trauern,
vb. ,
maerere, lugere. ahd. mhd. trûren,
mnl. trōren
und trūren,
nnl. treuren (
dazu vgl. Frings
Germania Romana [1932] 21).
aus den germanischen sprachen wird gewöhnlich vergleichen das bedeutungsmäszig [] fernstehende ags. drûsian '
langsam, träge werden, sich beruhigen'
und das vielleicht im ablaut dazu stehende ags. dreorig,
das neben '
blutig, blutbefleckt'
auch '
schaurig, furchterregend'
und '
betrübt, traurig'
heiszt und zu ags. dreor,
ablautend auch zu as. dror
blut, as. drorag
blutend, blutig, ahd. mhd. trôr
blut, regen, tau, ahd. mhd. trôren
gieszen, schütten, begieszen, intr. tröpfeln, triefen, schles. troren, truren '
durchsickern'
gehört und sich weiterhin zu got. driusan
fallen, gadrausjan '
niederwerfen'
stellt. diese zusammenstellung wäre widerlegt, wenn trûrên
germ. tr
hätte, was nach v. Wijk
zs. f. d. wortf. 10, 259
aus nl. treuren
folgt (
vgl. auch Schatz
ahd. gr. 123
u. Wissmann
nom. postv. 136),
doch hält Frings
a. a. o. treuren
für entlehnung aus dem hd. trûren,
urspr. ein obd. wort, dringt langsam nordwärts. Tatian hat es noch nicht und auch im mnd. ist es nur selten belegt. im mhd. steht es mit seinen verwandten hinter riuwen, riuwe, riuwec
zurück. mhd. und frühnhd. ersetzt der subst. inf. das erst im 17.
jh. üblich werdende subst. trauer (
s. die belege unten)
und erfüllt in präposit. verbind. auch die functionen des adv. traurig,
vgl.: mit schanden und mit trauren A. v. Eyb
dtsche schr. 1, 8
Herrmann; in groszem trauren J. Böhme
schr. (1620) 4, 30.
die form trauren,
die Adelung
als '
unrichtig'
bezeichnet, herrscht noch im 18.
jh. und begegnet auch bei den klassikern noch gelegentlich. mundartlich ist trauren, truren
heute noch auf obd. boden die maszgebliche form. der gegenstand der trauer
wird heute mit um
oder über
angegeben, ersteres bei angabe eines verlustes; ältere sprache kannte auch ein transitives trauern (
s. u.),
das vereinzelt noch mundartlich erscheint, s. Fischer
schwäb. 2, 335. trauern
bezeichnet ursprünglich den lang anhaltenden seelischen schmerz, wie er vornehmlich aus einem tragischen erlebnis, einer schmerzlichen entbehrung erwächst oder einen zustand dieser art begleitet (
s.trauer).
der gebrauch des wortes hat sich in diesem sinne mehr und mehr auf die totentrauer, besonders ihre äuszere bezeugung eingeschränkt, so schon bei Adelung 4 (1780) 1034.
ansätze zu abweichenden bedeutungen begegnen gelegentlich in älterer zeit (
s. u. 3). 11)
allgemein, ohne nähere inhaltliche bestimmung, gern freuen, freude
gegenübergestellt; contristari truren
ahd. gl. 1, 718, 11;
contristari magis et minus truren mer ioh min Notker 1, 467, 17
Piper; sante Bernhart sprach: mit allen den daz du trurest und dich fröwest, mit den selben soltu geurteilet werden Tauler
pred. 72, 18
Vetter; dich soll nichts erfröwen dann got ..., du solt nit trauren dann was wider got ist Keisersberg
pred. (1508) 59
a; so we disse scrift lest ..., mach me darmede trurent unde sorghe vordrucken
städtechron. 19, 195; wo vil freud und lust ist sam in der ee, do musz auch zuzeiten sein trauren und widerwertigkeit Albr. v. Eyb
deutsche schr. 49
Herrmann; nach warmen tagen ist schedlicher der winter und nach freuden das trauren
ders. spiegel der sitten (1511) d 4
b; wesz man sich freut, des traure ich, wesz man trauret, desz freu ich mich Hans Sachs 5, 321
lit. ver.; und ist kein freud so grosz, die sich mit dem geringsten trauren oder schmertzen des gemüts vergleichen möcht Eppendorff
Plinius (1543) 26; bei neuem mon trauren, zuo vollem freuen sich die meerkatzen Herold-Forer
Geszners thierb. (1563) 6; das die, so ... in den ehstand ... treten, ... das trauren in freude verwandeln Butschky
Pathmos (1677) 272.
ein erstarrter gebrauch findet sich gelegentlich in der formel on trauren, truren, '
beherzt, mutig': so macht ein feldgeschrey on trauern so werden falln di stadtmauern Hans Sachs 10, 107
lit. ver.; vgl. 18, 201; da stach man in sye seer on truren Liliencron
hist. volkslieder 2, 547; wir schlugend druf on truren gleichwye die Schwyzer buren
Schweizer volkslieder 2, 102
Tobler. 22)
der tiefe schmerz über ein trauriges erlebnis von besonderer schwere. [] 2@aa) trauer
um einen toten. auf diese bedeutung hat sich das wort mehr und mehr eingeengt, besonders umgangssprachlich. 2@a@aα)
im eigentlichen sinne: conclamatum lugeo ich truwer über den verstorbenen Erasmus Alberus
dict. (1540) 21
a; beide truren unde klagen (
um die gefallenen), daz was ir (
der frauen) ambet alle tage Hartmann v. Aue
Erec 9805; wan ich sihe, das under unvernunftigen tieren ein gatte umb des andern tot trauret
ackermann aus Böhmen 121, 16
Bernt-Burdach; niemant hetten (
die toten), der umb sie weinet oder trauret Arigo
decamerone 6
Keller; uber einen todten pfleget man zu trawren
Jesus Sirach 22, 10; unde (
is) sin licham mit aller lude trorent in de kercken gebracht
Osnabrücker geschqu. 2, 11; wo die immen in (
den toten könig) sehen hinweg ketschen (
tragen), würt ir trawren nit geringert Eppendorff
Plinius (1543) 186; Jacobus Meier ... febre continua gestorben, dorab er seer druret
F. Platter
tagebuch 190
Boos; durch den hintritt dero hochadl. herrn vaters in vielfältiges trauern gesetzet Chr. Weise
polit. redner (1677) 208; da Patroclus umbkam, da traureten seine rosz Walther
pferdezucht (1658) 17; über ein todten pflegt man zu trawren umb des willen, dasz er das liecht nicht mehr hat Albertinus
hirnschleifer (1664) 107; bei denen Deutschen aber ist den männern nur das andencken, denen weibern das trauren allein anständig Lohenstein
Arminius (1689) 11
b; (
ich) trauerte still über den tod meines vaters Göthe 23, 52; wer von uns hätte gedacht, dasz wir nach drei wochen um ihn trauern würden O. Jahn
Mozart 3, 408 (
in einer gedenkrede auf Mozart).
mit nachfolgendem accusativ: warumb wolt ich nit wainen und trauren die todten? Keisersberg
trostsp. (1510) h h 1
d; (
da) trawreten in die erbarn frawen zu Rom auch ein gantz jar wie Junium Brutum Carbach
Livius 28
a; wegen der klag, darmit sie den Phaethon trauren Xylander
Polybius (1574) 81; nur den schönen Daphnis trauret, Daphnis hie vergraben liegt Spee
trutznachtigall 203
Balke; soll mein geist ... trauern den tod meiner freunde Göthe 19, 168
W., vgl. auch Hölty
teil 9, 580. 2@a@bβ)
von der äuszeren bezeugung der totentrauer; so schon zu verstehen: elugeo ich hör auf zu trawren, thu das trawerkleid hinweg Erasmus Alberus
dict. (1540) 32
b; trawren, trawrkleider anhaben
portar veste spelate, fruste, d'essequie o funerale Hulsius (1618) 249
b.
mehr zufällig hierhin gehörend: trurenti
squalentes ahd. gl. 1, 254, 25; die hunde sollen trauren und mit den Plumper bauren in langen mänteln gehn Chr. Weise
grünende jugend 73
ndr.; je frölicher das trauren ist, desto schwärtzer musz der flor sein
ders. die drei klügsten leute (1675) 85; dies jahr nicht allein mit kleidern, sondern auch mit dem herzen und geberden ein christliches trauern gehalten Schweinichen
denkw. 31
Österley; wenn ein mann witwer ward, so durfte er nicht lenger dann acht tage und nacht umb die gestorbene fraw trawren Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) a 4
a; drum lasz die toten ruhn und gib dem witwer kleide von nun an gute nacht! neun jahr im trauren gehn legt rechte lieb an tag Günther
ged. (1735) 465; drum musten die männer in Lycien, wenn sie trauren wolten, weiberkleider anziehen Chr. Weise
polit. redner (1677) 574; Herodotus erzählet, dasz Mordonius eben diese art zu trauren gehabt B. Neukirch
ged. (1744) 288; (
bei dem begräbnis des reichen mannes) träget man fahnen und fackeln, da trauret bischoff und bader
M. Möller
erkl. der evang. (1729) 514
b; es hiesz, sie traure und sei eben mit den beerdigungsceremonien beschäftigt Forster
sämtl. schr. 1, 330; (
stämme, die) nur kurze zeit um kinder trauern Ratzel
völkerk. 2, 92; wenn sie (
die Bretonen) trauern, tragen sie himmelblau H. Laube
ges. schr. 5, 7; s het kum e johr getrurt für sin müeter Martin-
[] Lienhart
elsässisch. 2, 764;
mundartlich gewöhnlich auf das tragen von trauerkleidung bezogen: troren
schwarz gekleidet gehen Strodtmann
id. Osnabrugense (1756) 252;
so auch Fischer
schwäb. 2, 235,
wo zwischen scharf (
schwarz)
und schecket (
schwarz und weisz) trauren
unterschieden wird, vgl. Adelung
wb. 4 (1780) 1034 tief (
mit ganz schwarzer kleidung) trauern, leicht trauern. 2@bb) trauer
über ein schweres geschick sonstiger art, meist mit dem gefühl der unabwendbarkeit oder hilflosigkeit wie im voraufgehenden unter 2 a: dannen huoben si (
die apostel) sich sament, mit in gie der heilant. da was michel truren, si chomen de torrente cedron frau Ava
ged. I 1403
Piper; Äneas beim abschied von Dido: he drurde end si weinde Heinrich v. Veldeke
Eneit 2201
Behaghel; dri vrige heren die haten groze ere virloren in dem lande die giengen trurande vil blozliche in der stat
könig Rother 1392
Rückert; sus schieden sî sich under in. diu küniginne diu gie hin siuftende unde trûrende, ameirende unde amûrende Gottfrid v. Straszburg
Tristan 14909
R.; als balde du icht hast verlorn und es nicht kanst widerbringen, tu, als sei es dein nie worden: hin fleuchet allzuhant dein trauren
ackermann aus Böhmen 22, 31
Burdach-Bernt; ir söllen truren umb üwer ungefell (
vestram gemite fortunam) Steinhöwel
Äsop 42
lit. ver.; es ist nie so vil süssekait, fröid und kurtzwile gewesen in irer beder früntlichen biwonung als vil in dem schaiden gewesen ist laids, kumbers, trurens, not und angste
N. v. Wyle
translationen 76
Keller; du wöllest unwiderbringlichs verlusts dich mit weinen, truren und quelen ze pinigen gedulticlich verwegen Riederer
rhetoric (1493) p 4
b; (
wir) derselben unser verwandten ellend und wislosikeit ... trurend
ebda f 4
a; trawren des nechsten glücks, frewen seins unglücks Luther 7, 210
W.; so sich aber di jare verlengern, ist ümb verschinene zeit nit mer zu trawren J. Schwarzenberg
Cicero (1535) 360; wir trauren, wenn wir mit zeitlosen die wiese überdeckt sehen Herder 23, 443
S.; jene stadt (
Rom), nach der ich in gedanken, wie nach einem verlornen paradiese, immer wieder nicht ohne trauern zurückkehre Göthe IV 39, 239
W.; heimlich nähr ich meine wunde, traure das verlohrne glück
ders. 1, 381;
in späterer fassung: und mit stets erneuter klage traur ich ums verlorne glück
ebda 1, 56; alle fühlten das unglück, aber bittrer die schande, sie trauerten, aber sie zürnten noch mehr Nitzsch
deutsche studien (1879) 303; was ich traure, weisz ich nicht, es ist unbekanntes wehe Mörike 1, 109
Göschen. hier von dem gleichmäszigen stillen inneren schmerz, der wehmut; ähnlich, aufs weltanschauliche gehend, im folgenden: wenn er (
Plato) aber über befleckung des geistes durch die materie trauert Justi
Winckelmann II 1, 71; (
man kann) über diesen zwiespalt trauern, wie dies grosze dichter und künstler nicht selten getan, die aus trauer über die hinfälligkeit des schönen sich in die religion versenkten Solger
ästhetik (1829) 93.
verwendungen in einem leichteren sinne, wo bedauern, schmerzlich empfinden
heute üblicher geworden sind: so trur ich seer, dasz ir us dem frommen geschlecht der buren ... schlahend Zwingli
deutsche schr. 1, 84; wo dieses die heiden, die gott nit achten, theten, wer es nit zu verwundern, auch nit zu trauren Ambach
vom zusaufen (1544) t 2
b;
mehr mitempfindend: (
man) muszte über den zerstückten, seltsamen menschen trauren Cl. Brentano
Godwi 1, 308; (
ich) trauerte, dasz ein mann wie sie so unverstanden und einsam in dieser barbarischen gegend bleiben musz G. Keller
ges. w. 5, 135.
[] 33)
bedeutungsnüancen älterer zeit: 3@aa)
mit dem nebensinn '
bereuen': dann oft hat ainer rew und trawern im gemuet on gnad wie Judas gehabt Berthold v. Chiemsee
teutsche theologei 22
R.; darum sölle man das (
fleisch) mit fasten und truren widrum dem geist underwürflich machen Zwingli
deutsche schr. 1, 219; wer eine schalckheit gethan hat, der trawret umb seine übelthat Agricola
sprichw. (1534) m 1
a. 3@bb)
als sorge um ein ungewisses schicksal oder ein drohendes unglück. im gegensatz zum voraufgehenden geht der blick hier mehr oder minder deutlich in die zukunft: (
gott) sprach ze dem guoten Moysi: 'la dine troren sin' (
wegen der drohung des königs)
exodus 142
Diemer; von könig Rother, der vergeblich auf die rückkehr der boten wartet: Rother da heime vil sere trorote umbe die botin gote. her wranc sine hende
Rother v. 436
de Vries; do vernam ouch disiu mæresin muoter Siglint. si begunde trûrenumb ir liebez kint. daz vorhte si verliesenvon Guntheres man
Nibelungenl. 61, 2,
vgl. ebda 1457, 4; 152, 2; '
sich fürchten': (
der teufel zu Theophilus): nu tret dre vöte to rugghe unde trore nycht ene mugghe
Theophilus S 419
Petsch. und ähnlich: wann ich gedenck an den gewalt, vor trauren mir mein hertz erkalt
M. Schrot
wappenb. (1581) b 3
a.
gern die sorge vor gottes gericht, vgl. trauerwort, trauerzeichen: an dem driten tage ... widerget im der stram daz sihet wip unde man. so truret allez daz der ist wande daz urteile nahen ist frau Ava IV 37
Piper; vgl. IV 87; diu hell ze lône in ist bereit, si trûrent ir künftiges leit Ulrich v. Lichtenstein
frauend. 532, 10
L.; ach lieben christen trauret nicht, thut euch nicht so entsetzen darumb das uns der vater richt Ringwaldt
handbüchl. (1586) c 1
a;
ohne den beisinn der furcht, mehr im sinne religiöser sehnsucht und überleitend zum folgenden: ir mit sere brot ezent und hier trurent in convalle lacrimarum Notker 2, 507
Piper; do du maget do irsceine do was diu sorge hine: do was druren gestoret, vroude irhoret von den engelen hie in erde
Vorauer sündenklage v. 133. 3@cc)
in der minnesprache ausdruck für die schmerzliche sehnsucht der liebenden: ich lebe stolzlîche, in der werlte ist niemanne baz. ich trûre mit gedanken: niemen kan erwenden daz, ez tuo ein edeliu frouwe, diu mir ist als der lîp Meinloh v. Sevelingen
in minnesangs frühling 12, 29; op ir rôter munt tuot mir fröide kunt, so getrûre ich niemer mê Heinrich v. Morungen
ebda 174, 26;
vgl. 123, 21; 131, 5; 132, 26; 138, 30; 144, 22; trûren unde wesen fro, sanfte zürnen, sêre süenen, deis der minne reht: diu herzeliebe wil also Walther v.
d. Vogelweide 70, 5;
bei ihm öfter in verbalen wendungen: trûren leschen 27, 24, vertrîben 110, 7, verkêren 113, 20
und wenden 109, 6;
letztere lebt in nominaler zusammensetzung noch länger fort, vgl.: traurenwender aller in dich hoffender, ... erhore mich
ackermann aus Böhmen 90
Burd.-Bernt.; eintweder ir widerbringet, was ir an meiner traurenwenderin (
ehefrau), an mir und an meinen kinden arges habet begangen oder kumpt des mit mir an got
ebda 40; trauerwendt Fischart 1, 375
Hauffen; [] wan ich nâch fröide bin verdâht, und kan doch niemer werden frô. mich hât ein liep in trûren brâht. deist unwendic: nu sî alsô Reinmar
in minnesangs frühling 158, 9,
diese formelhafte gegenüberstellung mit freude
auch 195, 30; 199, 17,
und nicht nur bei ihm, vgl. minnesangs frühling 11, 25; 24, 31; 84, 25; Walther v.
d. Vogelweide 29, 6; 24, 38; 41, 29; 109, 6.
das ziel der sehnsucht ist besonders herausgehoben: waz ist für das trûren guot, daz wîp nâch lieben manne hât? Dietmar v. Eist
in minnesangs frühling 32, 1; ich liez ein lant da ich krône truoc, dar zuo daz minneclîchste wîp ... ich sen mich nâch ir kiuschen zuht, nâch ir minne ich trûre vil Wolfram v. Eschenbach
Parzival 441, 11;
noch frühnhd.: bisz du zuovor dein hausfrau ... sehest wie si in irem frauenzimmer ... sitzt, tag und nacht nach dir traurende Schaidenreiszer
Odyssee 133
Weidl. in gleichem sinne verwendet die mhd. lyrik trûren
von der sehnsucht nach dem frühling in trüben wintertagen: nu lange stât diu heide val: si hât der snê gemachet bluomen eine. die vogele trûrent über al Heinrich v. Rugge
in minnesangs frühling 106, 26; von dir (
summer) verswant armen unde rîchen ir trûren, dô der winder muose entwîchen Neidhart 9, 23
Haupt; vgl. ebda 9, 36; 32, 17. 3@dd)
vereinzelt stehende verwendungen: als '
still in sich gekehrt sein': giang er in thia palinzafand sia drurenta mit salteru in hentithen sang si unz in enti Otfrid I 5, 9,
anders J. Grimm,
der diese stelle zum anlasz nahm, für trauern
als ursprüngliche bedeutung '
die augen, das gesicht niederschlagen, nicht blosz vor kummer, auch vor scham'
zu fordern (
kl. schr. 7, 239)
und zur erhärtung vor allem trurentiu
dejecta (
oculos)
ahd. gl. 2, 668, 48
anzog. vergleichbar ist: si (
das wartende volk) fuarun drurentijoh ouh tho ahtonti want er (
Zacharias) wiht zin ni sprahthaz er thar wuntar gisah Otfrid I 4, 79.
wo jedoch die bedeutung '
betroffen, bestürzt (
über ein ungewohntes erlebnis)'
naheliegt. aus dem mhd. stellt sich dazu: (
Hagen) riet in allen zîtenGunther dem degene, ob Sîfrit niht enlebte,sô wurde im undertân vil der künege lande.der helt des trûren began
Nibelungenlied 813, 4,
jedoch zeigt das Nibelungenlied eine vorliebe für trûren,
auch in verwendungen, die von der ursprünglichen bedeutung weiter abliegen: Etzel der rîchevlêgen ouch began. dô buten si sich beideze füezen für den man den guoten marcgrâventrûren man do sach 330, 1
Z.; selbst dort, wo der schmerz der demütigung, gekränktheit mitspielt: dô trûrte alsô sêreBrünhilde ir lîp (
nach dem wortwechsel mit Kriemhilde) daz ez erbarmen muosedie Guntheres man 806, 2
L.; do hete sich gesundertder künec (
Gunther nach der brautnacht) von sînen man: swes ieman da begunde,man sach in trûrende gân 597, 4. 44)
objectivere bedeutungen, die sich neben unpersönlichem subject entwickeln. die entwicklung nimmt in jüngerer zeit ihren ausgang von den personificationen in dichterischer sprache und geht über in die bedeutung '
einen traurigen, verlassenen, düsteren eindruck machen'
; anderer herkunft und in älterer sprache alleinstehend: ein vorscher spricht, dasz diu slang also die leut töt, daz sich des toten antlütz in kein trauren stell noch schick, sam wir doch gemainleich sehen an der toten antlütz, daz sie trauricleich und wainleich gestaltet sint Konrad v. Megenberg
buch der natur 267
Pfeiffer; es trauren nächst dem schlosz die dickbebäumten hangen S. v. Birken
forts. der Pegnitzschäferei (1645) 75;
[] da trauert laub und grünes gras, weil Judas seiner (
Christi) bald vergasz Achim v. Arnim
werke 13, 149
Gr.; kehrte der frühling nur bald wieder zu der trauernden erde zurück Sturz
schr. 2, 67; über mir die feierlichen gewölbe (
der Westminster abtey), wo der tag immer in einer heiligen dämmerung trauert Lichtenberg
verm. schr. 1, 16; fünf liebliche säulen trauerten über dem schutt Hölderlin 2, 79
Litzmann; an jäher klüfte rand wo dunkle tannen trauern Eichendorff
sämtl. w. 1, 345; die linnen und anderen arbeiten lagen wohl auf den tischen (
der verlassenen wohnung), aber sie zeigten keine anfassende hand und trauerten unter dem staube Stifter
sämtl. w. 5, 1, 158;
am weitesten verselbständigt in anwendung auf welkende pflanzen, noch überleitend: folgt demnach die herbstzeit, darin dem gras all fräud und mut vergehet, fahet an zu trauren Sebiz
feldbau (1579) 54; wie ein lorbeerbaum, der ... im gewächshaus getrauert hat, bei der wiederkehr des frühlings junges laub treibt Musäus
volksm. 5, 93
W.; läszt man den platz verwildern, so trauert der stock (
des jasmin) Oken
naturgeschichte 3, 1111; es tritt eine wachsthumsstörung ein, ohne dasz die pflanze trauert
Kieler neueste nachr. 28. 7. 1900,
bl. 2;
s. auch Fischer
schwäb. 2, 335.
auch von tier und mensch als '
den kopf hängen lassen, krank einhergehen',
s. Fischer
schwäb. 6, 1768; Follmann
lothr. 109; Lenz
Handschuhsh. 72,
vgl. auch die sprichw. wendungen im folgenden abschnitt. 55) trauern
in sprichwörtern und redensarten: nach fröuden dicke truren gat manec truren vrölich ende hat C. Schultze
bibl. sprichwörter 54; besser trauren den lachen Petri
der Teutschen weiszheit 2, k 7
b; hoffnung nert, trauern ferzert H. Ziegler
geschützinschriften 64,
daher: kurtz trauren, lang leben S. Franck
sprichw. (1545) 1, 26
b; wer trauret, der verliert seinen verstand Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 775; trauren ist des menschen hencker 2, 776; trauren ist der jugend dieb Petri
der Teutschen weiszheit 2, Tt 5
b; allzeit trauren kann nicht dauren 2, h 8
b; wer fürsten gunst behalten will, der musz thun wie die bären und trauren, wann es schön wetter ist Lehman
floril. polit. (1662) 1, 378;
von der totentrauer: hut und mantel trauren allezeit, das hertz wirds selten gewahr Petri
der Teutschen weiszheit 2, Ii 6
b; des erben trauren ist ein verdecktes lachen 2, p 6
b.
als warnung: wer nicht trauret auf der bahr, der musz trauren übers jahr Fischer
schwäb. 2, 335,
ebda weitere mundartliche wendungen. ausgehend von den unter 4
genannten bedeutungen: wan das haupt kranck ist, so trauren die glied Tappius
adag. (1545) B b 2
b; wan dat pert sat is, so truret dat Tunnicius
sprichw. 13
Hoffmann v. F.