klage,
f. querela, querimonia, accusatio, actio, ahd. chlaga,
mhd. klage;
auch mnd. klage,
mnl. claghe (
jetzt nur klacht,
s. vor.).
auch dän. klage
wie bei uns, isl. klaga
nur von gerichtlicher klage; aber das scheint entlehnt. schwed. heiszt es klagan
f. (
auch isl.),
altn. klögun (
gr. 1
3, 440).
merkwürdig ein pl. kläg
und ein gen. klages,
s. 6.
Die klage
ist eig. geschrei, s. unter klagen. 11)
wehgeschrei als ausdruck eines schmerzes, dann der laut werdende ausdruck eines schmerzes überhaupt, eines empfundenen oder gefürchteten, in allen abstufungen und ausdrucksarten der stimme, vom jammern, ächzen, wehrufen bis zum ruhigen überlegten aussprechen eines leides, verlustes, auch nur einer unzufriedenheit, beschwerde, eines misbehagens u. dgl. (
s. diesz unter 3),
sowie von dem leidenden zustande des gemüts in diesen fällen, so wenigstens mhd. und im älteren nhd. oft tritt der nebenbegriff hinzu, dasz die klage
an einen andern gerichtet wird, um hilfe oder trost flehend (
s. z. b. unter f),
s. darüber klagen II, 3. 1@aa)
laute klage, genauer wehklage, jammerklage,
vgl. klaggeschrei, klaggeheul, klaggezeter: claga, wuoft âne trôst (
ist in der hölle). Müllenh.
u. Scherer
denkm. 30, 133,
oder clagawuoft? höre, gott, meine stim in meiner klage, behüte mein leben fur dem grausamen feinde.
ps. 64, 2; ein gebet des elenden, so er betrübt ist und seine klage fur dem herrn ausschütt. 102, 1; das kein schade, kein verlust noch klage (
in früheren ausg. geschrei) auf unsern gassen sei. 144, 14; vorüber die stöhnende klage! Schiller 8
b; keine klage läszt sie schallen. 60
b; so liesz er laut der klage ruf erschallen. 71
b; lasset erschallen die stimme der klage! 507
a.
Gern im pl.: drei monde schon hab ichs tauben felsenwänden zugewinselt, aber ein hohler widerhall äffte meine klagen nur nach. Schiller 135
b; klagen, die sich müde schrein. Schubart (1825) 1, 289; und sie schelten meine klagen und sie höhnen meinen schmerz. Schiller 61
b; das süszeste glück für die traurende brust ... sind der liebe schmerzen und klagen. 49
a; nur selten soll die tiefe qual im herzen ergieszen sich in ungeheure klagen. Platen. 1@bb)
es heiszt daher klage erheben,
von der lauter werdenden, steigenden stimme, vgl. unter 3;
daher mit hôher klage,
besonders lauter Konrad
Engelh. 5798,
vgl.hoch klagen.
sonst klage haben, führen: du hast eine ewige klage; da zerrissen sie ire kleider und hatten eine grosze klage. 1
Macc. 4, 39; viel töchter der heiden werden solch klage füren über Egypten.
Hesek. 32, 16; denn er sein klag so ganz herzlichen führte, dasz er niemands warnam.
buch der liebe 251
a; ob er gleich ungedultig würd, mancherlei seiner klagen führt.
froschmeus. D 4
b (
s. mehr 4, 452).
jenes grosze klage
ist schon mhd., auch herzliche klage,
noch im 16.
jh. gebraucht, war mhd. besonders beliebt: nun ist verschwunden ganz und gar mein trawren und herzliche klage. H. Sachs 3 (1588), 2, 77
b. 1@cc)
jetzt aber gibt es auch leise klagen,
oder geheime,
die vor andern nicht laut werden: so liesz ich in verliebter pflicht geheime klagen flieszen. Chr. Weise
überfl. ged. (1701) 130; mein herz verzehret sich längst in geheimen klagen. Chr.
F. Weisze.
selbst stille klage,
die mehr durch gebärde und miene ausgedrückt wird als durch die stimme, oder stumme (
wie stummer vorwurf, stumme bitte): kein vorwurf soll dich kränken, keine laute noch stumme klage in das herz dir schneiden. Schiller 514
a (
braut v. Mess. a. e.).
dem entgegen nun laute klage,
während urspr. alle 'klage'
laut war: sie brach in laute klagen aus,
im gegensatz zu dem ruhigeren sich beklagen. 1@dd)
schriftliche: ein brief voller klagen Steinbach 1, 857; seiner klagen reim, in sand geschrieben, sind vom winde gleich verjagt. Göthe 5, 33. 1@ee) klage
als klaggesang, wie θρῆνος: die melodische klage der nachtigall; die müde leier ächzt und macht die finstre kammer gebrochner klagen voll. Günther 745; meine harfe ist eine klage worden und meine pfeife ein weinen.
Hiob 30, 31; dichterische klage. Schiller 1201
b; und des Thrakers seelenvolle klage rührte die Erinnyen. 22
a. 1@ff)
einige ungewöhnliche wendungen: 'gott sei klage',
wie sonst gott seis geklagt
und gott sei dank: graf Friedrich sprach 'ich armer mann, bin, gott sei klag, selbst schuld daran'.
volkslied, von Göthe
aufgezeichnet, in Herders nachlasz 1, 170. klage
selbst im weheruf: weh, weh, weh, weh, ach weh und klag, so weh war mir nie mein lebtag. H. Sachs 3, 1, 124
c (1588);
doch kann es da gleich '
not'
gemeint sein, s. 5,
b sp. 912. 22) klage
als todtenklage verdient besondere hervorhebung. 2@aa)
eigentlich wehgeschrei über den todten (
vgl. unter karfreitag, karjammer),
dann wehklage mit wolgesetzter rede und gewissen gebärden, wozu die verwandten helfen
muszten (
vgl. Wolfram Wh. 409, 1.
Mai 114, 10
und Germ. 10, 137),
zur bezeigung ihrer treue (
pietas).
auch sich selbst raufen und schlagen der brust (sich queln, den lîp queln
Nib. 2017, 2)
erscheint bei der klage (
s.klagen II, 2,
a, Rol. 241, 29.
Klage 429,
Iwein 1310. 1329. 1339,
Erec 8112,
Flore 2938,
Mai 144, 16. 146, 10,
leseb. 809, 1,
daher die klage 'sehen'
Klage 1386),
selbst abreiszen der kleider (
Klage 1627),
alles wie beim planctus,
κομμός,
der todtenklage der alten völker, die von diesem schlagen benannt ist wie unsre vom schreien. Die klage
gewann damit die form eines ceremoniellen vorgangs, den man nachher hie und da als lästige pflicht dazu bestellten und bezahlten leuten überliesz (
s. klageweib).
wehklagen, weinen, schreien und händeringen hat sich hie und da noch erhalten als wesentliches stück der begräbnisceremonie, z. b. in der Oberpfalz, wo es zum erstenmal beim austragen der leiche, zum zweitenmal beim versenken in das grab angestimmt wird; eine leiche bei der nicht viel und laut geweint und geklagt wird, ist eine trockene
und es wird ihr nach dem volksglauben bald eine nasse
folgen, s. Schönwerth
sitten u. sagen aus der Oberpfalz 1, 251
ff.; man traute ja aus uralter zeit her dem gemeinsamen schreien eine geheime kraft zu, die hier dem todten zu gute kam. Daher 'in der klage sein': in der chlage wâren sie alle vierzich tage volle. Diemers
gen. u. ex. 115, 17,
vgl. 31. eine klage haben (
d. i. halten),
später halten: Jacôbes (
über J.) hieten si michil chlage volle sibinzich tage.
das. 115, 19; da hielten sie ein seer grosze und bittere klage (
über Jakob) und er (
Joseph) trug über seinem vater leide sieben tage. und da die leute im lande, die Cananiter, die klage .. sahen, sprachen sie 'die Egypter halten da grosze klage'.
1 Mos. 50, 10; es beschicketen (
bestatteten) aber Stephanum gottfürchtige menner und hielten eine grosze klage über in.
apostelg. 8, 2; und David klagt diese klage über Saul und Jonathan seinen son.
2 Sam. 1, 17,
die klage
folgt v. 19—27,
ein klaggesang; sein (
Nic. Zrinys) leib mit groszer klage bracht man gen Camisz dar, ward christlich zu der erd bestet mit sechzehen streitfannen, als volk ihn klagen thet. Körners
hist. volksl. 223; die höchste ehr steht in der klag, so man den todten leisten mag. J. Spreng
Ilias (1625) 520
b (
Πάτροκλον κλαίωμεν,
ὃ γὰρ γέρας ἐστὶ θανόντων 23, 9); jetzt mögt ihr die klage wenden ... Hectors leidlied mag sich enden. Opitz 1, 214; er opfert seiner frau die allertreusten klagen, bleibt ohne speis und trank, sucht keine lagerstatt. Gellert (1784) 1, 67; nach mitternacht begrabt den leib mit klang und sang und klage. Bürger
Lenore str. 22; ertöne, drommete, zu heiliger klage! o nehmet, ihr götter, die zierde der tage, o nehmet den jüngling in flammen zu euch. Göthe 1, 254; die klage sie wecket den todten nicht auf. Schiller 49
a; aber sie steigt aus dem meer mit allen töchtern des Nereus und die klage hebt an um den verherrlichten sohn. 85
a.
eine späte probe einer (
schriftlichen) klage
im alten tone bietet der verf. von den geschichten und thaten Wilwolts von Schaumburg s. 193
fg., 'die klag des historisetzers' (
über herz. Albrecht von Sachsen),
am schlusse s. 195: darumb ich von der klag lassen, wider zu meiner materi greifen wil.
noch jetzt heiszt in den deutschen gemeinden in den venet. Alpen klagen '
bei der beerdigung laute cadenzirte wehklage erheben' Schmellers
cimbr. wb. 136
b. 2@bb)
ein rest davon ist, wenn hie und da die feierliche beileidsbezeigung, welche verwandte und freunde im trauerhause der familie des verstorbenen darbringen, noch die klage
genannt wird ( Adelung).
es geschieht noch mit wolgesetzten worten und ist noch eine ceremonie; daher heiszt es von den leidtragenden die klage einnehmen,
doloris significationem in funus venientium recipere Frisch 1, 518
a.
vgl.klagen II, 2,
d. 2@cc)
auch das leichenbegängnis selbst, bei dem sich ja die wehklage wiederholte, heiszt noch kurz die klag
in Schwaben, Baiern, ebenso das trauergeleite, früher processklag,
d. i. leichenprocession, einem mit
oder an der klag gehn
seinem leichenbegängnis beiwohnen, s. Schmeller 2, 354. 1, 346, Schmid
schwäb. wb. 315, die klage führen
oder in der klage gehn
ducere exequias alicujus Frisch.
vgl.klagepferd,
kläger 1, klaggewand, klagehaus, klagkleid, klagtage, klagsaal. 2@dd)
auch die ganze trauer und trauerzeit heiszt klage: bald folgt der sibend, darnach der dreiszigst (
tag nach dem todesfalle), so ist die klag ausz, da zeucht der kläger die feindselig klagkapp wider ausz. S.
Frank weltb. 134
a.
so noch in Baiern die klag: in der klag heuraten,
während der trauer. Schönsleder f 1
c.
die trauerkleidung (
wie trauer
selbst): die klag anlegen, ausziehen, die ganze
und halbe klag, klagbinden
am trauerkleid Schmeller: da warf ich die klage auf den boden (
legte sie ab), dann es was ein hochzeit und tanz auf dem tanzhaus. Schwarz
kleiderbuch zu nr. 37,
in Reichards
auszug s. 139, Scheibles
kloster 6, 837.
vgl. beiklage. 33)
ausdruck einer unzufriedenheit, eines misvergnügens, einer beschwerde, beschwerdeführung, weiteste abschwächung der ersten bed., die zugleich an die vierte streift: und vertrage einer den andern, und vergebet euch unternander so jemand klage (
μομφήν) hat wider den andern.
Coloss. 3, 13 (
goth. fairina); bei einem über einen klage führen (
wie bei 2. 4), es wird klage in der stadt über deine ungerechtigkeit geführet Steinbach, die sache ist zu einer gemeinen klage ausgebrochen
ders., ist der gegenstand allgemeiner beschwerde; hierüber ist keine klage
de hoc nemo queritur, seine klage bei einem vorbringen Frisch; klage über etwas erheben (
wie bei 1
und 4), ich habe keine klage darüber,
habe nicht ursache darüber zu klagen, es laufen viele klagen ein. Adelung; der wandrer setzt, mit bittrer klage, dasz Zeus mit fleisz die menschen plage, die saure reise mühsam fort. Gellert (1784) 1, 74; auch ists das nicht, was endlich laute klagen mich über sie zu führen zwingt. Lessing 2, 349; klagen über die theure zeit; er gibt mir jetzt keinen anlasz zur klage mehr; (
der einsiedler) der mit uns sprach liesz keine klage merken (
über seine lebensweise). Hegner
berg-, land- und seereise (1818) 46,
fast gleich '
unzufriedenheit'.
auch klagen anstimmen,
wie sonst klagelieder: nachdem er eine menge vergeblicher klagen über ihren verlust angestimmt hatte. Wieland
Don Sylvio von Rosalva (1772) 2, 213,
es klingt doch mehr komisch. aber auch klagelied
wird ernstlich so gebraucht. 44) klage
vor gericht, eig. auch hier geschrei, mit dem man seinen schädiger beschuldigt, dasz es möglichst alle hören, und die hilfe des richters anruft, daher auch altfrz. claime,
prov. clam,
gewiss nach dem deutschen worte (
vgl. frz. réclamer): ich rufer rufe die klag gegen den missethäter. Göthe 8, 159
im Götz v. B.; wiewol uns .. mancherlei grosze und schwere clage beide in unserm konigl. hove, so wir mit unser aigen person .. zu gerichte gesessen sein .. über den hochgeb.
N. N. von manchen unsern des reiches fürsten .. mit schreienden rufen so dick fürbracht sind.
urk. k. Sigismunds v. 1420, Haltaus 1093.
noch im richtsteig landrechts im 14.
jh. (Homeyer
s. 443)
wird diesz klaggeschrei als eigentlicher '
beginn der klage'
vor gericht ordnungsmäszig wiederholt bei peinlicher klage, hier gerüchte (
gerüfte)
genannt, es ist ein schreien (33, 1);
aber klage
hat gewiss ursprünglich denselben sinn. 4@aa)
es heiszt daher auch hier klage erheben,
eig. mit steigender stimme: die clage erheben.
Sachsensp. 3, 17,
freilich schon in dem abgeblaszten sinne '
beginnen': vor deinem thron erheb ich meine klage, verhüllte richterin. Schiller 20
b (
resign.); von euch, ihr kraniche dort
oben ... sei meines mordes klag erhoben. 58
a. wider einen um etwas klage anheben,
actionem rei alicujus intendere alicui. Steinbach 1, 857.
diesem intendere
entspricht, wol nachgebildet, die klage anstrengen.
auszerdem eine klage anfangen,
ingredi in causam Maaler 244
c (anfahen),
actionem instituere Steinbach, Frisch.
diesem instituere
entspricht ein rechtliche klag wider einen stellen oder fren (
s. nachher),
intendere litem, actionem concipere Maaler 244
c,
richtsteig landr. 33, 1, Behrend
Magdeb. fragen s. 233. 266
b,
gewöhnlich anstellen Stieler 962. eine klage vorbringen (
s. vorhin), bei gericht anbringen,
auch einbringen, eindingen Schm. 1, 378, anhängig machen Abele
selts. gerichtsh. (1684) 1, 390, einwenden 1, 280. 297. 2, 120, (
schriftlich) aufsetzen 1, 320, setzen 1, 282, einlegen Schönsleder f 1
c (
vgl.klagde einlegen
sp. 907)
und noch anders. bei Adelung,
von schriftlicher klage, seine klage eingeben. seine klage führen
heiszt eig. sie fortführen, betreiben (
s.klagführer und e, α zuletzt),
wird aber auch auf das anbringen der klage erstreckt (
s. vorhin Maaler, Frisch 1, 518
a),
das ja nur der anfang der klagführung ist: da einmal für gericht ein freches weib auftrat, selbst sach und klage führt und um die rechte bat. Logau 2, 3, 59
s. 67; wird jemand auftreten und klage führen, dasz ich meine Bertha verwahrloste? Schiller 151
a (
Fiesco 1, 12),
das doch in die bed. 3
hinüberspielt; vgl. oben 4, 452. 4@bb) die klage fallen lassen (
entsprechend dem 'erheben'),
accusatione desistere Stieler 962, von der klage abstehen, zurücktreten,
sie zurücknehmen: das scholl er fürn notwein zaln, so woll wir di clag laszen valln.
fastn. sp. 788, 2.
oder eine klage liegen lassen
causam negligere, deserere Stieler, Frisch, hangen lassen Steinbach,
mitten im verfahren davon abstehn. dagegen mit der klage verfahren,
fortfahren, '
procedere',
auch sie so und so anstellen oder fortführen: worüber die kläger vorgelassen und befragt worden 'ob sie burgerlich oder peinlich mit der klag verfahren?' Abele
selts. gerichtsh. (1684) 1, 167. 4@cc) peinliche
und bürgerliche klage (
letzteres schon im richtsteig landrechts),
actio criminalis und civilis, criminal-
und civilklage; schlechte (
einfache) klage,
s. Homeyer
richtsteig 440, Behrend
Magd. fragen 278
b.
ferner in zusammensetzungen scheidungsklage, eheklage, entschädigungsklage
u. ä., s. auch anklage,
abklage,
gegenklage, vorklage, nachklage, nebenklage. 4@dd)
vom beklagten hiesz es die klage geht über
oder auf ihn: gar pald verantwurt hie die clag, die über dich geet von uns allen.
fastn. sp. 784, 6. der ûf den diu klage gêt
ist in den rechtsquellen des 13.
jh. der geltende ausdruck für beklagter (
im 15.
jh. reus, beklagter Dief. 497
c,
im 14. Behrend
Magd. fr. 247
b). klag auf einen
postulatio Fris. 1030
b. Maaler 244
c,
natürlich auch gegen, wider (
s. a).
Der klage
entspricht die antwort
des beklagten, dieser folgt die gegenantwort
des klägers (Abele 2, 339)
oder replik,
dann duplik, triplik
u. s. w., klag und antwort
erscheinen lange im gerichtlichen stil formelhaft verbunden: man sol kein ubeltheter an (
ohne) der herschaft gnad erteilen, das gericht hab dan ein (
den) vogtherren clag und antwort (
gen.) des handels, als er sich am rechten begeben hat, underwisen.
weisth. 4, 526,
ihm die acten vorgelegt nach unsrer art zu reden; s. die Magdeb. fragen s. 63. 64. 73. 76,
wo clage unde antwort
aus des klägers
und antworters
munde beschriben
und verschickt werden. Der beklagte wird von der klage frei gesprochen,
wird ihrer los, ledig, müszig: so ist er von dieser klag ledig und müszig. Abele 1, 310; sol los sin derselben klage (
ab instantia), doch der schuld nicht, musz (
kann) anderwarts beklaget werden. Lehmann
chron. von Speier 4, 19. 4@ee)
der urspr. begriff hat übrigens im gerichtlichen sprachgebrauche wichtige erweiterungen erfahren; das ganze wort enthält ein wichtiges stück eigenthümlich deutschen, nicht römischen rechtslebens. 4@e@aα)
das ganze weitere verfahren des klägers, das der anklage folgt, wird als klage
zusammengefaszt, und anklage (
Magdeb. fr. s. 75. 170)
sollte vielleicht die erste klage von dieser weiteren bed. neu unterscheiden (
doch s. klagen II, 4,
a, β): schrîet denne der (
beschädigte) sîn gerûfte, sô ist das gerûfte ein begin der clage (
Ssp. 1, 62, 1), sô sal (
musz) her der clage volgen.
Magdeb. fragen s. 181, '
die klage verfolgen', sîne clage vol vorderen
Ssp. 2, 8, vol füren
richtst. landr. 33, 4.
daher under der clage
Ssp. 2, 46, 2,
während die sache anhängig ist. sîne klage gewinnen
richtsteig landr. 23, 2,
Kulm. recht 3, 89, sîne clage verliesen
Magdeb. fragen s. 170. wan der man stirbet, stirbet ouch sîne clage.
sächs. weichb. gl. 116.
viele der vorigen redensarten schlieszen diesen begriff wesentlich mit ein, man sehe z. b. klage führen
darauf an, von der klage abstehen.
s. auch klagen II, 4,
c, kläger 2,
a. 4@e@bβ)
dasselbe mit erstreckung auf den beklagten, wenn man z. b. von den streitenden parteien sagt, sie liegen in (der) klage;
da ist klage
sachlich gleich process. man musz auch vom streitigen gegenstand gesagt haben, er liegt in klage,
nach folg. in klage legen: dann soll der schulteisz die güter in clag legen (
wenn der zins von ihnen nicht gezahlt würde).
weisth. 2, 170; so sollen sie die güter in clag legen. 2, 173. 4@e@gγ)
selbst auf den beklagten allein bezogen, dasz es eig. passivisch wird, das angeklagt sein: sonst ist sein ampt, so jemand von einem zu klag kompt. Fronsperger
kriegsb. 1, 69
a.
derselbe begriff liegt eig. zugleich in dem in klage legen
vorhin, auch von der klage frei werden. 4@e@dδ) klage
vom inhalt, gegenstand der klage: ouch mûʒ her antwurten umbe alle clage, dâr man in umbe schuldiget.
Ssp. 3, 33, 3; clage und ungerichte richten 1, 59. 3, 60, 2, clage clagen 1, 61, 5; (
sagt) sie sei unschuldig, übl beklagt ... und die klag durchaus nicht bekent. J. Ayrer
fastn. 46
b (2570, 9). die klage beweisen,
vom kläger. Abele
a. a. o. 2, 120. 4@e@eε) klage
als grund zur klage, anspruch, in klage haben (
ähnlich unter 3): ob hinfüro jemand .. spruch (
anspruch), klag oder forderung zu und gegen den rath der stadt Wormbs .. haben oder zu haben vermeinen .. würde.
urk. k. Maximilians v. 1514, Haltaus 1093.
ähnlich als recht zur klage: (
wer sich am schädiger selbst recht verschafft mit gewalt) sol nimer deheine klage darnâch gewinnen,
nullum jus agendi amplius habeat. Haltaus 1094
aus dem landfrieden k. Rudolfs I.; mit dem eigenthum ist eine klage verbunden,
vgl. Savigny
syst. des heut. röm. rechts 5, 5. 55)
auch in den drei ersten bedeutungen sind ähnliche erweiterungen des gebrauchs zu bemerken. 5@aa) klage
für gegenstand, inhalt der klage, z. b. der junge ist meine tägliche klage,
sagt etwa ein vater von seinem sohne; seine ewige klage ist das verhältnis zur schwiegermutter,
eine kürzung des ausdrucks wie ähnlich in ärger, kummer, jammer, sorge, zorn (Schiller
Wallensteins tod 4, 7),
und wie umgekehrt beschwerde
vom begriff der last, belästigung zu dem des ausdrucks darüber gekommen ist. diese kürzung ist alt: wir werden ze bane (
tode), unsirn vriunden ze chlage. Diemer
gen. u. ex. 161, 14,
todtenklage; dér site ist guoter liute klage. Heinrich von Rugge
im frühl. 104, 28; eʒ ist mir ein ringiu klage, daʒ ich sî sô selten sihe. Hartmann
das. 213, 29; des hinket reht und trûret zuht und siechet schame. diz ist mîn klage: noch klagte ich gerne mê. Walther 102, 28; liegen triegen deist mîn klage. Freidank 167, 8; wir wünschen alters alle tage, swanne eʒ kumt, sô istʒ ein klage. 51, 14
in der 2.
ausg.; dâ wirt der slîchære klage daʒ dürre holz ime hage, daʒ bristet unde krachet.
Parz. 172, 17; sô welet er (
der wahrhaft freie mensch) doch das edelste und das beste in allen dingen, und alles das nicht edel und gût ist, das ist im wider und ist im jâmer und klage. und sô der wille ie frîer ist (
je freier) .. sô im ungût, unrecht, untugent .. ie grôʒer jâmer und klage ist.
theol. deutsch c. 51; was ist dein grosze klage? Uhland
volksl. 860; ist es nicht ein jemerliche klage .. das wir itzt solches regiments keines sehen? Luther 8, 265
a (1580); holz, schaden und klag wachsen alle tag. J. Buchler
b. Hoffmann
spenden 1, 7; wir sind belegert jar und tag, das ist ach gott ein schwere klag.
klaglied der Magdeburger 1550, Soltau 2, 254; die freiheit war all ihre sag, freiheit (
gen.) verlust war schwere klag.
froschmeus. Hh 3
b; das bringet uns grosz leid und klag. G 8
b; die neue kirchenverfassung, die grosze klage der nation. Schiller 805
b; der könig aber gibt sein heilig wort, abhülf zu leisten den gerechten klagen. 661
a; dasz gerade die alte klage, dasz alles vergänglich sei, der fröhlichste aller gedanken werden kann und soll. Novalis 2, 234 (1837). 5@bb)
geradezu gleich not, die klagen hervorruft, oder leid: Theophilo geordent wart ein stat nâch sîner hinevart (
in der hölle), dâ er solde sitzen an kelden unde an hitzen gepîneget in der hôchsten klage.
Marienleg. 23, 135
s. 199 er (
der drache) stiesz gar oft und dicke Seifriden das er lag (
zu liegen kam), er (
Seifr.) kam bei seiner zeite nie in so grosze klag.
hörnen Seifried 144; ich leid schmerzen und grosze klag. Uhland
volksl. 278. 66)
endlich eine formelle frage. man könnte auf ein masc. klag
schlieszen aus einem pl. kläg: zwen nachbauren ... hetten beide viel groszer kläg (
wider einander, vorm bürgermeister). Wickram
rollw. 50, 21
Kurz, und aus einem gen. klages: so steh ich hie in klages weis (
anklagend). H. Sachs 3, 3, 2
d (1588),
s. unter klagweis.
aber das kläg
könnte auch nebenform im sg. sein, zu dem alem. klägen,
nebenform von klagen
gehörig. das s
aber ist und bedeutet wol nicht mehr als in achtserklärung, ehespflicht (17.
jh.)
u. s. w. (
s. gramm. 2, 935
ff.),
einem etwas zu treushanden geben,
anvertrauen H. Sachs 3 (1588), 3, 29
c.
auch auszer zusammensetzung findet es sich leicht ein in gewissen festen wendungen: bewegung ist mein arzt, die kräuterreichen wälde sind apotheks genug. Logau 1, 3, 4
s. 51, vor schwesters thür
wunderh. 1, 94, vor mutters haus 1, 101, in mutters frommem kämmerleine Heine
b. d. l. 79;
vergl. ähnliche genit. s
unter kraft, kunst, kurzweil.