glorie,
f. herkunft und form. lehnwort aus lat. gloria,
seit dem 13.
jh. mhd. als glôrie, glôrje,
vom 15.
bis zur mitte des 18.
jhs. vorwiegend verkürzt als glori, glory,
seither und mit der jüngeren bedeutungsentwicklung 3
in der dreisilbigen form glorie,
gelegentlich und besonders im 19.
jh. in die lat. form gloria
zurückgeführt, die in spezieller bedeutung (
s. u. 6, 7)
als einzige erscheint. in älterer zeit neben der starken flexion häufig die schwache: sinre glorien Tauler
pred. 366
V.; der grozen glorien Hesler
apokal. 7387;
bis ins 16.
jh. hinein: ruom, ere und glorien (
acc. sing.) Hutten 1, 392
Böcking; zu seyner glorien Luther 10, 2, 501
W. (
neben zu der glori
derselbe 10, 3, 131).
pluralischer gebrauch auszerhalb der sonderbedeutung 3 a, b
sehr selten: zu den glorien Tauler
pred. 39
V. bis auf den aus dem meszgesang erwachsenen sondergebrauch das gloria (
s. u. 6)
begegnet glorie
durchweg als fem., nur ganz vereinzelt in willkürlichem geschlechtswandel: den glori Fischer-Tümpel 2, 40; ein glory Immermann 11, 274
B. mundartlich, mit beschränktem bedeutungsbereich (
s. u. 5-7),
namentlich in den katholischen gebieten des westens und südens als glore, glori, gloria Fischer
schwäb. 3, 706; glori
schweiz. id. 2, 642; glori Unger-Khull
steir. 296
a; gloria
rhein. wb. 2, 1276. —
in begrifflicher anpassung an das überaus häufige gloria
der lat. bibel, dessen doppelbedeutung als '
ruhm, ehre'
und als '
herrlichkeit',
vorzüglich von gott und der himmlischen welt, schon mhd. deutlich hervortritt und für die ganze, auch die auszerreligiöse entwicklung des wortes bestimmend bleibt, wenn auch pathos und starker gefühlsgehalt die begrifflichen grenzen gelegentlich verwischen. im 16.
jh. und im kirchenlied des 17.
jhs. dem geistlichen wortschatz und formelbestand fest zugehörig, daneben schon sehr früh auch auf profanes gebiet erweitert, gewinnt das wort seit ende des 18.
jhs., durchweg auf hoher sprachebene und besonders in der klassischen und romantischen dichtung, von der seit alters vorbereiteten, aber nun betont hervortretenden bedeutung '
glanz'
aus neue richtung und starken auftrieb, ist aber seit der mitte des 19.
jhs. in stetem rückgang begriffen. bedeutung und gebrauch. 11)
ruhm, ehre, lob. 1@aa)
namentlich von der ehre, die gott allein zu eigen ist; bis ins späte 17.
jh. sehr geläufig, dann nur noch selten. ehre und glorie
gottes in fester verbindung: dan alleine der ere und der glorie gottes begeren Tauler
pred. 48
V.; o wie wenig haben sy betracht, das die eer und glory allein got zuogehOert Pamph. Gengenbach 208
Gödeke; dieb seynd sie, weil sie gott die ehr und glory ... vermessentlich abstehlen Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 139.
häufig im sinne von lobpreisung oder verherrlichung gottes: in der hohsten ierachie si got lob und glorie!
sælden hort 1296; dise kranckheit ist nit zuo den tod, sunder für die glori gotts (
pro gloria dei)
der text des passions und lidens Christi (1513) a 3
a; also habt ir die gantz histori vernummen, die zu gottes glori wol dient Hans Sachs 1, 160
K.; altertümelnd: nicht aufs neue ihre ruhe der glorie gottes vorzuziehen Ranke 14, 236.
im kirchenlied in formelhafter verkettung: glori, lob, ehr und herrligkeit, preisz, ruhm und danck in ewigkeit Fischer-Tümpel
kirchenlied 2, 474;
ebda 2, 10.
ähnlich von Christus: o herre Jesu Christe ... der do mit sampt got dem vatter und dem heiligen geyst ist ..., gleich ere, gleich glory, gleich maiestat und ein wesen
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 77
b;
vom sakrament: mensch, dein zung mit gsang soll geben glory diesem sacrament (16.
jh.) Ph. Wackernagel
kirchenlied 3, 80. 1@bb)
auf profanes gebiet erweitert, weltliche ehre, menschlichen ruhm bezeichnend. im frühesten gebrauch häufig noch im widerspiel zu a
und mit tadelndem beiklang: alle mynslike glorie, alle tytlike ere, alle wertlike hoghe, gherekent to der ewighen ere, ys ydelheyt unde dorheit
imitatio Christi 43
Hagen; das erst (
stück der demut) ist, wenn ein mensch verachtet glory, die im erbotten oder nit erbotten würt Geiler v. Keisersberg
seelenparadies (1510) 11
b.
ohne nebenton, im 15.
und 16.
jh. in verbindungen wie ehre und glorie
u. ähnl. sehr geläufig: ain klaine er und glori sy mit aim solchen hand peiagt, daz sy den ait hand auffgesagt Michel Beheim
buch v. d. Wienern 45
K.; aber er ward pald verfürt durch rat der Römer und vermailigt sein glori und er
V. Arnpeck
s. chron. 575
Leidinger; haben sy (
die römischen dichter) der Griechen ziere und glori nicht mOegen vergleycht werden J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 41
b.
auf ein land, eine gemeinschaft bezogen (
s. auch u. 4 a).
im folgenden beleg wohl noch vom religiösen her: die hoch der ziborie ist in den luften wagende dem lande uberal zu glorie
jüng. Titurel 6123
Hahn; für ein glori und eer des tütschen lands Murner
an d. adel 56
ndr.; den gesipten freunden soll man die ersten ... eer beweisen, so sy des notürftig sein zu ewiger gedechtnusz und glory des geslechts Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) c 1
b.
vom ruhm fürstlicher häuser und personen (
s. glorreich 2 a, glorwürdig 2 a): so ist der weitten welt bekant, dasz ewer glory unvermehrlich (
auf Elisabeth v. Hessen) Weckherlin 2, 244
lit. ver.; formelhaft im kanzleistil: die siegeszeichen der von ihrer kayserlichen und catholischen majestät ... angeerbten höchsten glori Heräus
ged. u. inschriften (1721) 103; zur glori und hoheit des durchlauchtigsten erzhauses Österreich
id. sles. (1787) 46.
in früher personifizierung: bi im hielt diu glorie, sin sweher knc Agrant Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 8318
R. 22)
im sinne von herrlichkeit, strahlender machtfülle. im religiösen bereich, zur kennzeichnung göttlicher wesenheit und himmlischen glanzes. 2@aa)
seit alters und bis in die junge sprache hinein von der herrlichkeit gottes: daz her der ansicht sich sal saten der grozen glorien mines vater (
gottes) Heinrich v. Hesler
apokal. 7387
Helm; urteil mich, so du kumpt in diner krafft und in diner glori Stephan Fridolin
dtsche pred. 39
Schmidt; also habt ir die gantz histori ein spiegel der götlichen glori Hans Sachs 1, 131
K.; der allmächtigste ..., dessen groszmächtige, unauszsprechliche glory, herrlichkeit und allerheiligste vollkommenheit weder der engeln noch menschen verstand begreiffen mag Grimmelshausen 2, 688
Keller; in jüngerem gebrauch nicht ohne einflusz von 3 a (
s. u.): um gottes eigne glorie zu schweben vermag die kunst allein und darf es wagen Platen 1, 163
R. gern von der strahlenden lichterscheinung gottes: dar über ist denne ein ungeschaffen liecht: das heisset man das liecht der glorien. das ist ein gOetlich liecht und das ist got selber Tauler
pred. 329
Vetter; seht, wie von seinem angesicht die glorie der gottheit strahlt Ramler
lyr. ged. (1772) 365; ein majestätisches dunkel, durchbrochen von einzelnen lichtfluthen göttlicher glorie, und rings von heerschaaren umschwebt J. J. Engel
schr. (1801) 2, 282; und königliche gloria im faltenwurfe siehst du da, und kron und zepter schwerer art und angesicht mit rauschebart (
schnitzwerk an einem hochaltar) J. Weinheber
o mensch, gib acht (1937) 87. 2@bb)
als zustand himmlischer verklärung und verwandlung. von Christus: nu sagt, muoste nit liden Crist daz von im gescriben ist, und so gant (
infinitiv) in sin glorje?
sœlden hort 10001; Christus der herr must liden und also eingon in sin glory Geiler v. Keisersberg
seelenparadies (1510) 26
b; weil du (
Christus) den segen wiederbracht, mit majestät und groszer macht zur glory bist erhoben Fischer-Tümpel
kirchenlied 4, 301.
namentlich vom ewigen leben der frommen im paradiese: von den die do sint in dem standt der glori in dem ewigen leben Hans Folz
meisterlieder 391
M.; als dann wirts sein ein reych der glorien und volkomenen seligkeit Luther 15, 725
W.; wolte ich mich biegen gegen gott, darmit ich ... wuoste, dasz ich nach meinem absterben die ewige frewde, glori und herrligkeit erlangte
volksb. v. dr. Faust 41
Petsch; ich gott ... anruffe, dasz derselbe ... alle dessen gesegnete arbeit ... zu dessen ewiger glorie und seligkeit ... dirigiren wolle Chr. Weise
polit. redner (1677) 257; erstere jubiliren in der glorie des paradieses und letztere flackern ... im schwefelpfuhle des höllenreichs Matthisson
schr. (1825) 4, 179; die glorie des himmels und die schrecknisse der hölle Fontane I 2, 341. 2@cc)
seltener und dann meist im religiösen blickfeld von irdischer macht und herrlichkeit: des habend wir ein byschafft schon by der glori her Salamon und by der künigin von Saba Konrad v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 3892; ob wol all sein (
Salomos) schmuck und gloria nichts zu achten war gegen einem feld- oder wisenblmblein (
Mt. 6, 29) Mathesius
Sarepta (1571) 22
a; anno 1679 ... stunde obberührte stadt (
Wien) in höchster glori Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 10; wir aber konnten uns nicht satt sehen am anblick seiner königlichen kraft und milde, und die gloria seines reiches war in unseren herzen (
bei der krönung Ottos I.) G. Bäumer
Adelheid (1936) 48. 33)
glanz, heiligenschein, strahlenkranz. in einer durch die religiöse bildkunst bestärkten versinnlichung der bedeutung 2,
seit dem 18.
jh. und von bestimmendem einflusz fast auf den ganzen neueren gebrauch des wortes, der die bedeutungen 1
und 2
mehr und mehr zurücktreten läszt. 3@aa)
von dem strahlenden lichtkranz, der göttliche gestalten, himmlische symbole und verklärte heilige umgibt: gleich aber nach dem tod erscheint sie (
eine herzogin von Brabant) der heiligen jungfrau Luidgarde in groszer glori und glanz Abr. a
s. Clara 2, 367
Strigl; in einer glorie gleitet sie (
Minerva) durch die luft, und schüttelt flammen aus ihrem strahlenden haare Dusch
verm. w. (1754) 200.
seit dem späten 18.
jh. in der bildenden kunst: der triangel (
ist) blos eine tropische symbole: die glorie mit dem heiligen namen nichts als eine epistolische hieroglyphe (
in der bildlichen darstellung der dreifaltigkeit) Herder 3, 398
S.; in den einfassungen oder rahmen ... hat sich der künstler beflissen, mancherlei allegorische zeichnungen anzubringen, glorien und kreuze Göthe 49, 41
W.; ein kelch mit der hostie in einer glorie oben darüber Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 117;
insbesondere '
heiligenschein',
vgl. glorie
l'auréole, nimbe, couronne de rayons, cercle de lumiere que les peintres mettent autour de la tête des images des saints Schwan
nouv. dict. (1783) 770
a; Otte
archäol. wb. (1877) 88: in Rembrandts trefflicher radirung ... ist die glorie, welche gewöhnlich des herrn haupt umgibt, in die vorwärts wirkende hand gleichsam gefahren Göthe 48, 212
W.; december (schwarzes kleid, ein weiszer schleier, eine dornenkrone drauf und ein engelchen mit gloria) Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 599; eine heilige, eine madonna ... in lichter glorie neigtest du lächelnd dein liebliches haupt
mod. dichterchar. (1885) 22.
häufig in dichterischem vergleich: in einem licht, das zauberisch von oben wie eine glorie auf sie herunterströmt Wieland (1794) 23, 261; seine stirn und seine hohe scheitel ... erschienen, von dem lichte auf dem tische angestrahlt, wie in einer glorie O. Ludwig
ges. schr. 1, 263
E. Schmidt; um dein so ernstes angesicht wie glorie schien das bleiche licht der schwarzumflorten trauerkerzen H. Lingg
ged. (1864) 1, 76;
bildlich: pflanzt ... dem märtyrer, der als ein dieb und thor stirbt, eine glorie um sein haupt Herder 23, 384
S.; ich will nur noch die heiligen rächen, ich will die glorie um eine gleisznerstirn auslöschen Hebbel
w. 2, 189
Werner; was wunder, wenn man ... seinen kampf mit den heiden ... in das licht eines kreuzkriegs, ihn selbst in die glorie eines gotteskämpfers ... stellte Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 232.
von der verklärung irdischer gestalt durch die kunst: mit einer glorie hat sie (
die dichtkunst) dich umgeben Schiller 11, 336
G.; mit mannigfaltgem geist verherrlicht er (
Tasso) ein einzig bild in allen seinen reimen. bald hebt er es in lichter glorie zum sternenhimmel auf Göthe 10, 112
W. (
Tasso I, 1). 3@bb)
in der malerei auch die darstellung des offenen himmels mit gott, den engeln und heiligen, s. Jacobsson (1793) 5, 703
a; Müller-Mothes
ill. baulex. 1, 471
b: hoch oben an der decke (
der kirche) war des himmels glorie gemalet Uhland
ged. (1898) 1, 315;
ähnlich als theatertechnischer ausdruck: glorie '
in komödien und andern schauspielen der erhabene und illuminierte ort, wo ein offener himmel mit den heidnischen gottheiten vorgestellt wird' Jacobsson (1793) 5, 703
a; er (
der poet) musz wissen, was für glorien und göttermaschinen, für luft- und flugwagen vorhanden Barth. Feind
dtsche ged. (1708) 88. 3@cc)
von a
aus in gehobener sprache erweitert auf den glanz und abglanz der sonne, der gestirne, der morgen- und abendröte: dort steht am himmel die zurückgeworfene glorie der sonne Herder 22, 50
S.; wie alles unter der sonne erwacht, eine herrliche glorie dort unten maler Müller (1811) 1, 186; der abendstern (
trat) in voller glorie über den wald herüber Novalis 4, 227
Minor; nun, morgenlohe, hülle in glorie dein reich Eichendorff (1864) 1, 393; das freie land ..., über das der sommerabend in seiner goldenen glorie niedersank W. Weigand
die gärten gottes (1930) 103.
speziell vom strahlenkranz der sonne: ich (
mensch) tausch um allen deinen glanz, um deine glorie, du grosze sonne! nicht einen strahl aus meinem kranz R.
Z. Becker
mildheimisches liederb. (1799) 3; bald war die glorie um das gestirn des tages verzehrt und nur als eine matte, glänzende scheibe stand es noch da Novalis 4, 201
Minor; mit dem gebrauch a
gekreuzt: die, eine glorie von Orionen ums angesicht, in hehrer majestät, ... verzehrend über sternen geht, ... die furchtbar herrliche Urania Schiller 1, 178
G.; oft im stillen tannenhaine webe dir ums angesicht seine zauberische, reine glorie das abendlicht Hölderlin 1, 142
Litzmann. 44)
stärker abstrahiert und allgemeiner. fast durchweg in mehr oder minder fühlbarer anlehnung an 3,
in der hochsprache namentlich vom späten 18.
bis über die mitte des 19.
jhs. hinaus auszerhalb der religiösen sphäre vielfältig gewendet. 4@aa)
in der alten bedeutung '
ruhm' (
s. o. 1),
aber nur in weltlichem sinne und unter spürbarem einflusz der jüngeren gebrauchssphäre 3: aus welchen höhlen hört mich die welt des göttlichen Cäsars unvergängliche glorie unter die sterne tragen Ramler
einleitung in d. schön. wissensch. (1758) 3, 46; die glorie des siegers in drei welttheilen Mommsen
röm. gesch. (1854) 3, 367.
gern auf die geschichte eines volkes und landes bezogen (
s. glorreich 2 b
β, glorwürdig 2 b): sobald wir diesen sieg ... errungen haben, bricht der tag unserer glorie wieder an E.
M. Arndt
schr. f. und an s. l. Dtsch. (1845) 1, 422; da beginnt die deutsche glorie Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 2, 40; wollt ihr die nimmer verletzte über vergänglicher not, fahne von Deutschland hissen ewig in gloria? R. A. Schröder
ged. (1935) 180.
in diesem zusammenhang besonders von ruhmvoller vergangenheit: Dänemarks alte glorie ward der raub einer frevelhaften that H. Steffens
was ich erlebte (1842) 5, 295; so vergesse, auch im wütendsten aufstande, niemand der glorie alter zeiten Herder 18, 320
S.; personifiziert: Toskana, die alte glorie von Welschland, liegt da in schmutz und trauerkleidern Heinse 4, 62
Sch. 4@bb)
als umschreibung für hoheit, glanz, vollkommenheit: ich bin nicht würdig, den entweihten blick zu ihrer glorie empor zu richten Schiller 5, 2, 379
G. (
don Carlos IV 19); der eminente geist des Julius Roman zeigt sich auch hier in seiner glorie Göthe 49, 138
W.; die volle glorie sinnlicher und geistiger cultur J. v. Müller (1810) 10, 324; aber noch verschönert seine melodien eine gewisse glorie, die unter jeder beschreibung verliert Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 214.
im sinne von nimbus: die glorie ..., die diesen stand (
den mönchischen) umgiebt Zimmermann
über die einsamkeit (1784) 1, 121; (
sie) hätte der tugend ganze glorie zu kosten und doch zugleich des lasters heimliche entzückungen zu naschen sich erdreistet? Schiller 5, 1, 129
G. als superlativische umschreibung, ein höchstes masz bezeichnend, vereinzelt schon mhd.: aller triwen glorie Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 12784
R.; dasz Arthur ... sich selbst der glorie (
der vollkommenheit) verhältnismäszig mehr und mehr nähere Gerstenberg
br. über merkwürdigkeiten der litteratur 30
lit.-denkm. 4@cc)
nicht selten in leichtem spott oder ironisch und satirisch: nicht den tageshelden, für deren glorie ward ich taub und blind und lahm Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 4, 358; die ganze wirkliche geheime glorie, welche zuletzt mich und meine familie (
bei schneller beförderung) umstrahlen würde Bismarck
br. an s. braut u. gattin 29.
formelhaft in seiner glorie: als ich (
der wirkliche Spiegelberg) ... den pseudo-Spiegelberg in seiner glorie da (
am galgen) paradieren sah Schiller 2, 79
G.; ich hoffte den herrn Ewson (
einen englischen sonderling) in seiner glorie zu sehen E. T. A. Hoffmann 2, 133
Gr.; hierhin auch redensartliche formeln wie glanz und glorie, mit glanz und gloria: diese dame aber sasz da, voll glanz und glorie (
d. i. aufgeblasen, selbstgefällig) W. Hauff (1890) 2, 76; mit glanz und gloria, dachte sie, würde der vater kommen, und alle würde er reich und glücklich machen, und nun ist er tot K. H. Waggerl
mütter (1935) 252;
in der neueren umgamgssprache als ironische verstärkungsformel, vgl. z. b. er ist mit glanz und gloria hereingefallen;
s. auch rhein. wb. 2, 1277. 55)
als '
freude, hochgefühl, triumph',
schon früh aus dem seit alters naheliegenden nebensinn des triumphalen entwickelt: do sy (
die schiffe) zusamen wurden pracht, si furen hin in gloria ... si furen hin mit freuden pracht den selben tag und di nacht Heinrich v. Neustadt
Apollonius v. Tyrland 5368; do hattent die von Zürich und von Raperswyl do vil früntschaft zesamen, und fuorent uf und ab zesamen und hatten einandren rate, und was ein grosze glorie und ein grosze fröde (15.
jh.) Hans Fründ
chronik 112
Kind. häufiger in jüngerem gebrauch: ich muszte eine gewisse theure person in banger ahndung zurüklassen, eine person, die die glorie dieser nacht mit mir theilen wird (
sagt Fiesco nach seinem siege) Schiller 3, 149
G.; mutterkind, zage nicht! nahe schon winkt das licht. harre nur muthig aus, wird noch ein glory draus (
ein triumphaler sieg) Immermann 11, 274
Boxb. (
gedicht '
Katzbach').
meist derberer oder ironisierender sprechweise zuneigend: kollegen soll man nie vergessen, am allerwenigsten in der gloria (
d. i. wenns einem gut geht) Körner
w. 7, 99
Hempel; nichts konnte ihm willkommener sein als solch herrlicher einfall, und freudig genehmigte er denselben. er wurde schnell für die reise ausgerüstet und mit wechseln versehen, und er fuhr in höchster gloria davon G. Keller (1889) 5, 89.
vergröbert in mundarten des westens und südwestens: gloria '
strahlende freude, vergnügen'; he kom en ene gloria hem
rhein. wb. 2, 1277; glori '
jubel, frohlocken, laute freude' Unger-Khull
steir. 296;
ebenso schweiz. id. 2, 642; haud si it a gloria und a dudeldum
bei Fischer
schwäb. 3, 706;
als verschränkung von in gloria
und in floribus: alles lebt in gloribus unds hemd hangt bei der hose dusz
ebda; in gloribus sein '
in saus und braus leben'
schweiz. id. 2, 642;
vgl. auch glori,
m., '
einer der sich recht freudig geberdet'
ebda. 66)
für den lobgesang in der messe ('
gloria in excelsis deo'),
in der lat. form gloria
und stets als n.: ein engel singt das gloria Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österreich 383; Fischer
schwäb. 3, 706;
in dichterischer übertragung für religiösen preisgesang: möcht ich einst mit lautem schalle ... ein erhabnes gloria dir und allen heilgen weihen Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 250.
in katholischen gegeden redensartlich: einem das gloria (an)blasen '
die meinung sagen' Fischer
schwäb. 3, 706;
als umschreibung für prahlerei: das klingt mehr nach gloria als nach kredo Rother
d. schlesischen sprichw. 247. 77)
von 5
und 6
her in lautspielerischen formeln und ausrufen. als liedkehrreim: gling, glang, gloria Uhland
volksld. 576; gloria, gloria, gloria victoria. mit herz und hand fürs vaterland
im weltkrieg 1914-18.
variiert in schlemmerliedern (
s. kling 3
teil 5,
sp. 1171): so leben wir da in glimper gloria und singen unsers herren Mertens gaudia (1621)
ebda 573; so leben wir in glimper gloria Hoffmann v. Fallersleben
gesellschaftslieder 182;
im sprichwort (
s. oben glim
und glam): glim, glam, gloriam der esel hat ein chorrock an Petri
weiszheit (1604) 2, F f 6
a;
im kinderspiel: kling klang gloria Mensing
schlesw.-holstein. 2, 397.