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kralle

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kralle

Bd. 11, Sp. 1981
kralle , ungula, falcula, klaue. II. Alter, heimat, herkunft. I@11) das alter. I@1@aa) den wbb. nach müszte es ziemlich jung sein. ich finde es in der heutigen form erst bei Kirsch cornuc. (Nürnb. 1723), Steinbach (Bresl. 1734); noch Rädlein hat es nicht, während andere in der form noch schwanken, bei Frisch krall f., wie bei Aler kral, öfter auch gralle Stieler 701, Schmotther 1, 362, Ludwig (wie gräll für kräll); das g- ist nicht ohne berechtigung, s. u. II, 3, c. auch bei den schriftstellern ist es erst im 18. jh. in gang gekommen, da sonst klaue seine stelle hat, das noch jetzt gewählter klingt. I@1@bb) und doch läszt sichs schon fürs 16. jh. belegen und ist sicher weit älter: dasz man ihm die zähne ausschlüge und die kralen abhiebe. Schuppius 831 (fabelhans), die worte sind aber aus Mathesius Luther (1583) 95a, von einem löwen; vögel, die krumme schnebel und lange kralen haben. ebend. 100a (106a). man sprach wol also auch krâle, denn ebenso besteht für krällen krallen auch krählen, krehl für kräll (s. d.), und ebenso wird z. b. für elle md. und oberd. êle gesprochen (gleichfalls schon im 16. jh., s. ehle), als hätte das -ll nicht kraft genug gehabt die tonsilbe bei kurzem vocal genügend lang zu machen, sodasz man lieber den vocal dehnte. I@1@cc) gleichfalls aus dem 16. jh. eine form mit umlaut: weil es in büchern noch gnugsam verhanden und keine krae mit iren krellen so bald wird auskratzen können. Joh. Wigandus ob die newen Wittenberger u. s. w. 4b, also wahrscheinlich ein fem. krälle (schwerlich ein m. krall), zu krällen gleich krallen stimmend. s. dazu II, 3, c. I@22) die heimat. I@2@aa) heimisch ist es im md., z. b. thür., sächs., wo es die stelle von klaue inne hat, das man dort eig. nur von dem hornfusze des 'klauenviehs' braucht, nicht von der scharfen klaue der raubthiere wie anderwärts; und eben aus md. landen scheint auch kralle den zeugnissen nach im 18. jh. emporgekommen. es ist ebenso mit krall, kräll, krallen. I@2@bb) aber sein bestand auszer dem md. erscheint zweifelhaft. in nd. wbb. wird es weder jetzt noch früher angegeben, ein nl. kral undn. kralle sind nur vorübergehend gebraucht worden durch den hd. einflusz des 18. jh., es heiszt auch dort vielmehr klauw (oder krauwel, s.kräuel) und kloe. Stürenburg 122a gibt freilich als ostfries. 'kralle 1. kralle, 2. koralle', aber das scheint mir zweifelhaft, ob volksmäszig. I@2@cc) auch oberd. ist sein volksm. bestand fraglich. ich finde nur als tirol. krâl f. mit krâlen krallen Fromm. 6, 301, Schöpf 338; aber die verweisung dabei auf Schm. 2, 378, Fromm. 3, 119 zeigt, dasz es auch Schöpf wesentlich vielmehr als sprechform für kräuel ansah; ebenso ist es mit kärnt. krâl m. kratz, krâle f. kratze, krâln kratzen, sie haben mit kralle nichts zu schaffen, s. unter kräuel, kräueln. selbst des Mathesius krâlen u. 1, b erscheinen nicht ganz sicher, s. unter II, 3, b. I@33) vom stamme s. unter krällen, wo aus dem nord. sich ein starkes verbum mit ablaut i : a : u offenbart, aus dessen praet. kralle begreiflich wird, dem danach hohes alter zukäme. die kralle ist urspr. die gekrümmte, die sich krümmende. IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) klaue von thieren. II@1@aa) hauptsächlich die scharfe klaue von raubthieren, ihre waffe (kräftiger als klaue, s. I, 1, a. 2, a): der adler hat grosze starke grallen, geiers grallen. Stieler; die krallen einschlagen. Steinbach; der vogel Jupiters schlägt so die mächtgen krallen in ein geputztes lamm. Zachariä; die katze schlägt ihre krallen in die maus. Adelung, [] (der bär) fasset schnell mit seinen krallen des wandrers fusz. Lessing 1, 125; in den krallen der rupfenden todeseule. J. Paul. die jäger sprechen haupts. beim luchse von krallen (Döbel 1, 34b), doch auch bei raubvögeln, wilden katzen; vgl. unter klaue II, 1, b. II@1@bb) doch auch von andern als raubthieren: glückselig ist der welcher die äuszerste spitze deiner krallen anrühren darf, Rabener 1, 93, von einem schoszhunde; thut sie dem kinde den gefallen und macht ihm noch an beide hände krallen. Gellert 1784 1, 155, von einer misgeburt. der teufel hat krallen: sein unglaube geht mit der sonne auf und unter. denn mitternacht sieht er gespenster und den teufel, zählt unter der bettdecke die krallen an seinen klauen. Leisewitz, doch ist diese theilung von kralle und klaue keineswegs ursprünglich oder allgemein. II@1@cc) auch statt der ganzen tatze, an der die krallen sitzen, die ja daran die hauptsache sind (s. ebenso klaue II, 1, b): sie sind entzweit in dem gemeinen falle, was eine kralle packt, packt auch die andre kralle. Schubart (1825) 2, 116 in einem gedichte 'der reichsadler', dessen beide köpfe als Österreich und Preuszen gedacht werden; das sprichwort ... dasz mönch und weib, und weib und mönch des teufels beide krallen sind. Lessing 2, 222; und sei es keine hand, seis eine kralle. Rückert 174. II@22) bildlich, wie klaue. II@2@aa) von menschen und mächten, die augenblicklich als raubthiere gedacht werden: man urtheile aus den krallen, welche die geistliche tyrannei in einem ihrer grimmigsten, zum glück noch gefesselten tiger, bereits zu entblöszen wagt! Lessing 10, 188; Regensburg ist in des feindes krallen. Schiller 324b; denn nur wenn ich vernichtet bin, bleibt diese taube in deinen krallen. Kotzebue dr. sp. 3, 111; die poesie sei dazu, um das edle einfache grosze aus den krallen des philisterthums zu retten. Bettine br. 2, 215. II@2@bb) volksmäszig derb von händen, insofern sie etwas in ihre gewalt bekommen: was der in seine krallen kriegt, ist verloren, von einem habgierigen; um ihren schülern nicht in die krallen zu gerathen. Felsenb. 2, 15. II@2@cc) gleichfalls derb volksmäszig von groszen fingernägeln (wie klauen): ein garstiges altes hexenweib mit krallen an den fingern. Gutzkow ritter v. g. 2, 390. II@33) aber auch noch einige andere bedeutungen. II@3@aa) verwundung wie mit einer kralle (s.krall m.) scheint es in folg.: Roland hatte ein schwert, Durant genant. dem er damit eine kralle reichte, der muste ins gras beiszen. Chr. Schultze, Gardelegen. Stendal 1668 4 ° s. 61. freilich, da Roland damit offenbar als löwe o. ä. gedacht ist, könnte auch sein schwert als wirkliche löwenkralle gedacht sein. II@3@bb) krallenähnliches werkzeug in mistkralle misthaken, das Spiesz abergl., sitten u. gebr. des sächs. Obererzgeb. s. 63 angibt, wenn es nicht blosz willkürliche umdeutung aus mistgrahl ist, das er daneben setzt, letzteres aber wird nichts als kräuel sein (vergl. I, 2, c), das übrigens auch selbst klaue bedeutet. aber wie kräuel und klaue selbst (s. d. II, 7, d) diese beiden bedd. haben, ist doch auch für kralle die bed. haken zum packen u. ä. denkbar, vom Harze ward mir krâl n. misthaken angegeben. II@3@cc) gestützt ist das durch ein älteres grelle tricuspis Dief. 595c, mhd. als werkzeug zum fischfange Pfeiffers Marienleg. s. 221. 236 (s. fischerger), als bauernwaffe Lohengr. 2876, wol eben mistgabel, nach ruoʒige grelle Germ. 1, 352b, 494 wol auch ofengabel oder haken; im Freiberger stadtrechte c. 39 (s. 269 Schott) werden den Freibergern als waffen erlaubt spitze swert, grellen, armbrust unde bogen. im umlaut stimmt das zu krelle unter I, 1, c, in dem weicheren anlaut zu gralle oben; die häufigen formen mit gr- (s. besonders kräll) sprechen dafür, dasz das r auf ein vorgängiges k so erweichend einwirken konnte, wie das l und n oft sichtlich gethan haben.
7479 Zeichen · 179 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KRALLEf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +1 Parallelbeleg

    KRALLE f. kralle, klaue.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kralleM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    kralle , M. Vw.: s. koralle L.: MndHwb 2, 658 (kralle)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kralle

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Die Kralle , plur. die -n, Diminut. Das Krällchen, eine im gemeinen Leben übliche Benennung der Klauen, d. i. der krumme…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kralle

    Goethe-Wörterbuch

    Kralle a scharfer, gebogener Zehennagel, wohl auch für die Gesamtheit der Nägel an Pfote, Fuß; einmal ‘mächtige K-n’ α m…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kralle

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kralle , ein hakiger, scharfer Nagel an der Zehe, besonders bei den Raubtieren; auch bildlich gebraucht; bei den Glieder…

  6. modern
    Dialekt
    Krall(e)

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Krall(e) [Kràlə Heidw. Hi. Sier. Banzenh. ; Kràl Su. u. nördl. allg.; Krèl Str. (jüd.) Dehli. ; Pl. –ə] f. 1. Glas- oder…

  7. Sprichwörter
    Kralle

    Wander (Sprichwörter)

    Kralle 1. An den Krallen erkennt man die Katze (den Löwen). 2. Die Kralle lauert hinter der Sammetpfote. 3. Die Krallen …

  8. Spezial
    Kralle

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kral|le f. (-,-n) 1 (der Katze, der Vögel, usw.) grifa (-fes) f. 2 ‹pop› man (-s) f. , grifa (-fes) f. ▬ die Kralle n ze…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kralle

63 Bildungen · 35 Erstglied · 27 Zweitglied · 1 Ableitungen

kralle‑ als Erstglied (30 von 35)

Kralle II

RhWB

Kralle II das aus Koralle entstandene Wort ist allg. Nahe, Hunsr, Saar von Saarl an, Mos, Eif, Neuw , Rip [RRip in Sieg , MülhRh , Waldbr-Hu…

krallenaffe

DWB

kralle·naffe

krallenaffe , m. eine affenart mit krallen: die leichten meerkatzen und krallenaffen gehen noch am besten. Brehm illustr. thierleben 1, 8 .

Krallenband

MeckWB

krallen·band

Wossidia Krallenband n. 'Korallenband', Halsband von Glasperlen, in Schö @ zur weiblichen Tracht gehörend Jb. 2, 151.

Krallenbeeren

RhWB

krallen·beeren

Krallen-beeren -bEzə Pl.: 1. -al- Beeren der Eberesche Klev-Frasselt . — 2. -ęləkəs- Johannistrauben Klev-Warbeyen .

Krallenbleªder

WWB

Krallen-bleªder Pl. [ Kr. Münster Mün Lhs] Malve (Malva silvestris). ⟨ - blāer ⟩

Krallenbohnen

RhWB

krallen·bohnen

Krallen-bohnen (s. S.) May , Ahrw-Sinzig , MGladb , Geilk , Erk , Heinsb , Kemp , Mörs Pl.: eine B.sorte, perlartig, Goldbohnen.

krallenfaust

DWB

krallen·faust

krallenfaust , f. faust mit krallen: sah man den teufel schwarz und scheuszlich liegen, die krallenfäuste grimmig wild geballt. Körner 1, 23…

krallenhaft

DWB

krallen·haft

krallenhaft , krallenartig, krallig: der meisten hände ( der gespenster ) waren krallenhaft. Klopstock 12, 384 .

Krallenhals

ElsWB

krallen·hals

Kralle n hals m. Halskette, 4-reihige Perlenschnur aus gläsernen, übersilberten Kügelchen, woran meist ein Crucifix, bes. von Mädchen getrag…

krallenhand

DWB

krallen·hand

krallenhand , f. hand mit krallen, krallende: o lasz mich los, du scharfe krallenhand des lebens. Arnim schaub. 1, 89 ; aus dem dunklen scha…

krallen I

RhWB

krallen I = kratzen, stehlen s. bei Kralle I;

krallen II

RhWB

krallen II = perlen s. bei Kralle II;

Krallenkiᵉten

WWB

Krallen-kiᵉten f. [verstr.] Kette aus Korallen oder Perlen.

Krallenkraut

RhWB

krallen·kraut

Krallen-kraut Zell-Enkirch Raversbeuren n.: Kerbel, anthriscus cerefolium; die Kinder schneiden die hohlen Stengel in kleine Stückchen u. re…

Krallenpaternoster

MeckWB

krallen·paternoster

Wossidia Krallenpaternoster n. Gebetschnur, Rosenkranz aus Korallen: 'myne beste Krallen Paternoster mit tween güldenen Reigen' (Wi 1516) D.…

Krallenpüsch

RhWB

Krallen-püsch -e- Neuw-Giershf m.: Löwenzahn, dessen Hohlstengel zu Halsketten ineinandergefügt werden.

Krallensnaur

MeckWB

Wossidia Krallensnaur a. Spr. -snor m. , f. Korallenschnur, Halsband aus Korallen, Glasperlen u. a.: 'dat drudde part van eneme krallensnore…

Krallensnōr

WWB

krallen·snor

Krallen-snōr Schmuck aus echtem Bernstein mit silbernen Haken oder Schloss ( Kr. Minden Min Fr).

krallensnōr

KöblerMnd

krallensnōr , M. Vw.: s. korallensnōr L.: Lü 187b (krallensnôr)

krallentatze

DWB

krallen·tatze

krallentatze , f. krallichte tatze: ich jagte gerne das lernen all zum teufel, in seine glühende krallentatze. Albertine v. Grün in Mercks b…

kralle als Zweitglied (27 von 27)

fangkralle

DWB

fang·kralle

fangkralle , f. ungula avis rapacis, womit der raubvogel seinen fang packt.

fuszkralle

DWB

fuszkralle , f. eine kralle an einem fusze. vgl. DWB fuszkreuel .

habichtskralle

DWB

habicht·s·kralle

habichtskralle , f. kralle eines habichts: sie ( die Sirenen ) verbergen in den zweigen ihre garstigen habichtskrallen, euch verderblich anz…

Heukralle

LDWB2

heu·kralle

Heu|kral|le f. (-,-n) (vierzinkige, nach unten gebogene Heugabel) grifa dal fëgn f. , crazafëgn m. , ‹pop› crazamalan (-s) m.

löwenkralle

DWB

loewen·kralle

löwenkralle , f. kralle eines löwen; in künstlerischer nachbildung: vier ständer, aus löwenkrallen gebildet, tragen den zeltartigen untersat…

Pumpkralle

RhWB

pump·kralle

Pump-kralle -pəkra·l. (-koralle) Eusk-Cuchenh f.: dicker Glasklicker zum Weitwerfen.

Rūekralle

WWB

rue·kralle

Rūe-kralle f. [WMünsterl] Rou - Trauerkette aus schwarzen Korallen.

scharrkralle

DWB

scharrkralle , f. zum scharren dienende oder geeignete kralle: an den füszen sind alle zehen stark und mit tüchtigen scharrkrallen versehen.…

teufelskralle

DWB

teufels·kralle

teufelskralle , f. kralle des teufels ( vgl. DWB teufelsklatte , -klaue), botanisch phyteuma haemisphericum Pritzel - Jessen 274 a ( Tirol )…

vogelkralle

DWB

vogel·kralle

-kralle , f. : vogelkrallen, artigli, unghie di uccelli Kramer 2, 1205 c (1702) ; Campe ; die mit fleisz so lang als die vogelkrallen erhalt…

Vogel(s)kralle

PfWB

vogel·s·kralle

Vogel(s)-kralle f. : wie schd. Er hot Neel 'Fingernägel' wie Voolskralle [ KU-Schmittw/O ]. —

vorderkralle

DWB

vorder·kralle

-kralle , f. : ( d. löwe von Chäronea ) auf einem ungeheuren sandstein liegend, den er mit den vorderkrallen faszt Welcker alte denkm. 5, 71…

Ableitungen von kralle (1 von 1)