knarren ,
stridere, strepere, crepare, von mancherlei scharfen zitternden tönen, die oft so mit -rr
bezeichnet werden, s. klirren 1. II.
form und verwandtschaft. I@aa)
das rr
ist gewöhnlich nicht das ursprüngliche, sondern einfaches r (
s.kerren 1,
c)
; so bei karren, kirren, schnarren,
und auch hier wol in holst. knâren
knarren, knarig
knarrend Schütze 2, 293. 296,
brem. gnären (
s.knärren a. e., auch unter d).
sonst heiszt es auch nd. knarren Dähnert
u. a., schon im 16.
jahrh. Chytraeus
c. 52,
wie nl. knarren (
nicht mehr jetzt)
; auch dän. knarre,
schwed. knarra. I@bb)
daneben im anlaut weicher gnarren,
md. im 14.
jh., mnd. (
s. II, 3),
wie noch nd.; auch schwed. in gnarka
gleich knarka (
s. d.), gnarras
u. a., s. Rietz 204
b,
nordengl. gnar (II, 3. 5).
ebenso bei knirren, knurren,
s. dort. auch die dritte häufige form dieses anlauts, mit bloszem n,
findet sich hier in narren
unter II, 3
a. e. I@cc)
aber der anlaut gibt noch mehr fragen auf. schnarren,
mhd. snarren
liegt in sinn und form so nahe, dasz man nach einer entstehung dieses sn-
aus skn-
fragen darf, wie bei dem kl-,
das mit sl-
übereinkommt (
sp. 1018).
der anlaut skn-
fehlt ebenso im goth., ahd., ags., altn., wie skl-;
doch ahd. findet sich für sn-
wirklich einzeln scn- (Graff 6, 851. 565).
dasz letzteres der verwandtschaft nicht fremd war, zeigt z. b. griech. σκνίπτω gleich kneipen (
s. d.),
altsl. sknipa
culex, gr. σκνίψ und κνίψ ein nagender wurm. und dasz man der unbequemen lauthäufung auch durch ausstoszung des k
abhalf, zeigt die slav. wurzel sklŭz
labi, die böhm. noch zugleich mit skl-
und sl-
und kl-
auftritt, s. Miklosich 846
a,
der ahd. slîhhan,
nhd. schleichen
dazustellt. s. auch u. knappen II, 2,
d, bes. knarpeln a. e. danach müszten die nebenformen mit gn-
und n-
erst aus kn-
geworden sein. I@dd)
der auslaut dagegen wurde auch verstärkt, in knarpen, knirfen, knirbeln
u. a. (
s.knarpeln 4,
a),
die noch auf das einfache knar, knir
zurückgehn, und in bair. knarchezen
knarren Schm. 2, 375 (
wie schnarchen, schnarpen
zu schnarren).
in letzterer form besonders auszer dem hd.: nd. knarken
knarren, von thüren Schambach 105
b,
nordfries. knârk
von wagen Haupt 8, 362
nr. 185,
dän. knarke,
norw. knarka, knerka (
vgl. knärren),
schwed. dial. knarrka,
und diesz auch knirschend kauen Rietz 334
b,
wie knarren II, 1,
b zuletzt. s. auch knarzen,
knarschen,
knarspeln,
und unter knirren
die gleiche gestaltung des auslauts. I@ee)
auch auswärtige verwandtschaft fehlt wol nicht, nach lettisch knerkt
knarren (
nach Bielenstein
nicht entlehnt). IIII.
gebrauch und bedeutung. II@11, II@1@aa) die tür knarret,
fores strepunt. Stieler 993; knarren
wie ein ungeschmiert rad. Rädlein 549
b; der wagen hat ein krummes rad, er kan so vil des knarren.
bergreien, h. v. Schade,
nr. 43, 5; das rad, das am wagen kirrt und knarrt, ist das schlimst oder musz geschmiert sein. Lehman
floril. 1, 141; 'so knarret dann das türlein dein (
beim nachtbesuch), seuberliches mägdlein!' nim den haspen in die hand ... Uhlands
volksl. 678; aber aus dem gleise gedrängt nach dem rande des hochwegs irrte das knarrende rad (
das in schiefe lage gerät). Göthe 40, 240; und das stadtthor schlieszt sich knarrend. Schiller
glocke. auch schuhe knarren (
vgl.knarpeln 1) Stieler, die tenne
vom tanzen Hagedorn 3, 75, körbe
bei der weinlese Göthe 41, 249, die kelter S. Geszner (1770) 3, 159, die treppenstufen, der drücker
an der thür u. a.: gieng sie hinaus, vorsichtig, damit nicht knarrte der drücker. Voss
siebzigst. geburtst. 102; folgte sie, leis auftretend, und schalt die knarrenden stufen.
Luise 3, 1, 120 (
ausg. l. h.); da knarrte Nantchens treppe von ihrem fusz. Gökingk 2, 201; des bratenwenders knarren. 3, 160; das knarren der feile. J. Paul 6, 10 (
grönl. proc. 2); ich sprang in mein groszes bett unter die damastene decke, sie knarrte mir so vor den ohren. Bettine
br. 1, 261,
der schwere stoff von der reibung; man hörte keinen schusz, keinen lärm und kein geschrei, nur das knarren der kolbenschläge (
bei Hagelberg 1813). Häusser
deutsche geschichte 4, 263. II@1@bb)
mit gekürztem ausdruck knarren,
knarrend kommen u. a.: zu seim glück kam ein weib her knarren, ihr mehl zuholn auf ein schaubkarren.
froschm. K 8
b (1, 2, 10); wer kommt die treppe herauf geknarrt? (
von den knarrenden stufen, oder den neuen schuhen o. ä.); und wenn der sturm im walde braust und knarrt. Göthe 12, 170,
den wald schüttelt, dasz die bäume knarren; das schwere thor knarrte auf. Scheffel
Ekkehard 19. der nachtwächter knarrt ( Adelung), der obsthüter,
nämlich mit der knarre. II@1@cc)
selbst trans.: die dame führte .. den zwieback in den mund und kaute und knarrte ihn mit behagen. Auerbach
neues leben 1852 1, 71,
asz knarrend, knirschend; in der ausg. von 1862 1, 37
ist es freilich in knarfte
geändert (
s. knarfeln),
doch vgl. Klinger unter d und das schwed. knarrka
unter I,
d, auch knarpeln 2
und knarschen 2,
knuspern. II@1@dd)
auch wie krachen, knacken
von dingen die brechen oder zu brechen drohen: das zin knarret und springt. Thurneisser
von wassern (1572) 55; fieng das schiff an zu knarren und dieser knarrende laut setzte uns in schrecken.
Pierot 2, 226; er streifte von sich ab (
Jupiter vor Semele) die götterhülle, die den Olymp mit einem wink erschüttert und unsre erdax knarren macht. Schubart (1825) 3, 109.
ähnlich von dem was zerbissen wird, knirschen: die seelen knarrten unter ihren (
der teufel) zähnen. Klinger 3, 27. II@22)
vom knirschen mit den zähnen: stridere, zendeknarren
vel biszen
vel zusamen slahen. Dief. 556
a (
md.),
ebenso bei Kil.
nl. knarren,
krijsseltanden (
jetzt knarsen). II@33)
von thierstimmen: ein grünspecht ... ist ein gewisse botschaft vor dem regen ('
vorbote'), ob er knarret und schreiet mehr und stärker als sein gewohnheit erfordert. Colerus
oec. (1640),
cal. 133; hier murret einer sanft, wenn dorten tausend knarren. Brockes 2, 61 (1739),
von fröschen; der frösche heis'rer chor mit knarrendem geschwätz'. 1, 52 (1728).
besonders auch vom hunde früher, knurren
wie es jetzt heiszt mit anderm ablaute: der hund knarrt,
ringit. Stieler 993; knarren oder knorren wie ein beisziger hund,
to gnarr or snarl. Ludwig
teutsch-engl. wb., das engl. wort stimmt zu mnd. gnarren in gleicher bed. Freidank (2.
ausg.) 138, 14
in Q, auch md. bei Jeroschin 18472,
im 15.
jh. gnarn als ein hunt,
ringere Dief. 498
c,
ebenda auch gnerren
und narren, nerren. II@44)
von der menschlichen stimme (
wie ähnlich schnarren): das summende geflister artete in ein unangenehmes knarren aus. Klinger 10, 65; so knarrte mistönend die prosa des hausherrn. Freytag
verl. handschr. 2, 143,
zugleich vom rauhen inhalt. daher vom stil (
vgl. sp. 1191 klingen): wie man solche bücher hat, da die teutsche sprache so hartknarrend, schwer, blökkig ... ist. Schottel 67; eine einleitung voll unverstand, knarrender mühsamer Schweizerprose, sticheleien auf mich. Lichtenberg 4, 78; in der kälte hustet der stil sehr und knarrt. J. Paul
ästh. (1813) 716. § 86.
schon im 16.
jh., hübsch im bilde von der feder: er hat seine scherpfe und knarrende feder .. also gefüret. Mathesius
Luther 70
a (74
a),
von Luthers schreibart. II@55)
von menschen, wie knurren,
brummen, nergeln, zanken, bei Stieler
carpere, reprehendere, more senum murmure odioso omnia taxantium (
vgl.knarre 3, knarrer): ein junger pfarrer, welcher allererst aus der esse oder backofen daher gehet, der knarret wie ein neuer wagen. Mathes.
Syrach 2, 77
a,
er hat offenbar zugleich neubackenes brot im sinne gehabt, s. unter knarpeln 3; besser ungelegenheiten auszer hause vertragen, als inwendig des hauses stets knarren und keifen hören müssen. Olearius
pers. baumg. 7, 22; solches knarren währete so lange, bisz Florindo sich erbarmete und mit fünf fingern auf seinen backen spielete. Chr. Weise
erzn. c. 13,
sticheln, mit spitzigen reden necken; knarren, knorren, knastern oder knottern wie alte wunderliche leute. Ludwig.
auch nd. gnarren
murren, verdrieszlich sein, kreischen wie kinder. Schottel 1328,
brem. wb. 2, 522. Schamb. 65
b. Stür. 72
a, gnarren un quarren Fromm. 2, 227,
dän. gnarre, knarre,
nordengl. gnar
to growl, snarl, quarrel Halliwell 405
b,
gewöhnlich gnarl,
murren, knurren. s. auch knärren,
knirren,
und knergeln.