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unvollkommen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unvollkommen adj. adv.

Bd. 24, Sp. 2139
unvollkommen, adj. adv. , gs. zu vollkommen (s. d.). mhd., aber noch nicht im classischen mhd., unvolkumen, -komen; mnd. unvullenkomen; mnl. onvolcomen, nl. onvolkomen; altschwed. ofulkomin, -komnin; n. ufuldkommen. vgl. unvollkommend, -kommlich. wesentlich schriftsprachliches wort. frühnhd. unvolkumen Terenz (1499) 9b; Gebwyler beschirmung des lobs Marie (1523) 24a; Knebel chron. v. Kaisheim 56 lit. ver.; Hedio chron. germ. (1530) A 4b; Eppendorf Plinius (1543) 90; Logau 360 E. unvollkomben acta publ. 1, 53 P. für imperfect Spanutius, Campe. vgl. incomplet, unvollständig. aa) nicht zu ende gekommen oder gebracht, unvollendet, unvollständig: das ist ein unvolkumne red Terenz (1499) 9b; vorredt Paracelsus chir. (1618) 524 C H.; ein unvollkomne meinung oder spruch, da einer vil auszlaszt, das er aber sagen solt Frisius 359a, werk Pantaleon mitnächtische völkeren hist. (1562) 1, 20, fragment Frisch (1730) 638; mit d: das unvollkommene restaurationswerk vollenden Mommsen m. gesch. 2, 210; an unvollkommenen (unerledigten) ausgaben acta publ. 5, 302 P.; die unvollkommene abhauung einer linden Lohenstein Arm. 2, 1289b; ein unvollkommener bau Kramer (1702) 2, 1210b, bild Gottschedin briefe 1, 15 R., nachrichten Bismarck briefe an s. braut 422; der unvollkommne glanz der monden (d. glanz des nicht vollen mondes) J. F. Horn bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 2, 35; wie traurig steigt die unvollkommne scheibe des rothen monds mit später gluth heran! Göthe Faust 3851. prädicativ: nun aber die volstreckung diser weissagung unvolkummen was Hedio chron. germ. (1530) A 4b; Eyering 2, vorr. A 4b; bis hieher ist die histori der polnischen chroniken verworren, unrichtig und u. Rätel Curäi chron. (1607) 28; was dunkel undt unvollkomben gewesen, solte nicht unnötig sein bey der kay. cammer durch fleiszige tractation zu befödern acta publ. 1, 53 P.; ein werk, welches ... u. geblieben wäre Bodmer crit. poet. schr. 2, 2; so u. auch ihre entwürfe geblieben Gottsched d. neueste 1, 23; adv.: sondern er redet vielmehr zweideutig, dunkel und u. Thierbach diarium herrenhuthianum (1750) 2, 257; u. eroberte J. ... das land Herder 12, 317 S. wir mischen heute bed. d ein; vgl. oben Mommsen. terminologisch; rechtlich: eine unvollkommene ehe, blosz bürgerlich, blosz kirchlich Krünitz 200, 257. grammatisch: die unvollkommene zeit tempus imperfectum Gueintz, Bellin, Antesperg bei Leser fachwörter 61; das zeitwort der unfolkommen-vergangnen zeit Zesen rosenmând A 4b; veraltet. metrisch: unvollkommene reime, blosz assonierende Sachs-Villatte; unvollkommene (nicht ganz volle) länge J. H. Vosz zeitmessung 176. arithmetisch: eine unvollkommene zahl ein bruch Krünitz 200, 258. musikalisch: an dem groszen oder vollkommnen intervall gemessen, erscheint der halbton, die kleine terz, sext u.: ein unvolkomene secunda M. Agricola musica choralis deudsch (1533) C 3b; ein unvollkommener gantzer ton Walther mus. lex. (1732) 309; ein unvollkommener accord, dessen terz minor ist 7; unvollkommene consonantzien, die sext und terz Mattheson vollk. capellmeister (1739) 253; 116; eine verkleinerte oder unvollkommene quart generalbaszschule 228; ausweichung, cadenz, tonschlusz Krünitz 200, 257 f.; Gathy mus. conversationslex. (1873) 418a. bb) nicht zu völliger reife und vollendung, nicht zur richtigen ausbildung, abrundung u. dgl. gekommen: das ander theil in nebel geht; dann er ist ein unvollkommner taw, der nichts zeitig ist Paracelsus (1616) 2, 30 A H., junge Eppendorf Plinius 90, stimme Frisius 1409a; Moscherosch insomnis cura 5 ndr.; same Ruoff hebammenb. (1580) 7; frucht im mutterleibe Kramer (1702) 2, 1210c; wer weisz, wie oft ich schon, ich unvollkommne frucht, den fortgang zur geburt mit ungestüm gesucht? Canitz gedichte (1727) 89; perlen Harsdörfer gesprächsp. 1, F 2a; thiere Kramer (1702) 2, 1210b; Göthe II 8, 10 W. vgl. unvollmachte J. de Acosta Amerika (1605) 27; organische naturen II 5, 1, 89 W.; ein unvollkommnes gelb II 1, 218 W.; kugeln Werner oryktognosie (1792) 52, verdoppelung Sömmerring bau d. m. körpers 8, 1, 471, wuchs, körper, gesicht Krünitz 200, 256; bruchstücke Stöckhardt chem. feldpredigten 1, viii; so wäre sie (d. sage) nichts als eine unvollkommene philosophie Solger nachg. schr. 2, 722; der natur ..., welche niemals von unvollkommenen bildungen durch einen sprung zu den vollkommensten übergeht Dahlmann franz. revol. 240, cultur Mommsen m. gesch. 1, 8; ein mehr oder weniger unvollkommenes ganze Göthe 22, 155 W., hälften Ebner-Eschenbach 4, 6. selten von jahren: A. Wagner decretum (1599) 67a. prädicativ: es ist kuntlich, wer sine sinn uf vil und manig ding setzet, dasz desselben sinne dester minder und unvolkomner (minder entwickelt) sin muossent N. v. Wyle transl. 177, 27 K.; dieweil und sie (die balenen) jugend halber noch schwach und u. sind Heyden Plinius (1565) 316; Harsdörfer secret. 1, 21; die bruth, die bald verdirbt und unvollkommen heiszt, betrübe, werthes paar, nie deinen frohen geist Henrici (1727 ff.) 2, 332; je unvollkommener das geschöpf ist, desto mehr sind diese theile einander gleich Göthe II 6, 10 W.; die beugungen (in d. mongolischen spr.) sind u. Raumer Hohenstaufen 4, 69. terminologisch; botanisch: imperfectus, u., was eine mangelhafte bildung zeigt Bischoff wb. d. beschr. botanik 99; Röhling-Mertens-Koch 1, 193; staubfäden, dolden Oken allgem. naturgesch. 3, 464; 1791; blüten u. diöcisch Schlechtendahl-Hallier 21, 232. zoologisch: die nebenröhre ist ... nach unten ... u. Naumann vögel (1822) 1, 43. von metallen unrein, gemischt, zusammengesetzt: alle unvollkommene metall Paracelsus (1616) 1, 904 C H.; Mathesius Sarepta (1571) 27b; Ercker mineral. ertzt (1580) 29b; Marperger kaufmannmagazin (1708) 176; Stahl gewehrgerechter jäger (1762) 18; quecksilber äthiops Krünitz 200, 258. im wasserbau: grundwehr, unvollkommenes wehr, ist ein wehr mit sogenanntem unvollkommenen überfall Lueger 5, 5. in zusammensetzungen: unvollkommenmuschlich, stänglich Zappe mineral. hlex. 1, 132; 12. cc) mancus, dem ein glied fehlet, u. Golius 102; defect: und weil er fszlosz ist zur frist, drumb er auch unvolkomen ist W. Spangenberg ganskönig 492; die geschliffenen gläser, mit denen freilich die ungeschliffenen kinder arg gewirthschaftet und manches daran u. gemacht haben Glaszbrenner Berlin wie es ist und trinkt 3, 10. ähnlich: die blödern und unvolkomne augen Guarinonius greuel (1610) dedicatio b 2a. dd) mangelhaft, unzureichend, fehlerhaft, minderwerthig, gering, werthlos u. dgl.: wird dich endlich reuen, das umb ein so unvollkommenes werk du dich doch so sehr bemühet Moscherosch gesichte (1650) 100; ein in seiner art so unvollkommenes ... jedermannswerk Schwabe belustigungen (1741) 1, 172; lieder, abrisz, nachbildung, handwerkszeug u. s. f. Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 224; vern. tadlerinnen 1, 56; Göthe 47, 25 W.; J. G. Forster 2, 45; ihn selbst hatte man auf keine universität ziehen lassen ..., sondern in einer unvollkommenen klosteranstalt festgehalten Ranke s. w. 1, 177; Rückert 1, 399. besonders von abstractis: vernunft H. Seuse d. schr. 159, 22 B., irvreissungi, apprehensio K. v. Heinrichau 397a Gusinde; Diefenbach gl. 43a, verstand polit. correspondenz Moritzens v. Sachsen 2, 419, mutmaszung Schill ehrenkranz 84, begriffe Schwabe belustigungen 1, 308, gesundheit A. G. Kästner 1, 58, erläuterung Kant 3, 247, 8 ak. ausg., ähnlichkeit Hagedorn 2, 126, zustand Nicolai Nothanker 1, 110, idee J. J. Engel 1, 16, vorstellung A. v. Humboldt ansichten d. natur 1, 220, eigenschaften Liebig chem. briefe 27, wirkung Büchner nachgel. schr. 110, spaltbarkeit Karmarsch-Heeren 33, 357, gelegenheit G. Keller 3, 13, befriedigung D. Fr. Strausz 6, 78; eine kunst ..., von der er nur die unvollkommensten begriffe hat Stephanie d. J. singspiele (1792) 170. veraltet als ausdruck der bescheidenheit: mein unvollkommene mainung F. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 4. terminologisch: vollkommene und unvollkommene pflichten s. th. 7, 1756; unvollkommene pflicht, pflicht von weiter verbindlichkeit Kant 5, 283 H.; unvollkommene rechte und pflichten die moralischen (tugend-, gewissens-, liebespflichten), im gs. zu den vollkommenen, juristischen (rechts- oder zwangspflichten) Hugo naturrecht (1819) 101. prädicativ: diser lehret also, das alle lehr ... wär u. und unnütz Nas eins u. hundert 1, 50b; zumal ja sonst die rothen haare für die unvollkommensten ... gehalten (am wenigsten geschätzt) ... werden Lohenstein Arm. 2, 200a; wenn hingegen einige theile in der uhr anzutreffen sind, welche hindern, dasz sie die zeit nicht richtig zeigen kan, so ist die uhr u. Chr. Wolff von gott (1720) 65; die tonkunst der Chinesen war grob und u. Zimmermann nationalstolz 61; o wie fühle ich, dasz alles glück der welt u. ist! A. v. Haller Usong 144; der bau der schiffe war u. Droysen gesch. Alexanders d. Gr. 462; noch war die ganze einrichtung höchst u. Ranke s. w. 1, 77; je weiter ich vorwärts kam, um so unvollkommener erschien mir meine bekanntschaft mit den dingen Herm. Grimm Michelangelo 1, 68. subst.: was unvollkommeners ist ... nie gesagt allg. d. bibl. anh. 37/52, 18. terminologisch: u., ein bestand, der ... weniger dominirende stämme hat, als sich darauf befinden sollen Behlen forst- u. jagdkunde 6, 113. adv.: wie unvolkomen Mattheus und Marcus das abendmal beschreiben Luther 26, 473 W.; u. befriedigen, hören, lesen können, beherrschen Göthe 7, 192 W.; IV 21, 203 W.; G. Keller 6, 137; Justi Winckelmann 1, 133; vgl. sich auf diese unvollkommene weise fortpflanzen Göthe IV 20, 297 W.; u. bekannt, ausgebildet, gegliedert, weich und elastisch, gelungen u. s. f. Winckelmann 1, 14; Oken allg. naturgesch. 1, 81; Peschel völkerkunde 32; Nicolai literaturbriefe 3, 21; Jac. Grimm Reinhart fuchs ii. ee) im geistlichen sinne: die unvolkomen rewe Jac. Strausz beychtpüchlin (1523) A 2b; Diefenbach gl. 59a; so noch im catechismus von Deharbe; was das volkommene, einige, ewige gut sey und was das unvollkommene stückwerk sey J. Arndt theologia 1; unvollkommene seligkeit, tugend, liebe Kramer (1702) 2, 1210c; J. A. Cramer nord. aufseher 1, 65; der gestalt ist menschliche gerechtikait hye noch u. B. v. Chiemsee 38; gute werk, welche in dem höchsten grad u. sind bey uns Moscherosch insomnis cura 121 ndr.; wenn nun unsere natur so u. ist, dasz wir nicht ohne sünde bleiben können Nicolai Nothanker 2, 118. vom menschen: Tauler predigten 16, 7 V.; im anfang entsoszent sich ouch die junger ..., denn sie noch unvolkummen worent Keisersberg postill 2, 110b; unfolkumne christen Gebwyler beschirmung (1523) 24a; menschen Prätorius anthropodemus pluton. 1, 34; wir seynd alle u., noch sehr u. Kramer (1702) 2, 1210c; sie, die hier so u. ... war, ist itzt durch himmelsfreude vollkommen Zimmermann über d. einsamkeit 3, 234. substantiviert: wie man ablege das unvolkommene, so da kompt das volkommene J. Arndt theologia 1 (aus der theologia deutsch s. 2 Pfeiffer). adv.: das die leute unvolkomen leben, da mag man gedult haben Luther 24, 207 W. ff) allgemein sittlich, nicht vollkommen: das unvollkommene, bestraffte Babylon Treuer Dädalus 1, 146; wir bleiben indessen unvollkommene geschöpfe, die täglich fehlen Gellert 9, 98; die unvollkommenen götter des Homer Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 37; bald umgibt dich, unvollkommne hülle, dunkle nacht, des grabes stille Hölderlin 1, 37 L.; dasz wir unvollkummen sind, wann wir disz erkennen, kan man solch erkäntnüsz schon eine beszrung nennen Logau 360 E.; Lichtwer 32 oben sp. 222; auch ist, wie Garve lehrt kein mensch durchaus u. Schiller 2, 5 G. gg) philosophisch: aber das geteilte ader das unvolkommen ist das, das ausz dissem volkommenn geursprungt ist ader wirt theologia deutsch 7 M.; es kan nicht seyn ..., dasz ein gantzes vollkommenes ... von einem unvollkommenen wesen gestükkelt sey Schottel haubtspr. 55; die unvollkommenen erscheinungen unsrer welt auf muster in einer höheren zu beziehen Solger Erwin 1, 11; in jener welt nun ist kein wechsel des guten und bösen, vollkommenen und unvollkommenen, unsterblichen und sterblichen 1, 152. insbesondere 'in dem mannigfaltigen seiner theile nicht gehörig zusammenstimmend, oder auch nicht den möglichen besten grad der güte habend' Adelung ; eine schönheit ist u., wenn das mannigfaltige in derselben nicht gehörig zusammenstimmt, oder wenn noch etwas an dem höchsten möglichen grade derselben fehlet Adelung; ein unvollkommenes gebäude derselbe; epigramm, leistung; u. ist, was den verpflichtungen seiner eigenen natur nicht genügt Lotze mikrokosmus 35, 556; von solcher bedeutungsentwicklung ist Göthe 3, 315 W. nicht unbeeinfluszt: gar nichts neues sagt ihr mir! unvollkommen war ich ohne zweifel. was ihr an mir tadelt, dumme teufel, ich weisz es besser als ihr! zahme xenien 5, 1202. — unvollkommend, part. adj., gs. zu vollkommend (s. d., mhd. volkomend), part. präs. des v. vollkommen in der bed. des adj. unvollkommen e: gleich wie wir dulden mussen auch bosze menschen odder die unvolkommenden Luther 6, 221 W.; umb der unvollkommenden leyen ... willen 6, 243 W.; die unvolkommende liebe gottis 7, 349 W.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unvollkommen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unvollkommen , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von vollkommen in dessen meisten Bedeutungen, S. dieses Wort, in de…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unvollkommen

    Goethe-Wörterbuch

    unvollkommen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unvollkommenAdj.

    Pfälzisches Wb.

    un-vollkommen Adj. : 'nicht vollständig, fehlerhaft', -vollkumme, -komme [vereinzelt]. —

  4. Spezial
    unvollkommen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|voll|kom|men adj. da defet, nia perfet.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unvollkommen

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unvollkommen

un- + vollkommen

unvollkommen leitet sich vom Lemma vollkommen ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unvollkommen 2 Komponenten

unvoll+kommen

unvollkommen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unvollkommen‑ als Erstglied (1 von 1)

unvollkommenheit

DWB

unvollkommen·heit

unvollkommenheit , f. , mangel an vollkommenheit und ihr gs.; mhd. unvolkumenheit, -vollenkumenheit, -volkomenheit; mnd. unvullenkomenheit; …