Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
klage stF.
2 ‘Leid, Elend, Unglück, Schmerz’ (offen zu 1 )
3 rechtl. ‘Klage, Klageerhebung, Beschwerde (vor einer Gerichtsinstanz)’ (vgl. DRW 7,1034ff. mit Lit. und weiteren Belegen)
1 Äußerung eines (seelischen) Schmerzes, ‘Wehklage’ (in Worten oder ritualisierten Gesten wie Schreien, Weinen, Händeringen, selbstverletzendem Verhalten wie Haareraufen u.ä.): weder sit noch éé / endorfte nie grozzer chlage werden: / si uielen zu der erden, / daz har brachen si uon der swarte, / si wuͦften alle harte Rol 1732; da wart geschreige / vnd klauge maniger leige Herb 15791. 10838 u.ö.; die clage, die Jeremias hete, do Ierusalem wart zerfuͤret Lucid 109,8; vone tage ze tage mêrôt sich des hungeres chlage Gen 2591; maneger zunge sprâche klage Wh 450,12; Wig 11622; RvEBarl 4392. – Krankenklage: doch hât er [der wohlhabende Kranke] daz hûs und sîn nôtdurft an spîse und an tranke, an râte der arzete [...], an klage und an bîwesenne sîner vriunde Eckh 5: 17,3; nû hiez er im künden dô, / [...] daz er an dem andern tage / durch rât, durch vriuntlîche klage / zuozim wolde komen dar / und nemen sîner siecheit war RvEBarl 7500. – Totenklage: die lantliute hêten [...] / Jacobes michile chlage folle sibenzig tage Gen 3000 u.ö.; ê daz zem grabe kœme daz Sîfrides wîp, / dô ranc mit solhem jâmer ir getriuwer lîp, / [...]. / mit klage ir helfende manic vrouwe was NibB 1067,2; die amerliche chlage unde div amerlichen dinc, div man beget, da man die tôten handelet Spec 154,12; BuchdKg 28,12; Tr 1689. – senende/ senelîche ~ ‘Klage über schmerzliches Verlangen (in der Minne), Sehnsucht’ (vgl. auch 2): clage ich mîne seneden clage, / [...] / mit der clage ich niht bejage / noch bejagete nie wan wîlent smæhen danc SM:UvS 19: 6,1; liep vertrîbet riuwe, / liep wendet sende klage KLD:Kzl 15: 3,8; KLD:UvL 21: 1,5 u.ö.; dô hâte ich von sender klage / einen brief, daran ein angil was, / den hieng ich an sî SM:Had 1: 1,9; si mich hât verhouwen / unz ûf den tôt mit sender clage KvWHerzm 293; nu helfent, küniginne, / von senelicher klage! SM:Tr 5: 2,13; vgl.: dar umbe muoz ersterben / mîn armer lîp den ich hie trage / nâch im mit herzenlîcher klage Parz 698,14. – Äußerung von Unzufriedenheit, Unmut (vgl. 3): wen des verdriez, der sei ân clag und vlieh mein wunderleicheu werch BdN Reimvorr. 4,5 2 ‘Leid, Elend, Unglück, Schmerz’ (offen zu 1): hilf uns herre hivte / uon susgetaner not daz wir niht ligen tot, / noch wir werden ze bane, / unsiren urivnden ze chlage GenM 161,14; daz ist vor aller nôt mîn clage, / die ich unsanfte dulde SM:KvT 6: 1,5; er hatte eine groze klage, / er mvste hvͤten alle tage / siner hvner vor Reinharte ReinFu K,21 u.ö.; dâ wirt der slîchære klage [Verhängnis] / daz dürre holz ime hage: / daz pristet [knistert] unde krachet Parz 172,17; Gâwân truoc minne und ander klage ebd. 588,7 u.ö.; SalArz 63,57; RvEBarl 605. – nû wirt aber kalt, / nû der winter lanc. / dast der vogel nôt unde ir meistiu klage KLD:GvN 25: 1,8 3 rechtl. ‘Klage, Klageerhebung, Beschwerde (vor einer Gerichtsinstanz)’ (vgl. DRW 7,1034ff. mit Lit. und weiteren Belegen): is och daz ein man din andirin wundit· undi cumin sie beidi mit clagi vur dien richteri Mühlh 103,13 u.ö.; mägede unde wîp muozen mit rehte vor ieglîchem gerihte und in ieglîcher klage ir vormunt bî in hân SpdtL 137,13 u.ö.; wir fechten doch nit umb dhein gut oder umb dheynerhand clage Lanc 153,16; ob [...] ein geschihte da geschehe und daz ze klage keme fuͤr den raͤt WüP 48,4. 92,8; StRAugsb 36,11; die clage erhebn SSp (W) 3:17,1; Greg 1795; Parz 95,29; Iw 5736; KvWSchwanr 187; Roth 1737; Walth 16,16
MWB 3,1 301,17; Bearbeiter: Hansen