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schlendern

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 9 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlendern verb.

Bd. 15, Sp. 629
schlendern, verb. nachlässig, gemächlich gehen; das wort ist erst in neuerer zeit aus dem nd. ins hochd. eingedrungen und wird lexicographisch anscheinend zuerst bei Stieler bezeugt: schlendern, placide, et suspenso gradu ire, sensim progredi. 1816. andere, frühere belege aus dem 17. jahrh. s. unten; das zu schlendern gehörige schlendrian begegnet schon im narrenschiff. schlendern oder schlentern quelle von 1716 bei Weigand4 2, 588; Steinbach 2, 441 bezeichnet das wort als landschaftlich. die schreibung schlentern, die im 17. und 18. jh. neben schlendern in der schriftsprache vorkommt (wie schlenter neben schlender), wird bei Adelung ebenso wie die schreibung schländern verworfen. das hochd. verb. entspricht dem nd. slendern, slentern, im brem. wb. ist als nd. form slendern, als hochd. schlentern gegeben 4, 820, vgl. Schütze 4, 116; slendern, slentern Dähnert 429a, slendern Schambach 194a, slentern ten Doornkaat Koolman 3, 196b. die aussprache schlentern bezeugt auch Frischbier 2, 285b (hier daneben mit fremder endung schlentrieren). nld. neben slenter und slenteren auch slender und slenderen. n. slentre, schwed. släntra sind vielleicht lehnworte, aus dem nd. stammend, aus älterer zeit bezeugt ist slentr, n. schlenderei, müsziges umhertreiben Cleasby-Vigfusson 567b; dies slentr steht vielleicht zu schwed. (dialectisch) slenta, slänta, gleiten, ausgleiten in beziehung, letzteres findet sich im mittelengl. slenten, gleiten wieder. der form nach entspricht diesem verb. das hochd. schlenzen genau, doch bleibt der zusammenhang zweifelhaft (s. unter schlenzen). hochd. schlenzen und mittelengl. slenten gehen vielleicht auf ein gemeinsames slangitjan (vergl. Franck etymol. woordenboek 889. Lexer mhd. handwb. 2, 972) zurück, sodasz dieses verbum mit worten wie schlingern (vgl. die stellen aus ten Doornkaat Koolman unter 1 zu anfang), schlengen, [] schlenken in beziehung stünde. mittelengl. slenten stünde dann für slencten (vgl. ags. lencten, engl. lent, hochd. lenz). der bedeutung und gestalt nach steht die nld. nd. nebenform des wortes mit d dem nld. slinderen, gleiten nahe, vgl. mhd. wb. 2, 2, 403a. 11) im eigentlichen sinne, auf gang und bewegung bezogen, langsam, träge sich bewegen: das schlendert wie die schnecken. Schiller Tell 1, 3. nachlässigen gang bezeichnend, im gegensatze zu würdevollem: freylich müssen sie in einem reifrocke nicht so schlendern. sie müssen einen stolzern, majestätischern gang annehmen. Weise kom. opern 1 (1771), 66. von wiegender, wackelnder bewegung: hê slenterd so as of hê nêt ördenlik lôpen kan. ten Doornkaat Koolman 3, 196b; auch von einem wagen: de wagen slenterd fan êne sîd na de andere. ebenda. ähnlich: mit'n füessn schlandern, mit den füszen baumeln Lexer 219a. in der schriftsprache bezeichnet schlendern gewöhnlich ein behagliches, lässiges gehen, oft mit dem nebensinne des sorglosen oder ziellosen. viel gebräuchlich sind zusammensetzungen wie auf- und ab-, daher-, dahin-, durch-, einher-, fort-, heran-, herum-, einem nach-, vorbeischlendern u. ähnl.: aber ich musz hinein schlendern, und zusehen, was es drinnen guts zum besten giebt. Schoch studentenl. 26; er schlenterte auf einen sonntag nach der stadt zu. gepfl. finken 29; ein wäldchen .., wo er in dunkeln kunstlosen irrgängen herum schlendern konnte. Wieland 8, 18; damit nahm er Perisadeh und seinen kleinen sohn bei der hand, und schlenderte zu dem alten korbmacher hinüber. 279; wie entzückt war ich, so oft mein herr mirs vergönnte, in euern topfebnen wäldern .. auf und nieder zu schlendern. d. arme mann im Tockenb. 109; dasz man ihn (den weg) gesellig, schlendernd und mit behaglichkeit zurücklegen könnte. Göthe 17, 85; nach einer kurzen zeit .. schlenderte Philine singend zur hausthüre heraus. 18, 211; einige leute schleppten Philinens koffer, sie schlenderte mit einem bündel nach. 19, 47; das reiten verdrängte nach und nach jene schlendernden, melancholischen ... fuszwanderungen. 26, 121; die menschen ..., wie sie auf dem markte schlendern. 39, 144; wie oft bist du dort an liebchens arm dem aufgehenden mond entgegen geschlendert. Bettina tageb. 125; Otto schlenderte in gedanken immer fort. Eichendorff 2, 571; ein gauner ..., dem dein sorgloses schlendern böse gedanken einflöszte. Hebbel 9, 91; der nehme den beweisz, und schlendre durch die gassen. Günther 456; indessen mag er doch (Pegasus) um deine tafel schlendern. 601; ich finde, dasz die begleitung sie nicht sonderlich verbinde; allein ich schlentre mit. Hagedorn 1, 62; bald schlendern wir in morgentracht in eines erlenbusches nacht. Göckingk 1, 90; sie schlendert, indem sie erzählt, an seinem arme fort. Wieland 5, 22; lasz andere schlendern, so oft es gefällt, mit modegewändern in feinere welt. Voss 6, 43; so schlendert' er in geistes ruh mit ihnen einst einem städtchen zu. Göthe 13, 119; ich schlenderte durch steile wege, Chapellens reisen in der hand, der festung zu. Thümmel reise (1794) 6, 265; die zeit ist um, nun schlendert nach haus. Platen 278; also schlendr' ich durch die gassen. Eichendorff 1, 501; scheinbar sorglos im staubbedeckten wüstenmantel schlendernd. Geibel 7, 51. mit abhängigem accusativ: (wir) schlenderten den sommerabend lang mit halber hoffnung mannigfalt'gen gang. Göthe 3, 138; an sonn- und werkeltagen schlenderte man keinen lustort vorbei. 25, 275. reflexiv, mit dem accusativ der wirkung: nicht darin (in staatsämtern), wie mönch' im remter, schlendert man sich feist. Voss 4, 259; mit besonderer betonung des müszigen herumtreibens: und willst in unserm lande dich mit schlendern und betteln und leutebetrügen erhalten. Pestalozzi Lienh. u. Gertrud (1831) 2, 247; landschaftlich nimmt herumschlendern einen üblen nebensinn an Schmidt 189. vgl.: dasz ihr vor kramläden voruber schländert und daher schwänzet. mägdelob 58. [] 22) in bildlicher und übertragener anwendung. schlendern als nachlässiges, gemächliches gehen wird dem sichern und zielbewuszten schreiten gegenüber gestellt und bezeichnet daher leicht nachlässiges, unsicheres, gedankenloses thun und verhalten; eng an die eigentliche bedeutung sich anschlieszend: so finden wir gar oft, dasz wir mit unserem schlendern und laviren es weiter bringen, als andere mit ihrem segeln und rudern. Göthe 16, 92; denn ich bin unbarmherzig, unduldsam gegen alle die auf ihrem wege schlendern oder irren und doch für boten und reisende gehalten werden wollen. 29, 165; verblaszter: es war ihm deutlich, wie er letzt in ein unbestimmtes schlendern gerathen war. 18, 226; er wollte nicht etwa planlos ein schlenderndes leben fortsetzen. 19, 63; mit schärferer hervorhebung des nachlässigen: Meyer von Lindau schlenderte lieber auf gut deutsch, als dasz er sich auf gut französisch hätte zusammennehmen sollen. 26, 55; der schlenternde, der sich alles leicht und kurz macht, gelangt zu nichts; und wer von jugend auf schlentert, nichts als schlentert, setzt, wenn ihn nicht das unglück aufrüttelt, dies schweben fort, bis an sein unrühmliches seliges ende. Herder 30, 248 Suphan. bildlich, mit beziehung auf die wanderung durch das leben: um durch eine welt, an die sie wenig ansprüche machen, sorglos hindurch zu schlendern. Wieland 2, 377; wir schlendern, wo natur voran geht, mit. 10, 256; du schlenderst an der hand der hoffnung, dem gesang des glücks unwissend nach. Thümmel reise (1794) 5, 77; eigenthümlich: (sie) schlendern elend durch die welt, wie kürbisse von buben zu menschenköpfen ausgehölt. Schiller 1, 269. vom leben selbst: sagt, freunde, schlendert nicht ein solches leben, gar artig und gemächlich seinen gang? Bürger 20a; die zeit schlendert hin: so schlenderte dann der tag vorbey. Wieland 21, 12. etwas hin schlendern lassen, es gehen lassen, wie es geht: in sachen aber unsere seligkeit betreffende, lassen sie es dahin schlentern. Butschky Pathmos 461; ähnlich: lasz es gehen, wies auch schlendre. Heyse 1, 175. 33) besonderes. 3@aa) vereinzelt in transitiver bedeutung: eine brausende ode läszt sich leicht herschwärmen, eine lässige idylle leicht herschlentern. Herder 15, 387 Suphan. 3@bb) mundartlich, im sinne von 'auf einer eisgleitbahn gleiten' Frommanns zeitschr. 6, 342; s. oben kascheln theil 5, sp. 247.
8222 Zeichen · 153 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlêndern

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schlêndern , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, bey einigen mit haben, langsam, träge und gedankenlos einher geh…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schlendern

    Goethe-Wörterbuch

    schlendern auch subst a gemächlich gehen, sich einherbewegen; auch mit der Konnotation des Lustvollen Wir waren jung..|U…

  3. modern
    Dialekt
    schlendernschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schlendern schw. : ' gemächlich, behaglich gehen; bummeln ', schlendere [KU-Bedb Brück Schmittw/O RO-Dielkch PS-Geisbg H…

  4. Sprichwörter
    Schlendern

    Wander (Sprichwörter)

    Schlendern Er schlendert mehr als der Wirth von Bielefeld.

  5. Spezial
    schlendern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    schlen|dern vb.intr. (herumschlendern) salté incërch, salté intoronn, jí imbanun, slonderné (-nëia), bonderné (-nëia), j…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlendern

43 Bildungen · 2 Erstglied · 40 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von schlendern 2 Komponenten

sch+lendern

schlendern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlendern‑ als Erstglied (2 von 2)

schlendern II

RhWB

schlendern II das Wort, mit schlandern zu vergleichen, ist allg., u. zwar in der Lautform der Umgangssprache, woraus das Wort auch stammt, s…

schlendern als Zweitglied (30 von 40)

Únterschlendern

Campe

Х Únterschlendern , v. intrs . mit sein, ich schlendere unter, untergeschlendert, unterzuschlendern , schlendernd sich unter etwas, z. B. ei…

abschlendern

DWB

abschlendern , jactare pedes et brachia inter ambulandum, nachlässig einher schreiten: er schlendert auf und ab, ist eben die gasse hinunter…

anschlendern

DWB

anschlendern , accedere gradu plumbeo: er kommt angeschlendert. scheint das nnl. aanslingeren.

daherschlendern

PfWB

daher·schlendern

daher-schlendern schw. : 'schlendernd gehen', doheʳschlendere [ PS-Fehrb ]; vgl. PfWB daherschlappen . RhWB Rhein. I 1203 . —

durchschlendern

DWB

durch·schlendern

durchschlendern , langsam, nachlässig und sorglos durch einen ort gehen. 1 1. untrennbar. er durchschlenderte feld und wiese. uneigentlich, …

ENTLANGSCHLENDERN

DWB2

entlang·schlendern

DWB2 ENTLANGSCHLENDERN vb. DWB2 zuss. mit entlang adv. auf einem weg, einem verlauf folgend dahinschlendern: DWB2 1844 ich schlenderte wiede…

fortschlendern

DWB

fort·schlendern

fortschlendern , lento gressu pergere: sie schlendert, indem sie erzählt, an seinem arme fort. Wieland 5, 15 .

Herabschlendern

Campe

herab·schlendern

Х Herabschlendern , v. intrs . mit sein , schlendernd herabkommen auch Х herunterschlendern. Das Herab=, Herunterschlendern . Eben so heran=…

Heranschlendern

Campe

heran·schlendern

Х Heranschlendern , — schlenkern, — schleppen, — schleudern, Х — schmeißen, s. Heran , und Herabschlendern 

herausschlendern

GWB

heraus·schlendern

herausschlendern Nach einer kurzen Zeit, die er [ Wilh ], beunruhigt von mancherlei Gedanken, sitzend und vor sich hinsehend zugebracht hatt…

herschlendern

DWB

hersch·lendern

herschlendern , verb. schlendernd herkommen. auch transitiv, schlendernd herstellen: eine brausende ode läszt sich leicht herschwärmen, eine…

Herumschlendern

Campe

herum·schlendern

Х Herumschlendern , v. intrs . 1) Um einen Ort, um eine Sache, dem ganzen Umfange nach, mit nachlässigen, langsamen Schritten gehen. 2) Beso…

herunterschlendern

GWB

herunter·schlendern

herunterschlendern [ in Vicenza ] ging ich wieder zur [ höher gelegenen ] Rotonda .. und schlenderte durch die Hallen herunter, wieder auf d…

hinabschlendern

GWB

hinab·schlendern

hinabschlendern nicht mehr so im Thale nur h., sondern einen .. Gebirgsriegel mühsam überklettern GWB 25 1 ,118,1 Wj III 5 Elke Dreisbach E.…

hinschlendern

DWB

hinsch·lendern

hinschlendern , verb. : lasz sie mich ein weilchen in meiner träumerei so hinschlendern. H. L. Wagner die kindermörderin 62 ; ihm war .. nur…

mitschlendern

DWB

mit·schlendern

mitschlendern , verb. comitari aliquem animi causa. Stieler 1817 : jeder herr bot einer seiner nachbarinnen den arm, da aber die liebhaberin…

nachschlendern

DWB

nach·schlendern

nachschlendern , verb. schlendernd folgen Stieler 1817 : wann wir wahre busse tuhn, so schonet gott unser; .. wann wir hinten nachschlendern…

Niederschlendern

Campe

nieder·schlendern

Х Niederschlendern , v. intrs . mit sein , niederwärts schlendern, nach einem niedern Orte schlendern. D. Niederschlendern .

Überschlendern

Campe

ueber·schlendern

Überschlendern , v. intrs . mit sein, ich schlendere über, übergeschlendert, überzuschlendern , über einen Raum, von einem Orte zum andern, …

Umschlendern

Campe

Х Umschlendern , v. intrs . u. trs . D. Umschlendern. 1. Úmschlendern , v. intrs . mit sein, ich schlendere um, umgeschlendert, umzuschlende…

verschlendern

DWB

versch·lendern

verschlendern , verb. in gemächlicher thätigkeit etwas beenden, versäumen. mhd. mnd. nicht nachgewiesen, wol aus dem nd. holl. slender, gang…

Ableitungen von schlendern (1 von 1)

verschlendern

DWB

verschlendern , verb. in gemächlicher thätigkeit etwas beenden, versäumen. mhd. mnd. nicht nachgewiesen, wol aus dem nd. holl. slender, gang…