winseln,
vb. ,
mhd. winseln, winslen; l-
ableitung von dem schallwort winsen (
s. u.).
ältere form winselen,
die in neuerer zeit im inf. aus analogiebedürfnis wiederhergestellt werden kann, vgl. winselen Klinger
theater 3, 136, winsəli Schmidt-Petersen
nordfries. 163
b;
für das ahd. ist schon ein *winsilôn
neben dem von J. Grimm
erschlossenen *winisalôn
gramm. 2, 108
anzunehmen, doch ist die bildung erst spätmhd. bezeugt; früh mit synkopierung des ersten oder zweiten e, winslen
und in älterer schreibung wintzlen
besonders obd. wie noch heute, vgl. wintzlet Keisersberg
has im pfeffer (1510) E e 4
d, winslatt
Straszbg. hs. des Apollonius 5511
v. H. v. Neustadt
S., winslet
md. d. 14.
jhs. in: fundgr. 1, 398, winszlen Luther 7, 254
W., winslen Ringwaldt
christl. warn. h 7
a, winslenden Schubart
leben 1, 226
wie mundartl. winsle
n Martin-Lienhart 2, 827, wintzlə Meisinger
Rapp. 232, winslen Fischer
schwäb. 6, 1, 857;
aber winseln Megenberg
buch d. nat. 166, 31
Pf., wynsiln (
voc. v. 1420) Schröer 17
a, wintzelt Scheit
Grob. 2873, wintzeln Grimmelshausen 4, 621
K., winselt Schubart
s. ged. (1787) 201;
schriftsprachlich setzt sich die synkope des zweiten e
seit dem 18.
jh. im allgemeinen durch, nur in der 1.
praes. steht auch heute noch winsle
neben winsele.
als schallwort hat sich winseln
mundartl. vielfach verändert und mit anderen schallwörtern gekreuzt, vgl. wünseln Hans Sachs 8, 146, wünszlen
polit. stockfisch (1681) 185; winscheln Rädlein
europ. spr. (1711) 1, 1064
b;
wimseln, wimslen, wimpseln, wimbseln, wimseren,
sämtlich wohl unter einflusz von wimmern,
namentlich alem. und bair.: wimslen
um hülff schreien Dentzler 353
b; wimsle Seiler
Basler ma. 316; wimsle Hunziker
Aarg. 297; wimsla Tobler
appenz. 449; wims
el
en
von menschen und hunden Martin-Lienhart 2, 827; wimpsln Schmeller-Fr. 2, 1030;
auch literarisch bezeugt, vgl. wimpselten Schaidenraiszer
Odyss. (1537) 68
a; wimseln Hans Sachs 8, 186
K.; wimseren Heyden
Plinius 405; wimbseln Abraham a
s. Clara
Judas 4, 306; wimsle Hebel
w. 1, 140
B.; andere mal. schallwörter gleichen sinnes weichen noch stärker ab, vgl. wuisln, woisln Schmeller-Fr. 2, 1030; woiseln, wuiseln Unger-Khull 637
b; woisln Hügel
Wien. 191
a; weisen Martin-Lienhart 2, 827
a; binselen Kramer
t.-ital. 2, 1355; pinseln Müller-Fraureuth 2, 670; pinsen, pinseln Campe 5, 732; günsen, günseln (
niederdtsch)
zs. f. dt. wortforsch. 12, 13; gunseln (
westf.)
in br. Grimm
kinder- u. hausmärchen 2, 158; günsn Danneil
altmärk. 72.
[] bedeutung und gebrauch. grundbedeutung '
hohe, gezogene, klagende, meist schwache töne ausstoszen'
; in den spätmhd. glossarien für lat. ululare Diefenbach
gl. 625
c,
gannire 257
b, wynsiln
gannire (
voc. v. 1420) Schröer 17
a,
vgl. auch winsen
sp. 417. 11)
in den ältesten belegen vom ausstoszen von hohen und anhaltenden tönen tierischer naturlaute, besonders wie noch heute der hunde; aber auch von anderen tieren in älterer sprache geläufig. 1@aa)
von den wimmernden und jaulenden lauten der hunde, namentlich als ausdruck des schmerzes, der freude oder des begehrens; neutral ohne motivangabe: er winslatt als ain hund Heinrich v. Neustadt
Appollonius 5511,
variante der Straszburger hs. (
Singer); unde winslet alsô ein kleinez hundelîn
krankheits- u. heilmittelkde d. 14.
jhs. in: Hoffmann v. Fallersleben
fundgr. 1, 398; die (
hunde) ballen nicht ..., sunder wimpselten Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 68
a; (
der hund) scharrt, grant und heult und wintzelt sehr K. Scheit
Grobianus 2873
ndr.; (
die hunde) legten sich für seine füsz, belten, schnarchten, winselten süesz Rollenhagen
froschmeuseler (1595) f 2
a; er hat gantz verständig gewintzelt bisz an sein end
F. Callenbach
Wurmatia (1714) 115; bellen und winseln Fontane
ges. w. I 1, 277;
als ausdruck des schmerzes oder unmuts: wenn ain hund beschlossen ist, so wintzlet er Keisersberg
has im pfeffer (1510) E e 4
d; wann ein hund mit einem stein getroffen wird und durchs geschrei und wimbseln sein zuflucht zu euch nimbt Abr. a
s. Clara
Judas 4, 306; winseln und heulen Harsdörfer
gesprächsp. 2, 230;
als ausdruck des begehrens und flehens: einmal doch, da ward es ihm wirklich zu bunt: es knopert am laden, es winselt der hund Mörike
ges. schr. 1, 34; Sultan ... winselte so lange, bis ihn Lene gestreichelt hatte Fontane
ges. w. I 5, 145; das hündchen winselt nach ihnen? Gutzkow
ritter v. geiste 2, 365;
auch als ausdruck der freude: des grafen hund gab keine ruhe, bis ihm die leute folgten, denen er freudig winselnd voransprang Laistner
nebels. 255; während der köter gerührt winselte Seidel
L. Hühnchen 310; mit schweifwedeln und freundlichem winseln O. Ludwig
ges. schr. 2, 550; winseln und schwänzeln Oppermann
hundert jahre 4, 196;
als brunstlaut gefaszt winseln '
läufig sein' (
vom hunde) Frederking
Hahlen 35,
vgl. dazu winsen. 1@bb)
vorwiegend in älterer sprache von den leisen, hohen naturlauten anderer tiere, besonders kleinerer tiere; öfter vom kläglichen schreien der jungen: des adelars hüenl sint in dem nest ân winseln und ân rüefen Konrad v. Megenberg
b. d. natur 166, 31
Pf.; das ferlin neben dem wolff anhin lauffet ... und wintzlet Pauli
schimpf u. ernst 123
Öst.; ich hörete ... ein wintzeln, als wann es junge wölff wären Grimmelshausen
Simplicissimus (1684) 3, 257;
früh und namentlich in den neueren belegen in mischung mit winseln 3 a;
von vögeln: ohne erbarmen würgte der drache die winselnden kleinen (
sperlinge) Herder 3, 69
S.; die bergstorcken (
eine adlerart) ... haben stets hunger und treiben zu aller zeit ein kläglich schreiend wimseren nach der speise v.
d. Heyden
Plinius (1565) 405; ich winselt wie ein kranch und schwalbe
Jes. 38, 14; die stimm heiszer und klein, als die hüner wintzelen Gersdorff
wundarzney (1517) 77
a;
von andern kleinen tieren: winsle nur, du armer hase Tieck
schr. 1, 255; er hatte etwas vom winselnden affen an sich Storm
s. w. 4, 108; katzenartiges winseln Brehm
tierl. 1, 498;
deutlich von der vorstellung '
sich vor schmerz krümmend winseln'
bestimmt: fand aber den Lemelie unter weges ... krum zusammen gezogen liegen und als einen wurm winseln Schnabel
Felsenburg 144
Ullrich; auch von gröszeren tieren in neuerer sprache gelegentlich als poetischer ausdruck der bloszen schallwiedergabe: [] (
der hengst) mit wintzlen überlaut ein dicken dampf ausblasen (
darf), zugleich des kampfs und sigs begihrig und gewisz G. R. Weckherlin
ged. 2, 289
F.; wo kein grausam panterthier, keine crocodillen winseln Henrici
ged. 1, 64;
aber häufiger tritt auch hier von winseln 3 a
β her die vorstellung des durch furcht- oder schmerzempfindungen verursachten schreiens hinzu: ein metzger der fürt ein schwein gebunden auf das schlachthausz. es gat stets vor im anhin zum todt wintzlen und wintzlen G. v. Keisersberg
brösaml. (1517) 1, 61
b; er (
ein hengst) gab (
den schmerz) mit der stimme durch ein winseln zu verstehen Lavater
physiogn. fragm. 3, 67; von ferne bellten hunde her, es winselte der schimmel (
der das bein gebrochen) Overbeck
ged. 158; in gebüschen zur seite hagre tiger für hunger und durst winselten Leisewitz
Jul. v. Tarent 44
ndr.; (
der drache) winselnd wie der schakal heulet Schiller 11, 280
G.; zurückgefallene tiger erschrocken winseln maler Müller
w. (1825) 1, 175;
wie in a
vereinzelt auch als ausdruck schmeichelnden bittens: was winselt und wedelt der zottge gesell Heine
w. 1, 21
E. 22)
auf das ertönen hoher, langgezogener oder anhaltender töne und geräusche übertragen, die nicht von lebenden wesen erzeugt werden; die vorstellung des kläglichen, jämmerlich oder traurig klingenden tones steht meist im vordergrund, daher ist sowohl mit übertragung von winseln 1
wie von 3
aus zu rechnen; von den tönen musikalischer instrumente: ... bald mischt sich ein schnarren in einer sanft winselnden flöte mit ein (
in den gesang der nachtigall) Brockes
ird. vergn. 8, 17; und jede saite winselt ihm leise, leise nach Denis
lieder Sineds 259; ich (
habe) sie öfter auf der violine ... etwas winseln gehört Brunner
erz. u. schr. 1, 216; dumpf winselt vom thurme die rufende glocke Kind
ged. 182;
von naturgeräuschen: gleich wie ein sanffter bach hin winselt durch das gras und theilt den wiesen aus sein angenehmes nasz Morhof
teutsche ged. (1682) 8; horch! wie der wind um die ecke der strasze winselt Tieck
schr. 2, 308; wenn der wind in wildem aufruhr ob der rauchflucht pfeift und winselt Freiligrath
ges. dicht. 6, 146; es seufzten überm haupt mir winselnde winde Herder 27, 157
S.; vom knarren oder krachen des gefrorenen schnees Unger-Khull 636
b. 33)
am ausgebreitetsten ist die anwendung auf leise, wimmernde laute menschlicher wesen. 3@aa)
hauptsächlich vom ausstoszen unartikulierter laute als ausdruck körperlichen oder seelischen schmerzes gebraucht; lustbezogene motivierung ist kaum bezeugt, doch vgl. in älterer sprache: homo ridet, lacht,
arridet, winzelt,
cachinnat, kichert Trochus
voc. rer. prompt. (1517) q 3
b;
wohl vom freudengewinsel der hunde her übertragen: winseln möchte man vor vergnügen Rosegger
sünderglöckel 183. 3@a@aα)
von unartikulierten lauten der kinder; ohne betonung der motivation: sein zartes winseln (
des Jesuskindes) Gryphius
trauersp. 108
Palm; meist als schmerzausdruck: winselnd und wehklagend (
von einem kind)
volksb. v. geh. Siegfried 95
ndr.; der teuffel ... winselte und ächzete gleich einem jungen kind Widmann
Fausts leben 193; das winseln seiner kinder schreckt ihn auf Knigge
umgang 2, 61; die winselnden kinder schluchzten um sie her S. Geszner
schr. 1, 243; wie ein verlornes kind, das in der irre winselt Tieck
schr. 8, 59;
[] mehr nach 3 b
hin: das (
büblein) kunt auch schon die leute zwingen, nicht wie die groszen und starken mit ihren poltern und pochen, sondern mit seinen winseln und heulen Pape
bettel- und garteteuffel (1586) k 8
a. 3@a@bβ)
als ausdruck körperlicher schmerzen: ich hatte die tröpfin überredet, sie würde ohne schmertzen gebären, aber ... da es jetzo an dem war, fienge sie an zu wintzeln wie andere weiber Grimmelshausen 4, 621
K.; des patienten winseln Harsdörfer
secret. 2, 639; da giebts winseln, wo man auff einen bösen zahn fühlt J. Kraus
Krausaldus (1718) 2, 43; dasz sie nicht ganz vergebens unter den händen der wehmutter winseln müssen Meiszner
Alcibiades 2, 90; dasz die entzündung, die sie fühlt, sich durch kein mürrisch winseln kühlt Hagedorn
s. poet. w. (1757) 2, 183; den im lazaret winslenden siechen Schubart
leben 1, 226; er winselt wie eine seele im fegfeuer Wander 5, 268; Iwan winselte in seiner qual Holtei
erz. schr. 1, 205;
mit besonderer betonung des leisen tones: die sclaven dörffen nicht recht weinen oder schreien, wann sie gebrügelt werden, sie winseln nur Kramer
t.-ital. 2, 1355
c; das winseln der sterbenden
theater der Deutschen 15, 470. 3@a@gγ)
als ausdruck seelischen schmerzes, der trauer, der klage u. s. w.: viel herzen winseln laut Chr. Günther
ged. (1735) 819; er (
Christus in Gethsemane) redet nicht, er winselt nur Schubart
s. ged. 1, 196; die stimme des wahren trauerns ist ... mehr ein bloszes winseln als eine ordentliche rede
M. Mendelssohn
ges. schr. 4, 1, 194;
oft in formelhafter paarung mit weinen
und sinnverwandten verben: alles frei erausz schutten mit weinen unnd winszlenn Luther 9, 262
W.; wird auff gehaltn in einer inseln wider sein willn mit wain und winsseln H. Sachs 12, 344
K.-G.; schlägt er (
der eremit) die brust und weint und winselt er Lessing 1, 113
L.-M.; dasz wir vor jamer seuftzen und winseln H. Sachs 12, 65
K.-G.; ein angefochtener rufet, schreiet, seufzet, winselt und helt an im gebet Mathesius 130.
ps. a 4
b; heul und winsel je und je und beweine meinen jammer Neumark
lustwäldchen (1652) 22; ein ganzes jahr seufzen und winseln Laroche
frln. v. Sternheim 1, 310; winseln, weinen und schreien Lessing 6, 379
L.-M.; ein wicht, der gar nichts kann als winseln, ächzen, stöhnen Rückert
ges. poet. w. 8, 483. 3@a@dδ)
in der mehrzahl der fälle wird winseln
ähnlich wie jammern
oder klagen
verwendet und es bleibt dabei meist unsicher, ob nur unartikulierte töne oder in kläglichen lauten ausgestoszene worte gemeint sind; im sinne '
jammern',
oft mit dem motiv der furcht: mein hertz vor angst ward winseln H. Sachs 3, 273
K.; also erschricken, winslen, klagn ... im tunckeln ort all man und fraun Ringwaldt
christl. warn. (1588) h 7
a; sie (
meine seele) winselt stets und ängstet sich Treuer
Dädalus 1, 247; die unschuld winselt und ängstet sich Scriver
and. (1721) 247; der feinde winseln Wieland I 1, 388
ak.-ausg.; des schiffsvolks winseln (
beim sturm) 224; der sclaven winseln Dusch
verm. w. 319; ein banges winseln Geszner
schr. 1, 80; furchtsamen winselns J. v. Müller
s. w. 24, 107;
besonders von frauen: (
es) ward ein jämmerliches winseln von weibern gehört Lohenstein
Arminius 1, 417
b; in tempeln schallt ... das winseln banger frauen wieder Eschenburg
beispielsamml. 4, 295;
[] (
er) schämt sich, ... dasz er wie ein mädchen weinen und winseln müssen Lessing 9, 33
L.-M.; ähnlich im sinne '
klagen'
mit dem motiv des elends, der verzweiflung u. s. w.: vil schreien, seufftzen, wainen, beten, klagen und winszlen zu Christo Luther 7, 254
W.; mein Zion, warum winselst (
klagst) du Schupp
schr. 960; dem christlichen winselenden volcke tröstlich zu sein Chemnitz
schwed. krieg. 2, 371; den gantzen tag winslend on ruo beschwêrt Schede
psalmen 115
ndr.; es ist nicht winselns zeit, glaubt es ist jauchzens werth A. Gryphius
trauersp. 227
Palm; ich liebte mein winselndes vaterland sehr Weichmann
poesie der Niedersachsen 2, 296; hören sie auf zu winseln. ich will heute lustig sein Gellert
s. schr. 3, 287; das winseln der elenden Klinger
w. 3, 120; das winseln deiner greise ruft: erwache! Körner
w. 1, 122
Hempel; das winseln der verlasznen braut ist schmausz für unsre trommelhaut Schiller 1, 130
G.; sie (
die geister) wimsle gar sölli (
sehr) Hebel
w. 1, 40
B.; gern in verbindung mit wehklagen: weheklagen, winseln und greinen Ayrer
dram. 1704
Keller; erbärmlich winseln und wehklagen
theatrum amoris 1, 119; grosz winseln und weheklagen
pers. reisebeschr. 211
Olearius; winselnd und wehklagend, wehklagend und winselnd Göthe 9, 233
W.; bei gegenstandsangabe mit präp. über: über sein wehe winseln Kramer
t.-ital. 2, 1355
c; (
der jammer) darüber sie jitzt winseln Mendelssohn
philos. schr. 1, 123; winselnd über ihr allzu gutes herz Raabe
schüdderump 1, 80;
mit betont pejorativem akzent: tochter ... wir wollen weinen, aber nicht winseln Iffland
theatr. w. 1, 105. 3@bb)
in wimmernden, kläglichen tönen etwas sagen, dessen inhalt meist in articulierter sprache zum ausdruck gebracht wird. 3@b@aα)
im sinne '
flehentlich bitten; flehend weinen, um etw. zu erreichen': dein gewissen wintzlet wider dich, du soltest es nit thuon Pauli
schimpf u. ernst 123
Österley; du schlägst mein winseln aus Gryphius
trauersp. 291
Palm; so gedenk auch, liebes hertz ..., wenn du nacht und tag must winseln, dasz der hochgewünschte tag endlich wird mit freuden kommen Neumark
lustwald (1657) 2, 11; jedoch mein winseln hilfft mich nicht, kein trübes ach kan dich zurücke bringen Neukirch
Hoffmannswaldau u. and. Deutsch. ged. 3, 194;
ähnlich auch: darum winseln auch die geister des abgrunds, aber der im himmel schüttelt das haupt Schiller 2, 185
G.; ein im tiefsten staube kriechendes winseln vor gott Gutzkow
ges. w. 7, 394; er wimmerte nicht: erbarmen! er winselte nicht: gott helf!
gr. Strachwitz
ged. 297; auf marmorböden winselt der bettler, auf tempelstücken Waiblinger
ged. aus Italien 35;
in fester paarung begegnen bitten und winseln Zinzendorf
Jeremias (1741) 16; Viebig
d. schlaf. heer 1, 128;
bei angabe des gegenstandes, der begehrt wird, steht zumeist die präp. nach;
mehr nach 3 a
hin liegend: das er nach euch ... gar kleglich winselt, seufftzt und lechtzet Ayrer
dram. 2066
Keller; der so hoch bedrengten und nach hülffe winselenden stadt ... beizuspringen Chemnitz
schwed. krieg 1, 13; sie ... winselte tag und nacht nach ihrem liebsten A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 54; er winselt ganz erbärmlich nach
[] einem Mus. alm. Bürger
briefe 1, 54
Str.; werft mich in den tiefsten kerker, dasz ich ... nach freiheit winsle Göthe 8, 284
W.; dort winseln millionen seelen nach dir Schiller 3, 455
G.; patienten, die nach dem doktor winselten 2, 95; um
ist ebenfalls häufig: er dacht an den Messiam, der aus Davids samen entspringen solte, darumb winselt er (
Hiskias) Dannhauer
catechism.-milch 2, 66; ich winsle nicht um trost, nicht weibisch um erbarmen Uz
w. 112
ndr.; die nackte waise fleht um brod und winselt um erbarmen J.
M. Miller
ged. 259. 3@b@bβ)
besonders auch mit pejorativem charakter im sinne '
in erniedrigender weise jammernd betteln'
; der zusammenhang mit 1 a
in der vorstellung kriechender, hündischer gesinnung ist hierbei meist deutlich empfunden; nicht vor dem 18.
jh. aufkommend: phänomene winselnder, kriechender demuth Waiblinger
bei Frey 2, 54; der feigherzige, der unter jedem streich des schicksal winselt Lichtenberg
verm. schr. 1, 201; sie sollen winseln unter diesem säbel Grabbe
w. 1, 29
Bl.; o, winseln müszten sie vor mir, die millionär und die hausherrn Nestroy
ges. w. 2, 232; er ... winselte beweglich Laube
ges. schr. 11, 103; winselnd flehen Holtei
erz. schr. 11, 326; (
er) wand sich winselnd zu meinen füszen 2, 47;
mehr im sinne '
schöntun': die mädchen ... liebäugeln und winseln ... jedem zu gefallen Iffland
theatr. w. 2, 14. 3@b@gγ)
die vorstellung unartikulierter laute tritt ganz zurück, wenn der redeinhalt selbst angegeben wird; '
in jammerndem, kläglichem, weinerlichem tone reden': sie winselte, sie wär eine geschlagene frau Bode
Th. Jones 4, 26; zweitausend gulden! winselte er Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 89; ich bin, winselte der fromme herr, zu einer leidenden berufen Holtei
erz. schr. 18, 129;
ähnlich: Schreiber hat mir einen brief geschickt, in dem er gar abscheulich winselt J.
M. Miller
briefw. 1, 92;
dann auch '
weinerlich, weichlich, süszlich, sentimental reden': der Franzose winselt in weibischen tönen Schubart
ästhet. 272; hilf süszlern winseln, weibern radotieren Seume
ged. 130; ein winselndes schmachten Gutzkow
ges. w. 1, 403; in wüthenden oder winselnden romanen Bode
Th. Jones 5, 58; (
romane,) die ... von thränen und winseln überflieszen
allg. dt. bibl. anh. 25-36, 905. 3@cc)
auf die hervorgebrachten laute selbst bezogen, besonders im partic. präs. winselnd,
mit der bedeutung '
kläglich, jämmerlich, weinerlich klingen': uns winselte bei stiller nacht der wittwe trauerton K. Fr. Cramer
Neseggab 3, 86; von den seufzern, die hier winseln E.
M. Arndt
s. w. 5, 312
R.-M.; es umflüstert fürchterlich der todtenklage winseln mich Kretschmann
s. w. 1, 55; mit seuffzerreichem ach und winselnden gethön Neukirch
Hoffmannswaldau u. and. Deutsch. ged. 1, 148; lange winselnde stimmen weinten aus klüften herauf Zachariä
poet. schr. 5, 84; winselndes geschrei
neue schauspiele (
Preszburg 1771) 8, 7; ein winselndes gestöhn Varnhagen v. Ense
tageb. 2, 270; einem ... winselnden bettlerton
theater der Deutschen 3, 30. 44)
transitiver gebrauch entwickelt sich namentlich von 3 b
γ aus, bleibt aber im ganzen selten und ist jung: um die mädchen an der Seine strande winselt er sein falsches ach! Schiller 1, 228
G.; (
keine, die) was nicht aus dem herzen kam, aus romanen winselt 4, 10; (
einen narren, der) unsinn winselt, führt ich durch den fels Freiligrath
ges. dicht. 5, 264; die gewohnheit, ... sich ... das langweiligste ... gewäsch vorlesen, winseln und singen zu lassen Holtei
vierzig jahre 1, 26;
vgl.etw. herwinseln: wenn man sie nicht
[] agieren sähe, ... meinte man, sie sänge nicht, ... sondern winselt alles her Mozart (1770)
bei O. Jahn 1, 625.