kone,
kon,
f. gattin, ein altes wichtiges wort, das vereinzelt bis in die nhd. zeit reicht. 11)
Das mhd. und nhd. wort. 1@aa) kone, kon
ist die mhd. form, genauer êkone (
wb. 1, 859
a), êlîche kone,
z. b.: die chinder bei (
durch, von) einer êlîchen chonen,
unterschieden von denen von der unê oder von einer dierne.
gesta Rom. 133.
aber auch kone
allein ist nur gattin, ehefrau. eine form köne (
gr. 1
3, 155)
erklärt sich wie kömen
sp. 1627. 1@bb)
später erscheint es vorwiegend im bair. sprachgebiete, und da gern in der form kan (
s. Weinhold
bair. gr. s. 18): mein eelich chan und gemachel, die ein geporne Pewscherin ist. Chmels
urk. Maxim. 303.
aber auch bei Wittenweiler,
und zwar im reime, also im 15.
jh. auch schwäb.? ein mensche seinen vatter lat, er tuot sich auch seinr muter an (
mhd. âne,
verläszt sie) und haltet sich zuo seiner chan. Wittenweiler
ring 42
d, 32; der pharrer huob ze sagen an (
beim aufgebot), hört ir frauwen und ir knecht (
junggesellen), wiszt, es ist der kirchen recht, daʒ einr ein chan im nemen schol offenleich, so tuot er wol, nicht so häimleich ane pfaffen. 33
d, 8,
s. auch 22
b. 23
a.
bair. beispiele aus dem 14.
jh. und später bei Schmeller 2, 305,
z. b. aus einem rechtsbuche: geit ein man seinem weip, die sein kon ist, gut,
d. h. sein ehelich weib, nicht seine kebse; fraw Sophia, sein con. Hund
bair. stammenb. 1, 69. 1@cc)
am längsten blieb es in Österreich, besonders in zusammensetzung, s. konfrau, konmann, konleute, konvolk, konperson, konschaft, konlich,
in denen übrigens der begriff eine verallgemeinerung erfahren hat (
s. 3,
c).
aber noch heute lebt dort auch das einfache wort, obwol im absterben, wie z. b. aus Kärnten, Tirol Lexers
und Schöpfs
angaben unsicher lauten. doch in Niederösterreich noch im volke kon
gattin (
und selbst gatte, s. 3,
b) Castelli 183,
und auch in den von R. Sztachovics gesammelten brautsprüchen und brautliedern auf dem Heideboden in Ungern (
Wien 1867)
erscheint öfter 'zu einer kon und hauswirtin oder ehewirtin' (
genommen). 1@dd)
merkwürdig aber auch auf md. boden ein versprengter rest, oberlaus. kunne
ehefrau, 'meine kunne
sagt zuweilen ein alter mann zu seiner frau' Anton 9, 13.
die form stimmt zu älter md. kune: des tochtir sîme sune nûwlîch eine kune (
als k., s. 1, 255) was gemêlit zû der ê. Jeroschin 180
a. 1@ee)
für die form ist zu bemerken, dasz in dem chan
bei Wittenweiler
eine starke form vorliegen kann, während es gewöhnlich schwach flectiert; freilich könnte jenes auch nur aus chanen
gekürzt sein, wie wahrscheinlich im folg. kon
aus konen: wer ain konen nimbt und khint bei ir gewinnet ... ist aber das die mutter todt geleit und der vatter ein andere khon nimbt .. Scherz 811.
doch ist starke form nicht zu verkennen in ahd. 'chena'
als nom. pl. (chënâ) Graff 4, 678. 22)
Aber das alles, auch das mhd., ist schon der blosze rest eines in sinn und form einst reicheren wortes. 2@aa) kone
und das erwähnte ahd. chëna (
sicher auch schon chona)
sind beide erst entstanden aus chuënâ, quënâ Graff 4, 677,
gerade wie kommen (
s. d.),
mhd. komen
und bair. kemen
aus ahd. quëman.
noch älter, mit ungebrochenem vocal, goth. qvinô,
auch ahd. noch einmal in quinûn
uxores Hattemer 1, 153
a;
ags. cvine Ettm. 406 (
aus Bosw., wo cwyna 84
c)
und cvëne Grein 2, 800
a,
wie alts. quëna,
das sich mit altfränk. cuëna
lex sal. (Müllenh.
u. Sch.
denkm. 177)
ans ahd. anschlieszt. altn. in doppelform, kona
und kvinna,
das erste auch kon
und kvon (
s. Egilsson,
oder nicht vielmehr kvôn
und kôn
zu b?). 2@bb)
daneben aber läuft eine zweite form, wie ablautend: goth. qvêns,
alts. quân,
ags. cvên,
altn. kvân, kvæn (kvânga
verheiraten, kvænaz
sich beweiben),
die nur dem hd. fehlt. sie lebt noch in schottisch queyn, quean
weib, besonders junges weib (
dem. queynie
mädchen),
entartet engl. quean
weibsbild, hure, aber auch queen
königin (
im kartenspiel dame),
während auch ags. cvine
nachlebt in dial. chun
a bad woman Halliw. 249
b.
im nord. lebt die form unter a noch in beiden gestalten: schwedisch qvinna
frau, weib (
dazu z. b. qvinnkön
das schöne geschlecht)
und kona
lüderliches weib, dän. qvinde
weib überhaupt und kone
ehefrau, verheiratete oder verheiratet gewesene frau (qvind
weibsbild),
norw. kvinna
und kne, kône (Aasen 209
b).
[] 2@cc)
wie man sieht ist die beschränkung der bed. auf das eheweib blosz im hd. zu finden; alle genannten, schon das goth., bezeichnen daneben auch das weib überhaupt, obwol gern mit ausschlusz der jungfrau. unser kone
eheweib ist also nur der letzte ausläufer der innern entwickelung des auslebenden wortes, gerade wie weib
und frau
sich dieser beschränkung auf die bed. ehefrau zuneigen, sodasz die bed. '
weib überhaupt'
neue bezeichnungen verlangt hat, jetzt dame,
früher frauenzimmer,
noch weiter zurück weibsbild,
mhd. wîbes bilde
bei dichtern, wîbes name
in der rechtssprache (weibsen),
die nachher weibsperson
sagte —
alles benennungen durchaus edler herkunft (
auszer dame),
dann aber ihrer zeit entartend, d. h. von den höhern ständen als abgebraucht verstoszen. die nord. sprachen stehen mit dem worte so zu sagen noch auf der ahd. stufe. 2@dd)
denn noch ahd. war wol die beschränkung nicht vollzogen, da das wort da auszer uxor, conjux, nupta auch mulier glossiert. und noch im 14.
jh. erscheint es so auf deutschem boden, md. die alde quene
pass. K. 178
b,
aber schon verächtlich, von einer kupplerin (
also von kune
gattin unter 1,
d unterschieden),
wie nrh. im 15.
jh. qwene
en alt wijf Teuth. 200
a.
ebenso nl. im 16.
jh. bei Kil. quene
mulier vana, loquax, improba, languida und meretrix (
wie unter b engl., schwed.),
und noch nd. stellenweis, wie holst. ôle quên
als scheltwort, alte hexe Schütze 3, 260,
der aber auch noch quêne
hausmutter ansetzt (? '
nach dem engl.'),
fläm. kween, kwene
unangenehmes weib. nnl. kween
mit anderer wendung ein unfruchtbares weib. 33)
Der gebrauch des wortes hat aber noch merkwürdigere mehrseitige entwickelung erfahren. 3@aa)
im nd. nl. übertrug man es auf die kuh, aber mit einer eigenthümlichen beschränkung, die zur grundbed. nicht stimmen will. das nl. kween,
unfruchtbares weib, heiszt auch unfruchtbare kuh (
schon bei Kil.),
ebenso ostfries. quäne,
wangerog. dagegen quân
eine kalbe, hamburg. holst. quene
kalbe oder verschnittene kuh (
genaueres bei Schütze 3, 260);
vgl. lat. juvenca
junge kuh und junge frau, juvencus
junger stier und junger mann, gr. δάμαλις,
μόσχος,
mädchen und kalbe, s. auch kalbe
a. e., alles echt bäuerlich. 3@bb)
während das aber dem hd. fremd blieb, taucht hier ein masc. dazu auf. aus Niederösterreich gibt Castelli 183 'der
und die kon,
gatte und gattin',
ebenso Tschischka 188
als '
hin und wieder im Wienerwalde',
und Höfer 2, 154
hätte es aus dem anfang des 15.
jh. nachgewiesen: er (
herz. Leupolt) hett auch schoner töchter vier. aine hieʒ Margareth, die nam zu chone Fridreichen, chaiser Fridreichen sun. Pez
scr. rer. austr. 1, 1065,
wenn nicht das erste Fridreichen
wahrscheinlich verschrieben wäre für Fridreich.
Es wäre aber auch für höhere gesichtspunkte wissenswert, wie alt diesz östr. wort ist, ob neubildung oder ursprünglich. erstere wäre zu begreifen wie bei gatte
und gemahl,
die vom masc. aus durch den gesamtbegriff eheleute hindurch auch auf die ehefrau erstreckt worden sind. aber auch höheres alter jenes masc. wäre denkbar; hinter dem quen
bei Graff 4, 678
aus den keron. glossen (
ich suchte es bei Hattemer
vergeblich)
müszte man ein m. conjux vermuten, wenn es echt ist. auch nordisch erscheint ein m. konr mann (
doch nicht ehemann),
auch sohn und abkömmling überhaupt, s. Egilsson 473,
bei Biörn 1, 468
a als vir praestans, nobilis, rex (
vgl. engl. queen)
und propinquus. und wenn Egilsson 482
a recht hat mit 'kvânir
principes',
so bestand auch die zweite form wie beim fem., kvânr
neben konr,
wie kvân
neben kona (2,
b),
und an der einheit dieses nord. konr
mit dem östr. kon
m. (
ahd. quën?)
wäre kein zweifel. 3@cc)
im hd. zeigt sich noch eine andere erweiterung des begriffes. aus den zusammensetzungen konmann, konschaft
u. s. f. (
s. 1,
c)
ergibt sich der begriff ehe für den wortstamm, und zwar schon für die mhd. zeit, denn die genannten sind schon mhd., auch konewîp (
wb. 3, 719
b),
und konelîch
ehelich ist noch älter (Diemer
gen. u. ex. 2, 103
a);
ist das nur aus der bed. ehefrau nachträglich entwickelt? so schon goth. unqvêniþs
ἄγαμος, '
unbeweibt',
also wahrsch. qvênjan
eine frau nehmen o. ä., ganz wie altn. kvænaz
unter 2,
b, sl. ženiti
unter 4. 44)
Die verwandtschaft greift in die älteste zeit zurück. 4@aa)
im griech. entspricht γυνή (
weib überhaupt wie eheweib),
sicil. γανά,
boeot. aber βανά,
d. h. die ursprüngliche form war gwana (
γϜανά),
die denn bis auf den vocal genau zu der germ. form qvinô
u. s. w. stimmt (
vgl. unter keck I,
c).
ferner keltisch, wie gael. bean
weib (banais
hochzeit, an 3,
c erinnernd),
altgael. ben, ban
weib, benen
braut (Ebel
in Kuhns beitr. 2, 159),
kymr. benen
braut, also wie βανά vorhin auf urspr. gwana
zeigend, doch weist Diefenbach
goth. wb. 2, 476
das kelt. einem andern [] stamme zu; aber auch gael. coinne
weib, altir. cuiniu (Stokes
ir. gl. xxviii)
kommen in frage, s. bei Diefenbach.
dann altpreusz. ganna
weib. 4@bb)
fürs hd. von besonderm werte altsl. žena
weib, mit einer entwickelung auf die ehe bezüglich wie bei uns: ženima
eheweib (
auch kebse), ženatŭ
beweibt, ženatĭcĭ
ehemann, ženiti
uxorem dare, ženiti s
uxorem ducere, ženitĭba
hochzeit, ehe u. s. w., s. Miklosich 194.
noch poln. żona
frau, żonaty
beweibt, böhm. žena,
dazu ženich
bräutigam, u. s. w. 4@cc)
endlich zend. ghena
und ǵéni
weib (Justi 106
a. 117
b,
mit vielen formen aus andern asiat. sprachen),
skr. ǵanî
und ǵâni
weib (
letzteres zwar nur in zusammensetzungen, wie aǵâni
adj., ohne weib, saǵâni
beweibt),
worin sich beide male vielleicht schon die doppelheit des germ. qvinô
und qvêns
zeigt (
doch vgl. Holtzmann
Germ. 9, 190);
im skr. gab es übrigens auch ǵani
und ǵânî
mutter, und ein masc. ǵana
mensch, person, geschöpf, dem german. masc. unter 3,
b entsprechend? weiteres bes. bei Diefenbach
a. a. o., die wurzel ist unzweifelhaft gan, gen,
gebähren, zeugen (
s. unter können),
die hier im germ., griech. den anlautenden guttural durch ein u
verstärkt zeigt (
vgl.kommen I, 11).
so sind mit kone
verwandt kind, knabe, knecht, könig.