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knarren

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DWB
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22 in 17 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

knarren

Bd. 11, Sp. 1353
knarren , stridere, strepere, crepare, von mancherlei scharfen zitternden tönen, die oft so mit -rr bezeichnet werden, s. klirren 1. II. form und verwandtschaft. I@aa) das rr ist gewöhnlich nicht das ursprüngliche, sondern einfaches r (s.kerren 1, c); so bei karren, kirren, schnarren, und auch hier wol in holst. knâren knarren, knarig knarrend Schütze 2, 293. 296, brem. gnären (s.knärren a. e., auch unter d). sonst heiszt es auch nd. knarren Dähnert u. a., schon im 16. jahrh. Chytraeus c. 52, wie nl. knarren (nicht mehr jetzt); auchn. knarre, schwed. knarra. I@bb) daneben im anlaut weicher gnarren, md. im 14. jh., mnd. (s. II, 3), wie noch nd.; auch schwed. in gnarka gleich knarka (s. d.), gnarras u. a., s. Rietz 204b, nordengl. gnar (II, 3. 5). ebenso bei knirren, knurren, s. dort. auch die dritte häufige form dieses anlauts, mit bloszem n, findet sich hier in narren unter II, 3 a. e. I@cc) aber der anlaut gibt noch mehr fragen auf. schnarren, mhd. snarren liegt in sinn und form so nahe, dasz man nach einer entstehung dieses sn- aus skn- fragen darf, wie bei dem kl-, das mit sl- übereinkommt (sp. 1018). der anlaut skn- fehlt ebenso im goth., ahd., ags., altn., wie skl-; doch ahd. findet sich für sn- wirklich einzeln scn- (Graff 6, 851. 565). dasz letzteres der verwandtschaft nicht fremd war, zeigt z. b. griech. σκνίπτω gleich kneipen (s. d.), altsl. sknipa culex, gr. σκνίψ und κνίψ ein nagender wurm. und dasz man der unbequemen lauthäufung auch durch ausstoszung des k abhalf, zeigt die slav. wurzel sklŭz labi, die böhm. noch zugleich mit skl- und sl- und kl- auftritt, s. Miklosich 846a, der ahd. slîhhan, nhd. schleichen dazustellt. s. auch u. knappen II, 2, d, bes. knarpeln a. e. danach müszten die nebenformen mit gn- und n- erst aus kn- geworden sein. I@dd) der auslaut dagegen wurde auch verstärkt, in knarpen, knirfen, knirbeln u. a. (s.knarpeln 4, a), die noch auf das einfache knar, knir zurückgehn, und in bair. knarchezen knarren Schm. 2, 375 (wie schnarchen, schnarpen zu schnarren). in letzterer form besonders auszer dem hd.: nd. knarken knarren, von thüren Schambach 105b, nordfries. knârk von wagen Haupt 8, 362 nr. 185, n. knarke, norw. knarka, knerka (vgl. knärren), schwed. dial. knarrka, und diesz auch knirschend kauen Rietz 334b, wie knarren II, 1, b zuletzt. s. auch knarzen, knarschen, knarspeln, und unter knirren die gleiche gestaltung des auslauts. I@ee) auch auswärtige verwandtschaft fehlt wol nicht, nach lettisch knerkt knarren (nach Bielenstein nicht entlehnt). IIII. gebrauch und bedeutung. II@11, II@1@aa) die tür knarret, fores strepunt. Stieler 993; knarren wie ein ungeschmiert rad. Rädlein 549b; der wagen hat ein krummes rad, er kan so vil des knarren. bergreien, h. v. Schade, nr. 43, 5; das rad, das am wagen kirrt und knarrt, ist das schlimst oder musz geschmiert sein. Lehman floril. 1, 141; 'so knarret dann das türlein dein (beim nachtbesuch), seuberliches mägdlein!' nim den haspen in die hand ... Uhlands volksl. 678; aber aus dem gleise gedrängt nach dem rande des hochwegs irrte das knarrende rad (das in schiefe lage gerät). Göthe 40, 240; und das stadtthor schlieszt sich knarrend. Schiller glocke. auch schuhe knarren (vgl.knarpeln 1) Stieler, die tenne vom tanzen Hagedorn 3, 75, körbe bei der weinlese Göthe 41, 249, die kelter S. Geszner (1770) 3, 159, die treppenstufen, der drücker an der thür u. a.: gieng sie hinaus, vorsichtig, damit nicht knarrte der drücker. Voss siebzigst. geburtst. 102; folgte sie, leis auftretend, und schalt die knarrenden stufen. Luise 3, 1, 120 (ausg. l. h.); da knarrte Nantchens treppe von ihrem fusz. Gökingk 2, 201; des bratenwenders knarren. 3, 160; das knarren der feile. J. Paul 6, 10 (grönl. proc. 2); ich sprang in mein groszes bett unter die damastene decke, sie knarrte mir so vor den ohren. Bettine br. 1, 261, der schwere stoff von der reibung; man hörte keinen schusz, keinen lärm und kein geschrei, nur das knarren der kolbenschläge (bei Hagelberg 1813). Häusser deutsche geschichte 4, 263. II@1@bb) mit gekürztem ausdruck knarren, knarrend kommen u. a.: zu seim glück kam ein weib her knarren, ihr mehl zuholn auf ein schaubkarren. froschm. K 8b (1, 2, 10); wer kommt die treppe herauf geknarrt? (von den knarrenden stufen, oder den neuen schuhen o. ä.); und wenn der sturm im walde braust und knarrt. Göthe 12, 170, den wald schüttelt, dasz die bäume knarren; das schwere thor knarrte auf. Scheffel Ekkehard 19. der nachtwächter knarrt ( Adelung), der obsthüter, nämlich mit der knarre. II@1@cc) selbst trans.: die dame führte .. den zwieback in den mund und kaute und knarrte ihn mit behagen. Auerbach neues leben 1852 1, 71, asz knarrend, knirschend; in der ausg. von 1862 1, 37 ist es freilich in knarfte geändert (s. knarfeln), doch vgl. Klinger unter d und das schwed. knarrka unter I, d, auch knarpeln 2 und knarschen 2, knuspern. II@1@dd) auch wie krachen, knacken von dingen die brechen oder zu brechen drohen: das zin knarret und springt. Thurneisser von wassern (1572) 55; fieng das schiff an zu knarren und dieser knarrende laut setzte uns in schrecken. Pierot 2, 226; er streifte von sich ab (Jupiter vor Semele) die götterhülle, die den Olymp mit einem wink erschüttert und unsre erdax knarren macht. Schubart (1825) 3, 109. ähnlich von dem was zerbissen wird, knirschen: die seelen knarrten unter ihren (der teufel) zähnen. Klinger 3, 27. II@22) vom knirschen mit den zähnen: stridere, zendeknarren vel biszen vel zusamen slahen. Dief. 556a (md.), ebenso bei Kil. nl. knarren, krijsseltanden (jetzt knarsen). II@33) von thierstimmen: ein grünspecht ... ist ein gewisse botschaft vor dem regen ('vorbote'), ob er knarret und schreiet mehr und stärker als sein gewohnheit erfordert. Colerus oec. (1640), cal. 133; hier murret einer sanft, wenn dorten tausend knarren. Brockes 2, 61 (1739), von fröschen; der frösche heis'rer chor mit knarrendem geschwätz'. 1, 52 (1728). besonders auch vom hunde früher, knurren wie es jetzt heiszt mit anderm ablaute: der hund knarrt, ringit. Stieler 993; knarren oder knorren wie ein beisziger hund, to gnarr or snarl. Ludwig teutsch-engl. wb., das engl. wort stimmt zu mnd. gnarren in gleicher bed. Freidank (2. ausg.) 138, 14 in Q, auch md. bei Jeroschin 18472, im 15. jh. gnarn als ein hunt, ringere Dief. 498c, ebenda auch gnerren und narren, nerren. II@44) von der menschlichen stimme (wie ähnlich schnarren): das summende geflister artete in ein unangenehmes knarren aus. Klinger 10, 65; so knarrte mistönend die prosa des hausherrn. Freytag verl. handschr. 2, 143, zugleich vom rauhen inhalt. daher vom stil (vgl. sp. 1191 klingen): wie man solche bücher hat, da die teutsche sprache so hartknarrend, schwer, blökkig ... ist. Schottel 67; eine einleitung voll unverstand, knarrender mühsamer Schweizerprose, sticheleien auf mich. Lichtenberg 4, 78; in der kälte hustet der stil sehr und knarrt. J. Paul ästh. (1813) 716. § 86. schon im 16. jh., hübsch im bilde von der feder: er hat seine scherpfe und knarrende feder .. also gefüret. Mathesius Luther 70a (74a), von Luthers schreibart. II@55) von menschen, wie knurren, brummen, nergeln, zanken, bei Stieler carpere, reprehendere, more senum murmure odioso omnia taxantium (vgl.knarre 3, knarrer): ein junger pfarrer, welcher allererst aus der esse oder backofen daher gehet, der knarret wie ein neuer wagen. Mathes. Syrach 2, 77a, er hat offenbar zugleich neubackenes brot im sinne gehabt, s. unter knarpeln 3; besser ungelegenheiten auszer hause vertragen, als inwendig des hauses stets knarren und keifen hören müssen. Olearius pers. baumg. 7, 22; solches knarren währete so lange, bisz Florindo sich erbarmete und mit fünf fingern auf seinen backen spielete. Chr. Weise erzn. c. 13, sticheln, mit spitzigen reden necken; knarren, knorren, knastern oder knottern wie alte wunderliche leute. Ludwig. auch nd. gnarren murren, verdrieszlich sein, kreischen wie kinder. Schottel 1328, brem. wb. 2, 522. Schamb. 65b. Stür. 72a, gnarren un quarren Fromm. 2, 227, n. gnarre, knarre, nordengl. gnar to growl, snarl, quarrel Halliwell 405b, gewöhnlich gnarl, murren, knurren. s. auch knärren, knirren, und knergeln.
8285 Zeichen · 233 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    knarrenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    knarren swv. knarren. under des knarrete ein bret Ga. 3. 85,466. vgl. gnarren.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    knarrenN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    knarren , N. nhd. Knarren, knarrendes Geräusch, knackendes Geräusch, Murren (Bedeutung örtlich beschränkt), inneres Grol…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Knarren

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Knarren , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eine Art eines zitternden und rauschenden Schalle…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    knarren

    Goethe-Wörterbuch

    knarren vereinzelt subst ‘das K.’ ein durchdringend hartes u schwingendes Geräusch von sich geben; meist von beweglichen…

  5. modern
    Dialekt
    Knarren

    Mecklenburgisches Wb. · +7 Parallelbelege

    Knarren (lautl. knā r dn ) m. Knorren, Ast im Holz Lu Polz ; meist Knurren ( s. d. ).

  6. Sprichwörter
    Knarren

    Wander (Sprichwörter)

    Knarren 1. Es knarrt so lange, bis es bricht. Böhm. : Dotud nĕco praśtí, až se přelomí. ( Čelakovsky, 263. ) 2. Es knarr…

  7. Spezial
    Knarren

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Knar|ren n. (-s) 1 cigognamënt (-nc) m. 2 graciamënt (-nc) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knarren

4 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

knarren‑ als Erstglied (2 von 2)

knarrente

DWB

knarr·ente

knarrente , f. gleich schnarrente, schnatterente, anas strepera, dän. knarrand. Nemnich wb. 283 . polygl. 1, 283.

knarrenvull

MeckWB

knarrenvull gedrängt voll: dei Keller is knarrenvull von Kartoffeln Ro Ribn ; Syn. knackenvull.

Ableitungen von knarren (2 von 2)

erknarren

DWB

erknarren , crepare, stridere: die thür erknarrt, fores crepant; die räder erknarren; die wagen erknarren ins ächzende thal. Schiller ...

Verknarren

Campe

Verknarren , v. ntr . mit sein , nach und nach aufhören zu knarren. D. Verknarren .

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APA
Cotta, M. (2026). „knarren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/knarren/dwb
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Cotta, Marcel. „knarren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/knarren/dwb. Abgerufen 17. May 2026.
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Cotta, Marcel. „knarren". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/knarren/dwb.
BibTeX
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