rufen,
verb. clamare, vocare. II.
nhd. rufen, rief, gerufen;
mhd. ruofen, rief, geruofen;
ahd. ruofan, hruofan, hrôfan, reof, riof, giruofan. Graff 4, 1132.
altfries. hropa, ropa Richthofen 829
a;
ags. hrôpan,
prät. hreóp,
im neuengl. nicht mehr vorhanden (
abgesehen von dem mundartlichen to roup
versteigern, vgl. oben unter ruf).
mnd. ropen, rep Schiller-Lübben 3, 505
a,
neund. rôpen, rp
brem. wb. 3, 525.
mnld. und neunld. roepen, riep.
dieses starke reduplicierende verbum scheint nur westgerm. zu sein, es fehlt im goth. und altn.; βοᾶν,
κραυγάζειν,
κράζειν gibt die goth. bibelübersetzung mit dem schwachen verb. hropjan
wieder, ahd. ruofen, ruofta Graff
[] 4, 1135,
mhd. rüefen, ruofte
clamare. im altnord., wo das weitere bedeutungsgebiet des deutschen starken verb. rufen
durch kalla,
ahd. challôn,
mhd. kallen
eingenommen ist, findet sich daneben ein schwaches verbum hrópa, hrópaþa (
einem goth. *hropon
entsprechend),
im sinne von laut schreien, rufen, ebenso dän. raabe,
schwed. ropa;
besonders aber erscheint hrópa, hrópaþa
in der bedeutung '
jemanden schmähen, verspotten',
vergl. oben unter ruf. Zarncke
und Scherer
sind der ansicht, dasz das starke westgermanische verbum hrôpan
eine secundäre erscheinung und dem alten starken verbum hvôpan,
sich rühmen, nachgebildet sei (
mhd. wb. 2, 1, 803
b.
gesch. d. deutschen sprache2 273).
über auszergermanische beziehungen s. Fick
4 1, 394.
Schwache und starke formen des verbums im nhd. erst in diesem jahrh. hat die schriftsprache die schwachen formen rufte
und geruft,
die reste des mhd. rüefen
aufgegeben. dagegen ist in oberd. mundarten die schwache flexion zum theil neben der starken gewahrt. bair. ich rueffet, geruefft, gerüefft
neben ich rieff, gerueffen Schm. 2, 68,
in Tirol rueffen, rüeffen, grüefft Schöpf 566,
kärnt. geruoft, girüeft
neben giruofn Lexer 210,
schweiz. rüeffe, rief
und rüefti, grueffe
und grüeft Hunziker 211 (
vgl. Seiler 242
b. Frommann
deutsche mundarten 3, 209, 91).
im älteren nhd. sind auch umgelautete formen (
mhd. rüefen)
belegbar: glück zu, glück zu, rüft jederman. P. Gerhardt 11
Gödeke; Luther
in der bibelübersetzung gebraucht mehr das starke als das schwache präteritum: und sie rieffen mit lauter stimme auff jüdisch zum volck zu Jerusalem.
2 chron. 32, 18; ich rieff meinem knecht, und er antwortet mir nicht.
Hiob 19, 16; gleich wie ein mensch der uber land zog, ruffete seinen knechten.
Matth. 25, 14; rüffet der speisemeister dem breutgam.
Joh. 2, 9.
andere beispiele für schwache flexion: der pfarer ward des gewar und riefft (
wie sonst rüeffte) seinen nachburen zuo hilf.
Eulensp. 71 (
s. 113
neudruck); nachmals rüeften die juden umb hilff zue
got. Aventin. 1, 165, 20; die neben jm stunden munterten jn auff, ruffeten jhm.
buch d. l. 209, 2; das junger schwesterle .. hat ein verlangen nach dem eltern gehapt und ime gerueft.
Zimm. chron. 4, 226, 36. Schottel 592
stellt rufen
unter die '
ungleichflieszenden'
verba, Stieler
dagegen führt die schwachen formen als gleichberechtigte neben den starken an: ich rufe, du rufest, rüfest, er rufet, rüfet; ich rief, riefe, rufte, rüfte; gerufen, geruft. 1627: dasz der Jesuwiter mich wider zurück ruffete. Schuppius
schr. 538;
daneben: habe er immer geruffen. 31; diser als er kein antwort geben wollen, hat di stimme zum andern und dritten mahle geruft. Butschky
hochd. kanz. 703; er ruffte und schriehe.
pol. stockf. 286; der jetzund jungfraw rufft, der rif gar sehr genaw, er hätte bald gerufft, viel fehlt nicht, junge-fraw. Logau 1, 63, 54.
prät. riefe: da gab ich mich zu felde, laut riefe meinen schatz. Spee
trutzn. 34
Balke; ausnahmsweise ruf: hola! ruff er uns zu, jhr fromb kunst-reiche leut. Weckherlin 294. Steinbach
führt neben ruffe, ich ruffte, geruffet
auch das starke verbum auf, bemerkt aber, dasz geruffen
mehr als adjectivum im gebrauch sei, als in verbaler fügung. 2, 306. Frisch
erklärt das prät. rufte
für veraltet. 2, 132
a. Adelung
führt als schriftgemäsz die starke flexion an, die schwachen formen bezeichnet er als mundartliche. indessen begegnen letztere nicht nur in der schriftsprache des früheren 18.
jahrh.: rufte mich nicht herr Damis? Lessing 1, 227; der priester wird geruft. Gellert 1, 294 (1775); Cyper rufte die wand, und Cyper! cyper! der pape. Zachariä
poet. schr. 2, 138; bei rief oder rufte schwankt man nicht; denn es ist ausgemacht, dasz beides angehe. Klopstock 12, 212. rufte
findet sich im Messias ungemein häufig: das rufte vom aufgang bis zu dem niedergange. 2, 735; rufte gegen die erd', und sprach. 5, 335; sie ergrimmten, nun ruften, und schwangen die bebenden fackeln. 6, 63. rufte
neben rief: sie wurden ergrimmter, ruften, und ihr geschrey beseeleten stimmen der priester, stammelnd, und bleich, und knirschend, mit wildem flammenden auge, riefen sie: kreuzige! kreuzige! 7, 759;
[] sie riefen, und das rufen der priester erscholl vor dem brüllen der menge: kreuzige! ruften sie wieder. 7, 838; als er noch betet', erhub Eloa sein angesicht, wandt' es nach der versammlung der väter, und rief von der zinne des tempels ... rufte mit einer stimme der traurigkeit und des entsetzens. 10, 991.
sondern auch später, und bis ins 19.
jahrh. hinein: ach, du kamst, wann ich dir rufte. Gotter 1, 261 (1787); doch Priamus rufte Helenen. Bürger 208
a; Hector! rufte die mutter. Stolberg
werke 2, 214; du ruftest wehe über ihn aus. Schiller
räub. 1, 3
schauspiel; rufte doch jemand die gräfin von Lavagna zu diesem reizenden schauspiel.
Fiesco 1, 4; nicht unser mitleid ruft' sie
an. M. Stuart 1, 8; jedes rufte so ungekünstelt sein: danke! Göthe 16, 27; nun schluchtzt' er, nun weint' er, nun ruft' er aus. 36, 150; gegen ihn rufte zuerst der glänzende sohn des Lykaon. Voss
Il. 5, 276; jetzo stand sie und rufte, die lilienarmige göttin. 5, 784; inmitten der fröhlichen krieger sasz der kaiser im gras', und rufte den einen und andern auf zu ergetzlichem schwank. Pyrker
Rudolph von Habsburg 2, 53; sie schrie augenblicklich auf und rufte dem Theagenes. Jacobs
Heliodors äthiop. gesch. (1837) 81. IIII.
In ursprünglicher bedeutung wird das verbum vom lauten klange der menschlichen oder thierischen stimme gebraucht; dann mit verengerung des begriffes, wenn durch das rufen
die aufmerksamkeit jemandes erregt, ein zeichen gegeben wird, jemand erscheinen, zu dem rufenden
kommen soll; in diesem sinne einen rufen.
daher auch von instrumenten, deren schall zum zeichen, zur aufforderung, anfeuerung bestimmt ist. indem der begriff des aufforderns, herbeiholens besonders hervortritt, wird rufen
leicht in übertragenem sinne gebraucht: die pflicht ruft mich, etwas ins gedächtnis rufen. II@11) rufen
als verbum intransitivum. II@1@aa)
absolut. II@1@a@aα)
vom erhobenen klange der menschlichen stimme, beim ausdruck des schmerzes, der wehklage oder der freude, des brünstigen gebetes, der eindringlichen predigt u. a., ebenso von der stimme menschlich gedachter wesen: ahd. stemma ruofentes in uuuostinnu.
Tatian 13, 3; si quam ruafenti,kumta thio iro thurfti, klagota ira wewa. Otfrid 3, 10, 5.
mnd. Julianus swor, de duvel grep ime de hant unde helte ine vaste. Julianus begunde ropen.
deutsche chron. 2, 1. 125, 6;
mhd. singen und ruofen
ein gebetslied anstimmen, s. die stelle aus Berth. v. Regensb.
unter b, oben ruf I, 1,
b, δ und Wackernagel
gesch. d. d. litt.2 1, 339, 22;
nhd. herr wenn trübsal da ist, so suchet man dich, wenn du sie züchtigest, so ruffen sie engstiglich.
Jes. 26, 16; so wolte ich auch nicht hören, da sie rieffen, spricht der herr Zebaoth.
Sacharja 7, 13; seins reichs art ist, das es elende, ruffende, betende leute hat. Luther
werke 3, 19
b; wann unser herrgot einen better wil machen, der jn anruoffen sol .., so legt er jhm ein unglück auff den halsz .. not leret ruoffen. Agr.
spr. 193
b; hilf, dasz ich unverdrossen sei zum rufen, seufzen, beten. P. Gerhardt 210
Gödeke. in allgemeinerer anwendung: brich erfür und ruffe, die du nicht schwanger bist.
Gal. 4, 27; ruffe getrost, schone nicht, erhebe deine stim wie eine posaune.
Jes. 58, 1; der prediger, der eine sehr heszliche und widerwärtige stimme hatte, sagte: ich will hinfort meine stimme zwingen und mäszig ruffen.
pers. baumg. 4, 12; einer von uns, dem eine sonderliche andacht ankam, ging von uns in den wald, mit heller stimme ruffend.
pers. rosenth. 2, 22; engel brachten dir den kranz und riefen und du giengst in gottes ruh! Hölty 63
Halm. in freiem dichterischen gebrauch: wie weit er auch spähet und blicket und die stimme, die rufende, schicket. Schiller 11, 286. rufen
in besonderer anwendung; etwas öffentlich bekannt machen, öffentlich vorladen (
vgl. oben ruf I, 1,
b, ε und unten rufer);
so schweiz. rüfen Stalder 2, 288: nach beschehenem rufen.
Frankf. ref. I, 15, 2.
vom weidgeschrei der jäger: dieweil die weydleute jre losung mit dem rufen auch unter das püffen und hörnen mengen. Sebiz
feldbau 565.
durch das rufen
wird die aufforderung [] an den oder die hörenden gerichtet, aufzumerken, zu erscheinen, herbei zu kommen: der gnädige herr ruft eben (
nach seinem diener, der kommen soll); der kutscher mochte auch seine liebesgrillen vor sich haben, also dasz er das geschrey nicht in acht nam, nach langem ruffen hielt er still. Chr. Weise
erzn. 165
neudruck; wie die vorstellung also zu ende war, verlangte es ihn (
das parterre den Voltaire) zu sehen, und rufte und schrie und lermte, bis der herr von Voltaire heraustreten .. muszte. Lessing 7, 163; er rufte; kein seelchen erwiederte drauf. Bürger 81
a; allgewaltige! lauscht meinem rufen! hört Medeens stimme! eure freundin ist's, die ruft. Grillparzer 4, 53. gott ruft,
wenn unsere todesstunde gekommen ist: o laszt gottes weg' uns wandeln, immer gut und redlich handeln: dasz wir, ruft der vater nun, fröhlich hingehn auszuruhn! Voss 4, 86; mein meister rufe wenn er will, diesz herz ist freudensatt und ich kann fröhlich scheiden. Schiller
jungfr. von Orl. 3, 3. II@1@a@bβ)
von thieren. in besonderer anwendung als weidmännischer ausdruck: so vom schreien und locken der feldhühner. Jacobsson 3, 466
a.
die haselhühner pisten sich,
die rebhühner ruffen. Döbel
jägerpr. 1, 50
b.
allgemeingebräuchlich von der wachtel und dem kuckuck: im april kommt der kuckuck an, und hält man nach der alten regel dafür, dasz er auf Tiburtius-tag zu ruffen anfangen musz. Döbel
a. a. o. 1, 61
a;
nd. jei könnt räupen, wann eer dät jei will, sagt der kuckuck, ik räupe nit eer bis den feifteinten april. Wander 3, 1763.
von anderen thieren: de Sassen richteden sik sere na der perde ropen unde der vogele.
Magdeb. schöffenchron. 19, 7
bei Schiller-Lübben 3, 505
a; denn sie gläuben, dasz selbiges cameel noch jtzo ruffe.
pers. rosenth. 7, 20; unter und neben ihm rieffen und flatterten die kanarienvögel, singdrosseln, finken und nachtigallen. J. Paul
Titan 2, 50; der froosch, der wäscher, rief. P. Fleming 52.
freier gewendet: noch rufet nicht der finken schlag. Arndt
ged. 30.
altepisch, von wölfen auf dem leichenbedeckten schlachtfelde: ags. hreópon mearcveardas middum nihtum.
exodus 168.
von raben: on hväl hreópon herefugolas. 161. II@1@a@gγ)
vom schalle von instrumenten: die glocke ruft, die trompete, das horn, die trommel ruft; o wie ruft die trommel so laut. Rückert 1, 230.
vom kanonenschusz: drüben der kartätschenschusz ruft mit lautem todesgrusz.
ebenda. von der todtenuhr: ihr tauber glocken-schlag rufft die gewalt vom throne. Günther 676. II@1@a@dδ)
übertragen: es ruft das vaterland, die pflicht, die sünde
u. ä.; ahd. bidiu, uuanta oba thesê suuîgênt, steinâ ruofent.
Tatian 116, 5; rufft laut jr wüsten, und die stedte drinnen.
Jes. 42, 11; ruffet nicht die weisheit, und die klugheit leszt sich hören?
spr. Sal. 8, 1; horch! die rache ruft! Schiller
räuber 5, 5
trauerspiel; ich war nicht mit dabei — doch werd ich mich dem lande nicht entziehen, wenn es ruft.
Tell 3, 1; für die liebsten fallen, wenn die freiheit ruft. Schenkendorf (1815) 73.
mhd. ruofende sünden,
so genannt, weil sie ze allen zîten ruofent vor gote über ir lîp und über ir sêle aller der, die in der selben sünden einer sint. Berthold von Regensburg 1, 88, 1. II@1@bb)
was gerufen
wird, ist dem wortlaut oder dem inhalt nach beigefügt. II@1@b@aα)
mit directer angabe des gerufenen; so mit interjectionen, abgebrochenen sätzen, anrufungen, formelhaften wendungen: de lude kyrie eleyson ropen.
Lüb. chron. 1, 192
bei Schiller - Lübben 3, 505
a; und rieffen, hie schwert des herrn und Gideon.
richter 7, 20; das man ruffen wird, glück zu, glück zu.
Sacharja 4, 7; sondern jr habt einen kindlichen geist empfangen, durch welchen wir ruffen, Abba lieber vater.
Römer 8, 15; zeter rufen Stieler 1628; feuer, hülfe rufen; als plözlich eine rauhe befehlende stimme vor mir her halt! rufte. Schiller 4, 74; geschah es etwa, um den streit auf fremden boden zu spielen, dasz H. B. (
ürger) die ganze schaar deutscher liederdichter
[] aufbietet, auf dem ganzen musenberge feuer ruft. 6, 339; jedes rufte so ungekünstelt sein: danke! Göthe 16, 27; so riep hi harde hulpe up mi.
Reinaert 3233; se repen beyde wach unde wee.
Reineke de Vos 312; alsbald in eil wie schneller pfeil ach Jesu! rief es eben. Spee
trutzn. 9, 30
Balke; hast du vordem gehört, wenn ich, mein freund! gerufft, so hör auch künfftig hin, wenn ich, mein gönner! spreche. Günther 651; es ist staub deines bruders, staub, der wider dich rache ruft. Schiller 1, 43; trunken von siegrufenden päanen. 6, 276; treibt sie auseinander! was läuft das volk zusammen? wer ruft hilfe?
Tell 3, 3; der feuerwächter vom Selisberg hat eben zwey gerufen. 2, 2; an der ecken, an dem platz, wo ich sonsten bei ihr sasz, steht die braut, und ruft in gram: 'ach, o weh, mein bräutigam!' Rückert 1, 230; ja darum ruf' ich vaterland und freiheit. Arndt
ged. 411.
mit ganzen sätzen: ther heilant abur ruofenti mihileru stemme: fater, in thînô hentî biuiluhu ih mînan geist! inti nidar gihelditemo houbite santa then geist.
Tat. 208, 6; de wunde sic uprichte unde rep: herre, dise hevet mic gemordet.
deutsche chron. 2, 92, 10; er rieff, laszt jederman von mir hin aus gehen.
1 Mos. 45, 1; (
sie sprangen über den zaun) und rufften: gibstu dich so gib ich mich auch. Kirchhof
wendunm. 287
a; dô rief trûreclîchen diu küneginne milt 'wê mir dises leides. nu ist dir doch dîn schilt mit swerten niht verhouwen.'
Nib. 953, 1; Martinet riep 'ha ha, god danc! ter gœder tijt heeft nu ghestaen mijn stric.'
Reinaert 1226; zünde die fackel an, ruft der liebende hirt, leuchte mich durch den wald. Hölty 68
Halm; und rufet alle mann für mann: die knechtschaft hat ein ende. Arndt
ged. 195. II@1@b@bβ)
der inhalt des gerufenen wird durch einen indirecten satz angegeben: de keiser riep, dat he 't ware.
deutsche chron. 2, 184, 6; einem rufen, dasz er umkehren soll. Steinbach 2, 306; sus vuorters (
der riese die vier gefangenen) vür daʒ bürgetor: dâ hôrten sî in ruofen vor, er hienges alle viere, ob man sî niht vil schiere mit ir swester lôste.
Iwein 4952. II@1@cc)
wendungen mit präpositionen. II@1@c@aα)
mit örtlichen angaben, wo, woher, wohin gerufen wird; im eigentlichen und übertragenen sinne: es jauchtzen die in felsen wonen, und ruffen von den höhen der berge.
Jes. 42, 11; zwisschen den püsschen rieffen sie, und unter den disteln samleten sie.
Hiob 30, 7; sahe der wechter einen andern man lauffen, und rieff in das thor. 2
Sam. 18, 26; und lasse ruffen fur jm her.
Esther 6, 9; allein, wer kehret sich recht daran? die meisten lassen in sich ruffen wie in einen hohlen baum. Schuppius
schriften 183; er rief ins betäubte volk. Klinger 2, 444; er begunde ruofenvaste über die fluot.
Nib. 1490, 1; es rufet noch natur aus unsrer gruft; es lodert ihr feuer unverlöscht, wenn unsre asche modert. Gotter 1, 141; geht's mädchen mir vorüber, rufts laut zu mir, du bist ein mann! Schiller 1, 267; welche stimme des jammers ruft in meiner tiefsten seele?
Phädra 5, 4.
sprichwörtlich: wie man in den wald schreit, so ruft es auch wieder heraus. die sollte ihren mann finden, der auch wieder aus dem walde riefe, wie sie hineinschreit. Göthe 11, 12. II@1@c@bβ)
mit angabe der richtung, nach welcher der angerufene sich hinwenden, in bewegung setzen soll, sinnlich und übertragen: die geigen rufen zum tanze; der glockenschlag ruft zum abschied
u. ähnl. ins gewehr rufen,
zum antreten mit gewehr, an die gewehre rufen. zum gewehr ruffen,
ad arma vocare Steinbach 2, 306. doch kam der hauszknecht und ruffte zur mahlzeiten. Chr. Weise
erzn. 60
neudruck; zum hochamt rufte dumpf und klar der glocken ernster feierklang. Bürger 69
b; greift an! macht, dasz ein ende wird! die wache ruft in's gewehr. Schiller
Piccol. 2, 1; ja, sie greifen in die saiten, mit gewalt'gen götterschlägen rufen sie zu recht und pflichten. Göthe 2, 25;
[] zugvögel sammeln sich in scharen, wenn sie empfinden in der luft ein süsz geheimes offenbaren des frühlings, der nach süden ruft. Lenau 2, 237; die fiedel ruft zum tanze. W. Müller
ged. 1, 81
Max Müller. II@1@c@gγ) zu jemandem rufen,
gewöhnlich nur zu gott rufen,
von brünstigem beten: eno gat ni tuot giriht sînerô gicoronerô, thiê thâr ruofent zi imo tages inti nahtes.
Tatian 122, 3; aus der tieffen, ruffe ich herr zu dir.
ps. 130, 1; ich ruffe zu dir, das du gott woltest mich erhören. 17, 6; biginnent thanne wuafanjoh zi gote ruafan. Otfrid 5, 6, 47; ginado, druhtin, quad si mirbi thiu ruafu ih zi thir. 3, 10, 9; ich stund beseits und rüft zu got, das er mir bhüt vernunft und sin. H. Sachs
spruchged. 63, 24
Tittmann; sie rufften auch zu got, der für sie kein gehör. Weckherlin 71; da zeigte mir gott, zu dem ich rief, in der höchsten schrecklichen noth, aus der tiefe ragend ein felsenriff. Schiller 11, 224. zu den heiligen rufen; zu den göttern, den geistern rufen: bereitet die höhle, bereitet den altar! Medea will zu den geistern rufen, zu den düstern geistern der schaurigen nacht. Grillparzer 4, 46.
selten zu jemandem rufen
in dem sinne '
jemandem etwas zurufen': und einer rieff zum andern, und sprach: heilig, heilig, heilig ist der herr Zebaoth.
Jes. 6, 3; da rieff Pilatus abermal zu jnen, und wolte Jesum los lassen.
Lucas 23, 20. II@1@c@dδ) nach jemandem rufen,
um zu erfahren, wo er sich befindet, ihn herbei kommen zu lassen, auch nur als klage um einen abwesenden: das kind ruft nach seiner mutter, der herr nach seinen dienern; er rief laut und ungeduldig nach den bewohnern, nach den gästen. Göthe 23, 227. nach etwas rufen,
das herbeigeschafft werden soll: sie leckten vor durst die kacheln, oder rfften wie der reich mann im nobiskrug nach eim nassen finger. Fischart
Garg. 53
a; Sylvie lag in einer gefährlichen ohnmacht .. der andere ruffte nach schlagwasser. Chr. Weise
kl. leute 377.
in übertragener anwendung: mit recht ruft die vernunft zuerst nach theorie und nur später nach zweckbestimmung. Kant 10, 67.
selten mit auf: ich ruffte mit verlangen auf meiner freunde schaar. Opitz 3, 32. II@1@c@eε) um hülfe, um rache, um gnade rufen: da rief der Baiern wohlverdienter fürst um schnelle hilf' in seiner höchsten noth. Schiller
Piccolomini 2, 7. II@1@c@zζ) über jemanden rufen;
zur anklage: (sîn bluot) ruofet alsô iemer mêr über dînen lîp und über dîne sêle. Berthold v. Regensburg 1, 92, 9; ik mach wol ropen over den mordener.
Reinke de Vos 5275.
hier ist der alte mordruf gemeint, vergl. Grimm
rechtsalterth. 876
ff. rufen über
von freudigem ruf: rufft uber Jacob mit freuden.
Jer. 31, 7. II@1@c@hη) gegen jemanden, gegen etwas rufen,
zum ausdruck der feindschaft: und er rieff wider den altar (
den götzenaltar) durch das wort des herrn.
1 kön. 13, 2; gegen ihn rufte zuerst der glänzende sohn des Lykaon. Voss
Il. 5, 276. II@1@dd)
mit nachfolgendem infinitiv: hörst? die trommel ruft zu scheiden. Fr. Müller 2, 340. II@22) rufen
als verbum transitivum, mit dem accus. oder dativ desjenigen, der durch den anruf veranlaszt werden soll, zu erscheinen, aufzumerken, besonders auch, heranzukommen. bei der eigentlichen anwendung sind object und subject personen oder doch belebte wesen; in freierem gebrauche finden nach beiden seiten hin übertragungen statt. aus dem ahd. ist die fügung mit acc. nicht zu belegen, dagegen rufen
mit dem dativ: Helîase ruofit thesêr.
Tatian 207, 3; thaʒ ir in then sorgonruafet thesen bergon. Otfrid 4, 26, 43.
auch im mhd. ist diese fügung die regelmäszige, s. mhd. wb. 2, 1, 804
und Zarncke
zum narrensch. 31, 32. unz er ir rief anderstunt.
Iwein 3614; zu velde er alle tage lief, als sîn gewonheit im rief.
Marienl. 154, 36.
mit acc. mnld.: die coninc doe niet langher ne spaerde, hine riepe sine baroene te rade.
Reinaert 1327.
[] Maaler
führt nur wendungen mit dem dativ an: den seinen rffen,
vocare clamore suos; einem mit seinem nammen rffen. 336
d. Stieler 1627
bringt beispiele für beide fügungen: wer rufet mir; sollstu nicht kommen wenn ich dich rufe; es hat mir niemand gerufen.
nach Frisch 2, 132
a liegt bei der wendung einem rufen
der nachdruck mehr auf dem nomine appellare, inclamare, bei einen rufen
mehr auf dem arcessere. so auch Weigand 2, 499,
der folgende belege für diese unterscheidung gibt: er (
der vogel) pfiff, als ob er jemanden riefe; wen rufst du? deinen gespielen?; rufst du deinem männchen? ach ja! er ruft seinen geliebten, er klagt ihm. Geszner 2, 37;
Caecilie: Stella! höre mich, Stella!
Lucie: ruf' ihr nicht! sie ruht ...
Stella, an der thüre: wer ruft mich? Göthe 10, 19.
als allgemeine regel läszt sich diese unterscheidung durchaus nicht aufstellen, gewiss ist, dasz wir überhaupt nur dann noch die fügung mit dem dativ anwenden, wenn lediglich das anrufen ausgedrückt werden soll: er rief seinen hunden, dem diener rufen.
die ältere sprache bewegt sich frei: ich bin komen zu ruffen den sündern zur busze, und nicht den gerechten.
Marc. 2, 17 (
belege für die fügung mit dem acc. aus der bibelübersetzung s. unter b); und er rieff zu sich dem volck sampt seinen jüngern. 8, 34; der pfarer ward des gewar und riefft seinen nachburen zuo hilff ... und sagt, kumen mir zuo hilff mein lieben nachburen.
Eulensp. 71 (
s. 113
neudruck); lehren sie, dem vatter, den sie sonst nicht kenten, Ette ruffen. Fischart
Garg. 68
a; den reten sie da ruofft zuo ir. Büheler
königstochter von Frankreich 2199; da lieff herfür die stättisch mausz und rieff der feldtmausz auch herzu. E. Alberus 27
b; ob dein herr wer zu disch gesessen, und rfft zur tafel dem gesind.
Grobian. 1522
neudruck; dasz man dir ausz den federn tieff zur guoten morgensuppen rieff. 2406; gleich wie ein hochschwangrer leib der die herbe zeit erkannt, die ihm zu der arbeit rufft. A. Gryphius 2, 407; was nicht ist, dem rufft gott zum seyn und zum bestehn: was ist, dem rufft der krieg zum nicht seyn, zum vergehn. Logau 1, 65, 62. rufen einem,
ihm zurufen: da kam er und rfft jhm, was newes da sey. Fischart
Garg. 214
a; (
der lahme) hab demnach dem blinden geruffen, stehe still, da ligt etwas. Schuppius
schriften 303. II@2@aa)
fügung mit dem dativ. II@2@a@aα)
in eigentlicher anwendung; so noch jetzt schweiz. Seiler 242
b: da rieff der könig in Egypten den wehmüttern, und sprach zu jnen.
2 Mos. 1, 18; rüffet der speisemeister dem breutgam.
Joh. 2, 9; bis das sie rieffen den eltern des, der sehend war worden. 9, 18; gieng sie hin, und rieff jrer schwester Maria heimlich. 11, 28.
sprichwörtlich: wie man dir rüfft oder dich grüszt, also antwort. Franck
spr. 2, 109
b;
schuster: wo ist der herr?
köchin: er ist im sommerhaus, ich wil im ruofen. H. Sachs
dial. 1, 4; lieb köchin, rüf unserm calefactor. 24, 30; er liesz seinem verschnittenen kämmerling ruffen.
buch der liebe 214, 4; ich musz jetzt von euch scheiden, denn mir wird offt in der schlacht geruffen. 26, 2; ich habe drauszen aufgewartet und gedacht, der junker würde mir wohl rufen lassen.
ped. schulfuchs 135; du hast mir geruffen. Gottsched
sprachl.5 136; rufe nun den druiden und den barden. Klopstock 8, 74; allein so bald don Sylvio seiner gewahr wurde, rief er ihm und sagte. Wieland 11, 124; wohin Araspes? siehest du mich nicht? ..
Araspes: wer ruft mir? 16, 352; er getraut sich nicht dem mädchen im hause zu ruffen. Lessing 2, 576; ruf dem pastor — dasz er mir das abendmal reiche. Schiller
räub. 2, 2
schauspiel; sie ruft mir! sie ruft mir! ich komme! Göthe 10, 120; ich musz meiner frau rufen. Elisabeth! 8, 45; ruft der mutter, sie soll blutwurzel bringen und pflaster. 151; (Philine,) die sogleich, nach ihrer lebhaften art, dem kinde rief und winkte. 18, 153; eins tags ruft er dem delphin wider, der delphin gieng zum knaben ans gestat. H. Sachs
meisterl. 143, 15
Gödeke; darumb darfst du nit rufen mir, wan ich kumm nimmer mer zu dir.
spruchged. 6, 131
Tittmann; lasz dich kein mensch im hausz auff treiben, bisz dir der hauszherr rüffen thuo ein mal, zwey, drey, und vier darzuo.
Grob. 2423
neudr.; lauft ir behend, die tür macht auff und ruft dem gsinde allm zu hauf. Rebhun
Susanna 3, 2 (
schausp. aus d. 16. jh. 1, 57); rieff er der magt und sprach zu ihr. E. Alberus 11
b;
[] ich in felden, ich in wälden rufe meinem zarten kind. Spee
trutzn. 201, 134
Balke; die heiligen ruffen dir. sie ruffen dich auffs fest, das kanst du nicht begehen. A. Gryphius 2, 478; der Diana solte ruffen Elsa, ruffte der Dione: solt ins kloster, lag in wochen vor mit einem jungen sohne. Logau 2, 238, 175; nicht weil du mir riefst: dich zum zeugen zu machen erschein ich. Klopstock
Mess. 15, 280; (dasz er) nicht einmal erscheint, wenn ihm sein könig ruft.
werke 10, 6; mein könig und mein herr! du riefst mir, hier bin ich. 23; sagt mir, o sagt mir, wer rufte mir? 19, 222; auf einmal ruft er einem knaben im vorgemach: man hohle mir Kombaben! Wieland 10, 262; ich, ich, dein ritter, rufe dir; geschwind, geschwind herab zu mir! Bürger 53
a; komm, rufe deinem sohne! er eil in deinen arm; er herrsch' auf diesem throne. Gotter 2, 18; sie ruft der zof: 'ihr hört, was mir der bonze droht!' 1, 70; den Galliern, die ihn gekrönet hatten, rief mit umwölktem blick Leibnitzens groszer schatten: weg mit dem lorberzweig, von fremden mir gereicht. 36; und von diesem hügel rief Cythere ach vergebens! ihrem schönen freund. Schiller 6, 22; habt ihr ihm denn nicht gerufen? Göthe 10, 252; wer ruft mir? 12, 34; doch unruhiger ging sie, nachdem sie dem sohne gerufen zwey- auch dreymal. 40, 266; ruf ihr! sie soll heraus! Grillparzer 4, 38.
von der stimme eines thieres: vor Magdalis pforte blieb keine (
kuh) mehr stehn, und rief ihr mit sanftem gebrülle. Bürger 65
a. II@2@a@bβ)
in freierer und übertragener anwendung: ich ruffe dem schwert uber alle die auff erden wonen, spricht der herr Zebaoth.
Jer. 25, 29; der dem wasser im meer ruffet, und schüttet es auff den erdboden, er heiszet herr.
Amos 5, 8; und sihe, der herr rieff dem fewr, da mit zu straffen. 7, 4; (ich) wil dem korn ruffen und wil es mehren.
Hes. 36, 29; er (
gott) ruffet der dürre, das der himmel seinen tau und regen über uns verhalten mus. Butschky
Pathmos 220; wAen (
wen) hüt berfft die gottes stym, der weiszt nit, ob sie morn rüff jm. Brant
narrensch. 31, 32; die liebe ruffte dir, es ruffte dir der tod, sie in der himmel burg: er aus der erden noth. A. Gryphius 2, 479; Vetturia rufft jhrer jugend mit seuffzen. Logau 3, 148, 63; gott bleibt gott! wann jhm gefället, ruffet er dem würgeschwerdt. 2, 142, 7; er (
gott) wil, du solt sein wort so dir rufft fort und fort, mit rechter andacht hören. H. Albert
in ged. d. Königsb. dichterkr. 263
neudr.; die verklärung ihres (
der seele) verflogenen staubes, wenn ihm das nahe gericht ruft. Klopstock
Mess. 11, 839; einst rufet auch dir die posaune! 17, 776; dasz der wurm auf dem felde der hohen wolke nicht rufe! 18, 586; haine riefen hainen, und bergen berge: vollender! 20, 589 (
werke 6, 258); ein zu segnender laut, der mir rief, wie ein schatten dem schatten liebend ruft.
werke 1, 23; aber ich hätt' auch hier das nicht vollendet, was schon in den blüthenjahren des lebens mit lauter süszer stimme mein beruf zu beginnen mir rief. 1, 122; auf einmal hört' ich eine stimme, die, von der seite her, mir rief: wo wolt ihr hin? ihr reitet in die krümme! Göckingk 1, 129; die kunst, dem silberton zu rufen. Schiller
don Carlos 4, 21; war's nicht schon leidenvoll genug, nicht etwa schon thränenwerth genug, des menschen loos, dasz er (
Zeus) dem tod noch rief, es zu erschweren? Schiller
Iphig. in Aulis 5, 4; vertheidige dein leben, denn dir ruft der tod.
jungfrau 2, 7; (
Jupiter) rief dem sohn der zeit, dem güldnen tag, die meisterarbeit zu bescheinen. Arndt
ged. 6. II@2@a@gγ)
mit folgendem infinitiv: hätt ihnen Gabriel nicht mit der goldnen posaune zu folgen gerufen. Klopstock
Mess. 20, 1166 (
werke 6, 290).
[] II@2@bb) rufen
mit dem acc., arcessere, invocare. II@2@b@aα) sol ich hin gehen, und der ebreischen weiber eine ruffen die da seuget. 2
Mos. 2, 7; soll ich sie rufen? oder soll ich meine hütte fest vor ihr verschlieszen? Klopstock 8, 41; rufte mich nicht herr Damis? wo ist er? was soll ich? Lessing 1, 227; gieng zur thüre, rufte einen seiner leute, hiesz ihn wieder gehen. Schiller 3, 555; das können sie hier! sagte sie, rief ihren kleinen diener. Göthe 18, 146; ich konnte ihm noch sagen einen arzt zu rufen. Arnim
Hollins liebel. 81; ich Jesum rief aus herzen tief. Spee
trutzn. 8, 15
Balke; der priester wird geruft. Gellert 1, 294; der Cherub, welcher sie rief, stieg nieder vom thron zu dem offnen gerichtsplatz. Klopstock
Mess. 18, 64; erlauben sie, dasz dieser fremde mann gerufen werde. Schiller
Wallenst. tod 4, 9; vater ich rufe ich! Körner 1, 130.
mit sog. dat. commodi: der könig David antwortet und sprach, rufft mir BathSeba.
1 kön. 1, 28; ruft mir den Wrangel, und es sollen gleich drey boten satteln. Schiller
Wallenst. tod 1, 7; den teufel rufen; geister rufen; ich rief den teufel und er kam, und ich sah ihn mit verwundrung
an. H. Heine 15, 151; du rufst geister und besprichst den mond. Grillparzer 4, 11.
weidmännisch, durch nachahmung der entsprechenden thierstimme locken: der jäger musz einen hirschen zu rufen, einen bock zu blätten, einen hasen zu räzen, einen fuchs zu quäcken und allerlei grosze und kleine vögel durch den ruf und die pfeife zu locken verstehen. Heppe
jagdlust (1783) 1, 33.
von thieren: (die nachtigall) ruft die verwandte menge. Göthe 2, 23.
freier und übertragen: mich ruft die pflicht, die neigung, das vergnügen, mich rufen die geschäfte
u. ähnl.; dich ruft nicht die trommel, nicht die trompete. Göthe 40, 269; keine inschrift, ... die von ahnen und von würden strotzet, rufet hier den wandrer. Hölty 50
Halm; da rief mich deine stimme süsz. Arndt
ged. 96; doch stehts nicht bei dir die neigung zu rufen, der neigung zu folgen steht bei dir. Grillparzer 4, 87. hülfe rufen (
vgl. oben 1,
b, α)
im sinne '
hülfe erbitten': voller angst und voller sorgen, kommen wir durch nacht und nebel, hülf' und rettung rufen wir. Göthe 10, 251. II@2@b@bβ) jemanden mit, bei namen, bei seinem namen rufen: ja ich rieff dich bey deinem namen.
Jes. 45, 4.
mit dativ s. oben unter 2. II@2@b@gγ)
mit adverbien und präpositionen, zur angabe der richtung woher, wohin man jemanden ruft: einen vor gericht ruffen,
vocare aliquem in judicium. Frisch 2, 132
a; jemanden bei seite rufen; auch frau und tochter ruft der fürst hieher? Schiller
Piccol. 1, 1; gehn sie graf, wohin die pflicht sie ruft.
Wallenst. tod 3, 23. ins leben rufen,
in eigentlichem sinne, einen ohnmächtigen: die klage kommt zu spät — hier schaffet hilfe. ruft sie ins leben! Schiller
braut v. Mess. 1921 (3, 4).
übertragen: dem pfalzgrafen wuchs dadurch der muth, und er arbeitete mit allem ernste daran, die union wieder ins leben zu rufen. Schiller 8, 111. sich etwas ins gedächtnisz rufen,
sich etwas zur erinnerung bringen; vor's gedächtnisz: vergebens rief er sich den glücklichen zustand, in dem er sich doch eigentlich befand, vor's gedächtnisz. Göthe 20, 246.
ähnlich sich etwas vor die seele rufen. ich musz nur dein eigenes bild wieder vor dich rufen. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; und heiszen dank, dasz er, sein lob zu melden, auch mich auf diesen weiten schauplatz rief. Gotter 1, 2; disz paradies rief euer groszer könig in eine fürchterliche wildnisz her — er rufe doch — sein Karlos läszt ihn bitten — ein lächeln auf mein angesicht. Schiller
dom Karlos 1, 1; rufet, o freunde, mich nicht wieder auf das meer, wo trümmer, thürmende trümmer das ufer decken. Hölty 85
Halm; denn rief ich nicht, mit thörigem beginnen, gefahr und tod auf dieses theure haupt? Göthe 9, 313;
[] und ich habe die dürre geruffen, beide uber land und berge.
Haggai 1, 11.
wendungen mit zu,
sprichwörtlich nd.: man röppt den esel nich anners tau hof, as wenn hei säck dragen sall. Wander 3, 1763; ruft michs zum genusz, warum kann ich ihn nicht ergreifen? Göthe 16, 201; ich bin komen die sünder zur busse zu ruffen, und nicht die fromen.
Matth. 9, 13; man wird den ackerman zum trawren ruffen.
Amos 5, 16; einen redner zur ordnung rufen,
der sich gegen den parlamentarischen gebrauch vergangen hat; als schnitter Christel sein Hannchen rief zum duftenden busch. Hölty 40
Halm; zur versammlung zu rufen die hauptumlockten Achaeer. Voss
Od. 2, 8. jemanden zu sich rufen: und er rieff zu sich alle schüldener seines herrn.
Luc. 16, 5; der ruffe zu sich die eltesten von der gemeine.
Jac. 5, 14; er rufte mich zu sich und ich sah hinter mich. Chr. Gryphius 1, 7. jemanden zu hülfe rufen, etwas zu hülfe rufen: rufen sie ihre geburt, ihren rang, ihre macht zu hilfe. Schiller
kab. u. liebe 4, 6.
daneben jemanden um hülfe rufen: drang .., er kühn durch flamm und rauch der stimme nach, die uns um hülfe rief. Lessing
Nathan 1, 1. einen zum zeugen rufen,
testem aliquem citare. Frisch 2, 132
a. wird nicht der nidrere, den er zu seinem freunde ruft, in dem freunde den fürsten fürchten. Schiller 1, 34. II@2@b@dδ)
mit prädicativem adj. bei dem acc., jemanden wach rufen.
reflexiv sich heiser rufen, sich nach jemandem heiser rufen; er rufte sich bald todt. Merck
briefs. 1, lix. II@2@b@eε)
mit nachfolgendem infinitiv und zu: doch ruft ein denkmal noch ... den frommen wanderer, mit thränen hier zu säumen. Gotter 1, 140;
mit bloszem inf.: euer engel, dessen zeichen die toten auferstehen ruft. Lenau
Savonarola 594 (
werke 2, 234
Koch). II@2@b@zζ)
das part. gerufen
im sinne von gewählt, bestimmt: um den scepter Germaniens stritt mit Ludwig dem Bayer Fridrich aus Habspurgs stamm, beyde gerufen zum thron. Schiller 11, 72.
in besonderer wendung: wie gerufen,
erwünscht: du kommest, als wärestu gerufen,
opportune advenis Stieler 1627; du kömmst als geruffen, Lisette. Lessing 1, 284; die empörung kommt wie gerufen. Schiller
Fiesco 2, 7 (
vgl. 2, 15); (
er) kommt, wie gerufen.
kab. u. liebe 1, 5; sieh da das gefiederte paar! recht wie gerufen. Göthe 11, 219. II@2@cc) rufen
mit dem acc., exclamare aliquid: mhd. eʒ ist gar ein nütze sanc, ir sult in iemer deste gerner singen unde sult eʒ alle mit ganzer andâht unde mit innigem herzen hin ze gote singen unde ruofen. Berth. v. Regensburg 1, 43, 22 (
s. oben 1,
a und ruf I, 1,
b, δ). jemandem etwas ins ohr rufen, beifall rufen: umher die könige riefen ihm beifall. Voss
Ilias 7, 344.
eigenthümlich jemandem etwas rufen,
im gerücht ihm beilegen, zuschreiben: wahnsinn ruft man dem Calchas, und wahnsinn ruft man Cassandren, eh' man nach Ilion zog, wenn man von Ilion kommt. Göthe 1, 379.
besonders etwas öffentlich, feierlich verkünden: mnd. de mene vrede ward geropen unde vorkundiget openbar.
quelle bei Schiller-Lübben 3, 505
b; let ropen gnade unde vorschonynghe.
ebenda; nu hieʒ man ruofen in den sal eine stille über all.
Tristan 282, 27 (11225); dô begunde man den frideban ruofen.
Biterolf 9372; der hieʒ auch unverzait ruofen zehand ein hervart.
ges. abent. 2, 603, 299. der nachtwächter ruft die stunden. sich einer summe gewert rueffen,
bekennen, dasz man sie empfangen hat. Schm. 2, 68.