kerren ,
stridere, strepere, fremere, grell schreien, klingen u. ä. 11)
Geschichte und verwandtschaft. 1@aa)
es ist urspr. stark, ahd. chërran,
mhd. kërren: ich kirre, ich kar, wir kurren, gekorren,
und so noch im 16.
jh. (
s. 2).
nl. kerren
stridere bei Kil.,
ob stark? 1@bb)
daneben bestehn schwachformig, mit allen drei vocalen des ablauts, karren, kirren
und kurren,
als ableitungen von dem starken worte, das aber vor diesen, wie ähnlich oft, seit dem 15. 16.
jh. zurück trat; die erste der schwachen formen ist übrigens (
nachtr. zu sp. 227)
schon ahd., charrên,
nach 'charrenta
stridentes (
portae)' Graff 4, 462.
auch isl. karra. 1@cc)
nach verwandt ist, mit qu
für k
wie oft, ahd. quëran
gemere: quiru quar quârumês (
vgl. nhd. quarren, quirren),
und das einfache r
darin hat anspruch noch höheren alters (
s. 2, 324),
vgl. auch cherentes, cherun Graff 4, 462. 463.
die einfache liquida auch noch nhd. in karen, kären, karezen (
s. besonders auch karjammer),
alle mit dem grundbegriff des scharfen klingens, schreiens. ebenso in ags. ceorjan, cerjan
murmurare, complorare Ettm. 381,
altn. kæra
klagen, zanken (
s. Rietz 383
b),
isl. kaura
knarren, brummen. 1@dd)
der auslaut wird auch verstärkt (
vgl. sp. 6),
wozu liquidae immer reizten, s. kirschen,
karsen,
karzen, karmen, kirmeln, kürmeln, karben;
sie sind wol meist schon von der wurzelform mit einfachem r
abgezweigt. besonders merkwürdig in schweiz. kerggen
knurren, schmollen Stalder 2, 95,
das sich schwedisch wiederholt in kerga (
s. u.kärgeln,
auch erkergeln 3, 871
gehört vielmehr hierher)
; vgl. kerksen
unter 4,
und karcheln. 1@ee)
urverwandt zeigt sich die wurzel, doch oft mit zurücktreten des unangenehmen im begriffe, in lat. garrire
schwatzen, gr. γῆρυς stimme, schall, γηρύω tönen, reden, singen u. a., litt. garsas
ton, schall, stimme, garsus
schallend, und in Asien skr. gar
rufen, preisen, gir
stimme, zend. gar
singen, lobpreisen, aber auch garez, ǵarez
klagen, heulen (
skr. garǵ), ǵar
knistern u. ä., s. Justi 101
b. 115
a.
vgl. auch girren
und kallen. 22)
Auch nhd. ist es anfangs noch starkformig: noch schryr (
schrie) und kars (
kar sie) laut überaus. H. Sachs 4, 3, 70
c; zu der erden thet man sie schlahen, sie kurren recht als wie die schwein.
landsknechtlied v. 1504, Soden
gesch. des weilers Affalterbach s. 165,
von feinden in der schlacht; und wart ein solchs gedreng (
im turnier), das die ross wie die schwein kurn (
für kurrn).
Wilwolt v. Schaumb. 53.
part. praet. korren
für gekorren: da hab sich der keiser ergrimpt und korren wie ein saw vor unmuot und unwillen. Frank
weltb. 111
a,
in der ausg. 1567 112
a korn.
im pl. praet. braucht Frank karren,
wie jetzt halfen
für mhd. hulfen
u. a.: so sie (
die alten Deutschen) aber karren oder karreten, war es eines misgunsts zeichen.
weltb. 1567 43
a,
nach fremitu aspernabantur
Tac. Germ. 11, 6.
Der sing. praes. ist nicht mehr zu unterscheiden von kirren,
z. b.: der sau art ist, dasz (
d. i. dasz's) greint und kirrt, da ir nicht gleich zu trinken wirt. Kirchhof
wendunm. 425
a.
wol aber der pl. u. s. w.: den bapst und die christen so sies (
die Tataren) hören nennen, kerren sie, heiszens hunde und abgötterer. Frank
weltb. 96
b; (
der metzger) zeucht das schwein ausz dem stall, es schrei, es beisz, es kerr, es thue was es wöll. Hans v. Leonrodt
himelwag P; die gstrauft im land und ghört von fern die kindlein jämerlichen khern. Schmelzl
David 14
b; erst hebt sich grein und kerren (
vor angst). Uhlands
volksl. 718.
Hätzl. 43
a; so schmier du mir den wagen, dasz er nicht kerre.
guter seltzamer u. kunstr. teutscher gesang (1544); viel kinder werden dermaszen geplagt von dem grimmen, dasz sie nicht aufhören zu kerren und zu schreien.
Fr. Mauriceau von krankheiten der schwangern weiber und kindbetterinnen (
aus dem franz.)
Nürnb. 1687
s. 549; kerren und schreien
von säuglingen auch 529.
in der stelle aus Frank
weltb. 43
a haben andere ausg. kärreten
für karreten,
darin ist wol das eindringen der schwachen form (
für kërreten)
sichtbar. 33)
Die bed. trifft in der hauptsache mit der von karren
und kirren (1. 2)
ganz überein, das grelle tönen von gewissem geschrei (
s. auch kerre),
von ungeschmierten wagen (
und thüren)
u. ä., schon mhd. Besonders zu erwähnen ist kerren
als keifen, und zwar als trans., wie keifen (2,
c)
u. ä.: was wilt du mich doch immer kerren (: sperren). H. Sachs 2, 140
bei Göz.
vgl. kerrerin.
auch diese bed. schon mhd. Ebernand 1637. 44)
Das wort, fürs schriftdeutsch todt, ist doch mundartlich noch ziemlich verbreitet, aber nur schwachformig, wie es scheint: bair., tirol. kerren
durchdringend schreien, tönen; '
cimbrisch'
schreien, weinen (kerrach, gakerrach
n. geschrei)
; henneb. kreischen (gekerr
n.) Fromm. 3, 404,
sonnebergisch hell schreien von kindern, ebenso voigtl., erzgeb. (
part. gekerrt),
z. b. ein kind kerrt als stäke es am spiesze,
man droht einen zu schlagen, 'dasz du kerren sollst';
ostthür. ein kerriges
schreiiges kind.
nach Frisch 1, 511
c auch alem. kerren und schreien.
Am Mittelrhein gilt kerren
für '
schnarren'
von schlechter aussprache des R (
vgl.karben
und J. Böhme
u. karren),
auf dem Westerwald aber so kerksen,
was sich mit seiner verstärkung des auslauts zu dem schweiz. kerggen (gg
gleich k)
u. 1
stellt. Auch die starke form aber findet sich noch in der wetter., mrh. schwesterform gerren (garr, gegorren),
laut weinen, s. Weigand bei Haupt 6, 486.
man vergl. auch kirren,
erkerren.