vorland,
n. ,
mhd. vorlant
mhd. wb. 1, 936
a; Lexer 3, 473;
capo, porto di mare, meerhaupt, vorlandt, vorberg, schiffhafen, anfahrt Hulsius (1618) 2, 74
b (
s. unten 3 b); Adelung; Campe;
im plur. in zwiefacher form wie bei land,
und in der sprache der gegenwart wenigstens wird vorlande
als die gehobenere form empfunden: Rom, mit matter kraft um eigenes leben fechtend, vergasz der vorlande Zschokke (1824) 29, 66; seine (
des seeregenpfeifers) lieblingsplätze sind die ... grünen vorlande Naumann
naturgesch. der vögel (1822) 7, 216; Deutschland besasz keine kanäle — mit ausnahme der marken und ihrer östlichen vorlande Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. 4, 579. — vorlande
als feste landschaftsbezeichnung s. in der alphabet. ordnung. 11)
in allgemeiner anwendung, '
ein vorliegendes land, das äuszerste, vordere land' Adelung,
je nach dem zusammenhange und je nach der grösze des vorgestellten landes in verschiedener anwendung; oft ist dabei die vorstellung vorhanden, dasz das v.
niedriger ist als das dahinter liegende: vorland der Alpen;
flache küste im gegensatz zu höherem hinterlande u. ä.: dessen (
eines landes) hohe berge und grüne vorländer man sehr weit in see sehen kann Schultz
ostind. reise (1676) 212
b; (
in Helgoland) gegen südost befindet sich zwar noch ein kleines dünenartiges v. oder unterland H. v. Kleist 4, 177
E. Schm.; erreichte man zwar nicht sie selber (
die berge), aber ein grünes eiland, gleichsam ein v. derselben Stifter (1901) 3, 62; wo das Emmetal in das flache v. ausmündet Fontane I 2, 447. —
am ufer eines sees: alles sprang in die brandung, und durch schaum und gischt hin watete man auf das v. zu, das zwischen dem felsen und dem see lag I 4, 195. —
im groszen geographischen und politischen sinne: das heutige Dännemark ... stellt sich auf den ersten anblick eher wie ein v. von Deutschland dar Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 128; Italien endigte ... am Po, während die transpadanische landschaft als vorland behandelt wurde Mommsen
röm. gesch. 2, 240;
die vor dem alten gebiet der eidgenossenschaft liegenden länder: in den vorländern, Thurgau, Rheintal und Aargau
quelle von 1516
im schweiz. idiot. 3, 1300; die fänli usz den vorlendern die bescheid man uf den berg Liliencron
hist. volksl. 3, 13. —
dagegen in dem sinne, dasz das land den ersten angriff des feindes abzuwehren hatte: Hessen, schon gegen Römer das deutsche v. Fr. L. Jahn 1, 147
E. —
auch in poetischer sprache: ihre hütte nur steht (
ist stehen geblieben) auf grün hinschlängelndem vorland (
des gebirges) Voss
ged. (1802) 2, 325.
seeufer: hier, denk ich, am vorland lagern wir uns im schatten der alten familienbuche 1, 35.
in eigentümlichem sinne bei Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
b,
gleichbedeutend mit vorinsel. 22) vor
kann im sinne des ranges, der vorherrschaft, der führung genommen werden: Britannien wäre ein v. des wiederhergestellten heidenthums geworden Ranke
w.2 14, 17. 33)
in mannigfachen verengten bedeutungen: 3@aa)
in militärischem sinne, das gebiet vor der eigenen stellung: unablässig gehen starke patrouillen ins v., an die grenze, über die grenze D. v. Liliencron (1896) 1, 45;
jetzt meist vorgelände. 3@bb)
altbezeugt als bezeichnung eines in das meer hinausgehenden landstückes, auch gleichbedeutend mit vorgebirge,
s. zu anfang die glossierung bei Hulsius;
vgl. Verwijs-Verdam 9, 1012;
mnd. vorelant
in diesem sinne mehrfach [] im nd. seebuch; auch engl. foreland: das v. Hela war damaln viel weiter als nun in die see gestrecket Schütz
hist. rer. pruss. (1592) b 1
a; das südliche vorgebirge ward des prinzen von Wallis v. genannt G. Forster (1843) 2, 333; auf jenem vorland, von der wog umrauscht Matthisson (1825) 1, 84; auf dem vorland, auf dem felsgen, auf dem sandgestad, dem flachen Freiligrath (1870) 6, 105. —
hierzu vorlandspitze, f. Ritter
erdk. (1822) 18, 23. 3@cc)
an der seeküste das vor dem deich liegende land, das sich durch anschwemmung allmählig vergröszern und dann eingedeicht werden kann Richey 327; ten Doornkaat-Koolman 1, 541
b; Schmidt-Petersen 46
a: in den marschen ist es die grasart, aus deren anwuchse auf dem vorlande man sich die hofnung ... macht
allg. dt. bibl. 7, 60; bisher hiesz es v., auszendeich, groden oder helder Allmers
marschenb. 20. 3@dd)
ebenso heiszt an flüssen das vor dem deich liegende land, das der überschwemmung und auch dem einbruch des flusses ausgesetzt ist, v. Frischbier
preusz. wb. 2, 449
a: ein sehr breites v. — so nennt man das zwischen dem deiche liegende unbewallte land Thaer
grundz. d. rat. landwirtschaft 3, 167. —
hierzu vorlandsbuhne, f., fangbuhne,
zum schutze des vorlandes Krünitz
öcon. encycl. 231, 408. 3@ee)
ein ackerstück, das vor einem andern liegt und zunächst nicht in kultur genommen wird Schmeller-Frommann 1, 1485;
vgl. Fischer
schwäb. 2, 1660. 3@ff)
als ausdruck der rechtssprache, ein land, auf welches der bebauer eines lehengutes besondere rechte hatte; hier bezeichnet also vor-
einen höheren wert, einen vorzug mhd. wb. 1, 936
a; Schmeller-Frommann
a. a. o. 44)
eine eigentümliche bedeutung hat v.
im nd. angenommen, wo es im sinne von ziel, bestimmung, schicksal gebraucht wird ten Doornkaat-Koolman 1, 542;
dieser gebrauch gehört der seemannssprache an; die landzungen und vorgebirge (
oben 3 b)
bestimmten das ansegeln der küste, s. oben Hulsius
zu anfang: armoede is hun voorland Lüpkes
seemannsspr. (1900) 57
mit anderen beispielen.