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glorie

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glorie f.

Bd. 8, Sp. 193
glorie, f. herkunft und form. lehnwort aus lat. gloria, seit dem 13. jh. mhd. als glôrie, glôrje, vom 15. bis zur mitte des 18. jhs. vorwiegend verkürzt als glori, glory, seither und mit der jüngeren bedeutungsentwicklung 3 in der dreisilbigen form glorie, gelegentlich und besonders im 19. jh. in die lat. form gloria zurückgeführt, die in spezieller bedeutung (s. u. 6, 7) als einzige erscheint. in älterer zeit neben der starken flexion häufig die schwache: sinre glorien Tauler pred. 366 V.; der grozen glorien Hesler apokal. 7387; bis ins 16. jh. hinein: ruom, ere und glorien (acc. sing.) Hutten 1, 392 Böcking; zu seyner glorien Luther 10, 2, 501 W. (neben zu der glori derselbe 10, 3, 131). pluralischer gebrauch auszerhalb der sonderbedeutung 3 a, b sehr selten: zu den glorien Tauler pred. 39 V. bis auf den aus dem meszgesang erwachsenen sondergebrauch das gloria (s. u. 6) begegnet glorie durchweg als fem., nur ganz vereinzelt in willkürlichem geschlechtswandel: den glori Fischer-Tümpel 2, 40; ein glory Immermann 11, 274 B. mundartlich, mit beschränktem bedeutungsbereich (s. u. 5-7), namentlich in den katholischen gebieten des westens und südens als glore, glori, gloria Fischer schwäb. 3, 706; glori schweiz. id. 2, 642; glori Unger-Khull steir. 296a; gloria rhein. wb. 2, 1276. — in begrifflicher anpassung an das überaus häufige gloria der lat. bibel, dessen doppelbedeutung als 'ruhm, ehre' und als 'herrlichkeit', vorzüglich von gott und der himmlischen welt, schon mhd. deutlich hervortritt und für die ganze, auch die auszerreligiöse entwicklung des wortes bestimmend bleibt, wenn auch pathos und starker gefühlsgehalt die begrifflichen grenzen gelegentlich verwischen. im 16. jh. und im kirchenlied des 17. jhs. dem geistlichen wortschatz und formelbestand fest zugehörig, daneben schon sehr früh auch auf profanes gebiet erweitert, gewinnt das wort seit ende des 18. jhs., durchweg auf hoher sprachebene und besonders in der klassischen und romantischen dichtung, von der seit alters vorbereiteten, aber nun betont hervortretenden bedeutung 'glanz' aus neue richtung und starken auftrieb, ist aber seit der mitte des 19. jhs. in stetem rückgang begriffen. bedeutung und gebrauch. 11) ruhm, ehre, lob. 1@aa) namentlich von der ehre, die gott allein zu eigen ist; bis ins späte 17. jh. sehr geläufig, dann nur noch selten. ehre und glorie gottes in fester verbindung: dan alleine der ere und der glorie gottes begeren Tauler pred. 48 V.; o wie wenig haben sy betracht, das die eer und glory allein got zuogehOert Pamph. Gengenbach 208 Gödeke; dieb seynd sie, weil sie gott die ehr und glory ... vermessentlich abstehlen Abr. a s. Clara etwas für alle 2 (1711) 139. häufig im sinne von lobpreisung oder verherrlichung gottes: in der hohsten ierachie si got lob und glorie! sælden hort 1296; dise kranckheit ist nit zuo den tod, sunder für die glori gotts (pro gloria dei) der text des passions und lidens Christi (1513) a 3a; also habt ir die gantz histori vernummen, die zu gottes glori wol dient Hans Sachs 1, 160 K.; altertümelnd: nicht aufs neue ihre ruhe der glorie gottes vorzuziehen Ranke 14, 236. im kirchenlied in formelhafter verkettung: glori, lob, ehr und herrligkeit, preisz, ruhm und danck in ewigkeit Fischer-Tümpel kirchenlied 2, 474; ebda 2, 10. ähnlich von Christus: o herre Jesu Christe ... der do mit sampt got dem vatter und dem heiligen geyst ist ..., gleich ere, gleich glory, gleich maiestat und ein wesen der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 77b; vom sakrament: mensch, dein zung mit gsang soll geben glory diesem sacrament (16. jh.) Ph. Wackernagel kirchenlied 3, 80. 1@bb) auf profanes gebiet erweitert, weltliche ehre, menschlichen ruhm bezeichnend. im frühesten gebrauch häufig noch im widerspiel zu a und mit tadelndem beiklang: alle mynslike glorie, alle tytlike ere, alle wertlike hoghe, gherekent to der ewighen ere, ys ydelheyt unde dorheit imitatio Christi 43 Hagen; das erst (stück der demut) ist, wenn ein mensch verachtet glory, die im erbotten oder nit erbotten würt Geiler v. Keisersberg seelenparadies (1510) 11b. ohne nebenton, im 15. und 16. jh. in verbindungen wie ehre und glorie u. ähnl. sehr geläufig: ain klaine er und glori sy mit aim solchen hand peiagt, daz sy den ait hand auffgesagt Michel Beheim buch v. d. Wienern 45 K.; aber er ward pald verfürt durch rat der Römer und vermailigt sein glori und er V. Arnpeck s. chron. 575 Leidinger; haben sy (die römischen dichter) der Griechen ziere und glori nicht mOegen vergleycht werden J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 41b. auf ein land, eine gemeinschaft bezogen (s. auch u. 4 a). im folgenden beleg wohl noch vom religiösen her: die hoch der ziborie ist in den luften wagende dem lande uberal zu glorie jüng. Titurel 6123 Hahn; für ein glori und eer des tütschen lands Murner an d. adel 56 ndr.; den gesipten freunden soll man die ersten ... eer beweisen, so sy des notürftig sein zu ewiger gedechtnusz und glory des geslechts Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) c 1b. vom ruhm fürstlicher häuser und personen (s. glorreich 2 a, glorwürdig 2 a): so ist der weitten welt bekant, dasz ewer glory unvermehrlich (auf Elisabeth v. Hessen) Weckherlin 2, 244 lit. ver.; formelhaft im kanzleistil: die siegeszeichen der von ihrer kayserlichen und catholischen majestät ... angeerbten höchsten glori Heräus ged. u. inschriften (1721) 103; zur glori und hoheit des durchlauchtigsten erzhauses Österreich id. sles. (1787) 46. in früher personifizierung: bi im hielt diu glorie, sin sweher knc Agrant Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 8318 R. 22) im sinne von herrlichkeit, strahlender machtfülle. im religiösen bereich, zur kennzeichnung göttlicher wesenheit und himmlischen glanzes. 2@aa) seit alters und bis in die junge sprache hinein von der herrlichkeit gottes: daz her der ansicht sich sal saten der grozen glorien mines vater (gottes) Heinrich v. Hesler apokal. 7387 Helm; urteil mich, so du kumpt in diner krafft und in diner glori Stephan Fridolin dtsche pred. 39 Schmidt; also habt ir die gantz histori ein spiegel der götlichen glori Hans Sachs 1, 131 K.; der allmächtigste ..., dessen groszmächtige, unauszsprechliche glory, herrlichkeit und allerheiligste vollkommenheit weder der engeln noch menschen verstand begreiffen mag Grimmelshausen 2, 688 Keller; in jüngerem gebrauch nicht ohne einflusz von 3 a (s. u.): um gottes eigne glorie zu schweben vermag die kunst allein und darf es wagen Platen 1, 163 R. gern von der strahlenden lichterscheinung gottes: dar über ist denne ein ungeschaffen liecht: das heisset man das liecht der glorien. das ist ein gOetlich liecht und das ist got selber Tauler pred. 329 Vetter; seht, wie von seinem angesicht die glorie der gottheit strahlt Ramler lyr. ged. (1772) 365; ein majestätisches dunkel, durchbrochen von einzelnen lichtfluthen göttlicher glorie, und rings von heerschaaren umschwebt J. J. Engel schr. (1801) 2, 282; und königliche gloria im faltenwurfe siehst du da, und kron und zepter schwerer art und angesicht mit rauschebart (schnitzwerk an einem hochaltar) J. Weinheber o mensch, gib acht (1937) 87. 2@bb) als zustand himmlischer verklärung und verwandlung. von Christus: nu sagt, muoste nit liden Crist daz von im gescriben ist, und so gant (infinitiv) in sin glorje? sœlden hort 10001; Christus der herr must liden und also eingon in sin glory Geiler v. Keisersberg seelenparadies (1510) 26b; weil du (Christus) den segen wiederbracht, mit majestät und groszer macht zur glory bist erhoben Fischer-Tümpel kirchenlied 4, 301. namentlich vom ewigen leben der frommen im paradiese: von den die do sint in dem standt der glori in dem ewigen leben Hans Folz meisterlieder 391 M.; als dann wirts sein ein reych der glorien und volkomenen seligkeit Luther 15, 725 W.; wolte ich mich biegen gegen gott, darmit ich ... wuoste, dasz ich nach meinem absterben die ewige frewde, glori und herrligkeit erlangte volksb. v. dr. Faust 41 Petsch; ich gott ... anruffe, dasz derselbe ... alle dessen gesegnete arbeit ... zu dessen ewiger glorie und seligkeit ... dirigiren wolle Chr. Weise polit. redner (1677) 257; erstere jubiliren in der glorie des paradieses und letztere flackern ... im schwefelpfuhle des höllenreichs Matthisson schr. (1825) 4, 179; die glorie des himmels und die schrecknisse der hölle Fontane I 2, 341. 2@cc) seltener und dann meist im religiösen blickfeld von irdischer macht und herrlichkeit: des habend wir ein byschafft schon by der glori her Salamon und by der künigin von Saba Konrad v. Helmsdorf spiegel d. menschl. heils 3892; ob wol all sein (Salomos) schmuck und gloria nichts zu achten war gegen einem feld- oder wisenblmblein (Mt. 6, 29) Mathesius Sarepta (1571) 22a; anno 1679 ... stunde obberührte stadt (Wien) in höchster glori Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 10; wir aber konnten uns nicht satt sehen am anblick seiner königlichen kraft und milde, und die gloria seines reiches war in unseren herzen (bei der krönung Ottos I.) G. Bäumer Adelheid (1936) 48. 33) glanz, heiligenschein, strahlenkranz. in einer durch die religiöse bildkunst bestärkten versinnlichung der bedeutung 2, seit dem 18. jh. und von bestimmendem einflusz fast auf den ganzen neueren gebrauch des wortes, der die bedeutungen 1 und 2 mehr und mehr zurücktreten läszt. 3@aa) von dem strahlenden lichtkranz, der göttliche gestalten, himmlische symbole und verklärte heilige umgibt: gleich aber nach dem tod erscheint sie (eine herzogin von Brabant) der heiligen jungfrau Luidgarde in groszer glori und glanz Abr. a s. Clara 2, 367 Strigl; in einer glorie gleitet sie (Minerva) durch die luft, und schüttelt flammen aus ihrem strahlenden haare Dusch verm. w. (1754) 200. seit dem späten 18. jh. in der bildenden kunst: der triangel (ist) blos eine tropische symbole: die glorie mit dem heiligen namen nichts als eine epistolische hieroglyphe (in der bildlichen darstellung der dreifaltigkeit) Herder 3, 398 S.; in den einfassungen oder rahmen ... hat sich der künstler beflissen, mancherlei allegorische zeichnungen anzubringen, glorien und kreuze Göthe 49, 41 W.; ein kelch mit der hostie in einer glorie oben darüber Fr. Schlegel s. w. (1846) 6, 117; insbesondere 'heiligenschein', vgl. glorie l'auréole, nimbe, couronne de rayons, cercle de lumiere que les peintres mettent autour de la tête des images des saints Schwan nouv. dict. (1783) 770a; Otte archäol. wb. (1877) 88: in Rembrandts trefflicher radirung ... ist die glorie, welche gewöhnlich des herrn haupt umgibt, in die vorwärts wirkende hand gleichsam gefahren Göthe 48, 212 W.; december (schwarzes kleid, ein weiszer schleier, eine dornenkrone drauf und ein engelchen mit gloria) Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 599; eine heilige, eine madonna ... in lichter glorie neigtest du lächelnd dein liebliches haupt mod. dichterchar. (1885) 22. häufig in dichterischem vergleich: in einem licht, das zauberisch von oben wie eine glorie auf sie herunterströmt Wieland (1794) 23, 261; seine stirn und seine hohe scheitel ... erschienen, von dem lichte auf dem tische angestrahlt, wie in einer glorie O. Ludwig ges. schr. 1, 263 E. Schmidt; um dein so ernstes angesicht wie glorie schien das bleiche licht der schwarzumflorten trauerkerzen H. Lingg ged. (1864) 1, 76; bildlich: pflanzt ... dem märtyrer, der als ein dieb und thor stirbt, eine glorie um sein haupt Herder 23, 384 S.; ich will nur noch die heiligen rächen, ich will die glorie um eine gleisznerstirn auslöschen Hebbel w. 2, 189 Werner; was wunder, wenn man ... seinen kampf mit den heiden ... in das licht eines kreuzkriegs, ihn selbst in die glorie eines gotteskämpfers ... stellte Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 232. von der verklärung irdischer gestalt durch die kunst: mit einer glorie hat sie (die dichtkunst) dich umgeben Schiller 11, 336 G.; mit mannigfaltgem geist verherrlicht er (Tasso) ein einzig bild in allen seinen reimen. bald hebt er es in lichter glorie zum sternenhimmel auf Göthe 10, 112 W. (Tasso I, 1). 3@bb) in der malerei auch die darstellung des offenen himmels mit gott, den engeln und heiligen, s. Jacobsson (1793) 5, 703a; Müller-Mothes ill. baulex. 1, 471b: hoch oben an der decke (der kirche) war des himmels glorie gemalet Uhland ged. (1898) 1, 315; ähnlich als theatertechnischer ausdruck: glorie 'in komödien und andern schauspielen der erhabene und illuminierte ort, wo ein offener himmel mit den heidnischen gottheiten vorgestellt wird' Jacobsson (1793) 5, 703a; er (der poet) musz wissen, was für glorien und göttermaschinen, für luft- und flugwagen vorhanden Barth. Feind dtsche ged. (1708) 88. 3@cc) von a aus in gehobener sprache erweitert auf den glanz und abglanz der sonne, der gestirne, der morgen- und abendröte: dort steht am himmel die zurückgeworfene glorie der sonne Herder 22, 50 S.; wie alles unter der sonne erwacht, eine herrliche glorie dort unten maler Müller (1811) 1, 186; der abendstern (trat) in voller glorie über den wald herüber Novalis 4, 227 Minor; nun, morgenlohe, hülle in glorie dein reich Eichendorff (1864) 1, 393; das freie land ..., über das der sommerabend in seiner goldenen glorie niedersank W. Weigand die gärten gottes (1930) 103. speziell vom strahlenkranz der sonne: ich (mensch) tausch um allen deinen glanz, um deine glorie, du grosze sonne! nicht einen strahl aus meinem kranz R. Z. Becker mildheimisches liederb. (1799) 3; bald war die glorie um das gestirn des tages verzehrt und nur als eine matte, glänzende scheibe stand es noch da Novalis 4, 201 Minor; mit dem gebrauch a gekreuzt: die, eine glorie von Orionen ums angesicht, in hehrer majestät, ... verzehrend über sternen geht, ... die furchtbar herrliche Urania Schiller 1, 178 G.; oft im stillen tannenhaine webe dir ums angesicht seine zauberische, reine glorie das abendlicht Hölderlin 1, 142 Litzmann. 44) stärker abstrahiert und allgemeiner. fast durchweg in mehr oder minder fühlbarer anlehnung an 3, in der hochsprache namentlich vom späten 18. bis über die mitte des 19. jhs. hinaus auszerhalb der religiösen sphäre vielfältig gewendet. 4@aa) in der alten bedeutung 'ruhm' (s. o. 1), aber nur in weltlichem sinne und unter spürbarem einflusz der jüngeren gebrauchssphäre 3: aus welchen höhlen hört mich die welt des göttlichen Cäsars unvergängliche glorie unter die sterne tragen Ramler einleitung in d. schön. wissensch. (1758) 3, 46; die glorie des siegers in drei welttheilen Mommsen m. gesch. (1854) 3, 367. gern auf die geschichte eines volkes und landes bezogen (s. glorreich 2 b β, glorwürdig 2 b): sobald wir diesen sieg ... errungen haben, bricht der tag unserer glorie wieder an E. M. Arndt schr. f. und an s. l. Dtsch. (1845) 1, 422; da beginnt die deutsche glorie Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 2, 40; wollt ihr die nimmer verletzte über vergänglicher not, fahne von Deutschland hissen ewig in gloria? R. A. Schröder ged. (1935) 180. in diesem zusammenhang besonders von ruhmvoller vergangenheit: Dänemarks alte glorie ward der raub einer frevelhaften that H. Steffens was ich erlebte (1842) 5, 295; so vergesse, auch im wütendsten aufstande, niemand der glorie alter zeiten Herder 18, 320 S.; personifiziert: Toskana, die alte glorie von Welschland, liegt da in schmutz und trauerkleidern Heinse 4, 62 Sch. 4@bb) als umschreibung für hoheit, glanz, vollkommenheit: ich bin nicht würdig, den entweihten blick zu ihrer glorie empor zu richten Schiller 5, 2, 379 G. (don Carlos IV 19); der eminente geist des Julius Roman zeigt sich auch hier in seiner glorie Göthe 49, 138 W.; die volle glorie sinnlicher und geistiger cultur J. v. Müller (1810) 10, 324; aber noch verschönert seine melodien eine gewisse glorie, die unter jeder beschreibung verliert Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 214. im sinne von nimbus: die glorie ..., die diesen stand (den mönchischen) umgiebt Zimmermann über die einsamkeit (1784) 1, 121; (sie) hätte der tugend ganze glorie zu kosten und doch zugleich des lasters heimliche entzückungen zu naschen sich erdreistet? Schiller 5, 1, 129 G. als superlativische umschreibung, ein höchstes masz bezeichnend, vereinzelt schon mhd.: aller triwen glorie Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 12784 R.; dasz Arthur ... sich selbst der glorie (der vollkommenheit) verhältnismäszig mehr und mehr nähere Gerstenberg br. über merkwürdigkeiten der litteratur 30 lit.-denkm. 4@cc) nicht selten in leichtem spott oder ironisch und satirisch: nicht den tageshelden, für deren glorie ward ich taub und blind und lahm Cl. Brentano ges. schr. (1852) 4, 358; die ganze wirkliche geheime glorie, welche zuletzt mich und meine familie (bei schneller beförderung) umstrahlen würde Bismarck br. an s. braut u. gattin 29. formelhaft in seiner glorie: als ich (der wirkliche Spiegelberg) ... den pseudo-Spiegelberg in seiner glorie da (am galgen) paradieren sah Schiller 2, 79 G.; ich hoffte den herrn Ewson (einen englischen sonderling) in seiner glorie zu sehen E. T. A. Hoffmann 2, 133 Gr.; hierhin auch redensartliche formeln wie glanz und glorie, mit glanz und gloria: diese dame aber sasz da, voll glanz und glorie (d. i. aufgeblasen, selbstgefällig) W. Hauff (1890) 2, 76; mit glanz und gloria, dachte sie, würde der vater kommen, und alle würde er reich und glücklich machen, und nun ist er tot K. H. Waggerl mütter (1935) 252; in der neueren umgamgssprache als ironische verstärkungsformel, vgl. z. b. er ist mit glanz und gloria hereingefallen; s. auch rhein. wb. 2, 1277. 55) als 'freude, hochgefühl, triumph', schon früh aus dem seit alters naheliegenden nebensinn des triumphalen entwickelt: do sy (die schiffe) zusamen wurden pracht, si furen hin in gloria ... si furen hin mit freuden pracht den selben tag und di nacht Heinrich v. Neustadt Apollonius v. Tyrland 5368; do hattent die von Zürich und von Raperswyl do vil früntschaft zesamen, und fuorent uf und ab zesamen und hatten einandren rate, und was ein grosze glorie und ein grosze fröde (15. jh.) Hans Fründ chronik 112 Kind. häufiger in jüngerem gebrauch: ich muszte eine gewisse theure person in banger ahndung zurüklassen, eine person, die die glorie dieser nacht mit mir theilen wird (sagt Fiesco nach seinem siege) Schiller 3, 149 G.; mutterkind, zage nicht! nahe schon winkt das licht. harre nur muthig aus, wird noch ein glory draus (ein triumphaler sieg) Immermann 11, 274 Boxb. (gedicht 'Katzbach'). meist derberer oder ironisierender sprechweise zuneigend: kollegen soll man nie vergessen, am allerwenigsten in der gloria (d. i. wenns einem gut geht) Körner w. 7, 99 Hempel; nichts konnte ihm willkommener sein als solch herrlicher einfall, und freudig genehmigte er denselben. er wurde schnell für die reise ausgerüstet und mit wechseln versehen, und er fuhr in höchster gloria davon G. Keller (1889) 5, 89. vergröbert in mundarten des westens und südwestens: gloria 'strahlende freude, vergnügen'; he kom en ene gloria hem rhein. wb. 2, 1277; glori 'jubel, frohlocken, laute freude' Unger-Khull steir. 296; ebenso schweiz. id. 2, 642; haud si it a gloria und a dudeldum bei Fischer schwäb. 3, 706; als verschränkung von in gloria und in floribus: alles lebt in gloribus unds hemd hangt bei der hose dusz ebda; in gloribus sein 'in saus und braus leben' schweiz. id. 2, 642; vgl. auch glori, m., 'einer der sich recht freudig geberdet' ebda. 66) für den lobgesang in der messe ('gloria in excelsis deo'), in der lat. form gloria und stets als n.: ein engel singt das gloria Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österreich 383; Fischer schwäb. 3, 706; in dichterischer übertragung für religiösen preisgesang: möcht ich einst mit lautem schalle ... ein erhabnes gloria dir und allen heilgen weihen Wackenroder herzensergieszungen (1797) 250. in katholischen gegeden redensartlich: einem das gloria (an)blasen 'die meinung sagen' Fischer schwäb. 3, 706; als umschreibung für prahlerei: das klingt mehr nach gloria als nach kredo Rother d. schlesischen sprichw. 247. 77) von 5 und 6 her in lautspielerischen formeln und ausrufen. als liedkehrreim: gling, glang, gloria Uhland volksld. 576; gloria, gloria, gloria victoria. mit herz und hand fürs vaterland im weltkrieg 1914-18. variiert in schlemmerliedern (s. kling 3 teil 5, sp. 1171): so leben wir da in glimper gloria und singen unsers herren Mertens gaudia (1621) ebda 573; so leben wir in glimper gloria Hoffmann v. Fallersleben gesellschaftslieder 182; im sprichwort (s. oben glim und glam): glim, glam, gloriam der esel hat ein chorrock an Petri weiszheit (1604) 2, F f 6a; im kinderspiel: kling klang gloria Mensing schlesw.-holstein. 2, 397.
20714 Zeichen · 408 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    glôrief.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    + glôrie , glôrye , f. , Ruhm, Ehre; bes. die himmlische Ehre und Herrlichkeit, de hēmelsche gl., de g. des hêren; ruhmv…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glōrie

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Glōrie , (dreysylbig,) plur. inus. ein aus dem Latein Gloria entlehntes Wort, die Herrlichkeit, den höchsten Grad de…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Glorie

    Goethe-Wörterbuch

    Glorie a Strahlenkranz, Gloriole einer himmlischen, göttlichen Gestalt, vereinzelt der Heiligenschein; einmal (in Regieb…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Glorie

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Glorie , der Heiligenschein, der lichte Ring, der auf Abbildungen hl. Personen die Häupter, manchmal auch die ganze Gest…

  5. modern
    Dialekt
    Glorie

    Schweizerisches Idiotikon

    Glorie Band 2, Spalte 642 Glorie 2,642

  6. Spezial
    glorié

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    glorié [se ~] vb.refl. (se gloriëia) sich rühmen, sich brüsten.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glorie

20 Bildungen · 19 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von glorie 2 Komponenten

glo+rie

glorie setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

glorie‑ als Erstglied (19 von 19)

glorienbild

DWB

glorien·bild

glorienbild , n. : der künstler hatte sich ( bei einem lebenden bild der weihnachtlichen krippenszene ) vorgenommen, das erste nacht- und ni…

glorienbogen

DWB

glorien·bogen

glorienbogen , m. : darüber erscheint nun Christus mit Maria und Johannes zur seite, über diesen gott vater auf dem glorienbogen Fr. Th. Vis…

gloriengesicht

DWB

glorien·gesicht

gloriengesicht , n. : die sonne ( ist dargestellt ) mit einem gloriengesichte Jul. Mosen s. w. (1863) 7, 244 . —

gloriengestalt

DWB

glorien·gestalt

gloriengestalt , f. : Bertha ... habe sich ihm angezeigt, von der gloriengestalt umleuchtet, darin sie zu einem herrlichen engel geworden se…

glorienglanz

DWB

glorien·glanz

glorienglanz , m. : sein ( des himmels ) leuchten will die erde zieren, wie glorienglanz ein heilgenbild Freiligrath ges. dichtungen (1870) …

glorienlauf

DWB

glorien·lauf

glorienlauf , m. : diese schöne sonne ... ( sollte ) mitten in ihrem glorienlauf versinken? maler Müller (1811) 2, 133 . —

glorienlicht

DWB

glorien·licht

glorienlicht , n. : eine der höchsten heldengestalten, um welche Calderon das glorienlicht seiner dichtung funkeln liesz J. Bayer liter. ski…

glorienreich

DWB

glorien·reich

glorienreich , n. ( s. auch glorireich): um dieses frappant katholische glorienreich Goethes steht es doch wohl nicht anders als um all die …

glorienschein

DWB

glorien·schein

glorienschein , m. , seit der mitte des 19. jhs., zu glorie 3 und 4. ' heiligenschein ': so einer ... noch geschunden und gebraten sein will…

gloriensonne

DWB

glorien·sonne

gloriensonne , f. : dir, jungfrau, du madonne der berge, meinen grusz! das haupt in gloriensonne, in nebelduft den fusz Fr. Dingelstedt s. w…

glorienstrahl

DWB

glorien·strahl

glorienstrahl , m. : die zeit prägt jedem ihrer erzeugnisse ihr monogramm auf, im schlimmen fall als stigma, im guten als glorienstral Hebbe…

glôriere

BMZ

glori·ere

glôriere swv. glorior. glôrierende in der gewalt gotis myst. 1,138,17. 20.

glorieren

FWB

1. ›etw. / jn. (auch: sich) preisen, ehren‹; 2. ›in seinem Ruhm glänzen, strahlen, erstrahlen, prangen; sich auszeichnen, herausragen; einen…

gloriereⁿ

Idiotikon

gloriereⁿ Band 2, Spalte 642 gloriereⁿ 2,642

Gloriett

ElsWB

glori·ett

Gloriett , Gloriettle [Klòriet Felleri. ; Klòrietlə Hattst. Logelnh. ; Klòriètl Rapp. Str. ] n. Gartenhäuschen bes. auf Erhöhungen. — frz. g…

gloriette

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glori·ette

gloriette , f. , gartenhäuschen, laube auf erhöhtem platz; vgl. mlat. glorieta ( du Cange 4, 80 b ), frz. gloriette: der letzte dieser bäume…

glorievoll

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glorie·voll

glorievoll , adj. , gelegentlich im 18. jh. wie glorreich 1, religiös: die glorievolle krohn und scepter, die ihr unverdrossen sucht, lign .…

glorie als Zweitglied (1 von 1)