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unbescheiden

mhd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unbescheiden adj. adv.

Bd. 24, Sp. 337
unbescheiden, adj. adv. , nicht oder wenig bescheiden. mhd. unbescheiden; mnd. unbeschêden, unbescheiden; mnl. onbesceiden wb. 5, 256; nl. onbescheiden wb. 10, 1036; Dijkstra 2, 280a; n. ubeskeden; schwed. obeskedlig Falk-Torp 1, 62; mnd. unbeschêdelik; unbescheidlich Zwingli 1, 126. vgl. unbescheidenlich. die mundarten berücksichtigen die heute häufigste abgeschwächte bedeutung 4 am wenigsten (vgl. bescheiden Fischer 1, 892) oder wählen andere wörter, z. b. ostfr. unbeläfd, unbeschâmd, unbeschuft Doornkaat-Koolman 3, 467b. 11) veraltet passivisch non distinctus, indiscretus, non constitutus, irritus; mnd. mnl. auch unabgesondert, unausgemacht; unverständlich: di rede ist gar unbescheiden Brun v. Schonebeck 11773 Fischer; söllich unbeschayden puncten und articul anfechtbar privatbr. 1, 373 Steinhausen; welche schanckung eines eegenoszen an den anderen für beschaiden oder unbeschaiden zu halten, soll Nürnb. ref. 170b; ain so unbescheiden guet und gelt abschätzen Aventin 5, 580, 29. 22) in der schriftsprache so gut wie verschwunden ist die act. bed. unwissend, unverständig; wohl auch aus der pass. (nicht beschieden, unterwiesen, erzogen) hervorgegangen. heute wird unbescheiden gelegentlich beinahe als gegensatz von unverständig empfunden: nicht unbescheiden nur, auch unklug wär's mit meinem königlichen herrn zu streiten Raupach ernst. 15, 108; Schmeller 2, 371; Drechsler Scherffer 221; Richey 327. meist von personen: er ist ein thor, unbescheiden insulsus Boltz Ter. 59a; ein unbescheidener kopf Luther br. 2, 423; prediger Mathesius leichenr. 4, 197, 29; wir nar sind so unbescheiden, die wir weise wollen sein, dasz wir da ein ding erwählen, das doch nur beschwert die seelen Fleming 1, 346, 35; die thoren und unbescheidene pers. rosenthal 2, 16. seltener von sachen: in unbescheidner auszgebung eweres gottes (irrationabili; vgl. auch bed. 1) off. d. h. Brigitte (1502) 4, 29. vielleicht noch bei Herder: unbescheidene nachahmung, unverständige regelannahme 22, 198. für infrunitus gemma 1508 m 9b. 33) im sittlichen sinne bedeutet unbescheiden schon mhd. maszlos, ungebührlich, rücksichtslos, ruchlos; importunus, protervus, inquietus, impetuosus gemma 1508 m. 3 ba; nimius Frisius 869a; agrestis et inurbanus Apinus (1728) 338; importun, grob, unzeitig Belemnon 89; ondeugend Kramer-Moorbeek 2, 361a. noch Musäus verbindet es mit bengelhaft, roh (volksm. 1, 5), Kinderling (118) setzt es für brüske, stolz, trotzig, ungestüm. vgl. sich bescheiden und 4: und wann sy chomen von dem wein, so wöllens unbeschaiden sein (gegen ihre schwangeren frauen) Hätzlerin 288, 152; ein unbescheidene, überflüssige oder unmeszige sorg Keisersberg post. 3, 81a; unzüchtig und unbeschayden Sachs 1, 197, 29 K.; mit troworten unbescheiden 12, 346, 25 K.; man hat einem fleischer, welcher etwa der religion halben mit den decano in gespräch gerathen und sich solle unbescheiden erzeiget haben, ... ein urthel gesprochen acta p. 2, 248 Palm; der unbescheidne tod macht endlich alles kalt Rist Parn. B. 7 g; die umbgekehrte musqueten so unbescheiden seyn, dass sie keine festigkeit respectirn Grimmelshausen 4, 676, 8 Keller; hencker Prätorius glückstopf 75; der unbescheidenen willkühr der rasenden wellen Lohenstein Arm. 2, 1238a; die unbescheidenen (zudringlichen) landläuffer Chr. Weise kl. l. 191; unbescheidene wütheriche Schmidt rockenphil. 2, 272; du unbescheidnes thier (mala bestia) Gottsched schaub. 2, 84; einen tobenden, unbändigen, wüthenden, unbescheidenen schelten neueste 1, 371. besonders trunken, nimius mero Maaler 454c; es steht einem kriegsmann viel basz an gottsförchtig, nüchtern, bescheiden ... dann verruckt, truncken, unbescheiden ... zu seyn Fronsperger kriegsb. 1, c 5r; Landolf thut so viel bescheid, dasz er schleünig unbescheiden und den leuten mühsam wird Grob vers. 73. veraltet. 44) in der abschwächung immoderatus, immodestus, unartig, die allerdings auch früher schon aufgetreten war und ebenso auch später noch einen herben tadel enthalten kann, hat sich dann unbescheiden in der neueren sprache gemeingültigkeit errungen. fertig und geneigt, sich ungegründete rechte oder freiheiten anzumaszen Adelung: welcher dan auch sogar unbescheyden ist gewesen, das er auch gott eyne andere weis die welt zumehren hat wöllen fürschreiben Fischart ehzb. 269, 18 H.; ein unbescheidener und unbarmherziger spötter Liscow 225; nur der unbescheidne rühmet jedes, was er thut Voss ged. 6, 6; überall galt er für einen harmlosen, nie unbescheidenen ... gast Holtei erz. schr. 5, 141. übertragen auf lebloses: die unbescheidnen federn der damen im theater Göthe 4, 318 W.; ströme Arndt schr. 1, 447; auf thiere: vogel Immermann 5, 157. von begriffen und sachen: unbescheidnes fragen Stoppe Parn. 216; seufzer Wieland I 3, 55; accompagnement Quantz anw. 166; in jenem beynahe unbescheidenen wunsche Göthe IV 37, 185 W.; neugier Tieck 1, 139; bedingungen, von denen die beiden ersten anmaaszend und ganz unbescheiden sind Schopenhauer 1, 14. auch etwas, zu, nicht ganz, geradezu u. ä. unbescheiden: seine unbescheidene meinung ... ging dahin Treitschke aufs. 1, 178, aus dem gegentheil bescheidene meinung hervorgeholt. verbale verbindungen: ich wollte nicht unbescheiden seyn Pfeffel pros. vers. 5, 41. vgl.so grob sein sich die freiheit nehmen und grobheit für unbescheidenheit Unger-Khull 308; ich bin so unbescheiden nicht Jacobi 5, 219; ohne unbescheiden zu seyn Göthe IV 14, 230, 1 W.; der oberste .. ward in kurzem so unbescheiden Nicolai Noth. 2, 205; wenn ich unbescheiden scheine Schiller 14, 259; sie werden mich aber auch nicht für unbescheiden halten jahrb. der Grillparzerges. 1, 197. mehr zu verlangen würde unbescheiden seyn Göthe IV 33, 96 W.; es ist vielleicht unbescheiden von mir, wenn Moltke 1, 193; es kann nicht für unbescheiden gelten, ... zu erwähnen Hegel 16, 166; wenn es nicht zu unbescheiden ist Pückler br. 3, 169; ich fände es unbescheiden ... beizuwohnen Pocci com. 220. adv. 11) der 1. bed. des adj. entsprechend, sine justa causa, frustra: warum toben die heyden und reden auch so unbescheyden, gar vergeblich der leute hauff? Sachs 18, 27 K.; Luther 1, 453 W.; in der ersten tages stund wart er (Christus) unbescheiden als ein mörder dargestellt Wackernagel kirchenl. 3, 259. umgebogen in bed. 4: die kometen werden nicht unbescheiden am himmel sichtbar, wie manchmal ein ungezogener mensch in einer wohlgezogenen gesellschaft, sondern sie kommen unbeschieden, das ist ungerufen, weil sie selber wissen, wann ihre zeit da ist .., besser als ein unbescheidener mensch Hebel 2, 206, 17; 2, 165. 22) unklug, unverständig: es reden auch viel vom freyen willen unbescheiden Luther 26, 226 W.; dasz ich mich gar unbescheiden mortificiret in todesgefahr gebracht Simpl. 2, 208, 23 Kell.; das gute wort cantabel, das man jetzt so unbescheiden zu miszbrauchen anfängt Gerstenberg rec. 343, 19. 33) grob, rücksichtslos, ungebührlich, maszlos: und flucht so unpeschaiden, als ob er wer ain haiden Sachs 22, 209, 19 K.-G. vgl. unbescheidner weisz Kirchhof wend. 1, 93; mit unbescheidenheit ungebührlich Sachs 17, 231, 28 K.; unbescheyden unde mordtgirich Rotmann rest. 103; so grob und unbescheiden Schütz hist. rer. Pr. 7, p iib; dasz ihr so unbescheiden verabsäumt euren gott Lohenstein himmelschl. 10, 172. in der bedeutung übertrieben, nimis noch heute: dasz man mich ... unbescheiden lobet vern. tadl. 1, 223; dasz du dich auszeichnest unbescheiden Rückert 8, 61. eine unbescheidene summe fordern, nennen. doch klingt bed. 4 an. vgl. unverschämt. 44) auf der grenze zwischen 3 und 4: nachdem .. bemelte schiffer mit dem lohn ... unersätlich und unbescheiden sich verhalten (1616) Lori bergr. 497. sonst bescheiden oder unbescheiden sich hervorthun Göthe 49, 2, 232 W.; mögen unbescheiden andre quälen mich durch dicke bände Platen 1, 530; wie ich unbescheidener weise von mir zu sagen pflege Brunner erz. 1, 166; damit ich sie nicht unbescheiden ermüde Pückler br. 1, 354. gesteigert: je unbescheidener Jakob ihn ... vorwärtszog Holtei erz. schr. 16, 91; es sind die freyesten, verwegensten, unbescheidensten leute von der welt Stephanie 12, 20. subst.: diesem ins unbescheidene fallenden tone hat er es zuzuschreiben, dasz allg. d. bibl. anh. 37—52, 1382. personenname (vgl. Unbescheid): curia dicta Unbescheidens hof 1424 Schmidt Straszb. gassen- u. häusernamen 37. sprichw. Wander 4, 1420.
8455 Zeichen · 191 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unbescheidenpart. adj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    unbescheiden part. adj. 1. nicht zugewiesen, worüber nicht verfügt ist. mühlh. rb. 43. 2. ohne bescheid. eʒ ist mir zorn…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    unbescheiden(verneintes Part. Prät.=)Adj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    unbescheiden , (verneintes Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. unbeschēden

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unbescheiden

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unbescheiden , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von dem Bey- und Nebenworte bescheiden, in dessen sämmtlichen Bedeu…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unbescheiden

    Goethe-Wörterbuch

    unbescheiden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    unbescheiden

    Mecklenburgisches Wb.

    unbescheiden 1. a. Spr. unabgesondert: 'dat se ... nicht seker hadden gewest vor deme volke des unbescheden hupen' Jb. 5…

  6. Sprichwörter
    Unbescheiden

    Wander (Sprichwörter)

    Unbescheiden Unbescheiden lässt sich in Seide kleiden.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unbescheiden

12 Bildungen · 12 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unbescheiden

un- + bescheiden

unbescheiden leitet sich vom Lemma bescheiden ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unbescheiden 3 Komponenten

unbe+(schei+den)

unbescheiden setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unbescheiden‑ als Erstglied (12 von 12)

unbescheidenheit

DWB

unbescheiden·heit

unbescheidenheit , f. , gegentheil der bescheidenheit, abstract und concret, auch im plur. mhd. neben unbescheidenheit auch unbescheidenunge…

unbescheidenlich

DWB

unbescheid·enlich

unbescheidenlich , unbescheidentlich , adj. adv. , gegentheil von bescheidenlich , bescheidentlich , von bescheiden nicht verschieden, aber …

unbescheidenlîche

Lexer

unbescheiden·liche

un-bescheidenlîche , un-bescheidenlîchen adv. BMZ auf ungebührliche, unbillige, unverständige od. rücksichtslose weise Hartm. ( dû zeigest d…

unbeschêⁱdenlĩken

MNWB

unbescheiden·liken

unbeschêⁱdenlĩken , unbeschê(i)dentlĩk , unbeschê(i)dentlich , umbeschê(i)denlĩke , adv. : 1. ungebührlich, „ Alse den ock etlike Kynder / s…

unbescheidenlīche

KöblerMhd

unbe·scheidenlīche

unbescheidenlīche , Adv. nhd. ungebührlich, unbillig, unverständig, unangemessen, rücksichtslos, unvernünftig, unbelehrt, unpassend, unrecht…

unbescheidenlīchen

KöblerMhd

unbescheiden·līchen

unbescheidenlīchen , Adv. nhd. ungebührlich, unbillig, unverständig, unangemessen, rücksichtslos, unvernünftig, unbelehrt, unpassend, unrech…

unbescheidenunge

Lexer

un-bescheidenunge stf. unverständigkeit. swâ unb. ist, dâ ist diu milde niht zer vrist Wg. 14173.