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winseln

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

winseln vb.

Bd. 30, Sp. 411
winseln, vb. , mhd. winseln, winslen; l-ableitung von dem schallwort winsen (s. u.). ältere form winselen, die in neuerer zeit im inf. aus analogiebedürfnis wiederhergestellt werden kann, vgl. winselen Klinger theater 3, 136, winsəli Schmidt-Petersen nordfries. 163b; für das ahd. ist schon ein *winsilôn neben dem von J. Grimm erschlossenen *winisalôn gramm. 2, 108 anzunehmen, doch ist die bildung erst spätmhd. bezeugt; früh mit synkopierung des ersten oder zweiten e, winslen und in älterer schreibung wintzlen besonders obd. wie noch heute, vgl. wintzlet Keisersberg has im pfeffer (1510) E e 4d, winslatt Straszbg. hs. des Apollonius 5511 v. H. v. Neustadt S., winslet md. d. 14. jhs. in: fundgr. 1, 398, winszlen Luther 7, 254 W., winslen Ringwaldt christl. warn. h 7a, winslenden Schubart leben 1, 226 wie mundartl. winslen Martin-Lienhart 2, 827, wintzlə Meisinger Rapp. 232, winslen Fischer schwäb. 6, 1, 857; aber winseln Megenberg buch d. nat. 166, 31 Pf., wynsiln (voc. v. 1420) Schröer 17a, wintzelt Scheit Grob. 2873, wintzeln Grimmelshausen 4, 621 K., winselt Schubart s. ged. (1787) 201; schriftsprachlich setzt sich die synkope des zweiten e seit dem 18. jh. im allgemeinen durch, nur in der 1. praes. steht auch heute noch winsle neben winsele. als schallwort hat sich winseln mundartl. vielfach verändert und mit anderen schallwörtern gekreuzt, vgl. wünseln Hans Sachs 8, 146, wünszlen polit. stockfisch (1681) 185; winscheln Rädlein europ. spr. (1711) 1, 1064b; wimseln, wimslen, wimpseln, wimbseln, wimseren, sämtlich wohl unter einflusz von wimmern, namentlich alem. und bair.: wimslen um hülff schreien Dentzler 353b; wimsle Seiler Basler ma. 316; wimsle Hunziker Aarg. 297; wimsla Tobler appenz. 449; wimselen von menschen und hunden Martin-Lienhart 2, 827; wimpsln Schmeller-Fr. 2, 1030; auch literarisch bezeugt, vgl. wimpselten Schaidenraiszer Odyss. (1537) 68a; wimseln Hans Sachs 8, 186 K.; wimseren Heyden Plinius 405; wimbseln Abraham a s. Clara Judas 4, 306; wimsle Hebel w. 1, 140 B.; andere mal. schallwörter gleichen sinnes weichen noch stärker ab, vgl. wuisln, woisln Schmeller-Fr. 2, 1030; woiseln, wuiseln Unger-Khull 637b; woisln Hügel Wien. 191a; weisen Martin-Lienhart 2, 827a; binselen Kramer t.-ital. 2, 1355; pinseln Müller-Fraureuth 2, 670; pinsen, pinseln Campe 5, 732; günsen, günseln (niederdtsch) zs. f. dt. wortforsch. 12, 13; gunseln (westf.) in br. Grimm kinder- u. hausmärchen 2, 158; günsn Danneil altmärk. 72. [] bedeutung und gebrauch. grundbedeutung 'hohe, gezogene, klagende, meist schwache töne ausstoszen'; in den spätmhd. glossarien für lat. ululare Diefenbach gl. 625c, gannire 257b, wynsiln gannire (voc. v. 1420) Schröer 17a, vgl. auch winsen sp. 417. 11) in den ältesten belegen vom ausstoszen von hohen und anhaltenden tönen tierischer naturlaute, besonders wie noch heute der hunde; aber auch von anderen tieren in älterer sprache geläufig. 1@aa) von den wimmernden und jaulenden lauten der hunde, namentlich als ausdruck des schmerzes, der freude oder des begehrens; neutral ohne motivangabe: er winslatt als ain hund Heinrich v. Neustadt Appollonius 5511, variante der Straszburger hs. (Singer); unde winslet alsô ein kleinez hundelîn krankheits- u. heilmittelkde d. 14. jhs. in: Hoffmann v. Fallersleben fundgr. 1, 398; die (hunde) ballen nicht ..., sunder wimpselten Schaidenraiszer Odyssea (1537) 68a; (der hund) scharrt, grant und heult und wintzelt sehr K. Scheit Grobianus 2873 ndr.; (die hunde) legten sich für seine füsz, belten, schnarchten, winselten süesz Rollenhagen froschmeuseler (1595) f 2a; er hat gantz verständig gewintzelt bisz an sein end F. Callenbach Wurmatia (1714) 115; bellen und winseln Fontane ges. w. I 1, 277; als ausdruck des schmerzes oder unmuts: wenn ain hund beschlossen ist, so wintzlet er Keisersberg has im pfeffer (1510) E e 4d; wann ein hund mit einem stein getroffen wird und durchs geschrei und wimbseln sein zuflucht zu euch nimbt Abr. a s. Clara Judas 4, 306; winseln und heulen Harsdörfer gesprächsp. 2, 230; als ausdruck des begehrens und flehens: einmal doch, da ward es ihm wirklich zu bunt: es knopert am laden, es winselt der hund Mörike ges. schr. 1, 34; Sultan ... winselte so lange, bis ihn Lene gestreichelt hatte Fontane ges. w. I 5, 145; das hündchen winselt nach ihnen? Gutzkow ritter v. geiste 2, 365; auch als ausdruck der freude: des grafen hund gab keine ruhe, bis ihm die leute folgten, denen er freudig winselnd voransprang Laistner nebels. 255; während der köter gerührt winselte Seidel L. Hühnchen 310; mit schweifwedeln und freundlichem winseln O. Ludwig ges. schr. 2, 550; winseln und schwänzeln Oppermann hundert jahre 4, 196; als brunstlaut gefaszt winseln 'läufig sein' (vom hunde) Frederking Hahlen 35, vgl. dazu winsen. 1@bb) vorwiegend in älterer sprache von den leisen, hohen naturlauten anderer tiere, besonders kleinerer tiere; öfter vom kläglichen schreien der jungen: des adelars hüenl sint in dem nest ân winseln und ân rüefen Konrad v. Megenberg b. d. natur 166, 31 Pf.; das ferlin neben dem wolff anhin lauffet ... und wintzlet Pauli schimpf u. ernst 123 Öst.; ich hörete ... ein wintzeln, als wann es junge wölff wären Grimmelshausen Simplicissimus (1684) 3, 257; früh und namentlich in den neueren belegen in mischung mit winseln 3 a; von vögeln: ohne erbarmen würgte der drache die winselnden kleinen (sperlinge) Herder 3, 69 S.; die bergstorcken (eine adlerart) ... haben stets hunger und treiben zu aller zeit ein kläglich schreiend wimseren nach der speise v. d. Heyden Plinius (1565) 405; ich winselt wie ein kranch und schwalbe Jes. 38, 14; die stimm heiszer und klein, als die hüner wintzelen Gersdorff wundarzney (1517) 77a; von andern kleinen tieren: winsle nur, du armer hase Tieck schr. 1, 255; er hatte etwas vom winselnden affen an sich Storm s. w. 4, 108; katzenartiges winseln Brehm tierl. 1, 498; deutlich von der vorstellung 'sich vor schmerz krümmend winseln' bestimmt: fand aber den Lemelie unter weges ... krum zusammen gezogen liegen und als einen wurm winseln Schnabel Felsenburg 144 Ullrich; auch von gröszeren tieren in neuerer sprache gelegentlich als poetischer ausdruck der bloszen schallwiedergabe: [] (der hengst) mit wintzlen überlaut ein dicken dampf ausblasen (darf), zugleich des kampfs und sigs begihrig und gewisz G. R. Weckherlin ged. 2, 289 F.; wo kein grausam panterthier, keine crocodillen winseln Henrici ged. 1, 64; aber häufiger tritt auch hier von winseln 3 a β her die vorstellung des durch furcht- oder schmerzempfindungen verursachten schreiens hinzu: ein metzger der fürt ein schwein gebunden auf das schlachthausz. es gat stets vor im anhin zum todt wintzlen und wintzlen G. v. Keisersberg brösaml. (1517) 1, 61b; er (ein hengst) gab (den schmerz) mit der stimme durch ein winseln zu verstehen Lavater physiogn. fragm. 3, 67; von ferne bellten hunde her, es winselte der schimmel (der das bein gebrochen) Overbeck ged. 158; in gebüschen zur seite hagre tiger für hunger und durst winselten Leisewitz Jul. v. Tarent 44 ndr.; (der drache) winselnd wie der schakal heulet Schiller 11, 280 G.; zurückgefallene tiger erschrocken winseln maler Müller w. (1825) 1, 175; wie in a vereinzelt auch als ausdruck schmeichelnden bittens: was winselt und wedelt der zottge gesell Heine w. 1, 21 E. 22) auf das ertönen hoher, langgezogener oder anhaltender töne und geräusche übertragen, die nicht von lebenden wesen erzeugt werden; die vorstellung des kläglichen, jämmerlich oder traurig klingenden tones steht meist im vordergrund, daher ist sowohl mit übertragung von winseln 1 wie von 3 aus zu rechnen; von den tönen musikalischer instrumente: ... bald mischt sich ein schnarren in einer sanft winselnden flöte mit ein (in den gesang der nachtigall) Brockes ird. vergn. 8, 17; und jede saite winselt ihm leise, leise nach Denis lieder Sineds 259; ich (habe) sie öfter auf der violine ... etwas winseln gehört Brunner erz. u. schr. 1, 216; dumpf winselt vom thurme die rufende glocke Kind ged. 182; von naturgeräuschen: gleich wie ein sanffter bach hin winselt durch das gras und theilt den wiesen aus sein angenehmes nasz Morhof teutsche ged. (1682) 8; horch! wie der wind um die ecke der strasze winselt Tieck schr. 2, 308; wenn der wind in wildem aufruhr ob der rauchflucht pfeift und winselt Freiligrath ges. dicht. 6, 146; es seufzten überm haupt mir winselnde winde Herder 27, 157 S.; vom knarren oder krachen des gefrorenen schnees Unger-Khull 636b. 33) am ausgebreitetsten ist die anwendung auf leise, wimmernde laute menschlicher wesen. 3@aa) hauptsächlich vom ausstoszen unartikulierter laute als ausdruck körperlichen oder seelischen schmerzes gebraucht; lustbezogene motivierung ist kaum bezeugt, doch vgl. in älterer sprache: homo ridet, lacht, arridet, winzelt, cachinnat, kichert Trochus voc. rer. prompt. (1517) q 3b; wohl vom freudengewinsel der hunde her übertragen: winseln möchte man vor vergnügen Rosegger sünderglöckel 183. 3@a@aα) von unartikulierten lauten der kinder; ohne betonung der motivation: sein zartes winseln (des Jesuskindes) Gryphius trauersp. 108 Palm; meist als schmerzausdruck: winselnd und wehklagend (von einem kind) volksb. v. geh. Siegfried 95 ndr.; der teuffel ... winselte und ächzete gleich einem jungen kind Widmann Fausts leben 193; das winseln seiner kinder schreckt ihn auf Knigge umgang 2, 61; die winselnden kinder schluchzten um sie her S. Geszner schr. 1, 243; wie ein verlornes kind, das in der irre winselt Tieck schr. 8, 59; [] mehr nach 3 b hin: das (büblein) kunt auch schon die leute zwingen, nicht wie die groszen und starken mit ihren poltern und pochen, sondern mit seinen winseln und heulen Pape bettel- und garteteuffel (1586) k 8a. 3@a@bβ) als ausdruck körperlicher schmerzen: ich hatte die tröpfin überredet, sie würde ohne schmertzen gebären, aber ... da es jetzo an dem war, fienge sie an zu wintzeln wie andere weiber Grimmelshausen 4, 621 K.; des patienten winseln Harsdörfer secret. 2, 639; da giebts winseln, wo man auff einen bösen zahn fühlt J. Kraus Krausaldus (1718) 2, 43; dasz sie nicht ganz vergebens unter den händen der wehmutter winseln müssen Meiszner Alcibiades 2, 90; dasz die entzündung, die sie fühlt, sich durch kein mürrisch winseln kühlt Hagedorn s. poet. w. (1757) 2, 183; den im lazaret winslenden siechen Schubart leben 1, 226; er winselt wie eine seele im fegfeuer Wander 5, 268; Iwan winselte in seiner qual Holtei erz. schr. 1, 205; mit besonderer betonung des leisen tones: die sclaven dörffen nicht recht weinen oder schreien, wann sie gebrügelt werden, sie winseln nur Kramer t.-ital. 2, 1355c; das winseln der sterbenden theater der Deutschen 15, 470. 3@a@gγ) als ausdruck seelischen schmerzes, der trauer, der klage u. s. w.: viel herzen winseln laut Chr. Günther ged. (1735) 819; er (Christus in Gethsemane) redet nicht, er winselt nur Schubart s. ged. 1, 196; die stimme des wahren trauerns ist ... mehr ein bloszes winseln als eine ordentliche rede M. Mendelssohn ges. schr. 4, 1, 194; oft in formelhafter paarung mit weinen und sinnverwandten verben: alles frei erausz schutten mit weinen unnd winszlenn Luther 9, 262 W.; wird auff gehaltn in einer inseln wider sein willn mit wain und winsseln H. Sachs 12, 344 K.-G.; schlägt er (der eremit) die brust und weint und winselt er Lessing 1, 113 L.-M.; dasz wir vor jamer seuftzen und winseln H. Sachs 12, 65 K.-G.; ein angefochtener rufet, schreiet, seufzet, winselt und helt an im gebet Mathesius 130. ps. a 4b; heul und winsel je und je und beweine meinen jammer Neumark lustwäldchen (1652) 22; ein ganzes jahr seufzen und winseln Laroche frln. v. Sternheim 1, 310; winseln, weinen und schreien Lessing 6, 379 L.-M.; ein wicht, der gar nichts kann als winseln, ächzen, stöhnen Rückert ges. poet. w. 8, 483. 3@a@dδ) in der mehrzahl der fälle wird winseln ähnlich wie jammern oder klagen verwendet und es bleibt dabei meist unsicher, ob nur unartikulierte töne oder in kläglichen lauten ausgestoszene worte gemeint sind; im sinne 'jammern', oft mit dem motiv der furcht: mein hertz vor angst ward winseln H. Sachs 3, 273 K.; also erschricken, winslen, klagn ... im tunckeln ort all man und fraun Ringwaldt christl. warn. (1588) h 7a; sie (meine seele) winselt stets und ängstet sich Treuer Dädalus 1, 247; die unschuld winselt und ängstet sich Scriver and. (1721) 247; der feinde winseln Wieland I 1, 388 ak.-ausg.; des schiffsvolks winseln (beim sturm) 224; der sclaven winseln Dusch verm. w. 319; ein banges winseln Geszner schr. 1, 80; furchtsamen winselns J. v. Müller s. w. 24, 107; besonders von frauen: (es) ward ein jämmerliches winseln von weibern gehört Lohenstein Arminius 1, 417b; in tempeln schallt ... das winseln banger frauen wieder Eschenburg beispielsamml. 4, 295; [] (er) schämt sich, ... dasz er wie ein mädchen weinen und winseln müssen Lessing 9, 33 L.-M.; ähnlich im sinne 'klagen' mit dem motiv des elends, der verzweiflung u. s. w.: vil schreien, seufftzen, wainen, beten, klagen und winszlen zu Christo Luther 7, 254 W.; mein Zion, warum winselst (klagst) du Schupp schr. 960; dem christlichen winselenden volcke tröstlich zu sein Chemnitz schwed. krieg. 2, 371; den gantzen tag winslend on ruo beschwêrt Schede psalmen 115 ndr.; es ist nicht winselns zeit, glaubt es ist jauchzens werth A. Gryphius trauersp. 227 Palm; ich liebte mein winselndes vaterland sehr Weichmann poesie der Niedersachsen 2, 296; hören sie auf zu winseln. ich will heute lustig sein Gellert s. schr. 3, 287; das winseln der elenden Klinger w. 3, 120; das winseln deiner greise ruft: erwache! Körner w. 1, 122 Hempel; das winseln der verlasznen braut ist schmausz für unsre trommelhaut Schiller 1, 130 G.; sie (die geister) wimsle gar sölli (sehr) Hebel w. 1, 40 B.; gern in verbindung mit wehklagen: weheklagen, winseln und greinen Ayrer dram. 1704 Keller; erbärmlich winseln und wehklagen theatrum amoris 1, 119; grosz winseln und weheklagen pers. reisebeschr. 211 Olearius; winselnd und wehklagend, wehklagend und winselnd Göthe 9, 233 W.; bei gegenstandsangabe mit präp. über: über sein wehe winseln Kramer t.-ital. 2, 1355c; (der jammer) darüber sie jitzt winseln Mendelssohn philos. schr. 1, 123; winselnd über ihr allzu gutes herz Raabe schüdderump 1, 80; mit betont pejorativem akzent: tochter ... wir wollen weinen, aber nicht winseln Iffland theatr. w. 1, 105. 3@bb) in wimmernden, kläglichen tönen etwas sagen, dessen inhalt meist in articulierter sprache zum ausdruck gebracht wird. 3@b@aα) im sinne 'flehentlich bitten; flehend weinen, um etw. zu erreichen': dein gewissen wintzlet wider dich, du soltest es nit thuon Pauli schimpf u. ernst 123 Österley; du schlägst mein winseln aus Gryphius trauersp. 291 Palm; so gedenk auch, liebes hertz ..., wenn du nacht und tag must winseln, dasz der hochgewünschte tag endlich wird mit freuden kommen Neumark lustwald (1657) 2, 11; jedoch mein winseln hilfft mich nicht, kein trübes ach kan dich zurücke bringen Neukirch Hoffmannswaldau u. and. Deutsch. ged. 3, 194; ähnlich auch: darum winseln auch die geister des abgrunds, aber der im himmel schüttelt das haupt Schiller 2, 185 G.; ein im tiefsten staube kriechendes winseln vor gott Gutzkow ges. w. 7, 394; er wimmerte nicht: erbarmen! er winselte nicht: gott helf! gr. Strachwitz ged. 297; auf marmorböden winselt der bettler, auf tempelstücken Waiblinger ged. aus Italien 35; in fester paarung begegnen bitten und winseln Zinzendorf Jeremias (1741) 16; Viebig d. schlaf. heer 1, 128; bei angabe des gegenstandes, der begehrt wird, steht zumeist die präp. nach; mehr nach 3 a hin liegend: das er nach euch ... gar kleglich winselt, seufftzt und lechtzet Ayrer dram. 2066 Keller; der so hoch bedrengten und nach hülffe winselenden stadt ... beizuspringen Chemnitz schwed. krieg 1, 13; sie ... winselte tag und nacht nach ihrem liebsten A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 54; er winselt ganz erbärmlich nach [] einem Mus. alm. Bürger briefe 1, 54 Str.; werft mich in den tiefsten kerker, dasz ich ... nach freiheit winsle Göthe 8, 284 W.; dort winseln millionen seelen nach dir Schiller 3, 455 G.; patienten, die nach dem doktor winselten 2, 95; um ist ebenfalls häufig: er dacht an den Messiam, der aus Davids samen entspringen solte, darumb winselt er (Hiskias) Dannhauer catechism.-milch 2, 66; ich winsle nicht um trost, nicht weibisch um erbarmen Uz w. 112 ndr.; die nackte waise fleht um brod und winselt um erbarmen J. M. Miller ged. 259. 3@b@bβ) besonders auch mit pejorativem charakter im sinne 'in erniedrigender weise jammernd betteln'; der zusammenhang mit 1 a in der vorstellung kriechender, hündischer gesinnung ist hierbei meist deutlich empfunden; nicht vor dem 18. jh. aufkommend: phänomene winselnder, kriechender demuth Waiblinger bei Frey 2, 54; der feigherzige, der unter jedem streich des schicksal winselt Lichtenberg verm. schr. 1, 201; sie sollen winseln unter diesem säbel Grabbe w. 1, 29 Bl.; o, winseln müszten sie vor mir, die millionär und die hausherrn Nestroy ges. w. 2, 232; er ... winselte beweglich Laube ges. schr. 11, 103; winselnd flehen Holtei erz. schr. 11, 326; (er) wand sich winselnd zu meinen füszen 2, 47; mehr im sinne 'schöntun': die mädchen ... liebäugeln und winseln ... jedem zu gefallen Iffland theatr. w. 2, 14. 3@b@gγ) die vorstellung unartikulierter laute tritt ganz zurück, wenn der redeinhalt selbst angegeben wird; 'in jammerndem, kläglichem, weinerlichem tone reden': sie winselte, sie wär eine geschlagene frau Bode Th. Jones 4, 26; zweitausend gulden! winselte er Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 89; ich bin, winselte der fromme herr, zu einer leidenden berufen Holtei erz. schr. 18, 129; ähnlich: Schreiber hat mir einen brief geschickt, in dem er gar abscheulich winselt J. M. Miller briefw. 1, 92; dann auch 'weinerlich, weichlich, süszlich, sentimental reden': der Franzose winselt in weibischen tönen Schubart ästhet. 272; hilf süszlern winseln, weibern radotieren Seume ged. 130; ein winselndes schmachten Gutzkow ges. w. 1, 403; in wüthenden oder winselnden romanen Bode Th. Jones 5, 58; (romane,) die ... von thränen und winseln überflieszen allg. dt. bibl. anh. 25-36, 905. 3@cc) auf die hervorgebrachten laute selbst bezogen, besonders im partic. präs. winselnd, mit der bedeutung 'kläglich, jämmerlich, weinerlich klingen': uns winselte bei stiller nacht der wittwe trauerton K. Fr. Cramer Neseggab 3, 86; von den seufzern, die hier winseln E. M. Arndt s. w. 5, 312 R.-M.; es umflüstert fürchterlich der todtenklage winseln mich Kretschmann s. w. 1, 55; mit seuffzerreichem ach und winselnden gethön Neukirch Hoffmannswaldau u. and. Deutsch. ged. 1, 148; lange winselnde stimmen weinten aus klüften herauf Zachariä poet. schr. 5, 84; winselndes geschrei neue schauspiele (Preszburg 1771) 8, 7; ein winselndes gestöhn Varnhagen v. Ense tageb. 2, 270; einem ... winselnden bettlerton theater der Deutschen 3, 30. 44) transitiver gebrauch entwickelt sich namentlich von 3 b γ aus, bleibt aber im ganzen selten und ist jung: um die mädchen an der Seine strande winselt er sein falsches ach! Schiller 1, 228 G.; (keine, die) was nicht aus dem herzen kam, aus romanen winselt 4, 10; (einen narren, der) unsinn winselt, führt ich durch den fels Freiligrath ges. dicht. 5, 264; die gewohnheit, ... sich ... das langweiligste ... gewäsch vorlesen, winseln und singen zu lassen Holtei vierzig jahre 1, 26; vgl.etw. herwinseln: wenn man sie nicht [] agieren sähe, ... meinte man, sie sänge nicht, ... sondern winselt alles her Mozart (1770) bei O. Jahn 1, 625.
19744 Zeichen · 447 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    winselnswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    winseln swv. BMZ winseln, gannire Dfg. 257 b . Voc. Schr. 1053. er winslet als ein hunt Apoll. 5511 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Winseln

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Winseln , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit schwacher, ermatteter Stimme weinen und wehklagen. Über etwa…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    winseln

    Goethe-Wörterbuch

    winseln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    winseln

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Wossidia winseln jammernde Laute hervorbringen; zum weinenden Kinde: dat Winselnt lat man, dat lett nich! Sta Stargard@W…

  5. Sprichwörter
    Winseln

    Wander (Sprichwörter)

    Winseln Er winselt, wie eine Seele im Fegefeuer.

  6. Spezial
    winseln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    win|seln vb.intr. 1 (kläglich weinen) pitogné (-gnëia), binzelné (-nëia) 2 cigogné (-gnëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit winseln

24 Bildungen · 0 Erstglied · 21 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von winseln 2 Komponenten

win+s+eln

winseln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

winseln als Zweitglied (21 von 21)

Abwinseln

Campe

Х Abwinseln , v. I) trs. 1) Durch Winseln von einem Andern erlangen. Einem etwas abwinseln. 2) Mit winselnder Stimme etwas mittheilen, vortr…

Auswinseln

Campe

aus·winseln

Auswinseln , v. I) trs. mit Winseln von sich geben. »Zu meinen Füßen soll er sein Leben auswinseln.« Ungen. II) intrs. aufhören zu winseln. …

bewinseln

DWB

bewinseln , was bewimmern. Stieler 2480 ; bewinselten das elend des herren vaters. Butschky kanzl. 859 .

durchwinseln

DWB

durch·winseln

durchwinseln , die zeit mit winseln zubringen. die kranke durchwinselte die nacht. uneigentlich, mit klagelauten durchdringen, erfüllen. ihr…

erwinseln

DWB

erwin·s·eln

erwinseln , ejulando obtinere : in martern sollst du als eine gabe den tod von mir erwinseln. Wieland 18, 267 .

Herauswinseln

Campe

heraus·winseln

◬ Herauswinseln , v. ntr . u. intrs . mit haben , winselnde Töne aus der Tiefe heraufhören lassen, verbreiten. — So winseln dann mit dem sch…

Herwinseln

Campe

herwin·s·eln

Herwinseln , v. trs . (R.) winselnd hersagen. Das Herwinseln. Die Herwinselung .

klagwinseln

DWB

klagwinseln , bemerkenswerte vereinigung von klagen und winseln, vergl. DWB klaggezeter , DWB jammerklage : klagwinseln hört man jedermann. …

Nachwinseln

Campe

nach·winseln

Nachwinseln , v. intrs . 1) Nach eines Beispiele winseln, sein Winseln nachahmen. 2) Hinter her winseln, sein Gewinsel gleichsam nachfolgen …

Pelew-Inseln

Herder

pel·e·winseln

Pelew-Inseln (Piljuh)-, Paloas , austral. Inselgruppe zwischen den Philippinen und Carolinen, von Malayen bewohnt, die in einer Art von Feud…

schwinseln

RhWB

schwin·s·eln

schwinseln -i·n.z- LRip in Schleid , Dür-Stdt , Erk-Bellinghv ; wohl < dinseln u. schwänzeln schw.: 1. in kleinen Schritten tanzend, geziert…

Umwínseln

Campe

Umwínseln , v. trs . ich umwinsele, umwinselt, zu umwinseln , winselnd umgéhen, umgeben, winselnde Töne rund umher verbreiten. D. Umwinseln …

verwinseln

DWB

ver·winseln

verwinseln , v. , erst in neuerer zeit. ungewöhnlich: verwinseln, verwimmern, sopprimere, stordire, suffocare, celare, dissimulare, ... verb…

vorwinseln

DWB

vor·winseln

vorwinseln , vb. , unfeste zusammensetzung mit vor- teil 12, 2, 809, seit dem 18. jh. häufig belegt ( s. Adelung 4 (1780) 1701, Sanders 2, 2…

wehwinseln

PfWB

weh·winseln

weh-winseln schw. : ' klagen, wehleidig sein ', wehwenzele, -wensele (ˈwēˈwęndsələ, -węnsələ) [IB-Ommh Ingb Zweibr (PfId. 150)]. De Matz ran…

Zuwinseln

Campe

Zuwinseln , v. I) trs . winselnd zu erkennen geben. Einem sein Leid zuwinseln . II) intrs . fortfahren zu winseln. S. Campe Zu 2. 2). — D. Z…

Ableitungen von winseln (3 von 3)

bewinseln

DWB

bewinseln , was bewimmern. Stieler 2480 ; bewinselten das elend des herren vaters. Butschky kanzl. 859 .

erwinseln

DWB

erwinseln , ejulando obtinere : in martern sollst du als eine gabe den tod von mir erwinseln. Wieland 18, 267 .

verwinseln

DWB

verwinseln , v. , erst in neuerer zeit. ungewöhnlich: verwinseln, verwimmern, sopprimere, stordire, suffocare, celare, dissimulare, ... verb…