tour,
f. ,
reise, spaziergang; wendung; reihe. am ende des 17.
jh.s mit geschlechtswechsel aus frz. tour, m., übernommen, das seinerseits über mittellat. tornum (
acc. sg.)
auf griech. τόρνος '
zirkelähnliches werkzeug'
zurückgeht. der begriff der rundung, der zum ausgangspunkt zurückkehrenden wendung blieb der gesamten wortgruppe im grunde erhalten. in der nähe des frz. erhält sich das masc.: vgl. Elis.-Charl. v. O.
br. 2, 546
Holl.; 286; 622; Riesbeck
br. 1, 401;
chr. d. ges. d. mahler 74
Vetter; sonst nur Wieland
gesch. d. gel. 48
H.; ebenso in den westlichen grenzdialecten Aachen, Luxemb., Elsasz (
s. u.)
; ein neutr. in der bedeutung '
mal' dastur, distur
u. s. w. im elsäss. für das vordringen des worts und zahlreicher ableitungen im 19.
jh. ist engl. tour mit dem allmählichen aufkommen der '
reise, wanderung'
in der bes. englischen ausprägung des begriffes maszgebend geworden (
vgl. auch tourist).
in dem seit den 80
er jahren des 19.
jh.s einsetzenden kampf gegen tour
und seine gruppe wurde das wort mehr und mehr durch ausflug, wanderung,
in neuerer zeit in der jugendbewegung durch fahrt
ersetzt. nur in zusammensetzungen sportlichen inhalts konnte sich tour, tourist
in gewissen, social höherstehenden schichten länger halten. der fremdwortcharakter verblieb dem wort in der frz. schreibung tour,
neben der nur gelegentlich tur
vorkommt Laukhard
leb. 2, 353; Dusch
verm. w. 140.
der plur. wird durchweg deutsch gebildet: touren,
die fremde form ist selten: tours
chron. d. ges. d. mahler 10; 71
Vetter; Eggers 2, 1135; U. Bräker
lebensgesch. 78
Perthes; Herder 4, 394
S.; toures Trichter
ritterlex. 2222. —
für die maa. des gesamten westens ist tour (tur)
reichlichst verzeichnet, [] vgl. z. b. Doornkaat-K.
ostfr. 3, 448; Jensen
Wiedingh. 647; Müller-Weitz
Aachen 247; Hönig
Köln 181; Leihener
Cronenb. 126; Hofmann
ndhess. 240;
wb. d. lux. ma. 445; Follmann
lothr. 113; Mart.-Lienh.
elsäss. 2, 709; Friedli
Bärndütsch 3, 365; 5, 619; Seiler
Basler ma. 92; Autenrieth
pfälz. 38; Fischer
schwäb. 2, 476 ('
wohl überall nur halbmundartlich').
deminutivbildung im elsäss. tirli, türel; hoordirel Ch. Schmidt
Straszb. 30;
lothr. tirchen;
im Aarg. türli Hunziker 65;
in Basel dürli Seiler 92;
Köln töörche,
pl. töörcher Hönig;
Barmen türken Leithäuser 162;
Elberfeld Buchrucker 166;
Frankfurt tourche Askenasy 105.
nach osten hin wird die bezeugung immer spärlicher Mi
meckl. 95; Danneil
altmärk. 229; H. Meyer
Berliner 9178; Müller-Fraureuth
obers. 1, 234; Blumer
Brüx 33; Schöpf
tir. 777; Hintner
Defregg. 38; Jakob
Wien. 194,
der bedeutungsumfang geringer, der anschlusz an die liter. form enger. AA.
reise, strecke, anstrengung; rundgang, spaziergang, ausflug. A@11)
im sinne von frz. tour '
gröszere oder kleinere reise'.
seit ende des 17.
jh.s: tour '
eine reise'
rec. d. mots (1709) 47; Apinus (1728) 533; Moritz (1800) 4, 148. A@1@aa)
reise allgemein: er hat unlängst eine t. durch die welt gethan Chr. Weise
d. drei kl. leute (1675) 25;
meist zu lande: es wäre wohl eine würdige t. durch die Niederlanden und Braband zu thun Ettner
chymicus 415; den freytag gehe ich nach München ... ich weisz noch nicht, wie ich meine weitere t. einrichte Eva König
an Lessing 19, 374
L.-M.; Göthe IV 19, 354
W.; I 31, 176
u. ö., doch auch zu wasser: mit welchem (
schiff) er eine neue t. auf die barbarischen küsten zu thun gesonnen (
war) Schnabel
Felsenb. 15
lit. denkm.; die t. von Linz nach Wien Hackländer
reise i. d. orient 1, 2.
bildlich: lord B. ist sehr übel und wird wohl, wenn es nicht bald sich giebt, die grosze t. nach dem himmel antreten müssen Lichtenberg
br. 1, 216
L.-Sch.; ders. Hogarth 2, 103.
speciell für die '
kavaliersreise'
im 17./18.
jh. zur vervollkommnung der bildung junger adliger, später auch bürgerlicher in begleitung des hofmeisters insbes. nach Frankreich, Italien, in die Niederlande und nach England, mit den unterscheidenden adj. grosze t.
und kleine t.: in meiner kleinen t., so ich bisher etliche monat im reich herum gethan habe Thomasius
monatsgespr. 1, 8; der churprintz von Saxsen ... soll einen groszen t. thun, gantz Franckreich zu sehen Elis-. Charl. v. O. 2, 546
Holland; vom (
fürsten) J. ... wurde in den jüngeren jahren die grosze t. oder reise um die schöne und grosze welt gemacht Jean Paul 7, 37
H. gesunken in die kreise der handwerksburschen: die sogenannte weite t. zu machen Holtei
schneider (1854) 2, 179; 40
jahre 1, 223; fürst Pückler
br. 3, 6.
in den kreisen der preuszischen werbeoffiziere und ihres anhangs hatte tour
anscheinend den sinn '
unternehmung in fremde hoheitsgebiete zum zwecke der rekrutenwerbung': blieben ... nur kurze zeit zu Rothweil, giengen wieder nach dem lieben Schaffhausen zurück, und machten dann von zeit zu zeit kleine tours auf Diessenhofen Bräker
lebensgesch. 78
Perthes; (
ein preuszischer werber) unternahm manchmal turen, wobei er grosse gefahr lief Laukhard
leben 2, 353.
fachlicher gebrauch liegt in tour
für '
kunst-, vortragsreise': auf ihrer ersten amerikanischen 'tour' begriffen Liliencron 5, 113,
für '
geschäftsreise'
des kaufmanns: er erzählte ..., welche kunstgriffe er auf seinen geschäftsreisen anwende ... so habe er auf einer t. dem jungen mann eines konkurrenten alle aufträge vorweggenommen P. Ernst
weg z. glück (1926) 128.
gern in der festen fügung auf (die) t. gehen (
belege bei Schirmer
wb. d. dtsch. kaufmannsspr. 191). A@1@bb)
im hinblick auf den '
reiseweg': Stieler
ztgs-lust (1695) 669; wir machten die t. über ... Bückeburg S. v. Bandemer
zerstr. bl. 260; ick heff alln god tur mackt
einen beträchtlichen weg zurückgelegt Danneil
altm. 229.
besonders von einer bestimmten, festgelegten oder üblichen '
strecke': sich ... zu binden an einen gewissen weeg oder t. Gruber
kriegsdiszipl. (1697) 2, 127; ... postmeister ...,
[] der ... die t. von Riga nach Mitau ... in 58 minuten machen wollte Holtei
erz. schr. 1, 106; Fontane I 1, 315,
so im wettlauf: eine gewisse t. im schnellsten laufe zurücklegte Neresheimer
kom. 68;
spec. reiseweg eines geschäftsreisenden: der ort liegt nicht auf meiner t. Sanders
wb. 3, 1340; '
der lauf eines schiffes oder der weg, den dasselbe mit seiner aufhabenden ladung an den bestimmten ort zu nehmen hat' Zedler 44, 1688;
für eine fahrt mit der droschke: (
die fahrt quer durch Berlin) sind zwei touren Faucher
culturb. (1877) 9; angesichts der 'tour', die dem armen tier (
droschkenpferd) bevorstand Fontane I 5, 277.
hierher auch, heute veraltet, tour
und retour '
hin- und rückfahrt',
vgl. Seiler
lehnw. 3, 188;
amtsblatt d. reichspostverw. (1875) 271;
vgl. auch gleichbedeutendes rücktour (Holtei
eselsfresser 2, 208); tourbillet '
einfache fahrkarte'
und entsprechend retourbillet
bei Sanders
wb. 3, 1340; Saalfeld
fremdwb. (1911) 959.
die vorstellung der ununterbrochenen reise-, wegstrecke liegt zugrunde in der weit verbreiteten redensart in einer tour '
ohne unterbrechung': (
die handwerksburschen werden) in einer t. mit der eisenbahn z. b. von Hamburg absausen, um in Wien zu arbeiten Holtei
schneider (1854) 3, 5; so rannte sie in einer t. immer westwärts H. Seidel
Leber. Hühnchen (1899) 201.
der umgangssprache sehr geläufig, meist in der übertragung auf eine zeitstrecke, zeitdauer: lauft sie in einer t. mit der Schlager Mizi herum, ist das eine gesellschaft für ein anständiges junges mädel? Schnitzler
liebelei (1896) 81;
ebenso in den mundarten: im lux.; in Handschuhsheim (Lenz 51
b);
nordfries. Wiedingh.; meckl.; Eilsdorf bei Halberstadt (
vgl. nd. jb. 34, 99);
obers.; westböhm. (
Brüx)
; Wien; s. oben a. a. o. ähnlich: ' n düchtige tur slaopen:
eine ziemlich lange zeit schlafen Danneil
altm. 229; H. Meyer
Berliner 9178; Mart.-Lienh.
elsäss. 2, 709; dat is aln hêlen tûr her, dat he bi mi was Doornkaat-K. 3, 448. A@1@cc)
weiter gilt tour
schon im ausgehenden 18.
jh. im sinn einer reise, eines theilstückes einer reise, auch einer bestimmten strecke, die für zugthiere und reisende mit besonderer anstrengung verbunden ist: ein stück geröstet brodt und ein krug bier wären nicht übel nach der t. Fr. H. Bothe
Footes dram. w. (1796) 1, 295;
gern mit verstärkendem adj.: am gesundesten sind die reisen zu fusz ... nur wenn man ... zu starke touren macht, ist das fahren rathsam Hufeland (1797) 578; ihren pferden will ich die starke t. (
von Weimar nach Jena) nicht zumuthen, an einem tage hin und her zu gehen Schiller
br. 6, 200; eine harte t. ... über die höchsten spitzen des gebirgs (
Fichtelgebirge) Immermann 20, 54
Boxb.; v. Gaudy 5, 26;
br. a. u. v. Herwegh 347; heute früh um vier uhr ausgefahren, vor zehn uhr kommen wir nicht nach hause, und zwölf meilen in einem tage will auch etwas sagen für die pferde. es ist, was wir vom sport eine forcierte t. nennen! Holtei
schneider 2, 106;
so auch mundartlich Seiler
Basler ma. 92; B. P. Möller
Sylt 279
a,
was dann weiterhin bes. mundartlich zu '
anstrengung'
an sich, '
schwere mühe'
und dergl. führt: '
etwas groszes, langer weg, schwere arbeit' Hintner
Defregg. 38; Schöpf
tir. 777; dat woar en hatte tuur
ein schweres stück arbeit Leithäuser
Barmen 162; Jensen
Wiedingh. 647; Hofmann
ndhess. 240;
last, qual, plage Blumer
Brüx 33; J. Jacob
Wien 194. A@22)
rundgang, umgang, im sinne des frz. tour '
mouvement en rond'
dict. de l'ac.7 2, 865. A@2@aa)
eigentlich, in präciser verwendung selten und auszer in wbb. fast nur unter unmittelbarem einflusz des frz.: Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1994; Sperander 745
b; Kinderling 150; ich spatzirte und that nur 3 oder 4 t. in dem parterre vor meiner kammer Elis.-Charl. v. O. 2, 570
Holl.; in dem lesesaal der kaiserlichen bibliothek macht ich einigemal einen t. um den tisch herum, um den geschmack der vielen leser kennen zu lernen Riesbeck
br. (1783) 1, 401.
mundartl. wb. d. lux. ma. 445;
nach C 2
hinüberweisend: zweimol in der wuche macht der husarzt si tuur Friedli
Bärndütsch 5, 619;
rundfahrt: e tur uf der trill (
karussell) Follmann
lothr. 113;
im boot eine t. um
[] die gantze insul herum zu thun (
to make a tour round the island)
Robinson Crusoe (1720) 1, 192.
meist nach frz. fügungen wie tour de promenade (
dict. d. l'ac. 72, 865),
tour du propriétaire '
rundgang um den besitz (
am abend)'
in der bedeutung des geruhsam-beschaulichen '
spazierganges',
schon seit dem frühen 18.
jh.: Hübner
naturlex. (1712); t. um die stadt Lünig
theatrum ceremoniale (1720) 2, 1444
a; eine t. um einen groszen theil des walles (
von Hannover) gemacht Lichtenberg
br. 1, 21 (
a. d. j. 1772); zu einer kleinen t. nach den Tuillerien Fr. H. Bothe
Footes dram. w. 1, 75; die grosze t. um die promenaden (
von Karlsbad) Göthe IV 20, 130
W.; wir wollen ihretwegen nicht um unsern spaziergang kommen. wir wollen eine kleine t. vor dem frühstücke machen, eine etwas gröszere vor tische, und auf den abend die grand tour, wie ich es nenne Fr. L. Schröder
dram. w. 1, 17;
auch mundartl. elsäss., Basel, lux., lothr., Aachen; ausgiehtourn Müller-Fraureuth 1, 235; op tur joe
bummeln Rovenhagen
Aachen 149.
erweitert einmal in bezug auf die wegstrecke, zu '
ausflug', '
wanderung' (
meist zu fusz),
neben partie,
anscheinend erst am ende des 18.
jh.s: ihre (
der studenten von Halle) ewigen touren auf Leipzig Laukhard
leben 1, 115;
ebda 2, 114; in ... gesellschaft stellte ich (
von Frankfurt aus) manche wanderungen nach dem gebirge (
Taunus) an, ... so besuchten .. wir .. Homburg ... Wiesbaden ... Biberich ... diese ganze tour ... Göthe 27, 19
W. (
vgl. von einer weiten berg- und waldtour 32, 129); W. Heine
reise um die erde (1856) 2, 215; P. Keller
waldwinter 246,
ebenso mundartl. schwäb., Barmen, nordfries. (Jensen
Wiedingh. 647),
bes. in der deminutivform, s. o., sodann in hinsicht auf die leistung '
gröszere wanderung, marsch': (
er hatte) am nachmittag seine wanderschaft anzutreten und noch drei meilen bis zur nächsten stadt auf seiner t. zurückzulegen Moritz
Anton Reiser 334
lit.-denkm.; auf meinen touren durch Frankreich (
märsche während der gefangenschaft) Laukhard
leben 3, 513; legte alle diese fatiguanten touren ... zu fusz zurück Pückler
Semilasso 1, 86; he hed'n dugtigen tur makt Doornkaat-K. 3, 448; Martin-Lienh. 2, 709,
schlieszlich gesteigert zu der spec. verwendung für '
alpine bergbesteigung', hochgebirgstour,
in der 2.
hälfte des 19.
jh.s seit der erschlieszung der Alpen um 1870
für früheres reise, 'bergreise' (Chr. A. Fischer 1804. 1805)
oder 'berg- und gletscherfahrten' (G. L. Studer 1859)
durchgedrungen, neuerdings daneben wieder bergfahrt: die merkwürdige t. durch die bernischen glätscher ist geendigt Göthe IV 4, 78
W.; I 19, 266; J. Meurer
bergsteiger (1892) 36
u. ö.; pläne für touren, die er (
von Lausanne) machen wollte Neresheimer
kom. (1899) 66; H. Hök
berge u. bergsteigen (1920) 39; auf einer gröszeren t. unterwegs Federer
Regina Lob (1925) 301. A@2@bb)
übertragen auf die '
umsetzung oder einfassung eines weiberrocks mit seidenen, gold- oder silbernen spitzen',
die rund herum gehen Schmotther
schreiber (1755) 633: tour '
ein umhang von spitzen'
ztgs-lex. (1703) 867; Sperander (1727) 745;
verz. d. gebr. w. (1748) 178,
vereinzelt fast im sinne einer maszbezeichnung: lassen vor die frau gemahlin aus Braband eine t. spitzen kommen Podagra
apothekertod (1721) 93,
sowie auf die spitze selbst angewandt: melline ist eine breite von gold oder silber gewebte spitze, die das frauenzimmer um den unterrock zusetzen pflegt und sonst auch eine t. genennet wird Zedler 20, 535. BB.
in der engeren bedeutung des frz. tour im sinne der '
drehung, wendung',
in reicher anwendung vornehmlich im 18.
jh. B@11)
in eigentlicher verwendung. B@1@aa)
fachsprachlich: milit. '
wendung, schwenkung' Fäsch
kriegslex. (1735) 914; 998.
ebenso in der reitkunst: toures werden die figuren, runden volten, durchschnitte, wendungen und alle schulen genennet, so auf der reitschule vorkommen Trichter
ritterlex. (1742) 2222,
und so noch heute. auch mehr passivisch, bei dingen, die gedreht werden [] bezw. sich drehen. medicin.: t. heiszt bei den bandagen die umwendung der binde Zedler 44, 1689;
und so noch heute Guttmann
med. term. (1930) 1147;
technisch: für die umdrehung einer maschine, spec. einer welle u. s. w.: der motor macht so u. soviel touren,
vgl. tourenzahl. B@1@bb)
im allgemeinen gebrauch beim tanz: zunächst für die eigentliche '
kehr, wendung',
die zusammengefaszt heute mit '
figur'
bezeichnet wird: tour
die figur im tantzen Wächtler
manual (1709) 312;
meist im plur. täntze (
sind) in vielerley schritte oder pas und allerhand touren abgetheilt Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 1960; Göthe 19, 33
W.; einen gut getanzten und aus vielen verwickelten touren componierten englischen tanz Schiller
br. 3, 285; G. Stephanie
s. singsp. (1792) 50; Jean Paul 16, 233
Hempel; hübsche touren (
im cotillon) J. G. Kohl
Petersburg 2, 98; in graziöser gelassenheit die touren des alten tanzes aufführte Storm 1, 65;
vgl.tanztour
z. b. Bürger 95
a Bohtz. daneben für den einzelnen, in sich abgeschlossenen tanz selbst: die touren bei den bällen Hauff 2, 116; forderte ... Bodmer ... sie auf, eine t. mit ihm zu probieren G. Keller 6, 187; 1 (
131894) 235; Storm 1, 63;
auch mundartl. z. b. Friedli
Bärndütsch 5, 376. '
tanzsprung': ... erzählte italienische comödien und machte die touren des harlekins, pantalons und scaramuz Brentano
ges. schr. 5, 297. B@22)
übertragen. B@2@aa)
abstrahiert und specialisiert auf die geschickte wendung, bedeutet, im sinne des frz. tour '
action qui exige de l'adresse, de la finesse' (
vgl. fins tours) La Curne 10, 65, einer sache ihre (eine) tour geben '
eine geschickte manier haben, dieselbe zu verrichten' Sperander (1727) 745,
zunächst neutral, ja in lobender anerkennung Hübner
ztgslex. (1703) 867;
rem adposite exsequi et agere, ordinem decusque rei observare Apinus (1728) 534; bedienten sich die päpste eines sehr politischen tours, um alles, was ihrem interesse hätte abbruch thun können, zu hintertreiben Wieland
gesch. d. gel. 48
Hirzel (
a. d. j. 1757).
in noch weiter geführter abstrahierung, wie frz. tour (
dict. de l'ac. 72, 866
b),
im literarisch-ästhetischen bereich: abbé Hortance hat mir alle seine vers geschickt, die lateinische hat man hir vor gut, aber die frantzoschen haben den rechten t. nicht Elis.-Charl. v. O. 2, 622
Holl. (
a. d. j. 1715); dieses thema (
heirat) einen artigen t. bekäme, wenn es in einer conversation mit einem frauenzimmer tractirt wurde (1721/22)
chr. d. ges. d. mahler 74
Vetter; die begebenheit, welche mich veranlassete, meiner satyre die t. zu geben, die ich ihr gegeben habe Liscow
s. sat. u. ernsth. schr. (1739) 31,
hier auch in der bes. ausprägung der gewandten redewendung: in ansehung der verschiedenheit und specialität der materien, der tours, der authorum ...
chr. d. ges. d. mahler 71
Vetter; dasz man die folge seiner gedanken, die richtigkeit seiner schlüsse, die abänderungen seiner tours genau bemerke
ebda 10; dasz ... würde ein andrer so schlechtweg erzählt haben. man bewundere aber die t. (
geschraubte, überladene redeweise) des hrn. prof. Gottsched Mendelssohn
ges. schr. 4, 1, 265; spricht und lieset mit geschmack für die schönheiten und tours der sprache Herder 4, 394
S.; tur, neue tur der worte
nova facies, quam verba aliter instructa conciliant Serz
idiot. (1797) 159.
ähnlich in der musik = '
figur': keinen tact in ihren musicalischen compositionen ohne erkünstelte touren ... zu lassen Riedel
theorie (1767) 81. —
ferner seit der ersten hälfte des 18.
jh.s nach frz. jouer un (
mauvais)
tour à quelqu'un dict. d. l'ac. 72, 866
auch in pejorativer bedeutung bezeugt als '
schabernack, listiger streich, schelmenstück': einem eine t. spielen
in fraudem allicere Apinus 534; Schmotther
schreiber (1755) 633; Kinderling 150; soll jemandem eine t. gespielt werden? Iffland
theatr. w. (1859) 5, 187.
mundartlich ebenso für das lux. bezeugt, wb. d. lux. ma. 445. B@2@bb)
objectiviert, auf das gedrehte ding selbst nach frz. tour de cheveux, eine reihe falscher gekräuselter haarlocken, die um die stirn gebunden wurden, haaraufsatz, perücke: tour ...
ein umhang der haare Stieler
ztgs-lust (1695) 669;
[] ztgslex. (1703) 867;
u. s. w., im 18.
und in der ersten hälfte des 19.
jh.s häufig, vgl. Krünitz 186, 486
ff: nein, der verstellte staat der touren und perücken Zachariä
poet. schr. 1, 200; kein mensch ist auf der welt, dem locke, tour, toppé so an die stirne fällt Hagedorn
versuch 57
lit. dkm.; falsche touren Jean Paul 8, 250
Hempel; die locken und die touren Immermann 5, 21
Boxb.; wenn ich diese t. aufsetz Nestroy 2, 78.
auch mundartlich bezeugt, z. b. im elsäss., lux., Aachen, vgl. haartour. CC.
reihe im anschlusz an frz. tour '
rang successif, alternatif'
dict. de l'ac. 2, 866
b. C@11)
im sinne einer bestimmten reihenfolge: dasz er ... mit dem fAehndrich alternirte, denn auf diesen fall käme die visitirung der paraden ... demjenigen zu, an dem die t. ist H. v. Fleming
soldat (1726) 152; die t. ist nun an euch, auch wieder uns zu besuchen Schiller
br. 7, 137,
so und in ähnlichen fügungen auch mundartlich im lux., lothr., elsäss., Aachen, westböhm. (
Brüx)
s. o.: ward ich dem regiment als obristwachtmeister vorgestellt ...
auszer der tour, wie sie es nennen ... sonst avanzirten wir alle nach der anciennetät Fr. H. Bothe
Footes dram. w. (1796) 1, 200; Sturz
schr. 2, 377.
die hervorkehrung des in dieser anwendung meist eingeschlossenen begriffs des wechsels ergibt die bed. '
anfall, laune': die gnädige hat wieder ihre t. Viebig
in d. Berl. ill. ztg. (1930) 2, 47,
mundartlich in Barmen Leithäuser 162;
Cronenberg Leihener 126
und bei Reuter (C. Fr. Müller
z. spr. u. poet. Fr. R. 1, 10),
vgl. di tüür
wechselfieber B. P. Möller
Sylt. 280; tur um tur Doornkaat-K. 3, 448; '
wechselweis, eins um das andere, einer nach dem andern' Campe
wb. z. erkl. (1801) 645.
mit hinwendung auf den zeitbegriff: 't regend bi tûren Doornkaat-K. 3, 448,
vgl. turenwies
zeitweise Buchrucker
Elberf. 166
und sonst, auch in der bedeutung '
mal': alle tur
jedesmal, distur, dastur
u. s. w. Martin-Lienhart
elsäss. 2, 709; Autenrieth
pfälz. 38. —
vereinzelt: was (
dem kriegssecretario) von dem zahlmeister ... an geld zugestellt wird, müssen sie ... verwahren, darüber t. und richtige rechnung führen (
etwa in richtiger reihenfolge aufschreiben) H. v. Fleming
soldat (1726) 172. C@22)
der ursprünglichen bedeutung entsprechend mit dem begriff der runde: jeder nahm ein groszes glas und nippte auf die gesundheit eines jeden in der gesellschaft, so lange bis die t. rund war, und denn wurden keine gesundheiten weiter getrunken
Nugent reisen 1, 174; madame Stael habe ich noch nicht zu ende lesen können ... um aber die andern freunde nicht warten zu lassen, sende ichs ihnen ... sie theilen mir die schrift dann wohl wieder mit, wenn sie die t. gemacht hat Schiller
br. 5, 134.
spec. im kartenspiel: eine t. spielen S. v. Laroche
frl. v. Sternh. (1771) 1, 154; noch e dur mache Follmann
lothr. 113,
vgl. runde
th. 8, 1509.
das jedesmalige herumstricken mit den 4
stricknadeln Gangler
lux. 451; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 709. DD.
zusammensetzungen mit tour D@11)
als erstem glied: aus älterer zeit nicht nachgewiesen, tauchen sie vereinzelt am anfang des 19.
jh.s auf: touren-macher, -verfertiger,-fabrikant Krünitz 186, 498;