trotzer,
m. (
daneben trutzer, trätzer),
bezeichnung für einen menschen, der zur gegenwehr herausfordert oder in herausfordernder weise widerstand leistet. in übertragener bedeutung bereits 1442
bezeugt, s. u. 3 b. 11)
zu trotzen A '
reizen, herausfordern, bedrohen, angreifen': wer
auch hasst die unnützen schwätzer, spotvögel und verwegen trätzer, der verhut seinen eigen schaden Hans Sachs 19, 78
K.-G.; vgl. trutzig fröcher tretzer 6, 352;
in dieser bedeutung noch heute in den süddeutschen mundarten erhalten, wo auch tratzen
in aktivem sinne als '
reizen, necken, hänseln'
bewahrt ist (
in der form tratzer, trätzer
und trätzler).
schriftsprachlich klingen die alten bedeutungen unter der allgemeineren '
gegner, feind, widersacher'
noch oft durch: ich habe nun an diesem trotzer ein hohes fräulein gerochen A. H. Buchholtz
Herkules 1 (1666) 89; trotzer
minator qui nimia est ferocia Steinbach
wb. 2 (1734) 872; mit der schleuder bewahrt, ging er (
David) zum trotzer hin Kretschmann
s. w. (1784) 2, 57; auch Hohenloh stürmte die trozer zurück Schubart
vaterlandschronik (1789) 562; befestigung ist schutzwaffe, unter der geschildet selbst ein unversuchter mann nicht vor dem überlegenen trutzer zagt Fr. L. Jahn
w. 2, 448
E. persönlicher widersacher: auf diese meine ausführung ist bei meinen trotzern ein allgemeines gäntzliches stilleschweigen J. Scheffler
ecclesiologia 2 (1677) 8
b; wer in dem amte lebt und keinen trotzer scheut, wenn er was rechtes thut, das heiszet tapferkeit Chr. Weise
pol. jug. zeitvertreib 2 (1699) 58; gern trät ich dem trozer (
graf Fritz Stolberg) aus dem wege, wenn mich nicht die ehre bei den haaren auf der bühne hielte Bürger
an Boie (
in dem streit über die Homerübersetzungen)
briefe 1, 353
Strodtmann. im besonderen '
quäler, peiniger': bischoff zu Lüttich ... hat seine amtleut ... angesprochen: ihr solt der leut schützer, und nicht trutzer seyn Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit 3 (1653) 61; drum, wenn gott die blaue burg öffnet und ihm (
dem sterbenden) beut die hand, freyt ihn von der trotzer trotz, setzt ihn in den friedensstand Logau
s. sinnged. 175
E.; vgl. hierzu die sprachliche bemerkung bei Lessing: trotzer, ... ist poetischer als der trotzige 7, 403
M.; ich wuste gegen diesen trotzer nirgends schutz zu finden Schnabel
insel Felsenburg 316
Ullrich. als '
grosztuer, prahler',
gern mit bedeutungsverwandten begriffen: dann er (
herzog Heinrich v. Braunschweig) ie alle böswicht stück hat getriben, welchs im auch vor dem reich unvorschwigen bliben, und dem trotzer, pocher und scharrer oberzelt, von nu an bis ans end wirt nachgesagt in aller welt (1542)
bei Schade
satiren u. pasquillen 1, 78; hergegen die gröste trotzer, schnarcher und pocher im wolstand sind allezeit die blödesten, verzagtesten und forchtsambsten, wie sich das blättlein wendet J. Dyke
nosce te ipsum (1638) 526; wie wird euch köstlichst stafierten prachthansen, stutzern und trutzern, ... da zu mute werden Er. Francisci
d. letzte rechenschafft (1681) 926;
in verbindung mit typischen adjektiven: dann als er (
Jonathas) über solchem glücklichem streit frolocket und triumphieret, ... beweget er den haubtmann Priscum ihn zu verwunden, der den stoltzen und auffgeblasenen trotzer nicht länger dulden kont C. Lautenbach
Egesippus (1575) 186; (
an die gattin) du bild der demuth, das in stolzen reihen der aufgeschwollnen trozer niederblickt! Schubart
s. ged. 2 (1786) 297. 22)
zu trotzen B 1 '
sich widersetzen, widerstand leisten': (
von einem felseneiland) trotzer der winde und stürmenden meereswellen Schnabel
insel Felsenburg 70
Ullrich. besonders aber vom inneren widerstand, so von der auflehnung gegen gott: wie schickt sich hoffart zur busze? gott leydet keine trutzer H. Müller
thränen- u. trostquell (1675) 189; jeder aufgethürmte trozer, der im stolze satan gleicht, ist ein feind von gottes grösze Schubart
s. ged. 2 (1786) 396.
anders gewendet äuszert sich dieser innere trotz in launenhaftigkeit, unleidlichkeit und verbocktheit: Eurylas ... hatte den trotzer (
einen unverträglichen menschen von verstockter gemütsart) auf dem rechten wege Chr. Weise
erznarren 191
ndr.; blind, wie die menschen in ihrer bosheit sind, weisz ein solcher dann gewöhnlich gar nicht mehr, was er mir angethan hat und warum ich mit ihm gebrochen. wird es ihm kund, so meint er, ich sei ein trutzer, ein nachträger Fr. Th. Vischer
auch einer 2 (1879) 302. 33)
als feste benennung von gegenständen, hervorgegangen aus dem übertragenen gebrauch. 3@aa)
die bedeutung von trotzen
als '
reizen, locken' (
sieh oben sp. 1120 A 2 a
ende)
liegt vor in der zusammensetzung bubenträtzer,
einer bezeichnung für stirnlocke, zopfband, brusttuch u. dgl., vgl. Schmeller-Fr.
bair. 1, 682; Birlinger
schwäb.-augsb. 124; Schöpf
tirol. 752;
das simplex trutzer (
zur u-
form vgl. trotzen)
erscheint in gleicher bedeutung bei Fischer
schwäb. 2, 430,
vgl. dazu 6, 1783. 3@bb)
name einer waffengattung, erwähnt in einer aufzählung aus dem j. 1442: spiesz, helmpart, gassenhawer, rapier, trutzer
bei Crusius
annales suevici (1595) 4, 89; trotzer
spada lunga e larga da fattione Kramer 2 (1702) 1153
b. 3@cc)
federbusch am hut des kriegers (
vgl. trotzfeder),
bisweilen der hut selbst, vgl. auch trotzhut: trotzer
pennacchiera dell elmo Kramer 2 (1702) 1153
b; trotzer
een vederbos, bondel pluimen (=
pluim van vederen op een krijgsmanshoed of helm) Kramer-Moerbeek (1768) 347
c; sie waren alle roth gekleidet, mit langen degengehängen ... grünen federbüschen und trotzern auf den hüten E. G. Happel
Witekind 2, 83; trotzer
capello alla bravazza ..., chapeau à morbleu Kramer 2 (1702) 1153
b. —