wirklich,
würklich,
adj.; spätmhd. als verbaladjektiv zu wirken, würken,
vb., gebildet; früh als würkenlich
mystiker 2, 417
Pfeiffer, würkelich 2, 11, würklich Tauler
pred. 157
Vetter neben wirklich
ebda, wurklich Hans Folz
meisterlieder 101, 50
Mayer, Eberlin v. Günzburg 2, 55
ndr.; md. werklich,
vgl. wercklich
actuarius Diefenbach
nov. gl. 7
b,
nd. werklik,
vgl. wercklick
effectivus v.
d. Schueren
Teuthonista 310
b Cl.; vereinzelt zur tiefstufigen form gebildet worhtlich Frauenlob 17, 10
Ettm.; die verteilung von -ü-, -i-
und -u-
entspricht der von wirken,
doch hält sich würklich
z. t. etwas länger (
bis in die mitte des 19.
jhs.)
auch bei autoren, die wirken
schreiben, oft in regellosem wechsel mit wirklich,
vgl. würklich Pfeffel
pros. vers. 5, 30,
aber wirklich 5, 41; würklich Göthe IV 36, 91
W., aber wirklich IV 8, 113. 11)
zufrühest von wirken II A
abgeleitet im sinne '
handelnd, tätig'
oder '
durch handeln geschehend, im tun bestehend',
vgl. wircklich
actualis Diefenbach
gl. 11
a, wurcklicher
agilis 18
a,
practicus 450
a;
umgangssprachlich im frühen 18.
jh. abkommend. 1@aa)
als adjektiv. 1@a@aα)
von personen '
tätig, handelnd',
vgl. ein würklicher, der do vol arbeit ist und nutzsam
operosus Diefenbach
gl. 397
a: solte denne der edel nach gotte gebildet werde mensche nút wúrklich ('
strebend') sin nach gotte ... an sinen kreften Tauler
pred. 157, 3
Vetter; der mann aber ist wircklich oder thätig Schweickhart
gr. z. Helfenstein
Basilius magnus (1591) 1039;
zu wirken II A 2 d
bzw. I A 5 '
schöpferisch': got ist volkomenlich guot, gros, weis, ... parmhertzig, gerecht, würchlich Berthold v. Chiemsee
t. theol. 156
Reithm.; bis in neueste zeit formelhaft erhalten in titeln und amtsbezeichnungen, besonders wirklicher geheimer rat
u. ähnl., wo wirklich
zunächst '
aktiv, im amt befindlich'
bedeutet im gegensatz zu dem nur ehrenhalber verliehenen, nicht mit einer amtlichen tätigkeit verbundenen titel; in neuerer zeit nicht mehr verstanden und als blosze steigerung des titels verwendet; vgl. wircklicher beamter
ufficiale effettivo Kramer
t.-ital. 2, 1358
c: herrn Octavio Piccolomini ..., rö
m. kayserl. majest. würcklichen geheimen raht Harsdörfer
t. secret. (1656) 1, c 2
b; Sternheims verdienste, mit dem charakter eines wirklichen obersten, rechtfertigen die hoffnungen, die ich ihm gemacht habe S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 29; der maler Rigaud (
ist) wirklicher hofmaler geworden Bauernfeld
ges. schr. 6, 53; die drei andern sind sehr gut und wenigstens wirkliche geheimräthe A. v. Droste-Hülshoff
briefe 268
Schück.; ebenso wirkliches mitglied
gegenüber dem ehrenmitglied: wirkliches mitglied der akademie der wissenschaften Boltzmann
pop. schr. (1905) 23. 1@a@bβ)
entsprechend von körperlichen oder geistigen organen und dingen, die eine tätigkeit haben, vgl. wurcklich verstentlichkeit
intellectus agens Diefenbach
gl. 302
c: der mensch nimpt zu oder ab, desz zu urkund hat die natur alle wirkliche glider als aug, mund, nasz, hend
etc. herfürgesetzt Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 94
a; die hochlöbliche fruchtbringende gesellschaft, welche an die teutsche sprache ... wirkliche hand angeleget Neumark
[] neuspr. t. palmb. (1668) 474;
spezieller nach wirken II A 2 c '
aktiv': dise suochunge die in dem menschen geschicht ... ist ... wirklich und die ander ist lidelich. die wirklich das ist da der mensche suocht, in der anderen so wirt er gesuocht Tauler
pred. 143, 25
Vetter; von wegen des, dasz sich alle augen müssen leidenlich und nicht wircklich halten
V. Weigel
gülden griff (1613) g 1
b;
an wirken II A 1 d
bzw. I A 5
angeschlossen '
schöpferisch tätig': was zeugen kan, das musz einen leib haben: denn generiren ist eine krafft animae vegetatricis, welche eine art ist eines würcklichen leibes Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 1, 218;
ähnlich: also hat auch das erdreich und die anderen element ire wirckliche ordnung, das sich nach ordnung allerlei gewechsz summerzeit herfür thut C. Huberinus
form zu predigen (1557) 48
c. 1@a@gγ)
von tätigkeitsbegriffen u. s. w. im sinne '
durch handeln geschehend, im tun bestehend',
vgl. wurcklich ubung
practica Diefenbach
gl. 450
c: ... des geistes worhtlich minne mit der liebe unt mit der lüste enget, wîtet ân unküste Frauenlob
frauenleich 17, 10
Ettm.; mit dem liechte siner redelicheit so úbersicht er (
der verklärte mensch) gehelingen die uswendige krefte und berichtet die zuo irem wúrklichen amte Tauler
pred. 158, 19
Vetter; es ist nicht eine natürliche einickeit, ... las sie gleich heiszen wirckliche einickeit, darmit das der engel und seine gestalt einerley werck ausrichten Luther 26, 441
W.; allerlay zeugen ..., mit wurcklicher that erkandt Knebel
chronik v. Kaisheim 207
lit. ver.; acht zöber (
bekommen) die gesamten bornknechte, so in würcklicher arbeit über dem deutschen brunne stehen Fr. Hondorff
saltzwerk zu Halle (1670) 17; complimenten und dergleichen reden, damit in der conversation der mangel würcklicher auffwartung gleichsam ersetzet ... wird Chr. Weise
polit. redner (1677) 161; wonach (
ich) die glückseligkeit schätze in euer curfl. durchlaucht wirklichen diensten zu stehen C. v. Heppe
aufr. lehrprinz (1751) 10; '
sich in taten äuszernd': lasz sie (
die armen) doch nicht ohn lieb gekost und würkliches erbarmen Angelus Silesius
heil. seelenlust 228
ndr.; vgl. wirckliche belohnung, wircklichen dank
ricompensa effettiva Kramer
t.-ital. 2, 1358
c;
geradezu '
tatkräftig': auch sonsten in meinem wirklichen fleisz nichts ermangeln lassen Leibniz
dtsche schr. 2, 21; die kraft ist eine wirkliche bemühung zu wirken wie die weltweisen lehren Gottsched
beob. (1758) 181;
formelhaft ist wirkliches leben = vita activa
im gegensatz zum beschaulichen leben,
vgl. wirken II A 2 c: ein lew verbringt me uszwendiger werck dan ein clostermensch, der in einem würcklichen leben mer dan in einem schowenden leben Geiler v. Keisersberg
arbor hum. (1521) 27
a; wenn er in der beschawung gewest, hat er die brüderliche lieb des würcklichen lebens nit verlassen H. Fabricius
auszzug bew. histor. (1599) 119;
ähnlich: die erst (
frohlockung) heist jubilatio contemplativa oder die inbrünstig frolockung des hertzens in got, die ander heist jubilatio activa, das ist ein würckliche frolockung Virdung
musica getutscht (1511) a 2
b;
länger hält sich die terminologische formel wirkliche sünde '
tatsünde'
gegenüber der habituellen sünde, der erbsünde, vgl. wurcklich sunde
peccatum actuale Diefenbach
gl. 418
b; denn das arme kindle hat yhe noch keyn wurcklich sund auff yhm Luther 10, 1, 1, 511
W.; weil sich die erbsünd stehts will gegen ihr (
die seele) empören, die aus den würcklichen ihr grose rott anhänckt Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 220; und weil ein neugebohrnes kind schon wircklich sünde thut, die an sich selbst verdammlich sind: so tilgt auch die dein blut
gr. Zinzendorf
sämtl. neue lieder (1773) 31;
später irrig an 3 a
α angeknüpft: ich würde zwar ... nicht die sünde quaestionis, allein doch eine würkliche sünde begehen Hippel
lebensläufe (1778) 1, 4; der mensch soll ewig nur seine wirklichen und unwirklichen sünden in
[] gedanken erwägen
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes 111;
ähnlich wurcklich unkunschait
petulantia Diefenbach
gl. 432
b: dasz selbe (
weib) in einem würcklichen ehebruch seye ertappt worden Abraham a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 292. 1@bb)
als adverb; früh im gegensatz zu wesentlich: werc unde zît enhât noch wesen noch stat an im selber, ez ist gefallen würkelîche ûz dem geiste in der zît
mystiker 2, 73
Pf., vgl. 417; es mste wúrklichen und weselich in mich alles flissen, das dis hovbt mit den lidern hat in himel und in erden Tauler
pred. 159, 18
V., vgl. 89, 24; ich musz wirck- und wesendlich innigsd mit dir werden eins G. Arnold
göttl. liebesfuncken (1701) 2, 15; '
durch handeln',
vgl. wurcklich uben
practicare Diefenbach
gl. 450
c: dan das kan gott allein in seynem namen und wircklich und kein creatur Carlstadt
v. vermugen d. ablas (1520) a 2
b; '
mit der tat': es ist naturlich, dasz der keyszer undt churpfaltz denen guts thun, so ihnen würcklich dinnen Elisabeth Charl. v.
d. Pfalz
briefe v. 1716 -18 208
Holland; mir (
wird) nichts liebers seyn ... als meine erkentlichkeit würcklich an den tag zu legen Hunold
neue briefe (1723) 292;
oft im gegensatz zur mündlichen oder schriftlichen mitteilung: ein pfarrherr soll nit uff ein mal wöllen alle ding würcklich abstellen, er fahe es an erstlich bescheydenlichen wortlich antasten Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 88
ndr.; was wir nicht würcklich und mündlichen verrichten können, (
wollen wir) doch schrifftlich nicht unterlassen Schoch
studentenleben (1657) c 7
a;
in mischung mit 3 b
β: für das bisher schriftlich und wircklich mitgetheilte zunächst erwiederung und danck Göthe IV 40, 41
W.; '
in aktiver weise': man gab für, die wal der kaiser solt wyrcklich und litlich, active et passive bey den Teutschen bleiben Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 189
a. 22)
zu wirken II B,
besonders II B 4,
im sinne '
eine wirkung ausübend, wirksam, gut wirkend'
hinsichtlich des gewünschten erfolges, vgl. was vor einem ding gadt, als krafft und macht habende das ander ze bringen, das wirdt sein ursach genennt, vollmächtigklich, würcklich
quod cuique efficienter antecedat Frisius
dict. 461
a. 2@aa)
adjektivisch; noch zu wirken II B 1
gehörig, '
eine einwirkung, einen einflusz habend': natur noch zeit, einflusz noch schein in got wurcklichen wurden nye wan all wurckung von got ausz got Hans Folz
meisterlieder 35, 113
Mayer; derselb will ist in dem menschen oder in der creatur wurcklich
theologia deutsch 93
Mandel; dann die wircklichen elementen müssen mit wirckenden elementen uberwunden werden Paracelsus
opera 1, 659
Huser; entsprechend wirken II B 4 a
von der ursache '
eine bestimmte wirkung hervorrufend': ein hus ... hat für wurcklich ursach den zymmermann Riederer
rhetoric (1493) a 4
b; die kranckheiten kommen ... von einer würcklichen ursach, von wegen ubriger hitz oder truckenheit Lehman
flor. polit. (1662) 4, 187;
ebenso zu wirken II B 4 b '
wirksam': die besten und würcklichsten stuck irer (
der heiszen brände) cur und heylung Gersdorff
wundarzney (1517) 68
b; der wild knoblauch ist zu allen vorgeschribenen stucken krefftiger und würcklicher dann der zam Michael Herr
feldbau (1551) 155
b;
schon mit 3 a
α vermengt: der übergang der mit den speisen aufgenommenen ernährenden bestandtheile in wirklichen nahrungsstoff unseres körpers Bremser
med. parömien 215;
in allgemeiner verwendung entsprechend wirken II B 4 c
und d: die einnemung (
ist) erfolget und ergangen ane wirckliche gegenwehr Hans v. Dolzig
zeitung über die einnahme von Kronberg v. j. 1522
in: archiv f. reformationsgesch. 6, 334; (
die gesandten sollen) umb würckliche abstellung derselben (
beschwerden) ... anhalten
acta publica 1, 106
Palm; gehaltvoller '
starke wirkung ausübend': das wort gotis ist lebendig, wirglich und durchdringlich
buch geistl. gnaden (1503) 88
b; du selbs bist ja mein gott, dessen würckliche wort Jacobs leyden vertreiben Weckherlin
ged. 1, 334
Fischer; [] spezifisch in juristischer verwendung '
rechtskräftig, gültig': die (
statuten und ordnungen) do sollen erst wirglich sein nach seinem tode (
v. j. 1509)
hessische landtagsakten 1, 64; Rudolphus ... war entschlossen, sich ungeacht der vorgeherten wircklichen übergabe desz tirolischen weesens auf keinerley weisz anzunemmen, so lang die abgetretene Margritha im leben seyn wurd v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 151. 2@bb)
adverbial; '
der wirkung nach': ursprünglich kumbt des menschens gesund von got, darnach würcklich von der artzenay Berth. v. Chiemsee
t. theol. 31
Reithm.; '
wirksam, nachdrücklich': (
man soll) den hantwerchern ... zu verpotner zeit ainiches zechen ... nit gestatten, sonder disfals dem fürhalt, so inen beschechen, wirklichen pariern (17.
jh.)
österr. weist. 2, 20; das ist wirklich gehoben durch erklärende zusätze C. A. Crusius
moraltheol. (1772) 1, 75; '
rechtskräftig': so soll ... derselben (
der urteile) gebürliche exekution durch uns unser hoffgericht ... wirklich beschehen
hofgerichtsordnung pfalzgr. Friedrichs bei Rhein (1573) 62. 33)
der in neuerer sprache allein herrschenden bedeutungsgruppe liegt die vorstellung von dem tatsächlichen sein eines dinges oder zustandes und von dem in der realität sich vollziehenden ablauf eines tuns oder geschehens zugrunde; da durch den vollzug einer handlung ihre tatsächlichkeit sichtbar wird, lag namentlich bei adverbialem gebrauch (
sieh unten b)
der bedeutungswandel nahe, der auch bereits in frühnhd. zeit beginnt, aber erst im frühen 18.
jh. vollständig durchgeführt erscheint, vgl. weselich, wurcklich
realiter (
vocab. v. ende d. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 486
a, würcklich, in der that, gewisz
re vera, re ipsa Apinus
gloss. nov. (1728) 195. 3@aa)
als adjektiv; die vorstufe dieses gebrauchs zeigt sich bei der verbindung mit tätigkeitsbegriffen, wo sich über die bedeutung '
durch handeln geschehend, mit der tat ausgeführt' (
s. oben 1 a
γ)
der sinn '
tatsächlich geschehend oder geschehen'
lagert: der wirkliche und stätte gebrauch vielmals ein gesatz gar auffhebt A. Wagner
decretum (1599) 80
b; damit nuhn solches zu seiner würklichen folstreckung gelangen möge Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 147; das laster der leichtförtigkeit ... (
wird) das dritte mahl mit würklicher lantverweisung gebüeszet (18.
jh.)
österr. weist. 2, 45; die redekunst ... denkt auf nichts als auf einen wirklichen dienst Ramler
einleit. i. d. schön. wiss. (1758) 4, 9. 3@a@aα) '
tatsächlich bestehend, vorhanden, lebend, geschehen' = real,
besonders im gegensatz zu allem scheinbaren, eingebildeten, erdachten, erfundenen, vorgetäuschten, bildlich dargestellten, sagenhaft ausgeschmückten oder in der vorstellung bzw. dem gefühl existierenden: so du die drey ding sichtbar hast, greifflich und wircklich Paracelsus
opera 1, 26
Huser; (
ein buch,) darinnen viel alter wercklicher und sehr artigen historien ... reimweis beschrieben werden Thym
Thedel v. Wallmoden 7
ndr.; er habe ... die träume ... mit einer würcklichen ergetzligkeit verwechselt Chr. Weise
die drey klügsten leute (1675) 2; ihr habet meine würckliche gedancken errathen Stranitzky
ollapatrida 62
Wiener ndr.; ein schauspieler agirt selten auf der bühne so, wie er im würcklichen leben handeln würde Ramler
einleit. i. d. schön. wiss. (1758) 1, 85; Agathon und die meisten übrigen personen ... (
sind) wirkliche personen Wieland
Agathon (1766)
vorber.; die schule der niederländischen mahler ..., die ihre vorbilder aus der wirklichen natur und nicht ... von dem geistigen ideale der schönheit entlehnet (
haben) Lessing 10, 180
L.-M.; diese bildliche gegenwart (
ist) als fortsetzung der wirklichen höchst erfreulich Göthe IV 41, 115
W.; die ungefähren umrisse einer wirklichen lebensgeschichte Jesu D. Fr. Strausz
ges. w. 4, 3; die wahre poesie musz sich ganz von der äuszern gegenwart loslösen, sozusagen von der wirklichen wirklichkeit O. Ludwig
ges. schr. 5, 411; wegen einer scheinbaren oder würcklichen erhöhung des schon stehenden monuments Göthe IV 30, 22
W.; '
echt': (
ein) klarer beweis aus wirklichen (
nicht gefälschten)
[] urkunden J. H. Voss
antisymb. (1824) 1, 157; '
wahr': von den merkwürdigen resten der arbeiten des Phidias besitze ich zwey abbildungen von wirklicher grösze Göthe IV 31, 260
W.; diese eintheilungen (
entsprachen) weder der idee des reiches, noch auch der wirklichen lage der verhältnisse Ranke
s. w. 1, 95; '
richtig': aber ich habe mich auch auf dich gefreuet, wie auf meine wirkliche tochter Iffland
theatr. w. 2, 33; doch schien es mir allzu unwahrscheinlich, dasz nach der seite der erzklammen ein wirklicher weg bestehen sollte H. v. Barth
Kalkalpen 402; '
eigentlich': sie (
die Mozartschen konzerte) zwingen auch das für conzertvirtuosität ungeeignete instrument (
das waldhorn) nicht, seinen wirklichen charakter aufzugeben O. Jahn
Mozart 3, 295; es ist ... eine recht schöne gegend in der wirklichen bedeutung des wortes Raabe
Horacker (1876) 2. 3@a@bβ)
oft prädikativ; wirklich werden '
sich verwirklichen': die schöne zukunft nimmt ihren anfang, meine goldenen träume werden wirklich Tieck
schr. (1828) 2, 316;
substantiviert: wo man von dem gebet der christen das wirklichwerden des gebetenen erwartete Schleiermacher
s. w. I 5, 118; wirklich machen '
verwirklichen': sonst war sie keusch, nun wird sie lachen und, was er fürchtet, wirklich machen Cronegk
schr. (1766) 2, 269; du bist garnicht der mann darnach, diese schönen hoffnungen wirklich zu machen Tieck
schr. (1828) 19, 13,
vgl. wirklichmachung. 3@a@gγ)
als substantiv: als er es noch zum andern mahl seuffzen hörte, so zweiffelte er nicht mehr, dasz es nicht etwas würckliches und wesentliches wär
der lahme teuffel (1711) 3; die mahlerkunst ... hat nichts würckliches, nichts wahres, alles ist betrug Ramler
einl. i. d. schön. wiss. (1758) 1, 17; der äuszere sinn ist schon an sich beziehung der anschauung auf etwas wirkliches auszer mir Kant 3, 24
akad.; daher muszte er sich endlich entschlieszen, etwas wirkliches zu arbeiten G. Keller
ges. w. 5, 68; mir scheint auch ihn das wirkliche gewaltsam anzuziehn und fest zu halten Göthe 10, 112
W.; Bruno faszte die materie nicht als das mögliche, sondern als das wirkliche und wirkende Lange
gesch. d. materialismus 110. 3@a@dδ)
vielfach als bezeichnung dafür verwendet, dasz das wahre wesen einer sache ihrem namen entspricht, der wortsinn dem tatbestande angemessen ist; vergleichbar schon: ob du gleich glawbest das almosen auszlesch die sünd wie wasser das fewr, dannoch erlangst du khain ableschung deiner sünd durch solhen glawb, nür du gebest würcklich almosen Berth. v. Chiemsee
t. theol. 18
Reithm., wo auch das adv. vorliegen kann; an eim orth war ein handwercksgsell, der kam in wercklichs ungefell L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 80
ndr.; würklicher adel (
titel) J. Grob
dicht. versuchgabe (1678) 22; es thut uns wehe, einen wirklichen dichter als einen handwerker zu erblicken Herder 27, 210
S.; dabei wären beide doch keiner wirklichen bosheit ... fähig gewesen Justi
Winckelmann 2, 1, 204; es war eine wirkliche altweiberstimme, die aus dem kleinen faltigen gesicht herauskrähte Storm
s. w. (1899) 5, 86;
oft mit lobender kraft für etwas, das seinen namen verdient: seine rede war in dieser schlechten und heuchlerischen zeit eine wirkliche, eine edle that Bakunin in:
briefe v. u. an Herwegh 22; mit beginn des stellungskrieges musz auch für den wirklichen mann der zeitpunkt gekommen sein, zu dem er die tätigkeit des infanteristen lohnender fand als die des pioniers Ernst Jünger
das wäldchen (1928) 93. 3@a@eε)
farbloser, den sinngehalt des substantivs hervorhebend oder verstärkend: das gantze haus hat man durch würcklichen einbruch gäntzlich spolirt
Casseler zeitung (1731) 408; dessen ungeachtet ist es doch nichts mehr als eine schöne verirrung des verstandes, ein wirkliches extremum Schiller 1, 142
G.; aber was wir da sehen, ist
[] eine wirkliche kleinigkeit J. J. Engel
schr. (1801) 1, 152; bitte doch einmal etwas von mir, damit ich weisz, was dir eine wirkliche freude machen kann Paul Ernst 10
geschichten 7. 3@bb)
als adverb; die vorstufe bilden fälle, bei denen zu der bedeutung '
durch die tat, durch handeln oder geschehen' (
vgl. 1 b)
der nebensinn '
tatsächlich, in wahrheit'
tritt: damit solliche (
artikel) ... erhalten und nit in vergessenheit komen, sonder denen also in dem ganzen gericht würklichen nachgelebt werde (15.
jh.)
österr. weist. 5, 710; wie lang hab ich der sach nachdacht, bisz dasz ich würcklich thet erlangen J. Ayrer
dramen 210
Keller; so er würcklich vollbrächte, was er drohete Grimmelshausen 4, 539
Keller; träume versteht man nicht, bisz sie würcklich erfolgt seyn Lehman
floril. polit. (1662) 2, 775. 3@b@aα)
im sinne '
tatsächlich, in der tat'
vom handeln und geschehen, das mit absichten, plänen, voraussetzungen, behauptungen u. s. w. übereinstimmt, vgl. in der that, würcklich
effettinamente Hulsius
dict. (1618) 2, 136
b: so sollen die chuor- und fürsten ... nachsehen haben, wie hoch sich der stende ires kreysz hülff zuo rosz und fuosz dieser zeyt noch richtig und würcklich geleist werden möge
abschiedt d. reichstags zu Augspurg (1555) 32
b; ja, dasz es auch würcklich geschehen sey, bezeugets der ... übelriechende nebel J. Prätorius
saturnalia (1663) 24; (
wenn) gott mit allerhand plagen heimsuchen will oder solches würcklichen thut P.
F. Sperling
Nicodemus quaerens (1719) 2, 143; wünschen sie wirklich, miss, ihn zu sehen? Lessing 2, 346
L.-M.; bei der ausführung wird gezeigt, wie diese knochenabtheilungen wirklich existieren Göthe II 8, 27
W.; und Matthias kam wirklich Fontane
ges. w. I 1, 17;
vergleichbar: dasz die liebe in dem verstande und sinne, darinnen ich sie gebrauche, beides licht und leben wircklich miteinschliesze
Joh. Pordage theol. myst. (1698) 168. 3@b@bβ)
etwas anders, in näherer beziehung zum subjekt stehend, wenn der gegensatz zum schein, der bloszen vorstellung u. dergl. besonders betont werden soll (
s. oben 3 a
α)
im sinne '
in wahrheit, wahrhaftig'
und verwandten bedeutungen; vgl. '
wahrheitsgetreu': auff der festung zum Calenberge (
hat er) auff dem groszen saal die Regenspurgische schlacht mit allen umbstenden fast eigentlich, kunst- und wircklich malen lassen J. Letzner
dasselische chron. (1596) 1, 3
b; '
in person, leibhaftig': kann ich dich nicht wircklich küssen, hab ich auch den schatten (
silhouette) lieb J. Chr. Günther
ged. (1735) 365; doch schien er mir, als ich ihn wirklich sah, dem ruf nicht zuzusagen Schiller 15, 1, 34
G.; '
dem wesen nach': je mehr er wahrheit würcklich erkennet, je geschickter wird er, dieselbe zu erkennen Chr. Wolf
v. d. menschen thun (1720) 4; '
existierend, lebendig': in thaten und nachruhm jene, diese wirklich erhalten als unaussprechliche wesen Göthe 46, 19
W.; '
in realer gestalt': die vernunft äuszert sich unter seiner (
des kindes) sinnlichkeit schon so würklich, dasz ... Herder 5, 32
S.; '
berechtigterweise': (
fehler,) die einem menschen würklich zugerechnet werden können Gottsched
vernünft. tadl. (1725) 1, 6; '
in der wirklichkeit': viele haben wirklich zu leben versäumt, dadurch, dasz sie sich vorgesetzt, nach ihrem tode auf einigen beschriebenen blättern zu leben Joh. E. Schlegel
w. (1761) 3, 310;
allgemein als '
in wahrheit, wahrhaftig': weistu, wer ein guter freund würcklich ist und billig heiszt? Logau
sinnged. 380
Eitner; ist denn die sache würklich so schlimm, als sie sich solche einbilden? v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 13; auf diese weise scheinen die säulen auf piedestalen zu stehen, allein sie stehen wirklich auf dem boden der vorhalle Göthe 47, 24
W.; du wirst dann wirklich meine frau Storm
s. w. (1899) 1, 6; die zögerungen der Schweizer ... waren wohl geeignet, ihn ... auf das wirklich erreichbare aufmerksam
[] zu machen Ranke
s. w. 1, 117; '
effektiv': viertzig tausend mann wircklich Kramer
t.-ital. 2, 1358
c;
stark betont nach 2 a
γ hin neigend für die übereinstimmung von begriff und sinngehalt: durchdring uns mit deiner krafft, auf das dein wort in uns hafft und wir wircklich glauben Michael Weisze
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 236; nur dann, ... wenn wir Kiel wirklich besitzen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 37
volksausg.; so mag er ... warten, bis die bäume grün sind, damit er doch auch die Berliner linden wirklich als linden schaue Göthe IV 19, 125
W. 3@b@gγ)
oft neben adjektiven als steigerndes adverb, das die wahrheit der im adj. ausgedrückten eigenschaft hervorhebt: wie wir es wirklich hoch mit vielen wünschen treiben Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 44; diesz wirklich goldene vliesz Stoppe
Parnass (1735) 55; blind also! wirklich blind und ganz geblendet? Schiller 14, 299
G.; als beteuerungsformel: was ich ihnen aber da erzählte, ist wirklich wahr Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 4;
ebenso: s ist wirklich und wahrhaftig so Fischer
schwäb. 6, 1, 874. 3@b@dδ)
vielfach verblaszt bei behauptungen, aussagen und fragen als affirmative interjektion verwendet, die die wahrheit des gesagten betont: man muszte wirklich etwas blind sein Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) c 2; ich für mein theil bedaure es also wirklich, dasz unserm dichter Shakespeare Richard so spät beygefallen Lessing 10, 96
L.-M.; wirklich ist dieses grosze vorrecht der dramatischen manier ... für den Franzosen durchaus verloren Schiller 2, 4
G.; (
major:) ein besonderer umstand hat sich ereignet ... (
general:) wirklich? Iffland
theatr. w. (1827) 1, 86; will denn dieser unfug wirklich immer noch kein ende nehmen G. Hauptmann
die weber (1892) 76. 44)
auf westobd. boden, bes. alem., entwickelt sich die bedeutung tatsächlich handelnd oder seiend, geschehend zur temporalen verwendung im sinne '
gegenwärtig, augenblicklich, jetzt handelnd, geschehend oder seiend'
weiter, vgl. dieselbe erscheinung bei franz. actuel,
engl. actual,
entsprechend lat. actualis,
vgl. schnel, behend, würcklich, gegenwertig
actualis vocab. predic. (1486) a 5
a;
so mundartlich verbreitet, vgl. Fischer
schwäb. 6, 1, 874, Martin-Lienhart 2, 853, Seiler
Basler ma. 320, Follmann
lothr. 544;
bei autoren dieser gebiete oft als schriftsprachlicher provinzialismus seit dem 17.
jh. bezeugt; grenzfälle zu 3
zeigen den gang der umbildung: es solten über das der republic zu denen an dem königreich Candia noch wircklich einhabenden dreyen häfen ... 30 meilen landes ... gelassen werden S. v. Birken
verm. Donaustr. (1684) 192; Bengel sowohl als sein nachfolger ... legen den theil der offenbarung, der entweder wirklich oder nach ihrer meinung noch zukünftig ist, ... zu buchstäblich (
aus) Jung-Stilling
w. 3, 9
Grollm. 4@aa)
meist adverbial gebraucht '
gegenwärtig, soeben, gerade jetzt, zur zeit': die darinnen wircklich quartirende soldatesca (
v. j. 1631)
bei Fischer
schwäb. 6, 1, 874; die schöne residenz (
Wien) ware würklich ('
damals') von dem römischen kaiser ... bewohnt Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 10; ihr, die ihr würklich hier in dieser stifftung lebt, nach weisheit eifrig seyd, nach wahrer ehre strebt v. König
ged. (1745) 182; ... deine frau schifft wirklich auf dem höllenflusz Pfeffel
poet. vers. 2, 148; und was ist wirklich ihres pinsels beschäftigung? Schiller 3, 75
G.; sie ist wirklich zur aushilfe bei ... O. Wildermuth
ges. w. 2, 45;
mundartlich '
soeben',
vgl. Fischer
schwäb. a. a. o. 4@bb)
seltener adjektivisch '
jetzig, gegenwärtig': dies bild linker hand ist der sohn des grafen, der wirkliche herr Schiller 2, 132
G.; bei dem wirklichen lustlager
schwäb. magazin v. j. 1780 581.