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kerren

ahd. bis Dial. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
21 in 12 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kerren

Bd. 11, Sp. 613
kerren , stridere, strepere, fremere, grell schreien, klingen u. ä. 11) Geschichte und verwandtschaft. 1@aa) es ist urspr. stark, ahd. chërran, mhd. kërren: ich kirre, ich kar, wir kurren, gekorren, und so noch im 16. jh. (s. 2). nl. kerren stridere bei Kil., ob stark? 1@bb) daneben bestehn schwachformig, mit allen drei vocalen des ablauts, karren, kirren und kurren, als ableitungen von dem starken worte, das aber vor diesen, wie ähnlich oft, seit dem 15. 16. jh. zurück trat; die erste der schwachen formen ist übrigens (nachtr. zu sp. 227) schon ahd., charrên, nach 'charrenta stridentes (portae)' Graff 4, 462. auch isl. karra. 1@cc) nach verwandt ist, mit qu für k wie oft, ahd. quëran gemere: quiru quar quârumês (vgl. nhd. quarren, quirren), und das einfache r darin hat anspruch noch höheren alters (s. 2, 324), vgl. auch cherentes, cherun Graff 4, 462. 463. die einfache liquida auch noch nhd. in karen, kären, karezen (s. besonders auch karjammer), alle mit dem grundbegriff des scharfen klingens, schreiens. ebenso in ags. ceorjan, cerjan murmurare, complorare Ettm. 381, altn. kæra klagen, zanken (s. Rietz 383b), isl. kaura knarren, brummen. 1@dd) der auslaut wird auch verstärkt (vgl. sp. 6), wozu liquidae immer reizten, s. kirschen, karsen, karzen, karmen, kirmeln, kürmeln, karben; sie sind wol meist schon von der wurzelform mit einfachem r abgezweigt. besonders merkwürdig in schweiz. kerggen knurren, schmollen Stalder 2, 95, das sich schwedisch wiederholt in kerga (s. u.kärgeln, auch erkergeln 3, 871 gehört vielmehr hierher); vgl. kerksen unter 4, und karcheln. 1@ee) urverwandt zeigt sich die wurzel, doch oft mit zurücktreten des unangenehmen im begriffe, in lat. garrire schwatzen, gr. γῆρυς stimme, schall, γηρύω tönen, reden, singen u. a., litt. garsas ton, schall, stimme, garsus schallend, und in Asien skr. gar rufen, preisen, gir stimme, zend. gar singen, lobpreisen, aber auch garez, ǵarez klagen, heulen (skr. garǵ), ǵar knistern u. ä., s. Justi 101b. 115a. vgl. auch girren und kallen. 22) Auch nhd. ist es anfangs noch starkformig: noch schryr (schrie) und kars (kar sie) laut überaus. H. Sachs 4, 3, 70c; zu der erden thet man sie schlahen, sie kurren recht als wie die schwein. landsknechtlied v. 1504, Soden gesch. des weilers Affalterbach s. 165, von feinden in der schlacht; und wart ein solchs gedreng (im turnier), das die ross wie die schwein kurn (für kurrn). Wilwolt v. Schaumb. 53. part. praet. korren für gekorren: da hab sich der keiser ergrimpt und korren wie ein saw vor unmuot und unwillen. Frank weltb. 111a, in der ausg. 1567 112a korn. im pl. praet. braucht Frank karren, wie jetzt halfen für mhd. hulfen u. a.: so sie (die alten Deutschen) aber karren oder karreten, war es eines misgunsts zeichen. weltb. 1567 43a, nach fremitu aspernabantur Tac. Germ. 11, 6. Der sing. praes. ist nicht mehr zu unterscheiden von kirren, z. b.: der sau art ist, dasz (d. i. dasz's) greint und kirrt, da ir nicht gleich zu trinken wirt. Kirchhof wendunm. 425a. wol aber der pl. u. s. w.: den bapst und die christen so sies (die Tataren) hören nennen, kerren sie, heiszens hunde und abgötterer. Frank weltb. 96b; (der metzger) zeucht das schwein ausz dem stall, es schrei, es beisz, es kerr, es thue was es wöll. Hans v. Leonrodt himelwag P; die gstrauft im land und ghört von fern die kindlein jämerlichen khern. Schmelzl David 14b; erst hebt sich grein und kerren (vor angst). Uhlands volksl. 718. Hätzl. 43a; so schmier du mir den wagen, dasz er nicht kerre. guter seltzamer u. kunstr. teutscher gesang (1544); viel kinder werden dermaszen geplagt von dem grimmen, dasz sie nicht aufhören zu kerren und zu schreien. Fr. Mauriceau von krankheiten der schwangern weiber und kindbetterinnen (aus dem franz.) Nürnb. 1687 s. 549; kerren und schreien von säuglingen auch 529. in der stelle aus Frank weltb. 43a haben andere ausg. kärreten für karreten, darin ist wol das eindringen der schwachen form (für kërreten) sichtbar. 33) Die bed. trifft in der hauptsache mit der von karren und kirren (1. 2) ganz überein, das grelle tönen von gewissem geschrei (s. auch kerre), von ungeschmierten wagen (und thüren) u. ä., schon mhd. Besonders zu erwähnen ist kerren als keifen, und zwar als trans., wie keifen (2, c) u. ä.: was wilt du mich doch immer kerren (: sperren). H. Sachs 2, 140 bei Göz. vgl. kerrerin. auch diese bed. schon mhd. Ebernand 1637. 44) Das wort, fürs schriftdeutsch todt, ist doch mundartlich noch ziemlich verbreitet, aber nur schwachformig, wie es scheint: bair., tirol. kerren durchdringend schreien, tönen; 'cimbrisch' schreien, weinen (kerrach, gakerrach n. geschrei); henneb. kreischen (gekerr n.) Fromm. 3, 404, sonnebergisch hell schreien von kindern, ebenso voigtl., erzgeb. (part. gekerrt), z. b. ein kind kerrt als stäke es am spiesze, man droht einen zu schlagen, 'dasz du kerren sollst'; ostthür. ein kerriges schreiiges kind. nach Frisch 1, 511c auch alem. kerren und schreien. Am Mittelrhein gilt kerren für 'schnarren' von schlechter aussprache des R (vgl.karben und J. Böhme u. karren), auf dem Westerwald aber so kerksen, was sich mit seiner verstärkung des auslauts zu dem schweiz. kerggen (gg gleich k) u. 1 stellt. Auch die starke form aber findet sich noch in der wetter., mrh. schwesterform gerren (garr, gegorren), laut weinen, s. Weigand bei Haupt 6, 486. man vergl. auch kirren, erkerren.
5464 Zeichen · 166 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kerren

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +2 Parallelbelege

    kerienAWB, kerrenAWB sw.v. I, seit dem Ende des 8. Jh.s in Gl., MF: ‚kehren, (aus-)fegen, über etw. hinstreichen, -schle…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KËRREN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +12 Parallelbelege

    KËRREN s. ich KIRRE .

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kerrensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    kerren , sw. V. nhd. knarren ÜG.: lat. stridere Hw.: vgl. mhd. kerren (1) I.: Lbd. lat. stridere? E.: s. germ. *kerran, …

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kerren

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    kerren , stridere, strepere, fremere, grell schreien, klingen u. ä. 1 1) Geschichte und verwandtschaft. 1@a a) es ist ur…

  5. modern
    Dialekt
    kerrenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    kerren schw. : ' den Laut r als Zäpfchen-r aussprechen ', kerre (käRə) [ Otterstetter 102]; vgl. gärren 3b.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kerren

10 Bildungen · 2 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von kerren 2 Komponenten

ker+ren

kerren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kerren‑ als Erstglied (2 von 2)

kerrende

KöblerMhd

kerr·ende

kerrende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. „schreiend“ Q.: SAlex (1352) (FB kerrende) E.: s. kerren W.: nhd. DW-

kerren als Zweitglied (7 von 7)

anekerren

KöblerMhd

ane·kerren

anekerren , st. V. nhd. anschreien, anbrüllen Q.: GTroj (1270-1300) E.: s. ane, kerren (1) W.: nhd. DW- L.: MHDBDB (anekërren)

erkerren

DWB

erker·ren

erkerren , exclamare, aufschreien: das schwein erkirrt; des wirtes schwein in dem mist, wenn sie gen dem tag erkerren. Kellers altd. gedicht…

giskerren

KöblerAhd

gis·kerren

giskerren , sw. V. (1b) Vw.: s. giskerien* Hw.: vgl. as. giskerian*

Ableitungen von kerren (1 von 1)

erkerren

DWB

erkerren , exclamare, aufschreien: das schwein erkirrt; des wirtes schwein in dem mist, wenn sie gen dem tag erkerren. Kellers altd. gedicht…