wrinschen,
wrenschen,
vb., (
brünstig, verlangend)
wiehern, schreien; brünstig sein (
vorwiegend vom pferd, gelegentlich von anderen tieren, teilweise auch auf menschen übertragen, s. u.);
mnl. nl. wrenschen (Verwijs-Verdam 9, 2870),
westfries. wrinskje, wrinsgje '
wiehern',
dän. vrinske (
ordb. ov. d. danske spr. 27, 574),
schwed. vrenskas (Hellquist
svensk etymol. ordb. 32, 1367).
das vb. wird mit wrinsch, wrensch,
adj., '
brünstig, ungebärdig' (
s. o.),
ags. wræne,
adj., '
lascivious, libidinous, salacious, wanton' (Bosworth-Toller 1270)
sowie as. uurenio,
m., '
hengst' (Wadstein
kl. as. sprachd. 112, 6 =
ahd. gl. 4, 245, 48),
aisl. reini (< vreini) (Cleasby-Vigfusson
icel.-engl. dict. 491
a),
ahd. reinno,
mhd. reine, rein (
davon mlat. waranio,
ital. guaragno '
admissarius',
s. du Cange
gloss. 8 [1887] 403
a)
zurückgeführt auf die wurzelerweiterung idg. *rei- (
zur grundwz. *er- '
drehen, biegen')
in worten für '
das gesicht verdrehen, lippen und nase kräuseln, aus verlegenheit, beim grinsen, beim beiszen in etwas saures'
; dazu das st. vb. norw. vrīna (vrein) '
grinsen; in der brunstzeit die oberlippe und nase heben oder verdrehen',
dann auch '
schreien, wiehern von brünstigen pferden' (
so auch in nd. wrenen, freinen '
wiehern' Böning
Oldenburg 134
und 140,
sowie oberpfälz. reneln '
wiehern' Schmeller-Frommann
bayer. 2, 108),
s. Walde-Pokorny 1, 277,
ferner Falk-Torp
bei Fick
43, 419,
dies., norw.-dän. etym. wb. 1397, Franck v. Wijk 806.
auf dt. boden vornehmlich im nd. belegt (
in den üblichen anlautvarianten von wr-),
s. zs. f. dt. wortforsch. 12, 26
f. und die belege bei Schiller-Lübben 5, 780;
vgl. dazu: vnd alse de lude nhu den tummel vnd wrinschent der perde horeden (16.
jh.) Kantzow
chron. v. Pommern 43
Böhmer; vorauff die pferde ihre halfter zurissen, losz wurden, und ein solches wrinschen, schlagen und beissen unter sich anfingen Bucholtz
Herkules (1666) 1, 238; daselbst soll man auch pferde wrinschen ... hören (
nd. 1682)
relat. curios. in: Alemannia 18, 46.
in nd. maa. allgemein verbreitet und bis zur gegenwart durchgängig bezeugt: wrinschen der pferd Orsäus
nomencl. method. (1623) 51;
equus hinnit das pferd wrinschet
nomencl. lat.-germ. (1634) 174; wrensken
brem.-ns. wb. 5, 297;
für die neuere zeit vgl. wrensken Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 575; Krüger
Emden 72; Westermann
Baden 91; Mensing
schlesw.-holst. 5, 718; brenschen,
s. Mi
mecklenb. 11
und Wossidlo-Teuchert 1, 1135; frensken,
s. Schmoeckel-Blesken
Soest 73; Woeste-Nörrenberg
westf. 308; Frederking
Hahlen 38; frenschen,
s. Flemes
Kalenberg 335; Hupel
Lief- u. Ehstland 62.
im südlich angrenzenden Mitteldeutschland mit abfall des labialen anlauts vor r;
hierher vielleicht schon: sus waz des scryes reuschen (
wohl renschen,
vgl. die anm. des herausgebers zur stelle) Eberhard Cersne
d. minne regel 4522
Wöber; wenn ein raune (wallache) draus gemacht ist, so höret er auf zu rinschen (wicheren) vnd zu erwilden (mütig zu seyn) Comenius
güld. sprachenthür. (1638) § 178
Docemius. s. auch rintschen Harsdörffer (
teil 8,
sp. 1025
s. v.);
mundartl.: ranschen '
wiehern' Schambach
Göttingen 167
b; reinschen '
brünstig verlangen' Hertel
Thür. 195; rênschen '
unruhig sein, sehnliches verlangen haben nach [] jemand' Weise
Altenburg 107; reinschen '
sehnlich, ungeberdig nach etw. verlangen, bes. von kindern gesagt' Albrecht
Leipzig 191
b; reinschen '
sehnsüchtig begehren, heftig (
ungeberdig)
nach etwas verlangen, sich sehnen' Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 346
a; reinschen '
groszes verlangen haben, sich sehnen'
für Obersachsen bereits gebucht von Campe 3, 805
a. —