stadtrecht,
n. jus municipale: statrecht,
politia. Dief. 445
a; das stattrecht,
jus municipiorum, jus municipale. Dasypodius; stattrecht oder weltlich recht,
civile jus. ebenda; das stattrecht,
oppidanum jus. ebenda; das stattrecht oder burgerlich recht,
oppidanum jus, jus civile, civium jus. Maaler 385
c; stattrecht,
giure civile. Hulsius (1618) 238
a; das stadtrecht Comenius; stadtrecht oder gewonheit,
jura civica. Corvinus 155
b; stadtrecht, der bürger recht in einer stadt,
jus civile. 338
a; statrecht Schottel 480
b. 503
a; stadtrecht, weltlich recht, ...
jus civile. Dentzler 1, 369
a; landrecht, stadtrecht,
jus municipale. ebenda; stadtrecht,
jus municipale, sive civitatis. Stieler 1552; städtisches recht
alias stadtrecht,
jus municipale. 2113; stadtrecht,
dritto, il jus, ragione della città. Kramer
dict. 2 (1702), 902
a;
vgl.stadrecht,
jus civile, jus municipale, jus praetorium. Kilian. 11) stadtrecht,
gesamtheit der einer stadt verliehenen freiheiten (
vgl. oben stadtfreiheit
sp. 458),
die eben das wesen der stadt ausmachen: stadtrecht, das ein ort, der vorher nur ein flecken gewesen, erlangt,
jus civitatis, jus municipale. Frisch 2, 315
a;
vgl. auch oben stadtbefreiung (
sp. 441)
und stadtberechtigung (
sp. 442): er (
Subislaus) aber wolle graben und plancken darumb machen jhnen zu gut, er wolte jnen stadrecht verleyen. Hennenberger
preusz. landtafel 64; müssen wir jetzt zuweilen ertragen, dasz der polnische bär ein leben für sich fordert, es geschieht doch nur selten und nie im muthwilligen bruch des stadtrechts, denn er haust nicht unter uns. Freytag 11, 135. 22)
rechte und freiheiten, welche die stadt den bürgern gewährt, z. th. sich ergebend aus 1: item die nachgebauer
[] haben stadtrecht, ob ein nachgebur furte etwas fur Bruckenaw, das sein were, das solt ime unvertzollet gehen.
weisth. 3, 889; wir verleihen in, ein rehtes statreht da selbst (
Wunsiedel) zu haben und des selben zu genieʒen mit mulzen, brewen, kaufen und verkaufen.
quelle von 1324
in Mones
zeitschr. 2, 582; etliche aber, die, so sie (
die fremden) mit freuden hatten angenomen, und stadrecht mit geniessen lassen, plagten sie mit grossem schmertzen.
weish. Salom. 19, 15; ich hab die anzal der heuser in diser statt fleissig lassen berechnen unnd anschlagen, seind ob anderthalb hundert mal tausent gefunden worden, on die vorstatt und anhang der statt, die in gleichem stattrecht und burgerschafft seind. Franck
weltbuch 230
a; so lies er (
Brasidas) den mit den Atheniensern geflüchteten Toronäern durch einen herold bekant machen, dasz, wer lust habe, sich wieder zu dem seinigen begeben und sein stadtrecht ungekränkt geniessen könne. Heilman
Thucydides 600; gsel Rüedi, wen du min sin hettist und mir in dem stuck folgen wettist, so wetten wir unser statrecht bruchen mit disem stalknecht.
fastn. sp. 837, 29
Keller. dann auch dienste und abgaben, welche von den bürgern an die stadt zu leisten sind: der stat jêrlichen alle statrecht tûn und pflegen an geschosse, an wachen ...
jenaische statuten 30
a. 1. 33) stadtrecht,
nach welchem in der stadt recht gesprochen wird, nach welchem das leben in der stadt sich ordnet: stadtrecht, das eine stadt unter sich selbst gemacht, ist soviel als marktrecht. Frisch 2, 315
a; was aber anndere personnen für zins uff vermelter gotzhüsern, Muri oder Wettinger gütren hannd, da sölle unnd möge, ein ieder dieselben nach innhalt unnd uswysung siner brieff unnd siglen oder nach miner herren von Zürich stattrecht in tzüchen nach sinem gefallen.
weisth. 1, 60; dieselbin (
die neuen bürger) dan geloben und sweren müssen, ... recht zu Meyningen nach stadtrecht vor dem radt daselbst zu geben und zu nemen. 3, 600; so stet unser öffnung und alts herkomen, das wir haben mit Hettinger holzwaide und gesuch von dem joch unz herab in den wag, wir nach stattrecht, und si nach dorfsrecht.
tirol. weisth. 1, 232, 13; nach ausweisung (
des) stattrecht
fälligen zins einziehen. 3, 22, 36; item, wenn ain richter zu dem lantzrechten sitzt, so ist er schuldig und gepunden des nachsten freitag darnach ze sitzen zu dem statrechten, als dan von alter recht ist. 4, 421, 7,
d. h. rechtsprechen nach stadtrecht. zu dem gegensatze von landrecht
und stadtrecht
vgl. auch das rechtsprichwort stadtrecht bricht landrecht Simrock 9803,
d. h. kann in widerspruch zu dem herrschenden landrechte stehen. 'recht' ist das weltlich regiment, das landrecht, stadrecht, darnach die bürgermeister und fürsten sollen regieren in eusserlichen dingen, da es betrifft hausz, hof
etc. da gehöret recht zu, als ir Saxen den Saxenspiegel habt. Luther 28, 543, 20
Weim. ausg.; über das hetten sie (
die ratsherren von Jerusalem) eigen stadrecht quod divisum in duas partes, in regimen corporale et spirituale. 29, 220, 1; wer handelschaft trieb durfte nach lübischem recht nicht mitglied des rathes werden, und spuren ähnlicher zurücksetzung des kaufmanns finden sich in anderen alten stadtrechten. Freytag 18, 114; noch weiter im osten der neue markt Breslau, erst vor kurzem nach deutschem stadtrecht geordnet, aber bereits ein wichtiger vorposten deutscher cultur. 120; mein lieber wirt, sag mir an schlecht, was ist allhie für ein stattrecht? was ubels müssen thun die leut, dasz man eim dise statt verbeut? H. Sachs 17, 377, 25
Keller-Götze. einzelne stadtrechte
genossen besonderes ansehen und fanden als rechtsbücher in andere städte eingang: item wir haben stattrecht, als die statt ze Innsprugg, und ob unser ainem notturft oder ain recht ze schwer wer, so mügen wir dingen in den rat geen Insprugg.
tirol. weisth. 1, 246, 22,
d. h. von Innsbruck neue rechtsbelehrung einholen; über solche niederschriften der stadtrechte
vgl. Wackernagel
litteraturgesch. 1, 419
und Gaupp, deutsche stadtrechte des mittelalters. Breslau 1851.
besondere geltung hatte für den osten das stadtrecht
von Magdeburg, vgl. Wackernagel
[] 1, 438; ihre colonisten besiedelten die städte Kulm und Thorn und nahmen von der mutterstadt Magdeburg ihr stadtrecht. Freytag 18, 205. 44)
gebiet, in welchem das stadtrecht
geltung hat, s. oben stadtmark (
sp. 481)
und unten weichbild: es soll kein meister seine werkstatt aufm dorfe oder auszerhalb des stadtrechts haben.
quelle im Weimarer archiv von 1695
bei Dief.-Wülcker 861.