feiern ,
im 16
jh. und später bei den dichtern noch feiren,
ahd. fîrôn, firrôn,
alts. fîriôn,
fries. fîria,
mhd. vîren,
nnl. vieren,
schw. fira,
dän. feire. 11)
transitiv, celebrare, begehen, erheben: mhd. daʒ spil wart dâ gevîret mit tenzen und mit reigen.
tr. kr. 16334; disen tac sol man êren dër uns ze vîren ist gegëben.
kinth. Jesu ed. Feif. 1739; möhtu doch vîren einen tac, den sëlber got gebôt.
MSH. 3, 75
a; daʒ man vîre in gotes lobe den tac nâch cristenlîcher art.
pass. K. 278, 14; ouch ist ein ander hochzît, die man gote vîren pflît. 279, 56.
nhd. und solt diesen tag haben zum gedechtnis und solt in feiren dem herrn zum fest.
2 Mos. 12, 14; ir haltet jarzeite und feiret feste.
Es. 29, 1; und feireten den sieg.
Judith 16, 24; da ward das volk wider ser frölich und feireten diesen tag mit groszen freuden. 1
Macc. 7, 48; das ist gottes ewigs und teglichs lob, das er sich der armen und nidrigen annimpt und nicht die groszen hansen und tyrannen feiret, wie sie doch meinen. Luther 3, 314
b; was solt ich dén feiren und um gnade bitten, den ich für gottes feind hette gehalten? 3, 332
b; wers nicht lesen wil, der lasse es ligen, ich bitt und feier niemand darumb. 5, 140
b; das heiszt eine heidnische wolthat, darumb einem dienen, das man dir dafür danken und dich feiren müsse als einen gott. 6, 50
a; gott will im laufe nicht von uns gefeiret sein. Opitz 1, 340; feiert die helden! marmor und erzt sei der helden ewiges maal! Klopstock 2, 76; o feierts in allen himmeln ihr zeugen, dasz er erstand.
Messias 15, 384; er gieng in dem glanze dieses gefeiertsten tages vor allen tagen der feier. 8, 124; doch unlieblicher ward kein abendschmaus wo gefeiert. Voss; in hoher wolke feiret den ewigen der ruf des donners, aber ihn feiret auch des halmes grille. 3, 51; du mächtiger pocal, .... der das hochzeitsmal unsers eltervaters mit gefeiert! Gökingk 3, 60; nach einer lange gefeierten pause. Thümmels
Wilhelmine 106; man feire nur was glücklich vollendet ist, alle ceremonien zum anfange erschöpfen lust und kräfte. Göthe 19, 217; wenig mehr wird von armen gefeiert als der letzte tag ihrer tage, und dieser nur von den ihrigen. J. P.
papierdr. 2, 234.
es heiszt: ein gefeierter dichter, gefeierter name, eine gefeierte frau. 22)
intr. cessare, desistere ab opere, lat. feriari:
mhd. immer sô man vîret, sô hebent sî sich dar mit einer samenunge. Neidhart 49, 32; zu vastene und zu vîrne,
abstinere a cibo et opere. myst. 20, 1.
nhd. darmit die kirch in hat begabet, genen mit fasten und den mit feiern.
fastn. 389, 4; würde Osterrich wider die stette sin, daʒ die von Rotenburg alsdan viren (
neutral bleiben).
urk. von 1449
bei Schmid
schw. wb. 188; sihe, des volks ist schon zu viel im lande, und ir wolt sie noch feiren heiszen von irem dienst.
2 Mos. 5, 5; also feierte das volk des siebenden tags. 16, 30; sechs tage soltu deine erbeit thun, aber des siebenden tags soltu feiren. 23, 12; am siebenden tage soltu feiren, beide mit pflügen und mit ernten. 34, 21; ja denn wird das land feiren (
brach liegen) und im seine feier gefallen lassen, so lange es wüste ligt, darumb das es nicht feiren kund, da irs soltet feiren lassen, da ir drinnen wonetet.
3 Mos. 26, 35; sie aszen und trunken und feierten uber alle dem groszen raub, den sie genomen hatten. 1
Sam. 30, 16; unter dem haufen, die da feiren.
ps. 42, 5; die
[] freude der pauken feiret,
vulg. cessavit gaudium tympanorum.
Es. 24, 8; am vierzehenden tag des ersten monden solt ir das passah halten und sieben tag feiren und ungeseuert brot essen.
Ez. 45, 21; denn es war das siebend jar, darin man die felder muste feiren lassen. 1
Macc. 6, 49.
noch in mehr stellen hätte Luther feiern
setzen können, wo er sich andrer wörter bedient. Es. 33, 8
hat er: die steige sind wüste, es gehet niemand mehr auf der straszen,
statt des schönern: der wandrer feiert,
ח ר ת,
wandert jetzt nicht; klagl. 5, 14 es sitzen die alten nicht mehr unter dem thor,
statt sie feiern vom thor. wenn du deiner oberkeit einfeltiglich zu willen feirest oder fastest. Luther 3, 524
a; der bapst gebeut fasten, feiren. 3, 525
a; drei tag feiren oder fäst haben,
habere ferias triduum; feiren oder ein fäst anrichten von wägen einsi zuokunft,
adventu alicujus dies festos agere. Maaler 135
b; feiernde tage,
müszige: darmit verdienst die fremden speis und feirend tag durch heuchelweis. H. Sachs V, 215
d; thetn auf schönen pferden reiten und kunden uns feirent ernehrn. Ayrer 157
a; wer auszm stegreif ein ding thut, obenhin wie man die hund schiert, der hett besser gefeiret (
es nicht gethan). Lehmann 182; sontag da jederman feiret (
nicht arbeitet).
wegkürzer 27
b; die natur feiert im winter; der erdkreis feiert noch im dämmerschein. Salis 105, der seraphim feirende scharen.
Messias 5, 116; und die feirenden himmel umher. 5, 267; o mit welchem gefühl der neuen schöpfung, wie selig werden, die du versöhntest, dich dann auf dem thron des gerichts sehn, und dir feiren, dir halleluja der ewigkeit singen. 5, 795; sie standen feiernd. 8, 272; schaut die himmel umher mit welchem staunen sie feiren. 8, 441; er, bei dessen geburt schon die himmlischen feirten. 10, 614;
und oft noch, obwol in einigen dieser Messiasstellen auch die bedeutung 1
anklingt; was schon so viele gute männer zu grunde gerichtet, das wird auch künftig zu grunde richten und es wäre sonderbar, wenn es bei mir feiern (
nicht wirken) sollte. Claudius 5, 81; jetzt seh ich wol, warum ich feiern soll. Göthe 9, 240; doch jede hand soll feiern! halb vollbracht soll dieser plan, wie mein geschick erstarren. 9, 321; für mich kenne ich nur éine misheirath, wenn ich feiern und repräsentieren müste. 20, 70; die helden, sämmtlich erstaunt, feiern von der arbeit. 39, 37; nun geht alles drunter und drüber, und ihr wollt allein feiern. 42, 410; dann mag er wol billig feiern. 55, 64; so hab ich der alten aufgetragen, mein feirends (
unberührtes) bett herzurichten.
H. Jörgel 11, 17; ein feierndes zimmer, bett,
worin niemand wohnt, schläft, feierndes geld,
das im kasten liegt, nicht umgeht; der schlimmste tag für euer wirken ist der gedanke, der da feiert, als vagabund entfesselt steuert nach fernen, luftigen bezirken. Lenau
Faust 64; so lag das römische heer müszig ... der krieg feierte (
ruhte). Niebuhr 1, 548.
man sagt 'einem feiern',
ihm zu ehren: dan ich gern gieng, aus sonderm gfalln, mit gots volk zum haus gottes walln, mit danken und frolocken. da der hauf gern feiret dem herrn, da wer ich unerschrocken. Fischarts
geistl. lieder 49; inbrünstig feirn wir dir, mai, wir feiern dir. Gerstenberg. 33) nicht feiern
drückt desto stärker rastlose thätigkeit aus: mhd. Valfundê mües immer pflëgn jâmers nâch sînn eskelîren, an dën dër tôt niht kunde vîren.
Wh. 258, 14; daʒ niht ir sun gevîret hete bî Schirône, daʒ wart bewæret schône.
tr. kr. 13740; sô ensolt ouch dû niht vîren noch müeʒic sitzen, trût gespil. 15859;
nhd. si sprach si het vor ghabt ain man, der het kain nacht an ir gefeirt.
fastn. 701, 21; du findest einen menschen, der gat also anhin den ganzen tag, er feirt nit und tut etwas, aber damit schaffet er keinen nutz. Keisersberg
selenpar. 142
a; on unterlasz wend esz und feier nicht, so wirt esz rosch.
kuchenmeisterei 67; er feiret nicht und schleft nicht. Luther 3, 338
a; der teufel feiret und
[] schleft nicht. 5, 139
a; der satan kann nicht ruhen noch feiern.
tischr. 205
a. 287
b; also feiert nichts in der natur, es ist alles in übung von stund zu stund, von tag zu tag, von nacht zu nacht, allein der mensch feiert zu nacht und den sabbath von wegen seins gebots. Paracelsus 1590, 197; denn der feind ruhet noch feiret nicht. Reuter
kriegsordn. 34; die frau Kütlitzin feiert mit anhetzen nicht. Schweinichen 1, 123; dieweil mir nun die zwo schanzen umschlugen, feiert ich doch nicht und warf dem bischof einen einspännigen reuter nider. Götz von B.
lebensb. 105; aber, sprach könig Bitterkoder, was thut sidher unser ander herr, welchs disen koderrotzigen rülz Graspissier soll bestreiten? 'sie feiren auch nicht', antworten sie, 'wir wöllen sie bald antreffen'.
Garg. 223
a; hieran musz kein feiren oder nachlasz sein. Kirchhof
mil. dis. 179; denn er feirt doch zu keiner stund, uns und dem land schaden zu thon. Ayrer 440
b; jedoch weil sie so gar nicht feiren, so eil auch ihnen bald zu stewren und nim dich meiner not doch
an. Weckherlin 117; wenn etwa zu erreichen ein dorrendes geripp, ein halbverbrantes aas, feirt unser haufe nicht. Gryphius 1, 214; feldmarschall Hatzfeld hatte immittelst vor Dorsten nicht gefeiret. Chemnitz IV. 1, 51; der versucher feiert bei solchen gelegenheiten gewis nicht und mir war oft ich fühlte seine eingebungen, wenn ich den ganzen tag vergeblich nach menschenhülfe umhergelaufen war.
der a. m. im Tockenb. 208; fünf und zwanzig gegen acht, da galts kein feiern! Göthe 8, 90. 42, 115. 337; mein plan ist der hof und da gilts kein feiern. 10, 52; laszt uns unsre arbeit sogleich fördern, damit keiner von den gewerken, die auf unserm grunde fortarbeiten, zu feiern brauche. 17, 100; das gericht soll nicht feiern,
keine ferien haben. am schönsten von natürlichen dingen oder von geräth: ackerbau und bergwerk soll man nicht feiern (
still liegen) lassen. Mathesius 19
a,
vgl. die unter 2
angeführten stellen 3 Mos. 26, 35. 1
Macc. 6, 49; solches fewer feiret nicht, sondern arbeit für und für. 32
b; weist, ein alt sprichwort gicht, des menschen herz das feiret nicht. H. Sachs I, 331
b; entzwischen fürst Achilles liesz nit feiren seinen langen spiesz. Spreng
Il. 480
b; das trinkgeschirr feirete nicht (
gieng immer um, vgl. den mitfeiernden pocal
unter 1).
Harnisch 114; die stücke (
geschütze) auf dem walle feireten auch nicht das ihrige zu thun.
unw. doct. 650; der hammer in der schmiede feierte nicht; von hohlen bretern tönt des hammers schlag, der sonntag feiert nicht, die nacht wird tag. Göthe 13, 135.
vgl.ruhe
und ruhen lassen, nebelfeiern, wasserfeiern, windfeiern, zinkfeiern.