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Rufen

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Adelung
Anchors
17 in 14 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Rufen

Bd. 3, Sp. 1196
Rufen, verb. irreg. ich rufe, du rufst, er ruft; Imperf. ich rief; Mittelw. gerufen; Imperat. rufe. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, eine laute Stimme von sich hören lassen, wo doch rufen keine so laute Stimme voraussetzt, als schreyen. 1) Überhaupt. Er wird nicht schreyen noch rufen, Es. 42, 2. Rufet mit voller Stimme und sprechet, Jer. 4, 5. Der König rief überlaut, daß u. s. f. Dan. 5, 7. Zu Gott rufen, in der Deutschen Bibel. In dieser allgemeinen Bedeutung fängt es im Hochdeutschen an zu veralten, ob es gleich noch in einigen Fällen gangbar ist. Um Hülfe, um Rache rufen. Feuer rufen. Ins Gewehr rufen. Keine Thräne seiner Unterthanen ruft wider ihn um Rache. So auch in den Zusammensetzungen ausrufen, nachrufen, zurufen, widerrufen u. s. f. 2) In engerer Bedeutung ist dieses rufen, durch laute Stimme einem andern ein Zeichen geben, daß er aufmerke, und in engerer Bedeutung, daß er sich uns nähere, da es denn die dritte Endung der Person erfordert. Gott rief ihm aus dem Busch, 2 Mos. 3, 4. Du hast mir gerufen, 1 Sam. 3, 6. Saul ließ allem Volk rufen zum Streit, Kap. 23, 8. Ich rief ihm, meinem Sohne, aus Egypten, Hos. 11, 1; und so in andern Stellen mehr. Wippel hat in seinen Anmerkungen zu Bödikers Sprachkunst dieser Wortfügung beynahe vier ganze Seiten gewidmet, wo er zu behaupten sucht, daß rufen hier eigentlich zurufen bedeutet, welches doch mit den Stellen, worin es vorkommt, leicht widerlegt werden kann. Rufen hat hier die völlige Bedeutung des folgenden Activi, nur weil es hier als ein Neutrum die vierte Endung nicht haben kann, so verbindet man es mit der dritten. Indessen ist diese ganze Wortfügung im Oberdeutschen einheimisch, und die Hochdeutschen kennen sie eigentlich nicht, außer was etwa von einigen aus Nachahmung geschiehet. Wer ruft dem Heer der Sterne? Gell. Doch hör des Volkes Getön ruft mir zu Pflichten, Schleg. Warum er unsrer Welt vor tausend andern rief, Als alles in der Nacht der Möglichkeit noch schlief, Gieseke. II. Als ein Activum. 1) Mit lauter Stimme bekannt machen. Die Stunden rufen, wofür man doch lieber abrufen sagt, so wie[] überhaupt diese Bedeutung in den Zusammensetzungen abrufen und ausrufen am üblichsten ist. 2) Mit lauter Stimme zu sich fordern, durch laute Stimme einem andern ein Zeichen geben, daß er sich uns nähere, wo es mit der vierten Endung der Person gebraucht wird, und im Hochdeutschen statt des vorigen Neutrius in der engern Bedeutung üblich ist. Jemanden rufen. Wer hat mich gerufen? Ich habe dich nicht gerufen. Sie kommen wie gerufen. Jemanden zum Zeugen rufen. Jemanden heraus, hinein, herauf, bey Seite, zu sich rufen u. s. f. Auch wenn man Thiere durch Nachahmung ihrer Stimme oder durch andere Töne näher zu bringen sucht. Ingleichen figürlich. Gehe, wohin die Ehre dich ruft. Die Glocke ruft uns. Die Trompete ruft die Krieger zur Schlacht. Unter diesem für mich ewig fremden Himmel möchte ich noch Ein Mahl die Freuden meiner muntern Jugend zurück rufen, Zimmerm. So auch das Rufen. Anm. Bey dem Ottfried und Notker ruofan, im Isidor hreofun, bey dem Ulphilas hropjan, in Schwaben noch jetzt riafun, im Nieders. ropen, im Schwed. ropa, im Finnländ. raawun, und selbst im Arab. rafan, wo Rufaet eine laute Stimme bedeutet. Es ist eine unmittelbare Onomatopöie des lauten Rufens, und da eben dieser Ton auch andern Arten des Geräusches eigen ist, so ist רוב im Hebr. Zank. Einige Oberdeutsche Schriftsteller werfen den Meißnern vor, daß sie dieses Zeitwort wider das Beyspiel des größten Theiles Deutschlandes regulär abwandeln. Den Meißnern geschiehet damit zu viel, wohl aber findet man es bey den meisten Schlesischen Dichtern häufig in der regulären Form. Gryphius und Günther gebrauchen mehrmahls geruft für gerufen. Wir rufen Pluto an, Opitz. Auch in Baiern gebraucht man es fast durchgängig regulär.
3853 Zeichen · 75 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rufen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Rufen , verb. irreg. ich rufe, du rufst, er ruft; Imperf. ich rief; Mittelw. gerufen; Imperat. rufe. Es ist in doppelter…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    rufen

    Goethe-Wörterbuch

    rufen -ff- zB 37,68,12 u 39,129,5 ; Kleinschr bei subst PartPrät 5 1 ,227 Vs 13u14 ; Imperativ Sg ‘ruf'’ zB 12,165 Vs 99…

  3. modern
    Dialekt
    rufentr. v.

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    rufe n [rûfə fast allg.; roufən D. Si. ; røfə Pfb. — Flexion: rûfə (roufən, røfə), rìfšt (rûfš) rîft (rûft); Ptc. gərûft…

  4. Sprichwörter
    Rufen

    Wander (Sprichwörter)

    Rufen 1. Einer raupe watte will, he raupe nit vör den halven April, sagte der Kukuk. ( Westf. ) 2. Einer ruft des andern…

  5. Spezial
    rufen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ru|fen (rief, gerufen) I vb.tr. (herbeirufen) cherdé (chërda), tlamé (-ma) II vb.intr. 1 (durch Ruf herbeiholen) cherdé …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit rufen

45 Bildungen · 18 Erstglied · 22 Zweitglied · 5 Ableitungen

rufen‑ als Erstglied (18 von 18)

rufenbart

DWB

rufen·bart

rufenbart , m. , schweiz. rüfebart, ausschlag an lippe und kinn. Seiler 242 b .

rufenberg

DWB

rufen·berg

rufenberg , m. bergmännisch eine unart, welche am zwitter ( zinnerz ) gefunden wird. Frisch 2, 132 a : was sich in klüfften oder am selband …

rufendung

DWB

rufen·dung

rufendung , f. verdeutschung von vocativ. Adelung : die ruffendung (casus vocativus) mangelt in beyden geschlechtwörteren. Schottel 227 .

Rufendutz

RhWB

rufen·dutz

Rufen-dutz rīwədots Kobl-Cobern Bisholder m.: verächtl. Kopf mit Ausschlag u. einer mit einem solchen R.

rufengesicht

DWB

rufen·gesicht

rufengesicht , n. gesicht voller rufen, schorfe, blattern, unreinigkeiten. Birlinger wörterbüchl. z. volksth. aus Schwaben 78 . s. rufenmaul…

rufengrind

DWB

rufen·grind

rufengrind , m. kopfgrind ( s. rufe ), dann schimpfname. Tobler 368 b .

Rufenkater

RhWB

rufen·kater

Rufen-kater refkdər Bitb-Bollend m.: verächtl. ein mit Ausschlag am Munde, Kopf, mit Pocken Behafteter.

Rufenknütteler

RhWB

Rufen-knütteler rīwəgnetələr Koch-Lutzerath m.: dass.

Rufenkopf

RhWB

rufen·kopf

Rufen-kopf (s. S.) rīwə- Kobl , May , Aden , Neuw ; ref- Trier-Kenn ; rof- Eusk-Antw m.: verächtl. K. mit Ausschlag, Grind, einer mit solche…

rufenmaul

DWB

rufen·maul

rufenmaul , n. ausschlag um mund und kinn ( s. rufe ). Birlinger wörterbüchl. z. volksth. aus Schwaben 78 . Hunziker 205 .

Rufenniles

RhWB

rufen·niles

Rufen-niles refnīləs Prüm-Feuerschd m.: verächtl. ein mit Ausschlag, Grind Behafteter.

Rufenpeter

RhWB

rufen·peter

Rufen-peter rīwəpidər Goar-NSpay ; rēwə- Neuw-Breitschd ; ryfəpitər Köln-Rodenk m.: dass.

Rufentoll

RhWB

rufen·toll

Rufen-toll rofəndǫl Altk-Horhsn : beim Ausraten, bes. mit Bohnen: A.: R. B.: Dein fein. A.: Bie vill sollen dein sein? B.: (etwa) fufzehn.

rufen als Zweitglied (22 von 22)

abberufen

DWB

abbe·rufen

abberufen , revocare, von einer stelle zurückrufen, gleichviel mit dem einfacheren abrufen: der gesandte wurde von seinem hofe abberufen. in…

abrufen

DWB

abrufen , avocare, laut von dem munde rufen, aus einem orte weg rufen, nnl. afroepen: horch, der nachtwächter ruft schon ab. Göthe 42, 8 ; d…

Angerufen

Wander

anger·ufen

Angerufen Es ist besser angeruffen, als angegriffen werden. (S. Feind 124.) – Lehmann, 436, 45.

anrufen

DWB

anrufen , invocare, nnl. aanroepen: richtet daselbs einen altar zu und rief an den namen des starken gottes. 1 Mos. 33, 20 ; und rief in an,…

aufrufen

DWB

auf·rufen

aufrufen , inclamare, proclamare, nnl. oproepen. wie intransitives rufen acclamare den dat., transitives rufen vocare den acc. der person fo…

ausrufen

DWB

aus·rufen

ausrufen , exclamare, proclamare, nnl. uitroepen. man kann das schwanken zwischen starker und schwacher form längst nicht mehr auf den unter…

berufen

DWB

ber·ufen

berufen , vocare, convocare, schwankt, wie abrufen, anrufen, aufrufen, ausrufen, zwischen starker und schwacher flexion, worüber bei dem ein…

einrufen

DWB

ein·rufen

einrufen , vocare in locum, einberufen, nnl. inroepen.

errufen

DWB

err·ufen

errufen , clamore assequi, ahd. arruofan: ich kann ihn nicht errufen. Stieler 1630 ; ich musz hier in der entfernung stehen bleiben, aber mi…

herrufen

DWB

herr·ufen

herrufen , verb. : so sende nu gen Joppen, und las her rufen einen Simon, mit dem zunamen Petrus. apostelgesch. 10, 32 ; gehe hin auf dis ma…

nachrufen

DWB

nach·rufen

nachrufen , verb. intransitiv und transitiv. 1 1) hinterher, hintennach rufen, besonders wie bei nachruf 2: nachrufen, sectari aliquem clamo…

Pfandverrufen

DRW

pfand·verrufen

Pfandverrufen, n. verkürztes Gerichtsverfahren zur Pfandverwertung von pfandtverruͤffen, ußklagen 1614 BernStR. VII 2 S. 797 Faksimile wie d…

Tagrufen

DRW

tag·rufen

Tagrufen, n. Ausrufung des Tagesanbruchs vgl. Tagerot [braxsmen u. laichfischen halber:] welcher ain zug umb vesper zeit bestelt, der sol in…

unberufen

DWB

unbe·rufen

unberufen , part.-adj. adv. , nicht oder wenig berufen; mnd. unberopen unbescholten Schiller-Lübben 5, 19 a ; mnl. onberoepen wb. 5, 250; St…

ungerufen

DWB

unger·ufen

ungerufen , part.-adj. adv. zu rufen. mhd. ungeruofen, -et; mnl. nl. ongeroepen. ungeruft (ungerüeft) mundartlich und veraltet. Staub - Tobl…

verrufen

DWB

ver·rufen

verrufen , verb. öffentlich bekannt machen, in schlechten ruf bringen. starkes zeitwort, doch ragt hier in das westgerman. wie beim einfache…

vorrufen

DWB

vor·rufen

vorrufen , verb. , preconari furruffen gemma gemmarum (1508) t 7 a (fürrufen fehlt th. 4, 1, 1, sp. 790); provocare vorruoffen Diefenbach gl…

wegrufen

DWB

weg·rufen

wegrufen , durch ruf zum weggehen auffordern: avocare Stieler 1629 ; als das mädchen dann weggerufen wurde v . Eichendorff 3, 76 ; rufen sie…

widerrufen

Pfeifer_etym

wider·rufen

wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-…

zurückrufen

DWB

zurueck·rufen

-rufen , v. : so der vorstehende hund zeichen gibt, wird er zuruckgerufen Aitinger jagd- u. waidb. (1681) 20 ; weillen ich ausz einem schrei…

zurufen

DWB

zur·ufen

zurufen , v. , bei Lexer nicht genannt, aber schon früh lexicalisch angegeben Diefenbach 7 ; 8; 15 a ; 24; nov. gl. 5 a ; mnd. toropen, mnl.…

Ableitungen von rufen (5 von 5)

berufen

DWB

berufen , vocare, convocare, schwankt, wie abrufen, anrufen, aufrufen, ausrufen, zwischen starker und schwacher flexion, worüber bei dem ein…

entrufen

DWB

entrufen , avocare, von einer stelle weg, auch mit dem sinne von herbei, heranrufen: du entriefst der nacht der gestirn heer! Messias 20, 11…

errufen

DWB

errufen , clamore assequi, ahd. arruofan: ich kann ihn nicht errufen. Stieler 1630 ; ich musz hier in der entfernung stehen bleiben, aber mi…

Rufene

Meyers

Rufene , s. Rüsi.

verrufen

DWB

verrufen , verb. öffentlich bekannt machen, in schlechten ruf bringen. starkes zeitwort, doch ragt hier in das westgerman. wie beim einfache…