. Amper, aengl. ampre, Substantivierung eines in anord. apr (aus *ampaʀ) ‘hart, böse’, schwed. amper ‘scharf, herb, derb’, nl. amper (älter, doch noch mundartlich) ‘scharf, herb, sauer’ erhaltenen Adjektivs. Diesem vergleichbar sind aind. amláḥ, amblaḥ ‘sauer’ und lat. amārus ‘bitter’. Erschließen läßt sich eine Wurzel ie. *am- ‘bitter, sauer’ (da die genannten Bildungen aus semantischen Gründen besser nicht zu einer Wurzel ie. *om- ‘roh, bitter’ gerechnet werden sollten). Die Komposition ahd. sūrampho ist als eine verdeutlichende Bildung zu dem (vielleicht nicht mehr verstandenen) Grundwort anzusehen. Sauerstoff m. farb-, geruch-, geschmackloses Gas. Das Anfang der 70er Jahre des 18. Jhs. entdeckte chemische Element nannte Lavoisier (1783), der den sauren Charakter vieler Oxide feststellte und fälschlich annahm, daß alle Säuren Sauerstoff enthielten, frz. gaz oxygène ‘säurebildendes Gas’ bzw. substantiviert nlat. oxygenium, frz. oxygène; vgl. griech. oxýs (ὀξύς) ‘scharf, herb, bitter, sauer, schnell, heftig’ (s. Oxid) und s. -gen. Den frz. Ausdruck übersetzt Girtanner (in Analogie zu Stick- und Wasserstoff) mit Sauerstoff (1791). sauersüß Adj. ‘sauer und süß zugleich’ (17. Jh.), häufiger süßsauer (16. Jh.); vgl. mhd. sīn süeʒe sūreʒ ungemach. Sauerteig m. ‘gärender Mehlteig, der dem Brotteig als Treibmittel zugefügt wird’ (15. Jh.). Sauertopf m. ‘verdrießlicher, mürrischer Mensch’ (16. Jh.), eigentlich ‘Essigtopf’, vgl. mnd. sūr ‘Essig’. Sauregurkenzeit f. ‘ereignisarme Zeit’, eigentlich ‘Juli und August, die Zeit, in der die Gurken reifen’. Im 18. Jh. unter Berliner Kaufleuten für den ‘geruhsamen Geschäftsgang während des Sommers’ verbreitet, seit der Mitte des 19. Jhs. als Ausdruck der Tagespresse für die ‘ereignis- und stoffarme Zeit der Hundstage’, dann allgemein zur Bezeichnung einer ereignislosen Zeit.
3830 Zeichen · 155 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sauer

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    Sauer , -er, -ste, (nicht säurer, säuerste,) adj. et adv. ein Wort, welches eine Art der Empfindung in Ansehung des Gesc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    sauer

    Goethe-Wörterbuch

    sauer in flekt Formen auch saur- 1 einen hohen Säuregehalt aufweisend a als Geschmacksrichtung, -empfindung; auch im Bil…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sauer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +3 Parallelbelege

    Sauer als Bezeichnung von Gesteinen, s. d., S. 745.

  4. modern
    Dialekt
    sauer

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    sur , sauer [sýr fast allg.; saùər Bühl ] Adj. 1. sauer. Sure r Wi(n) allg. ‘der suren wine wegen’ Str. 1466 Brucker 560…

  5. Sprichwörter
    Sauer

    Wander (Sprichwörter)

    Sauer 1. Einer lests jm offt sauer wern, der ander thut es alls verzern. – Eyering, II, 53. 2. Einer will Sauer, der and…

  6. Spezial
    sauer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    sau|er adj. 1 (nicht süß) aje (aji, ajia) 2 (säuerlich) ajedin (-s, -a) 3 (mühsam) sfadius (-sc, -iosa) 4 (gestockt: Mil…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sauer

344 Bildungen · 327 Erstglied · 17 Zweitglied · 0 Ableitungen

sauer‑ als Erstglied (30 von 327)

Sauerdorn

SHW

Sauer-dorn Band 5, Spalte 93-94

sauerfaul

SHW

sauer-faul Band 5, Spalte 93-94

Sauergras

SHW

Sauer-gras Band 5, Spalte 93-94

Sauerheit

SHW

Sauer-heit Band 5, Spalte 93-94

Sauerkalk

SHW

Sauer-kalk Band 5, Spalte 95-96

Sauerklee

SHW

Sauer-klee Band 5, Spalte 95-96

Sauerteig

SHW

Sauer-teig Band 5, Spalte 97-98

sauer als Zweitglied (17 von 17)

blutsauer

DWB

blut·sauer

blutsauer , laboriosissimus, molestissimus, sauer bis aufs blut: widerumb leszt ers einem fromen schwer und blutsawer werden. Luther 4, 506 …

Dessauer

Wander

des·sauer

Dessauer Ein alter Dessauer. ( Königsberg. ) – Frischbier, I, 518. Zur Bezeichnung eines alten Hutes.

grundsauer

DWB

grund·sauer

-sauer ' sauerteig ... zur zubereitung des künftig nöthigen sauerteiges ' Schrader dtsch - frz. wb. 1, 581 ;

Güntisauer

Idiotikon

Güntisauer Band 4, Spalte 1486 Güntisauer 4,1486

Hundsauer

Adelung

hunds·auer

Hundsauer , adj. et adv. im gemeinen Leben, sehr sauer. Es wird ihm hundsauer. In den niedrigen Sprecharten hundesauer.

Krümelsauer

Adelung

kruemel·sauer

Der Krümelsauer , des -s, plur. inus. bey den Bäckern, derjenige Sauerteig, welcher in trocknen Krümeln aufbehalten wird.

Nassauer

Pfeifer_etym

nass·auer

Nassauer m. ‘wer sich auf Kosten anderer einen Genuß verschafft, von anderen freihalten läßt’, zuvor (19. Jh.) Ausdruck der Berliner Dirnen-…

Pássauer

Adelung

pass·auer

Der Pássauer , des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich eine Person männlichen Geschlechtes, welche aus der Stadt oder dem Bißthum Passau komm…

Rüegsauer

Idiotikon

Rüegsauer Band 6, Spalte 795 Rüegsauer 6,795

schwarzsauer

DWB

schwarz·sauer

schwarzsauer , n. , nd. swartsûr, ein gericht, mit blut und essig bereitetes gänseklein, hasenklein u. dergl. Frischbier 2, 328 b , auch mit…

stocksauer

RDWB1

stock·sauer

stocksauer разобидеться в пух и прах идиом.

wahnsauer

DWB

wahn·sauer

wahnsauer , adj. nicht in der rechten weise sauer, zu dem adj. wahn. meist in der bedeutung ' säuerlich geworden ', von flüssigkeiten, die v…

weinsauer

DWB

wein·sauer

weinsauer , adj. 1 1) ' säuerlich wie wein ', von früchten gesagt, vor allem von äpfeln ( s. a. weinling); vgl. weinsauer austerus Trochus (…