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wirblig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wirblig adj. adv.

Bd. 30, Sp. 548
wirblig, wirbelig, wirblich, wirbelich, adj. adv. ; frühnhd. zu wirbel bzw. wirbeln gebildet; ältere nebenformen sind würblecht Schlusser protest. krieg (1573) 79, wirbelicht Stieler 2518, wirblicht Steinbach 2, 999, wirbligt E. Th. A. Hoffmann s. w. 4, 97 Gr., vgl. wärwelicht Jecht Mansfeld. 122a; suffixal erweitert wirblächtig Frisius 1407a, wirblechtig verticosus Dasypodius dict. (1587) H h 3a, wirbelichtig Calepinus XI ling. 1531a; auch entsprechend ahd. (h)wirvil mit f, vgl. wirflecht W. H. v. Hohberg d. unvergn. Proserpina (1661) 40a, so mundartlich s. Schmeller-Fr. 2, 995, wirflich Unger-Khull 636b, wirfling Loritza id. Vienn. 144, wiarfli Castelli Österr. 266, wirflich Höfer Österr. 3, 302. — in neuerer schriftsprache ist synkopiertes wirblig etwas häufiger als wirbelig; wirblich, wirbelich kommen ende des 19. jhs. ab. 11) im älteren nhd. zu wirbel A 1 a vom wasser 'strudel bildend, grundlose stellen mit wirbeln zeigend', vgl. wirblächtig voraginosus Frisius 1407a, ein wirblächtiger flusz verticosus 1367b: darzwischen fleuszt ein tieff würblechtig wasser Fickler v. Weyl Olai magni hist. (1567) 256; dadurch (die Eger) man aber seiner tieffe und würblechten strenge halb nicht wol kommen mocht Schlusser prot. krieg (1573) 79; die rosz (wurden) vom würblechten wasser verschlickt C. Dietz annales (1621) 379; bildlich entsprechend wirbel A 1 f: der wirbliche abgrund des verderbens Hallmann Heraclius (1673) 3. 22) wenig häufig zu wirbel A 1 b und c (bzw. wirbeln A 1 a α) von der luft, dem feuer u. s. w. 'in wirbelnder bewegung befindlich oder daherfahrend': damit gab er (Äolus) den winden port dasz sie mit hauffen hie und dort herauszer her wyrbelich durchbliesen meer und erdterich Thom. Murner Äneis (1543) 5b; der erst römisch könig Romulus (sei) inn eym unversehenem wirbeligen ungewitter ... verzuckt worden Fischart daemonomania (1581) 408; [] siht er (Moses) o wunder gros, das aus eim dornenstrauch, ein feur würblicht auffgeht und ohne dampf und rauch Tob. Hübner das gesetz 17; bildlich: fahrende schüler, unstete kind, singer und spieler, wirbliger wind Scheffel gaudeamus (1868) 52. 33) zu wirbel A 2 bzw. wirbeln A 1 a α. 3@aa) eigentlich 'in drehung, umlauf befindlich' nur vereinzelt bezeugt: die do arbeiten in dem wirbligen horne (schachtrade) constitut. jur. metall. Wenceslai II. (14. jh.) 2, 2, 5 nach Jelinek mhd. wb. 961; ähnlich 'sich drehend': doch endlich gantz verirrt er (der getroffene schwan) wirflecht abwerts felt W. H. v. Hohberg d. unvergnügte Proserpina (1661) 40a; von 4 aus neu gebildet: (er) hielt sich, da die dinge dieser erde ihm plötzlich etwas wirblich zu werden schienen, an einer stuhllehne Gutzkow zauberer v. Rom 4, 194. 3@bb) entsprechend wirbeln A 1 a β (bzw. wirbel A 2 b) und wirbeln A 2 a (bzw. wirbel A 2 c); im sinne 'durcheinander wogend': aber du ... drehtest dich im wirbligen streite herum nach allen weltgegenden hin Fouqué gefühle (1819) 2, 192; 'unruhig': ich fand sie aber für die wirbligte festzeit ganz anständig Hebbel br. 7, 106 Werner; denn dort geht es sehr unruhig und wirblicht zu A. v. Droste-Hülshoff br. 82 Schücking; 'flüchtig, leichtfertig': wem es nicht blosz um den taumel wirblichter zerstreuung zu tun ist Fr. Schlegel in: Europa (1803) 2, 8; ein wirblichtes, leichtsinniges geschlecht 2, 30; ähnlich: der name (Tiburius) klingt so wirblicht und steht in keinem kalender A. Stifter s. w. 4, 1, 9 Sauer; etwas anders 'verwirrend': wohl mancher, dem die wirbligen geschichten der zeit das ehrlich deutsche herz zerschlagen Eichendorff s. w. 1, 378; an wirbeln B 3 angelehnt: lehr mich töne wild und wirblig, lieder wild verzückt wie deine Freiligrath ges. dicht. 6, 54; alle diese sonderbaren wirblichten schnörkel, die ungemessenen läufe, diese ewigen triller, was sind sie anders als blendende kunststückchen E. Th. A. Hoffmann s. w. 6, 67 Griseb. 44) die hauptbedeutung in neuerer sprache geht von wirbeln A 2 b β aus und bezeichnet den zustand des schwindelgefühls, der verwirrung, der vernunftstörung u. ähnl.; so mundartlich, vgl. die im kopf genannten mundartenwbb. 4@aa) zunächst aus formeln wie mir wirbelt es im kopfe, mir wirbelt der kopf entwickelt als mir ist wirblig im kopfe, um den kopf oder mir ist der kopf wirblig 'ich fühle mich schwindlig, taumelig, verwirrt', vgl. einem wirbelicht im kopfe seyn havere un zurlo Kramer t.-ital. 2, 1357c: da wurd es mir immer wirbligter und wirbligter im kopfe E. Th. A. Hoffmann s. w. 4, 97 Grisebach; heut kannst dus (das trankel) noch nicht verdauen, bist noch zu wirblich um den kopf Holtei erz. schr. 15, 208; es wird einem selbst wirblich dabei zu muthe R. Schumann ges. schr. 4, 270; von kopf, hirn u. s. w.: beim schlafengehen war mir der kopf so wirblicht, dasz ich zu zerstreut war, aus dem herzen zu beten F. H. Unger Julchen Grünthal (1784) 48; dann stand ich wirbligen hauptes auf der kanzel H. Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 68; und, in partheyn gerottet, schmeiszen sie so heftig (steine) einer an des andern kopf, dasz manchem wird sein wirblicht hirn zerschmettert Shakespeare 7, 266; oft ohne nähere bestimmung entsprechend es wirbelt mir als mir ist wirblig gebraucht, vgl. Fischer schwäb. 6, 1, 870: gleich lauf ich fort, mir wird ganz wirblicht Immermann 11, 89 Boxb.; da wurde ihr wirbelig, sie kam sich vor, als würde sie immer wieder auf den kopf geschlagen P. Dörfler um d. kommende geschlecht (1932) 93; von der person selbst, 'schwindlig': das wirbliche kind war an sie geheftet wie eine brandrakette an einen schanzkorb Kürnberger [] novell. 2, 240; 'besinnungslos, taumelig, verwirrt': man soll ihnen (den spatzen) ein gäst streuen, davon sie dämischt, wirflicht und mit händen gefangen werden v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 478; vom vielen sehen ermüdet und fast wirblich Castelli s. w. (1845) 14, 14; 'überspannt, verrückt': Melanie ist seit kurzem wirblich und wunderlich geworden Gutzkow ritter v. geiste 4, 399; ... ach, ist die ganze welt ja nur ein wirbliges, wahnsinnges ding Fouqué altsächs. bildersaal 1, 372; wirbelig seyn einen rausch haben Adelung 4, 1572; formelhaft ist einen wirblig machen 'schwindlig, verwirrt machen': die freude macht drehend, wirblicht Lessing 2, 202 L.-M.; der kleine kerl (Tieck) mit seiner vorlesung hatte mich ganz wirblicht gemacht Grillparzer s. w. 20, 23 Sauer; übertragen auf das ergebnis wirren denkens: diesz sind nur wirblichte und irre worte, herr Shakespeare 3, 183; mundartlich verbreitet, vgl. z. b. wirblig 'schwindelig, gedankenlos, auszer fassung gebracht, zerstreut, besinnungslos, nicht recht bei verstand, wahnsinnig, überspannt, phantastisch' Fischer schwäb. 6, 1, 870; vom vieh wie wirbig 'an drehkrankheit leidend' ebda. 55) selten zu wirbeln C (bzw. wirbel B) 'eine spiralige, gedrehte form zeigend': der boden (des watts) ist von sondrer art, von oben sieht er wirblich kraus, bald schlangen gleich, bald schuppen ähnlich, und oft als kleine wellen aus Brockes ird. vergn. (1721) 7, 276; sie strich dem vater das wirbelige haar aus der hohen stirn P. Dörfler Apollonias sommer (1932) 336, vgl. wirbelig gewachsen vom haar Adelung 4, 1572. —
7229 Zeichen · 143 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    wirbligadj. adv.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    wirblig , wirbelig, wirblich, wirbelich , adj. adv. ; frühnhd. zu wirbel bzw. wirbeln gebildet; ältere nebenformen sind …

  2. modern
    Dialekt
    wirblig

    Schweizerisches Idiotikon

    wirblig Band 16, Spalte 1165 wirblig -ü- 16,1165

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wirblig

4 Bildungen · 1 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

wirblig‑ als Erstglied (1 von 1)

wirbligkeit

DWB

wirblig·keit

wirbligkeit , f. , von wirblig 3 b abgeleitet, ' unruhe, aufregung ': es ist mir in der eile und wirblichkeit aus der feder gelaufen Carolin…

wirblig als Zweitglied (3 von 3)

g(e)wirblig

Idiotikon

g(e)wirblig Band 16, Spalte 1165 g(e)wirblig 16,1165

vielwirblig

DWB

viel·wirblig

vielwirblig , adj. : polyspastum, ein vielwirbeliges ziehwerk Kinderling reinigkeit d. deutsch. sprache (1795) 201 . —